Wir haben mit dem populären Autor Werner Bräuninger gesprochen. Über sein neuestes Buch, seine wegweisenden Eindrücke und Bekanntschaften entlang seines Lebenswegs, über Armin Mohler und Hans-Dietrich Sander, über das Konzept „Remigration“ sowie die AfD und ihre zukünftigen Aufgaben. Wer mehr über Werner Bräuninger und sein Schaffen erfahren möchte, dem sei sein Blog www.marmorklippen.de empfohlen. Die Redaktion
MetaPol: Herr Bräuninger, in Ihrem Buch „In Minenfeldern“ beschreiben Sie anschaulich die Lebenswelt und die Ereignisse ihrer Jugend- und Prägezeit. Es entsteht ein gutes Bild der wohlstandgeprägten Lebensrealität im damaligen Westdeutschland. Dies erinnert an die Ausführungen Bettina Röhls in ihrem Buch „Die RAF hat euch lieb“, die ein Klima der „Sattheit“ beschreibt, in welchem die späteren Gründer und Anhänger der RAF sozialisiert wurden. Sie haben sich jedoch entgegen des damaligen Trends in der Jugend nach „rechts“ entwickelt und schreiben selbst, dass Sie gar nicht mehr so genau einordnen können, wieso eigentlich. Welche Schlüsselerlebnisse machen Sie dennoch heute aus, die Sie auf ihrem Weg zum „rechts“ sein stets richtig abbiegen ließen?
Werner Bräuninger: Ich glaube, daß ich gar nicht erst in Versuchung geriet falsch abzubiegen, weil ich im Grunde ohnehin immer auf der richtigen Straßenseite fuhr. Viele, für die das auch zutrifft, sagen ja ebenfalls, daß sie dieses „Rechtssein“ schon immer in sich gefühlt hätten – und sei es zunächst auch nur aus rein ästhetischen Gründen. Links ist das Chaos, rechts die Ordnung. Rechts ist ja nun einmal auch die richtige, bessere Seite, eben „aufrecht“, „rechtens“ und „gerecht“, während links nicht ohne tieferen Grund schon allein sprachlich stets mit Negativem assoziiert wird. Rechts sein heißt auf der Seite des Lebens zu stehen.
MetaPol: An mehreren Stellen im Buch begegnet der Leser Ihrer Auseinandersetzung mit Sinn- und Lebensfragen und auch ihrem Bezug zum Glauben. Welche Rolle spielte der Glaube in Ihrer Entwicklung und welche Rolle nimmt insbesondere die konfessionelle Gebundenheit heute für Sie ein?
Werner Bräuninger: Die Allmacht Gottes war mir von Anbeginn gegenwärtig, begegnete mir aber auch in den Erscheinungen der Natur. Meine Entfremdung von der evangelischen Amtskirche war ein langer Prozess, doch vor etwa zehn Jahren mußte ich ihr den Rücken kehren. Denn „Narren in Christo“ waren und sind es, die sich ihrer bemächtigten und den einst sakralen Raum besetzt halten. Weltweit werden Christen wegen ihrer Glaubenstreue massenhaft gemartert und gemordet, doch in Europa, namentlich in Deutschland, schweigt man dazu, schämt sich ihrer Insignien und macht aus dem Haus Gottes ein Asyl für Gestörte und Wahnsinnige. All das konnte und wollte ich nicht mehr mittragen. Ich bin mir völlig sicher, daß sich heute auch ein Graf Galen, ein Alfred Delp, Bonhoeffer oder Niemöller angewidert abwenden würden vor so viel Erbärmlichkeit, von einem Luther oder Melanchthon gar nicht zu reden. Die verlassenen Altäre scheinen heute von Dämonen bewohnt, wie Ernst Jünger einmal meinte. Bezeichnend ist daher auch die Hetze der Amtskirche gegen traditionalistische Christen wie Evangelikale, die Priesterbruderschaft St Pius X. oder die Kongregation der Legionäre Christi. Entmythisierung ist für den Priester ebenso ein Sakrileg, wie Fahnenflucht für den Soldaten. In meinem Roman „Was wir lieben mussten“ lasse ich den Hauptprotagonisten Peter Fechter daher auch einen Religionsdisput mit dem altgedienten Priester Rupert Seeger führen. Ohne wirkliche Umkehr werden die Kirchen zweifelsohne an sich selbst zugrunde gehen und zu traurigen Politsekten mutieren. Benedikt XVI. war ein letzter Lehrer und Katechon, ein Aufhalter, bevor der Antichrist den Tempel Gottes einnahm und sich als Gott ausgab. Heute fühle ich mich dem Katholizismus verbunden, doch schon beginnt man auch dort etwa von „Unvereinbarkeiten“ zur AfD zu sprechen und verweigert deren Anhängern zuweilen ein christliches Begräbnis. Doch baue ich auf den immer vorhandenen Opportunismus beider Kirchen, auf den in der Geschichte stets Verlass war. In dem Moment, in dem sich der Wind ein- für alle Mal deutlich dreht, werden sie selbst damit beginnen, ihre woken Festungen zu schleifen.
MetaPol: Entgegen der Annahmen umweltdeterministischer Ideologien sind wir uns dennoch im Klaren darüber, dass die Umwelt und das Umfeld, in welchem der Mensch Prägung erfährt, einen gewissen Einfluss auf seine Entwicklung nehmen. Welche Bedeutung schreiben Sie dabei Ihrem Aufwachsen in Offenbach am Main zu, einer Stadt die heute bereits mehrheitlich von Menschen mit Migrationshintergrund bevölkert wird und damit demographisch „gekippt“ ist?
Werner Bräuninger: Aufgewachsen bin ich dort nicht, jedoch bestanden die dortigen Verhältnisse ja bereits damals nahezu im gesamten Landkreis. Meine Ausbildung machte ich dann allerdings direkt in Offenbach, was ich heute geradezu als ein Glück ansehe, weil mir so die Augen geöffnet wurden. Denn nur dort konnte ich die beginnende Überfremdung samt ihrer gravierenden negativen Folgen aus nächster Nähe studieren und meine gedanklichen Schlüsse daraus ziehen. Die instinktive und frühe Gewissheit, daß es bei dieser städtischen „Versuchsstation“ allein nicht bleiben, sondern sich Ähnliches früher oder später in ganz Deutschland ausbreiten würde, verdanke ich dieser damaligen Zeit. Damals hörte ich zum ersten Mal das Wort „wir Deutsche werden schon bald zur Minderheit im eigenen Land“. Daran dachte ich später noch oft.
MetaPol: Die jüngsten Werte des Statistischen Bundesamts zeigen deutlich auf, dass in nahezu allen Metropolen der Bundesrepublik, insbesondere natürlich im Westen, der Anteil der unter 16-Jährigen mit Migrationshintergrund bei über 50% liegt. In Städten wie Gelsenkirchen überschreitet die Zahl bereits 70%. Was gibt Ihnen Hoffnung angesichts dieser Faktenlage?
Werner Bräuninger: Leider zunächst nur sehr wenig. Es war schon schlimm genug, daß in beiden verlorenen Weltkriegen an die sechs Millionen wertvollste junge deutsche Männer im Felde blieben, die uns an allen Ecken und Enden fehlten, um wenigstens die Substanz zu bewahren. Man glaube doch nicht, daß dergleichen das Gesicht einer Nation nicht verändern würde. Die drängendste Gefahr für uns Deutsche, aber auch für Europa und die weiße Welt, ist zu spät zu kommen, um wahrhafte Remigration einzuleiten, damit die hemmungslose Überfremdung abgedreht und damit das Verlöschen der Deutschen in spätestens der übernächsten Generation verhindert wird. Geschieht dies nicht in der allernächsten Zeit, werden wir alle schlicht und ergreifend genetisch weggebombt, darüber gibt es für mich auch nicht die Spur eines Zweifels. Sämtliche anderen Probleme verblassen demgegenüber und bedeuten im Vergleich nichts. Dieses Faktum, diese klarste und einfachste aller Rechnungen, ist den Deutschen – auch von der AfD – wieder und wieder in die Köpfe zu hämmern. Denn es scheint ihnen bis jetzt nicht klar zu sein, daß wir ansonsten schlicht verschwinden, verlöschen und in der Datei des Gewesenen abgelegt werden. Dieses Schicksal abzuwenden ist das Gebot der Stunde. Alles und jedes hat sich dem unterzuordnen.
MetaPol: Greifen wir mal einen aktuellen Begriff auf – wie sieht Ihr „Stadtbild“ aus? Was ist ein „deutsches Stadtbild“ gezeichnet von Werner Bräuninger? Und gibt es in der heutigen Bundesrepublik noch Ecken und Bezugspunkte, wo sie dies für sich vorfinden?
Werner Bräuninger: Selbst jener verklausulierte Merz-Ausspruch, dieses Schattenkanzlers von Ruinitanien, ist doch sofort von ihm wieder relativiert worden, wie alles, was von dieser exemplarischen Heulsuse kommt. In meinen jungen Jahren verglich ich die Männer und Frauen, die mir aus den Fotografien der letzten einhundert Jahre entgegentraten, manchmal mit dem, was ich auf der Straße sah. Ich erkannte, daß sich die Menschen früherer Generationen noch ihres Wertes und Ranges bewußt waren, ganz gleich, welchem Stand sie auch angehörten. Oft liessen sie sich in ihrem gewohnten Umfeld ablichten, stützten sich energisch auf Spaten oder Rechen, standen hinter dem Pflug, dem Schraubstock oder dem Katheder. In der damals typischen Manier, nicht selten mit der Barttracht Kaiser Wilhelms II., der selbst häufig in ähnlicher Weise posierte, blickten sie ernst in die Linse des Fotografen, denn Lächeln war verpönt. Sie waren stolz auf das Erreichte, auf ihr Eigenes, ihren Beruf, ganz gleich ob hoch oder niedrig. Es muß sich heute also durchaus nicht ein imaginiertes blondes „Gottmenschentum“ auf unseren Straßen bewegen sondern der ganz „normale“ autochthone Deutsche, wie es ihn jahrhundertelang gab. Kehren wir dahin nicht zurück, dann wird es in absehbarer Zeit auch kein „ruhiges Hinterland“ mehr geben und selbst entlegene deutsche Täler und Seeufer werden dann nicht mehr zu erkennen sein, weil die ehemaligen Einwohner afghanischer Bergdörfer und nordafrikanische Wüstenclans hierher geworfen wurden. Das letzte Mal, wo ich mich über das „Stadtbild“ und die zugehörige Bevölkerung wirklich gefreut habe, war vergangenes Jahr in Südtirol.
MetaPol: Die Äußerungen des Bundeskanzlers zum Stadtbild führten – wie gewohnt – trainierte Empörungsreflexe der „Zivilgesellschaft“ nach sich. Für genuin rechte Positionen fallen die Reaktionen jedoch oftmals deutlich heftiger aus. Persönliche Anfeindungen sowohl im privaten wie im beruflichen Umfeld, „Outings“, Übergriffe und Anschläge der Antifa als verlängerter Arm des Staates sind gegen Oppositionelle an der Tagesordnung. Welche Erfahrungen haben Sie damit bisher gemacht? Was erwarten Sie im Hinblick auf die Zuspitzung des Konfliktes noch? Nehmen auch Sie eine Entmenschlichung der „Rechten“ durch ihren politischen Gegner wahr – Stichwort: Charlie Kirk?
Werner Bräuninger: Klar, der Rechte scheint in den Augen der Linken heute per se vogelfrei zu sein. Den brutalen Terror von Antifa und linksextremen Autonomen habe ich als Jüngling erstmals Ende der 1980er Jahre aus nächster Nähe erfahren. Am Rande einer nationalen Kundgebung hatten fünftausend geifernde „Gegendemonstranten“, viele davon äußerst gewalttätig und dem „Schwarzen Block“ zugehörig, eine Blockade errichtet und mit Dreck und Erdklumpen nach uns geworfen. Nicht wenige trugen Blessuren durch Stein- und Flaschenwürfe, die aus der feigen Horde heraus erfolgten, davon, so auch ich. Einem rann das Blut aus dem Kopfverband, den man ihm provisorisch angelegt hatte. Ich konnte damals live erleben, wie diese brutalst vorgehenden linken Gewalttäter in den Menschen, denen sie sich entgegenstellten, nicht nur einen politischen Gegner sahen, sondern einen mit allen Mitteln zu bekämpfenden Feind, der in ihren Augen kein Menschenantlitz trug und somit wert war, vernichtet zu werden. Ich sah ihre hasserfüllten Augen, ihre wutverzerrten Gesichter, eiskalt mit einkalkulierend, dass sie Menschen nicht nur schwerstens verletzen, sondern auch töten könnten. In den Augen dieser potenziellen Mörder besaßen wir kein Recht auf Leben, das wurde mir damals völlig klar. Dergleichen habe ich über die Jahre dann noch einige Male in ähnlicher Vehemenz erlebt. Doch solches kommt dabei heraus, wenn Schule, Universität, Politik, Kirche und Medien „rechts“ oder „national“ in toto als faschistisch, antidemokratisch und menschenfeindlich diffamieren. Also darf mittels dieser kranken Zuschreibungskategorie alles was von dort kommt auch verdächtigt, zensiert, denunziert, verfolgt, diffamiert und folglich auch völlig gefahrlos körperlich angegriffen werden. Diese Konnotation hat sich zu einem selbstlaufenden Ritual, einem Reflex, zu einem Fetisch und Geist aus der Flasche entwickelt, unter deren Zuhilfenahme man so gut wie jede nicht-linke Strömung ungestraft dämonisieren kann. Nehmen wir doch nur einen Sellner, der vor allem medial in verabscheuungswürdigster Art und Weise zum Teufel in Menschengestalt erklärt wurde. Wir haben unseren Gegnern also endlich beizubringen, daß wir nicht mehr länger als Freiwild zu Verfügung stehen, sondern uns zur Wehr setzen werden.
MetaPol: Stichwort „Trendwende“ – Für viele jüngere Aktivisten, insbesondere aus Reihen der AfD oder der Identitären Bewegung, gibt es nur eine Zeitrechnung „nach Gründung der AfD“. Die Zeiten davor kennen sie nicht aus eigenem Erfahren, sie waren oft schlicht zu jung. Sie stoßen heute, Gott sei Dank, also bereits zu Zeiten eines allgemeinen Aufbruchs und sichtbarer politischer, mindestens parlamentarischer Erfolge, hinzu. Dies war lange Zeit anders und viele langjährige Rechte sind durch ein „Tal der Tränen“ gegangen. Sie haben ebenfalls ihre erste politische Sozialisation in den „altrechten“ Zusammenhängen gesammelt, wobei dies nicht weltanschaulich, sondern chronologisch gemeint ist. Wie würden Sie die damalige Situation und die Möglichkeiten der politischen Betätigung den heutigen – vielleicht manchmal auch etwas überheblich daherkommenden – Jünglingen erklären, die teils etwas spöttisch und abfällig über diese damaligen Konstellationen und die damit verbundene politische Erfolglosigkeit sprechen?
Werner Bräuninger: Aus den genannten Gründen reagiere ich auch ziemlich allergisch auf all das künstlich konstruierte, dümmliche „Boomer“-Gequatsche, das man neuerdings leider auch auf der Rechten von vereinzelten Verirrten zu hören bekommt und das doch nichts anderes ist, als die Generationen gegeneinander auszuspielen und einen Teil unseres Volkes gegen den anderen aufzuhetzen. Damit besorgt man das Geschäft des Feindes. Diesen historisch Unkundigen sei gesagt, daß es nicht wenige waren, die in den tristen Zeiten, in denen „rechts“ völlig out war, wenigstens die Fahne hochgehalten haben. Der Tatsache, daß eine wirkliche, auch intellektuell erstzunehmende Rechte in Deutschland bis lange nach dem Millennium schlicht nicht existierte, habe ich mich ja auch in meinen „Minenfeldern“ gewidmet. Es gab damals keine „Alternative für Deutschland“, kein „Schnellroda“, keine Denkfabrik wie MetaPol und die Neue Rechte war bei uns, im Gegensatz zum französischen Nachbarland, noch nicht in dem Maße formiert und organisiert wie heute. Wäre ich Österreicher gewesen, so hätte ich mich zweifellos Haiders FPÖ angeschlossen. Aber ich war Deutscher – in Deutschland. Viele der heute nicht selten gescholtenen „Boomer“ hatten in dieser Diaspora jahrelang Opfer gebracht, Unterdrückungen und berufliche Nachteile hingenommen, nur um ihres politischen Engagements willen. Nicht anders als heute auch. Das Faktum, daß die seinerzeit bestehende Rechte zugleich auch für jahrzehntelange Ereignis- und Bedeutungslosigkeit steht, berührt dies dennoch nicht. Eine ganze Generation wertvoller Leute, darunter fähige Akademiker, Burschenschafter, Autoren, die als Jünglinge oder junge Männer in den 90ern vielleicht einmal einige Jahre in der „falschen“ Organisation waren, werden heute anhand von exzessiv ausufernden „Unvereinbarkeitslisten“ an weiterer politischer Teilhabe im nationalen, rechten Parteienspektrum gehindert. Es ist heute verhältnismäßig leicht, sich „rechts“ zu verorten, da es mit der AfD inzwischen eine Partei gibt, die von vielen Millionen Deutschen gewählt wird. Das aber war damals eben nicht der Fall. Klar ist, daß der wirklich auf den ersten Blick eindeutig erkennbare Lunatic fringe von der aktiven nationalpolitischen Gestaltung ferngehalten werden muß, doch wäre insbesondere die AfD gut beraten, sich nicht dogmatisch auf eventuelle frühere Organisationszugehörigkeiten zu kaprizieren, sondern sich vielmehr jeden Menschen individuell anzuschauen und immer den Einzelnen zu sehen und seine Entwicklung. Das System goutiert ohnehin keine Abgrenzung.
MetaPol: Wie so viele erfuhren auch Sie einige herbe Enttäuschungen in ihrer „aktiven“ Zeit. Die charakterlichen Defizite der damaligen Akteure werden von Ihnen sehr pointiert im Buch nachgezeichnet und vermutlich jeder langjährige rechte Aktivist wird sich in den beschriebenen Situationen irgendwo wiederfinden können. Ein Punkt der Sie dazu veranlasste, nicht untätig zu werden, jedoch den Aktionsschwerpunkt nach „innen“ zu verlagern und sich auf das Publizieren in verschiedenen Medien und Printformaten zu konzentrieren. Dem folgten dann einschneidende Begegnungen mit Armin Mohler und Hans-Dietrich Sander, welchen Sie ein eigenes Kapitel im Buch widmen. Bringen Sie die beiden Persönlichkeiten doch insbesondere dem jüngeren Publikum näher. Welche Relevanz im Denken und Tun sehen Sie heute bei beiden?
Werner Bräuninger: Mit Mohler hatte ich seit 1993 schon einen losen Briefwechsel gehabt. Begierig hatte ich über lange Jahre seine Aufsätze und Rezensionen in „Criticón“ gelesen. Durch ihn erkannte ich die Verderblichkeit des Liberalismus in seiner ganzen Dimension und begriff auch was der Faschismus wirklich war. Meine Veröffentlichungen über die systemimmanente Opposition im Nationalsozialismus hatten dann großes Interesse bei ihm hervorgerufen. Immer wenn ich in München war, habe ich ihn besucht. Immerhin saß man dann dem Doyen des Konservatismus und ehemaligen Sekretär Ernst Jüngers gegenüber; das war schon etwas. Auch heute noch wird man ohne das Studium seiner Werke kaum wirklich begreifen, worauf es innerhalb der Rechten in erster Linie ankommt. Noch sehr viel intensiver war mein Kontakt zu Hans-Dietrich Sander. Die „Schweigespirale“, deren verheerende Wirkung allen rechten Intellektuellen sattsam bekannt ist, verdammte den großen Mann zu weitgehender Resonanzlosigkeit, auch wenn sich im Laufe der Zeit nahezu alle seine Analysen und Prognosen in staunenswerter Präzision bewahrheiteten. Sander war überzeugt von der „Rückkehr des nationalen Elements in die Politik“, wie er eine seiner Schriften aus dem Jahr 1983 betitelte und die ich noch heute als die Quintessenz dessen ansehe, was „von rechts“ gesagt werden muß. Er war ein Visionär und dabei doch von ausgesprochener mecklenburgischer Nüchternheit. 1990 war er das Wagnis eingegangen, seine Zeitschrift „Staatsbriefe“ ins Leben zu rufen, die er auf das Fundament der Reichsidee, des staufischen Mythos und des preußischen Stils stellte. Prägend waren erkennbar auch Stefan George und sein Kreis sowie die maßgeblichen Vertreter einer geistigen „deutsch-jüdischen Symbiose“ – zum Verdruss bornierter Altrechter. Ich halte Sander, der 2017 starb, für einen der größten nationalpolitischen Denker und zugleich Stilisten, den wir nach 1945 in Deutschland hatten. In „normalen Zeiten“ würde er eine Rezeption ohnegleichen erleben, dessen bin ich völlig sicher. Heiko Luge kann das riesige Verdienst für sich in Anspruch nehmen, Sander dem Vergessen entrissen und einen Großteil seines nun im Arnshaugk-Verlag erscheinenden Werkes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Daher mein Appell an die national eingestellte Jugend: Lest Sander!
MetaPol: Sanders Denken verknüpft sich auch stark mit dem „Reichsgedanken“. Sie selbst haben eine eigens verfasste „Reichsallegorie“ verfasst, welche auch in Ihrem Buch Erwähnung und Ausführung findet. Inwiefern sind Sie von Sanders Reichsgedanken inspiriert und wie schätzen Sie die Relevanz derartiger Gedankenspiele im jetzigen Moment ein?
Werner Bräuninger: Die Bundesrepublik mit ihrer insbesondere von Adenauer unverrückbar zementierten „Westbindung“ war von Anbeginn eine ausgesprochen reichsfeindliche Staatsgründung. Immer aber waren demokratische Traditionen in Deutschland zugleich auch auf das Reich gerichtet; vom großen Fest in Hambach über die Paulskirche, von Weimar bis zu den Akteuren des 20. Juli 1944. „Die höchste Erfüllung des Deutschen ist das Reich“, hatte Graf Stauffenberg 1936 notiert und er erneuerte diese Auffassung in dem berühmten „Schwur“, den er kurz vor seinem Attentat auf Adolf Hitler niedergeschrieben hatte. Das hatten die „Väter des Grundgesetzes“ bewusst verdrängt. Wenn sich allerdings im November 1999 eine Handvoll besessener Hegelianer in größenwahnsinniger Verblendung anmaßten, das Deutsche Reich im verräucherten Hinterzimmer eines Leipziger Chinarestaurants neu zu „begründen“, so kann dergleichen nur in den Bezirk des Irrsinns verwiesen werden. Damit habe ich wohl zugleich auch alles darüber gesagt, was ich von dem ebenso obskuren und absurden, wie völlig sinnlosen Tun und der infantilen Torheit heutiger sogenannter „Reichsbürger“ halte. Solche Harlekine, „Könige von Deutschland“ und selbsternannte „Reichsminister“, die sich selbst „Reichspässe“ oder Führerscheine ausstellen, sind in meinen Augen Fälle für die Psychiatrie. Denn es ist heute bei weitem noch nicht die Stunde konzeptiv vom Reich zu reden, für dessen Neubau zudem auch jene Deutschen fehlen, die dafür prädestiniert sein müssten. Dieser Zeitpunkt liegt aber noch in weitester Ferne. Das war auch stets Sanders Ansicht. Aus den heutigen opportunistischen und bis ins Mark geschwächten Deutschen müsste zunächst mal wieder eine auf dem Volksbegriff gründende Schicksalsgemeinschaft werden. Dazu wäre es notwendig, den gesamten Ideenschutt des Jahres 1968 beiseitezuräumen und mit der Hexenjagd einer völlig einseitigen Vergangenheitsbewältigung Schluss zu machen. Das, was Sander das „animalische Unbehagen an den Verhältnissen“ nannte, muß eintreten, wenn der Widerstand kommen soll, de facto also eine „Zurückprägung“ der Deutschen, im positivsten Sinne verstanden. Bereits eine „normale“ Jugend würde, wenn sie denn erwacht, das heutige System zum Erzittern bringen. Sie müsste all den seichten, modernistischen Zinnober einfach souverän verlachen, der in Dauerschleife laufenden Zirkusveranstaltung ein Ende bereiten und damit den heute noch Fernstehenden ein anfeuerndes Beispiel geben.
MetaPol: Ihr beschriebener Weg zeigt auf, wie wichtig die „richtigen“ Begegnungen zur „richtigen“ Zeit sind, um das eigene Denken zu verdichten, zu festigen, auch sinnvoll zu erweitern und folglich „richtig“ im Leben abzubiegen. Der Förderung des in uns Angelegten bedarf es des richtigen Reizes zur rechten Zeit – so scheint es. Wie schätzen Sie die heutige Situation aus Sicht eines jungen Mitstreiters ein? Welche herausragenden Persönlichkeiten oder auch Organisationen der Rechten identifizieren Sie heute, die sinnvolle charakterliche und gedankliche Impulse senden? Spüren sie generell einen avantgardistischen Geist innerhalb der Rechten, so wie es ihr eigentlich naturgemäß zu Gesicht stünde?
Werner Bräuninger: Rechts zu sein war und ist nach meiner Auffassung schon immer und rein für sich genommen avantgardistisch. Wir müssen aber dahin kommen, daß die Jugend „links“ als das Alte, Verstaubte, Dogmatische, Unnatürliche, Verklemmte und Hässliche erkennt und beiseite räumt und „rechts“ als das Neue, Wahre, Schöne, Gute, Sinnliche, Freie und Coole entdeckt und begreift. Ich glaube zu beobachten, daß man in Frankreich hier schon ein erhebliches Stück weiter ist. Die Zeiten starker charismatischer Einzelpersonen oder großer Beweger scheinen wohl zunächst einmal vorbei zu sein. Auf der Rechten war Jörg Haider vielleicht der vorerst letzte dieser Art. Auch wird es auf absehbare Zeit erstmal keinen neuen, sagen wir d’Annunzio oder José Antonio geben, auch weil die heutigen Verhältnisse die Heraufkunft eines solchen nicht zulassen. Umso wichtiger ist das Selbststudium jedes Einzelnen, sich also im Waffenarsenal des Geistes zu bedienen, damit eine theoretisch gefestigte Minorität einmal zur Mehrheit werden kann. Von allen Sträuchern, die an der Seite unseres Weges wachsen, müssen wir die besten auflesen und in unserem Ideenköcher verstauen. Sich selbst ein tragfähiges Fundament zu schaffen, auf das man immer wieder bei den meisten Fragen, die das Leben uns stellt, zurückkommen und auch erweitern kann, ist nicht nur absolut sinnvoll, sondern auch beglückend. Was beispielgebende Organisationen angeht, so finde ich es sehr gut, daß mit „Lukreta“ auch in Deutschland heute eine rechte Frauengruppe besteht. Dem Mut und Ideenreichtum dieser großartigen Mädchen und jungen Frauen zolle ich größten Respekt. Junge Männer sind bei MetaPol, der „Generation Deutschland“, in Schnellroda und bei der IB auf jeden Fall gut aufgehoben.
MetaPol: In ihrem Buch beschreiben Sie auch das Schicksalsjahr 2015/2016, in welchem in der Bundesrepublik alle Dämme brachen. Sie beschreiben die bedrückende Situation der Bahnhofsklatscher und gleichfalls das Aufkommen einer neuen patriotischen Welle, welche maßgeblich vom Erstarken der AfD getragen wurde. So widmen Sie auch ein Kapitel in Ihrem Buch der „AfD als Türöffner und Tabubrecher“. Generell scheint sich im rechten Lager vieles um die AfD im Mittelpunkt zu drehen. Alles, was um die AfD herum geschieht, wird häufig als „Vorfeld“ bezeichnet. Bedeutet, die Partei steht in der Denke und der Anschauung vieler im Zentrum der Rechten, gerade bei den Anhängern der AfD selbst. Nun ist bekannt, dass Parteien in einer parlamentarischen Demokratie eigenen Gesetzen und Mechanismen unterliegen. Wie bewerten Sie diese Partei-zentristische Sicht innerhalb des rechten Lagers? Und welche Defizite könnten damit aus ihrer Sicht einhergehen?
Werner Bräuninger: Zunächst einmal müssen wir als Deutsche heute nehmen, was wir eben vorfinden. Ich will es einmal völlig ungeschminkt ausdrücken: Für mich ist die AfD in erster Linie ein Vehikel, das möglicherweise dazu in der Lage sein könnte, das Overton-Fenster weit aufzustoßen, also auch die Grenzen des Sagbaren in unserem Sinne zu verschieben. In der ersten Zeit empfand ich sie lediglich als einen Versuchsballon nach langen, bleiernen Jahren. Denn nach nicht enden wollender Selbstblockade und quälender Stagnation vertrat erst die AfD wieder vom Mainstream abweichende Meinungen. Als originär wirklich rechte Partei – unter Lucke, Petry und Meuthen – sah ich sie damals aber noch nicht an. Es ging erst einmal nicht um Erfolg oder Mißerfolg der AfD, sondern schlicht um Selbstbehauptung. Denn es war hohe Zeit, daß nicht mehr „die anderen“ bestimmen, wo eine vermeintlich „rote Linie“ überschritten wird. Von daher kam sie wie gerufen oder besser zur letzten Stunde. Es ist nun einmal in der Parteiendemokratie so, daß, wenn man deren Regeln akzeptiert und ihr Spiel mitspielt, die Partei im absoluten Fokus steht, auch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Ein Institut steht nicht auf dem Wahlzettel, die Vertreter eines Thinktanks sitzen nicht für diesen im Parlament, eine schlagende Verbindung stellt keine Regierung. Letztlich also wird es zunächst die Partei sein, die die weiteren Geschicke von Volk, Staat und Nation in ihre Hand zu nehmen hat. Der Antwort auf die Frage „Was kommt nach dem Parteienstaat?“, die Sander schon 1987 in der „Aula“ provokativ stellte, kann man sich dann nach der ersten Gesundungskur widmen.
MetaPol: Wir haben es bereits angerissen, auch eine AfD unterliegt am Ende bestimmten Mechanismen des Parlamentarischen Betriebs, unter anderem dem Majoritätsprinzip. Zudem schließt sich jeder gewonnenen Wahl ein Rattenschwanz an zu besetzenden Ämtern an. Allein quantitativ ist es eine große Herausforderung, alle notwendigen Sitzreihen in den Parlamenten plus die dazugehörige erste und zweite Reihe zu besetzen. Von der Qualität des Personals einmal ganz abgesehen. Wie schätzen Sie die derzeitige Qualität des Personals und insbesondere die Führungsstärke der Partei ein? Vernehmen sie bereits eine negative Entwicklung innerhalb der Partei gemäß des „ehernen Gesetzes der Oligarchisierung“ nach Robert Michels?
Werner Bräuninger: Ein hochrangiger AfD-Amtsträger aus dem Osten sagte mir neulich, daß für die Bildung einer funktionsfähigen Landesregierung etwa 200-300 gute Leute fehlten. Als Nicht-Parteimitglied habe ich über Qualität und Führungsstärke natürlich keinen unmittelbaren, tieferen Einblick, aber ich beschäftige mich dennoch intensiv mit der Partei. Ich sehe hier einige wirklich gute und achtbare Leute, aber auch viel Durchschnitt und schon vom Typus her klassische Alt-CDUler, von denen ich meine Zweifel habe, ob es sich bei ihnen um Stehertypen oder gar Überzeugungstäter handelt, die auch den Orkanen trotzen können, die ganz sicher noch über sie herniedergehen werden. Denn der Gegner wird noch sehr viel Niederträchtiges in petto haben, vor allem wenn er wirklich begreift, daß seine Tage gezählt sind und der Erfolgsweg der nationalen Opposition nicht mehr aufzuhalten ist. Sehr wichtig ist es deshalb kommunal und auf Landesebene verankert zu sein, einen tragfähigen, loyalen Unterbau zu haben und nicht völlig „verparlamentisiert“ zu werden. Selbst Carl Schmitt sprach 1932 in seinem Aufsatz „Der Mißbrauch der Legalität“ von der kurz vor der Übernahme der Macht stehenden und stark gefestigten NSDAP noch als „unreifer“ Bewegung – „negative Führungsauslese, geringer Sachverstand, Vernachlässigung allgemeiner Interessen“. Es wird für Deutschland aber keine Zeit bleiben, wegen einiger Unzulänglichkeiten, abermals auf etwas Neues zu warten und noch einmal bei null anzufangen. Ich selbst glaube, daß die AfD die letzte Chance für uns darstellt, dem Schicksal noch ein Mal in die Speichen zu greifen. Für sie hat sich also die ernste Frage zu stellen, ob sie am „Tag x“ genügend qualifiziertes und gefestigtes Personal aufbieten kann. Dennoch kann ich nur davor warnen, die Mobilisierung mit dem Sieg zu verwechseln und an die AfD appellieren darauf zu achten, ihre Reihen konsequent für jene „Märzgefallenen“, Postenjäger, Glücksritter, Querulanten, Spitzel und anderen Proselyten zu verschließen, die erfahrungsgemäß stets als erste dort sind, wo sie eine ihnen günstige Konjunktur wittern. Denn diese werden so sicher wie das Amen in der Kirche allerspätestens am Tage nach einem entscheidenden Sieg auf Landes- oder Bundesebene zu Scharen vor der Türe stehen und so schnell wie möglich an die Pforte klopfen. Sie aber sind es in der Hauptsache, die Erscheinungsbild, Geist, Richtung, Weg und Ziel einer idealistischen Bewegung sehr rasch völlig verwässern und in ihr Gegenteil verkehren können. Möge dies der AfD in dicken roten Lettern ins Stammbuch geschrieben sein. Was also hat sie zu tun? Sie sollte ihre besten Agitatoren in die Parlamente schicken und sich als die Soziale Heimatpartei verstehen. Noch enger hat sie sich an das Volk anzuschließen und es davon zu überzeugen, daß kein anderer für seine elementarsten Belange eintritt. Auch die Forderung nach konsequenter Remigration muß ihr Alleinstellungsmerkmal als Partei sein, was ich mir jedoch noch sehr viel fordernder und kompromissloser wünsche. Viele weitere unzweideutige Signale der Selbstbehauptung und des Hegemonieanspruchs sind von ihr zu setzen. Vorübergehende Fehlschläge und Niederlagen sind immer als herausgeschobener Sieg anzusehen. Weiter wird darauf zu achten sein, daß man die Erstgeburt nicht für ein Linsengericht verhökert, also keine Anbiederung an die CDU, nicht ihr Juniorpartner oder Mehrheitsbeschaffer sein zu wollen, sondern im Gegenteil sie vollkommen überflüssig zu machen und ihr völliges Verschwinden zu forcieren. Die CDU sollte sich ihrerseits darüber im Klaren sein, daß auch die Existenz der „Democrazia Cristiana“, ihrer einstigen italienischen Schwesterpartei, mehr oder weniger über Nacht ausradiert worden ist.
MetaPol: In einem Kapitel kritisieren Sie das Fehlen der Etablierung einer Kaderschmiede innerhalb der AfD zur Ausbildung des politischen Nachwuchses. Denken Sie, dass eine derartige Kaderschmiede innerhalb der Partei etabliert werden müsste oder sehen Sie auch die Möglichkeit „von außen“ Persönlichkeiten auszubilden, die dann gemäß ihrer Befähigung einen Platz innerhalb der Rechten einnehmen, potentiell natürlich dann später auch in der Partei? Generell erwähnen Sie im Buch am Ende eines Kapitels ja bereits, dass auch die „AfD nicht der Weisheit letzter Schluss sein wird“.
Werner Bräuninger: Aus dem in der letzten Antwort Gesagten, aber auch aus dem Blickwinkel der AfD selbst, sehe ich die Gründung und Etablierung einer innerparteilichen Kaderschmiede als völlig unerlässlich an. Jede Partei, jede politische Bewegung, bedarf eines ideeenmäßigen und geistigen Generalstabs. Selbstverständlich bin ich dafür, Personal meinetwegen auch „von außen“ zu rekrutieren, vor allem jedoch gute Gedanken und Ideen zu adaptieren und für die Partei fruchtbar zu machen. Sich aber für alle Zeit darauf zu verlassen, daß Nachwuchs und Qualität schon von außen kommen werden – so gut man dort vielleicht auch arbeitet – halte ich für einen verhängnisvollen Trugschluss. Für das Selbstverständnis einer Partei, die demnächst die Machtfrage stellen will, ist innere Kaderbildung unerläßlich. Nicht zuletzt gilt es Loyalitäten zu schaffen und auch für eine innerparteiliche Elitenbildung zu sorgen. Das, was ich auf der Gründungsveranstaltung der „Generation Deutschland“ rein physiognomisch gesehen habe, stimmt mich aber erst einmal zuversichtlich.
MetaPol: Im vergangenen Jahr ist eine Debatte bzw. ein Konflikt um die Person Dr. Maximilian Krah ausgebrochen, welcher den Remigrationsbegriff, wie er beispielsweise von Martin Sellner genutzt und ausgestaltet wird, als verfassungswidrig erklärt hat und sich dazu unter anderem auch ausgiebig mit Medien wie „Correctiv“ auseinandergesetzt hat. Nun ist es so, dass seitens der AfD-Führung beispielsweise Veranstaltungen, die von AfD-Mitgliedern organisiert werden unter Teilnahme von Martin Sellner, „zurückgepfiffen“ werden. Das jüngste Beispiel war eine Veranstaltung mit der Landtagsabgeordneten Lena Kotré, die aber zumindest noch genügend Courage besaß, wenigstens einer derartigen Veranstaltung als Gast beizuwohnen. Zu den Ausführungen Dr. Maximilian Krahs, welche in ihrer Konsequenz in einer „Balkanisierung“ der Bundesrepublik münden, hört man jedoch keine „Rufe zur Raison“ aus den Reihen der Parteiführung, wodurch der Eindruck entstehen kann, dass Krah inhaltlich zumindest für die Führung der AfD spricht. Verfolgen Sie diesen Konflikt und wenn ja, wie bewerten Sie ihn? Das Remigrationsthema ist Ihnen augenscheinlich auch eine wichtige Angelegenheit. Immerhin haben Sie ihm einen ganzen Roman gewidmet („Was wir lieben mußten“ 2021, Arnshaugk Verlag), dessen Entstehung Sie auch das Kapitel „Der Roman der Remigration“ im aktuellen Buch widmen.
Werner Bräuninger: Wie erwähnt habe ich keinen direkten Einblick in die Diskussionen innerhalb der Partei und bin hier, wie nahezu jeder, von dem abhängig, was medial hierüber zu erfahren ist. Mir war aber bereits nach dem Gespräch Krah-Kubitschek vom Juni letzten Jahres in Schnellroda sofort klar, daß der erstere hier einen völlig anderen Weg einschlagen will. Sollte der Kontakt Krahs zu „Correctiv“ überdies zutreffen, dann ist das in meinen Augen Feindberührung und Parteiverrat. Das Ende staatlicher Assimilationspolitik zu fordern und vielleicht von einem Vielvölkerstaat Habsburger Prägung zu schwärmen, löst kein einziges Problem. Schon gleich gar nicht, wenn man auf ehemalige Mitstreiter eindrischt, um selbst leichter am Katzentisch Platz zu nehmen und „mitspielen“ zu dürfen. Für mich ist das eine Kapitulation vor der eigentlichen Schlacht. Und wer tatsächlich glaubt, daß ein solcher Sinneswandel vom System honoriert wird, geht gehörig in die Irre. Kickl und die FPÖ scheinen mir in dieser Frage doch weitaus entspannter und auch phantasievoll-kreativer zu sein. Es kann doch nur darum gehen, endlich einmal den Anfang zu machen und das anzupacken, was heute bereits mit Leichtigkeit durchführbar wäre, nämlich Minuszuwanderung, Kriminelle, Illegale und die über zwei Millionen fremden Ausreisepflichtigen mit äußerster Konsequenz abzuschieben, Clans auszuheben, ihnen die finanzielle Grundlage zu entziehen und sie hart abzuurteilen. Nach japanischem Beispiel sollten per Gesetz Quoten für fremde Ethnien festgelegt werden und Kopftuch, Burka und Niqab ganz allmählich aus dem deutschen Straßenbild verschwinden. Weiter wäre ein sofortiger Stopp des Familiennachzugs und die drastische Streichung von Sozialleistungen zu veranlassen. Das Signal an alle, die bei uns Einlass begehren, kann nur lauten „Rundumsorglos-Schalter für alle Zeit geschlossen!“. Nicht zuletzt zeigt uns doch gerade die woke Nomenklatura ständig, daß auch im Grundgesetz nach Belieben herumkorrigiert werden darf. Hiervon sollten wir lernen und zum Wohle Deutschlands davon Gebrauch machen, wenn es soweit sein wird. Wir dürfen keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß wir nicht spielen und es ernst meinen. Ob das nun alles eher in das Sellnersche- oder zu Krahs Konzept passt, ist mir im Grunde völlig gleichgültig, denn Gefahr ist unmittelbar im Verzuge. Niemand weiß, wo der Migrantenzug des 21. Jahrhunderts einmal sein Ende nehmen wird, wenn die wahnsinnigen EU-Freimaurer und vor allem ihre deutschen Entsatzheere ihr destruktives Werk fortsetzen dürfen. Alles aber ist umkehrbar, wenn wir selbst es w o l l e n.
MetaPol: Geopolitisch überschlagen sich im Moment die Ereignisse. Ein wesentliches Zeichen für diese globalen Unruhen sind unter anderem die galoppierenden Edelmetall- oder insgesamt „hard asset“ Preise. In ihrem Kapitel „Verlorene Außenpolitik“ wagen Sie eine Prognose, welche zukünftigen Visionen und Forderungen in den geopolitischen Großräumen entstehen könnten. So erwähnen Sie das in den USA „irgendeine Einheit mit Kanada und Grönland zu einem Großamerika“ favorisiert werden könnte. Sie nehmen auch Bezug auf den Gedanken eines „Groß-Israel“ unter Einbezug der arabischen Gebiete sowie Erdogans Vision einer „Großtürkei“ und auch Chinas Anspruch auf Taiwan wird erwähnt. Insbesondere mit der Grönlandaussage liegen Sie damit, obwohl das Buch bereits vor einigen Monaten erschien, absolut „im Trend“ der Medienberichterstattung. Wie bewerten Sie derzeit diese politischen Entwicklungen und insbesondere die Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump zu Grönland? Vereinfacht gefragt: Gehört Grönland aus Ihrer Sicht zu Europa und verdiente einen Einsatz der Bundeswehr im Falle eines Falles (von den Möglichkeiten eines solchen mal ganz abgesehen)?
Werner Bräuninger: Die Forderung Trumps ist ja nicht neu und wurde bereits vor Jahren von ihm erhoben. Sein Engagement in Grönland besteht aus einem Dreiklang von militärstrategischen Gründen, dem Wunsch nach ungehindertem Zugriff auf die dortigen Rohstoffvorkommen und dem verstärkten Einfluss des US-Kapitals, eine Richtung, in die Trump offensichtlich vor allem von dem milliardenschweren Kosmetikmogul Ronald Lauder, im „Nebenberuf“ Präsident des „Jewish World Congress“, gedrängt wurde. Die USA, so Trump, bräuchten Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, da es „von russischen und chinesischen Schiffen übersät“ sei. Da auch er ganz sicher „kein Sammler von Wüsten“ sein will, ein Wort, mit dem Benito Mussolini am Vorabend des Abessinienkrieges spöttisch auf internationale Kritik reagierte, wird sich der US-Präsident ohnehin nehmen, was ihm beliebt. Daß Grönland „ein Teil Europas“ sein soll, habe ich zugegebenermaßen erst aus den Berichten bundesdeutscher „Qualitätsmedien“ erfahren. Daher will ich nur ein Bismarck-Zitat abwandeln: „Grönland ist mir nicht die gesunden Knochen eines einzigen brandenburgischen Grenadiers wert“.
MetaPol: Daß Sie in vielen Themengebieten zuhause sind sowie auch in der Wahl der Gattung wandlungsfähig sind, haben Sie durch Ihren Roman, aber auch eine fiktive Erzählung sowie das Bearbeiten verschiedener historischer wie alltagspolitischer Themen bewiesen. Ein kleiner Ausblick für den Leser: Was kann man noch von Ihnen erwarten?
Werner Bräuninger: In normalen Zeiten könnte ich mich ausschließlich weiterhin historischen Studien und Arbeiten widmen, doch heute geht es um Sein oder Nichtsein unseres Volkes und unserer Nation, so daß der Schwerpunkt leider ein anderer sein muß. Dennoch will ich in Kürze noch einen Nachtrag von etwa 100 Seiten zu meinem Buch „Charisma und Dämonie“ veröffentlichen. Außerdem plane ich irgendwann noch einen kleinen Gedichtband vorzulegen; da ist über die Jahre immer mal wieder etwas entstanden, von dem ich allerdings nicht weiß, ob es veröffentlichungswürdig ist. Nicht zuletzt beabsichtige ich, wie im Nachwort der doch eher persönlich-autobiographischen „Minenfelder“ angekündigt, diesen noch einen zweiten, tieferen und mehr programmatischen Teil hinzuzufügen, doch ist dies erst einmal nichts als Zukunftsmusik.
MetaPol: Abschließend eine persönliche Frage: Sie schildern in Ihrem Buch auch ihre vielfachen Reisen, die Sie getätigt haben, bspw. in den asiatischen Raum. Durch eine günstige familiäre Konstellation waren Ihnen hier scheinbar gute Meilenkontingente vergönnt, wie Sie schreiben. Gibt es heute für Sie noch einen Sehnsuchtsort? Einen Ort, an den Sie entweder gern zurückkehren würden oder den Sie noch unbedingt besuchen möchten? Und welchen Ort muß man aus Ihrer Sicht als Rechter besucht haben?
Werner Bräuninger: Reiseziele oder gar Urlaube sollte man nicht nach politischem Gusto aufsuchen oder planen, so finde ich, sondern nach dem Herzen. Die von Ihnen genannten Aufenthalte sind lange her und in die Ferne zieht mich heute nichts mehr. Zurückkehren würde ich gerne wieder mal nach Florenz oder in das Tessin. Auch Skandinavien ist für mich noch eine völlige Terra incognita und Madrid kenne ich ebenfalls nicht. Gerne möchte ich auch noch die Wege in Turin wiederholen, die Nietzsche dort einst ging, freilich ohne anschließend gleichfalls dem Wahnsinn zu verfallen.
MetaPol: Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch wurde am 31. Februar 2026 gezeichnet. Erwerben Sie Werner Bräuningers Buch „In Minenfeldern“ bei uns im Shop.
In Minenfeldern – Als deutscher Autor in der Inneren Emigration
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