Das Interview führte Alexander Markovics.
Die gegenwärtige politische Diskussion in Europa wird vom Schreckgespenst Wladimir Putin und der Warnung vor einem Einmarsch Russlands in Europa dominiert. Ende 2025 ist im Arktos Verlag das Buch „Against Russophobia“ mit einer von Ihnen angeleiteten Zusammenstellung von Texten des französischen Philosophen Guillaume Fayes zum Thema Russland erschienen. Warum erscheint gerade 6 Jahre nach dem Tod Fayes ein Buch mit dem Titel „Against Russophobia“? Und welche Rolle spielt die titelgebende Russophobie in der Geopolitik als US-amerikanische Strategie, die nicht nur gegen Russland, sondern auch letzten Endes gegen Europa gerichtet ist?
Diese Verzögerung lässt sich aus mehreren Gründen erklären: Die Website, auf der Guillaume Fayes Texte veröffentlicht waren, ist nach seinem Tod verschwunden, was sehr schade ist. Glücklicherweise hatte ich eine große Anzahl davon wiedergesichert, vor allem jene, die sich mit Russland und den wünschenswerten Beziehungen zwischen diesem und Europa im Allgemeinen sowie Frankreich im Besonderen beschäftigten, da Guillaume Faye sich hauptsächlich an ein französisches Publikum wandte.
Die letzten Verlager von Guillaume Faye, die die gegen ihn gerichteten Ukasen aus den Reihen der sogenannten „Neuen Rechten, Historisches Kanal“ (wie er es nannte) ignorierten, sind entweder vollständig aus dem Verkehr gezogen worden oder haben sich für pseudo-azovistische und russophobe Gesten entschieden. Ein anderer, sehr lauter und langweiliger Prahler, denkt noch naiv, Guillaume Faye sei ein Verteidiger des Westens, weil er die Unruhen, die durch die Massenmigration verursacht wurden, nicht akzeptierte — als hätte dieser letzte Verleger, ein gallischer Prahlhans, der einem Regisseur Freude bereiten würde, sich nie über seinen wahren intellektuellen Werdegang erkundigt.
Seit den 1970er Jahren plädierte Guillaume Faye für eine energetische Unabhängigkeit Europas; in den 1980er Jahren wurde ihm bewusst, dass diese Energieunabhängigkeit, die durch die aufkommenden grünen Bewegungen angegriffen wurde, durch eine Unabhängigkeit in allen Rohstoffen ergänzt werden müsse. Nur die Erweiterung des strategischen europäischen Raums auf Euro-Sibirien (wie er sagte) hätte es ermöglicht, diese zu erlangen und zu festigen.
Wie seine Freunde wissen, verließ er zwischen 1987 und 1998 die kleine neorechte Pariser Sphäre, so dass kaum ein Text aus dieser Zeit verfügbar ist, um eine mögliche Beurteilung seiner Einschätzung über den Zusammenbruch Russlands unter Jelzin zu ermöglichen.
Im Frühjahr 1998 kehrte er mit großem Aufsehen in die neorechte Szene zurück, mit seinem bemerkenswerten Buch „L’archéofuturisme“. Dabei erkennt man jedoch deutlich, dass er den drohenden Zerfall Russlands nach dem Ende der Sowjetunion und den anti-serbischen Geist der NATO-Umfelder, die den Desastre des Krieges 1999 vorbereiteten, bestens verstanden hatte.
All dies zeigt sich in den Nachträgen, die er der Neuauflage seines 1985 erschienenen Buches „Nouveau discours à la nation européenne“ hinzufügte. Bereits 2000 befürwortete er die imperialen Restaurationsmaßnahmen, die Wladimir Putin ergriff, und schloss sich in diesem Zusammenhang Yvan Blot an, einem ehemaligen Mitglied von GRECE, das die Gruppe um Alain de Benoist 1979 verließ, um gemeinsam mit anderen den „Club de l’Horloge“ zu gründen.
Der Vorwurf an Alain de Benoist war der Impotenz im politischen Handeln. Faye’s Optionen, die in den ersten Texten nach seiner Rückkehr zur Metapolitik 1998 bereits sichtbar waren, haben sich im Laufe der Jahre bis zu Blots Tod im Oktober 2018 und Faye’s Tod im März 2019 noch verfeinert.
So konnte Faye die ersten russophoben Maßnahmen der EU und NATO beobachten, doch er erlebte nicht den Höhepunkt dieser Maßnahmen nach Ausbruch der „Spezialoperation“ im Februar 2022. Die Politik Bidens und die Sabotage der euro-russischen Energie-Achse, insbesondere der Gaspipelines in der Ostsee, bestätigen deutlich, dass das Ziel der amerikanischen Thalassokratie darin besteht, alle Verbindungen zwischen Europa und Russland zu sabotieren, um die deutsche Industrie zum Kollaps zu bringen und unseren Kontinent dauerhaft zu schwächen, der der wichtigste wirtschaftliche Konkurrent Washingtons ist — auch wenn das bedeutet, dass Russland sich an China und Indien wendet, die von den USA, durch ihre inneren Widersprüche geschwächt, nicht aufgenommen werden können.
Mit Europa als „Rimland“ des Atlantiks, ist das andere Land im südasiatischen Rimland, das neutralisiert werden muss, der Iran, der seit der Schaffung des Khomeini-Golems bereits nicht mehr ungestört mit Europa Handel treiben konnte — was Projekte wie EURATOM, mit deutscher und französischer Beteiligung, ruinierte.
Für viele Patrioten in Europa war Donald Trump ein Hoffnungsträger, da er ein Ende der amerikanischen Regime Change Operationen und Kriege versprach. Doch der Krieg in der Ukraine geht unter ihm weiter, ebenso ist er für den Angriff auf die iranischen Atomanlagen und die Bombardierung von Venezuelas sowie die Entführung von Nicolas Maduro verantwortlich – mit dem Sumpf in den USA, Stichwort Jeffrey Epstein, hat er bis heute nicht aufgeräumt. Wie berechtigt ist angesichts dessen Guillaume Fayes Aussage, dass die USA der geopolitische Hauptgegner aller Europäer sind, die nach Unabhängigkeit streben? Wieso glauben Sie, dass er bis heute nicht mit den „drei Schwestern“ in den USA aufgeräumt hat?
Diejenigen, die Sie die „europäischen Patrioten“ nennen, haben die Reden Trump applaudiert und sich über seine Wahl gefreut, weil er das ideologische und wokistische Chaos der amerikanischen Demokraten, insbesondere von Hillary Clinton, beendete. Die amerikanische Bevölkerung, aller Kategorien zusammen, hatte genug davon, zumal dies mit der Bewegung BLM und der Welle der „Cancel Culture“ einherging, die historische Denkmäler oder Spuren einer Vergangenheit, die diese amerikanische, ungebildete und hysterische Linke, nicht mehr verantworten wollte, zerstörte oder befleckte.
Außländische Kriege sind kein Element, das bei Wahlkampagnen für politische Mobilisierung genutzt wird: Zunächst einmal wissen die Amerikaner, in der überwältigenden Mehrheit, nicht, wo die als Ziel zu bombardierenden Länder liegen. Das geografische Grundwissen ist fast null, selbst bei Akademikern (und in Europa, wenn man die Mittelmeerregion verlässt, ist es nicht viel besser, selbst bei den Schwarzmeergebieten, dem Don, also der Ukraine!).
Außerdem werden in einem Land, das kein Sozialsystem wie die europäischen Staaten organisiert, aus Sicht des einfachen Volkes die Auslandskriege wie die Tontöpfe der Danaiden gesehen, die enorme Summen verschlingen, die besser in den Ausbau der Straßen-, Bahn- und anderer Infrastruktur innerhalb der Vereinigten Staaten investiert werden könnten — vor allem in den „Fly-Over-States“, wo Trump großen Erfolg hatte.
Die kriegerische Rhetorik der neokonservativen Republikaner und Demokraten hat das Publikum längst ermüdet, das sich der berühmten MAGA-Bewegung angeschlossen hat. Mit der Rückkehr einer kriegerischen Rhetorik bei Trump und Rubio zerfällt die MAGA-Bewegung wieder und es kehren die alten Muster zurück.
Man kann die Hypothese aufstellen, dass die amerikanischen Geheimdienste frühzeitig die Kriegsmüdigkeit des Volkes im Hinblick auf die Konflikte in der Ukraine und im östlichen Mittelmeer erkannt haben, eine Pause von einem Jahr beschlossen und dann die Kriegstreiberei wieder an die Spitze gesetzt haben.
Die globale Geopolitik der USA wurde maßgeblich durch Admiral Alfred Thayer Mahan, Halford John MacKinder (der sie für das britische Empire entwickelt hatte), Homer Lea (wenngleich heute weniger bekannt, aber nach wie vor eine entscheidende Referenz bei der Entscheidung für einen direkten oder indirekten Krieg), Nicholas Spykman (Theoretiker der Kontrolle über die „Rimlands“, um das „Middle Earth“ bzw. „Heartland“ zu kontrollieren) und schließlich Zbigniew Brzezinski geprägt.
Die praktischen Anwendungen dieser geopolitischen Theorien erkennt man in den Reden und Aktionen aller amerikanischen Regierungen, egal ob demokratisch oder republikanisch.
Nichts wird sich in diesem Bereich ändern. Man müsste naiv sein das Gegenteil zu glauben (oder geglaubt haben). Diese erschütternde Naivität war bereits von Anfang an bei Nationalisten und Rechtsgerichteten aller Couleur sichtbar, die bei der ersten Rede Trumps im Amt in Ekstase gerieten.
Man konnte zwar die Implosion des Wokismus oder das Schauspiel des Scheiterns von Frau Clinton begrüßen, was ich auch tat, aber das bedeutete nicht, dass die hegemonistische und unipolare Geopolitik der USA wie Schnee in der Sonne schmelzen und endgültig von unseren Horizonten verschwinden würde.
Und siehe da: Der Krieg in der Ukraine geht weiter, die Unterstützung Israels gegenüber seinem arabischen Umfeld wird fortgesetzt, und der Wille, den schiitischen Iran zum Einsturz zu bringen, ist nach wie vor lebendig, da der Iran das zentrale Element der „Rimlands“ ist, die „Drehscheibe“ im geopolitischen Spiel im eurasischen Raum.
Wenige Beobachter haben bemerkt, dass die anti-iranische Wut sich nach zwei infrastrukturellen Innovationen wieder verstärkt hat: die Umsetzung der Bahnverbindung China/Iran in Richtung Indischer Ozean sowie die Fertigstellung des letzten kleinen Abschnitts der Eisenbahnlinie, die die iranische Küste mit dem Kaspischen Meer, Aserbaidschan und schließlich Russland verbindet, wodurch der internationale Transportweg über den Suezkanal umgangen wird.
Der Fall Venezuela lässt sich aus zwei Gründen erklären: Öl und Rückzug auf die westliche Hemisphäre. Das venezolanische Öl könnte für andere Handelsstrategien genutzt werden, als sie von den USA vorgeschrieben werden, etwa außerhalb des Dollar-Systems. Es beliefert bereits Kuba und wurde früher von China genutzt; es hätte auch Europa anstelle des Nahostöls oder des Öls aus dem russischen Raum versorgen können.
Der Kampf gegen China und Russland ist riskant und könnte für die USA eine Rückwärtsbewegung auslösen. Das Team um Trump hat anscheinend beschlossen, eine andere Strategie zu verfolgen: Anstelle des Globalismus und der hegemonialen Unipolarität, wie sie Clinton in den 1990er Jahren mit der theoretischen Unterstützung Fukuyamas’, der eine „Ende der liberalen Geschichte“ vorhersagte, angestrebt wurde, spielt man eine andere Karte.
Diese akzeptiert scheinbar die von den BRICS angestrebte Multipolarität, während man gleichzeitig, solange die Kraft noch reicht, einen amerikanischen Block schafft, der alle Regionen des amerikanischen Kontinents umfasst und aufgrund ihrer immensen Ressourcen in der Lage ist, autark zu bestehen.
Dieser Block, der bereits von amerikanischen Technokraten nach der großen Krise 1929 vorgeschlagen wurde, umfasst Mexiko, alle kleinen Republiken Mittelamerikas, Panama, Nordkolumbien, Venezuela (wegen seines Öls) sowie Kanada und Grönland (und damit sind wir wieder bei).
Genau diesen Block strebt Trump an, um die USA autark, selbstversorgend und künftig in einem multipolaren Weltspiel mächtig zu machen.
Faye war sich der fundamentalen Feindschaft bewusst, die die USA gegenüber Europa hegten. Für eine Zeit lang hoffte er auf eine nördliche Einigung, die Nordamerika und Euro-Sibirien umfassen sollte, wie auch einige amerikanische Zirkel sich das vorstellen, über die man im Zusammenhang mit den Anchorage-Abkommen zwischen Trump und Putin wieder sprechen hörte, die jedoch anscheinend keine Fortsetzung fanden.
In den gesammelten Texten vertritt Guillaume Faye das Konzept eines Euro-Russlands von Iberien bis Sibirien als Alternative zum Transatlantismus. Dabei argumentiert er für ein russisch-europäisches Bündnis unter anderem mit der gemeinsamen ethnischen und kulturellen Herkunft sowie gemeinsamen geopolitischen Interessen von Russland und Europa sowie der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit im Kampf gegen Masseneinwanderung aus dem Globalen Süden. Faye bezieht sich dabei auch auf Ihr geopolitisches Werk und das Konzept des „großen Igels“ als Metapher für ein Bündnis zwischen Europa und Russland ein. Einige europäische Vertreter der radikalen Rechten betrachten dies, ebenso wie die Globalisten in Brüssel, als Verrat an Europa und warnen vor einem „neostalinistischen Russland“ und dem „Bolschewisten Putin“. Insbesondere neofaschistische Vertreter der Rechten bezeichnen Europäer, die für Frieden und Kooperation mit dem „asiatischen Russland“ eintreten als „Verräter an der weißen Rasse“. Bitte erläutern Sie das Konzept von Euro-Russland und des „großen Igels“ genauer! Was spricht Ihrer Meinung nach für Euro-Russland und was sagen Sie zu jenen Rechten, die Ihnen für dieses Konzept Verrat an Europa vorwerfen?
Faye sprach anfangs von Euro-Sibirien, nach einer Debatte, die wir beide eines Tages geführt hatten, bezüglich des Buches von Juri Semjonow über Sibirien, das er als die „Schatzkammer Europas“ beschrieb. Faye wurde sich bewusst, dass die Zukunft Europas nur möglich sei, wenn man wieder normale Beziehungen zur damaligen UdSSR aufnehme, da diese unserem Kontinent alles Gebotene hätte liefern können. Das Yalta-Duopol war für ihn nur eine Anomalie, weil es Europa seiner einzigen potenziellen Rohstoffreserve von hoher Bedeutung beraubte. Diese Position, die im Widerspruch zu den Ansichten der konventionellen Rechten stand, führte ihn zu einer anderen Schlussfolgerung: jede Form des Neo-Kolonialismus in Afrika, genauer gesagt in der „Françafrique“, sei eine Sackgasse.
Tatsächlich birgt das frankophone Afrika offensichtlich enorme Reichtümer, die für die europäische Industrie nützlich sind; die Verwaltung eines kolonialen oder neo-kolonialen Imperiums wäre jedoch zu teuer: Das Gebiet der UdSSR bot bereits alle notwendigen Infrastrukturen, ohne dass Bevölkerungstransfers in eine Richtung oder die andere erforderlich gewesen wären (Kolonisation in den wohlhabenden Gebieten, Einwanderung nach Europa, eine allgemeine Bürgerschaft für alle Einwohner, usw.). Die Bevölkerungsbewegungen innerhalb eines „Euro-Sibirien“ wären auf technokratische Eliten beschränkt gewesen und hätten im Allgemeinen nur vorübergehenden Charakter gehabt. Sie hätten sich auch zwischen homogeneren Bevölkerungsgruppen abgespielt.
Später, Anfang der 2000er Jahre, reiste Faye nach Flandern, um einige Vorträge zu halten: Dort traf er den russischen Autor und Professor Pawel Tulajew, der ihm klarstellte, dass Sibirien nur ein geografisches Konzept sei, wenn auch recht vage, und dass das einzige Subjekt der Geschichte in dieser riesigen Region, die zu den Ufern des Pazifik führt, Russland sei. Faye akzeptierte daher, künftig von „Euro-Russland“ zu sprechen.
Der Begriff des „großen Igels“ stammt von den heftigen Debatten, die Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und den Benelux-Ländern geführt wurden, im Zusammenhang mit den US-Raketen, die die NATO auf dem Gebiet der Bundesrepublik stationieren wollte. Zu dieser Zeit kam das Konzept der Neutralität für Mitteleuropa, das Donauraum und die drei kleinen Benelux-Staaten, wieder auf den Tisch. Damit diese Neutralität akzeptiert werden konnte, musste sie jeglichen naïven Pazifismus ablegen. Die Armeen der Länder, die dadurch wieder neutral sein sollten, mussten sich nach den Vorbildern der Schweiz und Jugoslawiens organisieren.
In Deutschland hatte General Jochen Löser diese Möglichkeit in seinem Werk „Neutralität für Mitteleuropa“ theoretisiert. In Österreich hatten ein gewisser General Spanocchi und in Frankreich General Brossolet Pläne ausgearbeitet, um „bewaffnete Nationen“ nach Schweizer Vorbild zu schaffen, die aber vor allem an die lokalen geografischen Gegebenheiten angepasst sein sollten — was in Flachlandregionen keineswegs einfach ist. In Flandern zeichnete der Zeichner Korbo eine charmante kleine Igel-Figur, die lachend voranschritt und sagte: „Vreedzaam maar weerbaar“ („Friedenstüchtig, aber verteidigungsfähig“). Aufkleber mit diesem Motiv, auf grünem Hintergrund, wurden gedruckt: daraus entstand die Theorie des „großen Igels“.
Die Russophoben des Systems oder des extrem-rechten Spektrums denken noch immer in Begriffen des Zweiten Weltkriegs. Die Operation Barbarossa wurde hastig gestartet, ohne Vorbereitung auf eine mögliche Winteroffensive, und trotz ihrer anfänglich fulminanten Erfolge geriet sie im Dezember 1941 vor Moskau zunächst ins Stocken. Der „Vormarsch“ im Sommer 1942, um den Kaukasus und das dortige Öl zu erreichen, war atemberaubend, stieß jedoch auf die Unermesslichkeit des Territoriums: Obwohl Rostow am Don eingenommen werden konnte, erreichte man die Ölfelder im Kaukasus nicht und konnte die Ufer der Wolga nicht kontrollieren.
Mit Hilfe der angelsächsischen Seemächte leistete die Rote Armee Widerstand, versorgt aus Murmansk und Archangelsk durch Konvois, die den Atlantik überquerten (was das aktuelle Interesse Trumps am Grönland erklärt), sowie über den Weg vom Indischen Ozean, die TransiranischenEisenbahn (gebaut von Deutschen und Schweizern während der Zwischenkriegszeit!!), das Kaspische Meer und den Flussverkehr der Wolga.
Der Achsenblock konnte diese Linie, die vom Arktischen Ozean bis an die Küste des Indischen Ozeans führte, nicht abschneiden. Heute wird diese Linie durch den „International North-South Transport Corridor“ (INSTC) wiederhergestellt, der der amerikanischen Kontrolle entgeht — was auch die gegenwärtige anti-iranische Wut erklärt, da die hegemoniale Seemacht die Schlüsselstellen im Persischen Golf nicht mehr kontrolliert.
Die Operation Barbarossa wurde von den nationalsozialistischen Behörden damals als notwendig gerechtfertigt, um das ukrainische Getreide und das kaukasische Öl zu erlangen, die vorher von der Sowjetunion an das nationalsozialistische Deutschland geliefert worden waren, und zwar nicht nur im Rahmen der Klauseln des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts vom August 1939.
Die sowjetischen Lieferungen hatten den schnellen Sieg gegen Frankreich im Mai-Juni 1940 ermöglicht: Ohne sie wären solche Siege oder die Verteidigung des eroberten gallischen Territoriums unmöglich gewesen. Der Zweite Weltkrieg lehrt uns, dass alle Gebiete, auf denen Kämpfe mit enormen Menschenkosten stattfanden, ein gemeinsamer strategischer Raum waren, in dem eine Wiederholung dieser Konflikte unmöglich oder zumindest unwirtschaftlich ist.
Zurück zu Getreide und Öl: Bereits unter der Weimarer Republik waren die deutsch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen stark.
Nach 1991, dem Jahr des Verschwindens der Sowjetunion, wurden die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Westeuropa einerseits sowie Russland unter Jelzin und Putin andererseits perfekt wiederhergestellt — vor allem seit den Gasverträgen, bei denen Gerhard Schröder eine Schlüsselrolle spielte.
Die Wiederherstellung dieser Wirtschaftsbeziehungen verbietet eine erneute Operation Barbarossa in jeglicher Form. Wer davon träumt, lebt im Delirium: Sie denken nicht auf Basis realer Fakten, die durch die jüngere oder ältere Geschichte bestätigt sind, sondern auf der Grundlage moralischer Kategorien, die von der Realität losgelöst und medienwirksam von den hegemonialen Mächten instrumentalisiert werden (Carl Schmitt hat uns vor dieser Abweichung gewarnt…!). Oder sie stammen aus anachronistischen Nostalgien.
Gefühle dominieren in solchen Reden, genau wie bei den Antifa-Gruppen, die ebenfalls für unsichtbare Operationen manipuliert werden, oft von denselben Manipulationsmeistern orchestriert. Was den angeblichen „Verrat Europas“ betrifft, der nur von friedlichen Russophilen begangen würde, so liegt dieser nur bei jenen, die den Hegemon und seine Übertragungsgremien verehren — einem Hegemon, der alles tut, um uns zu verlieren — oder bei jenen, die unter scheinbar anderen Vorwänden eine Politik verfolgen, die den amerikanischen Deep State, das System oder einen seiner Pässe auf dem internationalen Schachbrett fördert und opfert.
Russland wird von der EU und den europäischen Mainstreammedien als „Reich des Bösen“ diffamiert, Wladimir Putin je nach Tagesverfassung zu einem zweiten Stalin oder Hitler stilisiert. Bereits in den im Buch versammelten Texten wies Guillaume Faye darauf hin, dass die EU das konservative Russland unter Putin, der bereits seit seiner Münchner Rede 2007 für eine multipolare Weltordnung anstelle der Unipolarität eintritt, als ideologische Gefahr für ihr globalistisches Projekt betrachten. Inwiefern denken Sie ist die Einschätzung Guillaume Fayes von damals noch aktuell/gibt es etwas, das sie dazu ergänzen möchten?
Viele der einst von Guillaume Faye aufgestellten Analysen bleiben, mutatis mutandis, auch im internationalen Kontext gültig. Sein jüngstes Werk, das posthum veröffentlicht wurde und den Titel „Contre la russophobie“ trägt, bezeugt seine visionären und vorausschauenden Fähigkeiten. Guillaume Faye entwickelte seine rationale Russophilie, die durch konkrete Fakten untermauert wird, wie die Notwendigkeit, den Austausch von Energie, Rohstoffen, Fertigwaren oder Hochtechnologiewissen zu harmonisieren. Guillaume Faye ist ein Schüler Clausewitz’, vermittelt durch die Lektüre der beiden Bände, die Raymond Aron dem preußischen Militär des frühen 19. Jahrhunderts gewidmet hatte. Der Zugang zu Clausewitz erfolgte durch Aron bei den Franzosen der Faye-Generation. Aron arbeitete daran, eine theoretische Grundlage für das nationale System zu schaffen, das De Gaulle in den 1960er Jahren etabliert hatte, unmittelbar nach den tragischen Ereignissen in Algerien, die Frankreich an den Rand eines Bürgerkriegs brachten. Die Deutschen sollten, um diese Epoche zu verstehen, die Texte von Armin Mohler über das Frankreich De Gaulles erneut lesen, das er als Vorbild für die anderen europäischen Staaten sah – vorausgesetzt, sie wollten sich zumindest von der amerikanischen Vormundschaft emanzipieren. Erinnern wir uns auch daran, dass Mohler in einem kurzen, sehr knappen Manifest, das auf Englisch verfasst und „Chicago Papers“ genannt wurde, alle Wege aufzeigte, um Europa aus dem langsamen Würgegriff des amerikanischen Anaconda zu befreien. Diese „Chicago Papers“ sind in seinem Sammelband mit dem Titel „Von rechts gesehen“ enthalten. Wer diese klaren Parolen verinnerlicht hat, kann nur mit großem Mitleid und scharfem Sarkasmus lachen, wenn er die Reden des Systems und der extremen, russophoben Rechten über Venezuela, den Iran, China oder Russland hört. Faye hat die Botschaft von Präsident Putin im Jahr 2007 sehr gut erfasst, ebenso wie Günter Maschke, der, um die Papageien aller Federn zu schockieren und zu erschüttern, die den Mainstream-Medien nachplapperten, mit donnernder Stimme verkündete, er sei nicht nur ein „Putin-Versteher“, sondern vor allem ein „Putin-Anhänger“.
