Plastikberge als Symptom der liberalkapitalistischen Wegwerfgesellschaft

Verfasst von Moritz Meerheym |

 

Kaum ein anderes Umweltthema wurde in den letzten Jahren derart breitgetreten wie das Problem des Plastikmülls. Insbesondere die berüchtigte Plastiktüte stand immer wieder im Mittelpunkt der Empörung. Manche erinnern sich womöglich noch an die bereits vor 40 Jahren für Aufmerksamkeit sorgende Öko-Kampagne „Jute statt Plastik“.  Doch so schrullig dieses Thema heute auch daherkommen mag: Tatsächlich geht es um eine ernste Sache.

Wie das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau am 18. November 2019 berichtete, fielen in Deutschland 2017 insgesamt 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Gegenüber 2016 ist das ein Anstieg von immerhin drei Prozent. Ein Großteil dieses Verpackungsabfalls ist Kunststoffmüll, u. a. auch, da die Recyclingquote bei Plastik mit nur rund 50 Prozent besonders schlecht ist. Die Ursachen für den hohen Verpackungs- bzw. Plastikverbrauch sind vielfältig. Ein wesentlicher Treiber ist das Wirtschaftswachstum. Aber auch die veränderten Konsumgewohnheiten der Deutschen sind für die Zunahme verantwortlich, so z. B. der Trend zu Singlewohnungen und der damit einhergehende Bedarf an kleineren Lebensmittel-Portionen.

Hierzulande sind die Folgen des ausufernden Verbrauchs an Plastikverpackungen auf den ersten Blick nicht erkennbar. Bekannter ist da schon das globale Ausmaß, etwa in Form von vermüllten Stränden, von riesigen Müllstrudeln auf den Weltmeeren oder in Form von mit Plastikabfall vollgestopften Walen. Eine wachsende Gefahr wird auch in der Verbreitung und Akkumulation von Mikroplastik gesehen, das u. a. durch die allmähliche, mehrere Jahrzehnte dauernde Zersetzung von Plastikmüll entsteht. Nicht nur Meerestiere und Vögel sind betroffen, sondern als „Endverbraucher“ wird letztlich auch der Mensch geschädigt.

Daher sollte sich die Deutsche Rechte im Rahmen einer ganzheitlich, organisch betrachteten Umweltpolitik zukünftig verstärkt auch mit der Problematik des wachsenden Verpackungs- bzw. Plastikverbrauchs befassen. Dabei geht es freilich nicht um das Kopieren von ewig schlechtgelaunten links-grünen Moralaposteln. Statt etwa die Plastiktüte zu verbieten, – ein offenbar symbolpolitischer Ansatz des Umweltministeriums unter Svenja Schulze (SPD) – sollte wesentlich tiefer gebohrt werden, etwa indem die ausufernde liberalkapitalistische Wirtschaftsweise und der Trend zur Vereinzelung des Menschen stärker hinterfragt wird. Neben der Vermeidung von Abfall sollten wir uns darüber hinaus intensiver mit der Entwicklung von Alternativen zu Plastikprodukten beschäftigen. So gibt es inzwischen Fortschritte bei der Entwicklung und Verwendung von Bio- bzw. „Ökoplastik“, das aus Flüssigholz gewonnen wird. Das fördert nicht nur regionale Wirtschaftskreisläufe, sondern macht uns auch unabhängiger von Rohstoffimporten aus dem Ausland. 

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