{"id":683,"date":"2017-06-18T08:08:13","date_gmt":"2017-06-18T07:08:13","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=683"},"modified":"2020-02-03T17:49:00","modified_gmt":"2020-02-03T16:49:00","slug":"walter-flex-lebensbild-eines-dichters-und-offiziers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/walter-flex-lebensbild-eines-dichters-und-offiziers\/","title":{"rendered":"Walter Flex: Lebensbild eines Dichters und Offiziers"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eWildg\u00e4nse rauschen durch die Nacht<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Mit schrillem Schrei nach Norden \u2013<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Unstete Fahrt! Habt acht, habt acht!<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Die Welt ist voller Morden.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Mit dieser Strophe beginnt das wohl ber\u00fchmteste Gedicht des gro\u00dfen Schriftstellers und Frontoffiziers Walter Flex auf der zweiten Seite seiner nicht weniger ber\u00fchmten autobiographischen Novelle \u201eDer Wanderer zwischen beiden Welten\u201c, welche das Streiten und Sterben seines 1915 bei Simnen gefallenen Kameraden Ernst Wurche zum Inhalt hat. In der Zwischenkriegszeit avancierte das Werk zum Kultbuch der jungen Generation. Das darin unter anderem enthaltene Gedicht \u201eWildg\u00e4nse rauschen durch die Nacht\u2026\u201c wurde vertont und bald von jedermann gesungen; sogar die franz\u00f6sische Armee mochte mit der Zeit nicht darauf verzichten und schuf sich mit der \u00dcbersetzung <em>Les Oies Sauvages <\/em>(Die Wildg\u00e4nse) ein entsprechendes Marschlied.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Geboren wurde Walter Flex am 6. Juli 1887 in Eisenach als Sohn des Gymnasialprofessors Dr. Rudolf Flex und dessen Ehefrau Margarete. Bereits als Sch\u00fcler verfasste er dramatische Texte. Nach Bestehen der Reifepr\u00fcfung nahm er 1906 ein Studium der Germanistik und Geschichte an der Universit\u00e4t Erlangen auf, wo er in die Burschenschaft der Bubenreuther eintrat. W\u00e4hrend er zwischen 1908 und 1910 in\u00a0 Stra\u00dfburg sein Studium fortsetzte, ver\u00f6ffentlichte er Novellen, Erz\u00e4hlungen sowie Gedichte. Nachdem er ein erstes Dissertationsprojekt an der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg verworfen hatte, wurde er schlie\u00dflich 1911 an seiner alten Universit\u00e4t Erlangen zu einem literaturgeschichtlichen Thema promoviert, das uns auch in seinem k\u00fcnstlerischen <em>Oeuvre<\/em>, namentlich in Form seines 1909 erschienenen Dramas \u201eDemetrius\u201c, begegnet. Der Titel der Promotion Flex\u2019 lautete: \u201eDie Entwicklung des tragischen Problems in den deutschen Demetriusdramen von Schiller bis in die Gegenwart\u201c. Bis zum Kriegsausbruch war Flex von verschiedenen Adelsfamilien, zeitweise auch von der Familie Bismarck, als Hauslehrer engagiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der aufgrund einer Sehnenverletzung an der rechten Hand vom Milit\u00e4rdienst befreite Dichter meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und versah schon bald beim 3. Niederschlesischen Infanterie-Regiment Nr. 50 seinen Dienst, wobei er einiges hatte daransetzen m\u00fcssen, um trotz seiner kranken Hand angenommen zu werden. Noch im selben Jahr fiel sein Bruder Otto in der Marneschlacht. \u00dcberhaupt sollte der Krieg der Familie einen hohen Blutzoll abfordern: nur einer von vier Br\u00fcdern, Konrad Flex, \u00fcberlebte den Weltkrieg und legte mit einer Biographie Walter Flex\u2019 zwanzig Jahre nach dem Tod des Bruders Zeugnis f\u00fcr die Nachwelt ab, Zeugnis vom Leben und Sterben eines Dichtersoldaten. Doch Schritt f\u00fcr Schritt: Im Sp\u00e4tjahr 1914 zog Walter Flex\u2019 Regiment nach Lothringen. Auch w\u00e4hrend des Krieges schrieb der Schriftsteller Gedichte, die ihn erstmals einer breiten \u00d6ffentlichkeit vorstellten, da sie in der auflagenstarken \u201eT\u00e4glichen Rundschau\u201c gedruckt und wenig sp\u00e4ter in Anthologien publiziert wurden. Im Fr\u00fchjahr des darauffolgenden Jahres diente er, mittlerweile zum Leutnant bef\u00f6rdert, in erster Linie an der Ostfront, besonders in Nordostpolen und im Baltikum. Nachdem sein junger Kamerad, der ebenfalls kriegsfreiwillige Ernst Wurche, mit dem ihn eine feste Freundschaft verband, im August 1915 bei einem Patrouillengang nahe Simne gefallen war, schrieb Flex die oben bereits erw\u00e4hnte autobiographische Novelle \u201eDer Wanderer zwischen den beiden Welten\u201c, die im Oktober 1916 erschien und Flex viel schriftstellerischen Ruhm noch zu Lebzeiten einbrachte. Allein die Zeit, die er noch zu leben hatte, war begrenzt: sie sollte sich auf kaum mehr als ein Jahr belaufen. Um den unverwechselbaren Prosastil des Autors zu demonstrieren, m\u00f6gen die ersten beiden Abs\u00e4tze dieses Buches gen\u00fcgen. Sie vermitteln auch eine Vorstellung davon, unter welch widrigen Umst\u00e4nden so manches Kriegsgedicht des Schriftstellers entstanden sein mag: \u201eEine st\u00fcrmische Vorfr\u00fchlingsnacht ging durch die kriegswunden Laubw\u00e4lder Welsch-Lothringens, wo monatelanger Eisenhagel jeden Stamm gezeichnet und zerschroten hatte. Ich lag als Kriegsfreiwilliger wie hundert N\u00e4chte zuvor auf der granatenzerpfl\u00fcgten Waldbl\u00f6\u00dfe als Horchposten und sah mit windhei\u00dfen Augen in das flackernde Helldunkel der Sturmnacht, durch die ruhlose Scheinwerfer \u00fcber deutsche und franz\u00f6sische Sch\u00fctzengr\u00e4ben wanderten. Der Braus des Nachtsturms schwoll anbrandend \u00fcber mich hin. Fremde Stimmen f\u00fcllten die zuckende Luft. \u00dcber Helmspitze und Gewehrlauf hin sang und pfiff es schneidend, schrill und klagend, und hoch \u00fcber den feindlichen Heerhaufen, die sich lauernd im Dunkel gegen\u00fcberlagen, zogen mit messerscharfem Schrei wandernde Graug\u00e4nse nach Norden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die verflackernde Lichtf\u00fclle schweifender Leuchtkugeln hellte wieder und wieder in j\u00e4hem \u00dcberfall die klumpigen Umrisse kauernder Gestalten auf, die in Mantel und Zeltbahn geh\u00fcllt gleich mir, eine Kette von Sp\u00e4hern, sich vor unseren Drahtverhauen in Erdmulden und Kalkgruben schmiegten. Die Postenkette unseres schlesischen Regiments zog sich vom Bois des Chevaliers hin\u00fcber zum Bois de V\u00e9rines, und das wandernde Heer der wilden G\u00e4nse strich gespensterhaft \u00fcber uns alle dahin. Ohne im Dunkel die ineinanderlaufenden Zeilen zu sehen, schrieb ich auf einen Fetzen Papier ein paar Verse\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Das Buch wurde zum erfolgreichsten eines deutschen Schriftstellers im Ersten Weltkrieg und war eines der sechs erfolgreichsten deutschen B\u00fccher im 20. Jahrhundert. \u00c4hnlich autobiographisch orientierte Kriegserz\u00e4hlungen, insbesondere Ernst J\u00fcngers \u201eIn Stahlgewittern\u201c, Ludwig Renns \u201eKrieg\u201c und Erich Maria Remarques \u201eIm Westen nichts Neues\u201c, erschienen erst nach Flex\u2019 bekannter Novelle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Im April 1917 meldete sich Walter Flex mit einigen Kameraden freiwillig zur Verwendung an der hei\u00df umk\u00e4mpften Westfront. Dieses Gesuch wurde indes abgelehnt. In einem Brief schrieb er nach der Ablehnung: \u201eIn R\u00fccksicht auf Mutters Gesundheit ist das wohl auch gut, aber unterlassen konnte ich diese Meldung trotz allem nicht. Wenn ich zu einer Patrouille Freiwillige aufrufe, verlange ich auch alles M\u00f6gliche von meinen Leuten, und das w\u00e4re mir sonst in Zukunft doch etwas schwer geworden.\u201c Seines literarischen Ruhmes wegen im Juli 1917 nach Berlin beordert und vom Generalstab mit einer publizistischen Aufgabe betraut, wurde er auf eigenen Wunsch hin jedoch bald wieder zur\u00fcck an die Ostfront versetzt, wo er im Unternehmen Albion eine Infanterie-Kompanie f\u00fchrte. Gorch Fock, ebenfalls Schriftsteller und im Ersten Weltkrieg gefallener Soldat, schrieb in einem Gedicht \u00fcber einen solchen Leutnant, der den Seinen Beispiel und Vorbild war:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eMeinen jungen Leutnant sah ich lachen<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>mit den Augen eines Liliencron;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>eine Zigarette schief im Munde,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>war ihm jeder Landsturmmann ein Sohn.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Meinen jungen Leutnant sah ich st\u00fcrmen,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>in der Faust den wei\u00dfen, blanken Stahl;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>zwar die Zigarette fiel zu Boden,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>doch er lachte trotzig siebenmal.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Meinen jungen Leutnant sah ich fallen,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>eine Russenkugel traf sein Herz.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eWeiter!\u201c &#8211; h\u00f6rte ich ihn lachend rufen,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>eisern zwang er nieder seinen Schmerz.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wie sehr dieser Leutnant aus Focks Gedicht dem Leutnant Flex und all den anderen nicht namentlich in die Geschichte eingegangenen Frontoffizieren beider Weltkriege gleicht, m\u00f6gen einige Zeilen aus Walters Feder offenbaren, die sein Bruder 20 Jahre nach dessen Tod in eine Biographie einflie\u00dfen lie\u00df. Auf einem Zettel steht da etwa: \u201eIch schlafe noch einmal so gut ein, wenn ich die Kerls im Unterstand einmal herzhaft zum Lachen gebracht habe.\u201c In einer Sammlung stichwortartiger Notizen unter der \u00dcberschrift \u201eZur Psychologie des Krieges\u201c \u2013 psychologische Beobachtungen Flex\u2019 an sich und an den Mannschaften \u2013 hei\u00dft es \u00fcber das St\u00fcrmen: \u201eIm Gefecht wertet die Seele die einzelnen Momente ganz verschieden: In der Deckung und zwischen den Spr\u00fcngen vibrierende Witterung der Gefahr. Im Sprung Ausschalten des Bewusstseins durch den Willen, einen ganz kalten, hartbegrenzten Willen: Dorthin will ich. Aber dieses \u201eIch\u201c bin nicht ich, Walter Flex, sondern ich, die Sch\u00fctzenlinie, die Kette, die ich vorrei\u00dfe.\u201c \u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch einmal ein ehemaliger Offizierskollege meines Gro\u00dfvaters, der vielfach schwer verwundet wurde und nach der Kapitulation der Wehrmacht in Kurland 1945 in sowjetische Gefangenschaft geriet. Als Infanterie-Leutnant habe er sich keine Feigheit leisten k\u00f6nnen, da alle Augen auf ihn gerichtet gewesen seien, doch habe er die einfachen Soldaten stets bewundert, die \u2013 einer solchen Rolle ledig \u2013 dennoch ihren todesverachtenden Heldenmut t\u00e4glich neu unter Beweis gestellt h\u00e4tten. Auch Flex scheint f\u00fcr den einfachen Soldaten eine solche Hochachtung empfunden zu haben, denn er schrieb wenige Monate vor seinem Tode an seine Eltern: \u201eMeine Liebe zum einfachen Mann ist durch den Krieg so stark geworden, dass sie meinem Leben f\u00fcr immer Richtung geben wird. Ich will keine Vergleiche ziehen, aber es d\u00fcrfte mancher Hochmut vor dem Menschentum des gemeinen Mannes in Reih und Glied Leine ziehen. Ich bin stolz auf meine Leute.\u201c Da ist es also wieder zu fassen, das Aufkeimen jenes Gedankens, der dem kommenden Deutschland wenigstens f\u00fcr kurze Zeit immanent und f\u00fcr dasselbe gleichsam konstituierend sein sollte: dieser Gedanke hei\u00dft Volksgemeinschaft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wie Fock seinen Tod infolge der Schlacht am Skagerrak findet, nachdem er nur kurz zuvor seinen Romanhelden, den Hochseefischer Mewes, in diesen Fluten hatte ertrinken lassen, f\u00e4llt auch Flex auf frappierend \u00e4hnliche Weise wie ein unbekannter Leutnant, dem er nach der Schlacht bei Wilna ein Gedicht widmete, das in dem Gedichtband \u201eIm Felde zwischen Tag und Nacht\u201c erschien. Es tr\u00e4gt den Titel \u201eLeutnantslied\u201c und ist fast zu sch\u00f6n, um nur in Ausschnitten wiedergegeben zu werden. Trotzdem muss hier das letzte Viertel des Gedichts gen\u00fcgen:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eDie Kugel war in einem t\u00fcck\u2019schen Zug<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>quer\u00fcber unterm Leibgurt hingeglitten \u2013<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>tief wie von Messern war der Leib zerschnitten.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Mit unbeweglichem Gesicht verschob<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>der Arzt den Mantel wieder, den er hob.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Den Wunden t\u00e4uschte seine Maske nicht,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>der sah ihm hart und fordernd ins Gesicht.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eDoktor\u2026, w\u00e4r\u2019 nur mein Herz nicht so gesund \u2013 !<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Vom Turnen, Doktor, und vom Wandern und \u2013<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Zwei Stunden, Doktor, h\u00e4lt mein Herz sich noch,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>ich aber halt\u2019s nicht durch\u2026 und muss es doch.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Doktor, die Spritze &#8211; ! Sonst\u2026 es k\u00f6nnte sein,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>ich\u2026 m\u00fcsste\u2026 schrei\u2019n\u2026<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Hier liegen Leute meiner Kompagnie\u2026<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Doktor, verstehen Sie\u2026! Ich\u2026 f\u00fchre\u2026 die!<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Doktor, ich bin im Dienst\u2026 Ich kann nicht schrei\u2019n!\u201c<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>[\u2026] Tief senkte da der Arzt die Spritze ein\u2026\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Mithilfe des vom kommandierenden General der 8. Armee v. Hutier pers\u00f6nlich angeforderten Berichts des I. R. 138 und erg\u00e4nzenden Mitteilungen lassen sich die Ereignisse des 15. Oktobers 1917, die zum Tod des Kompaniechefs Lt. Flex f\u00fchrten, rekonstruieren. \u201eGleichzeitig fielen einige Sch\u00fcsse. Einer derselben riss dem Anreitenden den Zeigefinger der rechten Hand ab und fuhr ihm in den Leib.\u201c Von diesem Schuss vom Pferd geworfen, ruft er einem Kameraden zu, dieser solle die F\u00fchrung der Kompanie \u00fcbernehmen. Nachdem die Russen sich ergeben haben, verhindert er noch, dass an dem vermeintlichen Sch\u00fctzen blutige Rache durch einen ergrimmten Landwehrmann genommen wird, indem er diesem bedeutet, der russische Offizier habe auch \u201enur seine Pflicht getan\u201c. Einen Tag sp\u00e4ter erliegt er seiner schweren Verwundung im Lazarett von Peudehof auf der Insel \u00d6sel. Seinem treuen Burschen, dem Gefreiten Zimmer, hatte er noch eine letzte Karte an seine Eltern diktiert, bevor er am Folgetag zur Gro\u00dfen Armee abberufen wurde. Sie hatte folgenden Wortlaut: \u201eLiebe Eltern! Diese Karte diktiere ich, weil ich am Zeigefinger der rechten Hand leicht verwundet bin. Sonst geht es mir sehr gut. Habt keinerlei Sorge! Viele herzliche Gr\u00fc\u00dfe Euer Walter.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">In Dr. Konrad Flex\u2019 Buch lesen wir: \u201eAn demselben Abend, an dem die Sonne f\u00fcr Walter zum letzten Male niederging, sa\u00df Mutter in ihrem Erkerzimmer und schrieb an ihren Jungen [\u2026]: Mein geliebter Walter! War das ein Gl\u00fcckstag heute! So viel brachte uns die brave Postfrau fr\u00fchmorgens, und nachmittags erschien die liebe Feldpost wieder und sch\u00fcttete ihr F\u00fcllhorn \u00fcber uns aus\u2026 [\u2026] Ach, wie wird das sch\u00f6n, wenn Du erst hier sein wirst und wenn wir m\u00fcndlich zusammen plaudern k\u00f6nnen! [\u2026] Wie es mich bewegte, als Du schriebst, dass die Graug\u00e4nse schon wieder nach S\u00fcden gezogen seien!\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nicht allein mit emsiger Feder, sondern mit nicht weniger beherzten Taten hat sich Leutnant Flex ein Denkmal gesetzt. Im Fr\u00fchjahr 1906 bei der Abschiedsfeier der Abiturienten hatte Walter Flex in einer Ansprache unter anderem Folgendes gesagt: \u201eDieser Patriotismus, der uns in Kriegszeiten das Leben in die Schanze schlagen l\u00e4sst, ist selbstverst\u00e4ndlich, und wir wollen von keinem unter uns so gering denken, dass wir ihn an diese Pflicht mahnen wollten.\u201c Bis zu seinem Heldentod war diese Konsequenz und Unbestechlichkeit seines Charakters ein Ararat, an dem sich strauchelnde Kameraden festhalten und aufrichten konnten. Unter all seine Worte hat sein Opfertod gleichsam das Siegel gesetzt. Gewiss waren dem jungen Leutnant die Worte des gro\u00dfen r\u00f6mischen Dichters und Zeitgenossen des Augustus Horaz bekannt, die da lauten: <em>\u201eDulce et decorum est pro patria mori!\u201c <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die letzte Strophe seines ber\u00fchmten Gedichtes \u201eWildg\u00e4nse rauschen durch die Nacht\u2026\u201c bringt m\u00f6glicherweise eine Vorahnung des gro\u00dfen Dichtersoldaten zum Ausdruck:<\/span><\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eWir sind wie ihr ein graues Heer<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Und fahr\u2019n in Kaisers Namen,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Und fahr\u2019n wir ohne Wiederkehr,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Rauscht uns im Herbst ein Amen!\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eWildg\u00e4nse rauschen durch die Nacht Mit schrillem Schrei nach Norden \u2013 Unstete Fahrt! 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