Rezension: „Kampf um Europa“

von | 23. Dez. 2020 | Deutschland und die Welt

Nachfolgend veröffentlichen wir eine von einem interessierten Leser zugeschickte Rezension des Manifestes eines europäischen Nationalismus der Stiftung Europa Terra Nostra (ETN), die in der Vergangenheit bereits mehrere Titel mit Europabezug publizierte. Die Redaktion

Die Stiftung Europa Terra Nostra führt mit ihrer Neuveröffentlichung „Kampf um Europa – Manifest eines europäischen Nationalismus“ ihre bisherige Veröffentlichungsreihe fort. Wie auch vergangene Produktionen überzeugt das Werk durch Gestaltung, Produktion und Lektorat, für die inhaltliche Bewertung kommt es jedoch darauf an, welche Ansprüche man stellt. Als Absichtserklärung, Vorstellung der Arbeit der ETN und Heranführung an eine pro-europäische Position bietet das kleine Büchlein einen übersichtlichen Grundabriss.

Bei der Bewertung als Manifest im engeren Sinne ist jedoch gerade diese inhaltliche Schwäche, die nicht über eine Absichtserklärung hinausgeht, zu kritisieren. Die insgesamt 67 Seiten beinhalten nur wenig mehr als eine oberflächliche Wiederholung der mittlerweile (erfreulicherweise) in weiten Kreisen der „Rechten“ bestehenden grundsätzlichen pro-europäischen Ausrichtung. Ebenso beschränken sie sich auf die nicht weiter fundierte und vom (als Nationalist durchaus kritisch zu sehenden…) französischen Politiker Charles-de-Gaulle übernommene Phrase des „Europa der Vaterländer“. Auch allgemeine Auffassungen, wie die, dass die europäischen Nationalisten sich nicht mehr in chauvinistischen Konflikten aufreiben sollen, finden sich in dem Manifest aufgenommen. Wer jedoch zwischen den Buchdeckeln nach irgendeinem konkreten Lösungsmodell für die zahlreichen bestehenden Grenz- und Volkstumskonflikte sucht, wird diese genauso wenig finden, wie die Konzeption eines (immerhin im Buchtitel erwähnten) Europäischen Nationalismus. Dies ist umso bezeichnender, als dass die „Rechte“ schon weitaus weiter war, seien es diverse eurofaschistische Modelle der 30er und 40er Jahre oder auch die entsprechende Arbeit der nationalrevolutionären deutschen Rechten der 70er Jahre rund um Henning Eichberg und ihrer europäischen Partner wie Jean-Louis Thiériot. Man selbst hat zudem mit den beiden Büchern Sascha Roßmüllers inhaltlich fundiertere Werke zur Geopolitik und europäischen Thematik publiziert, was die Beschränkung auf wenige Phrasen noch unverständlicher macht. So versammelt man leider nicht viel mehr als eine oberflächliche und zum Allgemeingut gewordene pro-europäische Ausrichtung, deren Charakter als „Manifest“ man durchaus kritisch sehen kann. In der konkreten Ausformulierung mangels jedes tiefergehenden und radikaleren (im Sinne von an die Wurzeln gehenden) Gedanken hätte sie auch von der Alternative für Deutschland oder ähnlichen Parteien erscheinen können. Nichtsdestotrotz ist der ETN zugute zu halten, dass sie als eine der wenigen noch dem radikalen Lager zuzuordnenden Plattformen überhaupt für regelmäßige Neuerscheinungen abseits von Militaria und Verschwörungstheorien sorgt und auch mit dieser Neuerscheinung vielleicht einige Personen erreicht, die sich bislang noch nicht mit dem europäischen Gedanken beschäftigt haben.

Wer das Werk oder andere Schriften der ETN beziehen möchte, kann diese hier bestellen.

9,80€

68 Seiten, broschiert
Europa Terra Nostra, Berlin 2020

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