{"id":7611,"date":"2021-01-14T06:37:04","date_gmt":"2021-01-14T05:37:04","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=7611"},"modified":"2021-01-15T17:40:32","modified_gmt":"2021-01-15T16:40:32","slug":"rezension-nationalismus-digitalisierung-dritter-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/rezension-nationalismus-digitalisierung-dritter-weg\/","title":{"rendered":"Rezension: Nationalismus &#038; Digitalisierung (Dritter Weg)"},"content":{"rendered":"<p>Die Partei \u201eDer Dritte Weg\u201c hat vor einiger Zeit eine Handreichung mit dem Titel \u201eNationalismus &amp; Digitalisierung\u201c herausgebracht, in welchem sie den Themenkomplex der Digitalisierung aus einer nationalistischen Sicht beschreibt und bewertet. MetaPol hatte die Gelegenheit ein Belegexemplar zu sichten.<\/p>\n<p>Vorab ist zu erw\u00e4hnen, dass es sich um eine durchaus ausf\u00fchrliche Ausarbeitung zum Thema handelt. So umfasst das Werk rund 180 Seiten. Damit erscheint es zum jetzigen Zeitpunkt die erste umf\u00e4nglich ausgearbeitete Schrift zu diesem Thema \u201evon rechts\u201c zu sein, was zu begr\u00fc\u00dfen ist.<\/p>\n<p>Bereits im Vorwort, welches von Matthias Fischer verfasst wurde, wird richtigerweise darauf hingewiesen, dass es mehr als an der Zeit sei, sich mit diesem alle gesellschaftlichen Bereiche erfassenden Komplex auseinanderzusetzen sowie die eigenen Positionen hierzu zu erarbeiten. Im Moment habe man noch die Zeit, um sich vorzubereiten, da man von der Machtfrage entfernt st\u00fcnde. Sollte diese in greifbarere N\u00e4he r\u00fccken, m\u00fcssten die Fragen gekl\u00e4rt sein, da ansonsten andere das Zepter des Handelns \u00fcbernehmen w\u00fcrden. Es ist sch\u00f6n zu sehen, dass man hier auch auf einer staatlichen Ebene versucht, sich diesem Thema zu widmen. Bisher drehte sich die Debatte im rechten Lager oftmals nur um die Machtkonsolidierung US-Amerikanischer Tech-Giganten, wie Facebook oder Amazon sowie die negativen Auswirkungen auf das soziale Leben der Menschen. Dementgegen versucht man hier erstmals L\u00f6sungen zu erarbeiten und das Thema tiefer zu beleuchten. Es kann vorweggenommen werden, dass die Schrift \u2013 selbstverst\u00e4ndlich \u2013 einige L\u00fccken aufweist und nicht auf alle Probleme eine plausible Antwort geben kann. Das w\u00e4re auch vermessen und aus rein taktischen Gr\u00fcnden auch sehr unklug. Lobenswert ist viel mehr, dass man sich dar\u00fcber selbst im Klaren ist und diese M\u00e4ngel auch offen benennt. Dies wirkt nicht nur sympathisch bescheiden, sondern zeugt auch von einer klaren Sicht der Dinge ohne jegliche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Generell strotzt die Schrift vor einem pointierten Realismus, was f\u00fcr die Rechte mit ihrem Hang zum Pathos nicht allgemeing\u00fcltig ist. Diese Schrift dient somit auch in der Eigenauffassung als Anfang einer zu vertiefenden Arbeit rund um das Thema \u201eDigitalisierung\u201c. Dabei scheint sie sich eher an das parteieigene Klientel zu wenden. In einem anderen Falle m\u00fcsste man anmerken, dass einzelne Punkte mit Sicherheit nicht sonderlich zug\u00e4nglich sind aus der Sicht des einfachen W\u00e4hlers, da sie doch bereits eine sehr ideologisch-idealistische Note enthalten. Als Denkansto\u00df und Konzept f\u00fcr die eigenen Reihen ist es jedoch sehr gut und strukturiert abgefasst.<\/p>\n<h2><strong>Der Inhalt <\/strong><\/h2>\n<p>Die ersten Kapitel besch\u00e4ftigen sich mit einer allgemeinen Erl\u00e4uterung zum Thema, wobei die bevorstehenden, tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen hervorgehoben werden. So habe die digitale Revolution ein \u00e4hnlich revolution\u00e4res Potential wie der \u00dcbergang von der Gesellschaft der J\u00e4ger und Sammler hin zur b\u00e4uerlichen Gesellschaft (neolithische Revolution) oder die Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Der Leser merkt fr\u00fchzeitig, dass hier jemand\/mehrere (ein Autor bzw. Autoren sind nicht angegeben<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>) Personen vom Fach sind. So sind die Erkl\u00e4rungen zu den Themen der Computerisierung sehr pr\u00e4zise und wissenschaftlich fundiert wiedergegeben. Von Beginn an f\u00e4llt auf, dass das Thema aus einer allumfassenden Sicht heraus betrachtet wird, ohne explizit die Wirtschaft und die Gro\u00dfkonzerne in den Fokus zu r\u00fccken. Man gibt sich sichtlich M\u00fche, eine ganzheitliche Analyse durchzuf\u00fchren, in welcher unter Digitalisierung im Wesentlichen die Automatisierung der Wertsch\u00f6pfungsprozesse bei geringm\u00f6glicher menschlicher Beteiligung verstanden wird. Verst\u00e4ndlicherweise nimmt so das Kapitel \u00fcber die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft und die Arbeitswelt auch den gr\u00f6\u00dften Teil ein, was jedoch weder verwunderlich noch verwerflich ist.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in Hinblick auf vorhergegangene Automatisierungen erkennt man darin, dass die Digitalisierung im Wesentlichen Routinearbeiten ersetzt. Dies betrifft von nun an auch Berufsgruppen, die bis dato verschont geblieben sind (bspw. Beamte in Verwaltungen oder \u00c4rzte). Andere, bisher f\u00fcr geringqualifizierte zug\u00e4ngliche Berufe wie Paketboten seien hingegen viel schwieriger zu automatisieren. Aus diesem Grunde betrifft die bevorstehende Rationalisierung nun auch H\u00f6herqualifizierte, wohingegen Niedrigqualifizierte in mancherlei Hinsicht bessere Chancen auf einen Verbleib haben. Diese Ver\u00e4nderung betrifft, so folgert man richtig, im Wesentlichen die Mittelschicht, welche das R\u00fcckgrat des Staates bildet und seit Jahrzehnten immer vermehrt zur Kasse gebeten wird. Hier wird bereits deutlich, welcher gesellschaftliche Sprengstoff in diesem Thema begr\u00fcndet liegt.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich steht die Arbeit auf soliden wissenschaftlichen F\u00fc\u00dfen, so finden sich bspw. Verweise zu Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson, welche mit ihrem Buch \u201eThe Second Machine Age\u201c bereits vor Jahren eines der bekannteren Werke zum Thema Digitale Transformation verfasst haben. Zudem werden viele Arbeitsmarktstudien verschiedener Institute angef\u00fchrt und die Ergebnisse diskutiert.<\/p>\n<p>Nach der eingehenden Erl\u00e4uterung fachlicher Grundlagen sowie der Ausarbeitung der Problemstellung ergeben sich zwei Kernfragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie k\u00f6nnen das Recht und die Pflicht zur Arbeit realisiert werden?<\/li>\n<li>Wie wird der zuk\u00fcnftig steigende Bedarf an hochqualifizierten Menschen gedeckt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Anhand der ersten Fragestellung zeigt sich bereits, dass die Verfasser unter \u201eArbeit\u201c weitaus mehr verstehen als eine blo\u00dfe T\u00e4tigkeit zur Befriedigung materieller Bed\u00fcrfnisse, worauf im Weiteren auch noch eingegangen wird.<\/p>\n<h2><strong>L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge<\/strong><\/h2>\n<p>Im Anschluss an die Zusammenfassung geht man dazu \u00fcber, eigens ausgearbeitete L\u00f6sungen anzubringen sowie in der \u00d6ffentlichkeit diskutierte Vorschl\u00e4ge zu betrachten. Dabei befasst man sich insbesondere mit dem \u201eBedingungslosen Grundeinkommen\u201c (BGE), der Robotersteuer und einer Digitalsteuer. Es soll im Weiteren nicht im Detail auf die einzelnen Standpunkte eingegangen werden, doch ist beachtlich, wie sich Pragmatismus, Wissenschaft und Idealismus in den einzelnen Formulierungen positiv vermengen.<\/p>\n<p>So argumentiert man in Hinblick auf die bev\u00f6lkerungspolitische Entwicklung, dass durch eine gezielte Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung das Problem in den geringqualifizierten Schichten zumindest f\u00fcr einen gewissen Zeitraum behoben werden kann. Zudem, so glaubt man, werde eine andere Familienpolitik dazu f\u00fchren, mehr Frauen f\u00fcr die Rolle der Ganztagsmutter begeistern zu k\u00f6nnen, was weitere Arbeitspl\u00e4tze freigeben w\u00fcrde. Hier wird deutlich, dass man sich nicht damit zufrieden gibt Symptome zu bek\u00e4mpfen. Im Gegenteil geht man von einem Staat aus, in dem man die Geschicke lenken wird und der eine vollkommene Umwertung aller Werte vollzieht. Dies ist einerseits verst\u00e4ndlich, h\u00e4ngt doch alles mit allem zusammen, doch erscheint es dem ein oder anderen Leser mit Sicherheit etwas abstrakt und weithergeholt. Geradezu wie eine Utopie. Dennoch ist man auch hier in der Lage schl\u00fcssige L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge anzubringen. So finden sich auch kritische Worte zu einem nicht-gelenkten Bev\u00f6lkerungswachstum in der Schrift wieder. Dieses w\u00fcrde, aufgrund der bev\u00f6lkerungspolitischen Normalverteilung, eine h\u00f6here Anzahl an Mittelbegabten zutage f\u00f6rdern, was in Hinblick auf die bevorstehenden Ver\u00e4nderungen sogar zu einem Ballast werden k\u00f6nnte, da erwartungsgem\u00e4\u00df gerade die f\u00fcr sie anfallenden T\u00e4tigkeiten massiv betroffen sein werden. Aus diesem Grunde m\u00fcsse der Staat die Kriterien f\u00fcr eine Elite entwerfen, die eine gezielte F\u00f6rderung eben dieser Familien zulasse. Historisch bezieht man sich hierbei auf die DDR, in welcher laut Eigenangabe nur rund 5% der studierten Frauen kinderlos blieben, also weitaus weniger als in der BRD. Es sind Beispiele wie dieses, die zeigen, dass man sich im Vorfeld durchaus Gedanken gemacht hat, die \u00fcber das bisherige Ma\u00df hinausgehen.<\/p>\n<h2><strong>BGE, Robotersteuer und Digitalsteuer<\/strong><\/h2>\n<p>In den drei angef\u00fchrten Instrumenten, von denen das BGE mit Sicherheit das derzeit popul\u00e4rste in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung ist, erkennen die Verfasser vor allem rein materialistische Urspr\u00fcnge. Das BGE f\u00fchre in letzter Konsequenz zu einer Zerteilung der Gesellschaft in zwei Klassen. Eine, welche den neuen Anforderungen gerecht werde (zumeist Hochqualifiziert) und den Rest. Auch dem oftmals in der \u00d6ffentlichkeit angebrachten Argument, der Mensch w\u00fcrde die sich ihm dadurch gebotene freie Zeit zu Nutze machen und kreativ-sch\u00f6pferisch t\u00e4tig werden, sehen die Verfasser skeptisch. Diese vertreten hier eine pessimistischere (realistischere?) Anschauung, in welcher der Mensch seine Freizeit f\u00fcr unsinnige Aktivit\u00e4ten opfert. Darin sehen die Verfasser sich im Wesentlichen durch die Gegenwart best\u00e4tigt. Zudem, und damit w\u00e4re man wieder bei der Sinnfrage angekommen, welche sich wie ein roter Faden durch das Werk zieht, sei Arbeit aus ihrer Sicht mehr als nur ein materieller Tauschwert. Vielmehr stelle sie auch etwas \u00fcbermaterielles dar, was die Freizeit erst zu dem Besonderen mache, was sie ist (\u201eKein Sonntag ohne Montag\u201c) und dem Menschen ein \u00fcber das Materielle hinausgehendes Gl\u00fccksgef\u00fchl verschaffen k\u00f6nne. Innerhalb der Rechten kommt es h\u00e4ufig zu einer Romantisierung des Arbeitsbegriffes, welcher oft mit Bildern und Illustrationen flei\u00dfig schaffender Handwerker und Bauern untermalt wird. Dieser \u00dcbertreibung h\u00e4ngt man hier nicht an, was f\u00fcr den Realismus spricht, den die Verfasser in ihren \u00dcberlegungen an den Tag legen. So wird klar benannt, dass es durchaus T\u00e4tigkeiten gibt, welche mit Sicherheit nicht zu einer \u201eh\u00f6heren Gl\u00fcckseligkeit\u201c f\u00fchren werden. Gerade diesen Arbeiten, welche im \u00fcbertragenen Sinne auch als ein \u201eOpfer\u201c f\u00fcr die Gemeinschaft betrachtet werden k\u00f6nnen, gelte es jedoch eine hohe Ehrung zuzuf\u00fchren. Ansonsten seien Parolen wie \u201eArbeit adelt\u201c als blanker Hohn und Schikane abzutun.<\/p>\n<p>Auch zur Roboter- und Digitalsteuer vertritt man einen differenzierten Standpunkt. Klingt erstere Steuer zun\u00e4chst plausibel, verweisen die Verfasser auf die sich dadurch ergebenden Probleme in der Unterscheidung, ab wann etwas \u201erobotisiert\u201c wurde. Gelte dies bereits f\u00fcr die Excel-Liste eines Handwerkers oder ab welchen Grad der Computerisierung w\u00fcrde es die Unternehmen betreffen? Der administrative Aufwand diese Fragen zu kl\u00e4ren sei immens hoch und w\u00fcrde in der Folge vermutlich vor allem die Rechtsanw\u00e4lte und Steuerberater auslasten. Die Digitalsteuer, welche bspw. in Frankreich bereits teilweise realisiert wurde, sei hingegen zumindest ein erster Schritt, um die gro\u00dfen Onlinekonzerne in ihre Schranken zu weisen.<\/p>\n<p>Bevor man zur eigenen L\u00f6sung kommt, sei angemerkt, dass der Schrift keine au\u00dferordentliche Technikfeindlichkeit zugrunde liegt, wie es vielleicht erwartet wurde. Auch hier besticht der Pragmatismus und Realismus, die Technik als ein blo\u00dfes Werkzeug zu sehen, welches abh\u00e4ngig seines Anwenders positive oder negative Auswirkungen haben kann. Aus demselben Geist leitet sich dann auch die Kernforderung nach einer \u201eSelektiven Automatisierung\u201c ab. Diese stellt voran, dass eine Automatisierung nur in au\u00dferordentlich gew\u00fcnschten Branchen zu forcieren sei. Ihr liegen vier Punkte zu Grunde:<\/p>\n<ol>\n<li>Qualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t<\/li>\n<li>Bedarfsdeckung<\/li>\n<li>H\u00f6chstm\u00f6glicher Grad an Autarkie<\/li>\n<li>Volk vor Kapital<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mit diesen Punkten bekennen sich die Verfasser zu einer Entschleunigung des Fortschritts und zu einem Ende der Wachstumsgesellschaft. Die heute \u00fcbliche Praxis der geplanten Obsoleszenz m\u00fcsse aus ihrer Sicht der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Dies f\u00fchre in der Konsequenz zur n\u00f6tigen Schonung von Ressourcen und der Umwelt. Aus diesem Grunde sei bei reduzierter Absatzzahl bspw. eine Vollautomatisierung in der Automobil- oder M\u00f6belindustrie gar nicht mehr notwendig, was zu Gunsten der Lebensdauer und Qualit\u00e4t der Produkte gehe, sich nat\u00fcrlich andererseits jedoch negativ auf den Preis auswirke. Automatisierungsw\u00fcrdig seien hingegen klare Massenfertigungen (bspw. Schrauben, N\u00e4gel) oder f\u00fcr Menschen gef\u00e4hrliche T\u00e4tigkeiten. Auf Basis dessen k\u00f6nnten Ethikr\u00e4te bestellt werden, die dar\u00fcber urteilen, inwiefern eine T\u00e4tigkeit automatisierungsw\u00fcrdig sei. Dieses Urteil k\u00f6nnte dann als Grundlage f\u00fcr eine konkrete Robotersteuer stehen, in welcher nur Bereiche besteuert werden, die f\u00fcr nicht-automatisierungsw\u00fcrdig erachtet werden.<\/p>\n<p>Die Verfasser sind sich im Klaren dar\u00fcber, dass der Schritt von der Massen- und Wegwerfgesellschaft einen groben Einschnitt f\u00fcr die Masse des Volkes bedeuten wird, u.a. durch steigende Preise bei Gebrauchsg\u00fctern. Aus diesem Grunde sei eine intensive geistig-erzieherische Vorarbeit zu leisten. Allgemein erkennt man, dass vielerlei Aspekte eher idealistischer, denn \u00f6konomischer Natur sind und daher einer weltanschaulichen Einordnung bed\u00fcrfen.<\/p>\n<h2><strong>Die weiteren Akteure<\/strong><\/h2>\n<p>Bei den Betrachtungen verharrt man jedoch nicht im politischen Komplex, sondern wirft auch einen Blick auf die Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Unternehmen. Gerade f\u00fcr letztere wird ein interessanter Gedanke aufgeworfen. So verweisen die Verfasser auf den immanenten Wachstumsdrang von Unternehmen, welcher auch in einer nicht-kapitalistischen Zeit fortbestehen k\u00f6nne (\u201e\u00fcbermaterieller Kapitalismus\u201c). Aus diesem Grunde sei es geboten, wie zuvor beim Thema der \u201eElite\u201c auch f\u00fcr den \u201eErfolg\u201c neue Metriken zu definieren, die es den einzelnen Akteuren erlauben w\u00fcrden, sich neu zu orientieren. Auch der wichtige Bereich der Forschung &amp; Entwicklung, welcher heute von Unternehmen aufgefangen und vorangetrieben wird, bed\u00fcrfe neuer Anreize, um in einer nicht-wachstumsorientierten Wirtschaft nicht in Stillstand zu geraten. Auf die Frage, wie man mit dem in digitalen M\u00e4rkten Ph\u00e4nomen des \u201e<em>the winner takes it all<\/em>\u201c umgehen solle, liefert die Schrift keine Antwort<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Bei alledem zeigen die Verfasser auch direkt einige Schwachstellen ihrer Forderungen auf. So seien Deutschland und Europa heute in allen Bereichen der Computerisierung (Software, Hardware usw.) ma\u00dfgeblich von au\u00dfereurop\u00e4ischen Dienstleistern abh\u00e4ngig. Dieser Abstand m\u00fcsse aufgeholt werden, was nur durch europ\u00e4ische Kooperationen m\u00f6glich sei. Als Erfolg f\u00fcr eben solche wird der europ\u00e4ische Flugzeugbauer Airbus angef\u00fchrt, welcher mit seinen verschiedenen Sparten der zivilen und milit\u00e4rischen Luft- und Raumfahrt ein Prestigeprojekt darstellt. Hier muss ehrlicherweise erwidert werden, dass derlei Konzerne an erster Stelle Produkte politischen Willens und weniger \u00f6konomischer Vorteils\u00fcberlegungen sind. Ma\u00dfgeblich zeichnen sie sich durch ein hohes Ma\u00df an Ineffizienz und B\u00fcrokratisierung aus. Wirft man einen genauen Blick auf die Gesamtbilanz des Konzerns, so wird deutlich, dass Airbus nie wirklich profitabel war. Bestes Beispiel ist das j\u00fcngste Ausscheiden des A380 Jumbos, bei welchem man schlichtweg auf das falsche Pferd gesetzt hatte. Diese Fehlentscheidung zahlt der deutsche Steuerzahler, ein \u201eVorteil\u201c, den andere Unternehmen niemals gehabt h\u00e4tten. Auch sei das Debakel um den Milit\u00e4rtransporter A400M angef\u00fchrt, der zeigt, wie schwierig es ist, ein europ\u00e4isches Projekt mit Anforderungsstellern verschiedener Nationen zu realisieren. Dennoch k\u00f6nnen derlei Organisationen, gerade im Hinblick auf h\u00f6here Ziele nat\u00fcrlich f\u00fcr eine soziale Integration innerhalb Europas sorgen. So f\u00fchren die Verfasser auch richtigerweise an, dass Deutschland in diesen F\u00e4llen zwar gen\u00f6tigt sei, Autarkie einzub\u00fc\u00dfen, die Verflechtung innerhalb Europas, gerade auch auf wirtschaftlicher Ebene den Kontinent jedoch davor bewahren k\u00f6nne, alte Grenzkonflikte und Streitigkeiten wieder eskalieren zu lassen. Ein Punkt, welcher unter Ber\u00fccksichtigung der Riesen USA und China von immenser Wichtigkeit ist.<\/p>\n<p>Mit einem Schwenk \u00fcber die Gefahren der Datenabgabe, potenzieller unternehmerischer Willk\u00fcr, dem Verlust der Privatsph\u00e4re im Rahmen von Big Data geht es zu den sozialen Auswirkungen der Digitalisierung. Auch hier wirft man wieder einen differenzierten Blick auf das Geschehen und zeigt Chancen und Risiken auf. Gerade bei der Betrachtung der Risiken wird sehr sch\u00f6n deutlich, worin eines der Urprobleme des menschlichen Fortschritts begr\u00fcndet ist. So f\u00fchren die Verfasser aus, dass die Digitalisierung in ihrer jetzigen Form ein Beschleuniger f\u00fcr die Vereinsamung und Aufl\u00f6sung von Tradition und Kultur sei. Diese Aufl\u00f6sung habe dazu gef\u00fchrt, dass die Menschen sich nicht angemessen mit den neuen Gegebenheiten vertraut machen konnten. Die Kultur, als ma\u00dfgebliche Anpassungsleistung zu menschlichem Fortschritt, ist nicht gegeben. Mit der logischen Konsequenz, dass die Menschen orientierungslos vor den Herausforderungen einer vollkommen neuen Zeit stehen und sich von Global-Playern diktieren lassen, wie sie damit umzugehen haben. Beispielhaft wird angef\u00fchrt, dass die Etablierung einer \u201eInternetkultur\u201c dabei h\u00e4tte helfen k\u00f6nnen, Menschen den gesellschaftlichen Umgang mit dem Smartphone beizubringen.<\/p>\n<p>Mit den beiden letzten Kapiteln \u201eKampf gegen die Dekadenz\u201c und \u201eDer Preis der Freiheit\u201c wagen sich die Verfasser dann am weitesten hervor in die Vorstellungen ihrer idealisierten Welt. Sie f\u00fchren aus, dass der Mensch, insbesondere der deutsche Mensch, sich Zeit seines Bestehens als Kulturwesen, eingebettet in einen gro\u00dfen Organismus gesehen habe. Diese Anschauung sei durch den Eintritt des jud\u00e4o-christentums erstmals gest\u00f6rt worden und finde sich nun in \u00e4u\u00dferster H\u00e4rte wieder. An dieser Stelle w\u00e4re mit Sicherheit etwas mehr Raum zur Erl\u00e4uterung geboten gewesen. Sprachlich wirken manche Begrifflichkeiten dann auch etwas holprig, insbesondere wenn vom Kapitalismus und Kommunismus als Gegenspielern gesprochen wird. F\u00fcr den internen Kreis ist deutlich, wie dies gemeint ist, doch sollte das Konzept mehr nach au\u00dfen transportiert werden, m\u00fcsste man sich \u00fcberlegen, wie man diese Bezeichnungen greifbarer macht und genauer erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Das Buch schlie\u00dft mit einer, teils philosophischen Abhandlung \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Menschen und individueller Freiheit. Diese d\u00fcrfe laut der Verfasser nur soweit reichen, wie sie die Freiheit der Gemeinschaft nicht einschr\u00e4nke. Genau dies sei jedoch in Zeiten des Wohlstandes und der Zivilisation der Fall. Diese habe den Menschen frei von Sorgen gemacht, was die ihm innewohnenden Kr\u00e4fte der Selbstbehauptung zum Erliegen gebracht habe. Die Freiheit von den Sorgen f\u00fchre damit in derzeitiger Konsequenz sogar zu seinem eigenen Tod.<\/p>\n<p>Daher m\u00fcsse ein neuer Staat ein Erziehungssystem etablieren, welches den Menschen auch in Zeiten der wirtschaftlichen Bl\u00fcte herausfordere (\u201ekontrollierte Grenzerfahrung\u201c). Der Mensch sei von seiner gesamten Beschaffenheit f\u00fcr die Gegenwart und die zuk\u00fcnftigen Ver\u00e4nderungen \u00fcberhaupt nicht ausgestattet. Das vorhandene \u00dcberma\u00df an Nahrungszufuhr, Sex (als entkoppelter Spa\u00dfgewinn von der Fortpflanzung) und Zeit haben ihn \u00fcberfordert. Entgegen der utopischen Annahmen vieler heutiger Stimmen fehle die Richtschnur, die ihm in Anbetracht dieser neuen Freir\u00e4ume Halt und Orientierung geben k\u00f6nne. Schlussendlich m\u00fcsse der Mensch begreifen, dass es die fest in ihm angelegten Eigenschaften sind, welche sich in unbewussten Verhaltensweisen und seiner Genetik offenbaren, denen er verpflichtet sei. Mit dieser Annahme appellieren die Verfasser an eine Lebensanschauung, welche das Leben selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung r\u00fcckt und sich von jenseitigen Vorstellungen verabschiedet hat.<\/p>\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Mit ihrer Ausarbeitung haben die Verfasser einen \u00fcberaus lesenswerten, sachlichen und fundierten Anfang gemacht, um das Thema der \u201eDigitalen Transformation\u201c von rechts zu bearbeiten. Das Schlagwort der \u201eSelektiven Automatisierung\u201c ist \u00fcberaus griffig und kann durchaus als eine solide politische Forderung aufgefasst werden. Auch die Positionierungen zu brennenden Themen wie dem BGE sind gut ausgef\u00fchrt, bed\u00fcrfen jedoch noch etwas mehr argumentatorischen Futters. Hervorzuheben ist, wie eingangs erw\u00e4hnt, die ganzheitliche, neutrale Sichtweise auf die verschiedenen Aspekte rund um das Thema der \u201eDigitalisierung\u201c. Zum Ende hin kommen immer mehr ideologische Standpunkte hinzu. Hier bedarf es einiger tiefergehender Erl\u00e4uterungen, was jedoch in Anbetracht des durchaus beeindruckenden Erstlingswerks und dem gro\u00dfen Umfang nicht negativ zubuche schl\u00e4gt. Der \u201eDritte Weg\u201c hat mit dieser Ver\u00f6ffentlichung eine Vorreiterrolle innerhalb des rechten Lagers \u00fcbernommen, dessen Pionierleistung nicht genug gew\u00fcrdigt werden kann. Dies gilt es nun von weiteren Akteuren aufzugreifen und zu vertiefen.<\/p>\n<p>Weitere Punkte, die in der vorliegenden Arbeit noch nicht oder sehr gering beleuchtet wurden, sind u. a. das Themenfeld des Transhumanismus oder die Abh\u00e4ngigkeit von Materialien f\u00fcr die forcierte eigene Herstellung von Hardware-Komponenten. Hier spielen geostrategische \u00dcberlegungen eine gro\u00dfe Rolle. Auch eine Vertiefung zum Thema der Etablierung einer \u201eDigitalen Kultur\u201c w\u00e4re \u00fcberaus interessant und wertbringend. Zuletzt hat man auch die Frage ausgespart, wie die deutsche Rechte denn in der Zwischenzeit wirklich \u2013 gerade auch propagandistisch \u2013 mit der digitalen Welt umgehen soll. Hier ist in der Realit\u00e4t zu beobachten, dass die Akteure oft krampfhaft versuchen, den Trends hinterherzulaufen. Dabei hofft man dann auf Gnade von den verhassten Akteuren und echauffiert sich, wenn diese einen aussperren (bspw. Facebook oder Twitter). Die Erarbeitung einer eigenen Digitalstrategie, mit eigenen Plattformen zur Vernetzung, Ver\u00f6ffentlichung von Inhalten usw. w\u00e4re eine weitere, gro\u00dfe und wichtige Aufgabe f\u00fcr alternative Gruppen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Anmerkung: Im weiteren Verlauf wird daher von mehreren Verfassern ausgegangen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u201e<em>the winner takes it all<\/em>\u201c bezieht sich darauf, dass digitale M\u00e4rkte in einem h\u00f6heren Ma\u00dfe zur Monopolisierung neigen als klassische Industrien. Dies zeigt sich insbesondere am Beispiel der Plattform\u00f6konomie. So ist Facebook das erfolgreichste soziale Netzwerk, weil es das gr\u00f6\u00dfte ist. Genauso wie Amazon der gr\u00f6\u00dfte Onlineh\u00e4ndler ist, weil alle H\u00e4ndler auf seiner Plattform anbieten. So bedingen sich Gesch\u00e4ftsmodell und Monopol gewisserma\u00dfen, was zu einer unglaublichen Machtkonsolidierung vereinzelter Akteure f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+++ Das Buch ist <a href=\"https:\/\/www.materialvertrieb.de\/produkt\/buch-nationalismus-digitalisierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im hauseigenen Versanddienst<\/a> der Partei zu erwerben +++<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Partei \u201eDer Dritte Weg\u201c hat vor einiger Zeit eine Handreichung mit dem Titel \u201eNationalismus &amp; Digitalisierung\u201c herausgebracht, in welchem sie den Themenkomplex der Digitalisierung aus einer nationalistischen Sicht beschreibt und bewertet. MetaPol hatte die Gelegenheit ein Belegexemplar zu sichten. Vorab ist zu erw\u00e4hnen, dass es sich um eine durchaus ausf\u00fchrliche Ausarbeitung zum Thema handelt. 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