Krankheit, Tod und Wohlstandswachstum

von | 06. Aug. 2021 | Debatte

Krankheit und Tod bleiben die letzten Risiken – und damit die letzten Abenteuer. Jedenfalls das, was von ihnen noch übrig ist.

Dass jeder letztlich doch noch stirbt, trotz aller Vorsorge- und Fürsorgesysteme, kränkt die moderne Gesellschaft, als deren Ziele globalisierte Produktion und Konsumtion und weltweite Wohlfahrt von immer mehr Menschenmilliarden mit immer höherer Lebens-Erwartung zu Lasten der Natur bzw. Schöpfung gelten können, der die ambitionierten Umwelt- und Klimainitiativen nicht helfen werden, weil die Menschen – im Wortsinne – immer mehr zu „Endverbrauchern“ werden.

Der Planet wird neun, zehn, elf Milliarden Menschen ökologisch kaum verkraften, da die Biosphäre nicht „humanitären“ Richtlinien unterworfen werden kann. Letztlich wird die Natur obsiegen und all die Skalierungen und Rasterungen sprengen, vermutlich glücklicherweise. Auf uns kommt es am Ende nicht an. Gleichfalls glücklicherweise.

Dennoch: 2050 wird die Erde zunächst 10, zu Beginn des 22. Jahrhunderts dann 11 Milliarden Menschen tragen. Wobei die meisten in Regionen bzw. Staaten geboren werden, die ihnen bislang kein auskömmliches Leben ermöglichen. Kritisiert man das kulturell und politisch, setzt man sich Rassismusvorwürfen aus.

Zurück in die Gegenwart:

Mit der WHO-deklarierten „Pandemie“ hat der Staat nach Jahrzehnten seiner Beschränkung auf Wohlfahrtsgarantien und Gewährleistung von Verbraucherrechten endlich wieder ein Manövergelände für das totale Regieren gefunden: Infektionsvermeidung, Lebensrettung und großes medizinisches Management, dies alles in fortlaufenden Ausnahmezuständen, deren härtere Neuauflagen mit der Delta-Welle drohen. Rein quantitativ werden die Inzidenzen im Frühherbst enorm sein. Setzt nicht endlich eine qualitative Neubewertung ein, wird dann noch radikaler durchadministriert als bisher.

Erstmalig nach dem Kalten Krieg schien es wieder um existentiell Entscheidendes zu gehen. Der 11. September, die nachfolgenden Konflikte und die diversen Finanzkrisen stellten nur Zwischenereignisse im Rahmen des Normalen dar, für die zwar gleichfalls Billionen an Volksvermögen versenkt wurden, die aber noch nicht zu der Staatsübergriffigkeit führten, deren Zeugen wir wurden, ohne je mit solcher Obrigkeitsstaatlichkeit gerechnet zu haben, die sich umstandslos ermächtigte, wesentlichste und bislang als „unveräußerlich“ geltende Grundrechte einzuschränken.

Erst das „neuartige“ Corona-Virus wurde zum Anlass, mittels ganz neuer Begriffe und Kommunikationsweisen eine Staatshybris auszubilden, wie sie vorher nicht einmal Kriegszustände rechtfertigten. Unheroische Gesellschaften knicken eben vor einem Infekt ein, heroische reagierten fatalistischer und gaben deswegen nicht das gesellschaftliche Leben auf, abgesehen davon, dass sie sich schon aus existentiellen Gründen nicht auf die Couch des Home-Office hätten zurückziehen können.

Es war, als kehrte der Sozialismus im Arztkittel des Virologen zurück. Ein Zentralkomitee aus Experten veranlasste im Zusammenwirken mit Staat und Behörden weitgehend zentralistische Maßnahmen, denen sich die Bürger aus Angst vor Krankheit und Tod mehrheitlich fügten – von sinnlosen und absurden bis hin zu notwendigen Regelungen.

Alle Erlasse und Verordnungen wurden artig und folgsam erfüllt. Das funktionierte, weil es im Unterschied zum brutalen Stalinismus und stagnierenden Ostblock-Sozialismus nicht „um die Sache“, also etwa eine sich totlaufende Ideologie ging, sondern um Lebens- und Todesgefahr – für manche, vergleichsweise sehr wenige tatsächlich, für die übergroße Mehrheit aber im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die sich eigendynamisch über die zu absoluter Geltung erhobenen Wissenschaftsdoktrinen verstärkte.

Zwangsmaßnahmen und Drohungen gingen mit der Gewährung gewaltiger Summen für das Stillhalten der Massen einher. Alimentierung erfolgten generös gegen botmäßiges Verhalten. Verspricht die Exekutive Hilfe und Zuwendung, so spricht sie stets in der ersten Person Plural:

WIR gewähren euch umfassende Hilfe. Dafür erwarten WIR von euch Gehorsam und Disziplin. Die weitgehend hypochondrischen Bürger gingen den Deal ein und bekamen sogar die Argumentationshilfe dafür, wie heroisch ihre Behäbigkeit wäre: „Wir bleiben zu Hause!“ Leben retten, indem man auf der Couch bleiben konnte.

Apropos Bequemlichkeit: Der Westen war dank mehrerer Phasen industrieller und wissenschaftlicher Revolutionen seit Jahrzehnten weitgehend entlastet. Dass diese Leistungen ihren Preis hatten, dass sie also zahllose Opfer kosteten und die Kolonialisierung des ganzen Planeten zur Voraussetzung hatten, ist längst verdrängt und wird mit antikolonialistischen und antirassistischen Zwangsneurosen kompensiert.

Um so zu leben, wie es heute in den hochentwickelten Ländern möglich ist, waren die Welt, ihre Ressourcen und die exotischen Menschen jahrhundertelang extensiv auszuschlachten. Was heutzutage als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angesehen wird, brachte der Menschheit die Kultur, in der sie gegenwärtig lebt.

Völlig vergessen, dass – mit Marx – der Fortschritt der blutige Götze ist, der seinen Nektar aus den Hirnschalen Erschlagener trinkt. So geschieht es weiterhin, nur eben nicht mehr in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Menschenrechte wurden überhaupt erst zum Thema, nachdem man mit den weltgeschichtlich härtesten Gemetzeln durch war und den Kopf für vermeintliche Vernunft frei hatte. Aber: Auch die Gemetzel blieben; man wusste sich seit der Aufklärung aber philosophischer über sie zu entrüsten und strebte ihre jeweils nachträglich rechtliche „Aufarbeitung“ an, immer neu entsetzt darüber, wie wenig doch aus der Geschichte zu lernen ist, daher – ganz i.S.d. Aufklärung – immer mehr auf Erziehung setzend.

Der Vitalitätsverlust der wohlstandsverwahrlosten Generationen ging mit der wachsenden Illusion einher, Lebenskomfort wäre ohne Schuld und Opfer zu haben. Gewissermaßen wurde die gesamte Geschichte der Moderne als Fehler aufgefasst, obwohl man doch satt von genau diesem „Fehler“ lebt.

Die an den Luxus der Postmoderne allzu sehr gewöhnten Generationen sehen genau die Historie als unmenschlich an, die ihnen ihren allzu vertrauten Lebensstandard sichert, den sie zwar nicht einschränken wollen, dessen weitere Gewährleistung sie aber auf ganz neue, nämlich humane Weise für möglich halten.

Betrachtet man es geschichtlich oder anthropologisch, irrt die Regenbogen-Jugend extrem. Für ihre sowohl an Kilokalorien als auch an Terrabytes überfressene Generation ist ein dramatischer und schmerzlicher Prozess der Desillusionierung zu erwarten. Mehr noch als die von ihnen problematisierte Lebensweise ihrer Eltern ist ihre eigene das Problem: Reizüberflutung, fehlende Sinngebung, Desorientierung.

Die ökologischen Grenzen unserer Lebenswelt würden selbst dann nicht gewahrt, wenn die soziale Marktwirtschaft sich tatsächlich in eine sozial-grüne wandeln ließe. Aus einem ganz einfachen Grund würde dies im Prinzipiellen nichts verändern:

Die Konsumbedürfnisse der Menschen werden sich nicht reduzieren lassen. Sie werden nicht nur beibehalten, sondern sich steigern – so wie überhaupt alles, was der Mensch will, forciert wird. Mag sein, das gilt auch für Umwelt- und Klimaschutz; nur wird der nicht mit der Bedürfnissteigerung künftiger Generationen Schritt halten. Selbst die bislang zerstörten Ökosysteme werden in ihrer verlorenen Komplexität nicht mehr regenerierbar sein. Das meiste ist vermutlich schon perdu.

Das Wesen der conditio humana besteht genau in dieser steten Steigerung, extensiv wie intensiv. Auch grünes Wirtschaften, wenn es das gäbe, löst Bedürfnisse aus, die wiederum zu einem gesteigerten Verbrauch führten.

Wenn das Besteck dazu vorhanden ist, dann wird die Welt eben verwurstet und dann verfrühstückt. Bis über den „point of no return“ hinaus, der vermutlich längst überschritten ist. Um dies zu erkennen, bedarf es keines Studiums mit Erasmus-Erweiterungen, sondern nur eines einzigen aufmerksamen Ganges durch den heimischen Supermarkt. Ein Hauptproblem der modernen „Demokratiekonzeption“ liegt darin, den Bürgern per se Vernunft und Urteilskraft beizulegen und Deliberation und Partizipation zusammenführen zu wollen.

Die wohlstandsverwöhnte „Generation Beleidigt“ wird sich gleich gar nicht einschränken wollen. Gerade sie nicht, fehlt ihr doch häufig die simpelste Impulskontrolle. Sie kennt keinen Mangel und wollte freiwillig mitnichten damit leben lernen. Ihre Frust-Demos würden den Fridays-for-Future-Klamauk locker toppen, sobald es um echten Verzicht gehen sollte. Nie und nimmer werden diese Kohorten ihre Bedürfnisse im Ergebnis einer inneren Läuterung einschränken. Sie glauben, alles wären über „Innovationen“ zu klären, innerer Wandlung bedürfe es daher gar nicht. Also mal wieder: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Woher denn sollte eine Wandlung kommen? Was könnte eine Umkehr einleiten? Die christliche Religion ist mittlerweile ohne Bedeutung und trieb sich die inspirierende Botschaft ebenso aus wie ihren pessimistischen Lebensernst. Die Kirche war eine der letzten Institutionen, die einem klarmachte, dass man nicht zuerst einzigartig und wunderbar, sondern vor allem schuldig und verloren ist. Dies galt als sicher, selbst säkular aufgefasst, das zu erwartende Heil dagegen nicht.

In der F.A.Z. (21.07.2021) schrieb der Fundamentaltheologe Gerd Neuhaus: „Umgekehrt wäre zu fragen, wie sich aus einem vertieften Verständnis dessen, was die Kirche unter Erbsünde versteht, Antworten auf aktuelle Herausforderungen entnehmen lassen. Tatsächlich ist der Zugang zu einem solchen Verständnis weitgehend blockiert und wird von der sozialpolitisch überformten kirchlichen Verkündigung eher zusätzlich verstellt als eröffnet.

Tugenderziehung gälte in der demokratischen Schule als undemokratische Bevormundung. Es gab keine Generation, die sich so selbstverständlich kraft Geburt ein Recht auf alles anmaßte wie die gegenwärtig aufwachsende. In einem fatalen Missverständnis wird „Würde“ heutzutage als Anrecht auf Weltverschleiß verstanden.

Problematisierungen ihres naiv-idealistischen Welt- und Menschenbildes erleben die „Kiddies“ als Kränkung. Je weniger sie nachdenken oder erfahren, um so eher erscheint ihnen nach Jahrtausenden der die Entwicklung dynamisierenden Ungerechtigkeit ein paradiesisches Zeitalter der Vernunft möglich, in dem alle Defekte des Menschen endlich, endlich geheilt worden sind und Faust ohne Mephistopheles auskommen wird.

Die große physische Gesundheit gehört dazu:

Im Auto gilt Anschnallpflicht, der Fahrradhelm wird dringlich empfohlen, das Rauchverbot in Kneipen konnte wider Erwarten unkompliziert durchgesetzt werden. In diesem Sinne erscheint mittlerweile alles als staatlich therapierbar – nicht allein Krankheiten, sondern seit etwa zehn Jahren überhaupt sämtliche in der Natur des Menschen und seiner Gesellschaft liegenden Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Benachteiligungen.

Wer auf die Welt kommt, hat im landläufig billigen Verständnis der philosophischen Kunstbegriffe Wert und Würde nicht nur ein Grundrecht auf das bestmögliche Dasein, sondern darf neuerdings sogar rechtliche Garantien darauf beanspruchen. Ein solches mehr und mehr einklagbares Recht wurde in der Weise sozialistisch umfassender gewährt, wie gleichzeitig die Erwartungen an Leistungsbereitschaft reduziert wurden. Daher die angestrebten Veränderungen des Wahlrechts:

Für die Wahrung ihrer Komfortbedürfnisse sollen nach Auffassung der „Demokraten“ möglichst schon Vierzehnjährige wählen dürfen, selbst wenn sie unter weitgehendem Verzicht auf Forderungen bislang nur in der Schule gehegt und gepflegt wurden.

Als Vierzehnjährige einst schon Traktor fuhren, Stahl kochten oder im Bergwerk arbeiteten, dachte niemand daran, sie an Wahlen zu beteiligten. Man meinte, sie müssten sich erst bewähren. Das gelang den meisten eindrucksvoll. Heute bedarf es solcher Bewährung nicht, sondern allein des Bekenntnisses, ein antirassistischer, toleranter und weltoffener Demokrat zu sein.

Im Zuge dessen verbinden insbesondere „Sozialstaaten“ mit ihrem umfassenden Service jedoch die Erwartung, auf das Leben der Bürger zugreifen zu können – mittels „politischer Bildung“, in der Inhalte als grundvereinbart gelten, die an sich niemand je vereinbart hatte. Aktuell sind es „pandemiebedingte“ Ausnahmezustände, aus denen heraus verkündet wird:

Wir, also die Exekutiven, retten euch vor Krankheit und Tod, wenn ihr euch vollkommen willfährig verhaltet: Maskenpflicht, Tests, Impfungen, Lockdowns und Shutdowns. Kritiker und riskant Mutige werden als Verschwörungstheoretiker und Verfassungsfeinde an den Pranger gestellt und gelten als der Hauptfeind alles vermeintlich Humanitären, also als „Nazis“.

Das Wort Nazi fungiert seit längerem als eine Art Gattungsbegriff – für alle, die nicht auf Linie sind. Wer noch nicht direkt „Nazi“ ist, läuft, so das Narrativ, aber immerhin Gefahr, alsbald „Nazi“ zu werden, wenn er nicht den Propaganda-Leitlinien zu folgen bereit ist. Demokratieerziehung lautet also die Devise.

Wer gegenwärtig das linksgrün verordnete Welt- und Menschenbild kritisiert, dem wird nicht etwa Haltung bescheinigt, nicht mal eine fragwürdige Haltung, nein, denn der ist schon irgendwie „Nazi“. Dies erst recht, wenn ihm die Gerechtigkeits- und Antidiskriminierungslitaneien vom Bundespräsidenten abwärts nicht liegen wollen.

Eindeutig ist „Nazi“ und „Rassist“, wer gegen LGBTQIA+-Hype und Massenzuwanderung auch nur Vorbehalte äußert. Obwohl gerade ein solcher Opponent „Toleranz“ nötig hätte, um am Diskurs „teilzuhaben“, gilt er per se als intolerant und politisch als Paria. Offiziell verordnete Vorbehalte genügen, um als „Nazi“ und „Rassist“ stigmatisiert zu werden.

Die Tendenz staatlicher Übergriffe auf Lebenskultur und individuelle Freiheits-, also Gestaltungsrechte verstetigt sich. Neue Virus-Varianten, etwa „die hochansteckende Delta-Variante“, neue Inzidenz oder neuerdings Warnwert-Kurven, neue ungeahnte Risiken werden für neue Autoritätsbeweise genutzt, die aus der zunächst improvisierten Pandemieabwehr eine institutionalisierte Vormundschaft gestalten, die immer neue Kampagnen ausruft, um obrigkeitsstaatlich weiter zu regieren.

Heilsversprechen (Wenn erst durchgeimpft ist … Wenn erst alle Schulen mit Luftfiltern ausgestattet sind … Wenn erst das neue Testverfahren läuft …) legitimieren jeweils erneute Einschränkungen und Beschränkungen.

Mag sein, es ist niemand schuld daran; vielmehr handelt es sich um die der Exekutive wesentlich innewohnende Tendenz zum Durchregieren, die sich verstärkt, solange man von den Türmen den Angriff neuer Feinde – hier Alpha-, Beta-, Delta-Viren und deren gesteigerte Virulenz – melden kann. Sekundär kommen neue Diagnoseschlüssel hinzu, etwa „Long-Covid“, unklar in der Diagnose, gerade daher aber anschlussfähig für fortzuschreibende Maßnahmen.

Wer meint, es hätte besser wacker durchgestorben werden müssen oder es wäre mindestens ein spürbarer Leidensdruck wie bei einer starken Grippewelle nötig bzw. hinzunehmen gewesen, um Alltagsmaßnahmen, gesundem Menschenverstand und natürlicher Immunität Vorschub zu leisten, wie das – zuzüglich wirksamer Impfungen – gegenüber Infektionskrankheiten erprobt war, der gilt als Zyniker.

Aber es gibt keine Sicherheiten, sondern nur Wahrscheinlichkeiten: das Leben ist „ein vorübergehender Zustand“. Es braucht den Zyniker, er wirkt gefährlichen Illusionen entgegen und gehört so zum Immunsystem der Gemeinschaft.

Mag zudem sein, es geht wirtschaftlich global nicht anders. Dann ist genau dies das Problem: Dass es nicht anders geht und der Globalismus unweigerlich das Ende des Globus als des natürlichen Lebensraums für Mensch und Mitgeschöpfe bedeutet, jedenfalls in der Form, wie wir das gerade noch erleben.

Der naive Rechte wird meinen, seine politischen Auffassungen retteten Gesellschaft und Welt – der qualifizierte weiß, dass nicht mal dies möglich sein wird und nur eines bleibt: die Einsicht in die letztendliche Vergeblichkeit und zwangsläufige Schuld. Allein die Gewissheit dessen befreit. Sogar zum politischen Handeln gegen die Illusionisten und Utopisten, immer soweit dies möglich sein mag.

1 Kommentar

  1. Es gibt offenbar doch noch eine Art kritischen Pessimismus, von dem aus sich Entscheidendes neu bewerten lässt. Verharrt man aber in den üblichen positiven Bejahungen der „bunten Gesellschaft“, der „Toleranz“ uws. usf., folgt man also den Darstellungen der Steinmeier-Rhetorik, kommt man nicht weiter. Und es gibt sogar genügend Grund schwarzzusehen, man sollte es nur auf kühle Weise tun, ohne dass es einen seelisch anficht. Interessant finde ich den Gedanken Heino Bosselmanns, daß die weltverschleißenden Bedürfnisse bleiben werden, einerlei welche politischen Regularien sich finden lassen. Aber genau diese Bedürfnisse des Weltverbrauchs lassen sich nicht ändern, ja, niemand, kein Politiker jedenfalls will (oder kann) sie ändern. Das hieße ja wohl, an Tugenden zu appellieren oder diese mit Macht durchzusetzen. Das genau will Politik nicht. Sie beteuert stereotyp ein Menschenbild, das uns genau in die schwierige Lage brachte. Die düsteren Kapitel der Vergangenheit sind nicht primär durch falsche Politik verursacht, sondern durch die Natur des Menschen und seine Bedürfnisse. Auch „Ausbeutung“, „Kolonialismus“ und „Rassismus“ gehören dazu. Sie konstituierten die meist hochgelobte Globalisierung und „eine Welt“ doch mit.

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