{"id":8339,"date":"2022-01-11T22:32:07","date_gmt":"2022-01-11T21:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=8339"},"modified":"2022-01-12T14:01:27","modified_gmt":"2022-01-12T13:01:27","slug":"michael-dangel-industrie-4-0-und-sinkende-arbeitsproduktivitaet-kein-paradoxon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/michael-dangel-industrie-4-0-und-sinkende-arbeitsproduktivitaet-kein-paradoxon\/","title":{"rendered":"Michael Dangel &#8211; Industrie 4.0 und sinkende Arbeitsproduktivit\u00e4t: Kein Paradoxon"},"content":{"rendered":"<p><em>Unser Autor Michael Dangel, Wirtschaftswissenschaftler und Verfechter einer stark liberalisierten Wirtschaftsordnung, postuliert, dass keine vierte industrielle Revolution stattfindet und es demnach auch vorerst keine Industrie 4.0 geben wird. Er widerspricht damit der gegenw\u00e4rtigen Parole der Bundesrepublik, Deutschland sei in einer tiefgreifenden Umw\u00e4lzung seiner Wirtschaftsstruktur begriffen und auch dem Gro\u00dfteil seiner Kollegen in den Wirtschaftswissenschaften. Insbesondere Ernst Wolff, der sich in j\u00fcngster Zeit zum Themenkomplex um den &#8222;Great Reset&#8220; eine Bekanntheitsgrad erarbeitet hat, aber auch zum Thema &#8222;Industrie 4.0&#8220; Beitr\u00e4ge liefert.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Hier der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A4AJZHYp254&amp;t=5s\">Verweis<\/a> zum thematisch gleichen, aber eine diametrale Position einnehmenden Video, von Ernst Wolff.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Industrie 4.0 und sinkende Arbeitsproduktivit\u00e4t: Kein Paradoxon<\/strong><\/p>\n<p>Langfristige Prosperit\u00e4t einer Volkswirtschaft<\/p>\n<p>Politikdarsteller im Allgemeinen und die Pseudo-Volksvertreter Buntlands im Besonderen denken nicht langfristig, sondern in Legislaturperioden. Mit dieser Binsenweisheit einher geht ein allenfalls oberfl\u00e4chliches Wissen \u00fcber wesentliche Politikbereiche, zu dessen immer noch eklatant untersch\u00e4tztes Streitfeld die \u00d6konomie geh\u00f6rt. Die Lehre des Hauhaltens wird euphemistisch ausgedr\u00fcckt in aller Regel im bundesrepublikanischen Politikbetrieb zur politischen \u00d6konomie verengt,<\/p>\n<p>in Wahrheit handelt es sich aber nahezu ausnahmslos um ein unsubstantiiertes Politisieren \u00fcber \u00f6konomische Fragen.<\/p>\n<p>Die Buntland-Phrasendrescher schwadronieren jeden Tag von der Notwendigkeit der Dekarbonisierung sowie der Digitalisierung, um die \u2018Zukunft der deutschen Wirtschaft\u2018 zu sichern, und denken wie immer zu kurz: Die zwei entscheidenden Faktoren f\u00fcr die langfristige Prosperit\u00e4t jeder Volkswirtschaft und gerade der deutschen sind die schiere Zahl der Erwerbslosen sowie deren Arbeitsproduktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der drohende Volkstod, der mit der tumben, politisch korrekten Phrase des demographischen Wandels verharmlost wird, ist an vielen Stellen von brillanten Wissenschaftlern analysiert und anschaulich dargestellt worden, allein: Um die offensichtlichen Folgen f\u00fcr den ethnischen Identit\u00e4tskern schert sich in der Mehrheitsgesellschaft keine Sau! Hubert Dr\u00f6scher ist es zu verdanken, dass er bereits zu Beginn der 80er Jahre aus Sicht der Vertreter der nationalen Idee auf die katastrophale Bev\u00f6lkerungsentwicklung in Westdeutschland hinwies.<\/p>\n<p>Es erscheint unausweichlich, dass viele Buntlandschafe dereinst das Schaudern ergreifen wird, wenn wir ihnen mit Hubert Dr\u00f6scher vorhalten, dass schon seit 40 Jahren aufgezeigt wurde, wie sich Gro\u00dfst\u00e4dte in der multikulturellen Sektion Mitteleuropa, vormals Deutschland, durch massenhafte fremdrassige Zuwanderung entwickeln werden: zu einem Eldorado f\u00fcr staatliche Kostg\u00e4nger, gepr\u00e4gt von Degeneration auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens. Selbst bei politisch unauff\u00e4lligen Feld-, Wald- und Wiesen\u00f6konomen ist der mahnende Unterton nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, der drohende Volkstod und die Umvolkung seien wohlfahrtsgef\u00e4hrdende Faktoren, wenngleich nat\u00fcrlich vorgenannte \u2018Brutalo\u2018-Begriffe durch die \u00fcblichen Buntland-Worth\u00fclsen ersetzt werden.<\/p>\n<p>Veranschaulichung der Wirkung der Produktivit\u00e4tserh\u00f6hung anhand der Edgeworth-Box<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8341 aligncenter\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Edgeworth.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"311\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ohne jetzt hier den \u00f6konomisch ungeschulten Laien v\u00f6llig zu \u00fcberfordern, soll das obige Schaubild mit einer sogenannten Edgeworth-Box deutlich machen, um was es geht. Man nehme in einer fiktiven Rudiment\u00e4rwirtschaft zwei Haushalte und zwei G\u00fcter, die in gegebenem Umfang vorhanden sind. Je nach Neigung (individuelle Nutzenfunktion), Brot oder Kuchen zu konsumieren, ergibt sich bei bestimmten Preisen eine andere Verteilung der beiden G\u00fcter Brot und Kuchen zwischen den Haushalten A und B. Dabei wird ein sogenanntes Pareto-Optimum vorausgesetzt, also eine Gleichgewichtssituation, in der die Gesamtwohlfahrt als Zielgr\u00f6\u00dfe der betrachteten Individuen optimal ist, in der also keine weitere Ver\u00e4nderung der G\u00fcterverteilung m\u00f6glich ist, ohne jemand anderem zu schaden. Dort, wo sich die Indifferenzkurven (graue Kurven) der beiden Haushalte treffen, kommt es zu einem paretooptimalen Kontrakt (rote Kontraktkurve).<\/p>\n<p>In der modernen \u00f6konomischen Theorie hat bei mikro\u00f6konomischer Betrachtung jedes Individuum eine andere Nutzenfunktion bez\u00fcglich bestimmter G\u00fcter und trifft daher bei gegebenem Einkommen andere Entscheidungen. Diese intersubjektiv unterschiedliche und nicht vergleichbare Nutzenfunktion l\u00e4sst sich am besten veranschaulichen bei der Wahl zwischen Arbeit und Freizeit bei vorgegebener Gesamttageszeit von 24 Stunden. Je nach angebotenem Stundenlohn wird sich das Individuum in der Theorie f\u00fcr mehr Arbeit oder mehr Freizeit entscheiden.<\/p>\n<p>War insbesondere in der Wirtschaftstheorie vor dem Siegeszug der \u00f6sterreichischen Grenznutzenschule die aus heutiger Sicht irre Vorstellung vorherrschend, man k\u00f6nne den Nutzen intersubjektiv messen, also aus der \u00d6konomie eine messbare Wissenschaft machen, wurden diese Illusionen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der \u00d6sterreichischen Schule theoretisch begraben. Seit der Weltfinanzkrise 2007 und den folgenden Jahren, in der die Wirtschaftswissenschaft mit ihren vorherrschenden und immer noch \u00f6konometrischen Modellen ihren Offenbarungseid ablegte, ist die Tauglichkeit quantifizierbarer \u00f6konomischer Modelle auch praktisch widerlegt. Mit der Weltfinanzkrise als Folge der US-Subprime-Krise ist das Denkmodell und der Homunkulus des \u201eHomo Oeconomicus\u201c endg\u00fcltig gestorben oder ist besser gesagt im zigtausend Grad hei\u00dfen Sonnensturm der Realit\u00e4t f\u00fcr immer verdampft.<\/p>\n<p>Was bewirkt nun in unserem \u201eBrot\/Kuchen\u201c-Schaubild eine Steigerung der (Arbeits-)Produktivit\u00e4t? Die Fl\u00e4che des Rechtecks nimmt bei einer Produktivit\u00e4tssteigerung um das Zweifache, Dreifache, ja X-fache zu. Hier wird bereits klar, warum sich der Verfasser die M\u00fche eines wirtschaftstheoretischen Exkurses macht. Denn jeder Realist reibt sich die Augen in Anbetracht einer derartigen Technologie- und Machbarkeitsgl\u00e4ubigkeit in Anbetracht saturierter M\u00e4rkte und stetigem technologischen Fortschritt. Es gibt dann also irgendwann zehnmal so viel Kuchen und Brot, jeder Haushalt hat alles in H\u00fclle und F\u00fclle. Keiner muss eigentlich mehr etwas arbeiten und wenn, dann viel weniger als bisher. Das Schlaraffenland ist nahe, ja sogar die Verwirklichung des schwachsinnigen linken Diktums: \u201eAlles f\u00fcr alle \u2013 und zwar umsonst.\u201c B\u00f6swillig gesagt ist dies die utopische Vorstellung, die Denke, welche sich die Protagonisten der Idee der \u201eIndustrie 4.0\u201c allen Ernstes zu eigen machen. Dies soll im Folgenden herausgearbeitet werden.<\/p>\n<p>Faktor Arbeitsproduktivit\u00e4t<\/p>\n<p>Um die mitunter bei manchen Lesern schon im Prolog einsetzende Schnappatmung nicht weiter voranschreiten zu lassen, soll im Weiteren die Frage der Qualit\u00e4t der Arbeitskr\u00e4fte aufgrund Herkunft und Rasse nicht weiter analysiert werden, sondern der Verfasser beschr\u00e4nkt sich auf eine \u2018technische\u2018 Analyse der Auswirkung der Arbeitsproduktivit\u00e4t \u2018eines\u2018 Menschen, den es unstrittig aber losgel\u00f6st von Herkunft und Rasse und der damit verbundenen evolutionsbiologischen Determinierung realiter nicht gibt.<\/p>\n<p>Arbeitsproduktivit\u00e4t definiert sich ganz allgemein als Quotient aus Ausbringung (\u201eOutput\u201c) geteilt durch Arbeitseinsatz, auf gut deutsch: Was kommt also raus, wenn ein durchschnittlicher Mitarbeiter &#8211; mitunter detailliert untersucht in bestimmten Wirtschaftszweigen &#8211; eine Stunde oder einen Tag seine Arbeit verrichtet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8443 aligncenter\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/I-4.0-2-300x184.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"327\" \/><\/p>\n<p>Quelle: Statistisches Bundesamt 2021<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um der Wahrheit die Ehre zu erweisen und nicht zuletzt der akademischen Redlichkeit wegen muss insofern der Titel dieses Beitrags richtiggestellt werden. Unstrittig ist, dass seit wissenschaftlicher Erfassung der Arbeitsproduktivit\u00e4t bis auf die Krisenphasen die Arbeitsproduktivit\u00e4t nicht sinkt. Als solche veritablen Krisen sind zu nennen die \u00d6lkrise 1973, danach mit akzelerierendem Tempo die Dotcom-Krise zur Jahrtausendwende, die Weltfinanzkrise ab 2007 sowie nun zuletzt die Corona-Krise 2020. Immer in diesen Gro\u00dfkrisen, die unabh\u00e4ngig von der fr\u00fcheren zyklischen Wirtschaftsentwicklung als Folge von Abschwung und Aufschwung einsetzten, kam es zu Durchbrechungen der generellen Tendenz der Entwicklung der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Der logische Grund hierf\u00fcr sind Durchbrechungen von Lieferketten, Rohstoff- und Materialfl\u00fcssen und m\u00f6glicherweise auf die Zukunft gerichtet von Energie (\u201eBlackout\u201c). Unter diesen dramatisch verschlechterten Rahmenbedingungen im Zeichen des Mangels kann grunds\u00e4tzlich keine Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t einsetzen, mag auch der technische bzw. digitale Fortschritt gegeben sein und die Arbeitsproduktivit\u00e4t sich <em>ceteris paribus<\/em> erh\u00f6hen. Eklatant mangelnde Kapazit\u00e4tsauslastungen f\u00fchren zwingend zu sinkender Arbeitsproduktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch in diesem Zusammenhang muss konzediert werden, dass die Faktoren Motivation und Zusammenarbeit bzw. Koordination (\u201eTeamwork\u201c) im Rahmen dieser vorgelegten technischen Betrachtung au\u00dfen vorgelassen werden, aber fraglos zumindest bei einer betrieblichen oder zumindest sektoralen Analyse eine erhebliche Rolle spielen.<\/p>\n<p>Sinkende Arbeitsproduktivit\u00e4tssteigerungen trotz dritter industrieller Revolution<\/p>\n<p>Um es deutlich zu machen: Der Titel dieser Abhandlung m\u00fcsste richtiger Weise hei\u00dfen: \u201esinkende Arbeitsproduktivit\u00e4tssteigerungen\u201c und eben nicht: \u201esinkende Arbeitsproduktivit\u00e4t\u201c, denn bis auf die angef\u00fchrten Krisen steigt die Arbeitsproduktivit\u00e4t grunds\u00e4tzlich von Jahr zu Jahr. Was aber auff\u00e4llig ist, wenn man die letzten 30 Jahre und damit eine Generation heranzieht, ist das Faktum, dass in diesem Zeitraum die Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t tendenziell nicht zunimmt, sondern sogar abnimmt. War die Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t von den 90er-Jahren bis 2007 noch durchweg positiv und durchschnittlich bei 1,25%, so ergibt sich seit der Weltfinanzkrise ab 2008 ein uneinheitliches Bild. Bis auf die Nachholeffekte der Jahre 2010 und 2011 als die Jahre nach dem Krisenh\u00f6hepunkt 2009 mit einem Absinken der Arbeitsproduktivit\u00e4t gegen\u00fcber dem Vorjahr um fast 6% in der zweiten Dekade des dritten Jahrtausends ist eine deutliche Abschw\u00e4chung des Wachstums der Arbeitsproduktivit\u00e4tssteigerung festzustellen. Mehr noch: In den Jahren 2012 bis 2019 ist in vier von acht Jahren ein Absinken der Arbeitsproduktivit\u00e4t zu konstatieren. Das \u201eCorona\u201c-Jahr 2020 als Sondereffekt mit einem Absinken der Arbeitsproduktivit\u00e4t gegen\u00fcber 2019 von fast 4% hat hier wie 2009 unber\u00fccksichtigt zu bleiben.<\/p>\n<p>Was bleibt, ist ein volatiles Bild von vier Jahren mit Arbeitsproduktivit\u00e4tserh\u00f6hungen gegen\u00fcber dem Vorjahr und vier Jahren eines Absinkens der hier untersuchten Gr\u00f6\u00dfe in den Jahren 2012 bis 2019. Gemittelt ist unstrittig festzuhalten: Die saldiert \u00fcber den Betrachtungszeitraum immer noch festzustellende Erh\u00f6hung der Arbeitsproduktivit\u00e4t ist gegen\u00fcber den zwei Jahrzehnten zuvor deutlich eingebrochen \u2013\u00a0 dabei m\u00fcsste die von allen Seiten herbeigeredete Industrie 4.0, die teilweise \u00e4hnlich heilsbringerisch daherkommt wie ihre \u00f6kototalit\u00e4re Schwester Klimaschutz, im Zuge der umfassenden Digitalisierung von Seiten der Arbeitsproduktivit\u00e4t her durch die Decke gehen. Die Realit\u00e4t stellt sich freilich anders dar. 2012 bis 2019 ergibt sich eine durchschnittliche Arbeitsproduktivit\u00e4tssteigerung von 0,31% und damit nach Adam Riese eine Viertelung des Durchschnittswertes f\u00fcr die Jahre 1992 bis 2007 f\u00fcr den sich 1,25% ergibt.<\/p>\n<p>Industrie 4.0: Semantische Mogelpackung<\/p>\n<p>Es muss auch im Hinblick auf das vorliegende Thema eine Philippika auf die deutschen Weltrettungsphantasien angestimmt werden. Mit dem Topos \u201eIndustrie 4.0\u201c soll also nach der Rettung der EU, des Euro, der (Fl\u00fcchtlings-)Welt und des Klimas auch die Wirtschaft bzw. der Wohlstand trotz Vergreisung und offensichtlicher rassischer und volklicher Zersetzung der Erwerbst\u00e4tigen gerettet werden. Unstrittig ist, dass der Begriff \u201eIndustrie 4.0\u201c ein deutsches Schlagwort, ja eine fixe deutsche Idee ist. Zwar wird der Begriff in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern adaptiert, aber in den Nationen, in denen (zuk\u00fcnftig) die \u00f6konomische Musik spielt, findet sich bez\u00fcglich der vermeintlichen vierten industriellen Revolution kein nennenswerter Widerhall.<\/p>\n<p>Keine vierte industrielle Revolution<\/p>\n<p>Mit der Wortsch\u00f6pfung der \u201eIndustrie 4.0\u201c soll suggeriert und in Anlehnung an neue Softwareversionen semantisch implementiert werden, es handle sich bei der Kombination verschiedener Komponenten und Dimensionen der Digitalisierung um eine vierte industrielle Revolution. Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen: Die erste industrielle Revolution zeichnete sich durch die Mechanisierung infolge von Wasser- und Dampfkraft aus, worauf sich die zweite industrielle Revolution als Massenfertigung durch Flie\u00dfb\u00e4nder anschloss und schlie\u00dflich im Hier und Jetzt als dritte industrielle Revolution durch Digitalisierung im Rahmen der Automatisierung der Produktion endete.<\/p>\n<p>Wenn man die Organisationsgestaltungskomponenten der \u201eIndustrie 4.0\u201c-Apologeten, n\u00e4mlich: Vernetzung, Informationstransparenz, technische Assistenz sowie dezentrale Entscheidungen, heranzieht, erkennt man sofort: Sie bilden in ihrer Kombination nichts substantiell Neues, sondern optimieren auf allen Ebenen der Arbeit allenfalls die dritte industrielle Revolution, ohne eine weitere Stufe zu bilden.<\/p>\n<p>Besonders erschreckend ist, und damit als veritabler Schlag ins Kontor der Vertreter der nationalen Idee zu werten, dass im Rahmen einer oberfl\u00e4chlichen Thematisierung der \u201eIndustrie 4.0\u201c-Phantasmen die eigene selbstverschuldete Kinderarmut in rechten Kreisen sch\u00f6ngeredet, ja die all \u00fcberall erkennbare Vergreisung als randst\u00e4ndiges Problem verharmlost wird, mit dem haneb\u00fcchenen Argument, im Hinblick auf den Siegeszug der \u201eIndustrie 4.0\u201c brauche man ja gar nicht mehr so viele (junge) Leute. Hier hat man den Eindruck, die ansonsten als systemkritisch geltenden \u201eHinterzimmerrevolution\u00e4re\u201c wollen damit ihre Verantwortungslosigkeit, nicht einmal mit ihrer Partnerin sich selbst zu reproduzieren, wegdiskutieren. Nur als kleine Nachhilfe: Der Begriff \u201e\u00fcberzeugen\u201c hat einen bev\u00f6lkerungspolitischen Hintergrund: Wer mehr (Kinder) zeugt, \u00fcberzeugt!<\/p>\n<p>Warum lahmt die vierte industrielle Revolution, die keine ist?<\/p>\n<p>Als ganz allgemeiner Grund ist der Status der bunten Republik als digitales Entwicklungsland anzuf\u00fchren. Die von vielen als Corona-\u2018Plandemie\u2018 bezeichnete globale Gesundheitskrise hat es mehr als deutlich offengelegt: Deutschland ist im Hinblick auf die Digitalisierung im internationalen Vergleich dramatisch abgeh\u00e4ngt worden. Das \u201ekinderlose Weib aus Mecklenburg-Vorpommern\u201c (Dr. Reinhold Oberlercher), das 16 Jahre unser geschundenes Land bekanzlerte, machte bekanntlich die Digitalisierung zur Chefsache \u2013 und folgerichtig ist Buntland ins v\u00f6llige EDV-technische Hintertreffen geraten. Schulen, die mit dem zweifelhaften Erfordernis der Beschulung zu Hause hoffnungslos \u00fcberfordert waren, Gesundheitsbeh\u00f6rden, die sich manuell erstellte Datenauswertungen noch zufaxen und mit Karteikarten bzw. Akten wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten arbeiten \u2013 man k\u00f6nnte die Aufz\u00e4hlung vollst\u00e4ndigen digitalen Versagens beliebig fortsetzen.<\/p>\n<p>Aber es gibt sie, die extrem wettbewerbsf\u00e4higen Firmen, die enorm effizienzsteigernde Software f\u00fcr verschiedenste Problemstellungen entwickelt haben. Bei der Frage der praktischen Implementierung sind wir bei der Anwendungsproblematik angelangt. Im Rahmen der Industrie 4.0 als Pseudo-Revolution mangelt es zuallererst an kompetenten Anwendern. Neben einem generell desolaten staatlichen Schulsystem mit Leistungsphobie, daf\u00fcr aber mit umso mehr \u2018Migrantophilie\u2018 ist hier die Unterrepr\u00e4sentanz der MINT-Studienabsolventen zu beklagen, die Thilo Sarrazin in seinem epochalen Werk \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c in un\u00fcbertreffbarer Weise herausgearbeitet hat. Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Sozialp\u00e4dagogen \u2013 all diese Berufe sind zwar nicht g\u00e4nzlich sinnlos, f\u00fcr das \u00f6konomische Fortkommen eines Landes aber g\u00e4nzlich nachrangig. Ingenieure und Informatiker spielen die Musik in einer hochentwickelten Volkswirtschaft, alle anderen wirken nur im Hintergrund mit. Von beiden und insbesondere Letzteren gibt es viel zu Wenige.<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkt wird dieser Mangel in der Spitze durch eine allgemeine Hilflosigkeit und Unf\u00e4higkeit im Umgang mit und in der Anwendung von Software. Denn gerade der Mittelbau und die digitalen Fu\u00dfg\u00e4nger m\u00fcssen Software im Berufsalltag effizienzsteigernd anwenden k\u00f6nnen. Und wollen. Gerade hier liegt der Hase h\u00e4ufig im Pfeffer: Aus Angst vor neuen Hierarchien bei umfassender Digitalisierung in der Spitze sowie im Mittelbau und Fu\u00dfvolk vor der Einf\u00fchrung von (neuer) Software gibt es erhebliche Widerst\u00e4nde bei Entscheidern, leistungsf\u00e4hige und effizienzsteigernde Software \u00fcberhaupt im Betrieb einzuf\u00fchren. H\u00e4ufig ist die Situation in Betrieben mit \u00fcberalterter F\u00fchrungsebene sogar so dramatisch aussichtslos, dass die digitale Distanz zwischen den Entwicklern und Pionieren von Software gegen\u00fcber Betrieben, die nach alter V\u00e4ter Sitte noch mit Lieferscheinen und Formularen arbeiten, un\u00fcberwindbar gro\u00df ist. Im vorgenannten Fall f\u00fchren dann die Anwendungsproblematik und die Aversion gegen den Einzug der Digitalisierung dazu, dass der \u2018gute alte Betrieb\u2018 sich langfristig in einer Situation finden wird wie DDR-Kombinate nach der Grenz\u00f6ffnung: Der Markt fegt die analogen Dinosaurier zu Recht aus dem Wettbewerb!<\/p>\n<p>Als Folge der Niedrigst- und mittlerweile Nullzinspolitik in Kombination mit exzessiver Geldmengenausweitung zur Vermeidung eines weiteren \u201eschwarzen Freitags\u201c im 21. Jahrhundert wurden zwar Gro\u00dfkrisen mit einer mehr als fragw\u00fcrdigen Politik des Geldsozialismus verhindert, es hat aber eine Zombiefizierung der Wirtschaft auf breiter Front eingesetzt. Der Verdienst, den Sachverhalt zunehmend ertragsschwacher Unternehmen mit riesigem Verschuldungsgrad herausgearbeitet zu haben, kann Dr. Markus Krall gar nicht hoch genug angerechnet werden. Doyen dieser Betrachtungsweise ist aber Prof. Thomas Mayer, der ob der Niedrigstzinspolitik Japans seit Beginn der 90er Jahre von einer \u2018Japanisierung\u2018 der Wirtschaft als Folge einer expansiven Geldpolitik spricht. Der Bezug zu der Umsetzungsproblematik im Hinblick auf die ausgebliebene vierte industrielle Revolution ist offensichtlich: Firmen werden seit Jahrzehnten durch Niedrigzinsen k\u00fcnstlich wie ein Komapatient vor dem Exitus bewahrt, haben aber im Zuge des st\u00e4ndig erh\u00f6hten Kreditbedarfs und mangelnder Kredittilgungsf\u00e4higkeit einen gigantischen Schuldenberg aufgebaut. Unter diesen Voraussetzungen wird der Bau einer vollautomatisierten Werk- oder Lagerhalle zu einem Ding der Unm\u00f6glichkeit, dabei w\u00fcrde genau ein ertragsschwaches Zombieunternehmen einen Effizienzsprung dringend f\u00fcr die Steigerung seiner Wettbewerbsf\u00e4higkeit ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Und mit Blick auf die oben angef\u00fchrte vollautomatisierte Lager- oder Werkhalle kommen wir zum fast un\u00fcberwindbaren Hindernis bei Umsetzung der Chim\u00e4re namens Industrie 4.0: der organisierten Belegschaft. Was passiert mit den braven, treuen Mitarbeitern, wenn statt vierzig Mitarbeitern in der Lagerhalle mit Schichtbetrieb im geplanten vollautomatisierten neuen Logistikzentrum nur noch vier Kollegen ihr Tagwerk verrichten k\u00f6nnen? \u201eDas ist doch unsozial\u201c, heulen die Arbeitnehmervertreter auf. \u201eDas wird mit Sozialplan oder gar Transfergesellschaft superteuer und langwierig\u201c, l\u00e4sst die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ihrem Unmut freien Lauf. Im Ergebnis werden infolge der geschilderten Problemlage halbherzig digitale Optimierungen eingef\u00fchrt und es erfolgt nur eine moderate Freisetzung von Arbeitskr\u00e4ften. Im Ergebnis scheitert die Industrie 4.0 an den beteiligten Akteuren auf der Arbeitgeber- <u>and<\/u> Arbeitnehmerseite. Einzige Hoffnung der verhinderten vierten industriellen Revolution: die Marktbereinigung. Nach Insolvenz oder \u00fcbertragender Sanierung ist der Weg frei f\u00fcr die totale Digitalisierung und analoge Entkernung von ertragsschwachen Firmen aus der Zeit von Vorgestern.<\/p>\n<p>Das Unvermeidliche: Bedingungsloses Grundeinkommen<\/p>\n<p>Die Folgen der totalen Digitalisierung f\u00fcr die Mitarbeiter lassen sich nach \u00dcberzeugung humanistischer Tr\u00e4umer abfedern, wenn die Mitarbeiter durch ein \u2018ausk\u00f6mmliches\u2018 bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) in der wunderbaren sozialen H\u00e4ngematte Buntlands landen. Insofern sind Industrie 4.0 und das BGE nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete \u2013 wenn auch beide in gleicher Weise meilenweit von der Realisierbarkeit entfernt sind. Aber das BGE ist ein weites Feld, das an anderer Stelle umfassender Analyse bedarf.<\/p>\n<p>Zusammenfassung<\/p>\n<p>Die \u201eIndustrie 4.0\u201c ist eine bundesrepublikanische Wortsch\u00f6pfung mit Heilsversprechungsanspruch. Nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass die Begriffssch\u00f6pfung aus der bev\u00f6lkerungspolitischen Unt\u00e4tigkeit, ja Verantwortungslosigkeit resultiert. Trotz Digitalisierung ist in der zweiten Dekade des dritten Jahrtausends ein Absinken der Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t festzustellen. Eine vierte industrielle Revolution ist die Industrie 4.0 in keiner Weise. Sie stellt nur eine Kombination verschiedener Faktoren der dritten industriellen Revolution, also der Digitalisierung im Rahmen der Automatisierung dar. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den nicht einsetzenden Quantensprung im Rahmen der Digitalisierung liegen auf der Hand: Mangelnde Qualifikation in der Anwendung, der Unwillen der Einf\u00fchrung neuer digitaler Arbeitsabl\u00e4ufe und von Software, gepaart mit mangelnder Kapitaldecke zur umfassenden Neuinvestitionen bei vielen Unternehmen und schlie\u00dflich \u2018gekr\u00f6nt\u2018 vom Widerstand der Arbeitnehmer zur Abschaffung ihrer an sich sinnlosen Arbeitspl\u00e4tze \u2013 fertig ist das Scheitern der Industrie 4.0, die keine vierte industrielle Revolution ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Autor Michael Dangel, Wirtschaftswissenschaftler und Verfechter einer stark liberalisierten Wirtschaftsordnung, postuliert, dass keine vierte industrielle Revolution stattfindet und es demnach auch vorerst keine Industrie 4.0 geben wird. 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