{"id":7791,"date":"2021-05-07T06:56:15","date_gmt":"2021-05-07T04:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=7791"},"modified":"2021-05-07T06:58:03","modified_gmt":"2021-05-07T04:58:03","slug":"die-reichsgruendung-bundespraesident-vs-weltanschauung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-reichsgruendung-bundespraesident-vs-weltanschauung\/","title":{"rendered":"Die Reichsgr\u00fcndung: Bundespr\u00e4sident vs. Weltanschauung"},"content":{"rendered":"<p><em>Hiermit ver\u00f6ffentlichen wir dankend eine Zuschrift eines Gegenstrom-Lesers. <strong>Dennis Sturm<\/strong> befasst sich mit der Deutschen Frage des Reiches und zieht indirekt einen Vergleich zwischen Akteuren der damaligen und der heutigen Zeit. Die Redaktion<\/em><\/p>\n<p>Wenn im Jahre 2021 ein Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland zu einem geschichtlichen Ereignis der deutschen Geschichte von vor 1945 Stellung bezieht, geschieht das meist nie ohne Ausdruck der eigenen Schuld an irgendetwas und nicht ohne mitschwingende Selbstverachtung der eigenen Geschichte. Schlie\u00dflich h\u00e4lt dieses Staatsoberhaupt ausschlie\u00dflich seinen Staat f\u00fcr den besten und bekanntlich auch freiesten, den es je auf deutschem Boden gab. In Anbetracht tausend Jahre deutscher Geschichte erscheinen die 72 Jahre, die dieser Staat auf dem Buckel hat, allenfalls wie ein \u201eVogelschiss\u201c. Doch nun erstmal Schluss mit Wortklauberei&#8230;<\/p>\n<h2>Das Salz in der Suppe<\/h2>\n<p>Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier macht in seiner Rede<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> zum 150. Jahrestag der Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches vom 18.01.1871 gleich zu Beginn deutlich, dass solche <em>Gedenktage<\/em> f\u00fcr ihn nicht nur <em>ungerufen<\/em>, sondern auch <em>ungelegen<\/em> kommen. Die sogenannte Pandemie muss auch hier als Universalausrede herhalten, um seine Abneigung zum Erinnern an ein wichtiges Ereignis der deutschen Geschichte nicht zu offen durchscheinen zu lassen. Dieser Dysphemismus zieht sich durch die gesamte Rede. Es ist m\u00fchsam sich Frank-Walters Ausw\u00fcrfe zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren. Steinmeier kollektiviert seine Meinung, als wenn er im Namen aller Deutschen spricht (\u201e<em>wir Deutsche stehen dem Kaiserreich heute so beziehungslos gegen\u00fcber&#8230;\u201c, \u201eNach einer nationalen Feier der Reichsgr\u00fcndung verlangt heute niemand\u201c, <\/em>usw.).<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens als er eine <em>Heerstra\u00dfe der Kriege von 1871 bis 1945<\/em> baut entsteht beim geneigten Zuh\u00f6rer im Geiste ein Bild Steinmeiers als dicker singender Koch, der in Sch\u00fcrze und Haube vorm Herd steht und einen riesigen Eintopf f\u00fcr das ganze Publikum zubereitet und nach und nach freudig die gesamte Gew\u00fcrzpalette darin entleert, um es allen ganz besonders schmackhaft machen zu wollen. Doch wenn zu viel in einen Topf geworfen wird, dann wird es schnell ungenie\u00dfbar. Daf\u00fcr gibt es anschlie\u00dfend noch etwas Popcorn zur leichten Unterhaltung als Parallelen von Kaiser Wilhelm II. zu Donald Trump gezogen werden. Als an sp\u00e4terer Stelle vom <em>Kaiserstaat und seinen Eliten<\/em> geredet wird wachen auch die mittlerweile eingeschlafenen \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c kurz auf: \u201eWar das ein Zugest\u00e4ndnis f\u00fcr die Existenz von Eliten? Gibt es etwa auch Eliten in der Bundesrepublik und wenn ja, wer z\u00e4hlt dazu? Welche Eliten ziehen die F\u00e4den?\u201c Der Eintopf liegt schwer im Magen, die Augen fallen wieder zu. Die Fragen bleiben unbeantwortet.<\/p>\n<p>Zum Ende sollte man aber doch nochmal zuh\u00f6ren. Steinmeier stellt die Frage, ob es eine <em>geschichtspolitische Intervention braucht <\/em>in Hinsicht<em> auf eine eher unkritische Bezugnahme auf das Reich.<\/em> Weiter fragt er: <em>M\u00fcssen wir uns aktueller neonationalistischer Tendenzen erwehren, m\u00f6glicherweise anders erwehren als wir es tun?<\/em> \u201eEine Milliarde Euro gegen rechts\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> gibt die Antwort auf seine Frage, auf die nicht n\u00e4her eingegangen werden braucht. An dieser Stelle lassen wir es auch schon gut sein mit der Rede des Bundespr\u00e4sidenten, zumindest vorerst. Ein bitterer Nachgeschmack ist schon vorhanden. Sodbrennen auch.<\/p>\n<p>Nach so viel negativer Konnotation zum Deutschen Reich wird im weiteren Verlauf dieses Artikels auf einige positive Aspekte und Errungenschaften des ersten Deutschen Nationalstaates eingegangen. Es mag zu den geschichtlichen Vorg\u00e4ngen ausreichend und umfassende Werke und Doktorarbeiten geben. Daher liegt die Perspektive des Autors auf der weltanschaulichen Sicht einiger Sachverhalte, ohne hierbei Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit zu erheben. Um zu verdeutlichen wie negativ behaftet sich der Bundespr\u00e4sident zu diesem wichtigen Ereignis der eigenen Geschichte \u00e4u\u00dfert, werden dazu Beispiele aus seiner Rede herangezogen und aus rechtem Blickwinkel beleuchtet.<\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<h2>Die erzwungene Einheit oder die herbeigesehnte? Eine Deutsche Frage!<\/h2>\n<p>In seiner Rede nennt der Bundespr\u00e4sident <em>die Ausrufung Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser im Schloss von Versailles ein Ereignis, welches eine triumphale Geste darstellte und den unterlegenen Kriegsgegner Frankreich dem\u00fctigen sollte. <\/em>An dieser Stelle sei anzumerken, dass aufgrund der milit\u00e4rischen Lage zu dem Zeitpunkt (der Krieg war noch nicht beendet) die Zeremonie in Frankreich stattfinden musste.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Der Spiegelsaal des Schlosses diente tags zuvor noch als Lazarett. Als Datum wurde der Jahrestag der Kr\u00f6nung Friedrich I. zum K\u00f6nig in Preu\u00dfen von 1701 gew\u00e4hlt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Hiermit wurde das Augenmerk verst\u00e4rkt auf die eigenen Angelegenheiten als auf eine Dem\u00fctigung des Kriegsgegners gelegt. Weiter wird von der Einheit gesprochen, <em>die durch Kriege erzwungen wurde<\/em>. Unerw\u00e4hnt bleibt hingegen, dass es ein durch Befindlichkeiten gekr\u00e4nktes Frankreich war, dass Preu\u00dfen den Krieg erkl\u00e4rte.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Die Reichsgr\u00fcndung von 1871 war die Antwort auf die \u201eDeutsche Frage\u201c. Der Einigkeitsgedanke stand nicht erst seit dem Untergang des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation 1806 im Raum. W\u00e4hrend der napoleonischen Besetzung kamen viele Deutsche in Ber\u00fchrung mit Ideen von nationaler Einheit und Freiheit, was die Mobilisierung zu den Befreiungskriegen 1813 befeuerte und nach dem Sieg \u00fcber Napoleon gro\u00dfe politische Erwartungen sch\u00fcrte. Diese Erwartungen sollten erst 58 Jahre sp\u00e4ter erf\u00fcllt werden. Drei weitere Kriege waren dazu n\u00f6tig, die sogenannten \u201eEinigungskriege\u201c. Der Begriff ist diskutabel, zumindest der gro\u00dfe Krieg gegen Frankreich 1870\/71 war bzw. ist im deutschen Sprachgebrauch als Nationalkrieg zu verstehen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Dennoch schufen diese Kriege die Voraussetzungen und 25 Einzelstaaten wurden unter preu\u00dfischer F\u00fchrung zum ersten Deutschen Nationalstaat vereint. Das Bekenntnis zu einem nationalen Gemeinwesen hat die jahrhundertelange Kleinstaaterei \u00fcberwunden. Die Deutsche Schicksalsgemeinschaft stellte sich unter das einigende Dach der Nation. Was die \u201eEinigung von unten\u201c 1848 nicht zu vollbringen im Stande war leistete 1871 \u201edie Einigung von oben\u201c<em>.<\/em> In der Folge wurden klare Verh\u00e4ltnisse sowohl nach innen als nach au\u00dfen geschaffen. Nur die Habsburger Monarchie entschied sich gegen das Deutsche Reich. In \u00d6sterreich waren viele Deutsche mit der kleindeutschen L\u00f6sung und der Abspaltung vom deutschen Vaterland nicht zufrieden. Infolgedessen bildeten sich in \u00d6sterreich nach 1871 immer mehr Deutschnationale Bewegungen.<\/p>\n<p>Mit der seinerzeit fortschrittlichsten Sozialstaatlichkeit und Verwaltungsgerichtsbarkeit im R\u00fccken formte sich ein Staat, dessen Erfolge sich auch in der Wirtschaft widerspiegelten. Durch die Hochindustrialisierung und den Wandel vom Agrar- hin zum modernen Industriestaat wurde das Deutsche Reich wirtschaftlich zum mitentscheidenden Faktor in Europa und der Welt. Bismarcks Politik der Saturiertheit sowie seine einzigartige Au\u00dfen- und B\u00fcndnispolitik sorgte f\u00fcr Frieden und Sicherheit sowohl im Reich als auch auf dem europ\u00e4ischen Kontinent. Nach dem Ableben von Kaiser Wilhelm I. im Dreikaiserjahr 1888 und der Entlassung des Reichskanzlers durch Kaiser Wilhelm II. 1890 \u00e4nderten sich diese Verh\u00e4ltnisse bald wieder.<\/p>\n<p>Das bekannte Bild \u201eDer Schmied der deutschen Einheit\u201c von Guido Philipp Schmitt stellt Bismarck als eben jenen Schmied dar, der das Reichsschwert an Germania \u00fcberreicht. Mehr pragmatisch als pathetisch l\u00e4sst sich auch sagen: der 18.01.1871 stellt die Geburt einer Nation dar, dessen Vater als auch Mutter Bismarck verk\u00f6rpert. Die Rolle der Hebamme \u00fcbernahm er auch noch; schlie\u00dflich leistete er die meiste Arbeit. Dem Kaiser fiel die Rolle des geliebten Gro\u00dfvaters zu, der nach Begutachtung des Neugeborenen die Gl\u00fcckw\u00fcnsche f\u00fcr den Wonneproppen in Empfang nahm, sich in den Schaukelstuhl setzte und zufrieden der neuen Familie bei der Arbeit zusah.<\/p>\n<p>Die Reichsgr\u00fcndung, die Ausformung des Sozialstaates und die Industrialisierung sind nur wenige von vielen Begriffen, die das deutsche Volk unabdingbar mit Bismarck verkn\u00fcpft. Sie lie\u00dfen ihn auch weit nach seinem Tode zu einem der beliebtesten und bekanntesten deutschen Politiker werden. Der posthum entstandene Bismarckkult mit Errichtungen von tausenden Denkmalen, T\u00fcrmen und S\u00e4ulen, Namensgebungen von Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen sowie f\u00fcr Essensgerichte, usw. zeugen von dieser au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen Beliebtheit.<\/p>\n<p>Wenn Herr Steinmeier diesen Denkmalen in seiner Rede nachsagt, dass sie <em>zwar im Stadtbild pr\u00e4sent seien aber keine pr\u00e4gende Kraft<\/em> <em>entfalten<\/em>, dann ist er wohl noch nie die paar Meter aus seinem Prunkschloss Bellevue Richtung Gro\u00dfem Stern gegangen und hat die Architektur der Siegess\u00e4ule sowie des danebenstehenden Bismarck-Nationaldenkmals und die dazugeh\u00f6rigen von Roon und Moltke auf sich wirken lassen. Oder er ist sich der Geschichte seiner Nation einfach nicht bewusst oder will es nicht sein, was man von einem souver\u00e4nen Staatsoberhaupt aber zu erwarten h\u00e4tte. Die m\u00e4chtige Imposanz solcher Bauwerke sollte bei ihm normalerweise ein gewisses Gef\u00fchl von Stolz und Demut hervorrufen. In der Bundesdeutschen Republik aber sind solche Gef\u00fchle nicht erw\u00fcnscht. Wie er weiter aus seiner Rede verlauten l\u00e4sst, ist Steinmeier der Meinung, dass<em> eine Nation nicht auf ethnischer und religi\u00f6ser Homogenit\u00e4t basiert<\/em>. Da wundert es nicht mehr, wenn ein Betrachter, der dem deutschen Wesen fremd ist, <em>beziehungslos<\/em> <em>vor diesen Denkmalen aus dieser Epoche steht.<\/em><\/p>\n<p>An dieser Stelle ein Hinweis des Autors an Herrn Steinmeier: Ein Volk ist die gr\u00f6\u00dfte organisch gewachsene Gemeinschaft von Menschen gleicher Art, gleichen Blutes, gleicher Geschichte, gleicher Kultur und Sprache, die sich als Schicksalsgemeinschaft versteht. Ein Nationalbewusstsein oder Nationalgef\u00fchl kann nur ein homogenes Volk entwickeln.<\/p>\n<p>Bundespr\u00e4sident Steinmeier bekennt sich demnach weder zu seinem Volk noch zu seiner Nation.<\/p>\n<p>Somit bleibt ihm in seiner Funktion als Bundespr\u00e4sident nur die Rolle des Gr\u00fc\u00dfaugusts und Redenschwingers anstelle die des Repr\u00e4sentanten einer Deutschen Nation.<\/p>\n<h2>Die List der Geschichte als Antwort auf die soziale Frage<\/h2>\n<p>Steinmeiers Darstellung zum Begriff \u201eList der Geschichte\u201c ist, wen wundert&#8217;s, einseitig gehalten und beinhaltet durchweg einen negativen Unterton. Laut ihm hatte die Entstehung des seinerzeit fortschrittlichsten Wahlrechts der Welt, <em>f\u00fcr Bismarck vor allem eigenn\u00fctzigen Zwecken zu dienen<\/em>. Eine Wahlbeteiligung von bis zu 85 % zeugt aber von Zufriedenheit im Volk mit dem ihm gegebenen Instrument des Wahlrechts.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Statt dieses positiv zu bewerten hebt Steinmeier die Herausbildung und St\u00e4rkung einer Opposition hervor, die <em>Gr\u00f6\u00dfe in Opposition zur Regierung gewann<\/em>. Die Tatsache, dass \u00fcberhaupt erst politische Errungenschaften wie Wahlen, Parlament und Parteienbildung durch die Verfassungsgebung von 1867\/1871 (Die Verfassung des Norddeutschen Bundes wurde weitestgehend im Deutschen Reich \u00fcbernommen) m\u00f6glich gemacht wurden, wird zwar erw\u00e4hnt, ihr aber kein Gewicht beigemessen.<\/p>\n<p>Andere Errungenschaften finden in seiner Rede dagegen in nur 3 knappen S\u00e4tzen Erw\u00e4hnung. Auf die Frage, warum so kurz, d\u00fcrften diese S\u00e4tze die Antwort geben: <em>\u201eIn der Gesetzgebung und Rechtsprechung steht auch die Bundesrepublik Deutschland noch in der Tradition des Kaiserreichs. Das B\u00fcrgerliche Gesetzbuch ebenso wie die Anf\u00e4nge der Verwaltungsgerichtsbarkeit oder Bismarck&#8217;schen Sozialgesetzgebung begr\u00fcndeten deutsche Rechtsgeschichte. Sie wirkt in den Grundstrukturen bis in die Gegenwart fort, &#8230;\u201c<\/em>. Hier konnten auch die Redenschreiber des Bundespr\u00e4sidenten kein Haar in die Suppe legen, da sie heute auch selbst gerne davon l\u00f6ffeln.<\/p>\n<p>Die gesamte Sozialpolitik Bismarcks pr\u00e4gte das Land dauerhaft. Mit Einf\u00fchrung der Plicht-Krankenversicherung 1883, der ersten S\u00e4ule des Sozialversicherungssystems, erhielten auch arme Arbeiterfamilien Zugang zu \u00e4rztlicher Versorgung. Die Sterblichkeit im Deutschen Reich sank um ca. 9%.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Dazu wuchs die Bev\u00f6lkerung von 1871 \u2013 1917 um etwa 50%.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Unfall-, Alters- und Invalidenversicherungen entstanden, Klassen- und Einkommensunterschiede wurden gemildert, eine Arbeitsschutzgesetzgebung wurde eingef\u00fchrt und vieles mehr. Eine soziale Gerechtigkeit entstand.<\/p>\n<p>Eine weitaus charmantere Darstellung zum Begriff \u201eList der Geschichte\u201c nennt die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Sch\u00f6nhausen, Dr. phil. Andrea Hopp, in ihrem Artikel \u201eWarum Bismarck?\u201c zum 200. Geburtstag des Eisernen Kanzlers. Im Kapitel \u201eunfreiwillig fortschrittlich\u201c hei\u00dft es: <em>\u201eEine List der Geschichte ist es indessen, dass er mit eben diesen Ma\u00dfnahmen konsequent das Ziel verfolgte, das hergebrachte Gesellschaftsideal einer vergangenen Epoche zu bewahren, stattdessen aber \u2013 einem Zauberlehrling gleich \u2013 unbeabsichtigt in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft der Moderne zum Durchbruch verhalf.\u201c<\/em> <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Diese und weitere Ausf\u00fchrungen zum Thema Bismarck h\u00e4tte der Herr Bundespr\u00e4sident sogar (man ahnt es nicht) von der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung bekommen k\u00f6nnen, die diesen Artikel ver\u00f6ffentlichte. Das gewohnt hohe Ma\u00df an Selbstverachtung w\u00e4re dabei allerdings auf der Strecke geblieben. Das Risiko konnte bei einer so (un)wichtigen Rede zur Reichsgr\u00fcndung wohl nicht eingegangen werden.<\/p>\n<p>Es bleibt zweifelsfrei festzustellen, dass ab der Reichsgr\u00fcndung wahrhaft Politik f\u00fcr das deutsche Volk gemacht wurde. Ein so dichtes soziales Netz etwa, das seit Bismarcks Zeiten in Deutschland herrscht und heutzutage zunehmend ausgeh\u00f6hlt wird, mit allen Vor- und Nachteilen, w\u00fcrde anderen V\u00f6lkern so wohl niemals in den Sinn kommen. Diese Sozialpolitik ist zugeschnitten auf das Deutsche Wesen, seine Anforderungen und Ansichten. In Ausschnitten war es beispielgebend f\u00fcr andere Nationen aber niemals eine Blaupause. Das machte den Unterschied zu den damaligen Sozialisten, deren Ansichten international und marxistisch gepr\u00e4gt waren. Bismarck war ihr entschiedener Gegner. Die soziale Frage hatte er f\u00fcr alle sp\u00fcrbar beantwortet.<\/p>\n<h2>Ein Reiches Erbe?<\/h2>\n<p>Trotz vieler lobenswerter Reformen, die einen modernen, sozialen und wirtschaftlich potenten Staat entstehen lie\u00dfen, war ein grundlegender weltanschaulicher Gedanke, der allumfassend Perspektiven bot, nicht vorhanden. Das robuste Ger\u00fcst und das schwere Dach standen auf zu schwachem Fundament. Dennoch sind einige Teile aus diesem Bauwerk bis heute erhalten geblieben und werden weiterhin gepflegt und genutzt. Alles ist l\u00e4ngst nicht verloren gegangen aus Bismarcks Nachlass und ist in Teilen fester Bestandteil unseres Alltags. Vieles gilt heute noch als vorbildhaft, vor allem das Sozial- und Verwaltungswesen, sofern diese Werkzeuge im Sinne des Erfinders genutzt und nicht von unwissenden H\u00e4nden, welche die Gebrauchsanweisung nicht gelesen haben, missbraucht werden. Das ist aus nationalistischer Sicht jedoch in der Bundesrepublik zum Gro\u00dfteil der Fall. Deshalb geh\u00f6rt das Erbe des Reiches dringend wieder in H\u00e4nde, die Wissen wie sie richtig mit diesem Werkzeug umzugehen haben.<\/p>\n<h2>Literaturhinweise<\/h2>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2021\/01\/210113-150Jahre-Reichsgruendung.html\">https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2021\/01\/210113-150Jahre-Reichsgruendung.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/meldung\/bund-gibt-eine-milliarde-euro-fuer-kampf-gegen-rechtsextremismus,3003427b1\">https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/meldung\/bund-gibt-eine-milliarde-euro-fuer-kampf-gegen-rechtsextremismus,3003427b1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/reichsgruendung-2021\/325047\/versailles-und-der-deutsch-franzoesische-krieg-von-1870-71\">https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/reichsgruendung-2021\/325047\/versailles-und-der-deutsch-franzoesische-krieg-von-1870-71<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K\u00f6nigskr\u00f6nung_Friedrichs_III._von_Brandenburg#Gedenken_und_Erinnerung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K\u00f6nigskr\u00f6nung_Friedrichs_III._von_Brandenburg#Gedenken_und_Erinnerung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/reichsgruendung-2021\/325039\/eine-moeglichkeit-von-vielen\">https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/reichsgruendung-2021\/325039\/eine-moeglichkeit-von-vielen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/reichsgruendung-2021\/325039\/eine-moeglichkeit-von-vielen\">https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/reichsgruendung-2021\/325039\/eine-moeglichkeit-von-vielen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>Siehe \u201eIm Gespr\u00e4ch\u201c mit Prof. Dr. R. F. Schmidt, Junge Freiheit Nr. 3\/21, S. 5<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.digital.uni-passau.de\/beitraege\/2020\/bismarcks-krankenversicherung\">https:\/\/www.digital.uni-passau.de\/beitraege\/2020\/bismarcks-krankenversicherung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hochindustrialisierung_in_Deutschland#Bev\u00f6lkerungsentwicklung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hochindustrialisierung_in_Deutschland#Bev\u00f6lkerungsentwicklung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/202979\/warum-bismarck\">https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/202979\/warum-bismarck<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hiermit ver\u00f6ffentlichen wir dankend eine Zuschrift eines Gegenstrom-Lesers. 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