{"id":8891,"date":"2022-09-21T14:47:53","date_gmt":"2022-09-21T12:47:53","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=8891"},"modified":"2022-09-21T14:47:53","modified_gmt":"2022-09-21T12:47:53","slug":"alexander-markovics-eine-revolutionaere-antwort-auf-den-transatlantismus-die-eurasische-mission-alexander-dugins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/alexander-markovics-eine-revolutionaere-antwort-auf-den-transatlantismus-die-eurasische-mission-alexander-dugins\/","title":{"rendered":"Alexander Markovics – Eine revolution\u00e4re Antwort auf den Transatlantismus: Die Eurasische Mission Alexander Dugins"},"content":{"rendered":"

In Anbetracht der derzeitigen Krisen, die Europas Staaten fest im Griff halten, stellt sich vielen vorausdenkenden Europ\u00e4ern auch die Frage nach der geopolitischen Zukunft des Kontinents. Eine leidenschaftliche Argumentation f\u00fcr eine starke Verbindung mit Russland, f\u00fchrt bekanntlich Alexander Markovics. So auch im folgenden Artikel, in dem er die Felder der Gesellschafts- sowie Geopolitik und deren jeweilige polaren Gegens\u00e4tze erl\u00e4utert.<\/em><\/p>\n

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Europa leidet unter seiner Bindung an die USA und die westliche Wertegemeinschaft. Weder in Hinblick auf seine Identit\u00e4t (Masseneinwanderung, Individualismus, Genderpolitik) noch auf seine Wirtschafts- und Energiepolitik (Russlandsanktionen) bietet die enge Bindung an die USA und den Liberalismus Europa eine Zukunft. Doch wie kann eine revolution\u00e4re Alternative zur \u201cNew World Order\u201d und der Globalisierung aussehen? Mit seinem Buch \u201cEurasische Mission\u201d legt der russische Philosoph Alexander Dugin einen revolution\u00e4ren Gegenentwurf zur westlichen Weltordnung vor, der auch f\u00fcr Deutschland und Europa eine hoffnungsvolle Zukunft verspricht. Im Folgenden sollen die wichtigsten Gedanken Dugins in diesem Buch dargelegt und festgestellt werden, ob das Buch auch f\u00fcr Patrioten in Deutschland von Interesse ist.<\/p>\n

Eurasische Mission \u2013 eine Alternative zum Transatlantismus<\/strong><\/p>\n

In der nun auf Deutsch vorliegenden \u00dcbersetzung des bereits 2014 auf Englisch erschienen Werkes schildert Dugin einerseits die Entwicklung der Eurasischen Idee beginnend mit dem Eurasismus in der Zwischenkriegszeit \u00fcber den Neo-Eurasismus gegen Ende der Sowjetunion bis hin zur Vierten Politischen Theorie Ende der 2000er Jahre, andererseits legt er dar, warum dieser eine Alternative zum Transatlantimus nicht nur f\u00fcr Russland, sondern auch f\u00fcr die anderen Zivilisationen der Welt darstellt. Die f\u00fcr dieses Buch zusammengestellten Texte erstrecken sich \u00fcber einen langen Zeitraum von Anfang der 2000er Jahre (Manifest der globalen revolution\u00e4ren Allianz) \u00fcber die sp\u00e4ten 2000er bis fr\u00fchen 2010er Jahre (Texte zur Vierten Politischen Theorie, Interview mit Dugin kurz vor Putins Wiederwahl 2012) bis 2022 (siehe seine Texte zur russischen Milit\u00e4roperation in der Ukraine). Zudem enth\u00e4lt die deutsche Ausgabe auch ein Vorwort von Peter T\u00f6pfer zum Radikalen Subjekt Dugins, das auf dessen philosophisches Werk verweist. Dies sei hier nur kurz angemerkt, da diese Erl\u00e4uterung in der deutschen Ausgabe fehlt. Dabei gehen die Texte auch einer entscheidenden Frage nach: Was macht den Eurasismus und die Vierte Politische Theorie f\u00fcr Deutschland und Europa zur revolution\u00e4ren Antwort auf den Liberalismus?<\/p>\n

F\u00fcr die Vielfalt der V\u00f6lker, gegen den westlichen Universalismus<\/strong><\/p>\n

Die revolution\u00e4re Natur des Eurasismus offenbart sich darin, dass er den westlichen Universalismus in all seinen Dimensionen ablehnt. Jedes Volk muss in einer Demokratie westlichen Zuschnitts leben? Alle \u00d6konomien sollen den Gesetzen des Freien Marktes und des Kapitalismus gehorchen? Genau diese Vorstellungen werden von den Eurasiern radikal abgelehnt. Dies hat auch viel mit ihrer Entwicklungsgeschichte zu tun: Ankn\u00fcpfend an die Slawophilen, welche den Liberalismus bereits im 19. Jahrhundert ablehnten und eine eigenst\u00e4ndige russische Zivilisation im Abgrenzung zum Westen proklamierten, begannen sich die Eurasier im europ\u00e4ischen Exil der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts nach dem Ende des russischen B\u00fcrgerkriegs Gedanken \u00fcber Russlands Platz in der Welt zu machen. Es waren Hauptvertreter des Eurasismus wie Nikolai Trubetzkoy[1]<\/a>, Petr Savitsky[2]<\/a> und Lew Gumiljow[3]<\/a>, die die vom Westen aufgestellte Forderung geistig von \u201eOsten nach Westen\u201c zu gehen ablehnten und auf ihrer besonderen russisch-eurasischen Identit\u00e4t beharrten, die sie ausdr\u00fccklich nicht nur als Synthese zwischen der ostslawischen und finnischen Kultur, sondern auch der mongolischen und t\u00fcrkischen Lebensart begreifen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Passionarit\u00e4tseffekt zu, der, so Gumiljow, zu einer aktiven und intensiven Lebensweise (der Steppenv\u00f6lker) f\u00fchrt und eine genetische Mutation im Ethnos darstellt, die zur Geburt von Passion\u00e4ren beitr\u00e4gt.<\/p>\n

Die Welt: Kein Universum, sondern ein Pluriversum<\/strong><\/p>\n

Analog zum Vertreter der Konservativen Revolution Oswald Spengler pr\u00e4gten sie dabei den Begriff der Zivilisation, wobei sie darunter nicht etwa eine Verfallsform von Kultur, sondern einen Kulturkreis unter vielen verstehen, zu dem sich verschiedene V\u00f6lker und Kulturen aufgrund von Gemeinsamkeiten in ihrer Geschichte, Kultur, und Religion vereinigen k\u00f6nnen. Im Unterschied zu den westlich-liberalen Denkern des 20. Jahrhunderts, die behaupteten, dass es nur eine westliche Zivilisation g\u00e4be und alle anderen V\u00f6lker Barbaren seien, proklamierten die Eurasier die Pluralit\u00e4t der Zivilisationen und damit ein Pluriversum im Gegensatz zur westlichen Vorstellung eines kulturellen Universums. W\u00e4hrend also die Vorstellung einer einheitlichen \u201eEinen Welt\u201c abgelehnt wird, vertreten sie die Ansicht, dass es im Denken der Menschen genauso viele Welten wie V\u00f6lker gibt, die durch die je eigene Sprache dieser zuerst im Denken erzeugt wird.<\/p>\n

Erde: Der Lebensraum als entscheidender Einfluss bei der Volkswerdung<\/strong><\/p>\n

In R\u00fcckgriff auf die Disziplin der Geosophie stellten die Eurasier fest, dass es kein universelles Muster der menschlichen Entwicklung geben kann, da die Vielzahl der Landschaften auf der Erde auch eine Vielzahl von Kulturen hervorbringt, mit jeweils ihnen eigenen Zyklen, internen Kriterien und einer je ihnen eigenen Logik. Der Lebensraum definiert also das in ihm lebende Volk, die V\u00f6lker werden zum Ausdruck der Landschaft in der sie leben. Dementsprechend pl\u00e4dierten die Eurasier daf\u00fcr, Zivilisationen auch entlang einer r\u00e4umlichen Achse zu analysieren.<\/p>\n

Die Neoeurasier: Eurasismus plus Traditionalismus und Geopolitik<\/strong><\/p>\n

Die Neoeurasier, die ab den sp\u00e4ten 1980er Jahren von sich reden machten und zu deren bedeutendsten Vertretern Alexander Dugin z\u00e4hlt, griffen die Ideen ihrer Ahnen auf und bereicherten diese um das Denken der Konservativen Revolution sowie der Geopolitik. M\u00f6glich wurde das Aufkommen dieser Denkbewegung durch die Erosion der Sowjetunion, die nach dem Ende des Stalinismus innenpolitisch in einem Widerstreit zwischen reformorientierten\/sozialdemokratischen Kr\u00e4ften und konservativ gesinnten Falken gefangen war. Auf den Sieg der reformorientierten Kr\u00e4fte folgte das Auseinanderbrechen der UdSSR und die Entstehung eines russischen Staates, dessen Elite die russische Kultur als etwas fremdes wahrnahm, dass an die westliche Kultur assimiliert werden sollte. Die Neo-Eurasier wiederum konnten sich als eine der st\u00e4rksten oppositionellen Kr\u00e4fte gegen genau diese Eliten etablieren, wobei der Nationalbolschewismus, welcher aus der Zusammenarbeit zwischen ehemaligen konservativen Kadern der KPdSU und konservativ-patriotischen Oppositionellen entstanden war, nur einen Zwischenschritt auf dem Weg zur weiteren Entwicklung des Neoeurasismus darstellte. Carl Schmitt folgend begriffen sie den Kampf zwischen dem Westen und der eurasischen Zivilisation als Auseinandersetzung zwischen fortschrittlich-globalistisch gesinnten See- und konservativ-traditionalistisch gesinnten Landm\u00e4chten. Im Rahmen dieses welthistorischen Konflikts zwischen Land und Meer, k\u00f6nne jeder Staat und Kulturkreis eine Seite w\u00e4hlen. Die Neoeurasier als Gegner der unipolaren Weltordnung und Globalisierung, pl\u00e4dieren an dieser Stelle f\u00fcr die Parteinahme auf Seiten der Landmacht im gro\u00dfen Krieg der Kontinente. Ebenfalls von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr den Neoeurasismus ist schlie\u00dflich die philosophische Denkschule des Traditionalismus mit ihren Vertretern Rene Guenon, Julius Evola und Titus Burckhardt, da diese eine Generalabrechnung nicht nur mit Liberalismus und Kapitalismus, sondern der gesamten Moderne an sich darstellt, die das Primat der Idee und der Religion betont. Folglich handelt es sich beim Neoeurasismus um eine anti-imperialistische, anti-moderne und anti-kapitalistische Ideologie, deren Ziel die Wiederherstellung der traditionellen Lebens- und Denkweise der jeweiligen Zivilisation ist.<\/p>\n

Gro\u00dfraum und Zivilisation als neue Akteure der Geopolitik<\/strong><\/p>\n

Ebenfalls auf Carl Schmitt aufbauen sehen sie nicht den Nationalstaat, sondern den Gro\u00dfraum im Sinne der Zivilisation als Akteur in diesem Kampf an. Die Zukunft des Nationalstaates im Kampf gegen die Globalisierung sieht Dugin drei m\u00f6glichen Entscheidungen entgegengehend:<\/p>\n