{"id":8669,"date":"2022-03-16T11:40:51","date_gmt":"2022-03-16T10:40:51","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=8669"},"modified":"2022-03-16T11:40:51","modified_gmt":"2022-03-16T10:40:51","slug":"dominik-schwarzenberger-putin-der-westen-und-wir-fuer-eine-dritte-position","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/dominik-schwarzenberger-putin-der-westen-und-wir-fuer-eine-dritte-position\/","title":{"rendered":"Dominik Schwarzenberger &#8211; Putin, der Westen und wir \u2013 f\u00fcr eine dritte Position"},"content":{"rendered":"<p><em>Dominik Schwarzenberger bietet in seinem neuesten Artikel jedem die M\u00f6glichkeit, die Konflikt-Ebenen im Ukraine-Krieg, die Person Putin und die Hintergr\u00fcnde seines Handelns nachzuvollziehen. Seine gewissenhafte,infinitesimale Analyse, erlaubt es uns einen ungetr\u00fcbten Blick auf die objektiven Tatsachen zu werfen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Corona-Hysterie zeigt sich der Westen von einer neuen Hysterie erfasst: Putin. Und so wie es Corona-Leugner und Impfverweigerer als Feindbild gibt, werden jetzt \u201ePutin-Versteher\u201c und \u201eRussenfreunde\u201c an den Pranger gestellt. Wieder einmal sind die Gesellschaften des Westens gespalten. Das gilt auch f\u00fcr die v\u00f6llig \u00fcberrumpelte Politische Rechte, die sich gen\u00f6tigt f\u00fchlt, sich zu einer Seite zu bekennen.<\/p>\n<p><strong>Putin und die Politische Rechte Westeuropas<\/strong><\/p>\n<p>Das besonders erb\u00e4rmliche daran ist, dass ehemalige Putin-Fans, die in kitschigen T-Shirts mit Putin-Konterfei posierten und sich diesem h\u00fcndisch andienten, nun opportunistisch die Seiten wechseln. Gar nicht so lange her, tr\u00e4umten so manche solcher Nationalisten von einer russischen Invasion im dekadenten Westen, der man sich bereitwillig zur Verf\u00fcgung stellen wollte<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a>. Das, was offizielle westliche Meinungsmacher Russland vorwerfen, praktiziert der Westen (Kosovo, Farbige Revolten, Arabischer Fr\u00fchling usw.) \u2013 aber eben auch Moskau, nur rechtfertigten die Putin-Verehrer dessen vorgehen (S\u00fcdossetien, Kasachstan). Die heuchlerische selbstgerechte Propaganda funktioniert eben auf beiden Seiten. Denn Putin-Russland war lange so etwas wie ein Modell f\u00fcr die Rechte \u2013 der Gegenentwurf zum moribunden Westen. Es zeigte sich wieder einmal der kurzsichtige Reflex aller Nonkonformisten: Worauf die offiziellen Meinungsmacher einschlagen, muss automatisch die wahrhaftige Seite sein. Inzwischen jedoch werden alte Feindbilder wiederentdeckt: \u201erussische Dampfwalze\u201c, \u201eneuer Mongolensturm\u201c, \u201eAsiatischer Bolschewismus\u201c, \u201eneuer Stalin\u201c usw.<\/p>\n<p>Dieser Gesinnungs- und Sympathiewechsel h\u00e4ngt nicht zuletzt mit der plumpen Vorgehensweise Putins ohne eine glaubw\u00fcrdige ideologische Rechtfertigung zusammen. Im Unterschied zur Ukraine-Krise 2014 erscheint Kiew heute als unschuldiges Opfer eines \u00fcberm\u00e4chtigen aggressiven fremden Staates. 2014 dagegen war die von linksliberalen Stiftungen initiierte Maidan-Revolte zur Installation eines antirussischen Regimes so offensichtlich, dass damals Moskau als geopolitische Opfer eines aggressiven westlichen Einkreisungsversuchs dastand<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a>. Der zweite Grund f\u00fcr eine Anti-Russland-Haltung liegt in Putins antifaschistischer Rhetorik, wonach die Ukraine entnazifiziert werden soll und eine pseudosowjetische Nostalgie, die \u00c4ngste vor russischem Expansionismus und sowjet-kommunistischer Restauration provozieren.<\/p>\n<p>Die westliche Rechte glaubte sich schon immer undifferenziert zwischen zwei Polen entscheiden zu m\u00fcssen. Das war im Kalten Krieg so und wird munter fortgesetzt. \u00dcber die Hintergr\u00fcnde des aktuellen Konflikts \u2013 die ethnische, identit\u00e4re, geostrategische und historische Bedeutung der Ukraine f\u00fcr Russland \u2013, wurde bereits ausf\u00fchrlich analysiert<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a>. Objektiv gibt es kein richtig oder falsch, alles ist ideologisch und propagandistisch aufgeladen und Angelegenheit beider Staaten. F\u00fcr die zutiefst identit\u00e4r gespaltenen Ukrainer k\u00f6nnen die Russen gleicherma\u00dfen Todfeinde wie Befreier sein, es kommt v.a. auf die Region und Konfession an. Die Reaktionen der hysterisch antirussisch gewandelten Rechten des Westens zeugen von deren v\u00f6lligen geopolitischen Inkompetenz genauso wie die der bedingungslosen Putin-Verehrer. Beide Pole schenken sich da nichts. Es zeigt sich einmal mehr der opportunistische und \u00fcberforderte Charakter vieler Rechter des Westens, die Entwicklungen nicht vorhersehen, sondern hinterherhinken. F\u00fcr Trump-Fans wie -gegner gilt \u00fcbrigens das gleiche Urteil.<\/p>\n<p>Nachfolgend darum eine Darstellung Putins, russischer Besonderheiten und einer dritten Position.<\/p>\n<p><strong>Die Konfliktebenen<\/strong><\/p>\n<p>Das Ebenen-Modell dient der Analyse von Konflikten und B\u00fcndnissen, es selektiert die Schwerpunkte heraus. Es k\u00f6nnten weitere Ebenen bzw. Subebenen hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p><strong>Ebene Volkstum \/Nation<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ebene Werte \/Ideologie<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ebene Geopolitik<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>*Aus <strong>Sicht Putins<\/strong> dominiert die <strong>Ebene Volkstum \/Nation<\/strong>, wonach Russen protegiert und ggf. angeschlossen werden sollen. Au\u00dferdem spielt die geopolitische Ebene eine wichtige Rolle: Der Westen soll auf Distanz gehalten werden, was u.a. \u00fcber eine prorussische Regierung in Kiew laufen kann.<\/p>\n<p>*Die <strong>ukrainische Regierung<\/strong> fokussiert die <strong>Ebene der Werte \/Ideologie<\/strong> and <strong>Geopolitik<\/strong>. Bei ersterer handelt es sich um das Bestreben, vermeintliche westliche Errungenschaften einzuf\u00fchren und bei letzterer sich in ein westliches B\u00fcndnis (NATO \/EU) zu integrieren. Um militante ukrainische Nationalisten zu benutzen, betont man patriotische antirussische Motive (also <strong>Ebene Volkstum \/Nation<\/strong>).<\/p>\n<p>*Die <strong>proukrainische Rechte Westeuropas<\/strong> verbei\u00dft sich auf die <strong>Konfliktebene<\/strong> <strong>Volkstum<\/strong> \/<strong>Nation<\/strong> (gegen einen fremden russischen Imperialismus) und <strong>Geopolitik<\/strong> (dem geographischen Vormarsch Moskaus).<\/p>\n<p>*Die <strong>westlichen B\u00fcndnisse NATO und EU<\/strong> erg\u00e4nzen sich: Die <strong>EU<\/strong> betreibt Ideologieexport (<strong>Ebene der Werte<\/strong>) und <strong>Geopolitik<\/strong> (potentielle Osterweiterung), die <strong>NATO<\/strong> <strong>Geopolitik<\/strong> (Einhegung Moskaus). Das v\u00f6lkische \u00dcberleben der Ukraine (<strong>Ebene Volkstum<\/strong>) interessiert beide nicht.<\/p>\n<p><strong>Wer ist Putin?<\/strong><\/p>\n<p>Putin ist kein Rechter und war es nie. Putin bleibt der klassische Kompromisskandidat einer ideologisch heterogenen Interessenallianz, die von diversen ThinkTanks flankiert wird, ein Produkt jener Kreise, die sich sp\u00e4testens 1993 gegen eine rot-braune Fraktion des Agro-Industriell-Milit\u00e4rischen Komplexes durchsetzte<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> und zun\u00e4chst auf Jelzin setzte. Putin wurde von Milit\u00e4r- und Geheimdienstkreisen<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> deshalb aufgebaut und an einer sehr langen Leine gef\u00fchrt, weil das \u00f6konomisch und moralisch bankrotte Jelzin-Russland zum Machtvakuum nach Innen und Au\u00dfen mutierte<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>. Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung im Inneren lag und liegt bei den authentischen Rechten unterschiedlicher Couleur, zu den de-Facto auch die Nationalkommunisten geh\u00f6ren (Siehe unten). Dagegen vereinten sich Unternehmer, Oligarchen, Minderheitenvertreter und liberale Konservative. Folglich spielte Putin immer wieder die patriotische Karte. Putins Doppelcharakter offenbart sich im Umgang mit rechten Herausforderern: Noch nie waren rechte Ideen so offiziell verbreitet, noch nie wurden einzelne Exponenten der Rechten (Sergej Baburin, Alexander Dugin<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>) so hofiert wie unter Putin \u2013 aber noch nie war der autonome Spielraum der Rechten so eingeengt und sa\u00dfen so viele Rechte im Gef\u00e4ngnis wie unter demselben Putin. Unter Jelzin war es genau umgekehrt: die marginalisierte zersplitterte Rechte hatte Narrenfreiheit<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a>. Die Parallele zu solchen Hybriden wie Trump, Erdo\u011fan, Berlusconi, Orban, Kaczy\u0144ski, Lukaschenko und zentralasiatischen Potentaten dr\u00e4ngt sich geradezu auf.<\/p>\n<p>Westliche Nationalisten feierten Putins Vorgehen gegen linksliberale Bestrebungen (ausl\u00e4ndische NGOs, Homosexuellenkult, Genderisierung usw.) und j\u00fcdischen Oligarchen ohne dessen Motivation zu durchschauen. Putin beseitigte vielmehr die Konkurrenz anderer Oligarchen und tat f\u00fcr die Regeneration des Russentum nichts. Sein Patriotismus beschr\u00e4nkt sich auf Staatskult und Souver\u00e4nismus nach Au\u00dfen und einem guten Verh\u00e4ltnis zur Orthodoxen Nationalkirche. Tats\u00e4chlich steht Russland mit dem R\u00fccken zur Wand: demographisch, wirtschaftlich und sittlich. Im Prinzip ist es genauso degeneriert wie der Westen, nur unterscheidet sich der Verwesungsgrad. Putins Administration erinnert an die sp\u00e4tzaristische und \u2013sowjetische: sie beschr\u00e4nkt sich auf die reine Verwaltung statt Gestaltung. Es wird nicht geheilt, sondern nur verwahrt. Wirtschaftlich \u00e4u\u00dfert sich die Planlosigkeit in einem Gemisch aus b\u00fcrokratischem Staatsdirigismus und lokalem Libertarismus, d.h. auf lokaler Ebene \u2013 nicht nur in von Moskau entfernten Provinzen \u2013, finden wir Wild-West-Verh\u00e4ltnisse<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a>. Inzwischen erscheint er f\u00fcr sein b\u00fcrgerliches Umfeld zu autorit\u00e4r und konservativ, f\u00fcr sein nationalistisches dagegen f\u00fcr zu weich und z\u00f6gerlich. Putin ist wie seine oben genannten hybriden Verwandten nur ein Verz\u00f6gerer ohne attraktive ideologische Alternative, deshalb kann er sich auch im Ausland so schlecht verkaufen. Sein \u00fcberst\u00fcrztes rohes Vorgehen im ukrainischen Fall zeugt von dessen Getriebenheit. Ihm l\u00e4uft die Zeit davon, notwendige Probleme zu l\u00f6sen. Genau das macht ihn so unberechenbar. Erinnert sei daran, dass russische regierungsnahe Stiftungen westliche rechtsnationalistische Organisationen unterst\u00fctzten, gleichzeitig aber auch linksradikale. Es war niemals eine konstruktive Unterst\u00fctzung, sondern sollte dem Aufbau von St\u00f6rfaktoren dienen, mit echter Sympathie hatte das nie zu tun. F\u00fcr Russlands Sicherheitsorgane und Nationalisten aller Couleur b\u00fcrgt Putin noch eine Gefahr, er degradiert das Land zum einseitigen chinesischen Juniorpartner.<\/p>\n<p><strong>Russischer Antifaschismus und Nationalkommunismus<\/strong><\/p>\n<p>Faschismus \/Nazismus und Kommunismus \/Bolschewismus unterscheiden sich von ihren westlichen Pendants: im Westen beschr\u00e4nken sie sich auf die ideologische Ebene, in Russland und manchen Staaten Osteuropas und Balkans (Serbien, Nordmazedonien, Albanien) auf die ethnisch-nationale. Soll hei\u00dfen: Antifaschismus steht f\u00fcr Abwehr ausl\u00e4ndischer Ideen, die dem Russentum artfremd sind. Ein Russe kann also niemals Faschist \/Nazi sein, auch wenn er inhaltlich mit dem westlichen ideologischen Begriffen \u00fcbereinstimmt. Antifaschismus ist folglich zu tiefst nationalistisch und nativistisch. Zu Zaren-Zeiten pflegte Russland einen antiwestlichen Antikatholizismus, der die gleiche Funktion hatte. Bei Putins R\u00fcckgriff auf Symbole und Narrative (Bsp. Nationalhymne) der Sowjetunion sowie bei Nationalbolschewisten handelt es sich ebenfalls um die ethnisch-nationale Ebene, nicht die ideologische. Russischer Kommunismus wird als origin\u00e4r angesehen, d.h. vom j\u00fcdischen-deutschen Marxismus gereinigt. Stalin steht nicht f\u00fcr einen marxistischen Typus, sondern f\u00fcr einen ad\u00e4quaten russisch-imperialen Patrioten. Der Zweite Weltkriegt steht nicht f\u00fcr eine ideologische Auseinandersetzung, sondern f\u00fcr eine v\u00f6lkische: Russentum vs. Germanentum, die ideologischen Unterschiede waren nur zuf\u00e4llige Begleiterscheinungen. Entsprechend wird der \u201eGro\u00dfe Vaterl\u00e4ndische Krieg\u201c in eine lange Tradition antirussischer Aggressionen eingeordnet (Kreuzritter, Schweden, Polen, Napoleon usw.), weshalb die Deutschen niemals Befreier sein konnten<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a>. Links bedeutet nicht internationalistisch, sondern antiklerikal, antimonarchisch und antimarktwirtschaftlich. Ein russischer Nationalsozialismus, der in Inhalt und Form \u00fcbereinstimmt hat deshalb keine Chance, weil NS-Symbole nicht ideologisch aufgefasst werden, sondern eben ethnisch-national, sprich: das Hakenkreuz ist nur ein deutsches Hoheitszeichen. Dass es dennoch russische NSler gibt, \u00e4ndert an den Tatsachen nichts<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a>. Erinnert sei weiterhin, dass auch die Sowjetunion seit Stalins Wende (\u201eAufbau des Sozialismus in einem Land\u201c) tendenziell russisch-nationalistisch war, wenn auch die proletarisch-internationalistische Fraktion immer einflussreich blieb. Lenins Formel \u201eNational in der Form, sozialistisch im Inhalt\u201c, kehrte sich mit Stalin um. Nationalismus war mitnichten nur ein Tarnm\u00e4ntelchen<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Russisches Geschichtsbewusstsein<\/strong><\/p>\n<p>Im Unterschied zu Westeuropa finden wir in Russland, Osteuropa und Balkan ein beneidenswertes Geschichtsbewusstsein, d.h. die dortigen V\u00f6lker entdecken Analogien der Gegenwart mit historischen Ereignissen.<\/p>\n<p>*Eine Konstante bleibt das russische <strong>missionarische Bewusstsein<\/strong>, eine metaphysische Sendung erf\u00fcllen zu m\u00fcssen. Moskau wird demnach in der Nachfolge Roms und Byzanz` als christliches Weltzentrum aufgefasst. Selbst die Kommunisten kn\u00fcpften mit ihrer Weltrevolution und der Dritten Internationale daran an. Heute beschr\u00e4nkt sich Moskau auf eine zivilisierende raumgestaltende Mission. Der christliche Hintergrund bleibt pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>*Tiefpunkt russische Geschichte sind mongolische Eroberung genauso wie die <strong>\u201eZeit der Wirren\u201c<\/strong>, in der ein westlicher katholischer Pole zum Zaren wurde. Die schmerzliche Sonderentwicklung der Ukraine und Wei\u00dfrusslands \/Belarus waren die Folge.<\/p>\n<p>*Die <strong>Oktoberrevolution<\/strong> wird differenziert interpretiert. Au\u00dfer bei Antikommunisten wird der Revolution eine befreiende Wirkung aus einem b\u00fcrokratisch-verkrusteten System attestiert, die sich 1991 wiederholte und nach Jelzins nationalem Ausverkauf wieder Notwendig erscheint.<\/p>\n<p>*Das ewige Gespenst der <strong>Russophobie<\/strong>, wonach Russland st\u00e4ndig von Feinden bedroht wird und die Urangst einer Aufteilung Russlands.<\/p>\n<p>*Die <strong>\u201eSammlung russischer Erde\u201c<\/strong> als Folge der Selbstbefreiung vom Mongolen-Joch. Das Gro\u00dff\u00fcrstentum Moskau eroberte sukzessiv ehemalige russische Regionen zur\u00fcck<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a>.<\/p>\n<p>*Das Ende der UdSSR 1991 erinnert an die \u201eZeit der Wirren\u201c. Die psychologische Situation damals bis heute kann mit der deutschen von 1918 bis 1933 verglichen werden: Eine einst strahlende Gro\u00dfmacht zerf\u00e4llt und sieht sich gedem\u00fctigt und von Feinden isoliert. Putin scheint die \u201eSammlung russischer Erde\u201c anzustreben, nicht die sowjetische Restauration, denn auch die UdSSR war nur eine Fortsetzung des Zarenreiches. Zumindest kann Putin die Heimholung kompakter russischer Siedlungen im Baltikum, Wei\u00dfrussland \/Belarus, Ukraine und Kasachstan anstreben und rechtfertigen. Auch hier dr\u00e4ngt sich der Vergleich zu uns Deutschen auf.<\/p>\n<p>*Auf die Einordnung westlicher Interventionen in Russland und ehemaliger Sowjetrepubliken in eine lange Tradition westlicher Aggressionen wurde oben erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>Russische Identit\u00e4ten und geopolitische Ausrichtung<\/strong><\/p>\n<p>Russische Identit\u00e4ten, was ein Russe \u00fcberhaupt ist, welche Nationsform dominieren und welche geopolitische Orientierung herrschen soll entz\u00fcndet sich am Verh\u00e4ltnis zu Peter dem Gro\u00dfen (Petrinismus<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a>), Rolle von Religion und Ethnos<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a>, War\u00e4ger-Bild als Gr\u00fcndungsmythos<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> und historischen Pers\u00f6nlichkeiten.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p><strong>etatistisches Vaterland vs. reichisches Mutterland<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vaterland:<\/strong> manche Slawophile des 19. Jh., manche Nationalbolschewisten, Liberale, manche Monarchisten, manche de-Facto-Faschisten. F\u00fcr Assimilation der Minderheiten. Zentralstaat.<\/p>\n<p><strong>Mutterland:<\/strong> Neoslawophile, manche Nationalbolschewisten, manche Monarchisten, politisch Religi\u00f6se. Gegen Assimilierung der Minderheiten, Russen nur als Tr\u00e4ger einer missionarischen Reichsidee. Dezentraler Staat.<\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4ten und Nationalismen<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong> Eurasier:<\/strong> Ethnische und kulturelle Synthese aus Europa und Asien. Petrinismus sch\u00e4dlich, weil Trojaner des Westens. Mongolen und Turkv\u00f6lker hilfreich, weil sie der antieurop\u00e4ischen Entfremdung dienten. Dezentraler Staat. Mutterland. Orientierung nach S\u00fcden und Osten. W\u00fcrdigung aller autochthoner Religionen. H\u00e4ufig monarchistisch.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Neoslawophile und manche Nationalbolschewisten<\/strong>: H\u00f6here Einheit aus Europa und Asien: Russland als ein eigener Kontinent jenseits Europas und Asiens. Petrinismus differenziert betrachtet, weil notwendige Reformen einleitend und Zar Peter war immer Patriot. Gegen War\u00e4ger-Kult, weil deren Udel-System die angebliche urslawische Einheit in Teilf\u00fcrstent\u00fcmer zerteilte. Dezentraler Staat. Mutterland oder Vaterland. M\u00e4\u00dfig nach Osteuropa, stark nach S\u00fcden und Osten ausgerichtet. Betonung der Christlich-Orthodoxen Kirche mit Duldung autochthoner Minderheiten-Religionen. H\u00e4ufig monarchistisch.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Europ\u00e4ische wei\u00dfe Identit\u00e4t <\/strong>(Petrinismus weitgehend positiv)<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>3.1. Germanisch-Slawische Synthese \/Symbiose<\/strong>: Germanen als Befruchter. Starker Staat. Vaterland. Nach Osteuropa ausgerichtet. Betonung der Christlich-Orthodoxen oder einer altslawischen \/-germanischen heidnischen Religion. Hierzu geh\u00f6ren die de-Facto Faschisten \/ Nazis genauso wie gem\u00e4\u00dfigtere Nationalisten von Links bis Rechts.<\/p>\n<p><strong>3.2. Germanisch-Slawischer Gegensatz<\/strong>: Das Russentum von War\u00e4gern und sp\u00e4ter<\/p>\n<p>von deutschen Einwanderern fremdbestimmt. Starker Staat. Vaterland. Nach<\/p>\n<p>Osteuropa ausgerichtet. Betonung der Christlich-Orthodoxen oder altslawischen<\/p>\n<p>heidnischen Religion. Hierzu geh\u00f6ren die panslawistischen Slawophilen des 19. Jhs.<\/p>\n<p>und manche Nationalkommunisten.<\/p>\n<p><strong>3.3. Westeurop\u00e4ische \u00fcberethnische russl\u00e4ndische<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Identit\u00e4t<\/strong>: liberal-<\/p>\n<p>demokratisches s\u00e4kulares Staatsverst\u00e4ndnis. Vaterland oder Kosmopolitismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine dritte Position<\/strong><\/p>\n<p>Welche Perspektive gibt es aus authentisch rechter Sicht? Putin st\u00f6rt zwar das einseitige Spiel des Westens, gleichwohl bildet er keine attraktive Alternative zu Washingtons Hegemonie und den Protagonisten des \u201eGreat Reset\u201c. Er l\u00e4hmt und reglementiert im Inneren die rechten Kr\u00e4fte, mit denen wir zusammenarbeiten sollten \u2013 die Architekten einer wahrhaftigen russischen Reichsidee.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a> Aus unserer Sicht kann nur ein <strong>eurasische<\/strong> oder <strong>neoslawophile<\/strong> Identit\u00e4t Garant stabiler und berechenbarer Partnerschaft sein. Beide identit\u00e4ren Str\u00f6mungen sind ja nach Osten und S\u00fcden gerichtet, \u00e4u\u00dfern sich dezentral, oft monarchisch und Minderheitenintegrierend. Moskau \u2013 das Dritte Rom \u2013 kommt seiner transzendenten Mission und raumgestaltenden Ordnungsfunktion nach. Ein ethnokratisches oder etatistisch assimilierendes Russland demgegen\u00fcber treibt die zahlreichen Minderheiten in die Sezession und paralysiert den riesigen Zwischenkontinent \u2013 die russische Daseinsverfehlung \u00fcberhaupt. M\u00f6gliche andere Str\u00f6mungen \u2013 so auch eine de-Facto faschistische \/nazistische \u2013 schauen zu sehr nach Osteuropa und Balkan. Ein deutsch-russischer Dualismus in Europa mit wahrscheinlicher Eskalation sind dann die unvermeidliche Folge. Die Russen sind wie die Deutschen ein Reichsvolk, als Nationalstaat versagen sie und neigen zur Selbstvernichtung. Umgekehrt ist Russland an einem geordneten befriedeten nicht multikulturellen Westen interessiert, der sich endlich von Washington emanzipiert und auf sich selbst besinnt.<\/p>\n<p><strong>Nutzen und Lehren f\u00fcr die westliche Politische Rechte<\/strong><\/p>\n<p>Die hysterischen und \u00fcberst\u00fcrzten Reaktionen zeigen, wie schwach geopolitisches Denken ausgepr\u00e4gt ist. Es gilt jenseits von Putin wie Anti-Putin zu denken, neben der Wahrung eigener Interessen auch eine globale Perspektive zu entwickeln und endlich zwischen Konfliktebenen zu unterscheiden. Der gr\u00fcndliche korrekte Deutsche tut sich da besonders schwer, weil er eine Ideologie oder Pers\u00f6nlichkeit ganzheitlich erfasst, d.h. entweder daf\u00fcr oder dagegen, was Spielr\u00e4ume beschneidet. Russland ist weder Feind noch Freund, sondern ein notwendiger Verb\u00fcndeter.<\/p>\n<p>Analysieren wir n\u00fcchtern, welche Einfallstore uns die Geschehnisse in der Ukraine bieten. Wie reagieren die Gesellschaften des Westens? Was kann die Politische Rechte lernen? Welche Wirkung hat der Krieg?<\/p>\n<p>*Der Krieg schockiert eine selbstzufriedene, \u00fcbers\u00e4ttigte, infantile, gegenderte und leistungsfeindliche Spa\u00dfgesellschaft, die nur Rechte ohne Pflichten kennt.<\/p>\n<p>*Der relativ nahe Krieg f\u00fchrt vor Augen, wie schlecht wir auf einen solchen Ernstfall vorbereitet sind. Wir erkennen unsere Ohnmacht, Verweichlichung und Hilflosigkeit. Die Missachtung des Milit\u00e4rischen und M\u00e4nnlichen r\u00e4cht sich.<\/p>\n<p>*Wir zweifeln an der Loyalit\u00e4t und Verteidigungsbereitschaft eingewanderter Neub\u00fcrger.<\/p>\n<p>*Speziell die rei\u00dferische Kriegsberichterstattung von BILD und privaten TV-Kan\u00e4len setzt auf quasi militaristische und nationalistische T\u00f6ne \u2013 und trifft ganz offensichtlich einen lange vernachl\u00e4ssigten Nerv. Der Leim ist aus der Tube.<\/p>\n<p>*Unsere prek\u00e4re Energie- und Rohstoffversorgung mit immer h\u00f6heren Preisen l\u00e4sst uns an der links-gr\u00fcnen Energiewende und Abh\u00e4ngigkeit von Fremden zweifeln.<\/p>\n<p>*Russen im Westen werden als potentielle Putin-Helfer denunziert. Damit gef\u00e4hrdet man zwar vor\u00fcbergehend eine innerdeutsche europ\u00e4ische Allianz gegen au\u00dfereurop\u00e4ische Einwanderer, aber dieses Misstrauen gegen\u00fcber ethnischen Minderheiten wird sich auf andere Einwanderergruppen \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>*Die ukrainischen Fl\u00fcchtlinge bestehen fast nur aus Frauen, Kindern und Alten, einigen Familien und kaum einzelnen Jungm\u00e4nnern, bei au\u00dfereurop\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingen genau umgekehrt.<\/p>\n<p>*Die USA sind \u2013 wie schon im Falle Libyens \u2013, auffallend zur\u00fcckhaltend und abwartend. Europa ist zunehmend auf sich allein gestellt, der westliche Hegemon schw\u00e4chelt. Eine geopolitische Fessel ist ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p>*Der Krieg wird wahrscheinlich nur Verlierer kennen: Putin, die Ukraine und den Westen. Alle Parteien wissen nicht mehr so recht, wie sie ohne ihr Gesicht zu verlieren herauskommen. Die Politische Rechte aller beteiligten Parteien kann profitieren<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a>.<\/p>\n<p>*China kann nur kurzfristig Nutzen ziehen und sich ggf. Taiwan zuwenden. Peking befindet sich in der gleichen Lage wie Russland und USA: in der Defensive \u2013 und die Zeit l\u00e4uft davon.<\/p>\n<p>*Geopolitisch empfiehlt sich daher die momentan nicht umsetzbare Forderung nach einer europ\u00e4ischen Neuordnung, dem \u201eEuropa der R\u00e4ume\u201c. Diese vision\u00e4re Forderung wird Zulauf erhalten.<\/p>\n<p>*Speziell das umstrittene \u201eIntermarium\u201c (Zwischenmeerland)<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a> kann zur lohnenden Alternative f\u00fcr die gespaltenen Staaten Osteuropas und Balkans werden. Das Intermarium b\u00fcrgte lange die Gefahr, zum Washingtoner Br\u00fcckenkopf zu mutieren. Doch mit zunehmender Schw\u00e4chung Amerikas, der NATO und der EU k\u00f6nnen sich diese Staaten auf sich selbst berufen. Mit der Schaffung des \u201eIntermariums\u201c entsteht auch ein notwendiger Puffer zwischen dem deutschen Block und dem verb\u00fcndeten Russland. Hohe Z\u00e4une schaffen gute Nachbarn.<\/p>\n<p>*Putin genau wie Corona zum S\u00fcndenbock f\u00fcr unseren ohnehin unvermeidlichen wirtschaftlichen Niedergang zu machen, um von eigenem Versagen abzulenken, hat auf Dauer keine Wirkung, schlie\u00dflich m\u00fcssen fundamentale Probleme irgendwann doch gel\u00f6st werden. Das ist vom drittklassigen politischen Personal nicht zu erwarten.<\/p>\n<p><strong>Begreifen wir also die ukrainische Trag\u00f6die als gro\u00dfe Chance einer Neubesinnung. Lasst uns offensiv gestalten statt blo\u00df defensiv zu reagieren!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Als ein besonders billiges Beispiel mag die dem Krim-Referendum 2014 als Wahlbeobachter fungierenden westlichen Rechten dienen, die diesem unkritisch Vorbildlichkeit attestierten, dem kosovarischen Fall von 2008 dagegen Manipulation.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Man denke nur an das grobschl\u00e4chtige unsympathische us-amerikanische Paar Nuland und Kagan, den dubiosen Gesch\u00e4ftsmann Poroschenko oder die erb\u00e4rmliche georgische US-Marionette Saakaschwili, der nach seinem Versagen in Georgien mit einem Gouverneursposten in der Ukraine belohnt wurde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/krisenherd-ukraine-portraet-eines-zerrissenen-landes\/\">https:\/\/gegenstrom.org\/krisenherd-ukraine-portraet-eines-zerrissenen-landes\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> 1993 scheiterte ein Putsch (\u201eVerfassungskrise\u201c) der rot-braunen Fraktion um Alexander Ruzkoi. Jelzin stand nun nichts mehr im Weg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Zuvor setzten die milit\u00e4rischen Kreise auf den popul\u00e4ren Alexander Lebed, der 2002 bei einem Unfall ums Leben kam.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Putin begann als sch\u00fcchterner und willf\u00e4hriger Z\u00f6gling Jelzins. Zuvor setzte die Interessenallianz nicht auf Pers\u00f6nlichkeiten, sondern auf Staatsparteien aus der Retorte: \u201eRusslands Wahl\u201c, \u201eUnser Haus Russland\u201c, \u201eVaterland-Ganz Russland\u201c, \u201eEinheit\u201c bis zum aktuellen \u201eEinigen Russland\u201c. Daneben installierte man linke wie rechte Blockparteien, von denen Wladimir Schirinowskis Partei die wohl spektakul\u00e4rste ist.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Dugins Einfluss wird von seinen rechten Anh\u00e4ngern und linken Feinden ma\u00dflos \u00fcbersch\u00e4tzt, von seinen liberalen Feinden dagegen untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Man denke nur an Alexander Barkaschow, \u201ePamjat\u201c oder als Alibi Wladimir Schirinowski.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Vgl. das hervorragende Buch von Dimitrios Kisoudis: \u201eGoldgrund Eurasien. Der neue Kalte Krieg und das dritte Rom\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Daher gilt die \u201eWlassow-Armee\u201c auch als Vaterlandsverr\u00e4ter, da ein Volk sich immer nur selbst befreien kann.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Das russisch nationalistische Spektrum ist breit, es gibt auch konventionelle antikommunistische Str\u00f6mungen und Hitler-Verehrer, jedoch sind solche Str\u00f6mungen zunehmend dem geschilderten Narrativ untergeordnet. Bereits in den 1920ern interpretierten auch antikommunistische Exilrussen die UdSSR neu.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> In Osteuropa, Balkan, Afrika, Lateinamerika und Asien ist ein Linksnationalismus die Regel und kosmopolitisch-emanzipatorische linke Ideen noch die Ausnahme. Deshalb tut sich auch die westeurop\u00e4ische Politikwissenschaft schwer, solche Ph\u00e4nomene einzuordnen. In BRD gibt es nur wenige Linksnationalisten, die in ihrem Lager isoliert werden und darum in rechten Gew\u00e4ssern fischen. Merkw\u00fcrdigerweise wird etwas die linksnationalistische s\u00e4kulare syrische Baath-Partei von deutschen Rechten als Favorit pr\u00e4feriert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Die Ukraine existierte nie als Einheit, sondern entstand erst 1945. Die Ostukraine wurde von prorussischen Kosaken befreit und sp\u00e4ter als \u201eNeurussland\u201c integriert, der Westen von Polen befreit und nach den polnischen Teilungen einkassiert, nur der \u00e4u\u00dferste Westen (Ostgalizien, Bukowina und Transkarpathien) verblieben beim \u00f6sterreichischen Teilungsprofiteur, der diese Gebiete 1918 an Polen, Tschechoslowakei und Rum\u00e4nien verlor, bis sie 1945 der Ukrainischen SSR zugeschlagen wurden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Mit \u201ePetrinismus\u201c ist die forcierte Westorientierung Russlands gemeint, die sich in der Verlagerung der Hauptstadt an die Ostsee manifestiert und mit erheblichen Reformen russischer Traditionen einhergeht. Man kann deren Intensit\u00e4t mit der chinesischen Kulturrevolution und Atat\u00fcrks Reformen vergleichen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Welchen Stellenwert hat der ethnische Russe? Mehr Abstammungsgemeinschaft oder Staatsb\u00fcrgernation?<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Welchen Stellenwert haben die germanischen Wikinger, die immerhin den Russen ihren Namen gaben?<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Hier wird die gegens\u00e4tzliche Orientierung in den beiden Nationalhelden Alexander von Nowgorod (Alexander Newskij) (1220-1263) und Danylo von Halytzkyj (1201-1264) exemplarisch deutlich. Alexander Newskij bek\u00e4mpfte die westlichen katholischen Invasoren (Deutschritter, Polen, Litauer und Schweden) und verb\u00fcndete sich sogar mit den mongolischen Eroberern (dem \u201eOsten\u201c). Danylo von Halytzkyj dagegen verb\u00fcndete sich mit den katholischen Polen (\u201eWesten\u201c) gegen die Mongolen. Heutige Eurasier sehen in Danylos Handeln Verrat am russischen Wesen. Sie machen ihn f\u00fcr die Herausbildung der Kleinrussen (Ukrainer) und Wei\u00dfrussen im ethnischen und der Katholisch-Unierten Kirche im religi\u00f6sen verantwortlich.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Der Russe unterscheidet zwischen \u201erussl\u00e4ndisch\u201c (staatsb\u00fcrgerlich) und \u201erussisch\u201c (ethnisch). Wir Deutschen kennen eine solche Unterscheidung nicht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> In Reinform finden sich beide identit\u00e4ren Str\u00f6mungen in Zeitschriften, Pers\u00f6nlichkeiten, Splittergruppen und Sekten. Fast immer durchziehen sie gr\u00f6\u00dfere Parteien, Zeitschriften, ThinkTanks, Reservistenverb\u00e4nde, Kosaken-Gruppen u.a. Auch die angeblich so Putin ergebenen Retortenprodukte \u201eEiniges Russland\u201c wie die Jugendorganisation \u201eNashi\u201c sind betroffen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Die ukrainischen Rechtsnationalisten werden sich hoffentlich nicht noch einmal \u00fcbert\u00f6lpeln lassen. Bei der ersten Farbrevolte 2006 spielten sie kaum eine Rolle, 2014 eine starke. Danach kann man wunderbar beobachten, wie sich die opferbereite Rechte allm\u00e4hlich in gem\u00e4\u00dfigte Parteien integrierte, wie sich rechte Parteien anpassten und wie sie zur letzten Wahl 2019 marginalisiert wurden. Dazu trugen neue Retortenparteien und aufgebl\u00e4hte Kandidaten populistischer Natur \u00e0 la Macron bei. Der ukrainische Nationalismus ersch\u00f6pft sich in antirussischer Haltung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Die Analyse und Darstellung des Intermariums erfordert einen eigenen Beitrag.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dominik Schwarzenberger bietet in seinem neuesten Artikel jedem die M\u00f6glichkeit, die Konflikt-Ebenen im Ukraine-Krieg, die Person Putin und die Hintergr\u00fcnde seines Handelns nachzuvollziehen. Seine gewissenhafte,infinitesimale Analyse, erlaubt es uns einen ungetr\u00fcbten Blick auf die objektiven Tatsachen zu werfen. &nbsp; Nach der Corona-Hysterie zeigt sich der Westen von einer neuen Hysterie erfasst: Putin. 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