{"id":7747,"date":"2021-03-12T06:57:10","date_gmt":"2021-03-12T05:57:10","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=7747"},"modified":"2021-03-12T06:57:10","modified_gmt":"2021-03-12T05:57:10","slug":"disrupt-the-disruptor-eine-rechte-digitalstrategie-ist-notwendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/disrupt-the-disruptor-eine-rechte-digitalstrategie-ist-notwendig\/","title":{"rendered":"Disrupt the disruptor \u2013 Eine rechte Digitalstrategie ist notwendig"},"content":{"rendered":"
Jeden Tag passiert es: Kritische Kommentare oder Videos werden gel\u00f6scht, Tweets entfernt, Nutzer blockiert, Strafverfahren und Unterlassungsklagen wegen \u201eHassrede\u201c oder anderer windiger Begr\u00fcndungen eingeleitet. Das Internet, als politischer Aktionsraum der neuen Zeit, hat der Rechten viele M\u00f6glichkeiten beschert. Doch im Moment sieht es so aus, als ob ihr diese Schritt-f\u00fcr-Schritt genommen werden. Die bewusste Gesellschaftsumgestaltung, welche von der herrschenden Klasse von oben durchgedr\u00fcckt wird, findet in der digitalen Welt ihren Akzelerator. System- und Herrschaftskritik sind unerw\u00fcnscht. Die gro\u00dfen globalen Player dominieren die wesentlichen Spielfelder: Social Media (Facebook, Alphabet Inc.), E-Commerce (Amazon), Soft- und Hardware (Microsoft, Apple), Hosting (Microsoft, Amazon, Alphabet Inc.). Das ist nichts Neues. Und dennoch hat die Rechte scheinbar jahrelang gedacht, dass sie so weitermachen k\u00f6nne als w\u00e4ren diese Dienstleistungen f\u00fcr jedermann gleichsam zug\u00e4nglich. Wieso sonst hat man nicht schon fr\u00fchzeitig versucht, sich von den Gro\u00dfen zu emanzipieren? Jahre wurden verschlafen und anstatt das eigene Handeln zu hinterfragen, f\u00fchlt man sich jetzt wohl in der Opferrolle. Dabei war es Irrwitzig zu glauben, dass die Privatunternehmen R\u00fccksicht auf private Einzelmeinungen nehmen m\u00fcssten. Die Gerichte werden dies best\u00e4tigen oder haben dies unl\u00e4ngst getan[1]<\/a>. Eine Partizipation an ihren Angeboten ist nicht m\u00f6glich, wenn man sich nicht an die Regeln h\u00e4lt und diese werden regelm\u00e4\u00dfig neu und nach eigenem Belieben definiert. Das Diskoprinzip greift: Der T\u00fcrsteher sagt, wer reinkommt und wer nicht. Anstatt also heulend darauf zu hoffen, auch einmal wieder f\u00fcr eine gewisse Zeit Zutritt zu erhalten und kurzlebigen Trends hinterherzulaufen, sollte die Rechte sich zur\u00fccknehmen und an einer echten Digitalstrategie arbeiten. Nur so k\u00f6nnen auch langfristig die unzweifelhaft vorhandenen Vorz\u00fcge des Web gewinnbringend genutzt werden.<\/p>\n In den letzten Jahren hat sich unzweifelhaft eine Menge getan im patriotischen Medienmilieu. Alternative Medienprojekte haben Hochkonjunktur. Auch auf der rechten Seite haben sich reichweitenstarke Influencer etabliert, welche immensen Einfluss auf ihre Zuschauer nehmen k\u00f6nnen. Zugleich ist eine begr\u00fc\u00dfenswerte Professionalisierung des Schnittes, der Bilder und allgemeinen Qualit\u00e4t wahrzunehmen. Wer einen Blick in die USA wirft, wei\u00df, welcher Markt sich insbesondere im Bereich des Influencing gebildet hat. Die Geh\u00e4lter bzw. Spendenaufkommen, je nachdem ob es sich bei dem Kanal um einen kommerziellen oder nicht-kommerziellen handelt, sind hoch f\u00fcr reichweitenstarke Akteure. Zudem bieten sie Zielgruppengerechte Inhalte an und erreichen dadurch einen viel h\u00f6heren Wirkungsgrad als klassische Outbound-Marketing Aktivit\u00e4ten, welche eindimensional kommunizieren und oftmals auf reinen Werbeanzeigen basieren. Die Influencer haben der Rechten ein Gesicht gegeben. Das ist Ihnen hoch anzurechnen, denn jeder, der einmal in das Aufmerksamkeitsfeld des politischen Feindes ger\u00fcckt ist, wei\u00df, was das bedeutet.<\/p>\n Umso wichtiger, dass die Aktivit\u00e4ten zielf\u00fchrend sind. Genau hier ist jedoch der Knackpunkt. Auf welches Ziel steuern die Akteure zu? Es scheint, dass viele im Wesentlichen nur die reine Unterhaltung ihrer \u201eFollower\u201c im Blick haben. Der Inhalt leidet unter dieser kurzfristigen Ausrichtung. Schnelle Produktionen, wenig Skript, wenig Inhalt, wenig Neues. In der allgemeinen Youtube-Welt mag das in Ordnung sein. Influencer kommen und gehen und bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie verschwinden, haben sie in der Regel ausreichend Geld abgesch\u00f6pft. Dieses Verhalten sollte nicht als Benchmark gesetzt werden. Viel wichtiger w\u00e4re es, ein ausgewogenes und abgestimmtes Verhalten an den Tag zu legen. Hei\u00dft, Themen pointiert zu setzen und in der Breite zu vertreten. Diese im Nachgang dann Zielgruppengerecht zu kommunizieren und sich wieder fachgebietsspezifisch aufzuteilen.<\/p>\n Kurzum: Es mangelt der Rechten \u2013 wie in allen Bereichen \u2013 an einer tragf\u00e4higen (Digital)Strategie. Das betrifft im Hinblick auf den Netzaktivismus nicht nur die Influencer. Viel wichtiger ist die Infrastruktur. Hier wurde genau genommen noch nichts unternommen, um sich unabh\u00e4ngig aufzustellen. Eigene Webhosting Services gibt es nicht. Dies ist eine riesige Gefahr f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Verf\u00fcgbarkeit alternativer Netzseiten. Zudem bieten die nicht-anonymisierten Dienstleister keinerlei Schutz vor den \u00dcbergriffen des Gegners und seiner Gummiparagraphen. Die Linke hat hier bereits vor \u00fcber einem Jahrzehnt vorgearbeitet und stellt vielen ihrer Gruppen g\u00fcnstigen Webspace bis hin zu Angeboten inklusive Content-Management-System, Monitoring, Data Recovery und Backup sowie Lastverteilung zur Verf\u00fcgung. Jeder, der schon einmal versucht hat, juristisch gegen diese Portale vorzugehen, wird die Aussichtslosigkeit des Unterfangens best\u00e4tigen k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich leistet die staatliche Motivation oder eben Nicht-Motivation zur strafrechtlichen Aufkl\u00e4rung hierzu einen Beitrag, aber die Aufw\u00e4nde sind doch bereits deutlich h\u00f6her und abschreckender als anderswo. Es muss der Rechten also in jeglicher Hinsicht darum gehen, die eigene Unabh\u00e4ngigkeit auszubauen. Dies kann nur \u00fcber Vernetzung, Integration und Professionalisierung geschehen.<\/p>\n Diese Professionalisierung w\u00fcrde zudem noch weitere positive Nebeneffekte bewirken. Gerade junge Leute sehnen sich nach Anstellungen im IT-Bereich. Auf dem Arbeitsmarkt werden diese aufgrund des Fachkr\u00e4ftemangels in der Regel f\u00fcndig, dennoch m\u00f6chten gerade Idealisten gern ihre Arbeitskraft entsprechenden Projekten zur Verf\u00fcgung stellen. Bot die Rechte in der Vergangenheit oftmals nur Hilfsarbeiterstellen f\u00fcr (mehr oder weniger) gescheiterte Politikwissenschaftler und Soziologiestudenten an[2]<\/a>, w\u00e4re dies die Gelegenheit auch gut ausgebildeten bis hochqualifizierten Absolventen eine Perspektive in den eigenen beruflichen Reihen zu bieten. Datenanalytiker, Software- und Mobile App-Entwickler, IT-Architekten und viele mehr werden dringend ben\u00f6tigt. Hier h\u00e4tte insbesondere der parlamentarische Arm die finanziellen M\u00f6glichkeiten gehabt, ein Fundament zu errichten. Jedoch hat auch hier, wie in allen Belangen, das Zusammenspiel von parlamentarischer Rechten und dem alternativen Milieu vollkommen versagt. Zwei \u201eKonferenzen der Freien Medien\u201c \u2013 ausgerichtet von MdBs der AfD \u2013 haben bisher nichts Nennenswertes hervorgebracht, au\u00dfer netten Videos im hohen Haus[3]<\/a>.<\/p>\n Dabei muss die Rechte einsehen, dass ihre kurzfristigen \u00dcberlegungen nicht zukunftstr\u00e4chtig sind. Wer argumentiert, dass seine Zuschauer sich heute bei Youtube aufhalten und kein Interesse daran haben, auf einen alternativen Anbieter umzuschalten, verkennt, dass er selbst nicht lange mehr ein Teil dieser Plattform sein wird. Um Menschen zu sich zu locken, muss \u2013 wie \u00fcberall im Produktmarketing \u2013 Arbeit investiert werden. Es ist allgemein bekannt, dass das Zeitbudget des Publikums sich durch die Programmvielfalt massiv ver\u00e4ndert hat. Mit einfachen Kopien und nicht-exklusiven Inhalten kann man die Menschen nicht dauerhaft unterhalten. Gerade hier schlummert doch das riesige Potential f\u00fcr die Rechte. Wer gute Inhalte zu bieten hat, der ist auf einer exklusiven Plattform viel besser aufgehoben als im Einheitsbrei des Mainstreams. Besondere Meldungen, Mitteilungen und Hintergrundinformationen m\u00fcssten im besten Fall sogar ausschlie\u00dflich an den Mainstreammedien vorbei ver\u00f6ffentlicht werden. So w\u00fcrden sich Potentiale zur Klickratenerh\u00f6hung und Gegenfinanzierung bieten. Gleichsam h\u00e4tte man die vollkommene Deutungshoheit \u00fcber die eigenen Inhalte.<\/p>\n Wie schnell auch sogenannte alternative Plattformen an Zuwachs gewinnen k\u00f6nnen, zeigte sich j\u00fcngst an der Userentwicklung des Unternehmens Parler. In der Zeit vom 6. auf den 10. November kamen \u00fcber 4,5 Millionen neue Nutzer hinzu. Die Zahl verdoppelte sich in nur einem Monat von f\u00fcnf auf zehn Millionen.[4]<\/a><\/p>\n Exklusive Inhalte auf ausgew\u00e4hlten, idealerweise eigenbetrieben Plattformen in abgestimmter Orchestrierung w\u00e4ren ein gewaltiger Schritt nach vorn: \u201eDisrupt the disruptor\u201c lautet das Motto; die Wirkmechanismen und Burgw\u00e4lle der Gro\u00dfen m\u00fcssen durchbrochen werden.<\/p>\n Dar\u00fcber hinaus g\u00e4be es eine Vielzahl m\u00f6glicher Schritte, die gegangen werden k\u00f6nnten. Am wichtigsten erscheint jedoch die schrittweise Entkoppelung und Individualisierung der eigenen Infrastruktur. Alternative Plattformen m\u00fcssen errichtet und mit den eigenen Inhalten bespielt werden. Das ganze m\u00f6glichst weit au\u00dferhalb des Zensurgriffes der Beh\u00f6rden. Die linken Netzaktivisten sind hier mit gutem Beispiel vorangegangen. Derlei Servicemodelle w\u00fcrden viele Gruppen und Organisationen entlasten und eine h\u00f6chstm\u00f6gliche Erreichbarkeit der eigenen Inhalte sicherstellen.<\/p>\n Sobald diese Grundlage gelegt ist, bieten sich weitere M\u00f6glichkeiten, Inhalte unabh\u00e4ngig und vor allem wirtschaftlich rentabel anzubieten. Hierbei kann man sich gern bei den g\u00e4ngigen Gesch\u00e4ftsmodellen der Plattform\u00f6konomie bedienen. Diese sind ihrem Wesen nach alles andere als schlecht. Nur sind sie, neben ihrer zensureifrigen Ausrichtung, oftmals finanziell uninteressant f\u00fcr kleinere Nischenanbieter. Eigene Plattformen k\u00f6nnten dies \u00e4ndern und das Geld direkt an die richtige Adresse flie\u00dfen lassen.<\/p>\n Einige Ideen, deren Vertiefung und Ausgestaltung erstrebenswert erscheint, w\u00e4ren:<\/p>\n Die Rechte muss auch f\u00fcr ihre Arbeit im Netz begreifen, dass diese unn\u00fctz ist, wenn sie keiner \u00fcbergeordneten Strategie folgt. Taktische Mittel sind vielf\u00e4ltig und k\u00f6nnen situativ angepasst werden. Wenn jedoch die derzeit vorherrschende kurzfristige Denkweise \u00fcberwiegt und aus Bequemlichkeit der Aufbau eigener Strukturen ausf\u00e4llt, dann wird das Schlachtfeld des Web sehr ung\u00fcnstige Begebenheiten f\u00fcr die Rechte offenbaren.<\/strong><\/p>\n Wie immer muss bei jeder virtuellen Aktion die Frage im Vordergrund stehen: Wo m\u00f6chte ich hin und was m\u00f6chte ich dadurch erreichen? Wenn die Rechte hier dran arbeitet, dann offenbaren sich ihr gigantische M\u00f6glichkeiten in jederlei Hinsicht.<\/strong><\/p>\n Anmerkung: Der Ausspruch \u201edisrupt the disruptor\u201c im Titel dieses Artikels geht auf den zyprischen \u00d6konomen Constantinos C. Markides zur\u00fcck, welcher diesen in seiner Rolle als Robert P. Bauman Professor of Strategic Leadership der London Business School einst t\u00e4tigte.<\/em><\/p>\n [1]<\/a> Siehe hierzu beispielhaft das Urteil des Oberlandesgerichtes Dresden gegen den patriotischen Verein \u201eEin Prozent\u201c: https:\/\/www.mdr.de\/sachsen\/bautzen\/goerlitz-weisswasser-zittau\/urteil-sperrung-ein-prozent-facebook-instagram-100.html<\/a> (Stand: 03. M\u00e4rz 2021)<\/p>\n [2]<\/a> Anmerkung des Autors: Achtung \u2013 Sarkasmus!<\/p>\n [3]<\/a> Verwiesen wird hier auf die \u201eKonferenz der Freien Medien\u201c welche bereits zweimal durch die AfD Bundestagsfraktion durchgef\u00fchrt wurde: https:\/\/www.afdbundestag.de\/freiemedienkonferenz\/<\/a> (Stand: 03. M\u00e4rz 2021).<\/p>\nViel hilft nicht immer viel <\/strong><\/h2>\n
Das Versagen der Geldgeber<\/strong><\/h2>\n
Die Gesinnung ist entscheidend <\/strong><\/h2>\n
Es gibt viele M\u00f6glichkeiten<\/strong><\/h2>\n
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Anmerkungen & Literaturhinweise<\/strong><\/h2>\n