Machiavelli – Menschenkenner oder Meister der dunklen Instinkte?

von | 03. Mrz. 2020 | Philosophie & Theorie

Auf Niccolò di Bernardo dei Machiavelli (03.Mai 1469 – 21.Juni 1527) geht der Begriff des „Machiavellismus“ zurück. Er kennzeichnet Vorgehensweisen oder Denkschulen, bei denen die Erlangung von Macht im Mittelpunkt steht, und zwar ohne Beschränkungen durch geltendes Recht oder bestehende Moralvorstellungen. Er ist die rücksichtslose Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel. In der Psychologie ist der Machiavellismus als Persönlichkeitsmerkmal auch Bestandteil des Konzepts der „Dunklen Triade[1]: Neben ihm stehen Narzissmus und (subklinische) Psychopathie.

Allerdings wird der abwertend gebrauchte Begriff des Machiavellismus dem geistigen Werk des bedeutenden Taktikers und Menschenkenners aus Florenz sicherlich nicht gerecht. Vielmehr enthüllt gerade die betonte moralische Herabwürdigung der strategischen Überlegungen Machiavellis die Intentionen seiner Kritiker: Ihnen geht es zumeist darum, missliebige Gegner eines skrupellosen und machtversessenen Verhaltens zu beschuldigen und damit gleichzeitig die eigene – eben gerade „machiavellistische“ – Machtpolitik als harmlos oder menschenfreundlich erscheinen zu lassen. Die Erfinder von „Schurkenstaaten“ und „Terrormilizen“ lassen grüßen.

Machiavelli schuf als erster eine politische Theorie und gilt als bedeutendster Staatsphilosoph der Neuzeit. Er orientierte sich bei seiner Arbeit weniger an Glaubensfragen, sondern an Erfahrungswissen und der Analyse der Geschichte. Damit geriet er in einen natürlichen Konflikt zur römischen Kirche, die auch Jahrhunderte nach seinem Tod seine Werke als ketzerisch brandmarkte.

Zu Machiavellis Lebzeiten wurden Gedanken um Herrschaft und Politik von moralischen Grundsätzen beherrscht: Wer moralisch gut ist, der ist ein guter Herrscher; ein guter, moralischer Mensch betreibt eine gute Politik und sorgt so für ein blühendes Gemeinwesen. So sollte es den jungen Fürsten, die später große Politik betrieben, beigebracht werden. Machiavelli widerspricht: Moralisch gute Menschen machten nicht immer gute Politik, die Erfahrung und die Geschichte lehrten oftmals das genaue Gegenteil. Außerdem könne ein Herrscher nicht immer moralisch einwandfrei handeln, denn es gebe Situationen, in denen man nicht gleichzeitig sein Vaterland und sein eigenes Seelenheil lieben könne. Ein Fürst habe sich in solchen Situationen für das Vaterland zu entscheiden.

Ein guter Fürst müsse auch moralisch schlecht handeln können, je nach Notwendigkeit. Allerdings müsse er den Ruf böser Laster vermeiden, über denen der Staat scheitern könnte. Grundsätzlich dürfe er aber keine übertriebene Angst vor dem bösen Rufe gewisser Untugenden haben, denn: „alles in allem genommen, findet man vermeintliche Tugenden, bei deren Befolgung man untergeht, und scheinbare Laster, bei denen man Sicherheit und Wohlbefinden erlangt.“[2]

Durch seine scharfsinnigen Analysen befreite Machiavelli die Politik gewissermaßen von ihrer Aufsicht und Oberhoheit durch Moral und Theologie. Er analysierte die Erlangung von Macht und das fortdauernde Bestehen von Machtstrukturen an Hand des Feststellbaren: anhand seiner Erfahrungen und anhand geschichtlicher Verläufe, der seinerzeitigen und insbesondere der antiken Geschichte.

Machiavelli war auch Historiker: Wir kennen die Geschichte der Stadt Florenz heute nur deshalb so gut, weil sie um 1520 von ihm erstmals aufgeschrieben wurde. Schon in seiner Jugendzeit hatte er damit begonnen, die Geschichte seiner Heimatstadt schriftlich niederzulegen. Nach Machiavelli wiederholt sich die Geschichte insofern, als dass die Menschen in ihrem Verhalten einem kalkulierbaren Mechanismus unterliegen. Wenn die Umstände gleich seien, lösten gleiche Ursachen gleiche Wirkungen aus, und daher erforderten dieselben Tatsachen dieselben Verhaltensregeln. Er schreibt: „Die Länder pflegen zumeist bei ihrer Veränderung von der Ordnung zur Unordnung zu kommen und dann von neuem von der Unordnung zur Ordnung überzugehen. Es ist von der Natur dem Menschen nicht gestattet, still zu stehen. Wie sie daher ihre höchste Vollkommenheit erreicht haben und nicht mehr steigern können, müssen sie sinken. Ebenso, wenn sie gesunken sind, durch die Unordnungen zur tiefsten Niedrigkeit herabgekommen, und also nicht mehr sinken können, müssen sie notwendigerweise steigen. So sinkt man stets vom Guten zum Übel und steigt vom Übel zum Guten.“[3]

Wir sehen hier also eine zyklische und skeptische Geschichtsauffassung mit Anklängen an die Werke Oswald Spenglers, welche dem positivistischen und linearen Weltbild heutiger Tage, bei dem sich der Mensch fortlaufend weiter- und höherentwickle, entgegensteht.

Machiavelli genoss eine exzellente Bildung, die ihm sein Vater, ein verarmter Beamter, ermöglichte. Er wuchs in einem Florenz auf, das in der damaligen Zeit durchaus als ein abendländisches Zentrum von Handel und Kultur bezeichnet werden kann und gerade auch deshalb immer wieder zum Spielball der Mächte wurde. Joachim Fernau hat bspw. die Frage, weshalb deutsche Kaiser immer wieder unter riesigen Opfern an Menschen und Material nach Italien auf Eroberung gingen, sinngemäß damit beantwortet, dass im deutschen Raum seinerzeit einfach nichts los gewesen sei. Italien sei einfach das Zentrum der Welt gewesen.

Florenz war ein Stadtstaat, immer wieder wie die anderen Stadtstaaten Italiens bedroht von seinen Nachbarn, den Deutschen, den Schweizern und Franzosen und insbesondere auch den spanischen Königen. In unmittelbarer Nachbarschaft gewann der Kirchenstaat mehr und mehr an Bedeutung, und schließlich wurde der Bischof Roms zum päpstlichen Oberhaupt der westlichen römischen Kirche.

In Florenz herrschen die Medici seit 1435 in gewissermaßen oligarchisch-republikanischem Stil, wobei das Republikanische eher in den Hintergrund tritt. Die Medici sind eine immer einflussreicher werdende Familie, die sich gegen die anderen mächtigen Familien in Florenz durchsetzen kann. Unter Lorenzo di Medici, dem Prächtigen (1449–1492), erreicht sie ihren Höhepunkt. Nach seinem Tod kommt es zur Krise in Florenz, die rasch ganz Italien erfasst. Franzosen, Spanier und Deutsche fallen im Land ein, es kommt zu Unordnung, Kriegen und der Einsetzung skrupelloser Gewaltherrscher. Der Dominikanermönch Girolamo Savonarola kann mit glühenden Predigten und apokalyptischen Endzeitvisionen die Bevölkerung von Florenz zeitweise hinter sich bringen und fordert eine Art Gottesdiktatur. Aufsehenerregend sind seine erzieherischen Maßnahmen, bei welchen er mit Kindern durch die Straßen der Stadt zieht und dabei Luxusgegenstände und frevelhafte Schriften einzieht, die auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt werden. Wir begegnen hier wohl einem der ersten Massenpolitiker der beginnenden Neuzeit, der auf dem Rücken der städtischen Massen mit religiösem Eifer plötzlich nach ganz oben getrieben wird, um dann genauso unversehens wieder nach ganz unten zu fallen: Mit Hilfe des Papstes wird Savonarola gestürzt und landet als Ketzer nun selbst auf dem Scheiterhaufen.

Nach seinem Tod werden alle seine Anhänger aus ihren Ämtern vertrieben. Und in dieser Phase wird überraschender Weise Machiavelli zum Sekretario de la Republica in militärischen und außenpolitischen Beziehungen der Stadt Florenz gewählt. Er ist nun oberster Herr des Heeres und Chefdiplomat, und das, obwohl er zuvor gänzlich unbekannt gewesen ist. Möglicherweise hat ihm der Einfluss seines alten Lateinlehrers geholfen, in das Amt zu kommen, denn er setzte sich gegen nicht unerhebliche Konkurrenz durch.

Machiavelli erkennt das Problem der Söldnerheere seiner Zeit. Er kennzeichnet sie als unzuverlässig, unbändig, ohne Disziplin, übermütig gegen ihre Freunde, feig gegen die Feinde. „Im Frieden wird man von ihnen selbst beraubt, im Kriege vom Feind. Solange kein Krieg zu führen ist, wollen sie wohl Soldaten sein. Wird der Feldzug eröffnet, laufen sie nach Hause.“[4] Italien sei zugrunde gegangen, weil man sich zu lange auf derartige Miettruppen verlassen habe. Man könne daher nur durch eigene Truppen Erfolge haben und auch nur dann, wenn ein Mann aus der Mitte des Volkes an der Spitze stehe, weil sonst die Heerführer im Falle von Siegen eigene Ziele verfolgten.

Machiavelli baut folgerichtig eine Bürgermiliz auf und es kommt 1509 zum Sieg über Pisa, Machiavellis größtem Erfolg. Seine Gedanken zur erfolgreichen Kriegsführung lässt er der Nachwelt auch in seinem 1521 erschienen Buch mit dem Titel „Dell’Arte della guerra“ (Von der Kriegskunst) zukommen. Beim Sieg über Pisa arbeitet er mit Leonardo da Vinci zusammen, der als Naturforscher und Zeichner an der strategischen Planung beteiligt ist. Beide treffen sich am Hofe Cesare Borgias, einem der mächtigsten Herrscher seiner Zeit, Feldherr, Kardinal und Erzbischof, außerdem unehelicher Sohn des späteren Papstes Alexanders VI. Offenbar inspirierte dieser Cesare Borgia Machiavelli zu seinem epochemachenden Werk „Der Fürst“, welches die Grundlage für den späteren Begriff des Machiavellismus bildete.

Machiavelli befindet sich auf dem Höhepunkt seines politischen Einflusses, trifft mit dem Papst, dem französischen König und dem deutschen Kaiser zusammen. Aber dann erobern die Spanier Florenz, machen die Republik zunichte und setzen die Medici wieder als Herrscherfamilie ein. Machiavelli wird seines Amtes enthoben und wegen Verdachts der Verschwörung zu Gefängnis und Folter verurteilt. Er kommt frei durch eine allgemeine Amnestie, wird aber in die Verbannung geschickt und muss sich mit seiner Frau und seinen sechs Kindern auf sein Landgut zurückziehen. Man erkennt seine politischen Fähigkeiten und seine Bedeutung daran, dass er einer der wenigen Personen ist, die nach dem Sturz der Republikanischen Verfassung all ihrer Ämter enthoben werden. Auch zeigt sich bei Beschlagnahme seiner Kasse, dass er offenbar völlig unbestechlich gewesen ist.

Da Politik sein Leben ist, flüchtet sich Machiavelli in die politische Schriftstellerei. Er versucht immer wieder, ein politisches Amt zu erlangen, scheitert aber regelmäßig, da er den Medici als verdächtig gilt. Während er manchmal tagsüber in einer Wirtschaft sitzt, zieht er sich abends in seine Phantasiewelt zurück, kleidet sich vornehm und liest alte Werke.

Aber er schreibt auch fleißig, neben politischen Werken sind es vor allem Komödien, mit denen er einen gewissen Erfolg hat. Eine handelt von der Planung eines Ehebruchs durch einen gelangweilten Lebemann, eine kupplerische Mutter und einen impotenten Ehegatten.

1520 erhält er von den Medici dann doch noch einen Auftrag: Er soll die Geschichte der Stadt Florenz niederschreiben. Sicherlich macht sich Machiavelli in dieser Zeit Hoffnungen, wieder in der Politik mitmischen zu können, aber dann marschieren 1527 die Truppen des deutschen Kaisers in Florenz ein, vertreiben die Medici und Florenz wird wieder Republik. Machiavelli hat unter den neuen Herrschern nun gerade deswegen keine Chance mehr, weil er wegen der florentinischen Chronik für die Medici als verdächtig gilt. Er wird wieder abgewiesen. Vielleicht war das zu viel des Schlechten für einen Mann wie ihn, und so stirbt er im selben Jahr 1527. Es wird erzählt, dass der herbeigeeilte Priester den sterbenden Machiavelli drängt, den Teufel und alle seine Werke zu verfluchen. Machiavelli aber habe geantwortet: „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen.“[5]

1513 schrieb Machiavelli sein Hauptwerk „Der Fürst“, dem er die Prägung des Begriffs Machiavellismus verdankte. Es ist aber beileibe nicht geschrieben als Handbuch für die Karriere machthungriger Fürsten, sondern insbesondere zur Rettung Italiens, das damals Schauplatz des Kampfes fremder Mächte um die Herrschaft in Europa war. Machiavelli ist eben kein Befürworter unumschränkter Fürstenmacht gewesen, er entwickelte vielmehr in seinem Werk „Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio“ (Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius, 1532) das Ideal einer Republik ohne Fürsten. Seiner Meinung nach sollten Fürst, Adel und Volk zur Regierung vereinigt werden und sich gegenseitig überwachen. Macht und persönlicher Status sollten getrennt sein. Der Staatsschatz solle „stets wohlgefüllt, der Bürger hingegen arm“ sein.[6] Das Rom der Frühzeit gilt Machiavelli immer wieder als Vorbild und die Gedanken an die einstige römische Größe und Einfachheit sollen ihm über manche verzweifelten Situationen hinweggeholfen haben. Seine Bestrebungen zur Einigung Italiens und seine Hinwendung zu römischer Größe führen auch dazu, dass Machiavelli schließlich im 19. Jahrhundert als Ahnherr der italienischen Nationalbewegung verehrt wird. Mehr als 300 Jahre nach seinem Tod kommt es zu der von ihm ersehnten Einigung des Landes durch den Grafen Cavour und Guiseppe Garibaldi.

Die Endfassung des „Fürsten“ wird erst nach Machiavellis Tod veröffentlicht, kursierte aber vorher in verschiedenen Abschriften. Sie wird zunächst mit päpstlicher Erlaubnis in Rom gedruckt. Wenige Jahre später schreibt aber der Kardinal Reginald Pole in einer dem Kirchenmanne eigentümlichen Weise: „Kaum begann ich es zu lesen, so erkannte ich, dass es – obwohl es den Namen und Stil eines Menschen vorweist – doch von der Hand des Teufels geschrieben ist.“[7] Diese Vorstellung bestimmte über Jahrhunderte hinweg Machiavellis Rezeption. Denn die Zeit der Renaissance ging zu Ende, es begann die Zeit der Gegenreform. Der Stil der Freimütigkeit und Freigeistigkeit verschwand und es kam eine Zeit, die man wohl als „politisch korrekt“ bezeichnen kann.

Schauen wir uns das verdächtige Werk des Teufels einmal in Ausschnitten an:

 

Ein Fürst – wie muss er sein?

Ein Fürst muss selbständig sein und darf nicht von anderen abhängig sein. Machiavelli betont, dass man in der Lage sein müsse, das Unternehmen nicht lediglich mittels guter Worte, sondern auch mit Gewalt durchzusetzen zu können. „Daher haben alle bewaffneten Propheten den Sieg davongetragen, die unbewaffneten aber sind zugrunde gegangen.“[8] Das Volk lasse sich zwar leicht etwas einreden, aber es sei schwer dabei festzuhalten. Wenn es nun aufhöre zu glauben, müsse man die Menschen mit Gewalt gläubig machen können.

Außerdem dürfe ein erfolgreicher Fürst niemals den Kampf vermeiden, denn gewöhnlich schiebe er ihn nur zugunsten seines Feindes auf. Die Zeit treibe alles vor sich her, Gutes wie Schlimmes, und man könne sich daher niemals aus gewalttätigen Verwicklungen gänzlich heraushalten. Daher suche sich ein kluger Fürst diejenigen Konflikte aus, die er schnell und leicht gewinnen könne, bevor sie zu immer größeren und immer schwierigeren würden. Machiavelli vergleicht diese Art der Konfliktlösung mit der Behandlung der Schwindsucht: Im Anfangsstadium ist diese nicht leicht zu erkennen, aber schnell zu heilen. In fortgeschrittenem Stadium ist die Schwindsucht dagegen für jeden erkennbar, aber sie ist nun nicht mehr so leicht zu heilen. Deshalb habe das Alte Rom in seiner Glanzzeit stets Konflikte schnell und kriegerisch zu lösen versucht, bevor sie zu größeren Konflikten werden konnten, die dann kaum mehr in den Griff zu bekommen waren.

Um konfliktbereit zu sein, so Machiavelli, darf ein Fürst kein Genießerdasein führen und das Kriegerhandwerk niemals vernachlässigen: Es sei im Frieden noch mehr zu üben als im Krieg. Der Fürst müsse sich und seine Mannschaften in Form halten, seinen Körper abhärten, jagen gehen. Dadurch lerne er auch sein Land besser kennen, um es bezüglich kriegerischer Handlungen einschätzen zu können. Der Fürst solle sich geistig bilden mit den Anschauungen berühmter Männer vom Krieg, mit den Ursachen von Siegen und Niederlagen.

Grundsätzlich seien die Stütze aller Staaten gute Gesetze und tüchtige Wehrwesen. Aber gute Gesetze könnten nicht bestehen ohne eine gute Kriegsmacht.

 

Sollte der Fürst einen wilden, draufgängerischen Charakter haben oder besser ruhig und berechnend vorgehen?

Diese Frage hänge sehr oft von äußeren Faktoren ab, denn die Umstände könnten entweder einen Berserker begünstigen oder aber einen Schachspieler. Machiavelli fordert zwar von einem Fürsten, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, gesteht aber bei einer Sichtung der Geschichte und persönlicher Erfahrungen ein, dass eine Art unpersönliches Schicksal zumindest zur Hälfte die Geschicke eines Herrschers bestimme. Es habe trotz bester fürstlicher Eigenschaften und Zielsetzungen oft einen entscheidenden Einfluss darauf, ob ein kalt-berechnendes oder ein verwegenes Vorgehen von Erfolg gekrönt sei. Aber am Ende sei das Schicksal doch „wie ein Weib. Wer dasselbe unter sich bringen will, muss es schlagen und stoßen. Es lässt sich lieber von einem, der es so behandelt, unterjochen, als von einem, der ruhig und kalt zu Werke geht.“[9]

 

Auswahl von Mitarbeitern

Mitarbeiter, die in all ihren Handlungen den Fürsten vor Augen haben und tüchtige Leistungen zeigen, müssen nach Machiavelli geehrt werden. Ihnen müssten eine gute Entlohnung, Ehre und Reichtum zuteilwerden, damit sie nicht nach Höherem streben. Außerdem fürchte ein so behandelter Mitarbeiter jegliche Staatsveränderung und halte in der Gefahr zum Fürsten. Wenn der Fürst und seine Minister sich so verhielten, dann könnten beide einander trauen. Wenn nicht, nehme es mit einem von beiden ein schlechtes Ende.

Mitarbeiter, die mehr an sich als an den Herrn denken, die in allen ihren Handlungen den eigenen Vorteil vor Augen haben, würden niemals gute Minister, man könne ihnen nicht vertrauen. Machiavelli warnt zur Vorsicht bei zu ehrgeizigen Menschen.

Des Weiteren müssten Personen, die sich gegenüber dem Fürsten nicht verpflichten wollten, zwei Arten unterschieden werden: Derjenigen, die sich aus Angst nicht verpflichteten, müsse man sich bedienen, besonders wenn sie Verstand hätten. Dann ehrten sie einen, wenn es gut laufe. Im Unglück dagegen habe man vor ihnen nichts zu fürchten. Aber vor solchen, die sich aus ehrgeizigen Gründen nicht verpflichteten, müsse sich der Fürst hüten, denn sie seien immer bereit, bei Missgeschicken an seinem Sturze mitzuarbeiten.

 

Herrscher durch das Volk oder Herrscher durch die Großen des Volkes

Machiavelli erklärt, dass es in jedem Staat zwei Grundstimmungen gebe: Das Volk wolle die Herrschaft und Unterdrückung der Großen nicht ertragen, die Großen hingegen wollten das Volk unterdrücken und beherrschen. Aus diesem Widerstreit entstehe entweder Alleinherrschaft, Freiheit oder Anarchie. Dabei werde die Herrschaft entweder vom Volk oder von den Großen herbeigeführt, je nachdem ob der eine oder andere Teil dazu Veranlassung habe. Wenn die Großen bspw. sehen, dass ihr Volk zu stark wird, dann geben sie einem der Ihrigen besondere Autorität, um sodann unter dem Schutz seines Ansehens ihre Wünsche befriedigen zu können. Ebenso mache es das Volk, wenn es den Großen nicht widerstehen kann: Es verhelfe einem besonders Angesehen zum Fürsten, um durch ihn geschützt zu werden.

Aus dieser „Gemengelage“ ergebe sich folgende Aufgabe für den Fürsten: Er müsse immer bestrebt sein, den Ehrgeiz der Großen und die Zügellosigkeit des Volkes zu bekämpfen. Wer durch die Hilfe der Großen Fürst wird, der halte sich schwerer an der Macht, als wenn er durch das Volk nach oben gekommen ist. Denn er findet sich umgeben von vielen, die sich auf ebensolcher Höhe wie er sehen und die er nicht immer nach seinem Willen behandeln kann. Der Fürst durch das Volk dagegen steht ganz allein hoch und muss nur vermeiden, dass sich das Volk von ihm abwendet. Ein Fürst durch die Großen müsse stets versuchen, das Volk zu gewinnen. Aber wem die Großen feind sind, der laufe Gefahr, dass sie ihn nicht nur verlassen, sondern gegen ihn aufstehen. Und das sei einem Fürsten besonders nahegelegt: Die Großen eines Volkes vergessen Beleidigungen nie, auch nicht durch Wohltaten.

 

Behandlung des Volkes

In einem gesunden Staatswesen dürfen die Bürger laut Machiavelli keine Sorge haben, dass sie das, was sie sich erarbeitet haben, nicht auch irgendwann genießen können. Sie dürfen nicht aus Furcht vor neuen Steuern den Handel liegenlassen. Der Fürst müsse die Zünfte ehren, das Volk mit Festlichkeit und Schauspielen beschäftigen.

 

Was ist besser für einen Fürsten? Wenn er geliebt oder wenn er gefürchtet ist?

Machiavelli erklärt, wenn es möglich wäre, wäre beides am besten. Aber das liege nun mal nicht in der menschlichen Natur, da stets eines von beiden überwiege. Deshalb sei es besser, gefürchtet zu werden. Denn die Menschen seien undankbar, wankelmütig und heuchlerisch, feig in der Gefahr, begierig auf Gewinn. „Wenn du ihnen wohltust, sind sie dir ergeben, wollen alles für dich opfern. Kommt die Gefahr aber näher, empören sie sich. Wer sich auf ihre Worte verlässt, geht zugrunde.“[10] Was Menschen in Friedenszeiten sagten, sei nicht viel wert. Insbesondere verletzten die Menschen eher einen, der sich beliebt mache, als einen, der gefürchtet werde. „Die Zuneigung der Menschen beruht auf einem Bande der Dankbarkeit, das reißt, sobald der Eigennutz damit in Streit gerät. Furcht vor Züchtigung versagt aber niemals.“[11] Da die Liebe der Menschen von ihrer Neigung abhinge, die Furcht aber vom Betragen des Fürsten, lasse es ein weiser Fürst nicht auf die Neigungen anderer ankommen.

Allerdings dürfe er den Bogen hier nicht überspannen, denn dann werde er verhasst, was eine große Gefahr für seine Herrschaft darstelle. Um gefürchtet, aber nicht verhasst zu sein, müsse ein Eingriff in das Vermögen der Bürger und ihrer Frauen vermieden werden. Wenn jemand getötet werden müsse, so habe der gerechte Grund zutage zu liegen. „Menschen verschmerzen allenfalls noch eher den Tod des Vaters als den Verlust des Vermögens“[12]. Und außerdem: Wer einmal Vermögen raube, der finde immer wieder Gründe, neues Vermögen an sich zu reißen.

Ein Fürst müsse zu befehlen wissen und ein Mann von Herz sein. Er dürfe nicht als wankelmütig, kleinmütig, weibisch, unentschlossen gelten, in allen Verhandlungen mit den Untertanen müssten seine Entscheidung unwiderruflich sein. Insbesondere dürfe er im Unglück nicht weichen, sondern müsse hier dreist seine Anordnungen halten, dann folge ihm auch das Volk. Er müsse in dieser Hinsicht nur aufpassen, dass er nicht von der verfassungsmäßigen Ordnung zur absoluten Herrschaft übergehe.

Freigebigkeit könne einen Fürsten schnell verzehren, da sie viel Aufwand erfordere, der irgendwann das Volk belaste und den Fürsten verhasst oder bei Geldnot schließlich auch verächtlich mache. Freigiebig solle der Fürst nur dann sein, wenn er fremdes Gut durchbringen könne, um z. B. seine Soldaten zu motivieren, die von Raub, Plünderung und Brandschatzung leben. „Fremdes Gut durchzubringen, macht keinen schlechten Namen“[13]. Ein Fürst, der keine großen Mittel hat, der solle lieber sparsam wirtschaften, aber sicher. Er solle bei einem sicheren Haushalt nicht fürchten, für geizig gehalten zu werden. Denn darauf beruhe ja die Sicherheit seiner Herrschaft.

Unter allen Dingen, die ein Fürst vermeiden müsse, stehe obenan, verachtet und verhasst zu sein. Freigebigkeit führe zu beidem.

 

Grausamkeit und Gnade

Machiavelli fragt sich, weshalb verbrecherische Herrscher sich manchmal ungewöhnlich lange an der Macht halten können. Seiner Ansicht nach hängt das wohl von der rechten oder schlechten Anwendung von Grausamkeit ab. Die rechte Grausamkeit ereigne sich ein einziges Mal zur Sicherung der Macht und werde danach lediglich zum Vorteile der Untertanen benutzt. Es sei wichtig, alle Grausamkeiten mit einem Mal zu vollführen, um nicht alle Tage wieder damit anzufangen. Der Fürst könne hernach Freundschaften aufbauen, indem er von seiner demonstrierten Macht, anderen weh zu tun, eben keinen Gebrauch mache.

Eine schlechte Grausamkeit dagegen fange zunächst klein an und nehme mit der Zeit immer mehr zu. Der Fürst müsse beständig das Schwert in der Hand halten und könne sich auf seine Untertanen nie verlassen, weil diese durch die unaufhörlich erneuerten Beleidigungen kein Zutrauen finden könnten.

Deshalb müssten alle Verletzungen einmal geschehen, damit sie weniger überdacht und besprochen und weniger tief gefühlt würden. Wohltaten aber müssten nach und nach gezeigt werden, damit sich das Volk unaufhörlich damit beschäftige. Ein Fürst mag für milde gelten, dürfe aber den Ruf der Grausamkeit nicht scheuen, um seine Untertanen in Einheit und Gehorsam zu halten. Mit wenigen harten Strafen könne er viel milder sein, als wenn durch unzeitige Milde Unordnung hervorgerufen werde mit Mord und Raub, die dann immer mehr Gewalt zur Machtsicherung nötig mache.

Wer klug ist, der lasse alle harten Maßregeln durch seine Mitarbeiter ausführen, behalte Gnadenakte aber unbedingt sich selbst vor.

 

Muss ein Fürst sein Wort halten?

Nein, das muss er nicht. Zwar wäre es lobenswert, aber die Erfahrung, so Machiavelli, lehre ebenso wie die Geschichte, dass Fürsten, welche mit List die Menschen zu betören verstehen, große Dinge ausgerichtet und am Ende die Ehrlichen und Redlichen überwunden haben. Ein kluger Fürst könne und dürfe daher sein Wort nicht halten, wenn dessen Erfüllung sich gegen ihn selbst richten würde oder wenn die Ursachen aufhörten, die ihn dazu bewogen hätten. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass man von den meisten Menschen realistischerweise nicht erwarten könne, dass sie sich an ihr gegebenes Wort hielten.

Es gebe zwei Wege für den Fürsten, zu kämpfen: den gesetzlichen Weg, das ist die Sitte der Menschen, und den gewaltsamen Weg, das ist die Weise der Tiere. Wenn der erste nicht reiche, müsse zum anderen übergegangen werden, da oftmals die Beschränkung auf den einen Weg nicht zum Ziel führe. Machiavelli verweist in diesem Zusammenhang auf Achilles und andere Helden der antiken Sagenwelt, welche von dem Zentauren Chiron aufgezogen und unterwiesen wurden. Das halb menschliche, halb tierische Wesen habe seinen Schülern beigebracht, beide Naturen gleichermaßen gebrauchen zu lernen.

Die Tierseite im Menschen beinhalte zwei Möglichkeiten, die Machiavelli als Fuchs- und Löwennatur bezeichnet. Der starke Löwe entgehe der Schlinge nicht, der kluge Fuchs aber könne sich nicht gegen den Wolf wehren. Machiavelli nimmt an, dass eine ausgeprägte Fuchsnatur den Fürsten am weitesten bringe. Man müsse diese aber nach außen hin gut verstecken.

„Ja, ich wage zu sagen, daß es sehr schädlich ist, sie zu besitzen und sie stets zu beachten; aber fromm, treu, menschlich, gottesfürchtig und ehrlich zu scheinen ist nützlich. Man muß nur sein Gemüt so gebildet haben, daß man, wenn es nötig ist, auch das Gegenteil vermag. Und dies ist so zu verstehen, daß ein Fürst, insbesondere ein neuer Fürst, nicht all das beachten kann, was bei anderen Menschen für gut gilt; denn oft muß er, um seine Stellung zu behaupten, gegen Treu und Glauben, gegen Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Religion verstoßen.“[14]

Nichts sei notwendiger als der Schein der Tugend. Denn die Menschen urteilten im Ganzen mehr nach den Augen als nach dem Gefühl. Augen habe jeder offen, das richtige Gefühl aber besäßen nur wenige. Jeder sehe, was der Fürst zu sein scheine, nur wenige merkten, wie er wirklich beschaffen sei. Diese wenigen aber wagten es nicht, der Stimme des großen Haufens zu widersprechen. Der Fürst sei nur darauf bedacht, zu siegen und den Staat zu erhalten. Die Mittel würden immer für ehrenvoll gelten und von jedermann gelobt werden, denn der große Haufen halte es immer mit dem Schein und mit dem Ausgang.

„Die Welt ist voll von Pöbel, und die wenigen Klügeren kommen nur zu Worte, wenn es dem großen Haufen, der in sich selbst keine Kraft hat, an einer Stütze fehlt.“[15]

Machiavelli resümiert: Wenn man die Macht habe, dann verlasse man den geraden Weg nicht. Aber wenn es sein müsse, dann müsse man auch den krummen Weg betreten können. In diesem Zusammenhang sei eine Anekdote aus dem Leben des oben erwähnten Cesare Borgias erzählt. Als dieser die Romagna unter sich brachte, fand er das Land in Unordnung, denn die alten Herrscher hatten es hemmungslos geplündert. Um die Ordnung wiederherzustellen, erteilte Borgia einem entschlossenen und grausamen Mann alle Gewalt in seinem Namen. Er sah, dass dadurch zwar die Ordnung wiederhergestellt wurde, aber dass durch die Härte seines Vertreters Hass entstehen konnte. Um dem abzuhelfen, hielt er einen allgemeinen Gerichtshof ab, zu dem jede Stadt ihren Vertreter schickte. Borgia suchte sodann die Gunst des Volkes zu gewinnen, indem er erklärte, dass alle Grausamkeit nicht von ihm herrühre, sondern von seinem obersten Vertreter. Wenig später ließ er diesen dann in zwei Stücke zerrissen ausstellen, so dass das Volk seine Genugtuung erhielt und eine Zeitlang in dumpfer Ruhe gehalten war.

 

Behandlung von Gegner und Kollaborateuren

Einen besiegten Gegner müsse man nicht hart bestrafen, erklärt Machiavelli entschieden. Diejenigen, die gegen einen Eindringling gekämpft haben, könnten nach der Niederlage leicht gewonnen werden. Sie müssten ja den ersten schlechten Eindruck auslöschen. Auf der anderen Seite seien diejenigen, die mit dem Eindringling kollaboriert haben, vorher unzufrieden gewesen und würden es irgendwann auch mit dem neuen Fürsten sein, stellten also eine latente Gefahr dar. Diejenigen jedoch, die gegen den Einmarsch gekämpft hätten, seien vorher zufrieden gewesen und könnten es auch zukünftig bleiben.

Ein Fürst müsse sich vor dem Eindringen in ein fremdes Land immer zunächst mit den schwachen Unzufriedenen im Land verbünden, die ihn hereinließen. Er sollte sich aber gut überlegen, wie lange er diese Bande pflegt.

 

Ein Fürst muss Partei ergreifen, Neutralität kann gefährlich sein

Grundsätzlich müsse der Fürst den Ruf des Großen suchen und sich daher als ernstlicher Freund oder Feind erweisen. Daher sollte er ohne Bedenklichkeit und entschieden Partei ergreifen, weil dies mehr Ruhm bewirke, als neutral zu bleiben.

Überdies könne es erhebliche Gefahren mit sich bringen, wenn ein Fürst die Anfrage auf Unterstützung eines mächtigen Nachbarn, der sich im Streite mit einer fremden Macht befindet, mit dem Einnehmen einer neutralen Haltung beantworte. Siegt die fremde Macht, erwarte sie nichts von dem Fürsten und werde ihn schnell zur Beute nehmen wollen – zur Zufriedenheit des Geschlagenen, der es dem Fürsten übel nehme, dass man lediglich neutral geblieben sei. Gewinnt aber der mächtige Nachbar, habe man keinen Freund, weil man ja eben nur neutral geblieben ist. Der Nachbar ist noch mächtiger geworden und werde den Fürsten nun über kurz oder lang ebenfalls als Beute betrachten.

Ganz anders sieht es aus, wenn der Fürst entschieden Partei ergriffen hat: Verliert der Nachbar, so habe er zumindest einen Freund, der dem Fürsten beistehe. Gewinnt der Nachbar, dann ist er zwar der Mächtige in der Region geworden, aber er sei dem Fürsten doch zur Dankbarkeit verpflichtet, denn so vollständig siege niemand, dass er darauf keine Rücksicht zu nehmen brauche.

Machiavelli warnt: Jemand, der dir rät, neutral zu bleiben in seinem Konflikt, ist dir feind, weil du dann auf jeden Fall verlierst.

 

Wie können Schmeichler gemieden werden?

Es gibt laut Machiavelli nur ein geeignetes Mittel: Der Fürst muss zeigen, dass er die Wahrheit hören kann, ohne dadurch beleidigt zu werden. Aber nicht jeder dürfe die Wahrheit sagen, denn das verletze die Ehrerbietung. Der Fürst müsse gescheite Leute auswählen, denen allein es erlaubt sei, die Wahrheit zu sagen. Sie müssten gedrängt werden, stets ganz offen die Tatsachen zu benennen, und der Fürst müsse ihnen zürnen, wenn sie das nicht tun. Allerdings dürfe ihnen nur erlaubt werden, frank und frei über diejenigen Gegenstände zu sprechen, über die sie befragt würden. Niemand dürfe dem Fürsten ungefragt einen Rat erteilen.

Am Ende müsse der Fürst selbst die Entscheidung treffen und dürfe beschlossene Sachen nicht wieder besprechen oder von früheren Beschlüssen abweichen. Wer es anders mache, werde von Schmeichlern ins Verderben gebracht oder durch sein Schwanken in seinen Entschlüssen verächtlich.

Deshalb, so schließt Machiavelli, gebe es keine guten Fürsten wegen guter Berater. Denn ein schlechter Fürst werde irgendwann von einem fähigen Berater gestürzt.

„Der Fürst“ hat Machiavelli für Jahrhunderte dem Verdacht ausgesetzt, egoistische, machtbesessene Herrschaftsansprüche zu rechtfertigen bzw. sie auch noch zu adeln. Bei genauerer Betrachtung wird aber ein Werk erkennbar, das von nüchterner Menschenkenntnis und herausragenden strategischen Gedankengängen geprägt ist. Man ist geneigt zu sagen, dass Machiavelli gerade dadurch zum bösen Meister der Machtinstinkte geworden ist, weil er allzu offen Mechanismen beschrieb, welche den großen „Füchsen“ der Weltgeschichte nur zu bekannt und geläufig waren.

Machiavelli widmete dieses Werk Lorenzo di Medici, Sohn des Piero, dem Enkel Lorenzos des Prächtigen. Sicherlich nicht ohne Hintergedanken, aber insbesondere auch mit dem Wunsch, seine Ratschläge könnten dereinst einem großen Fürsten den Weg bereiten zur Rettung und Einigung Italiens. Wie idealistisch und heimatverbunden Machiavelli neben seinen skeptischen Analysen der Menschen und der Politik dachte und fühlte, zeigt der abschließende Aufruf am Ende des „Fürsten“ sehr deutlich:

„Man lasse also diese Gelegenheit nicht vorübergehen, auf daß Italien nach so langer Zeit seinen Retter erscheinen sehe. Ich finde keine Worte dafür, mit welcher Liebe er in all den Ländern aufgenommen würde, die unter fremder Bedrückung gelitten haben, mit welchem Rachedurst, welcher unwandelbaren Treue, welcher Ehrfurcht, welchen Tränen! Welche Tore würden sich ihm verschließen? Welches Volk würde ihm den Gehorsam versagen? Welcher Neid könnte sich gegen ihn regen? Welcher Italiener würde ihm die Ehrerbietung verweigern? Jeden ekelt die Herrschaft der Barbaren. So ergreife denn Euer erlauchtes Haus diese Aufgabe mit dem Mut und der Hoffnung, womit gerechte Unternehmungen begonnen werden, damit das Vaterland unter seinen Fahnen geadelt werde und unter seiner Führung das Wort des Petrarca in Erfüllung gehe:

Wenn Tapferkeit den Rasenden Entgegentritt, so wird der Kampf nicht lang:
Noch ist die Kraft des Altertums In italienischen Herzen nicht erstorben.“[16]

 

 

 

Quellen:

Der Fürst, Frankfurt am Main, Insel Verlag, 2001.

Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990.

Volker Reinhardt: Machiavelli oder Die Kunst der Macht. Eine Biographie. München 2012.

Niccolo Machiavelli: Geschichte von Florenz. In: Herfried Münkler (Hrsg.): Politische Schriften. Übersetzt von Johannes Ziegler. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1991.

Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Discorsi_sopra_la_prima_deca_di_Tito_Livio

https://de.wikipedia.org/wiki/Niccolò_Machiavelli

Youtube

„Niccolò Machiavelli Portrait“ , https://www.youtube.com/watch?v=EfzHCppazq4

 

[1] “(Paulhus& Williams, 2002)

[2] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 79.

[3] ( Niccolo Machiavelli: Geschichte von Florenz. In: Herfried Münkler (Hrsg.): Politische Schriften. Übersetzt von Johannes Ziegler. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1991, S. 318)

[4] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 65.

[5] „Niccolò Machiavelli Portrait“ , https://www.youtube.com/watch?v=EfzHCppazq4

[6] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 87.

[7] Reginald Pole (1961 : 55) Vgl. (Michael Szurawitzki ,Contra den „rex iustus/rex iniquus“?: der Einfluss von Machiavellis Il Principe auf Marlowes „Tamburlaine“, Shakespeares „Heinrich V.“ und Gryphius‘ „Leo Armenius“, Königshausen & Neumann, 2005)

[8] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 38.

[9] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 120.

[10] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 83.

[11] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 104.

[12] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 84.

[13] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 81.

[14] Machiavelli Der Fürst, Aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1990, S. 88.

[15] Machiavelli: Der Fürst von Niccolò Machiavelli, August Wilhelm Rehberg (Übersetzer), Armin Fischer (Hrsg./Übersetzer), Aurabooks, 2019, S. 65.

[16] Machiavelli: Der Fürst von Niccolò Machiavelli, August Wilhelm Rehberg (Übersetzer), Armin Fischer (Hrsg./Übersetzer), Aurabooks, 2019, S. 125.

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