{"id":7770,"date":"2021-04-16T07:23:25","date_gmt":"2021-04-16T05:23:25","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=7770"},"modified":"2021-04-16T07:23:25","modified_gmt":"2021-04-16T05:23:25","slug":"aristokratie-und-die-dialektik-gesellschaftlicher-steuerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/aristokratie-und-die-dialektik-gesellschaftlicher-steuerung\/","title":{"rendered":"Aristokratie und die Dialektik gesellschaftlicher Steuerung"},"content":{"rendered":"<p><em>Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine Zusendung unseres Lesers <strong>Arnold Rolant<\/strong>. Darin behandelt er den Zusammenhang zwischen elit\u00e4ren Kreisen und der Steuerung einer Gesellschaft.\u00a0 Der Autor befasst sich hier mit den beiden sich einander bedingenden Polen die strukturelle Organisation und das strukturlose Netzwerk und zeigt auf, wie die Eliten Einfluss auf die Bildung von Kollektiven nehmen. Die Redaktion<\/em><\/p>\n<p>Es gibt zwei grunds\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme auf gesellschaftliche Systeme: die strukturelle Steuerung und die strukturlose Steuerung.<\/p>\n<p>Von struktureller Steuerung spricht man, wenn Steuerungsprozesse durch offiziell benannte Akteure verwirklicht werden, denen aufgrund der ihnen zugewiesenen Rolle bestimmte Steuerungsbefugnisse zugeschrieben werden, z.B. Pr\u00e4sident, Vorstandsvorsitzender oder General. Typisch f\u00fcr die strukturelle Steuerung sind festgelegte Zust\u00e4ndigkeiten innerhalb einer Rangordnung, durch die eine Befehlskette festgelegt ist, etwa bei einem Staat, in einer Firma oder beim Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>Anders bei der strukturlosen Steuerung. Hier werden Steuerungsprozesse von Menschen gemeinschaftlich vorangetrieben, die \u00e4u\u00dferlich in keiner geregelten Verbindung zueinander stehen. Dennoch handeln diese Menschen koordiniert und zielgerichtet, weil sie in einem informellen, d.h. strukturlosen Kontakt miteinander stehen, gleiche Ziele verfolgen und diese gemeinschaftlich anstreben.<\/p>\n<p>Eine einfache strukturlose Steuerungseinheit w\u00e4re beispielsweise ein Freundeskreis, in dem sich einflussreiche Pers\u00f6nlichkeiten treffen und absprechen. Wenn sich etwa ein Minister und mehrere Konzernchefs am Wochenende im Golfclub treffen und gemeinsam einen Gesetzentwurf so formulieren, dass er den Interessen der Konzerne entgegenkommt, dann handelt es sich um einen Fall von strukturloser Steuerung, hier einem Eingriff des Privatsektors in die Regierungsgesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte aber auch sein, dass der Minister eine Frau oder Geliebte hat, die ihn in seinen Entscheidungen beeinflusst. Das kann auf nat\u00fcrliche Weise unabsichtlich und nebenbei geschehen, oder aber auch bewusst und zielgerichtet durch die Frau betrieben werden. Darum war es f\u00fcr Geheimdienste und Schattenorganisationen immer schon reizvoll, ihre Agentinnen als Geliebte oder Ehefrauen hochrangiger Politiker zu platzieren.<\/p>\n<p>Ebenso k\u00f6nnen religi\u00f6se oder spirituelle Autorit\u00e4ten Einfluss auf die Politik gewinnen, wenn sie Verbindungen zu Entscheidungstr\u00e4gern der strukturellen Steuerung pflegen. Beispielhaft w\u00e4ren hier der Prediger Rasputin im zaristischen Russland zu nennen und Donald Trumps Tochter und Beraterin Ivanka, die wie ihr Ehemann Jared Kushner Mitglied der Chabad-Bewegung ist.<\/p>\n<p>Bei der strukturlosen Steuerung ist auch die Frage, wer die Macht hat, eine relative Angelegenheit. Denn wer ist m\u00e4chtiger? Der K\u00f6nig, der ein Gesetz erl\u00e4sst, oder der Hofnarr, der ihn auf die Idee gebracht hat?<\/p>\n<p>Der Archetyp der strukturellen Steuerung ist die Organisation, der Archetyp der strukturlosen Steuerung ist das Netzwerk. W\u00e4hrend Organisationen stets geplant und bewusst strukturiert sind, ergeben sich Netzwerke einfach aus zwischenmenschlichen Beziehungen und dem daraus folgenden Informationsaustausch. In der Praxis gibt es aber vielf\u00e4ltige Verflechtungen von Organisationen und Netzwerken sowie Mischformen. Dennoch sind Organisation und Netzwerk im dialektischen Sinne zwei gegens\u00e4tzliche aber sich erg\u00e4nzende Pole. Auch hier ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur starren Hierarchie einer Organisation ist ein Netzwerk flexibler und anpassungsf\u00e4higer. W\u00e4hrend in einer Organisation eine bestimmte Aufgabe von dem ausgef\u00fchrt wird, der kraft seines Amtes daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist oder von der \u00fcbergeordneten Ebene einen Befehl erh\u00e4lt, so wird innerhalb eines Netzwerkes die Aufgabe entweder freiwillig \u00fcbernommen oder es wird ausgehandelt, wer sie \u00fcbernimmt. Ein Netzwerk setzt also auf Freiwilligkeit und \u00dcbereinkunft, w\u00e4hrend eine Organisation \u00fcblicherweise nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam arbeitet.<\/p>\n<p>Festgelegte und eingespielte Zust\u00e4ndigkeiten lassen eine Organisation mitunter schneller reagieren als ein Netzwerk, wo erst eine Absprache zwischen den Mitgliedern stattfinden muss. Andererseits bremst eine vielschichtige Rangordnung die Eigeninitiative auf den untergeordneten Ebenen, was Organisationen einfallslos und starr werden l\u00e4sst. Eine starre Organisation kann man schon allein dadurch handlungsunf\u00e4hig machen, dass man die Befehlskette unterbricht.<\/p>\n<p>In einem Netzwerk wird der Ausfall eines einzelnen Mitglieds oder Netzwerkknotens durch die redundanten Verbindungen zu den anderen Mitgliedern aufgefangen. Dies ist die urspr\u00fcngliche Idee des Internet. Wenn es aber um die gemeinschaftliche Verwirklichung konkreter Projekte geht, ist innerhalb von Netzwerken der Koordinationsaufwand h\u00f6her als in einer Organisation, in der bereits alle Zust\u00e4ndigkeiten geregelt und alle Abl\u00e4ufe eingespielt sind. Im Bestreben diesen dialektischen Widerspruch aufzul\u00f6sen, neigen Netzwerke dazu, Organisationen zu bilden \u2013 wenn auch vielleicht nur projektbezogen und vor\u00fcbergehend.<\/p>\n<p>Organisationen k\u00f6nnen zwar stabil und langlebig sein, sind aber anf\u00e4llig f\u00fcr Aufstiegsk\u00e4mpfe und ziehen, durch die M\u00f6glichkeit in der Rangordnung Macht \u00fcber andere aus\u00fcben zu k\u00f6nnen, schlie\u00dflich auch machtbesessene Psychopathen an. Organisationen k\u00f6nnen zum Selbstzweck werden, wenn der Korporatismus den Idealismus \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Netzwerke sind weniger festgelegt, daf\u00fcr in jeder Hinsicht flexibler und anpassungsf\u00e4higer. Auch k\u00f6nnen Netzwerke verschiedenste Charaktere und Meinungen eher verbinden und eingliedern als eine Organisation, die an einen starren Konsens oder Kodex gebunden ist.<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat diese Dialektik der Steuerung nun f\u00fcr das Wirken einer Neuen Aristokratie?<\/p>\n<p>Schauen wir uns die heutigen Eliten an, so erkennen wir ein Netzwerk aus Familiendynastien und Klans, deren Mitglieder in den F\u00fchrungsgremien aller m\u00f6glichen staatlichen und \u00fcberstaatlichen Organisationen sowie Konzernen t\u00e4tig sind. Das Netzwerk ist unsichtbar f\u00fcr jene, die mit den Namen und Stammb\u00e4umen nicht vertraut sind. Die Mitglieder dieses Netzwerkes, oder deren Mittelsm\u00e4nner, besetzen Schl\u00fcsselpositionen in wirtschaftlichen, politischen und geistlichen Organisationen und haben so einen weitreichenden Einfluss in diesen Bereichen. Das Netzwerk ist also den Organisationen \u00fcbergeordnet, ohne offiziell als Lenker oder Herrscher in Erscheinung zu treten. Hier zeigt sich ein Vorteil der strukturlosen Steuerung: Solange das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mOoK8sFyTgY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netzwerk unerkannt<\/a> und namenlos bleibt und seine Mitglieder ihm nicht zuordenbar sind, bleibt seine Existenz verborgen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, wie strukturlose Steuerung umgesetzt wird, ist der von den Linken erfolgreich durchgef\u00fchrte \u201eMarsch durch die Institutionen\u201c, dessen Ergebnis wir heute in Politik und Medien beobachten k\u00f6nnen. \u00dcber Jahre und Jahrzehnte sind die Linken in alle Strukturen der Gesellschaft eingesickert und haben mehr und mehr Gesinnungsgenossen nachgezogen. Allerdings brauchten sie bis an die Spitze der BRD ganze 30 Jahre, wenn man von der 68er-Revolution bis zum Regierungsantritt Gerhard Schr\u00f6ders rechnet. Hieran sieht man, dass die \u00dcbernahme der strukturellen Steuerung auf strukturlosem Wege sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, da die Netzwerker erst in die gesellschaftliche Steuerungsstruktur hineinwachsen und dort aufsteigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn diese \u00dcbernahme der strukturellen Steuerung jedoch in aller Breite und Tiefe gelungen ist, dann hat das Netzwerk direkten Zugriff auf alle Ebenen des Staates. Jedoch muss man gleichzeitig auch die Medien und den Kulturbetrieb mit eigenen Leuten besetzen, um diese so wichtigen Instrumente der Volkserziehung ebenfalls auf Linie zu bringen. Die Linken und Marxisten haben es vorgemacht.<\/p>\n<p>Was aber, wenn man auf die staatlichen und gesellschaftlichen Strukturen nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt zugreifen kann? Es bleibt dann nur die strukturlose Steuerung, also eine indirekte Einflussnahme auf die Menschen, den Zeitgeist und schlie\u00dflich auf die Politik. Diese Strategie wird unter der Bezeichnung \u201eMetapolitik\u201c bereits versucht. Hierbei geht es vor allem um die Pr\u00e4gung des politischen Vorfeldes in Kunst, Kultur und Bildung.<\/p>\n<p>Dazu muss ein positives Gegenmodell zum herrschenden Zeitgeist erschaffen werden. Denn die Menschen, vor allem die jungen, brauchen positive Vorbilder, denen sie nacheifern k\u00f6nnen. Diese Vorbilder sind idealerweise Menschen aus Fleisch und Blut, die durch das Beispiel ihres Lebens, durch ihr Wesen, ihr K\u00f6nnen und ihre Taten andere begeistern, es ihnen gleichzutun. Solche Menschen k\u00f6nnte man zurecht als Aristokraten bezeichnen.<\/p>\n<p>Dabei sind viele Menschen bereits Aristokraten, ohne es zu wissen. Es sind jene, die sich f\u00fcr das Gemeinwohl einsetzen, einfach weil sie sp\u00fcren, dass das Ganze ein Teil von ihnen selbst ist. Auch sind es jene, die aus einem inneren Drang heraus nach dem Wahren, Sch\u00f6nen und Guten, nach Vollkommenheit, ja dem G\u00f6ttlichen streben. Gerade uns Deutschen scheint dieses Streben im Blut zu liegen.<\/p>\n<p>Einen Aristokraten erkennt man auch an jenem unersch\u00fctterlichen Gleichmut, der die Schlechtigkeit der Welt w\u00fcrdevoll an ihm abperlen l\u00e4sst, wie man es auch vom Schwan kennt, dessen Gefieder selbst in schlammigem Gew\u00e4sser wei\u00df bleibt. Darum wurden die Gralsritter auch Schwanenritter genannt, da der Schmutz der Welt an ihrem Wesen abperlte, das in sich ruhend auf das G\u00f6ttliche ausgerichtet war. Wer sich f\u00fcr die Spiritualit\u00e4t hinter Adel und K\u00f6nigtum interessiert, dem sei <a href=\"https:\/\/shop.neueerde.de\/Themen\/Kelten\/VATAN-Der-Pfad-des-Nordens.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieses Buch<\/a> empfohlen.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit, durch Vorbild zu f\u00fchren, ist der Einsatz beispielhafter Figuren in Literatur und Film, die ein aristokratisches Ideal verk\u00f6rpern, dem die Menschen nacheifern k\u00f6nnen. Wer sich schon einmal dabei ertappt hat, wie er Spr\u00fcche oder Verhaltensweisen eines Leinwandhelden \u00fcbernahm, der wei\u00df um die Macht solch virtueller Vorbilder.<\/p>\n<p>Hier sind alle schreibkundigen und kreativ gestalterischen K\u00f6pfe gefragt, das aristokratische Ideal in Literatur-, Kunst- und Filmprojekten darzustellen und zu vermitteln. Dabei d\u00fcrfen die Charaktere nicht zu perfekt sein, denn es sind gerade die kleinen Unzul\u00e4nglichkeiten, die daf\u00fcr sorgen, dass sich der Leser oder Zuschauer in den Helden wiedererkennt. Wer sich jetzt angesprochen oder inspiriert f\u00fchlt, k\u00fcnstlerisch t\u00e4tig zu werden, dem sei w\u00e4rmstens empfohlen, sich mit den Archetypen der <a href=\"https:\/\/www.kopp-verlag.de\/Die-Odyssee-der-Drehbuchschreiber-Romanautoren-und-Dramatiker.htm?websale8=kopp-verlag&amp;pi=A4949314&amp;ci=%24_AddOn_%24\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heldenreise <\/a>vertraut zu machen.<\/p>\n<p>Der alte Adel legte gro\u00dfen Wert auf Familienbande und Kindererziehung. Aus gutem Grund! Nicht nur weil die Kindererziehung ein Feld der strukturlosen Steuerung ist, allein der Nachwuchs an sich hielt die Adelsgeschlechter \u00fcber Generationen am Leben. Darum muss auch eine Neue Aristokratie ihre alleinstehenden M\u00e4nner und Frauen zusammenbringen und somit Ehen und schlie\u00dflich Familien erm\u00f6glichen, die ihre Kinder im aristokratischen Geiste erziehen.<\/p>\n<p>Da M\u00e4nner in rechten Kreisen in der \u00dcberzahl sind, gilt es vermehrt junge Frauen in diese Kreise aufzunehmen. Hier leistet der Corona-Wahn unverhoffte Sch\u00fctzenhilfe, denn viele kritisch denkende Frauen erleben gerade, dass ihnen ihr vertrauter Freundeskreis wegbricht. Diese heimatlos gewordenen Frauen freuen sich \u00fcber neue Kontakte zu anderen kritisch denkenden Frauen, die es in rechten Kreisen ja gl\u00fccklicherweise gibt. Vielleicht k\u00f6nnte man solchen von ihrem Umfeld entt\u00e4uschten Frauen einen neuen Freundeskreis und eine neue Heimat bieten.<\/p>\n<p>Es braucht heute eine lebensbejahende, stammesbewusste und aristokratische Parallelgesellschaft, deren lebendige wie virtuelle Vorbilder aufzeigen, dass Tradition und Moderne vereinbar sind, dass eine andere, eine bessere Zukunft m\u00f6glich ist. Alle, die den aristokratischen Weg beschreiten, sind Leuchtfeuer gegen die Irrlichter des Verfalls und des Niedergangs. Bleiben wir im Strom der Lemminge standhaft und bahnen wir unseren eigenen Weg, fort von den Klippen, hinauf zu den Gipfeln!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine Zusendung unseres Lesers Arnold Rolant. 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