{"id":969,"date":"2018-01-02T20:39:14","date_gmt":"2018-01-02T19:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=969"},"modified":"2020-02-03T18:55:56","modified_gmt":"2020-02-03T17:55:56","slug":"das-intermarium-projekt-und-dessen-auswirkungen-auf-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/das-intermarium-projekt-und-dessen-auswirkungen-auf-europa\/","title":{"rendered":"Das Intermarium-Projekt und dessen Auswirkungen auf Europa"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 14pt;\">Der nachfolgende Text stellt die Meinung des Autors dar und kann daher in Teilen von den Ansichten der Redaktion abweichen.<\/span> <\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">In <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/2017\/02\/10\/das-intermarium-projekt-eine-geopolitische-idee-fuer-die-spaltung-europas\/\">einem vorherigen Beitrag<\/a> habe ich mich mit dem Thema <em>Intermarium<\/em> befasst. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt;\"> Meine Absicht war es, den Lesern die Geschichte und den politisch-ideologischen Hintergrund dieser geopolitischen Idee zu pr\u00e4sentieren. Das Intermarium an sich, als ein polnisches, nationalistisches, aber zu gleichen Zeit auch ein multilaterales geopolitisches Projekt, braucht tiefere und weitere Analysen. Neben dem Intermarium schreibe ich auch kurz \u00fcber den Irakkrieg von 2003 und wie dieser Konflikt im Nahen Osten einen neuen geopolitischen Prozess in Europa ausgel\u00f6st hat, der sich erst heute entfesselt.<\/span><\/p>\n<h2>Gemeinsame polnisch-amerikanische Interessen<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der Irakkrieg in 2003 und die Destabilisierung des Nahen Ostens durch den amerikanischen Angriff verursachten zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges eine Spaltung zwischen den f\u00fchrenden NATO-Koalitionspartnern: der USA auf der einen und Frankreich sowie Deutschland auf der anderen Seite. Der Konflikt im Irak und das milit\u00e4rische Abenteuer der US-Soldaten im Nahen Osten wurden in Paris und Berlin kritisch be\u00e4ugt. Die damaligen Regierung der beiden L\u00e4nder weigerten sich, aktiv in den Konflikten mitzumischen. F\u00fcr die f\u00fchrenden Geostrategen in den USA war diese Verweigerung Deutschlands und Frankreichs ein klares Zeichen, dass die USA andere Alternativen und B\u00fcndnisse suchen muss. Die zwei europ\u00e4ischen Wirtschaftsm\u00e4chte waren und sind auch heute immer noch die wichigsten Partner der Vereinigten Staaten, doch die Beziehungen sind weit davon entfehrnt, ideal zu sein. Zu der Zeit, als der Irakkrieg anfing, waren die zehn Nationen (Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei, Estland, Litauen, Lettland, Malta, Zypern, Slowenien) aus Zentral-Osteuropa einen Schritt vor dem Eintritt in die Europ\u00e4ische Union. In 1999 wurden die einstigen Warschaupakt-Staaten Ungarn, Polen und die Tschechische Republik zu Mittgliedern des NATO-Paktes. Der Irakkrieg war die erste gro\u00dfe Pr\u00fcfung und f\u00fcr die Regierungen dieser L\u00e4nder das perfekte Szenario, in dem sie aktiv ihre Loyalit\u00e4t den Vereinigten Staaten beweisen konnten. Die Verweigerung Deutschlands und Frankreichs, sich aktiv in den Konflikt einzumischen, gab der polnischen F\u00fchrung die M\u00f6glichkeit, eine aktive Rolle in dem Konflikt zu spielen und die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu vertiefen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die bis 2003 f\u00fcr Amerika weniger bedeutenden L\u00e4nder in Zentral-Osteuropa wurden schnell zu Priorit\u00e4tspartnern.In den Jahren danach entwickelten amerikanische und polnische Geostrategen neue geopolitische Ideen und Programme, die heute Schritt f\u00fcr Schritt realisiert werden. <\/span><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Schl\u00fcsselrolle spielt das amerikanische geopolitische und au\u00dfenpolitische B\u00fcro Stratfor. Stratfor ist eine private, aber durch das amerikanische Steuergeld finanzierte au\u00dfenpolitische Plattform im Auftrag der US-Regierung. Der Gr\u00fcnder Stratfors, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ywrjTZrEgF4\">George Friedman<\/a> in Zusammenarbeit mit der US-Regierung und der Regierung aus Warschau, arbeitet seit mehr als zehn Jahren daran, das Intermarium-Projekt zu realisieren. Doch was steht hinter diesem Projekt und warum ist es so wichtig? Im Februar 2016 hielt Stratfor-Gr\u00fcnder George Friedman eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z5SjPLJOjqc\">\u00f6ffentliche Rede<\/a> vor den Medien, in der er das Hauptziel der amerikanischen Au\u00dfenpolitik kommentierte: \u201e<em>Das Hauptinteresse der US-Au\u00dfenpolitik w\u00e4hrend des letzten Jahrhunderts im Ersten und Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Vereint sind sie die einzige Macht, die uns (Amerika) bedrohen kann. Unser Hauptinteresse war sicherzustellen, dass dieser Fall nicht eintritt<\/em>.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Beziehungen zwischen Polen und den Vereinigten Staaten werden auf gemeinsamen Interessen aufgebaut. Polens Ern\u00fcchterung nach Jahrzehnten kommunistischer Diktatur und der neuerrungenen Unabh\u00e4ngigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion resultierte in einer Mobilisierung der polnischen staatlichen Elite und der Konsolidierung polnischer nationaler Interessen. Das Hauptinteresse Warschaus ist die politische und milit\u00e4rische Sicherung Polens sowie ein schnelles Wirtschaftswachstum. Beide Ziele wollen verwirklicht sein durch eine enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Die polnische Au\u00dfenpolitik in Europa ist nach dem Eintritt in die EU darauf fokussiert, ein Investitionsziel zu sein und somit die Wirtschaftsstabilit\u00e4t Polens zu sichern. Polen ist eines der EU-L\u00e4nder, die am meisten F\u00f6rderungsgelder beantragen und zugleich genehmigt bekommen. Daraus resultieren aber auch gro\u00dfe Nachteile. Wirtschaftlich ist das Land abh\u00e4ngig von Br\u00fcssel und Deutschland, als zwei der gr\u00f6\u00dften Investitionspartner. Die Industrie in Polen basiert zu einem gro\u00dfen Teil auf Zusammenarbeit mit deutschen Konzernen, die auch in Polen ihre Betriebe aufgebaut haben. Was Energie und Rohstoffe betrifft, ist Polen komplett von Russland abh\u00e4ngig. Die polnisch-russischen Beziehungen waren nie sehr gut, und die Warschau-Washington Politik scheint einen Dialog und eine Entspannung zwischen Moskau und Warschau unm\u00f6glich zu machen. Obwohl die zwei Staaten gut aufgebaute Kontakte haben, scheint eine Politik des Vertrauens unm\u00f6glich zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Vertrauen und Kooperation zwischen Berlin und Moskau dagegen werden mit der Zeit intensiver und immer deutlicher, was in Warschau und Washington f\u00fcr Unruhe sorgt. Die starke amerikanische Lobby und der ideenlose <em>Mainstream<\/em> in Berlin sind auch leider unf\u00e4hig, die offensichtlich vielversprechenden Beziehungen und gro\u00dfen Potenziale Russlands positiv auszunutzen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt;\"> Eine Vertiefung der deutsch-russischen Beziehungen w\u00fcrde das Ende der EU-Politik bedeuten und zugleich ein Tabu-Thema auf den Tisch bringen, das in der deutschen Politik nie angesprochen wird: Die Frage nach der deutschen Souver\u00e4nit\u00e4t. Ein politisch impotentes Deutschland, das seine politische und wirtschaftliche Kraft und Kapazit\u00e4t auf die St\u00e4rkung der EU-F\u00f6deration richtet, anstatt auf ihre eigenen nationalen Interessen, kann einen politischen Wandel innerlich aber auch \u00e4u\u00dferlich nicht hervorbringen. Ein gro\u00dfes Problem Deutschlands ist die offene milit\u00e4rische Besatzung, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Kontinuit\u00e4t darstellt. Die russisch-deutschen Beziehungen sind stark sp\u00fcrbar im politischen \u201eUntergrund\u201c \u2013 meistens sind es deutsche patriotische und rechte Organisationen, Parteien und individuelle Personen, die auf verschiedenen Ebenen mit Russland politischen oder wirtschaftlichen Kontakt suchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Von der russischen Seite her kamen auch offene Vorschl\u00e4ge der Zusammenarbeit gen Berlin, doch aus schon erw\u00e4hnten Gr\u00fcnden werden diese gekonnt ignoriert. In Polen wird die deutsch-russische politische Interaktion genau beobachtet. Historisch gesehen betrachtet Polen Russland und Deutschland als Konkurrenz, in Teilen sogar als feindlich. Die Furcht von einer deutsch-russischen Zusammenarbeit oder auch einer zuk\u00fcnftigen Allianz ist gro\u00df. Wenn man in die Geschichte blickt, ist es nicht schwer zu verstehen, wieso Polens Sorgen so gro\u00df sind. Es ist auch aus polnischer Sicht legitim, das Land sch\u00fctzen zu wollen um seine eigene Souver\u00e4nit\u00e4t zu erhalten, doch eine Zusammenarbeit mit dem Welthegemon, der Westeuropa in den Abgrund schiebt, sollte nicht der Weg sein um diese legitimen Ziele zu verwirklichen. Europa braucht Einigkeit und Zusammenarbeit.<\/span><\/p>\n<h2>Eine Alternative<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Das Intermarium ist und bleibt aber das Hauptprojekt und Ziel der polnischen und amerikanischen Strategen. Polens Wunsch, sich als Regionalmacht in Mittel-Osteuropa zu etablieren, soll mit der finanziellen und milit\u00e4rischen Hilfe der Vereinigten Staaten Wirklichkeit werden. Doch das Intermarium (<em>Zwischenmeerraum<\/em>) ist nicht nur Polen. Das Intermarium soll alle L\u00e4nder vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer und der Adria zusammenf\u00fcgen. Eine Alternative zur EU mitten in der EU. Ein fast politisches Paradox. Die Auswirkungen der Formierungen des Intermariums w\u00fcrden f\u00fcr Deutschland und Europa schwere Konsequenzen haben. Meistens wirtschaftlich, aber auch geopolitisch wird Westeuropa isoliert. Das Intermarium ist eine Pufferzone zwischen Deutschland und Russland. Wenn das Intermarium politische Realit\u00e4t sein sollte, wird eine deutsch-russische Zusammenarbeit fast unm\u00f6glich sein. Die \u00d6konomie spielt dabei eine gro\u00dfe Rolle. Mit der Formierung des Intermariums wird es Russland schwer haben, Rohstoffe nach Westeuropa zu liefern. Der sogenannte <em>Nordstream 2<\/em>, den die polnischen Politiker als einen zweiten Molotov-Ribbentrop-Pakt bezeichnet haben, wird nicht genug sein, um Deutschland und den Westen mit Gas zu versorgen. Das Intermarium an sich wird wirtschaftlich von Amerika abh\u00e4ngig sein. Schon jetzt wird besprochen, dass die EU und Washington LNG Gasterminals finanzieren wollen in den L\u00e4ndern, die Teil des Intermariums sein sollen. Kroatien soll das Hauptzentrum der Gasversorgung sein. Auf der Adriak\u00fcste soll das gr\u00f6\u00dfte LNG Terminal S\u00fcdeuropas aufgebaut werden, welches amerikanisches \u00d6l und Gas speichern und weiter in die L\u00e4nder des Intermariums liefern soll. So will man Polen und Europa zwischen Deutschland und Russland unabh\u00e4ngig von den zwei Staaten machen, doch daf\u00fcr abh\u00e4ngig von Amerika, die ihre Rohstoffe viel teurer in den L\u00e4ndern verkaufen werden, die Teil des Intermariums sein sollen. Ein weiteres LNG Terminal f\u00fcr Erdgas ist auch in Danzig geplant.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die gro\u00dfe Frage ist, welche Alternativen haben Europa, Deutschland, Polen und Russland? <\/span><span style=\"font-size: 14pt;\">Das Hauptproblem Europas ist, dass Deutschland als einflussreichste und f\u00fchrende Wirtschaftskraft keine politische Souver\u00e4nit\u00e4t hat. Zu einer positiven Entwicklung kann es nur kommen, wenn in Deutschland ein politischer Wandel vollzogen wird. Eine Abbrechung der Br\u00fcssel-Politik ist notwendig und eine national-orientierte Politik muss zum Schwerpunkt werden. Deutschland, Europa und Russland k\u00f6nnen zusammen den offensichtlich sch\u00e4dlichen amerikanischen Einfluss auf unseren Kontinent beenden und eine feste, sichere und langfristige Union bilden, die unsere Souver\u00e4nit\u00e4t, Kultur, Selbstst\u00e4ndigkeit und ethnische Identit\u00e4t sichern kann, mit unbegrenzten wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten. In der gesamten europ\u00e4ischen Geschichte gab es nie so viel Verlangen nach einem vereinten Europa wie heute. Auch Polens Anspr\u00fcche und Bed\u00fcrfnisse sollen akzeptiert werden. Der Schl\u00fcssel zu Frieden und Kooperation in Europa soll eine Politik der offenen Zusammenarbeit sein, nicht eine f\u00fcr Europa sch\u00e4dliche Politik, die einem bestimmten Staat Vorteile bringt und den Rest des Kontinents daf\u00fcr bezahlen l\u00e4sst. So eine Politik kann nur mit neuen Konflikten und potenziellen Kriegen in der Zukunft resultieren, aus denen kein europ\u00e4isches Land etwas Gutes erben w\u00fcrde, nur die Feinde Europas. Eine konkrete geopolitische Alternative zu EU, NATO und dem Intermarium <\/span><span style=\"font-size: 14pt;\">bietet der russische Philosoph und Geostratege Alexander Dugin mit seinem Konzept des Euroasianismus und der \u201evierten politischen Theorie\u201c. Es gilt sich dieser k\u00fcnftig zu widmen, sie ausgiebig zu studieren und in einem europ\u00e4isch-asiatischen Kontext zur Debatte zu stellen.<br \/>\n<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Text stellt die Meinung des Autors dar und kann daher in Teilen von den Ansichten der Redaktion abweichen. In einem vorherigen Beitrag habe ich mich mit dem Thema Intermarium befasst. Meine Absicht war es, den Lesern die Geschichte und den politisch-ideologischen Hintergrund dieser geopolitischen Idee zu pr\u00e4sentieren. 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