{"id":630,"date":"2017-05-10T17:00:31","date_gmt":"2017-05-10T16:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=630"},"modified":"2020-02-03T17:53:48","modified_gmt":"2020-02-03T16:53:48","slug":"eine-positive-kritik-fehlende-visionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/eine-positive-kritik-fehlende-visionen\/","title":{"rendered":"Eine Positive Kritik: Fehlende Visionen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Der nachfolgende Text ist als eine positive Kritik an die deutsche Rechte zu verstehen. Keineswegs m\u00f6chte der Autor oder die Redaktion die edlen Beweggr\u00fcnde des Einzelnen infrage stellen, der sich aktiv im Geschehen um Europa einbringt. Dennoch halten wir diese Kritik f\u00fcr notwendig, um bereits zu oft wiederholte Fehler in Zukunft vorzubeugen. M\u00f6ge der Text seinen Teil zur Erschaffung einer neuen Rechten beitragen. Die Redaktion <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Rechte hat keine Visionen mehr. Sie stochert im politischen Dunkeln herum und trifft dabei nur selten ins Schwarze. Sie klammert sich an alte Vorbilder, ohne diese der Gegenwart entsprechend weiterzuentwickeln. Die Rechte hinterlie\u00df ein ideologisch-weltanschauliches Vakuum. Auch die stetige Wiederholung von Phrasen, die das Gegenteil versprechen, kann an diesem Umstand nichts \u00e4ndern.\u00a0 Die sich in Deutschland befindenden aktiven rechten Gruppen haben es bis heute nicht geschafft, sich aufzuraffen, um eine einheitliche Rechte zu formieren. Zugegeben ist dies u.a. auch auf das Fehlen einer charismatischen F\u00fchrungsfigur zur\u00fcckzuf\u00fchren. Bisher ist niemand auch nicht einmal in der Ferne zu erblicken, der diese Rolle \u00fcbernehmen k\u00f6nnte und die Rechten zumindest zeitweise einigt. An eine grundlegende Einigung glaube ich zwar nicht, dennoch halte ich es f\u00fcr m\u00f6glich, wenn nicht sogar f\u00fcr notwendig, dass die diversen rechten Str\u00f6mungen ihre Graben- und Weltanschauungsk\u00e4mpfe zumindest bis zum Sturz des linksliberalen Establishments zugunsten einer Wende zur\u00fcckhalten. Dies wird h\u00f6chstwahrscheinlich solange nicht passieren, bis jemand kommt, der aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem politischen Fingerspitzengef\u00fchl vermag, die Rechte f\u00fcr diesen Zweck zu einigen. Es gibt zwar innerhalb der deutschen Rechten einige durchaus interessante Pers\u00f6nlichkeiten, die F\u00fchrungseigenschaften, ja teilweise sogar die F\u00e4higkeit, die Massen zu ergreifen, besitzen, doch scheitern diese h\u00e4ufig an ihrer Eitelkeit. Im Glauben, sie w\u00e4ren die tats\u00e4chlichen und rechtm\u00e4\u00dfigen F\u00fchrer, beanspruchen sie den politischen Thron f\u00fcr sich allein und versch\u00e4tzen ihre eigentliche Rolle. Die Neider und Eitlen wird es wohl immer geben, doch die Tatsache, dass es keine Vision gibt, kein Banner, hinter dem sich alle Rechten versammeln und das sie f\u00fcr eine h\u00f6here Sache einspannt, ist kein gutes Zeichen.<\/span><\/p>\n<h2>Die Uneinigkeit der Rechten: Welchen Weg sollen wir gehen?<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Obgleich die Grundfesten unseres Volkes dabei sind, aufgel\u00f6st zu werden, streiten sich die Rechten \u00fcber \u00c4u\u00dferlichkeiten, die die inhaltliche Natur der Sache nicht einmal peripher tangieren. So glauben sich die diversen rechten Parteien jeweils auf dem einzig richtigen Pfad zu bewegen. Die einen setzen auf den Populismus, die anderen auf radikal-fundamentalistische Positionen, \u201edie nach au\u00dfen vertreten werden m\u00fcssen\u201c. Die einen verstehen sich als Volkspartei, die anderen als politische Elite. Beide haben insgesamt jedoch nur m\u00e4\u00dfigen Erfolg. Mag die AfD derzeit mit ihrem eher populistischen Kurs viele Stimmen in sich vereinigen k\u00f6nnen, ist sie von einem tats\u00e4chlichen Machtwechsel \u2013 der in diesem Fall die Mehrheit von \u00fcber 50 % bedeuten w\u00fcrde \u2013 weit entfernt. Die eher radikal-fundamentalistischen Parteien, wie Der Dritte Weg, sehen sich als rechte Elite und laufen mit ihrem eher martialischen Auftreten Gefahr, verboten zu werden. Dann gibt es da noch die NPD, deren langfristige Strategie \u00fcberhaupt nicht erkennbar ist. Die Basis scheint zu einem gro\u00dfen Teil radikal-fundamentalistisch ausgerichtet zu sein, w\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der F\u00fchrung sich in einer AfD 2.0 zu \u00fcben versucht. Diese starke Divergenz zwischen F\u00fchrung und Mannschaft wirkt sich als Bremse aus und bedeutet, bei langfristig fehlender Abhilfe dieses Umstandes, den politischen Tod. Hinzu kommen die au\u00dferparlamentarischen Organisationen, wobei die Identit\u00e4re Bewegung wohl die derzeit wichtigste sein d\u00fcrfte. Auch hier sehen wir ein deutliches Lavieren. Die F\u00fchrung wird nicht m\u00fcde, sich von sog. \u201ealtrechten\u201c Forderungen zu distanzieren. Glaubt man einem der wohl wichtigsten Akteure dieser Gruppe, Martin Sellner, dann bedeute dies, den Standpunkt der dritten politischen Theorie einzunehmen. Ich werde zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt noch auf diesen Umstand eingehen. Jedoch sind die Aktivisten der IB an keine der vorhergenannten Parteien gebunden und lassen sich weitestgehend die Zusammenarbeit offen. Obgleich sie sich von Parteien wie Der Dritte Weg und NPD nach au\u00dfen hin distanzieren, wirken sie durch ihre Mischung aus kreativen Aktionismus und kulturellen Aktivit\u00e4ten, die eher an v\u00f6lkische Gruppen, wie den Sturmvogel oder der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend erinnern, attraktiv auch auf \u201eAltrechte\u201c. Die Verstrickungen zur Alternative f\u00fcr Deutschland sind denke ich dem Leser unl\u00e4ngst bekannt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Jene, die jetzt fragen m\u00f6chten, welcher der o.g. Wege nun der richtige ist, muss ich entt\u00e4uschen. Es gibt ihn nicht. Die Mischung macht es. Sowohl der Parlamentarismus wie auch au\u00dferparlamentarische Aktivit\u00e4ten, die mittels metapolitischen Ans\u00e4tzen versuchen, einen Stimmungswechsel innerhalb der Gesellschaft hervorzurufen, sind notwendig f\u00fcr die Wende auf allen Ebenen. Auch die Frage nach der Bildung einer Elite oder einer Volksbewegung, die die Massen ergreift, kann nur so beantwortet werden: Beide Modelle sind wichtig. Wir brauchen die Masse fr\u00fcher oder sp\u00e4ter als Verschiebekraft f\u00fcr die Revolution. Diese m\u00fcssen allerdings gef\u00fchrt werden. Daher bedarf es einer Elite innerhalb der Rechten, die die Rechte f\u00fchrt und die, wenn es soweit ist, auch das Volk anf\u00fchrt. Der Populismus und allgemein die Parteiarbeit bergen die Gefahr in sich, jene, die sich meinetwegen aus edlen Motiven in den benannten Organisationen eingefunden haben, von ihrem Weg abzubringen. Wir haben an einer anderen Stelle bereits \u00fcber das \u201eEherne Gesetz der Oligarchie\u201c von Robert Michels gesprochen. Der Populismus ist oberfl\u00e4chig. Das muss er auch sein, will man das Volk erreichen. Gerade heute, wo es den Menschen an nichts zu fehlen scheint, ist es umso schwieriger sie mit weltanschaulichen Inhalten zu ergreifen. Die Massen verstehen unsere Kernforderungen nur schwer. Sie m\u00fcssen mit Ereignissen konfrontiert werden, die sie unmittelbar auch emotional betreffen. Dies geht zumeist \u00fcber GEZ-Zwangsgeb\u00fchren, Massenzuzug von Scheinasylanten und deren Auswirkung auf die \u00f6konomische Lage jedes Einzelnen nicht hinaus. Nichtsdestotrotz ist der radikal-fundamentalistische Weg genauso wichtig. Er darf sich nur nicht darauf versteifen, das Volk zu erfassen. Er muss nach innen gerichtet werden. Er muss die Rechten immer wieder an ihre Motive und Urspr\u00fcnge erinnern. Seine Aufgabe ist es, der Rechten eine Vision zu geben. Sie weltanschaulich und ideologisch zu formen.<\/span><\/p>\n<h2>Eine Vision schaffen bedeutet, eine Grundlage schaffen!<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Es ist schwer, Ziele zu formulieren, wenn man keine Vision vor Augen hat. Eine Vision ist anders als ein Ziel keine ganz klar definierte Gr\u00f6\u00dfe, welche quantitativ oder qualitativ bestimmt werden kann. Sie ist nicht zeitlich zu erfassen und gleicht zu Beginn eher einer Utopie als einem erreichbaren Zustand. Die Utopie ist ein Traum, der jedoch von seinen Tr\u00e4umern in ihren eigenen Reihen bereits gelebt wird, obwohl er von einer kollektiven Wahrheit weit entfernt ist. Die Tr\u00e4ger der Vision verk\u00f6rpern das Neue, die Welt, die nach der Revolution geschaffen wird. Die rechten Vision\u00e4re tr\u00e4umen also von einem rechten \u201eUtopia\u201c. Dieses \u201eUtopia\u201c zu schaffen muss die erste Aufgabe der Rechten sein. Auch wenn es f\u00fcr so manchen recht paradox klingen mag, so glaube ich dennoch, dass uns die gro\u00dfen Grundideen fehlen. Tats\u00e4chlich sehe ich das Hauptproblem darin, dass die Rechten h\u00e4ufig \u00fcber die Fixierung an Altbestehenden oder historischen Vorbildern nicht hinauskommen. Bedenken wir doch, dass diese Vorbilder, die Zeiten, von denen so mancher Rechter schw\u00e4rmt<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, vorbei sind. Sie sind gewesen. Damit sind sie Vergangenheit. Die Akteure, besonders jene, die ma\u00dfgeblich ihre Zeit beeinflussten, schufen eine Idee, schufen eine Bewegung, die ihrer Zeit entsprechend war. Gestalten werden nicht von der Geschichte hervorgebracht, sondern sie ver\u00e4ndern sie. Die gro\u00dfen Revolution\u00e4re kannten freilich die Geschichte. Sie studierten sie aufmerksam. Doch blieben nicht darin gefangen. Sie gingen weiter. Sie formten aus dem Bestehenden und aus dem Bestandenen etwas Neues, etwas Werdendes. Sie blieben nicht mit der Geschichte stehen, sondern schrieben sie weiter. Die Schaffung einer Vision, eines \u201erechten Utopia\u201c ist die gro\u00dfe Aufgabe der Rechten. Sie muss die Rechten, ganz gleich welcher Couleur, vereinigen. Zumindest bis das linke Establishment durch eine neue, von einem rechten Paradigma bestimmenden Elite abgel\u00f6st wurde. Die Vision ist die Grundlage einer jeden gr\u00f6\u00dferen Bewegung. Eine Bewegung, die keine Vision hat, wird nicht l\u00e4ngerfristig \u00fcberleben k\u00f6nnen. Die Vision ist der Gegenentwurf zum Status Quo. Sie verk\u00f6rpert die neue Welt, die nach der Revolution aufgebaut werden soll. Sie stellt das Band der Revolution\u00e4re dar. Sie vereint sie gegen den Feind. Der Feind sind all jene, die diese Vision gef\u00e4hrden. Wie diese Vision aussehen kann, werden wir zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt besprechen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dabei m\u00f6chte ich mich keineswegs auf jene beschr\u00e4nken, die zu gerne ein Drittes Reich 2.0 h\u00e4tten. Es handelt sich auch um jene, die sich auf weit davor liegende Pers\u00f6nlichkeiten fixieren.\u00a0<\/span><\/p>\n<h3>Weitere Artikel dieser Reihe:<\/h3>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"gwscmoBr3j\"><p><a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/05\/06\/eine-positive-kritik-traeumereien-der-alten-rechten\/\">Eine Positive Kritik: Tr\u00e4umereien der Alten Rechten<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/05\/06\/eine-positive-kritik-traeumereien-der-alten-rechten\/embed\/#?secret=gwscmoBr3j\" data-secret=\"gwscmoBr3j\" width=\"600\" height=\"338\" title=\"&#8222;Eine Positive Kritik: Tr\u00e4umereien der Alten Rechten&#8220; &#8212; Gegenstrom\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"SEyryyN3ew\"><p><a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/05\/10\/eine-positive-kritik-fehlende-visionen\/\">Eine Positive Kritik: Fehlende Visionen<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/05\/10\/eine-positive-kritik-fehlende-visionen\/embed\/#?secret=SEyryyN3ew\" data-secret=\"SEyryyN3ew\" width=\"600\" height=\"338\" title=\"&#8222;Eine Positive Kritik: Fehlende Visionen&#8220; &#8212; Gegenstrom\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"NZ2rIZ6kK5\"><p><a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/05\/17\/eine-positive-kritik-strategische-wirrungen-und-taktische-irrungen\/\">Eine positive Kritik: Strategische Wirrungen und taktische Irrungen<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/05\/17\/eine-positive-kritik-strategische-wirrungen-und-taktische-irrungen\/embed\/#?secret=NZ2rIZ6kK5\" data-secret=\"NZ2rIZ6kK5\" width=\"600\" height=\"338\" title=\"&#8222;Eine positive Kritik: Strategische Wirrungen und taktische Irrungen&#8220; &#8212; Gegenstrom\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"NVY7qCdpqI\"><p><a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/06\/28\/eine-positive-kritik-die-negativauslese-der-alten-rechten\/\">Eine positive Kritik: Die Negativauslese der Alten Rechten<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/2017\/06\/28\/eine-positive-kritik-die-negativauslese-der-alten-rechten\/embed\/#?secret=NVY7qCdpqI\" data-secret=\"NVY7qCdpqI\" width=\"600\" height=\"338\" title=\"&#8222;Eine positive Kritik: Die Negativauslese der Alten Rechten&#8220; &#8212; Gegenstrom\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Text ist als eine positive Kritik an die deutsche Rechte zu verstehen. 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