Interview zum Thema „Gegenelite, Aristokraten und der König“

von | 01. Mrz. 2021 | Im Gespräch

„Die Rechte muss wieder rechts werden.“

Areopag l

Das nachfolgende Interview zwischen Peter Steinborn und Wolfgang Bendel kann als Ergänzung zum AREOPAG I „Die neue Aristokratie“ verstanden werden.
Da das Seminar in 2020 Corona-bedingt ausgefallen war, möchten wir hiermit unseren Lesern und Seminargästen ermöglichen, in die Gedankenwelt von Wolfgang Bendel einzutauchen.

 

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Im Mittelpunkt dieses Heftes steht die Auseinandersetzung mit der dringendsten Frage der Echten Rechten – der Schaffung einer staatsführenden Gegenelite. In Anbetracht der grassierenden Dekadenz und Verantwortungslosigkeit unserer staatlichen Eliten, ist es an der Zeit einen Gegenentwurf zum korrumpierten System des Demokratismus zu zeichnen. Die Neue Aristokratie als Leitmotiv dient hierbei als Sinnbild einer Staatsform, in welcher die Herrschaft durch die Besten der Gemeinschaft im Sinne der Gemeinschaft ausgeübt wird. Im Zentrum steht die Schaffung einer Avantgarde, die sich dem Ideal dieser Neuen Aristokratie verschrieben fühlt. Gemeinsam mit Referenten und Freunden des Verlages nimmt MetaPol die Herausforderung an, zukünftige verfassungsgebende Leitsätze und Charakteristika zu definieren und somit an der Bildung eines neuen staatspolitischen Ideals mitzuwirken. Hier geht es zum Areopag

 

P.S.: Sehr geehrter Herr Bendel, erst im Oktober letzten Jahres haben Sie einen Essay verfasst, der in dem AREOPAG I „Eine Neue Aristokratie“ erschien. Dabei handelt es sich um einen Sammelband von Aufsätzen, die sich allesamt mit aristokratischen Ideen befassen und ursprünglich als Begleit- und Nachschlagewerke für das Seminar für rechte Metapolitik gedacht waren. Nun musste dies aus bekannten Gründen zweimal abgesagt werden. Das Jahr 2020 verlief wohl bei uns allen vollkommen anders, als wir es erwartet hatten. Daher danke ich Ihnen für diese Gelegenheit noch einmal, tiefgründiger zu Inhalten Ihres Aufsatzes nachzufragen.

Ihr Aufsatz ist der Gegenelite, den Aristokraten und dem König gewidmet. Können Sie unseren Lesern kurz erläutern, was Sie unter diesen Begriffen verstehen?

W.B.: Im Vorwort zum Sammelband Aeropag I wird recht genau beschrieben, was wir unter Gegenelite zu verstehen haben. Es ist die Avantgarde, die sich im Kampf gegen die herrschende Funktionselite herausbildet und schließlich im Sinne des „Kreislaufs der Eliten“, wie es Vilfredo Pareto postulierte, an deren Stelle treten wird. Aristokraten sind die Personen, die sich durch ihr Verhalten, ihren Charakter und ihre Fähigkeiten als diejenigen herauskristallisiert haben, die in einem zukünftigen Gemeinwesen tragende politische Rollen übernehmen werden. Zugleich entstehen sie aus der soeben erwähnten Gegenelite. Der König schließlich ist das Symbol des Staates und der Idee, die hinter diesem Staat steckt.  Zugleich ist er der Pontifex, der Brückenbauer zwischen der materiellen und der übernatürlichen Welt. Was zunächst wie ein Freibrief für absolute Macht aussieht, ist das genaue Gegenteil. Er kann keineswegs tun und lassen, was er will, sondern er muss sich besonders exakt an das Gesetz halten. Sowohl im materiellen als auch im spirituellen Sinn.  Tut er dies nicht, ist er seines hohen Amtes unwürdig und verliert es.

P.S.: Bereits in Ihrem Band „Aristokratie – Eine Streitschrift“ kommt die Demokratie nicht allzu gut weg. Die meisten Analysten – auch auf der patriotischen Seite – sehen in dem Zustand des heutigen politischen Systems eher den Mangel an Demokratie als Problem. Haben diese Leute unrecht?

W.B.: Der Begriff Demokratie wird heute so verwandt wie früher das Wort Gott. Man erwartet alles von ihr und interpretiert all das in sie hinein, was man sich wünscht. Das ist offensichtlicher Unfug, da die Demokratie ein Gedankengebäude ist, das von Menschen geschaffen wurde und deshalb unvollkommen sein muss. Hinzu kommt noch ein weiterer Gedanke, nämlich, dass mehr Demokratie automatisch bedeute, alles würde besser werden. Dies ist eine Behauptung ohne jede Beweiskraft. Da das demokratische Zeitalter jetzt bereits zwei Jahrhunderte umfasst, sind zahlreiche Probleme, die wir heute weltweit konstatieren können, Folgen demokratischer Prozesse.  Es ist nicht nachvollziehbar, wieso ausgerechnet die Forderung nach mehr Demokratie Probleme lösen soll, die genau durch diese Regierungsform geschaffen wurden. Auch ein Alkoholkranker wird nicht durch den Konsum von noch mehr Schnaps geheilt. Es geht mir nicht darum, die Demokratie zu verteufeln, sondern auf Normalmaß zu stutzen. Demokratische Verhaltensweisen haben ihre Berechtigung, die in die Demokratie hinein projizierte Erlösungserwartung ist hingegen abwegig.

P.S.: Der Begriff der Demokratie wird heute ähnlich inflationär verwendet, wie das Wort „rechtsextrem“. Dabei scheint jeder etwas Anderes darunter zu verstehen. Können Sie uns erklären, was Demokratie Ihrer Ansicht nach ist?

W.B.: Wie soeben gesagt, der Begriff der Demokratie hat in der Moderne eine zutiefst religiöse, um nicht zu sagen fundamentalistische Bedeutung erfahren. Demokratie wird gerne als Herrschaft des Volkes übersetzt, wobei die Übersetzung des altgriechischen Wortes „Demos“ eigentlich Staatsvolk bedeutet, und dieses Staatsvolk wiederum war auf Dorf- und Siedlungsgemeinschaften begrenzt.  Das Wort erfuhr in der Spätantike einen Bedeutungswandel und wurde für die unteren und mittleren Bevölkerungsschichten verwandt, also das, was man dann auch als Plebs oder Pöbel bezeichnete.  Was sagt uns das? Demokratie funktioniert nur in kleinen Gemeinschaften, und es besteht die Gefahr der Entartung in Richtung Pöbelherrschaft.

Überdies wird heute das Wort Demokratie in einer geradezu aberwitzig anmutenden Beliebigkeit benutzt. Will man auch noch die absonderlichste Forderung durchsetzen, so geschieht dies grundsätzlich im Namen der Demokratie.  Selbst völlig entgegengesetzte Bestrebungen werden von ihren Vertretern damit legitimiert, dass sie besonders demokratisch seien. Der Demokratie ihrerseits werden dann Begriffe wie „rechtsextrem“, „Faschismus“ oder „Verschwörungstheoretiker“ entgegengesetzt, die längst ebenso sinnentleert sind wie das Wort Demokratie selbst. Sie sollen nur noch zur Diffamierung unerwünschter Gedanken dienen. Ein längst absurd gewordenes Theater, an dem wir uns nicht weiter beteiligen sollten. Die Demokratie ist ein politisches Herrschaftssystem wie mehrere andere, sie ist also weder alternativlos noch ist ihre angebliche Unfehlbarkeit sachlich zu begründen.

P.S.: Ich denke wir sind uns einig, dass sich die ganze Welt in einer Katastrophe epochalen Ausmaßes befindet. Sind das Auswüchse der Demokratie oder sehen Sie hier auch noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?

W.B.: Die moderne Massendemokratie hat eine Art Zwilling, den Kapitalismus. Beiden ideologischen Systemen ist eins gemeinsam. Sie bauen auf menschlichen Verhaltensweisen auf, die ursprünglich negativ konnotiert waren. Habgier, Loyalitätsbruch, Feigheit, Egoismus, Neid etc. Ohne diese Merkmale funktionieren diese Systeme nicht. Ein Politiker, der immer die Wahrheit sagt, wird nicht gewählt. Der schon erwähnte Demos erwartet das auch gar nicht von dem Gewählten. Vorwürfe an diesen, er habe seine Wahlversprechen nicht gehalten, sind wohlfeil, denn weder der Gewählte noch der Wähler gingen davon aus, dass dies geschehen würde. Der Wähler weiß also von Beginn an, dass der Gewählte ihn betrügen wird und der Gewählte weiß, dass der Wähler es weiß. Es etablierte sich also ein System, in dem Betrug und Verrat integriert sein müssen.  Warum müssen? Wenn der Politiker seine Versprechen halten würde, gäbe es für den Wähler keinen Grund, bei der nächsten Wahl jemand anderen zu wählen. Dies wiederum hätte zur Folge, dass die Wahlen jedes Mal nahezu das gleiche Ergebnis hätten, also überflüssig würden. Ein System, das, um zu funktionieren, die gegenseitige Illoyalität zur Voraussetzung hat, kann nicht nachhaltig sein.

Eine andere Vorstellung, nämlich, dass die Mehrheit immer Recht hat, ist fast noch absurder, denn jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass dem natürlich nicht so ist. Dávila prägte in diesem Zusammenhang den treffenden Satz: „In der Demokratie wird nur darüber abgestimmt, wen zu unterdrücken statthaft ist.“ Keineswegs geht es also darum, aus verschiedenen inhaltlichen Angeboten den besten Weg für die Gemeinschaft zu finden, im Gegenteil: Wohin die systematische Unterdrückung und Kriminalisierung politischer Minderheiten führen muss, sehen wir im Zusammenhang mit der Coronakrise überdeutlich.

Negative menschliche Eigenschaften werden nicht dadurch zu etwas Erstrebenswerten, nur, weil sie für die Funktionsfähigkeit der modernen Demokratie unerlässlich sind. Sind es bei der Demokratie heutiger Prägung Betrug, Lüge und Schwindel, die systemimmanent sind, so ist es beim Kapitalismus die Habgier. Der Kapitalist muss, bei Strafe seines Untergangs, danach trachten, sein Kapital unter allen Umständen zu vermehren, wenigstens aber zu bewahren. Scheitert er daran, ist er kein Kapitalist mehr. Aus Zeitgründen können wir das Thema hier nicht weiter ausführen, weil es den Rahmen eines Interviews sprengen würde. Zusammengefasst. Wir erleben die aktuelle existenzbedrohende Krise der Menschheit deshalb, weil negative menschliche Eigenschaften durch die Massendemokratie und den Kapitalismus gefördert statt begrenzt werden.

P.S.: Angenommen, die Demokratie wäre dafür verantwortlich, wo wir heute in der Welt stehen. Wäre dann nicht die Forderung nach mehr Autokratie die logische Konsequenz daraus?

W.B.: Der Begriff Autokratie ist aus meiner Sicht eher negativ besetzt, weil er impliziert, dass hier Leute machen können, was sie wollen, ohne die Konsequenzen zu befürchten. Der Autokrat ist keine positiv zu sehende geschichtliche Gestalt. Demgegenüber steht der Aristokrat, der, um überhaupt diese Bezeichnung zu verdienen, sich an unveränderbare Prinzipien halten muss: Treue, Schutz, Dienst. Er ist also immateriellen Zwängen unterworfen, die ihn in seiner Machtausübung beschränken. Das ist etwas, was dem Autokraten fernliegt. Die Übergänge sind hier natürlich fließend, wobei man sagen kann, ein autokratischer Stil oder monarchischer Absolutismus sind sicher Abweichungen vom aristokratischen Prinzip.  Ein Herrscher ist zunächst nur das lebende Symbol für die Einheit des Staates, er ist nicht der Staat selbst.

P.S.: Sind Demokratie und Aristokratie unvereinbar oder sehen Sie auch hier Möglichkeiten einer natürlichen Symbiose?

W.B.: Wie am Beispiel der antiken Demokratien zu sehen ist, besitzt diese Regierungsform ihre Berechtigung dort, wo in zahlenmäßig überschaubaren Gemeinschaften jeder jeden kennt. Dort ist es auf jeden Fall sinnvoll, wenn man den Bürgern eine Mitsprachemöglichkeit gibt, wenn sie denn daran Interesse haben. Diese Einschränkung ist wichtig, denn viele Leute wollen schlicht, dass die dem Gemeinwesen obliegenden Anliegen im Interesse aller erledigt werden, ohne dass man sich um die konkreten Einzelheiten kümmern muss.

Wenn man sich in Europa umsieht, gibt es keinen Zwergstaat, der nicht besonders gut funktionieren würde. Dies ist kein Zufall. In diesem Zusammenhang zeigt das Beispiel Liechtenstein sehr schön, dass Aristokratie und Demokratie keine antagonistischen Widersprüche sein müssen. Demokratische Elemente haben auch in einer authentischen Aristokratie ihren Platz unter der Voraussetzung, dass die Aristokraten die grundsätzlichen Richtlinien der Politik bestimmen.

P.S.: Neben dem Aristokraten spielen Ritter und Patrizier eine erhebliche Rolle in Ihren Anschauungen. Sind dies nicht Archetypen, die längst der Vergangenheit angehören? Welchen Einfluss haben diese Rollen aus Ihrer Sicht in der Moderne?

W.B.: Ritter und im gewissen Grad auch Patrizier gehören tatsächlich der Vergangenheit an. Beide Gruppen waren zumeist Teil der Gesellschaftsschicht, die man auch als niederen Adel bezeichnete. Ritter wurden in der Regel vom Herrscher, dem Lehnsherren, mit Ländereien bedacht und mussten diesem im Gegenzug Waffengefolgschaft leisten, wobei sie die Kosten für Ausrüstung und Begleitpersonal, den Knappen, selbst tragen mussten. Patrizier kann man, um zeitgemäße Begrifflichkeiten zu verwenden, am besten mit Großbürgern übersetzen. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass die Gründung der katholischen Kirche eine der letzten Handlungen des römischen Patriziats war, bevor das Imperium Romanum in den Gezeiten der Geschichte verschwand.

Es ist müßig und sprengt den Rahmen eines Interviews, wenn wir heute nach Personengruppen Ausschau halten wollen, die diesen historischen Gestalten entsprechen werden. Dafür ist einfach noch nicht der Zeitpunkt gekommen, um Voraussagen zu treffen oder Vorschläge zu machen. Sicher sagen kann man nur eins. Dieser Personenkreis wird sich aus der zu bildenden Gegenelite und deren Umfeld rekrutieren.

P.S.: Wenn ich Sie richtig verstehe, dann ist die Neue Aristokratie eine eigentliche Meritokratie, also die Herrschaft der Leistenden oder besonders Verdienstenden einer Gesellschaft. Wen meinen Sie damit? Gehören der superreiche Jeff Bezos, Bill Gates oder Elon Musk auch zu dieser meritokratischen Elite?

W.B.: Mir gefällt der Begriff Meritokratie nicht besonders, weil er zu einseitig die Betonung auf den wirtschaftlichen Erfolg der Angesprochenen legt. Der Begriff der Aristokratie ist weiter gefasst, da er nicht nur den materiellen Aspekt umfasst, sondern mehr. Dazu gehören immaterielle Verdienste und Eigenschaften wie die charakterliche Eignung, Führungsqualitäten, Patriotismus und so weiter.  Den finanziellen Aspekt sollte man nicht ganz ignorieren, denn materielle Möglichkeiten haben ihre Berechtigung, sie sollten aber nicht im Zentrum der Überlegungen stehen. Die genannten Milliardäre gehören selbstverständlich nicht zu einer zu bildenden aristokratischen Elite, da ihnen bis auf die wirtschaftliche Macht alle Eigenschaften fehlen, die einen authentischen Aristokraten ausmachen. Sie sind bestenfalls das, was man abschätzig als Geldadel bezeichnet.

P.S.: Sie beziehen sich viel auf Julius Evola, der wahrscheinlich insbesondere den jüngeren Leser weniger bekannt sein wird. Können Sie ihnen verraten, warum es sich lohnt, sich mit diesem Traditionalisten zu befassen? Haben Sie Buchempfehlungen?

W.B.: In meinem Beitrag für den Aeropag wies ich bereits darauf hin, dass man Evola als umgekehrten Marx verstehen sollte, der das Paradies nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit verlegte. Deshalb muss man seine Werke etwas kritisch betrachten, denn ein Paradies auf Erden gab es nie und wird es nie geben. Ich halte es da eher mit dem kolumbianischen Philosophen Gómez Dávila, der erkannte, dass die großen Probleme der Menschheit keine Lösung haben, sondern nur eine Geschichte. Evola war ein italienischer Kulturphilosoph, der im 20. Jahrhunderts schriftstellerisch aktiv war und 1974 verstarb. Sein Hauptwerk ist die „Revolte gegen die moderne Welt“, in der er die antike Welt beschreibt und welche Lehren man daraus für unsere Zeiten ziehen kann.  Es ist aber ein geschichtsphilosophisches Buch, kein politisches oder ideologisches. In gewissem Sinne politischer wird er in seinen Werken „Den Tiger reiten“ und „Menschen inmitten von Ruinen“.  Evolas Verdienst liegt zweifellos darin, dass er auf ewig gültige Werte verwies und den antiken und traditionalen Gesellschaften den ihnen gebührenden Platz in der Menschheitsgeschichte zugestand. Ein Platz, der ihnen von einer fortschrittsgläubigen und einseitig materialistisch orientierten Geschichtswissenschaft abgesprochen wurde. Evola ist eine große Hilfe dabei, um den Hochmut und den selbstmörderischen Größenwahn der Moderne in die Schranken verweisen zu können. Unsere Zeitgenossen sind weder intelligenter noch moralisch höherstehend als unsere Vorfahren und Ahnen.

P.S.:Der Aristokrat oder auch Patrizier“, so schreiben Sie, „hatte in der traditionalen Welt nicht nur weltliche, sondern auch religiöse Macht. Materielle und spirituelle Kräfte bündeln sich in einer Person.“ Welche Rolle spielt die Religion in der Neuen Aristokratie? Sehen Sie einen Unterschied zwischen Religion und Konfession? Kann der Aristokrat ein religiöser Priester sein, ohne konfessionell initiiert worden zu sein?

W.B.: Der Mensch ist ein religiöses Wesen. Seit es ihn gibt, sucht der Mensch nach Deutungen, die sein Dasein auf diesem Planeten erklären. Letztlich unternimmt auch die moderne Wissenschaft nichts Anderes, die heutzutage neben der Demokratie als die Ersatzreligion schlechthin fungiert. Die Wissenschaft mag zwar vieles erklären können, letztlich scheitert sie aber bei dem Versuch, in sich schlüssig begreiflich zu machen, woher wir kommen und wohin wir gehen.  Ein Beispiel zur Verdeutlichung. Die These vom Urknall zeigt zugleich die Möglichkeiten und Begrenzungen der Wissenschaft. Sie kann zwar schlüssig erklären, was nach dem Urknall geschah, nicht aber zwei ganz entscheidende Fragen beantworten. Warum kam es zum Urknall und was war vor ihm? An dieser Stelle kommen wir nur mit religiösen Vorstellungen weiter. Wenn wir Religion als den Glauben an eine alles Sein bestimmende göttliche Macht betrachten, dann haben wir zu konstatieren, dass eine aristokratische Ordnung in eine religiöse Welt eingebettet sein muss. Neben dem transzendenten und spirituellen Gedanken, den wir hier nicht weiterverfolgen können, verfügt die Religion über eine sehr wichtige Kontrolleigenschaft. Sie zeigt den Menschen ihre Grenzen auf und bewahrt sie vor Größenwahn, Verblendung und der Vorstellung, alles sei machbar. Wohin uns dieser Machbarkeitswahn mittlerweile führte, erleben wir jeden Tag immer bedrohlicher, nämlich in Richtung der allmählichen Zerstörung unseres Planeten als der Heimat unserer Spezies. Wobei wir nicht dabei sind, die Erde selbst zu zerstören, sondern vielmehr unsere Lebensgrundlagen. Religion bedeutet Bescheidenheit und Demut angesichts der Schöpfung. Beide Eigenschaften sind aristokratische Prinzipien, Überheblichkeit und Aufgeblasenheit demokratische.

Unter Konfession versteht man allgemein die Zusammenfassung religiöser Glaubenssätze, die im Rahmen einer Glaubensgemeinschaft gepflegt werden. Die Konfession ist der Religion untergeordnet. Das Christentum ist eine Religion. Katholizismus und Orthodoxie sind Konfessionen. Dies nur zur Erläuterung.

Inwieweit ein Aristokrat auch Priester sein kann, ohne initiiert worden zu sein, ist eine sehr spezielle Frage, die man aus heutiger Sicht nicht abschließend beantworten kann. Ich kann nur so viel sagen: Es wäre von Vorteil.

P.S.: Wer die Aristokratie befürwortet, der bekennt sich gleichzeitig zur Hierarchie. Warum sind Hierarchien notwendig im Leben und insbesondere in der politisch-gesellschaftlichen Sphäre?

W.B.: Hierarchie ist ein zentraler Bestandteil dessen, was man als Identität bezeichnet. In einem Aufsatz für die Zeitschrift Agora äußere ich mich zu diesem Thema ausführlicher. Hierarchie bedeutet, dass jedermann auf dieser Welt seinen Platz hat. Ein Platz, an dem er sich selbst wiederfinden und erkennen und an dem er für das Gemeinwohl eine nützliche Leistung erbringen kann. Wer in einer Hierarchie weiter oben steht, ist dabei nicht der bessere Mensch, er hat nur eine andere Aufgabe zu erfüllen. Hierarchien müssen dabei durchlässig sein.  Jemand, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, muss an anderer Stelle seinen Platz finden, während andere, die in ihrem Aufgabenbereich unterfordert sind, sich eine passendere Berufung suchen müssen. Hierarchie darf kein statischer Prozess sein, ererbte Hierarchien sind abzulehnen. Eine Hierarchie muss ständig hinterfragt und mit Leben erfüllt werden. Nichts auf dieser Welt ist statisch, auch nicht die Hierarchie.

P.S.: Wenn Hierarchie und Aristokratie genuin rechte Bestrebungen und Bekenntnisse sind, dann steht es weltanschaulich schlecht um die gegenwärtige Deutsche Rechte.

W.B.: Das ist eine sehr interessante Aussage, denn sie ermöglicht es mir, ideengeschichtlich weiter auszuholen. Mit der amerikanischen Unabhängigkeit und der Französischen Revolution, beides Ereignisse gegen Ende des 18. Jahrhunderts, drängte erstmals die politische Linke an die Macht. Beide Umstürze waren Frucht des Agierens der Aufklärer, die die traditionellen Gesellschaften in den düstersten Farben malten, in erster Linie nicht um tatsächliche oder eingebildete Missstände zu beseitigen, sondern um sich selbst an die Stelle der damaligen aristokratischen und monarchischen Eliten zu setzen. Im Nachhinein betrachtet griff bereits damals Paretos Erkenntnis vom „Kreislauf der Eliten“, die wir eingangs erwähnt hatten. Seit dieser welthistorischen Niederlage befindet sich die Rechte in der ideologischen Defensive.  Um verlorenes Terrain wiederzugewinnen, griff die Rechte seitdem linke Gedanken auf und versuchte sie, in rechte Narrative einzupassen. Die scheinbar rechte Idee des Nationalstaats, die damals in Frankreich entstand, ist beispielsweise keineswegs eine ursprünglich rechte Vorstellung, sondern Konsequenz der Französischen Revolution. Und dass diese eine linke und keine rechte Veranstaltung war, wird wohl niemand bestreiten. Die Niederlagen vom Ende des 18. Jahrhunderts, da sollten wir uns allerdings nichts vormachen, hatten, trotz der Wühlarbeit der Aufklärer, auch handfeste materielle Gründe. In verschiedenen Publikationen wies ich bereits mehrfach darauf hin.

Um es kurz zu machen. Das bisher Gesagte legt den Gedanken nahe, dass sich die Rechte wieder intensiver darum kümmern sollte, was denn genau rechts im politisch-ideologischen Umfeld bedeutet. Zum Verständnis erwähne ich hier einige rechts-linke Begriffspaare. Identität oder Entfremdung, Aristokratie oder Demokratie, Hierarchie oder Anarchie, Reich oder Verwaltungseinheit, Selbstverantwortung oder staatliche Betreuung, Freiheit oder Sicherheit. Die Rechte muss diese Gedanken wieder stärker erörtern, ins Blickfeld der Menschen rücken, damit diese sich eine rechte Alternative nicht nur vorstellen, sondern dieser auch etwas abgewinnen können. Und besonders wichtig. Es muss eine Alternative sein, deren Realisierung als machbar erscheint. Das Herumtheoretisieren in Richtung eines Dritten Wegs – wobei ich hier selbstverständlich nicht die Partei meine –, den sowieso nie jemand finden wird, überzeugt nicht nur niemanden, sondern ist auch inhaltlich nicht zielführend. Auch Gedankenspiele eines menschlichen Nationalsozialismus oder einer Wiederherstellung der Verhältnisse unter Konrad Adenauer lösen bei niemandem Begeisterung aus. Anderes gilt für aristokratische oder monarchische Auffassungen, wie es die ungeheure Popularität der Werke J.J.R. Tolkiens bewiesen hat. In einem Schlagwort zusammengefasst, die Rechte muss wieder rechts werden. Wie gesagt, die Voraussetzung dafür ist freilich, dass man überhaupt weiß, was das politisch-ideologisch betrachtet bedeutet.

P.S.: In Ihrem Text verweisen Sie auf die geistige Aristokratie, die auf materielle Güter verzichte und so beschreiben Sie es – sicherlich etwas idealisiert und auf Dávila beziehend – als einen kontemplativen Akt, also als ein „In-sich-kehren“. Spirituell dient heute leider als Schimpfwort. Können Sie uns diesen Begriff einmal aus Ihrer Sicht erläutern und weshalb es aus Ihrer Sicht erstrebenswert ist, seinem Leben Spiritualität einzuhauchen?!

W.B.: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. So lautet ein bekanntes Sprichwort. Unser Körper besteht aus Materie, weshalb es unerlässlich ist, ihm materielle Güter zuzuführen, damit er am Leben bleibt. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist es, dass es neben der Materie noch etwas Anderes gibt, das wir den Geist nennen und der uns von den Tieren grundsätzlich unterscheidet. Neben der materiellen Welt gibt es auch eine geistige Welt, eine Welt, die wir nicht sehen, messen oder wiegen können, von der aber jeder weiß, dass es sie gibt. Liebe und Hass existieren, obwohl es keine physikalische, mathematische oder chemische Methode gibt, um diese beiden Grundemotionen genau zu bestimmen. Die heutige Welt ist rein materialistisch geprägt, nur was Geld bringt oder kostet, besitzt einen Wert. Früher gab es Werte, die nicht mit Gold aufzuwiegen waren. Treue, Ehre, Anstand, Mut, Tapferkeit. Ein Mensch konnte höchstes Ansehen genießen, obwohl er kaum über materielle Güter verfügte oder diese ihm unwichtig waren. Zum Beispiel der Mönch in seiner Zelle, wie ihn Dávila beschreibt. Aber auch der mutige Krieger oder der Weise gehören in diese Kategorie.  Mir geht es darum, wieder ein Gleichgewicht zwischen materieller und spiritueller Welt zu schaffen.  Ich bin kein Phantast und glaube daher nicht, dass der Weg der Kontemplation, der Selbstentrückung oder Selbstopferung jemals ein Massenphänomen werden wird. Nur eines ist sicher. Beide Welten, die spirituelle wie die materielle, müssen sich in einem Menschen vereinigen, wenn er Meisterschaft erreichen will.

P.S.: Wer die Spitzen der gesellschaftlichen Hierarchien anstrebt, der verfolgt doch letztlich auch materielle-weltliche Ziele wie Macht und Einfluss. Handelt es sich hierbei um eine Dichotomie oder sind diese Dinge miteinander vereinbar?

W.B.: Natürlich ist beides vereinbar. Man muss hier realistisch bleiben. Vor einiger Zeit veröffentlichte ich auf meiner Facebook-Seite ein Foto, das mich und meine Frau zusammen mit einigen hübschen jungen Frauen zeigt, darunter zwei lokalen Schönheitsköniginnen. Sofort tauchte eine Kritik auf, dies stünde im Widerspruch zu meinen Vorstellungen von Aristokratie. Warum? Nirgends verlange ich, dass ein Aristokrat nicht den angenehmen Dingen des Lebens zugeneigt sein darf. Warum soll ein Aristokrat nicht schöne Frauen bewundern dürfen oder festliches Essen genießen? Wer solche Freuden verneint, der fordert zu viel und verwechselt Aristokratie mit Askese. Natürlich können Aristokraten wie Asketen leben, und dazu gibt es durchaus Beispiele in der Geschichte, aber ein Aristokrat muss keinesfalls Asket sein. Wichtig ist, dass wir bei unseren Vorstellungen von einer Neuen Aristokratie auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

Die Frage ist auch nicht, ob jemand materiell-weltliche Macht anstrebt, sondern zu welchem Zweck er das tut. Steht das Gemeinwohl im Vordergrund oder das persönliche Interesse? Natürlich kann man beides nicht immer trennen, aber charakterfeste Menschen sollten hier die richtigen Prioritäten setzen. Man sollte jedenfalls aus solchen Dingen keine Glaubensfragen machen. Wer von den Menschen zu viel verlangt, und dies vor allem dauerhaft, wird letztlich gar nichts erreichen.

P.S.: Sie sprechen von einem König, so wie in Tolkiens Werk oder in der Artussaga. Man könnte meinen, das hier ist das Zeitalter der Defätisten und Schwarzmaler. Woraus kann der Leser Optimismus schöpfen?

W.B.: Kürzlich schrieb mir ein Bekannter in einen Kommentar, er sehe voller Hoffnung schwarz. Diese Einschätzung teile ich. Die Dinge sind inzwischen nicht nur in Deutschland so weit fortgeschritten, dass eine Reform oder rechtzeitige Umkehr ausgeschlossen scheint. Es wird möglicherweise zu einer Katastrophe kommen, wenigstens aber zu einem wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Niedergang historischen Ausmaßes.  Mit anderen Worten, es wird zu einer Katharsis kommen müssen, zu einer Reinigung mit anschließender Läuterung.

Unsere Aufgabe wird es dabei sein, die Trümmer, die die moderne Welt zurückgelassen hat, wieder aufzusammeln und neu zusammen zu setzen. Darauf sollten wir uns heute ganz gezielt vorbereiten. Darin sehe ich auch die Funktion und Aufgabe eines Projekts wie Gegenstrom, und das ist auch der Grund, warum ich mich hier gerne beteilige, soweit es meine Kräfte zulassen.  Zusammengefasst, kurzfristig bin ich pessimistisch, langfristig sogar sehr optimistisch, denn die Menschen werden nicht vergessen, wer sie ins Unglück gestürzt hat, aber auch nicht, wer ihnen wieder Hoffnung machte. Das wird niemand so schnell vergessen.

P.S.: Sie plädieren ganz klar für ein Reich. Können Sie unseren Lesern kurz erläutern, was Sie darunter verstehen? Was ist der Unterschied zum viel gepriesenen Nationalstaat? Und sind denn die Reichsidee und der Nationalstaat miteinander vereinbar?

W.B.: Ein Reich ist mehr als ein bloßer Nationalstaat, da es in der Regel mehrere Völker umfasst. Neben einem Staatsvolk bewohnen ein Reich traditionaler Vorstellung andere Völker und Stämme, die verschiedene Sprachen sprechen, deren Konfessionen unterschiedlich sein können und die über eigene kulturelle Überlieferungen verfügen. Ein Reich kann man eher als geographischen denn als völkisch definierten Großraum betrachten. Der Herrscher verkörpert dabei die Einheit und die Idee des Reichs. Den Begriff des Imperiums, der häufig synonym für Reich verwandt wird, sollten wir hingegen vermeiden, da er nicht zufällig in dem Wort Imperialismus enthalten ist. Die aktuellen imperialen Mächte wie die USA, China oder auch die EU streben danach, ihren Einfluss nach außen auszudehnen, wobei sie danach trachten, die unterworfenen Völker und Nationen wirtschaftlich zu durchdringen und ideologisch gleichzuschalten. Das widerspricht vollkommen der ursprünglichen Reichsidee, die davon ausging, dass man den kleineren Völkern ihre Autonomie und Eigenheiten ließ unter der Voraussetzung, dass sie die Oberherrschaft des Königs beziehungsweise Kaisers anerkannten, Tribute entrichteten und die territoriale Integrität des gemeinsamen Staates nicht in Frage stellten. Im Gegenzug wurde ihnen, wie bereits gesagt, weitgehende innere Autonomie, die Bewahrung ihrer Bräuche und Überlieferungen garantiert. Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten fand von Seiten des Reichs kaum statt. Solche Gebilde kamen stets dann in existenzielle Schwierigkeiten, wenn eine der beiden Seiten oder gleich beide die gegenseitige Respektierung aufkündigten oder das Reich imperiale Ziele verfolgte, die zu einer Überdehnung seiner Kräfte führte. Aus diesen Fehlern muss zukünftig gelernt werden.

P.S.: Sie schreiben selbst, „dass Begriffe wie Nation und Volk“ in Ihrer „Reichsvorstellung zwar nicht die zentrale Rolle einnehmen wie die Begrifflichkeiten Aristokratie und Königtum“, dennoch „aber von ausgesprochen großer Bedeutung sind.“ Dabei verweisen Sie auch auf das Scheitern der k. u. k. Monarchie. Ein Europäisches Großreich hat also nichts mit Ihrer Reichsvorstellung zu tun? Wie sehen Sie dann die Zukunft der Eurasischen Halbinsel?

W.B.: Auch hier müssen wir Wunschdenken und Realismus gegeneinander abwägen. Auf den ersten Blick ist die Vorstellung von einem Europäischen Großreich sicherlich eine faszinierende Idee. Aber ist sie auch realistisch? Wird man sie umsetzen können? Ehrlich gesagt, ich glaube es nicht. Es fehlt ein dominierendes Staatsvolk, es fehlt eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Konfession. Dies scheinen mir die Grundvoraussetzungen zu sein, um ein Reich zu gründen, das über eine gewisse Stabilität verfügen soll. Die österreichisch-ungarische Monarchie, die als Modell für ein solches Projekt herhalten müsste, scheiterte nicht zuletzt daran, dass sie zwei staatstragende Völker hatte. Die deutschen Österreicher und die Ungarn. Was sich bei zwei staatstragenden Nationen schon als unmöglich erwies, das soll bei einem halben Dutzend verschiedener staatstragender Völker klappen? Kann ich mir nicht vorstellen. Aber nach der von mir erwähnten Katharsis werden die Karten neu gemischt werden und danach scheint nichts mehr unmöglich zu sein.

In Europa gibt es drei große Sprachgruppen. Die germanische, die romanische und die slawische. Es wäre schon sehr viel erreicht, wenn sich diese Sprachgruppen auf jeweils ein Reich verständigen könnten und diese drei Großreiche in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander stünden. Interessant ist übrigens in diesem Zusammenhang, dass es in Lateinamerika inzwischen auch Bestrebungen gibt, dort ein Großreich zu schaffen mit Lima in Peru als der traditionellen Hauptstadt aus der Zeit des spanischen Vizekönigreichs. Aber auch in dieser Weltgegend ist man noch weit von der Realisierung dieser Idee entfernt, obwohl man katholisch geprägt ist und nur zwei romanische Sprachen unter einen Hut gebracht werden müssten. Es ist freilich nicht auszuschließen, dass die bevorstehende Katharsis einen katalytischen Effekt haben und der Idee Gestalt verleihen wird. Der Gedanke ist jedenfalls da, der Samen ist gesät.

P.S.: Was kann der Einzelne heute tun, um eine Neue Aristokratie zu errichten?

W.B.: Viel. Diese Frage kann man ganz praktisch beantworten. Ich darf hier daran erinnern, was ich im Sammelband Areopag ausführte. Hierzu einige Stichworte. Publizistische Freiräume jeder Art schaffen. Eine andere Möglichkeit sind Wirtschaftstreibende, die Menschen Beschäftigung geben, die in einem sich immer totalitärer gebenden System in Ungnade gefallen sind.  Jeder kann sich selbst überlegen, wie er die entstehende Gegenelite unterstützen kann oder ob er sich selbst berufen fühlt, dieser anzugehören.

P.S.: Um die geistige Aristokratie in sich zu vollziehen und sich des Amtes damit als würdig zu erweisen, bedarf es des Meisterns von Herausforderungen. Die Selbstaufgabe und das Überwinden des Ich sind dabei grundlegende Meilensteine der Initiation. Diese materielle Welt des falschen Friedens bietet jedoch kaum Möglichkeiten heroischer Taten, wie wir sie aus der Artussage kennen. Was kann der nach Aristokratie Strebende tun, um diesem idealen Zustand näher zu kommen?

W.B.: Ich glaube, es geht weniger darum, heroische Taten zu vollbringen, denn diese dienen letztlich mehr dem eigenen Ego als dem Gemeinwohl. Der Aufbau einer Gegenelite, die sich als Alternative zur herrschenden Funktionselite formiert, um diese zum gegebenen Zeitpunkt abzulösen, ist zweifellos eine sehr große Herausforderung für diejenigen, die sich dieser Aufgabe gewachsen fühlen und sie angenommen haben. Das mag sich auf den ersten Blick nicht besonders heroisch anhören. Aber es wird ein Kampf sein, der Ausdauer, Charakterstärke, Bekennermut, innere Ausgeglichenheit, eben all die Eigenschaften fordert, die nötig sind, um das einmal angenommene Schicksal zu meistern. Dieses Ringen können wir als eine Form der Initiation betrachten, an deren Ende dann die Aufnahme in eine wahre, eine Neue Aristokratie stehen wird.

3 Kommentare

  1. Eine demokratiekritische Anfrage

    In „Deutschlands Schicksal“ 1920 stellte E. Hirsch schon eine bedenkenswerte kritische
    Anfrage an das Konzept der Demokratie: Zu einem Volke gehören nämlich nicht nur
    die, die jetzt leben, sondern auch die vor uns und die Zukünftigen: Kann dann von einer
    Demokratie gesprochen werden, wenn nur die Jetzigen die Politik bestimmen, wie wird
    dabei das Recht der Vorherigen und das der Zukünftigen gewahrt, daß das, was die
    Vorherigen schufen, uns zum Weiterwirken verpflichtet und wir so unser Leben gestalten,
    daß auch die Zukünftigen leben und zwar gut leben können? Wie muß das Subjekt dieser
    Volkspolitik qualifiziert sein, damit es nicht nur uns Jetzigen gerecht wird?
    Uwe C. Lay

    Antworten
  2. Ein erfrischend freies, klares und auch (obwohl das Panorama der Betrachtung dem ersten Blick Gegenteiliges verheißen könnte) realitätsverbundenes Gespräch zwischen Bendel und Steinborn.

    Drei dabei deutlich markierende Punkte gefielen mir besonders:

    Der Hinweis auf den wesentlich degenerativen, mindestens etikettenschwindelnden Inzest zwischen „Demokratie“ und Kapitalismus, sprich Erstere als überzuckernd lockende bzw. täuschende Partitur der tatsächlich (und idealweise) globalen Sinfonie des entgrenzten Raffens enthemmter (wie -sic!- entwurzelter) Einzelner und Gruppen (international freie Bahn für freies internationales Kapital, dem der „demokratische“ Apparat weder national noch international etwas entgegensetzen kann – und will …);

    Die Korrektur des wesentlich falschen oder mindestens verzerrenden (aus gleicher Quelle genährten) Generalconnex` des „Verdienstes“, der „Leistung“, überhaupt jeder Vorrangstellung mit Gehaltszettel, Bonusgröße, Kontostand, Depotvolumen, Grundbuchauszug (zumal es gerade die dadurch „geadelte Elite“ oder die sich davon die eigene Erhebung versprechend „geschäftige“ Wimmelschar ist, die einer dem gegenüber genügsamen bis wehrlosen „Demokratie“ gern das Wort redet – Im Übrigen liegt genau hier, wenn man so will im entgleisten Protestantismus, der Ursprung jener verhängnisvoll materialistisch reduktiven Logik der wechselweisen „Klassenkämpfe“ von vermeintlich „unten“ wie vorgeblich „oben“);

    Das Aufzeigen der wesentlich „katastrophischen“ Perspektive eines, wenn, real existierenden Rechts-Szenarios, heißt die Einsicht, dass es innerhalb des bestehenden Systems und seiner gewachsenen (auch Sub-)Strukturen (ebenso metapolitischen Verwachsungen) keine grundlegend und flächenbreit rechte (Binnen-)Reformation mehr geben könne, sondern allenfalls einen, idealerweise, authentisch rechten (ggf. zunächst auch nur territorialen Teil-/Teile-)Reset nach einem mehr oder weniger drastischen Zusammenbruch der wirtschaftlichen wie sozialen Verhältnisse und dann auch der politisch-gesellschaftlichen Ordnung.

    Zudem ist es völlig richtig, dass dem Wesen der Demokratie der kleine Raum des unmittelbaren Verhandelns entspricht (wo eben auch personale Qualitäten ihre Wirkung insbesondere gegenüber strukturalen Potenzen entfalten können);
    ebenso wie eine langfristige und krisenresistente Stabilität jeder (wesentlich identifikatorischen) Gemeinschaftsordnung nur von Grundlagen ausgehen kann, die ihr selber bereits vorausliegen bzw. aus denen sie selber erst (und wurzelfest) erwächst (in ähnlicher Form charakterisierte H.J.Papier, glaube ich, einmal in binnensystemischer Sicht den sog. „Verfassungspatriotismus“);
    und schließlich, dass (in Weitung dieser Einsicht) jede gesunde menschliche Gemeinschaft überhaupt den binnenweltlichen Horizont wesentlich überbieten bzw. in eine transirdische Dimension hineinragen muss (allerdings keine, die von einer allzuweltlichen Institution mit eigenen und sehr irdischen Machtinteressen verwaltet würde …).

    Insofern bleibt, auch angesichts der derzeit real existierenden bzw. eher illusionierenden „AfD“ sowie ebenso der partiell autoelitär miteinander hadernd oder in strikter Geschlossenheit nach „außen“ bunkernd rechten „Stämme“ noch ein eher längerer, im Übrigen b.a.W. recht ungewisser Weg.

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    • Mir scheint die Demokratie ein heiteres Zwischenspiel zu sein zwischen zwei Faschismen. Die Demokratie, die allein ihre Stärke auf wirtschaftliches Wohlergehen gründet, kann ihre Individuen nicht für Krisenzeiten rüsten und muss daher bei ernsthafter Not scheitern und im Chaos versinken. Wobei sie zuvor der Dekadenz und dem moralischen Verfall freie Fahrt lässt, sowie die Freiheit verfallen lässt und totalitäre Tendenzen verbreitert.

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