{"id":7175,"date":"2020-08-10T06:43:39","date_gmt":"2020-08-10T04:43:39","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=7175"},"modified":"2020-11-25T06:02:00","modified_gmt":"2020-11-25T05:02:00","slug":"linker-traditionalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/linker-traditionalismus\/","title":{"rendered":"Linker Traditionalismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Der nachfolgende Kommentar stammt von dem linken Nationalanarchisten <strong>Peter T\u00f6pfer<\/strong>, den wir hiermit gerne zur Diskussion stellen. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten des Autors nicht zwangsl\u00e4ufig die der Redaktion widerspiegeln, wollen uns jedoch einer Diskussion zum Thema nicht verweigern. Im Gegenteil versteht sich Gegenstrom als Plattform zum Austausch verschiedener Ideen. Eine echte Debattenkultur in der Rechten zu erzeugen, tut not und ist uns deshalb auch von jeher ein wichtiges Anliegen unserer Redaktionsleitung gewesen.<\/em><\/p>\n<p>Ich staune, wie sehr ich an meinen linken Wurzeln festhalte und wie sehr ich Wert darauflege, die Tradition, in der ich mich befinde, zu w\u00fcrdigen. Trotz der Neuerung, die ich glaube zur linken, d. h. emanzipatorischen Bewegung beigesteuert zu haben, und trotz des Verlassens alter Wege werde ich nicht m\u00fcde, auf meine Vorreiter und Lehrer hinzuweisen, obwohl es ja zur Emanzipation geh\u00f6rt, auch seine Lehrer hinter sich zu lassen: und obwohl ich genau dies tue, liegen sie und die Erinnerung an sie mir am Herzen. Nicht nur, dass ich sie brauche zur Erkl\u00e4rung der Neuerungen \u2013 es ist auch eine Frage der Ehrlichkeit, auf sie als die Vorreiter hinzuweisen. Ist diese Art des Ehrens auch mit links vereinbar? Offenbar, ich staune jedenfalls, welche Rolle das f\u00fcr mich spielt. Fr\u00fcher spielte \u00fcbrigens das Ehren der Helden auf der linken Seite eine gro\u00dfe Rolle \u2013 wie auch die Tradition. Das alles gibt es heute nicht mehr bei den Linken.<\/p>\n<p>Ich habe den Wert der Tradition relativ sp\u00e4t entdeckt, n\u00e4mlich als mir sehr klar wurde, wie bedeutsam sie f\u00fcr uns Menschen ist. Kein Beruf, kein Handwerk, kein Wissen generell ist vorstellbar ohne Tradition.<\/p>\n<p>Aber nun spielt die Tradition auch eine gro\u00dfe Rolle, wenn es darum geht, dass die Menschen ihre Entfremdung unterbinden und sie selbst werden. Hier hat es gro\u00dfartige Vorl\u00e4ufer gegeben, und selbst Karl Marx h\u00e4tte seinen Platz in der Geschichte der so verstandenen Emanzipation haben k\u00f6nnen, wenn er bei der Entfremdungsfrage geblieben w\u00e4re und nicht in seinen komischen \u201ehistorischen und dialektischen Materialismus\u201c abgedreht und furchtbar darin steckengeblieben w\u00e4re. Nur Max Stirner hat ihn dazu gebracht \u2013 was ganz sicher nicht Stirners Absicht war. Es war Marxens Unehrlichkeit, die ihn so hat abdrehen und ein ganz \u00fcbler Gewaltherrschaftsguru werden lassen. Der Sohn von Schriftgelehrten konnte es nicht verknusen, dass der frische deutsche B\u00fcrgersohn Caspar Schmidt kl\u00fcger war als er.<\/p>\n<p>Platz in der Geschichte&#8230; Geschichte&#8230; \u2013 Ist es nicht immer das Ziel der Linken gewesen, die Geschichte zu beenden? Anzukommen in einem Zustand, wo die Geschichte keine Rolle mehr spielt? Und auch ich h\u00e4nge noch diesem Ziele an: nat\u00fcrlich soll der Mensch \u2013 wenn er das will \u2013 sich keine Gedanken um irgendetwas Historisches machen. Nat\u00fcrlich soll er auch irgendwann einmal <em>ankommen.<\/em> Ankommen in einer Welt, in der nicht mehr das gewaltsame Chaos herrscht. Linke, emanzipatorische Philosophen haben schon immer gesagt, dass sie aus der Geschichte aussteigen wollen \u2013 wie auch aus der Philosophie. Aber siehe \u2013 ich h\u00e4nge so gesehen immer wieder an der Geschichte und bleibe ihr verhaftet: an der Geschichte der Bestrebungen, die Geschichte zu beenden.<\/p>\n<p>Ist das paradox? Ja und nein. Kann ein Rechter etwas damit anfangen? M\u00fcsste er eigentlich. Ich bin mir sicher, dass es auch in der Tradition der Rechten solche Gedanken gibt. Es ist ja inzwischen nichts Neues mehr, dass wir linken Anarchisten sehr den Ultrakonservativen \u2013 den sog. Pal\u00e4okonservativen \u2013 \u00e4hneln, ja uns eigentlich von denen gar nicht mehr unterscheiden. Wir Linken sind so sehr in uns und auch in die Geschichte zur\u00fcckgegangen \u2013 dorthin, wo wir unsere Wurzeln vermuten, dorthin, wo es, wie wir denken, keine Entfremdung gegeben hat \u2013, dass wir zwangsl\u00e4ufig dort landen mussten, wo die Pal\u00e4okonservativen schon auf uns warteten. Nur sind wir dann <em>noch<\/em> weiter zur\u00fcckgegangen als diese&#8230;<\/p>\n<p>Die Menschen und deren Kultur, von denen wir denken, dass sie unsere Wurzeln sind und in deren Tradition wir stehen \u2013 die Ureurop\u00e4er, die Pr\u00e4-Indoeurop\u00e4er \u2013, denen war, so denken wir, der Begriff \u201eGeschichte\u201c unbekannt. Und sie lebten, so vermuten wir, in der Gegenwart \u2013 \u201ein den Tag hinein\u201c. Wenn wir so leben m\u00f6chten wie diese, dann, so denken wir, steigen wir also ganz automatisch aus der Geschichte aus; dann verlassen und vergessen wir die Geschichte, so wie wir in diese leider eingestiegen, hineingeraten sind. Das ist doch logisch, oder? Ich kenne die rechte Literatur nicht gut genug, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch dort das Ideal des Gegenw\u00e4rtigseins, der Zukunfts- und Vergangenheitslosigkeit gibt.<\/p>\n<p>Jemand, von dem ich allerdings wei\u00df, dass er diese Problematik sehr genau kannte, war der \u201erechte\u201c, jedenfalls von Rechten verehrte Ernst Nolte. Zu nennen ist da vor allem sein Buch \u201eHistorische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?\u201c aus dem Jahre 1998. Ich kenne aber aus meinem pers\u00f6nlichen Umfeld keinen einzigen Rechten (ich habe seit vielen Jahren Kontakt zu vielen Rechten), mit dem Nolte korrespondiert h\u00e4tte. \u2013 Mit mir sehr wohl! (1) Nolte hatte ein deutliches Faible f\u00fcr die Linken; er wusste genau, was diese wollten, und \u2013 mehr oder weniger heimlich, das wei\u00df ich nicht so genau \u2013 hat er mit ihnen sympathisiert. Auch er hat ganz sicher mit dem Ausstieg aus der Geschichte gelieb\u00e4ugelt; in dem genannten Buch geht es genau darum. Soweit ich mich erinnere, geht aus dem Vor- und aus dem Nachwort hervor \u2013 also aus dem <em>Anfang<\/em> und aus dem <em>Ende<\/em> des Buches \u2013, dass er sich den ganzen Mittelteil, also das eigentliche Buch, h\u00e4tte sparen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ernst Nolte hat die Problematik, ich m\u00f6chte sagen: die Widersinnigkeit, ja das Dilemma und das Elend, die Grausamkeit der \u201ehistorischen Existenz \u201c<em>zu gut<\/em> beschrieben. Aber er wusste auch, was die Geschichte ganz konkret f\u00fcr den Einzelnen bedeutete: seelische Qual und Entfremdung. Nolte sprach u. a. vom \u201e<em>Ineinander von Verbot und \u00dcbertretung<\/em>\u201c, das zur \u201e<em>historischen Existenz<\/em>\u201c geh\u00f6re, wusste also ganz genau, wie sehr uns unsere patriarchale Kultur in die Pers\u00f6nlichkeitsspaltung und in die Doppelmoral treibt: \u201e<em>Nur in seltenen F\u00e4llen findet der Trieb, zumal bei M\u00e4nnern, in der individuellen Beziehung sein Gen\u00fcge, denn er ist schweifend (\u2026). Aber auch unabh\u00e4ngig von dieser Natur unterliegt die \u201anaturmoralische Gesellschaft\u2019 Sprengkr\u00e4ften, die m\u00e4chtiger sind als die Gebote und Verbote.<\/em>\u201c (2)<\/p>\n<p>Ernst Nolte kannte die pr\u00e4historischen V\u00f6lker <em>zu gut,<\/em> als dass er nicht gro\u00dfe Sympathien f\u00fcr sie haben musste. Und wenn er diese vorgeschichtlichen V\u00f6lker mit so viel Empathie beschrieben hat \u2013 liegt es dann nicht auf der Hand, dass er wollte, dass wir wieder \u2013 <em>nach<\/em> der Geschichte \u2013 in so einen Zustand kommen? War er nicht auch ein Erzkonservativer? Ist ein Pal\u00e4okonservativer nicht der, der so weit in die Geschichte zur\u00fcckgeht, bis er an einem Zustand angelangt ist, wo er sagt: hier geht es nicht weiter, hier m\u00f6chte ich sein, das m\u00f6chte ich <em>konservieren,<\/em> das lohnt sich wirklich zu <em>tradieren? <\/em>War Nolte vielleicht nicht auch ein Anarchist, der wusste, dass der gl\u00fcckliche Zustand sich <em>von selbst <\/em>tradiert und immer wieder konserviert? \u00dcber wieviel Tausend Jahre hinweg haben sich die Ur-Kulturen der Welt kein bisschen ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Worin liegt \u00fcberhaupt der Unterschied zwischen linken und rechten Traditionalisten, zwischen Anarchisten und Pal\u00e4okonservativen? Das Ideal der Konservativen ist die Kultur unmittelbar <em>nach, <\/em>das Ideal der Anarchisten die Kultur <em>vor<\/em> der neolithischen Revolution: Diese ist f\u00fcr den Anarchisten der Einbruch der Barbarei; hier begann der ganze Jammer, das ganze menschliche Elend. Hier begann aber auch die sog. Hochkultur mit Schrift, Intellektualit\u00e4t \u2013 Staat. Die <em>Geschichte<\/em> entstand. Das kann man gut bei Ernst Nolte nachlesen. Anarchisten wollen zur\u00fcck in <em>diese<\/em> Kulturen, in die Ur-Kulturen. Erst dort, bei der Ur-Wurzel, h\u00f6ren sie auf, Kritiker und Ver\u00e4nderer zu sein.<\/p>\n<p>Auf der konservativ-revolution\u00e4ren Webseite Gegenstrom.de hei\u00dft es im programmatischen Text \u201eNeue Blickwinkel\u201c: <em>\u201eEs ist an der Zeit, tats\u00e4chlich radikal zu denken. Das hei\u00dft, an die Wurzel zu gehen. Das hei\u00dft, von der Wurzel ausgehend neue Wege zu suchen.\u201c <\/em>(3)<\/p>\n<p>Und ein Mann wie Alexander Dugin wei\u00df das auch alles sehr genau. Dugin war Punk, das kriegt er nie wieder los. Auch er kennt die Ur-Kulturen <em>zu gut<\/em>&#8230; Bei Alexander Markovics hei\u00dft es: <em>\u201e<\/em><em>Aufbauend auf den Forschungen von Marija Gimbutas und Johann Jakob Bachofens nimmt Dugin an, dass das pr\u00e4-indoeurop\u00e4ische Europa von diesem beherrscht wurde. Als 3000 v. Chr. die Indoeurop\u00e4er begannen, den Dnjepr in Wellen zu \u00fcberschreiten und mit ihren Pferden und Streitw\u00e4gen im pal\u00e4oeurop\u00e4ischen Reich der Kybele einzufallen, unterwarfen sie nicht nur die dortige Zivilisation, deren Zentrum am Balkan angenommen wird, wo auch die Landwirtschaft in Europa begann, sondern zwangen den unterworfenen Menschen auch ihre Ideologie auf.\u201c<\/em> (4)<\/p>\n<p>Ein Linker, ein Anarchist wie ich, der \u00fcbt auch die Schrift, ja, aber er sieht das alles sehr kritisch; B\u00fccher sind f\u00fcr ihn nicht das Nonplusultra. Der mag Schriften, in denen begr\u00fcndet wird, warum wir nicht mehr so viel schreiben und eher leben sollten; der mag B\u00fccher, die das einzige Buch oder das letzte Buch des betreffenden Autoren waren, die mit ihrem Buch aus der Geschichte des B\u00fccherschreibens herausgefallen sind, so wie es einem Max Stirner passierte. So eine ehrliche Haut, dieser Max Stirner!&#8230; So unkorrupt!<\/p>\n<p>Stirner hat sich ausgerechnet mit den radikalsten Linken seiner Zeit angelegt \u2013 diese waren ihm nicht radikal genug. Wenn ein Rechter die Absicht \u00e4u\u00dfert, Stirner lesen zu wollen, denke ich immer: der Arme&#8230; Ein Rechter <em>kann<\/em> sein Buch \u201eDer einzige und sein Eigentum\u201c gar nicht verstehen, so sehr steckt Stirner in der Debatte mit den linkesten der Linkshegelianer, den kritischsten der Kritiker, den emanzipatorischsten der Emanzipatoren, den freiesten der Freien&#8230; Und er hat ihnen unwiderlegbar nachgewiesen und ins Stammbuch geschrieben, dass sie <em>unfrei (<\/em>besser: <em>uneigen) <\/em>waren!, dass sie, die angeblichen Religionskritiker und -abschaffer, einer<em> Religion <\/em>anhingen \u2013 die der <em>Menschlichkeit<\/em>.<\/p>\n<p>Die Linken damals waren total perplex. Feuerbach und Engels waren begeistert. Aber es dauerte \u00fcberhaupt nicht lange, da pfiff Marx den guten Friedrich zur\u00fcck, und die Linke ging auf Distanz zu Stirner, ja verdr\u00e4ngte ihn vollst\u00e4ndig. Diese Verdr\u00e4ngungsarbeit leistete Marx mit seinem \u201eSankt Max [Stirner]\u201c (5) \u2013 einem riesigen Text, den er sich nie traute zu ver\u00f6ffentlichen! (Das Buch Stirners war nur aus dem Grunde volumin\u00f6s geraten, weil ab einer gewissen Seitenzahl die Zensur umgangen werden konnte; Marxens Buch war dann dreimal so dick wie der \u201eEinzige\u201c! Eine Zensur hatte er nicht zu bef\u00fcrchten.) Darin, in diesem Nicht-Ver\u00f6ffentlichen, lag das Abschlie\u00dfen mit Stirner, das <em>Unter<\/em>winden \u2013 die Verdr\u00e4ngung. Diese Verdr\u00e4ngung wurde betoniert mit dem albernen \u201edialektischen Materialismus\u201c. Aber immer noch <em>tr\u00e4umte<\/em> Marx vom Ende der Geschichte. Diese werde aber erst beendet, wenn <em>die Gesellschaft<\/em> so weit sei. Dann fiele der Staat weg und wir w\u00fcrden aus der Geschichte aussteigen. \u2013 Stirner war da schon l\u00e4ngst ausgestiegen. Das konnte sich Marx absolut nicht vorstellen! Er war die <em>Geistesgr\u00f6\u00dfe,<\/em> f\u00fcr ihn fing die Schreiberei jetzt erst richtig an \u2013 wo Stirner l\u00e4ngst schon einer ehrlichen Arbeit nachging. (Er hat ein Milchhandelsgesch\u00e4ft aufgemacht: Milch von Bauern aus dem Berliner Umland nach Berlin reingebracht \u2013 wie es die Legende will \u2013, hat dabei den Milchwagen erfunden, den dann Bolle \u00fcbernommen hat. Leider hat <em>Bolle<\/em> dann Erfolg damit gehabt, nicht Stirner. Der Sprung vom Intello zum Gewerbetreibenden war wohl zu gro\u00df f\u00fcr den Pionier.) F\u00fcr Marx dagegen war das Ende der Geschichte, das Ende des Intellektuellen, eine Sache f\u00fcr den Sankt-Nimmerleins-Tag. Erst mal musste die \u201eDiktatur des Proletariats\u201c errichtet werden und andere Scherze. \u2013 Ein Irrsinn!<\/p>\n<p>Nein, aus der Geschichte wird <em>instantly<\/em> oder gar nicht ausgestiegen. Marx war ein Vollidiot.<\/p>\n<p>Und die Linken blieben ab diesem Moment Vollidioten. Die Linken <em>vor<\/em> Stirner waren noch einigerma\u00dfen ehrlich; sie wussten es bis dahin nicht besser. Aber die Linken <em>danach<\/em> h\u00e4tten es wissen k\u00f6nnen \u2013 wenn sie <em>ehrlich<\/em> gewesen w\u00e4ren. Die Linken nach Stirner waren nur noch Idioten \u2013 bzw. eben <em>keine <\/em>Idioten, denn Idiot hei\u00dft ja bekanntlich \u201eder Eigene\u201c. Stirners Buch h\u00e4tte tats\u00e4chlich genauso gut \u201eIch, der Idiot\u201c hei\u00dfen k\u00f6nnen. Die Linken nach Stirner waren nur noch im besten Falle Trottel \u2013 im schlechten Falle <em>linke <\/em>Gesellen und Verbrecher. Es mag Ausnahmen gegeben haben, etwa Landauer, der sowohl Stirnerianer als auch v\u00f6lkisch war, aber da kenne ich mich nicht genug aus.<\/p>\n<p>Das Ganze linke Projekt der Aufkl\u00e4rung ist eine Geschichte von Fortschritt und R\u00fcckschritt, von Unehrlichkeit und Verrat an der intellektuellen Redlichkeit, Verrat an sich selbst \u2013 Verrat an der Aufkl\u00e4rung. R\u00fcckschritt ist hier nat\u00fcrlich das Positive: zur\u00fcck in die Vorgeschichte; fortschreiten hei\u00dft davonfliegen: ins Sankt-Nimmerlein-Dasein entfleuchen. Die R\u00fcckschrittlichen waren Lamettrie und Stirner, die Hinwegschreitenden und Verr\u00e4ter an der Aufkl\u00e4rung waren Voltaire, Diderot, Lessing, Marx, Nietzsche et al. Zu den R\u00fcckschrittlichen z\u00e4hlten aber auch viele der Gegen-Aufkl\u00e4rer: diese waren eigentlich aufkl\u00e4rerischer als die Aufkl\u00e4rer, nur h\u00e4tten sie sich \u2013 jetzt kommen wir <em>darauf<\/em> zur\u00fcck \u2013 in die <em>Tradition<\/em> der Aufkl\u00e4rung stellen sollen, das w\u00e4re logischer gewesen. Sie haben Licht in die Aufkl\u00e4rung gebracht: also war es Aufkl\u00e4rung. Wie kann man freiwillig das Unsichtbare dem Sichtbaren, das Nicht-Sehen dem Sehen vorziehen? Soll das ernst gemeint sein?<\/p>\n<p>Einigerma\u00dfen erkannt und verstanden wurde Stirner viel eher von Rechten. Bernd A. Laska hat ein Buch geschrieben, in dem er zeigt, was f\u00fcr Stirner-Fans die rechten Helden von Bismarck \u00fcber J\u00fcnger bis Carl Schmitt waren. Sie waren Stirner n\u00e4her als die Linken, wenngleich auch sie sich vor ihm zur\u00fcckgezogen oder ihn trivialisiert haben. Und es war ein Konservativer \u2013 Panajotis Kondylis \u2013, der noch in unserer Zeit viel mehr von der Aufkl\u00e4rung und vom wahren Linkssein wusste als die <em>falschen Aufkl\u00e4rungstraditionalisten <\/em>(Habermas &amp; Co.).<\/p>\n<p>Lamettrie, Stirner, [Wilhelm] Reich (LSR) (6) \u2013 an diese Tradition sollte die Linke, sollten die Aufkl\u00e4rer ankn\u00fcpfen. Ich mache es jedenfalls. Das ist der rechte Weg.<\/p>\n<h2>Literaturhinweise<\/h2>\n<p>(1) <a href=\"http:\/\/peter-toepfer.de\/Stimmen\/Nolte\/nolte.html\">http:\/\/peter-toepfer.de\/Stimmen\/Nolte\/nolte.html<\/a><\/p>\n<p>(2) Ernst Nolte, \u201eHistorische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?\u201c, M\u00fcnchen Z\u00fcrich 1998, S. 457; siehe auch <a href=\"http:\/\/nationalanarchismus.de\/Nationalanarchismus\/Auto-_9\/Vaterschaftsluege1\/Vaterschaftsluege2\/Vaterschaftsluege3\/vaterschaftsluege3.html\">http:\/\/nationalanarchismus.de\/Nationalanarchismus\/Auto-_9\/Vaterschaftsluege1\/Vaterschaftsluege2\/Vaterschaftsluege3\/vaterschaftsluege3.html<\/a><\/p>\n<p>(3) <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/gastbeitrag-neue-blickwinkel\/\">https:\/\/gegenstrom.org\/gastbeitrag-neue-blickwinkel\/<\/a><\/p>\n<p>(4) Siehe: Die Noomachie: Europas Wurzeln im Kampf der Geister von Alexander Markovics: <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/die-noomachie-europas-wurzeln-im-kampf-der-geister\/?fbclid=IwAR2krLRnM_RHKX-ObUVHk8Nex0zFMU_lzE5UwDNbC4CxTXnHS9rYqzrGiOk\">https:\/\/gegenstrom.org\/die-noomachie-europas-wurzeln-im-kampf-der-geister\/?fbclid=IwAR2krLRnM_RHKX-ObUVHk8Nex0zFMU_lzE5UwDNbC4CxTXnHS9rYqzrGiOk<\/a><\/p>\n<p>(5) Die deutsche Ideologie: <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me03\/me03_101.htm\">http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me03\/me03_101.htm<\/a>. Die ersten Abs\u00e4tze des &#8222;Sankt Max&#8220; haben es voll in sich! Instinktsicher hat Marx Stirner eigentlich verstanden. Ich werde darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>(6) <a href=\"http:\/\/www.lsr-projekt.de\">www.lsr-projekt.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Kommentar stammt von dem linken Nationalanarchisten Peter T\u00f6pfer, den wir hiermit gerne zur Diskussion stellen. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten des Autors nicht zwangsl\u00e4ufig die der Redaktion widerspiegeln, wollen uns jedoch einer Diskussion zum Thema nicht verweigern. Im Gegenteil versteht sich Gegenstrom als Plattform zum Austausch verschiedener Ideen. 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