{"id":896,"date":"2017-11-12T09:30:09","date_gmt":"2017-11-12T08:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=896"},"modified":"2020-02-03T18:26:43","modified_gmt":"2020-02-03T17:26:43","slug":"was-wir-von-nietzsche-lernen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/was-wir-von-nietzsche-lernen-koennen\/","title":{"rendered":"Was wir von Friedrich Nietzsche lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 20pt;\"><b>Die Aristokratie des Geistwillens als Grundlage neuer, gesellschaftsdienlicher Politik unter Betrachtung nietzscheanischer Denk- und Handlungsweisen<\/b><\/span><\/h2>\n<blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt; color: #000000;\">\u201eDie Demokratie repr\u00e4sentiert den Unglauben<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt; color: #000000;\">an gro\u00dfe Menschen und an Elite-Gesellschaft.\u201c<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><span style=\"font-size: 8pt; font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">-Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 1884-<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><span style=\"font-size: 8pt; font-family: georgia,palatino,serif;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Was bezweckt, was denkt und meint einer der gr\u00f6\u00dften Philosophen des 19. Jahrhunderts mit einer derart gegen den Zeitgeist gerichteten Aussage? Ich m\u00f6chte mich mit dem geneigten Leser auf eine Reise begeben, gemeinsam Begriffe nivellieren, die durch die dekadente Gegenwart in eine Negativbedeutung fielen, sie wertfrei betrachten und mit diversen Zitaten Nietzsches und ihrer Interpretation zur Begr\u00fcndung der \u00dcberschrift kommen, Licht leuchten, wo Motten des Liberalismus sich an das schw\u00e4chelnde Licht der Gleichheit und des Triebwillens klammern und den Weg zu verdunkeln gedenken.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Die Aristokratie des Geistwillens also soll die Handlungsmaxime k\u00fcnftiger Politik und Metapolitik zur Umwertung der Werte sein. Die Aristokratie, griechisch f\u00fcr die Herrschaft der Besten, oder wie Cicero beschrieb \u201ecivitas optimatum\u201c, ist f\u00fcr den Autoren ein Weg, die Idee, dass Herrschaft nicht von einer vollkommen heterogenen Masse bestimmt werden kann, sondern naturgem\u00e4\u00df den am besten Geeigneten obliegt. Diese Eignung liegt nat\u00fcrlich im Auge des Betrachters, doch w\u00e4re die Handlung nach Nietzsche vollkommen verkl\u00e4rt, w\u00fcrde man sie den Nicht-H\u00f6renden entgegnen wollen. Den Epikurern, den Epiktischen, m\u00f6gen diese Schriften einer Ketzerei gleichen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Das Leben nach dem Geistwillen beschreibt a priori in seiner Vollkommenheit ein Leben nach der Pflicht. Nicht das Schuldig-sein zwingt zur Handlung, sondern das innere Gef\u00fchl, genau so sei es richtig. Die Verantwortung wird zur Freude und das Handeln steht jedem gesprochenen, geschriebenen oder gesungenen Worte \u00fcber.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">\u201eIm \u00dcbrigen habe ich den Glauben, dass wir nicht<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">geboren sind um gl\u00fccklich zu sein, sondern unsere<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">Pflicht zu tun; wir wollen uns segnen, wenn wir<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">wissen, wo unsere Pflicht ist.\u201c<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">-Friedrich Nietzsche an Carl von Gersdorff, 1872-<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span class=\"Absatz-Standardschriftart1\" style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Ich komme also f\u00fcr mich zur Erkenntnis, dass der Mensch durch die Erf\u00fcllung der Pflicht wahrlich zur Freiheit findet, nicht dem flachen Gef\u00fchl kurzzeitiger Luststimulation, sondern einer tief tranzendentalen Dialektik, die nun eine der Masse dienende Funktion einnehmen muss, denn jede Aristokratie w\u00fcrde Despoten hervorrufen, w\u00e4re ihr Handeln nicht denen dienlich, die dienen. Eine jede Herrschaft muss fallen, obliegt die Moral der Herrschenden nicht dem kategorischen Imperativ (Immanuel Kant, <b><em>\u201eHandle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten k\u00f6nne.\u201c<\/em>, <\/b>Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1785). Auch dies stellt einen Ansatz zur Umwertung der Werte dar, sind derartige Grunds\u00e4tze im heutigen Herrscher-Eintagsschwarm schlichtweg nicht mehr durchzuf\u00fchren und bed\u00fcrfen somit der grundlegenden Neuordnung, nicht der Ver\u00e4nderung. Der heutigen Regentschaft ist es der aufgrund der Oligarchie hervorrufenden Demokratie und der damit einhergehenden politischen Kurzlebigkeit nicht m\u00f6glich, Charaktere zu bilden, die dem kategorischen Imperativ folgen, eher gleicht sie einer blind umhergehenden Masse taubstummer, glatter, undramatischer Werbegesichter, die nach K\u00f6nnen der Marktforscher, mal Dieses, mal Jenes Produkt den konsumgierigen Kleingeistern anbietet, die nat\u00fcrlicherweise den aktuellen Bed\u00fcrfnissen die h\u00f6chste Gewichtigkeit zusprechen. Man kann es wohl mit umgem\u00fcnzten Worten Nietzsches aus Also sprach Zarathustra, <em>\u201eGott ist tot, es lebe der \u00dcbermensch\u201c<\/em> zu <em>\u201eDie Politik ist tot, es lebe die Metapolitik\u201c<\/em> umformulieren, um den Nihilismus und die Plutokratie nicht als das Ende zu sehen, sondern den Neuanfang, den Grundlagen des dritten Jahrtausends.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"Absatz-Standardschriftart1\" style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Die Politik darf nicht LeBon\u00b4schen Grunds\u00e4tzen folgen (Psychologie der Massen, 1895). Wahre Politik ist kein Markt und der Konsument darf nicht fehlgeleitet werden, Politik muss im Sinne Johann Wolfgang von Goethe verstanden werden, der schrieb: <em>\u201eWir brauchen in unserer Sprache ein Wort, das wie Kindheit sich zum Kind verh\u00e4lt, so das Verh\u00e4ltnis Volkheit zum Volk ausdr\u00fcckt. Der Erzieher (Regent, Anm. d. Autors) mu\u00df die Kindheit h\u00f6ren, nicht das Kind. Der Gesetzgeber und Regent die Volkheit, nicht das Volk. Jene spricht immer dasselbe aus, ist vern\u00fcnftig, best\u00e4ndig, rein und wahr. Dieses wei\u00df niemals vor lauter Wollen, was es will. Und in diesem Sinne soll und kann das Gesetz der allgemein ausgesprochene Wille der Volkheit sein, ein Wille, den die Menge niemals ausspricht, den aber der Verst\u00e4ndige vernimmt und den der Vern\u00fcnftige zu befriedigen wei\u00df und der Gute gern befriedigt.\u201c<\/em> (aus: \u201eWilhelm Meisters Wanderjahre\u201c, 3. Buch im Kapitel \u201eAus Makariens Archiv\u201c).<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Warum, fragt sich sicher der Leser, \u00fcberleite ich meine Gedanken immer wieder in die Politik? Nun, es liegt mir fern, dass der gewillte Charakter, Der, der Willens ist, der Gemeinschaft dienlichen Machtwillen zu leben, vom \u201eequo consilium\u201c getreten wird, nur weil er unwissend wagte, es von hinten aufzuz\u00e4umen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 14pt;\">Das politische Geschehen muss von metapolitischen Grunds\u00e4tzen und Anschauungen geleitet werden, andernfalls verf\u00e4llt es, wie aktuell und geschichtlich beschrieben, der Marktwirtschaft der Politik. Geschieht dies nicht, hat das eigene Wirken keine Folge mehr, wer blind am Symptom herumpfuscht, wird nicht die Ursache ergr\u00fcnden k\u00f6nnen. Jener wird, vielleicht trotz guten Willens, unter die R\u00e4der eines Streitwagens kommen, den man wagte, zu Fu\u00df auf freiem Feld entgegen zu treten, einer Flur, die der Andere vortrefflich beherrscht, w\u00e4hrend man selbst auf diesem Weg zwangsl\u00e4ufig versagen muss.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">&#8222;Der freigewordene Mensch,<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">um wie viel mehr der freie Geist,<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">tritt mit F\u00fc\u00dfen auf die ver\u00e4chtliche Art von Wohlbefinden,<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">von dem Kr\u00e4mer, Christen, K\u00fche, Weiber, Engl\u00e4nder und andere Demokraten tr\u00e4umen. Der freie Mensch ist Krieger.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">Wonach misst sich die Freiheit, bei Einzelnen wie bei V\u00f6lkern?<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">Nach dem Widerstand, der \u00fcberwunden werden muss,<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000;\">nach der M\u00fche, die es kostet, oben zu bleiben.&#8220;<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #000000; font-size: 14pt;\">-Friedrich Nietzsche, G\u00f6tzen-D\u00e4mmerung oder: Wie man mit dem Hammer philosophiert, 1889-<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: black; font-size: 14pt;\">Es ist nun also gesprochen worden<a name=\"_GoBack\"><\/a>, was auch den eigenen Ma\u00dfstab ausmacht. Nicht zum Befehlsempf\u00e4nger spreche ich, sondern zu dem Menschen, der seinen Geistwillen ergr\u00fcnden kann und mit k\u00f6rperlicher Wohlgeratenheit symbiotisch verbinden kann. Denn was n\u00fctzt dem Sklaven des Triebwillens ein starker K\u00f6rper, wenn er Sklave lustgetriebener Begierden ist? Und was n\u00fctzt es umgekehrt, stur zu lesen und sich auf diese eine Eignung zu verlassen, w\u00e4hrend man mit kleinem K\u00f6rper und glatter Haut niemals eine tragische Gestalt werden kann, die als Vorbild anderen leuchten kann, weil er stehts etwas mehr h\u00e4lt, als er verspricht.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: black;\">-Ziel erkannt, Kr\u00e4fte gespannt-<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: black;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; color: #663300;\">\u00a0<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aristokratie des Geistwillens als Grundlage neuer, gesellschaftsdienlicher Politik unter Betrachtung nietzscheanischer Denk- und Handlungsweisen \u201eDie Demokratie repr\u00e4sentiert den Unglauben an gro\u00dfe Menschen und an Elite-Gesellschaft.\u201c -Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 1884- \u00a0 Was bezweckt, was denkt und meint einer der gr\u00f6\u00dften Philosophen des 19. 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