Im Gespräch mit Adam Golkontt: Ein Insider über deutsch-polnische Beziehungen

von | 18. Jun. 2021 | Im Gespräch

Im nachfolgenden Interview hatten wir das Glück mit einem „Insider“ von Haus aus über die deutsch-polnischen Beziehungen, die derzeitige polnische Politik sowie die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung in Polen sprechen zu können. Zudem wenden wir uns dem Feld der Geopolitik und einer Beurteilung der Rolle Polens hierbei zu. Adam Golkontt ist deutscher Staatsbürger mit polnischen Wurzeln, Jahrgang 1984 und vierfacher Familienvater. Er ist der Gründer und Leiter der „Christlichen Gemeinschaft der Polen in Bremen e.V.“ und über seine ehrenamtliche Tätigkeit hinausgehend parlamentarischer Mitarbeiter der AfD-Fraktion im sachsen-anhaltinischen Landtag. Er bekleidet zudem das Amt des katholischen Sprechers in der Bundesvereinigung der „Christen in der AfD“ im Regionalverband Nord.

Gegenstrom.org: Sehr geehrter Herr Golkontt, im Oktober vergangenen Jahres haben Sie in Bremen eine Demonstration anlässlich des polnischen Unabhängigkeitstages angemeldet. Was hat Sie dazu bewogen, eine solche Veranstaltung in Deutschland abzuhalten, anstatt einfach in Polen an den großen Veranstaltungen teilzunehmen?

AG: Es war bereits der dritte feierliche Gedenkmarsch zur Unabhängigkeit Polens in Bremen. Das erste Mal war 2018 als Polen den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit feierte. Unser Anliegen ist es diesen historischen Ereignissen zu gedenken, um unsere Identität zu wahren. Wir machen dies in Bremen, um den hier lebenden Polen eine Möglichkeit zu geben, dies ohne weite Anfahrt zu tun. Allein in Bremen leben über 30.000 Personen polnischer Herkunft, in Niedersachsen sind es 245.000. In Deutschland ist der 11. November kein Feiertag und da ist es schwierig mal eben rüberzufahren.

Gegenstrom.org: Welchen Stellenwert messen Sie der polnischen Politik in Deutschland bei?

AG: Die polnische Politik hat in Deutschland keinen großen Stellenwert. Das Wissen und Bewusstsein der Menschen in Deutschland über Osteuropa sind generell sehr gering, weshalb dieser auch ein geringer Stellenwert beigemessen wird. Der Durchschnittsdeutsche reduziert Osteuropa auf Russland und Putin.

Gegenstrom.org: In einem Podcast der AfD Niedersachsen vom 23. Februar 2021 sagen Sie, dass Völkerverständigung nur mit der AfD möglich ist, da diese die einzige Partei sei, welche die eigene Identität zur Grundlage der gegenseitigen Diskussion mache[1]. Was bedeutet Identität für Sie und sehen Sie hier Unterschiede zwischen Deutschland und Polen?

AG: Identität ist für mich sowohl meine individuelle Persönlichkeit als auch Gemeinschaftsgefühl. Beides gehört für mich zusammen. Identität setzt sich aus vielen verschiedenen Teilen zusammen. Ich bin z.B. Katholik, deutscher Staatsbürger polnischer Volkszugehörigkeit, Ehemann und Vater von vier Kindern. Dazu gehören meine persönliche Geschichte und die meiner Familie, die wiederum in die Geschichte des polnischen und deutschen Volkes eingebettet ist. Weiterhin habe ich spezielle Interessen und übe einen Beruf aus. Dies alles gehört zu meiner Identität und bestimmt darüber, wie ich fühle, denke und handle.

Den Hauptunterschied zwischen Polen und Deutschen bei der Frage der Identität sehe ich darin, dass ein Großteil der Deutschen identitätsamputiert ist, weil sie geschichts- und glaubensamputiert sind. Ähnliche Entwicklungen sehe ich hier leider auch in Polen, besonders bei der Jugend.

Gegenstrom.org: Im gleichen Podcast bewerten Sie die öffentliche Berichterstattung in Deutschland gegenüber der polnischen Regierung als „Polen Bashing“. Gleichsam äußern Sie, dass sie dennoch auch selbst der derzeitigen Regierung der PiS kritisch gegenüberstehen.  Wie beurteilen Sie das derzeitige Handeln der polnischen Regierung? Wo wird dieser Ihrer Meinung nach in der deutschen Medienlandschaft Unrecht getan und bei welchen Punkten üben Sie selbst Kritik an der Regierung?

AG: Ob es sich um Verleumdung oder Kritik handelt, hängt von den Inhalten ab. Die Aussage z.B. Polen wäre kein Rechtsstaat mehr, weil die Regierung eine Justizreform durchsetzt, in der es eine Disziplinar-Kammer einführt und Richter durch das Parlament gewählt werden, ist schlicht verleumderisch. Die polnische Verfassung schreibt keinen besonderen Auswahlmechanismus vor und es gibt gleiche oder ähnliche Verfahren in anderen EU-Staaten.

Das jetzige Handeln der polnischen Regierung halte ich für fatal, da sie weitere Souveränitätsrechte an die EU abtritt, die absurde Klimapolitik der EU unterstützt und eine kriminelle Pandemie-Politik verfolgt.

Gegenstrom.org: Haben Sie persönlich das Gefühl, dass die vornehmlich negative Berichterstattung über die politischen Verhältnisse in Polen, in Deutschland auch zwischenmenschlich zu Vorbehalten gegenüber polnischen Menschen geführt hat?

AG: Ich persönlich nehme keine Zunahme von zwischenmenschlichen Vorbehalten wahr. Die Fronten bewegen sich weniger auf einer ethnischen als auf einer ideologischen oder geschichtlichen Grundlage. Ich erkenne vor allem ein Links-Rechts und Konservativ-Liberal Schema.

Gegenstrom.org: Zur Geopolitik: Im zuvor erwähnten Podcast der AfD Niedersachsen erwähnen Sie ein „Europa der Vaterländer“ als die erstrebenswerte Vision einer europäischen Bündniskonstellation. Was verstehen Sie darunter?

AG: Ich verstehe darunter ein Europa unabhängiger Nationalstaaten, die in einem Geflecht von Verträgen miteinander verbunden sind und wo kein Staat dem anderen irgendein Recht aufzwingt, dass nicht seinen Interessen entspricht. Ich will keine EU-Institutionen, die die Eliten der Länder mit irgendwelchen Fördergeldern und Posten korrumpiert und durch Eigenanteile die Länder in die Schulden treibt. Die Staaten sollen nur dort zusammenarbeiten, wo es ihren Interessen entspricht, und können nach Bedarf auch Institutionen schaffen. Dies und den guten Willen, mehr braucht es nicht.

Gegenstrom.org: Im Rahmen der Globalisierung und der Ära des Schengenraumes haben sich innerhalb der europäischen Nationalstaaten immer größere Minderheiten zusammengefunden. In Deutschland stellt die polnische Bevölkerungsgruppe einen beträchtlichen Anteil der Gesamtbevölkerung dar. Klammern wir die nicht-europäischen Einwanderer einmal aus – wie stellen Sie sich in ihrem Europa der Vaterländer das Zusammenleben zwischen autochthoner Bevölkerungsgruppe und Einwanderern vor (Stichwort: Leitkultur)?

AG: Ich stehe der ungeregelten Migration auch innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten kritisch gegenüber, weil sie einen ganzen Rattenschwanz von Problemen mit sich führt. Es ist den Deutschen nicht vorzuwerfen, dass sie sich im eigenen Land fremd fühlen, wenn sie ihre Sprache nicht mehr auf der Straße hören können.

In einem Europa der Vaterländer werden vor allem zwischenstaatliche Abkommen darüber entscheiden, welche Rechte der jeweiligen Minderheit eingeräumt werden. Diese gibt es bereits jetzt schon. Der wichtigste Vertrag für das Zusammenleben von Deutschen und Polen ist der „Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991“.

Es regelt den Rechtsstatus der Polen in Deutschland und der Deutschen in Polen. Beide Seiten verzichten beispielsweise auf eine Zwangsassimilierung der jeweils anderen Gruppe (Art. 20), aber man erwartet auch ein loyales Verhalten zum Gaststaat und seiner Gesetze (Art. 22). Es gibt Probleme mit der Durchsetzung der Inhalte, aber daran müssen wir eben arbeiten.

Eine Leitkultur bedeutet für Polen in Deutschland etwas anderes als z.B. für Türken in Deutschland. Ich denke, dass der Schlüssel darin liegt für jede Gruppe eine deutsche Leitkultur zu entwickeln. Dies wird aber nur dann möglich sein, wenn sich die Deutschen selbst ihrer Identität wieder bewusstwerden.

Gegenstrom.org: Beobachtet man den geopolitischen Diskurs, auch innerhalb des rechts-konservativen Lagers, erscheint Polen als Bündnispartner für Deutschland oftmals wenig Beachtung zu finden. Vielmehr scheint der Fokus auf Russland mit seinen gigantischen Rohstoffvorkommen zu liegen. Zudem sehen viele Patrioten in Russlands Präsident Wladimir Putin so etwas wie einen „echten“ Staatsmann, den man sich selbst scheinbar zu wünschen scheint. Wie bewerten Sie diese Russlandorientierung in der innerdeutschen Debatte?

AG: Russland ist für Deutschland ein wichtiger geopolitischer Partner mit dem wir gute Beziehungen pflegen sollten. Dies steht außer Zweifel. Ich empfinde jedoch die Einstellung zu Russland von rechts-konservativen Kreisen oftmals als naiv oder idealisierend. Dies manifestiert sich beispielsweise im Ukraine-Russland-Krieg. Viele rechts-konservative Kreise sind sehr bemüht die Annexion der Krim rechtlich und moralisch im Sinne Russlands zu rechtfertigen, anstatt den Sachverhalt im Sinne des deutschen Interesses zu beurteilen. Mich interessiert, welches Interesse Deutschland an der Ukraine hat. Welches Interesse hat Deutschland an einer Verschiebung der Grenzen Russlands weiter nach Westen? Heute haben Deutschland und Russland gemeinsame Interessen. Die geschichtliche Erfahrung zeigt aber, dass ein zu großes erstarken Russlands die Interessenlage ins Gegenteil wenden kann. Diese Fragen müssen geklärt werden.

 

Deutschland grenzt im Osten an Polen und nicht an Russland. Dass Polen innerhalb der rechts-konservativen Strömungen/Bewegungen wenig oder zu wenig Beachtung findet, resultiert aus einem fehlenden Wissen und Bewusstsein über Polen und seine Bedeutung für Osteuropa.

Es besteht meiner Meinung nach ein Erkenntnisproblem. Polen kann als strategischer Partner die Position Deutschlands geopolitisch stärken, auch Russland gegenüber. Daran möchte ich arbeiten.

Gegenstrom.org: Im Jahre 2009 hat der US-Amerikanische Geostratege George Friedman die Studie „The Next 100 Years“ herausgegeben. In dieser prognostiziert er für den Zeitraum 2020-2040 das Aufkommen drei neuer Großmächte: Türkei, Japan und Polen. Wie bewerten Sie diese Einschätzung?

AG: Das ist natürlich sehr schmeichelhaft. Aber man sollte diesen Prognosen amerikanischer Thinktanks, die für amerikanische Interessen stehen, distanziert begegnen. Ich denke schon, dass Polen ein großes Potential hat. Es bestehen jedoch immer noch zu große kommunistische Altlasten und die Mitgliedschaft in der EU und die jetzige Politik der PiS entfernen Polen davon, ein eigenständiger und wichtiger Spieler im Konzert der Großmächte zu sein.

Gegenstrom.org: Das Wirtschaftsmagazin „The Economist“ hat die bemerkenswerten ökonomischen Fortschritte Polens im Jahr 2019 an vier externen Faktoren festgemacht: Zugang zu den Fördertöpfen der EU, Überweisungen von im EU-Ausland lebenden und arbeitenden Polen ins Heimatland, ein starkes wirtschaftliches Umfeld innerhalb der EU und die Tatsache, dass das Land von einem niedrigen Level aus zu wachsen begonnen habe. Befürchten Sie nicht, dass eine Erosion der Europäischen Union deutliche Nachteile für Polen hätte?

AG: Nein, dass befürchte ich nicht. Ich empfinde die Erosion der EU als einen Prozess der Befreiung. Es wird zu wenig über die negativen Nebenwirkungen der EU-Fördergelder wie Wettbewerbsverzerrung, Korruption oder die zunehmende Verschuldung der öffentlichen Haushalte gesprochen, die das Land in die Abhängigkeit der globalen Finanzeliten treibt. Polen hatte in den 90er Jahren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung erfahren ohne EU.

Gegenstrom.org: Stichwort China: Wie es scheint ist die anfänglich hohe Erwartung der polnischen Politik an das Projekt der „Neuen Seidenstraße“ (Belt and Road Initiative) mittlerweile etwas gedämpft. Grund hierfür ist die politische Nähe zwischen China und Russland sowie der derzeitige Wirtschaftskrieg zwischen den USA, einem wichtigen Bündnispartner Polens, und China. Wie bewerten Sie diese Rolle als scheinbar bedingungsloser Verbündeter der USA und was würden Sie sich für die polnisch-chinesischen Beziehungen erhoffen bzw. erwarten?

AG: Ich begegne der imperialen Politik der USA wie China mit Distanz. Viele polnische rechtskonservative Kreise idealisieren die Politik der USA und treten dieser völlig naiv gegenüber auf. Sie vergessen dabei die Eigeninteressen Polens, weil sie glauben, dass die Interessen Polens und der USA identisch seien. Das sind sie aber nicht.

Ein Großteil der polnischen Eliten versteht nicht oder will es nicht verstehen, dass Polen in einem potenziellen Konflikt für die USA bestenfalls Verhandlungsmasse und schlimmstenfalls Kanonenfutter darstellt. Das 2017 veröffentlichte Strategiepapier des Center for Strategic & Budgetary Assessments (CSBA) mit dem Titel „Preserving the Balance“ beweist dies[2]. Dort wird ein militärisches Konfliktszenario mit Russland beschrieben, in der Polen den USA als Stoßdämpfer gegen Russland dient. Dies bereitet mir sorgen.

Polen kann seine Position durch eine kluge punktuelle Zusammenarbeit mit China stärken. Zum Beispiel ist der Bau einer Wasserstraße zwischen Oder, Weichsel und der Donau geplant. Die Chinesen haben hier ihr Interesse bekundet. Für Polen ist dies Interessant, weil China über die notwendigen Finanzmittel für so ein Großprojekt verfügt. Die Zusammenarbeit soll aber aufgrund einer Intervention des amerikanischen Botschafters von polnischer Seite abgebrochen worden sein. Wenn dies stimmen sollte, dann ist das sehr dumm gewesen.

Gegenstrom.org: Zur Demographie: Außenpolitischer Machtgewinn scheint oftmals mit dem Vorhandensein einer jungen, dynamischen Bevölkerungsstruktur zu korrelieren. Wir alle wissen um die vorhandenen Probleme der deutschen Demographie. Doch schaut man sich einmal die Entwicklung in Polen von 1980-heute an, so fällt auf, dass auch hier die oft genannte „Bevölkerungspyramide“ immer dickbäuchiger geworden ist. Vorausberechnungen des Europäischen Statistikamts Eurostat halten sogar einen Bevölkerungsrückgang von bis zu 30% bis 2080 für möglich. Wie bewerten Sie diese Situation?

AG: Ein wesentlicher und in der Demographie-Diskussion außer Acht gelassener Aspekt sind die Auswanderungswellen junger Polen seit den 80er Jahren. Dies ist eine der Hauptursachen der Verschiebungen in der Bevölkerungspyramide. Dies steht im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage und zum Teil großer Armut, die die kriminelle Transformation in Polen mit sich gebracht hatte. Mit dem Eintritt in die EU und der später erfolgten Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes gab es hier auch wieder ganze Wellen.

Hinzu kommt die Arbeitsmigration, die sich belastend auf die Beziehungen in den Familien auswirkt. Dass viele Polen Familien haben wollen, zeigen die Geburtenraten im EU-Ausland.

Die PiS-Regierung hatte ein teures Kindergeldprogramm, 500 plus, gestartet. Es hat zwar die Familienbudgets stabilisiert, aber zu keiner wesentlichen Verbesserung der Geburtenraten geführt. Dies ist ein Hinweis auf einen weiteren Prozess. Auch in Polen findet ein massiver Werteverfall statt, der durch die westliche und EU-Propaganda befeuert wird.  Es gibt aber auch hier Gegenbewegungen.

Gegenstom.org: Neben der geringen Reproduktionsrate scheint es zwei weitere Erscheinungen zu geben: Zum einen die von Ihnen bereits erwähnte massive Abwanderung ins Ausland (gerade Deutschland profitiert hiervon) sowie eine starke Migration, jedoch nicht aus nicht-europäischen Ländern (wie in Deutschland), sondern insbesondere aus der Ukraine. Man könnte meinen, dass diese Form der Migration aufgrund vermeintlich ähnlicher kultureller Hintergründe weniger Probleme mit sich brächte. Wie beurteilen Sie dies? 

AG: Ich sehe die ukrainische Einwanderung aus zwei Gründen sehr kritisch. Erstens handelt es sich um eine Masseneinwanderung, die eine Integration und Assimilierung erschwert. Bereits 7% der Bevölkerung in Polen sind Ukrainer. In Breslau sollen es 10% der Stadtbevölkerung sein.

Zweitens ist die Annahme der kulturellen Nähe nur zum Teil richtig und oberflächlich. Ukrainer sind zwar meistens Slaven, aber sie sind eben orthodoxe und nicht katholische Christen. Die ukrainische Regierung baut die ukrainische Identität auf Grundlage der „Ukrainische Aufständischen Armee“ (UPA), die einen Völkermord an den Polen während des zweiten Weltkriegs zu verantworten hat, auf. Ihre Chefideologen Stephan Bandera und Roman Schuchewytsch werden als Nationalhelden gefeiert. Dies sind keine guten Bedingungen für eine Einwanderung aus diesem Land.

Gegenstrom.org: Was würden Sie dem patriotischen Lager in Deutschland und Polen raten – gibt es auch ohne Regierungsverantwortlichkeit Möglichkeiten der Kooperation und falls ja, wie könnten diese aussehen?

AG: Ich halte es für sehr wichtig, die Kontakte aufzubauen und zu pflegen, um auf beiden Seiten ein Bewusstsein für die gemeinsamen Interessen zu entwickeln.

Ich selbst organisiere Treffen mit Vertretern der AfD und polnischen Institutionen und Parteien. Der deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft zeigt mögliche Kooperationen auf. Es hängt immer vom Ziel ab. Für mich wäre z.B. interessant, wenn Bücher wichtiger polnischer Denker wie Roman Dmowski oder Feliks Konieczny ins Deutsche übersetzt und angeboten würden.

Denkbar ist auch eine Institutionalisierung der politischen Zusammenarbeit, sobald die Desiderius-Erasmus-Stiftung an die staatliche Förderung kommt. Dann könnte beispielsweise eine Auslandsvertretung in Warschau aufgebaut werden.

Gegenstrom.org: Abschließend: Was wünschen Sie sich persönlich für das deutsch-polnische Verhältnis?  

AG: Ich wünsche mir ein Bewusstsein für die gemeinsamen Interessen und die Bereitschaft und den Mut dazu, diese beim politischen Handeln zu berücksichtigen. Ich wünsche mir auch, dass wir uns nicht durch die meist schwierige Geschichte davon abhalten lassen, gemeinsame Formate der Zusammenarbeit zu entwickeln.Herr Golkontt, wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

[1] Der Podcast ist hier zu finden: https://afd-niedersachsen.de/6-politik-und-alternative-der-podcast-der-afd-niedersachsen-adam-golkontt/ (Stand: 04. Juni 2021).

[2] Siehe hierzu: https://csbaonline.org/research/publications/preserving-the-balance-a-u.s.-eurasia-defense-strategy (Stand: 04. Juni 2021).

2 Kommentare

  1. In meinem ehemaligen Betrieb (Großbäckerei) arbeiten eine ganze Anzahl polnischer Arbeitnehmer. Ich hatte zu ihnen ein freundschaftliches Verhältnis, obwohl mir als nationalbewußtem und geschichtsinteressiertem Deutschen die Problematik unserer Geschichte durchaus bewußt ist.Doch aus Geschichtswissen ergeben sich auch Anknüpfungspunkte: So sprach ich einige „unserer“ Polen an den Jahrestagen gemeinsamer Schlachten für das christliche Abendland an – die Schlacht bei Liegnitz am 9.April 1241 gegen die Mongolen oder die Rolle Johann Sobiescies beim Entsatz Wiens von den Türken 1683. Die viel näher liegenden Wunden (Vertreibung und Landraub 1945) stehen ohnehin solange nicht zur Debatte, wie wir nicht Herren im eigenen deutschen Haus sind Hier können wir uns den Grundsatz der Franzosen von 1871 – 1914 bzgl. Elsaß-Lothringen zu eigen machen: „Nie davon reden, immer daran denken“

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    • Kompliment f. d. sehr gut gefuehrt Interview. Es vermittelt einen tiefen und profunden Eindruck aus einer fürwahr geführten Insider-Sicht, was leider in Deutschland nicht allzu selbstverständlich ist. .

      Ich selbst komme aus dem Saarland – also mithin geographisch der exakt entgegengesetzten Richtung. Ich stimme daher auch sehr zu, dass man in Deutschland viel zu wenig insbesondere je ueber den Osten weiss – und dies trotz EU. Es gaebe da noch vieles anzumerken, was wir einer persönlichen Diskussion vorbehalten sollten.

      Fuer mich jedenfalls ein bahnbrechende Bericht mit hoher Info-Kompetenz.

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