{"id":751,"date":"2017-07-30T11:50:09","date_gmt":"2017-07-30T10:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=751"},"modified":"2020-02-03T18:10:57","modified_gmt":"2020-02-03T17:10:57","slug":"maennerkult-und-gruppendynamik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/maennerkult-und-gruppendynamik\/","title":{"rendered":"M\u00e4nnerkult und Gruppendynamik"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Dieser Text wurde als Referat auf einer internen Strategie-Tagung gehalten. Er ist daher in manchen Teilen nicht als Flie\u00dftext verfasst.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Begriffe \u201eM\u00e4nnlichkeit\u201c und \u201eGruppendynamik\u201c sind zun\u00e4chst vollkommen unabh\u00e4ngig voneinander. M\u00e4nnlichkeit ist keine grunds\u00e4tzliche Voraussetzung zur Formung einer Gruppe und gruppendynamische Prozesse vollziehen sich in Gruppen jeglicher Art, sei es in durchweg m\u00e4nnlichen, durchweg weiblichen oder gemischten Gruppen. Die Konstellation der Gruppe bestimmt jedoch \u00fcber den Vollzug der gruppendynamischen Prozesse, weshalb das Vorhandensein eines \u201eM\u00e4nnerkultes\u201c durchaus Einfluss auf die Gruppendynamik einer durchweg m\u00e4nnlichen Gruppe hat. Genauso ist es auch m\u00f6glich, dass die durchweg m\u00e4nnliche Gruppe einen gruppendynamischen Prozess entfacht, der wiederum andere Gruppen und ihre eigenen gruppenbezogenen Prozesse beeinflusst. In einem solchen Falle best\u00fcnde eine Interaktion zwischen verschiedenen Gruppen, welche insbesondere im von uns betrachteten politischen Bereich von gesteigertem Interesse ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Im Weiteren gilt es die Begrifflichkeiten der \u201eGruppendynamik\u201c sowie den Bereich des \u201eM\u00e4nnerkultes\u201c, des \u201eM\u00e4nnlichen Ritus\u201c einzuordnen und in eine sinnvolle Beziehung zueinander zu setzen.<\/span><\/p>\n<h2>Die Gruppe und ihre eigenen Dynamiken<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Was ist Gruppendynamik? \u201eGruppendynamik ist ein Sammelbegriff, welcher die Erforschung des Verhaltens wie auch die Verhaltens\u00e4nderung von Gruppen impliziert.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Es gibt heutzutage viele Forschungsfelder die sich mit dem Ph\u00e4nomen der sozialen Interaktion in Gruppierungen auseinandersetzen. Beispiele hierf\u00fcr sind die psychodynamische Gruppenforschung, die temporale Gruppenforschung, die Social Identity (soziale Identit\u00e4t) Gruppenforschung, die Social Evolutionary, also sozialevolution\u00e4re Gruppenforschung oder die conflict-power-status (Konflikt-Macht-Status) Gruppenforschung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Bei alledem ist zun\u00e4chst einmal zu kl\u00e4ren, was eine Gruppe ist. Nach Krege ist eine Gruppe \u201eeine Mehrzahl von Personen, die in geregelten Formen interagieren.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Eine Gruppe definiert sich dabei durch gemeinsame Merkmalsauspr\u00e4gungen, deren Form sie auch gleichzeitig von anderen Gruppen differenziert. Nach Gattinger et al. k\u00f6nnen dies die Klarheit des Zieles der Gruppenformierung und der Grad der Gemeinsamkeit der Zielerreichung sein. Weitere Merkmalsauspr\u00e4gungen, die Sie nennen, sind die Art und Stabilit\u00e4t der Rollen, Werte, Normen sowie das Verh\u00e4ltnis der betrachteten Gruppe zu anderen Gruppen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Es gibt unz\u00e4hlbar viele Merkmale, die eine Gruppe zu eben dieser werden lassen. Dabei weisen Gruppen oftmals einige fixe Eigenschaften auf. So sind sie entweder offen, also allen Menschen zug\u00e4nglich (wobei dies im weiteren Sinne aufzufassen ist, da es im Prinzip keinerlei Zugeh\u00f6rigkeit ohne gewisse Voraussetzungen gibt), oder geschlossen (bspw. eine Volksgruppe), d.h. nur zug\u00e4nglich unter bestimmten Aufnahmekriterien. Weitere Unterscheidungskriterien sind die Auspr\u00e4gung formell-informell und interagierend oder koagierend. Ein wesentlicher Aspekt ist zudem die \u201eKoh\u00e4sion\u201c einer Gruppe. Koh\u00e4sion bedeutet hierbei den Zusammenhalt einer Gruppe bzw. die durchschnittliche Attraktivit\u00e4t, welche die Gruppe bei ihren Mitgliedern genie\u00dft. Dabei l\u00e4sst sich zwischen inneren und \u00e4u\u00dferen Koh\u00e4sionsfaktoren unterscheiden. Innere Faktoren sind beispielsweise das gemeinsame Ziel oder gemeinsame Aktionen, wohingegen r\u00e4umliche, soziale und kulturelle N\u00e4he sowie materialistische Verf\u00fcgbarkeiten \u00e4u\u00dfere Faktoren darstellen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Je nach Vorhandensein der Eigenschaften lassen sich nach Eberhard Stahl verschiedene Gruppentypen ableiten.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Diese von ihm identifizierten Gruppentypen lauten Gemeinschaft, Truppe, Team und Haufen und unterscheiden sich in ihrem Entstehen durch die Auspr\u00e4gung der Eigenschaften der Dauer, N\u00e4he, Distanz und des Wechsels. Die Gemeinschaft stellt dabei die h\u00f6chste und intensivste Form der Gruppe dar, wohingegen der Haufen insbesondere durch eine hohe Distanz und einen hohe Fluktuation (Wechsel) gekennzeichnet ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Insgesamt ist festzustellen, dass Gruppen omnipr\u00e4sent sind, ja geradezu eine Grundform des sozialen Lebens darstellen und genau auf dem Muster der sozialen Interaktion und Kommunikation basieren. Dabei gilt der Grundsatz, dass man innerhalb sowie au\u00dferhalb einer Gruppe, ob als Individuum oder als Gruppe selbst, nicht <u>nicht<\/u> kommunizieren kann. Eine Gruppe, die sich selbst als solche wahrnimmt und entsprechend agiert, verwandelt sich zu einer Organisationseinheit.<\/span><\/p>\n<h2>Die Gruppenbildung als langfristiger Prozess<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Allgemein ist bei allen Betrachtungen festzustellen, dass Gruppen nicht oder zumindest in den seltensten F\u00e4llen, von einem Moment auf den Anderen entstehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dabei ist es v\u00f6llig gleich, welche Form einer Gruppe vorliegt und ob diese sich auch als solche versteht. Vielmehr gibt es verschiedene Phasen, die Gruppen im Vorfeld ihrer Gr\u00fcndung durchlaufen. Hierbei spricht man von \u201eGruppendynamik\u201c, welche das Ph\u00e4nomen der Dynamik der Kr\u00e4fte innerhalb und sp\u00e4ter auch au\u00dferhalb einer Gruppe darstellt. Die Erforschung von Gruppendynamik wird oftmals unter dem gleichen Wort festgehalten und konzentriert sich auf den Versuch die Eigengesetzlichkeit von Gruppen n\u00e4her zu erfassen. Eines der bekanntesten Modelle zur Untersuchung von Gruppenbildungsprozessen ist das Gruppenbildungsmodell nach Tuckman.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Laut diesem durchl\u00e4uft eine Gruppe im Wesentlichen 5 Phasen, n\u00e4mlich \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Forming (Orientierungsphase),<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Storming (Konfliktphase),<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Norming (Phase der Regulierung),<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Performing (Arbeits- und Durchf\u00fchrungsphase) und<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Adjourning (Aufl\u00f6sung der Gruppe).<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der Prozess einer Gruppe umfasst dabei die gesamte Entwicklung der Gruppe, also ihre Phasen, die Rollenverteilung innerhalb der Gruppe, die Bestimmung der Ziele und Aufgaben, die Umgangsformen und Kultur sowie die Aufnahme neuer Mitglieder und den Umgang mit Au\u00dfenstehenden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dabei ist der Prozess durch eine hohe Dynamik gekennzeichnet, welcher sich zwischen zwei Polen bewegt: Dem Pol der Integration (Gemeinsamkeiten, \u00c4hnlichkeiten, gemeinsame Erlebnisse, gleiche Sichtweisen \u2013 schafft Zusammenhalt) und dem Pol der Differenzierung (Unterschiede, Spannungen, gegens\u00e4tzliche Meinungen). Ein ausgewogenes und vor allem beidseitig ausschlagendes Pendel wird allgemein als effizient wahrgenommen. Eine Zusammenfassung f\u00fcr diesen Zustand findet sich in sch\u00f6ner Form in der folgenden Aussage dargeboten:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eIn einer guten Gruppe addieren sich die Kr\u00e4fte, in einer schlechten subtrahieren sie sich, in einer exzellenten Gruppe multiplizieren sie sich\u201c.<\/em><\/span><\/p>\n<h2>Die wichtigsten Gruppenelemente<\/h2>\n<p>Um als Gruppe jenen hier beschriebenen Zustand zu erreichen, gilt es die zuvor genannten Kriterien\u00a0 bzw. Merkmalsauspr\u00e4gungen so pr\u00e4gnant wie m\u00f6glich zu formulieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Einzig so ist eine starke Identifikation mit der Gruppe dauerhaft m\u00f6glich. Daher sollen einige wichtige Gruppenelemente kurz vorgestellt werden.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Ziele:<\/strong> Das definieren eines Zieles erleichtert den Zusammenhalt einer Gruppe. Jeder Mensch verfolgt in jeder Gruppe ein st\u00fcckweit unterschiedliche Ziele. F\u00fcr die Gruppe gilt es jene auszuw\u00e4hlen, die der Gruppe besonders wichtig und vor allem auch erreichbar erscheinen. Je mehr Ziele im Laufe der Zeit verwirklicht werden, desto h\u00f6her ist die Zufriedenheit und desto h\u00f6her die emotionale Bindung an die Gruppe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Rollen:<\/strong> Diese entwickeln sich in den meisten F\u00e4llen aus der Verhaltensweise des Individuums, welches eine bestimmte Position einnimmt. Aus der Rolle k\u00f6nnen sich neben der Position (bspw. Funktion) auch ein Status (Rang und Ansehen innerhalb einer Gruppe) ergeben. Entscheidend ist, dass eine Gruppe nur dann arbeitsf\u00e4hig ist, wenn ihr ein vielf\u00e4ltiges Repertoire an Rollen eigen ist. Man bedenke, ein jedes Mitglied der Gruppe m\u00f6chte F\u00fchrer sein \u2013 das Unterfangen wird scheitern. Schindler kategorisiert in seinem Rangdynamik-Modell bestimmte, gruppen\u00fcbergreifende Rollen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Alpha = F\u00fchrer<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Beta = Spezialisten, Experten<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Gamma = Arbeiter, das \u201eeinfache\u201c Gruppenmitglied<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Omega = S\u00fcndenbock, Gegenposition zum Alpha<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dabei geht er davon aus, dass bestimme Rollen immer besetzt werden. Sein Modell dient der Beschreibung der Verteilung von Machtverh\u00e4ltnissen in einer Gruppe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Normen:<\/strong> Sie regeln, auf welche Weise sich jedes Mitglied der Gruppe in welcher Situation und in welcher Weise gegen\u00fcber anderen Verhalten soll. Sie dienen als Orientierung und haben nach innen eine konfliktreduzierende und nach au\u00dfen eine abgrenzende Funktion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass alle diese Elemente der Gruppenstruktur einen signifikanten Einfluss auf die Gruppenleistung haben. Wesentliche Faktoren f\u00fcr einen Erfolg sind ein ausgepr\u00e4gtes Wir-Gef\u00fchl und Vertrauen, ein transparenter Informationsfluss, vielf\u00e4ltige Kommunikationsmuster und eine Funktions- bzw. Rollendifferenzierung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Alle Gruppen tragen in sich ein Risiko zur Aufl\u00f6sung, welches ma\u00dfgeblich durch Konflikte verursacht wird. Konflikte sind dabei St\u00f6rungen, die den Handlungsablauf st\u00f6ren und belastend wirken. Sie k\u00f6nnen interner Natur (Streit, Misstrauen, neue Mitglieder) oder externer Natur (Verbote) sein. Um diesem Risiko bestm\u00f6glich zu begegnen gilt es zuvor erw\u00e4hntes zu beachten.<\/span><\/p>\n<h2>M\u00e4nnlichkeit und M\u00e4nnerkult<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wie eingangs erw\u00e4hnt birgt die Tatsache einer ausschlie\u00dflich aus M\u00e4nnern bestehenden Gruppe\u00a0 einige Besonderheiten f\u00fcr die ihr zugeh\u00f6rigen gruppendynamischen Prozesse in sich. Der \u201eM\u00e4nnerkult\u201c kann dabei als eine Merkmalsauspr\u00e4gung angesehen werden, die eben diese Gruppe ma\u00dfgeblich von anderen unterscheidet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dabei spielen die \u00fcberwiegend M\u00e4nnern zugerechneten Eigenschaften eine entscheidende Rolle. Im ersten Schritt ginge es also darum, zun\u00e4chst einmal zu definieren, was \u00fcberhaupt \u201em\u00e4nnlich\u201c ist und wie sich daraus ein M\u00e4nnerkult entwickeln kann. Dieser Theoriebildung liegt ein Hauptproblem zugrunde, n\u00e4mlich dass die Definition dessen, was unter M\u00e4nnlichkeit zu verstehen ist, bis vor geschichtlich betrachtet kurzer Zeit noch von allen M\u00e4nnern als selbstverst\u00e4ndlich angenommen wurde. Allein diese Tatsache birgt bereits einen besonderen Aspekt des M\u00e4nnerkultes in sich. Die folgenden Ausf\u00fchrungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Anmerkungen des Buches \u201eDer Weg der M\u00e4nner\u201c von Jack Donovan.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">M\u00e4nnlich zu sein, bedeutet dabei eine bestimmte Art des Seins, einen bestimmten Weg zu gehen, einen bestimmten Pfad zu verfolgen. Dabei ist das M\u00e4nnliche naturgem\u00e4\u00df stets das am wenigsten Feminine sowie Weiblichkeit das am wenigsten Maskuline ist. Die Tatsache, dass wir als soziale Wesen immer in Gruppen kooperieren, spielt hierbei eine besondere Rolle. Von Geburt geh\u00f6ren wir n\u00e4mlich, neben unserem Volk, auch einer geschlechtlichen Gruppe, weiblich oder m\u00e4nnlich, an. Wenn wir also in Gruppen oder auch mit anderen Gruppen kooperieren und kommunizieren, dann tun wir dies immer als M\u00e4nner. Das Verh\u00e4ltnis unter M\u00e4nnern ist immer ein anderes als das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau. Es ist in diesem kurzen Rahmen nicht m\u00f6glich, s\u00e4mtliche Tugenden und Eigenschaften des Mannes herauszuarbeiten und diese vom weiblichen abzugrenzen. Es ist jedoch nennenswert, dass M\u00e4nnlichkeit in erster Linie etwas ist, was M\u00e4nner voneinander fordern. Wenn ein Mann zu einem anderen Mann sagt, \u201eSei ein Mann\u201c, dann verlangt er von diesem das er sich auf eine bestimme Art und Weise verh\u00e4lt. Sich in dieser Situation zu beweisen und in einer Gruppierung als Mann auch \u201eseinen Mann zu stehen\u201c ist die h\u00f6chste F\u00e4higkeit authentischer M\u00e4nnlichkeit. Der Manneskult kann also als das Zelebrieren, als die h\u00f6chste Form der F\u00e4higkeit angesehen werden, die m\u00e4nnlichen Tugenden in einer m\u00e4nnlichen Gruppe so zu erf\u00fcllen, dass sie einem zu Ansehen und Status oder, im \u00e4u\u00dfersten Fall, mindestens zum \u00dcberleben verhelfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">M\u00e4nner stehen im nat\u00fcrlichen Wettbewerb zueinander. M\u00e4nner messen sich und buhlen um die Gunst des Anderen. M\u00e4nner wollen von Frauen begehrt werden, aber im Wettstreit mit anderen M\u00e4nnern suchen sie nach <u>gegenseitiger <\/u>Anerkennung. Dies ist es, was M\u00e4nner zur Kooperation f\u00fchrt. Der M\u00e4nnerkult ergie\u00dft sich in einem Wechselspiel aus Kampf und Kooperation und entfesselt dadurch seine ganz eigene Dynamik. M\u00e4nner sind jedoch nicht darauf programmiert, zu k\u00e4mpfen <strong><em>oder<\/em><\/strong> zu kooperieren, sondern zu k\u00e4mpfen <strong><em><u>and<\/u><\/em><\/strong> zu kooperieren. M\u00e4nner bewegen sich immer zwischen zwei Fronten des Wettkampfes: Dem Wettkampf innerhalb der Gruppe sowie dem Wettkampf mit der rivalisierenden Gruppe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dabei bezieht sich das m\u00e4nnliche Verhalten auf eine Vielzahl von Tugenden, von denen einige universell dem M\u00e4nnlichen zugeh\u00f6rig zu sein scheinen. Kraft, Mut, Kompetenz und Ehre sind die praktischen Tugenden, die M\u00e4nner ben\u00f6tigen um m\u00e4nnlich zu sein und sich in einem Ernstfall aufeinander verlassen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Obwohl in dieser Zeit M\u00e4nnlichkeit so verp\u00f6hnt ist wie noch niemals zuvor, sind die Helden aus dem Fernsehen oftmals Typen eines als stark m\u00e4nnlich definierten Rollenbildes. Tylor Durden in Fight Club, Scarface, Darth Vader, Sparta&#8217;s 300 \u2013 sie alle haben eben auch heute eine ungeheure Wirkung auf die Gesellschaft, obwohl sie \u00fcberwiegend Tugenden aufweisen, die heute, und in Bezug auf ihre Kriminalit\u00e4t, zu allen Zeiten verrufen waren. Dies kann mit Sicherheit auch als Indikator f\u00fcr eine Sehnsucht und verlorengegangene Romantik aufgefasst werden und sollte nicht au\u00dfer Acht gelassen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nehmen wir Bezug auf die im Rahmen der Gruppendynamik besprochenen Gruppenelemente, scheint eine reine M\u00e4nnergruppe auf den ersten Blick einige Vorteile zu bieten. Nehmen wir an, dass M\u00e4nner aufgrund ihrer M\u00e4nnlichkeit ein \u00e4hnliches Verst\u00e4ndnis von gegenseitig abverlangten Verhaltensweisen haben (bspw. Kraft, Ehre, Mut, Kompetenz) so wird es ihnen leichter fallen, gemeinsame Normen zu definieren.<\/span><\/p>\n<h2>Die Tugenden der M\u00e4nnlichkeit<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Auch die Herausbildung eines Wir-Gef\u00fchls kann gegebenenfalls durch die Homogenit\u00e4t der Geschlechter vereinfacht werden. Geht man davon aus, dass Gruppen auch immer in Interaktion mit anderen Gruppen stehen, so weist eine M\u00e4nnergruppe allein durch die Tatsache, dass sie ausschlie\u00dflich aus M\u00e4nnern besteht, schon einige Besonderheit auf, die sowohl anziehend als auch abschreckend wirken kann. Beispiele hierf\u00fcr sind Burschenschaften, Rockerclubs oder Hooligans. All&#8216; diese Zusammenschl\u00fcsse haben sich eigene Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten auferlegt, die ihrer Auffassung nach m\u00e4nnlichen Tugenden folgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Eine Gruppe, die sich findet, wird gut daran tun, v\u00f6llig gleich ob nun heterogen oder homogen, die dem M\u00e4nnlichen zugeschriebenen Tugenden bei ihrer Auswahl von Mitgliedern zu beachten. Daf\u00fcr sollen diese Tugenden zum Abschluss noch einmal genauer untersucht werden:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Kraft:<\/strong> Um sich zur Wehr zu setzen, ben\u00f6tigt man Kraft. Um Widerst\u00e4nde zu brechen, ben\u00f6tigt man Kraft. Kraft ist psychisch und physisch von ausgesprochener Wichtigkeit f\u00fcr das \u00dcberleben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Tapferkeit:<\/strong> Eine Gruppe braucht M\u00e4nner, die ihren Mann stehen, d.h. die nicht die Flucht ergreifen, wenn es darauf ankommt, die eigenen Ziele zu vertreten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Kompetenz:<\/strong> Dies sollte sich von selbst erkl\u00e4ren. Schwachk\u00f6pfe und Taugenichtse sind nur eine Gef\u00e4hrdung jeder Gruppe. Wer Aufgaben erf\u00fcllen will, muss auch die F\u00e4higkeiten mitbringen, dies zu tun.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Ehre:<\/strong> Die Ehre stammt bereits vom Wortstamm der Erde, Erster ab, Ehre bedeutet der Erste zu sein. Sie ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr Vertrauen und Autorit\u00e4t. Sie bedeutet gleichzeitig die Reputation eines Mannes innerhalb seiner Ehrengruppe. Ehre verdient man sich \u00fcber die Auspr\u00e4gungen in den Tugenden Kraft, Mut und Kompetenz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nietzsche schreibt in \u201eAlso sprach Zarathustra\u201c: <em>\u201eDort, wo der Staat aufh\u00f6rt, da beginnt erst der Mensch, der nicht \u00fcberfl\u00fcssig ist: da beginnt das Lied des Nothwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise.\u201c <\/em>Dies ist ein klarer Appell an die Erhaltung der M\u00e4nnlichkeit, die sich darin \u00e4u\u00dfert, das Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sich nicht auf \u201eSozialsysteme\u201c und Almosen zu verlassen, sondern eine Bande zu gr\u00fcnden, die in der Lage ist, sich zu besch\u00fctzen. Nietzsche schreibt \u201eGott ist tot\u201c und k\u00fcndigt damit mit Sicherheit nicht seinen Glauben auf. Vielmehr richtet er an die Welt den Appell \u201eHelf dir selbst, dann hilft dir auch dein Herrgott\u201c. In Anbetracht der politischen Lage in unserem Land ist dieser Appell, \u201edas Lied des Notwendigen\u201c wie Nietzsche es nennt, aktueller denn je. Es werden M\u00e4nner gefordert, die bereit sind ihren Beitrag zu leisten und nicht einfach nur \u201eda\u201c sind. Eine solche Gruppe, die sich unter Beachtung der Gruppenelemente formiert wird allein aufgrund der Tatsache, dass es so etwas in der heutigen Zeit nicht mehr gibt, f\u00fcr eine entsprechende Aufmerksamkeit seitens anderer Gruppen sorgen. Ber\u00fccksichtigt man weiterhin, dass Erfolge nicht durch Fakten, nicht durch Rationalit\u00e4t, sondern durch Emotionen errungen werden, so ist eine solche verschworene Bande, eine Bruderschaft mit Sicherheit ein interessanter Weg zur Stiftung eines strahlenden Mythus.<\/span><\/p>\n<h2>Literaturverzeichnis<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>Die\u00dfner, Dr. Helmar, Gruppendynamische Spiele und \u00dcbungen, 1997, Junfermann Verlag; Auflage: 6.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>Krege, Wolfgang, Begriffe der Gruppendynamik. Konzepte der Humanwissenschaften, 1977.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>Ardelt-Gattinger, Elisabeth, Lechner, Hans, Schlogel, Walter, Gruppendynamik, 1998, Hogrefe-Verlag G\u00f6ttingen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>Stahl, Eberhard, Dynamik in Gruppen \u2013 Handbuch der Gruppenleitung, 2002, Beltz-Verlag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>Tuckman, Bruce W.: Developmental sequence in small groups, 1965, Psychological Bulletin. 63.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>Schindler, Raoul, Das Verh\u00e4ltnis von Soziometrie und Rangordnungsdynamik, 1973.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>Donovan, Jack, Der Weg der M\u00e4nner, Verlag Antaios, 2016.<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Text wurde als Referat auf einer internen Strategie-Tagung gehalten. 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