Ernst Rahn – Grundgedanken zur Energiepolitik II

von | 08. Mrz. 2022 | Debatte, Philosophie & Theorie

Der zweite Teil der Reihe „Grundgedanken zur Energiepolitik, von Ernst Rahn, schlüsselt die bundesdeutsche Energieversorgung vor und im Umbruch der Energiewende auf. Die neu entstandenen Risiken und bestehenden Hürden bilden dabei den Schwerpunkt in Rahns Artikel.

 

Das deutsche Energieversorgungssystem und die Energiewende

 

Die Nutzung von Energie zur Erleichterung, Beschleunigung bis hin zur Ermöglichung zahlreicher Prozesse ist aus unseren Leben kaum noch wegzudenken. Wie im vorangegangenen Artikel[1] dieser Reihe erläutert, hätte ein großflächiger Versorgungsausfall bereits nach kurzer Zeit schwere Folgen. Die Energienutzung und ein möglicher Ausfall der Versorgung betreffen direkt oder indirekt jeden in diesem Land, gleich ob aus politischem oder persönlichem Interesse. Ziel dieses Artikels ist es einen genaueren Blick darauf zu richten, wie das deutsche System zur elektrischen Energieversorgung funktioniert und welche Faktoren eine gewichtige Rolle spielen. Zudem wird betrachtet, welche Entwicklungen der gewaltige Transformationsprozess der Energiewende bis jetzt und in Zukunft hervorruft. Hauptaugenmerk wird hierbei auf den Sektor der elektrischen Energieversorgung gelegt, jedoch werden auch die Energiesektoren Mobilität und Wärme berücksichtigt. Gerade im Zuge der Energiewende wachsen diese Sektoren immer weiter zusammen und sind nicht mehr getrennt zu denken[2].

Ein elektrisches Energiesystem (EES) hat die Aufgabe den elektrischen Energiebedarf von Verbrauchern (Wohngebiete / Industrieanlagen) jederzeit zu decken. Dazu speisen elektrische Energieerzeugungsanlagen (EZA) möglichst bedarfsgerecht elektrische Energie in ein elektrisches Versorgungsnetz ein. Über das Versorgungsnetz wird die Energie zu den Verbrauchern geleitet. Damit dieses System sicher betrieben werden kann muss stets ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch herrschen. Eine Abweichung gefährdet die Betriebssicherheit der Systemkomponenten. Zu diesem Zweck verfügen EES häufig über unterschiedliche Speichermethoden. Die Speicher dienen als Puffer, welche Erzeugungsüberschüsse aufnehmen und Restbedarfe decken können. Das Netz selbst kann nicht als Speicher fungieren. Abbildung 1 stellt den grundlegenden schematischen Aufbau von EES dar.

Abbildung 1: Grundlegender schematischer Aufbau eines EES

 

Dieser Systemaufbau kann zur Betrachtung kleiner (Hausversorgung mit Photovoltaik-Anlage & Speicher) als auch großer (elektrisches Energieversorgungssystem der BRD) Versorgungssysteme angewendet werden. Ein EES kann mit anderen EES in Wechselwirkung stehen. Ein Hausenergieversorgungsystem, bestehend aus Lasten, Photovoltaikanlage (PVA) und Speicher kann sich zeitweise selbst versorgen. Überschüssige Erzeugung wird jedoch in das angeschlossene Netz eingespeist und Restbedarf durch Energie aus dem Netz bezogen. Das Haussystem ist also Teilsystem eines größeren Systems. Dieses Prinzip besteht auch im großen Gesamtzusammenhang. Das deutsche EES ist an das europäische angeschlossen und steht mit diesem im Austausch[3].

Das deutsche EES ist historisch gewachsen und wurde ursprünglich den Gegebenheiten und Bedürfnissen der industriellen Revolution gemäß aufgebaut. Zentral, also in der Nähe der sich entwickelnden Lastzentren (Städte / Industriezentren) wurden Großkraftwerke[4] gebaut, die den zunächst ortsnahen Energiebedarf decken sollten. Mit zunehmender Elektrifizierung aller Lebensbereiche wurden die Versorgungsnetze Stück für Stück ausgebaut. Dadurch stellte sich die heute als konventionell anzusehende Versorgung von über die Fläche verteilten Verbrauchern durch zentrale Großkraftwerke ein. Diese Großkraftwerke wandeln zum Großteil chemische Energie aus fossilen Energieträgern in elektrische Energie um. Zur Reduzierung von Übertragungsverlusten wird Energie auf hohen Spannungen[5] eingespeist und über weite Strecken übertragen. Verbrauchernah wird die Spannung dann je nach Bedarf bis auf die hausübliche Niederspannung heruntertransformiert[6] [7].

 

Die Vorteile einer solchen Struktur werden bei genauerer Betrachtung deutlich. Solange die Primärenergieträger[8] zur Verfügung stehen, können konventionelle Kraftwerke annähernd dauerhaft betrieben werden, um den Bedarf zu decken. Zudem sind diese Kraftwerke in Grenzen regelbar, das heißt die erzeugte Leistung eines Zeitpunktes lässt sich erhöhen oder senken. Durch diese Eigenschaften ist es möglich die Erzeugung zu planen[9] und Regelenergie[10], sowie Ersatzkapazitäten für eventuelle Ausfälle bereit zu halten[11]. Dies erleichtert es einen sicheren Versorgungsbetrieb aufrecht zu erhalten. Die große Schwachstelle einer solchen konventionellen Energieversorgung liegt auf der Hand. Das System funktioniert nur solange der Energieträger zur Verfügung steht. Diese Energieträger sind nur in endlicher Menge vorhanden. Zudem ist ein Land, dass sich mit diesen Energieträgern versorgen muss, selbst aber nur unzureichende oder keine Quellen besitzt, abhängig von anderen. In welchem Ausmaß dies auf Deutschland zutrifft wird unten aufgezeigt.

Die Energiewende hat innerhalb dieser Struktur einen massiven Aus- und Umbauprozess ausgelöst. In erster Konsequenz bedeutet die Energiewende einen Abbau von Großkraftwerken und einen Zubau von mit erneuerbaren Energien (EE) gespeisten EZA. Dies bedeutet zwangsläufig eine Dezentralisierung der Energieerzeugung. Großkraftwerke speisen sehr hohe Leistungen[12] auf hohen Spannungen ein. Dezentrale EZA erreichen diese Leistung in der Regel nicht und speisen auf den niederen Spannungsebenen ein[13]. Dies hat eine Verschiebung der Leistungsflüsse zur Folge. Während zuvor nur eine Top-Down-Verteilung stattfand[14], werden wird nun auf allen Ebenen Energie ins Netz eingespeist[15]. Da die gegebene Netzstruktur für einen solchen Betrieb nicht ausgelegt war, ergab und ergibt sich der in aller Munde geführte Netzausbaubedarf. Durch die sich einstellende und im hohen Maß witterungsbedingte komplexere Leistungsflusssituation wird auch die Wahrung der Systemstabilität bzw. Versorgungssicherheit wesentlich schwerer. Dieses Problem ist technisch beherrschbar, zwingt aber wie der Wandel der Netzbelastung zum Handeln. Aktuell ist das deutsche EES eine Mischform aus zentraler und dezentraler Versorgungsstruktur. Die Entwicklung wird weiter in Richtung Dezentralisierung gehen, da langfristig nur wenige[16] oder keine Großkraftwerke am Netz bleiben werden. Die Vor- und Nachteile der jetzigen und künftigen Struktur stehen wechselseitig denen der konventionellen entgegen. Ein gewichtiger Nachteil ist die Volatilität des Energiedargebots[17]. Energie aus erneuerbaren Quellen kann nicht immer dann und im Maße erzeugt werden, wenn und wie Sie benötigt wird. Ein Abbau von konventionellen Erzeugungskapazitäten bedeutet zunächst auch einen Abbau jederzeit abrufbarer Ersatzkapazitäten. Beides sorgt für einen Bedarf an Puffertechnologien, die derzeit nicht im ausreichenden Maß[18] zur Verfügung stehen. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass die lokale Nutzung erneuerbarer Energiequellen im absehbaren Zeitrahmen endlos möglich sein wird. Zudem funktioniert diese Form der Energiegewinnung unabhängig von Energieträgerlieferungen[19].

Nachdem einige Aspekte der Energiewende beleuchtet wurden, geht es nun darum zu erläutern, was die Energiewende genau ist, was der aktuelle Stand dieser Entwicklung ist und welche Probleme im weiteren Verlauf zu erwarten sind. Im Grunde ist die Energiewende der Wechsel von der Nutzung fossiler Energieträger zur Nutzung regenerativer Energiequellen. In der Bundesrepublik Deutschland wird dieser Wandel hauptsächlich mit dem Argument des sogenannten Klimaschutzes begründet[20]. Wie bereits erläutert, kann eine solche Energiewende aber auch eine nachhaltige und (weitgehend) unabhängige Energieversorgung ermöglichen. Im Sektor der elektrischen Energieversorgung dient das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) als rechtliches Grundgerüst. Im EEG werden Ziele und Randbedingungen der Energiewende in der elektrischen Energieversorgung festgelegt. Diese Ziele und Randbedingungen wurden bereits mehrfach geändert. Dabei fällt besonders auf, dass der Zeitplan immer straffer wird. Im EEG 2017 [7] war die Zielstellung definiert worden, bis 2050 mindestens 80% der verbrauchten elektrischen Energie aus erneuerbaren Energieträgern zu gewinnen[21]. In der aktuellen, seit 2021 gültigen Fassung [8], soll die Versorgung 2050 zu 100% auf EE beruhen[22]. In Anbetracht dessen, dass zwischen 2017 & 2021 keine bahnbrechenden Entwicklungen eine wesentliche Beschleunigung erwarten ließen[23], wirken solche Entscheidungen sehr fragwürdig[24]. Dieses Fragezeichen wird noch deutlich größer, wenn die aktuelle Bundesregierung von einer „klimaneutralen“ Stromversorgung bis 2035 spricht [9]. Zum Verständnis des aktuellen Zustandes der gesamtdeutschen Energieversorgung ist ein Blick auf die Datenlage sehr wertvoll. Daraus lässt sich ableiten, wie sehr Deutschland von Energieimporten abhängt und wie weit der Weg der Energiewende noch sein wird. Abbildung 2 zeigt den Primärenergieverbrauch[25] Deutschlands von 2021. Dabei sind sämtliche Sektoren (Strom, Wärme, Mobilität) berücksichtigt. 

 

Abbildung 2: Primärenergieverbrauch Deutschlands 2021 [10]

 

Die Darstellung verdeutlicht, dass die Versorgung auf Basis von EE in der Gesamtbetrachtung noch sehr weit von einer Vollversorgung entfernt ist. Über 80% der Energiegewinnung beruhen nach wie vor auf fossilen / endlichen Energieträgern. Der Großteil dieser Energieträger muss importiert werden. Insgesamt ist die BRD zu ca. 70% von Importen abhängig[26]. Dies soll der derzeitigen Regierung gemäß auch so bleiben[27], nur sollen künftig „grüne“ Energieträger importiert werden. Ob die Energieversorgung nun in weiten Teilen auf den Import von fossilen oder regenerativen beruht, ist unerheblich für den Fakt, dass ihre Gewährleistung von anderen Staaten abhängt. Energie ist die Grundlage jeder Wirtschaftstätigkeit, sowie der politischen Stabilität und Handlungsfähigkeit. Politische Souveränität ist direkt an die Autarkie[28] gebunden. Das Potenzial einer weiter gedachten Energiewende kommt derzeit also nicht zum Tragen und wird dies wohl auf künftig nicht tun. Der Großteil der bisherigen Bestrebungen der Energiewende war und ist auf den elektrischen Energiesektor fokussiert. Abbildung 3, welche die Energieträgeranteile der deutschen Gesamterzeugung des Jahres 2021 darstellt, spiegelt dies wider.

 

Abbildung 3: Energieträgeranteile an der Gesamterzeugung im Jahr 2021 [13]

 

Es ist zu erkennen, dass die auf erneuerbaren Energien beruhende Erzeugung zumindest bilanziell bereits einen bedeutenden Teil von ca. 43% der Gesamterzeugung ausmacht. Auf der anderen Seite ist jedoch auch klar, dass noch einiges fehlt um die kurzfristig gesteckten Ziele zu erreichen. Wie im ersten Artikel [1] verdeutlicht und im Folgenden erläutert, werden die technischen und regulatorischen Herausforderungen mit zunehmendem EE-Anteil jedoch massiv steigen. Je höher der Anteil der Erzeugung aus EE in einem EES, desto aufwendiger wird es das Gleichgewicht aus Erzeugung und Verbrauch zu wahren. Wind- und Sonnenenergie sind dabei die wesentlichen Energieträger. Die Verfügbarkeit dieser Energiequellen liegt nicht in Menschenhand und ist nur bedingt prognostizierbar. Dies bedeutet, dass Zeitpunkt und Intensität der Energieerzeugung heute und künftig kritisch für die Überwachung & Bewertung des Betriebes von EES sind. Abbildung 4 zeigt den Verlauf der realisierten elektrische Energieerzeugung und den realisierten Stromverbrauch Deutschlands in der Sommerwoche vom 28.06.2021 zum 04.07.2021.

 

Abbildung 4: Realisierte Stromerzeugung und Stromverbrauch Deutschlands 20.06.2021 – 04.07.2021 [14]

 

Wie zu erwarten stellt sich im Sommer eine hohe Erzeugung aus PVA, mit Spitzen zur Mittagszeit ein. Es wird jedoch deutlich, dass die PV-Erzeugung auch im Wochenverlauf starken Schwankungen unterliegt. So wurde durch PVA am 1. Juli nur etwa halb so viel Energie erzeugt wie am 3. Juli. Die Erzeugung durch Windenergieanlagen (WEA) lieferte in der betrachteten Woche einen relativ geringen Anteil an der Gesamterzeugung. Der dargestellte Wochenverlauf zeigt die charakteristischen Eigenschaften von PVA und WEA, die sich allgemein im Tages- und Jahresverlauf ergänzen können [15]. Die Nacht zum 4. Juli veranschaulicht ein wesentliches Problem des aktuellen Energieversorgungssystems im Hinblick auf die Energiewende. Der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung war in dieser Nacht sehr gering. Die Versorgung basierte fast vollständig auf fossilen Energieträgern. Ein weiterer Ausbau der PV- und Winderzeugungskapazitäten wird daran fast nichts ändern. Zeiten, in denen es an EE-Dargebot[29] mangelt, müssen bei Fortschreiten der Energiewende durch Technologien überbrückt werden, welche die Funktionen von konventionellen Kraftwerken übernehmen können. Während der Zeitplan zur Erreichung einer Vollversorgung mit EE weiter gestrafft wurde, ist nach wie vor unklar, welche Puffertechnologien in welchem Maße im Gesamtsystem eingesetzt werden sollen. Die Abbildungen 5 & 6 verdeutlichen diese ganzjährige Problematik.

 

 

Abbildung 5: Realisierte Stromerzeugung und Stromverbrauch Deutschlands 27.12.2021 – 02.01.2022 [14]

 

Im Winter gibt es Phasen in denen die Gewinnung von elektrischer Energie aus Wind einen Großteil des Bedarfs decken kann. Ein weiterer Zubau könnte eine zeitweise (!) Versorgung durch EE sicherstellen oder gar selbst bei Abschaltung der konventionellen Erzeuger eine Überschussproduktion verursachen. Die ans System angeschlossenen PVA hingegen erzeugen im Winter nur einen Bruchteil dessen, was sie im Sommer erzeugen.

 

Abbildung 6: Realisierte Stromerzeugung und Stromverbrauch Deutschlands 18.12.2021 – 25.12.2021 [14]

 

Im Kontrast zum auf Abbildung 5 gezeigten Verlauf gibt es jedoch auch im Winter Zeiträume in denen aus WEA nur sehr wenig Energie gewonnen werden kann. Eine Vollversorgung mit EE würde eine Überbrückung dieser Zeiträume und damit die Bereitstellung von sehr viel Energie bedingen. Das Aufzeigen der Erzeugungsverläufe Deutschlands sollte klar verdeutlichen, dass sich die Probleme der Energiewende nicht nur mit dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten und der Netzstrukturen lösen lassen. Das technische Problem der Wahrung des Gleichgewichts aus Erzeugung und Verbrauch wird bei zunehmendem Abbau der konventionellen Erzeugungskapazitäten schon im Normalbetrieb noch wesentlich erschwert[30]. Wenn Laien davon schwärmen, dass bald 50% in Deutschland verbrauchte elektrischen Energie aus EE stammen, ist dies rein bilanziell, also über einen Zeitraum gerechnet richtig. Bei Betrachtung des zeitlichen Verlaufs werden die zunehmenden Probleme jedoch deutlich.  Zur Umsetzung einer vollen Energiewende bedarf es eines erheblichen Maßes an Puffertechnologien, welche dazu in der Lage sind Erzeugungsüberschüsse aufzunehmen und die Versorgung in Zeiten mangelnder Erzeugung zu ergänzen. Ein viel besprochener und zum Teil bereits in Gang gesetzter Weg dazu ist die Sektorenkopplung. Bei der Sektorenkopplung werden die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität an geeigneten Stellen miteinander verbunden, um gegenseitig Quellen und Senken für Energieflüsse zu bieten. In der Theorie ist dies ein gangbarer Ansatz, der jedoch bei Vollumsetzung extrem umfangreich und komplex ist. Zudem bringt dieser Weg zunächst Probleme mit sich, welche besonders die angespannte Lage der elektrischen Energieversorgung belasten werden. Im Zuge der Energiewende und der Sektorenkopplung werden wesentliche Teile der Gesamtenergieversorgung elektrifiziert. Beispiele dafür sind die Wärmeversorgung durch Wärmepumpen und die E-Mobilität. Dies bedeutet zwangsläufig eine massive Steigerung des elektrischen Energiebedarfs. Damit wird klar, dass ein noch wesentlich umfangreicherer und schnellerer Ausbau der EE-Erzeugungskapazitäten nötig ist. Die Problematik des Mangels an Speichermöglichkeiten im elektrischen Sektor wird zudem weiter verschärft.

Das deutsche elektrische Energieversorgungssystem ist historisch gewachsen und durchläuft nun schon seit einiger Zeit umfassende Aus- und Umbauprozesse. Diese Prozesse verursachen Herausforderungen, welche sich zum Teil nur sehr schwer lösen lassen. Statt diese technische Problematik umfassend zu bedenken und geeignete Lösungspfade abzuleiten, werden seitens der Politik immer neue utopische Forderungen in den Raum geworfen. Der Wechsel von einer Versorgung mit fossilen Brennstoffen zur Nutzung erneuerbarer Energieträger gefährdet bereits jetzt und künftig in höherem Maße die Versorgungssicherheit und droht an technikfremden Vorstellungen zu scheitern. Diesen Wechsel deswegen einfach zu verwerfen ist jedoch ebenso kurzsichtig, wie das Verlangen nach einer schlagartigen Vollversorgung mit erneuerbaren Energien. Eine zu ende Gedachte und richtig umgesetzte Energiewende bietet nicht von der Hand zu weisende Möglichkeiten zur Sicherstellung einer zukunftsfähigen und unabhängigen Energieversorgung. Der nächste Artikel dieser Reihe wird sich mit der Frage auseinandersetzen wie ein entsprechendes nachhaltiges Energieversorgungssystem aussehen könnte.

 

 

Quellenverzeichnis

 

[1] „Grundgedanken zur Energiepolitik I – Blackout – Wie wahrscheinlich ist der große Stromausfall?“, Ernst Rahn

https://gegenstrom.org/ernst-rahn-grundgedanken-zur-energiepolitik-i/

[2] „Elektrische Energieversorgung 1“, Valentin Crastan, 2. Auflage 2007

[3] „Elektrische Energieversorgung 2“, Valentin Crastan, 2. Auflage 2009

[4] „Elektrische Energieversorgung“, Klaus Heuck, Klaus-Dieter Dettmann, Detlef Schulz, 8. Auflage 2010

[5] „Anlagengröße“, Fraunhofer IEE [Zugriff 08.01.2022]

http://windmonitor.iee.fraunhofer.de/windmonitor_de/4_Offshore/2_technik/1_Anlagengroesse/

[6] „Entwicklung und Bewertung effizienter Netzkonzepte für Stromverteilnetze auf der Basis einer systematischen Analyse der Versorgungsaufgaben bis 2030“, Torsten Hammerschmidt, 2013

[7] Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG 2017) [Zugriff 03.03.2022]

https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/EEG_2017.pdf

[8] Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG 2021)

https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/EEG_2021.pdf

[9] „Koalition beschleunigt die Energiewende“ [Zugriff 03.03.2022]

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energiewende-bundesregierung-habeck-1.5537854

[10] „Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland 2021“, AGEB AG Energiebilanzen e.V.

https://ag-energiebilanzen.de/energieverbrauch-zieht-wieder-an/

[11] „Gesamtausgabe der Energiedaten – Datensammlung des BMWi“, 2022 [Zugriff 03.03.2022]

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/energiedaten-gesamtausgabe.html

[12] Christian Lindner im Gespräch mit Maybrit Illner, 17.02.2022

https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/lindner-deutschland-wird-energie-import-land-bleiben-maybrit-illner-17-februar-2022-100.html

[13] „Der Strommarkt im Jahr 2021“, Bundesnetzagentur [Zugriff 03.03.2022]

https://www.smard.de/page/home/topic-article/444/206664

[14] Visualisierte Marktdaten, Bundesnetzagentur [Zugriff 03.03.2022]

https://www.smard.de

[15] „Balancing green power – How to deal with variable energy sources“, David Elliott, 2016

 

 

[1] „Grundgedanken zur Energiepolitik I – Blackout – Wie wahrscheinlich ist der große Stromausfall?“ [1]

[2] Der Autor hat den Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnik (B. Sc. & M. Sc.) an einer technischen Universität absolviert.  Derzeit ist er in der angewandten Wissenschaft auf dem Gebiet der Energieversorgung / Sektorenkopplung tätig. Daher wird auf entsprechendes Fachwissen und praktische Erfahrungen zurückgegriffen. Quellen werden nur benötigt und eingesetzt wo Aussagen mit Daten unterstrichen werden oder um den Interessierten Leser auf weiterführende Literatur zu verweisen.

[3] Siehe dazu z.B. Blackout in Italien 2003 [1].

[4] Zunächst Braun- und Steinkohlekraftwerke, später auch Kern und Gaskraftwerke.

[5] Höchstspannung (380 kV / 220 kV) oder Hochspannung (110 kV)

[6] Von Hochspannung auf Mittelspannung (30 kV / 20 kV / 10 kV) und von Mittelspannung auf die auch am Hausanschluss anliegende Niederspannung (0,4 kV).

[7] Siehe z.B. [2], [3], [4]

[8] Sind Energieträger, die unmittelbar in der Natur vorkommen. Die in ihnen gespeicherte Energie wird als Primärenergie bezeichnet. Bsp. Sind Steinkohle, Braunkohle, Eröl, Erdgas, Biomasse, Holz, wasser, Sonne, Wind und Kernbrennstoffe. (Anm. d. Red.)

[9] Zur Optimierung des Kraftwerkbetriebs werden in Abhängigkeit wirtschaftlicher und technischer Einflussfaktoren Fahrpläne erstellt.

[10] Als Regelenergie kann Energie verstanden werden, welche zur Verfügung gestellt werden muss um Schwankungen im Energiesystem auszugleichen.

[11] Siehe dazu [1]

[12] Zum Beispiel hat eines der letzten drei in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke Neckarwestheim 2 eine Nennleistung von 1.400 MW. Das Braunkohlekraftwerk Neurath weist eine Nennleistung von 4.400 MW auf.

[13] Eine durchschnittliche moderne Offshore-WEA hat eine Nennleistung von ca. 5 MW [4]. Diese Nennleistung wird jedoch nur bei hohen Windgeschwindigkeiten erreicht. Zu großen Windparks zusammengefasste OWEA speisen auf Hochspannungsebene ein. Die meisten dezentralen Erzeugungsanlagen speisen auf Nieder- und Mittelspannungsebene ein [5].

[14] Von großen zentralen Erzeugern mit hoher Leistung auf hohen Spannungen bis zu kleinen Abnehmern mit geringem Leistungsbezug auf Niederspannung.

[15] Mischform aus Top-Down-Verteilung durch die übrigen konventionellen Kraftwerke und Down-Top-Verteilung durch die dezentralen EZA. Dies kann teilweise zu einer Verteilung von unten nach oben führen, wenn in einem Niederspannungsnetz mehr erzeugt als verbraucht wird.

[16] Aktuell sind mit Wasserstoff betriebene Gas- und Dampfkraftwerke in Betrachtung.

[17] Zeit und Intensität der Verfügbarkeit der regenerativen Energiequelle (Energiedargebot) im Voraus nicht bestimmbar.

[18] Dieses Maß wird noch wesentlich zunehmen, wie weiter unten erläutert wird.

[19] Die Abhängigkeit von gewissen Rohstoffen zur Herstellung der EZA bleibt unter Umständen jedoch bestehen.

[20] Ob und wie die hier besonders relevanten energiebedingten CO2-Emsissionen das globale Klima beeinflussen, soll an dieser Stelle außenvorgelassen werden.

[21] Als Zwischenziel wurde damals 65% bis 2030 gesetzt.

[22] Mit dem gleichen Zwischenziel für 2030 wie im EEG 2017. Wie der geforderte Sprung zwischen 2030 und 2050 auf 100% statt 80% zustande kam ist aus technischer Perspektive unverständlich.

[23] Zusätzlich stockte nicht nur der Ausbau der EE-Erzeugungskapazitäten, besonders der Windenergieanlagen, sondern erlag zum Teil sogar.

[24] Das Treffen von Entscheidungen, welche aus technischer Perspektive sehr fraglich sind, ist wohlgemerkt ein Hauptmerkmal der Energiewende in der BRD.

[25] Primärenergie ist die Energie, welche im ursprünglichen Energieträger zur Verfügung steht. Ein Beispiel ist die in Kohle gespeicherte chemische Energie. Energie wird durch verlustbehaftete Umwandlungsprozesse nutzbar gemacht. Beispielsweise wird Primärenergie (chemische Energie Kohle) in Sekundärenergie (elektrische Energie) umgewandelt, wobei Verluste (Wärme) auftreten. Die Sekundärenergie wird verlustbehaftet übertragen und ist als Endenergie z.B. an der Steckdose abnehmbar. Demzufolge wird für den Verbrauch einer kWh elektrischer Energie im Haus mehr Primärenergie aufgewendet.

[26] Folgende Energieträger werden importiert: Rohöl zu ca. 98%, Erdgas zu ca. 93%, Steinkohle zu ca. 93%, Uran zu 100% [11].

[27] Der aktuelle Finanzminister Christian Lindner spricht davon, dass Deutschland auch künftig ein Energieimportland bleiben wird [12].

[28] Selbstgenügsamkeit, wirtschaftliche Eigenversorgung. Im Kontext Energieautarkie, also Selbstversorgung mit Energie.

[29] Energiedargebot: Gesamtheit der in der Natur vorhandenen, sich darbietenden und für eine energiewirtschaftliche Nutzung in Betracht kommenden Energieströme; unterteilt in Energievorräte (Ressourcen) und Energiequellen. [Anm. d. Red.]

[30] Im besonderen Maße gilt dies für den Fehlerfall, siehe [1].

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