{"id":596,"date":"2017-03-29T18:55:10","date_gmt":"2017-03-29T17:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=596"},"modified":"2020-02-03T17:56:52","modified_gmt":"2020-02-03T16:56:52","slug":"ein-bisschen-machiavelli-schadet-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/ein-bisschen-machiavelli-schadet-nicht\/","title":{"rendered":"Ein bisschen Machiavelli schadet nicht"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wer sich in der Wirtschaft oder der Politik in h\u00f6here Sph\u00e4ren begeben m\u00f6chte, wird an ihm nicht vorbeikommen: Niccol\u00f2 Machiavelli. Der im Jahre 1469 geborene Florentiner begr\u00fcndete seinerzeit mit seinem Werk \u201eIl Principe (Der F\u00fcrst)\u201c\u00a0 die Staatsphilosophie. Wahrscheinlich kann bei ihm getrost von einem der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit gesprochen werden. Obwohl der Machiavellismus oft besonders von rechten Kreisen kritisiert wird, glaubt der Autor dieser Zeilen, in dem italienischen Philosophen einen Wegbereiter und Freund auch rechter Strategien gefunden zu haben. Durch die anhaltenden Erfolge der Globalisten und linken Meinungsmacher hat sich innerhalb der Rechten eine gewisse \u201eElitenfeindlichkeit\u201c aufgetan. Der Begriff des Machiavellismus wird in diesen Kreisen nur selten wertneutral verwendet. Tats\u00e4chlich handelt es sich dabei um eine Begrifflichkeit, die h\u00e4ufig in einem kritischen Zusammenhang aufkommt. Dabei handelt es sich nach Auffassung des Autors um eine der wichtigsten Aspekte jeder strategischen Planung innerhalb der Politik. Wer den Machiavellismus ausblendet, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter an seinem Vorhaben, Politik zu machen, scheitern m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<h2><strong>Vom Wesen der Politik<\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Politik ist mit anderen Worten die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Lebens. Diese Definition klingt f\u00fcr jeden verlockend, der der Gesellschaft bzw. dem \u00f6ffentlichen Leben seinen Stempel aufdr\u00fccken m\u00f6chte. Dies kann sicherlich auch edle Beweggr\u00fcnde haben. Bismarck sprach hierbei allerdings von der \u201eKunst des M\u00f6glichen\u201c und machte damit bereits Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich, dass Politik nicht mit der Umsetzung eines Ideals oder einer Idee gleichzusetzen ist. Vielmehr hat sie ihre eigenen Regeln und neigt dadurch dazu, denjenigen, der sich ihr bem\u00e4chtigen will \u2013 um ggf. seine Ideale umzusetzen \u2013 als Spielball zu missbrauchen. Wer Politik machen will, der wird sich schnell \u2013 zumindest als Idealist \u2013 den Realit\u00e4ten ausgesetzt sehen und feststellen m\u00fcssen, dass es besonders innerhalb politischer K\u00e4mpfe andere Regelwerke gibt, als es der \u201eVernunft des Einzelnen\u201c beliebt. Der erfolgreiche Politiker wird sich nur selten seiner Vernunft bedienen, wenn er die Massen versucht von seinen Vorstellungen, die oftmals seinen eigenen Interessen gleichkommen, zu \u00fcberzeugen. Gustave Le Bon, an den in diesem Blog bereits mehrfach verwiesen wurde, hat bereits in seinem Buch \u201e<em>Psychologie der Massen<\/em>\u201c deutlich gemacht, dass die Massen ungehemmt, affektiv und unf\u00e4hig zur M\u00e4\u00dfigung sind. Tats\u00e4chlich schw\u00e4cht jede besonders heterogene Masse die intellektuelle Leistung des Individuums. Nun ist die Politik, besonders in einem westlich-demokratischen System, auf diese heterogenen Massen angewiesen. Es handelt sich bei der Wahlmasse um eine Menschengruppe mit einem sehr hohen Grad an Diversit\u00e4t und somit zum Hang zur \u201eUnvernunft\u201c. Nach Wilfred Trotter ist der Mensch allgemein ein Herdenwesen, welches zugunsten der Gruppe, der er angeh\u00f6rt, seinen individuellen Willen instinktiv aufgibt. Wer hier an den <em>homo oeconomicus<\/em> glaubt, dem wird der Erfolg innerhalb der Politik verwehrt bleiben. Der wird nach den Erkenntnissen der Massen- und Gruppenpsychologie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in einer \u201eisolierten Situation\u201c (Sun Tsu) enden, aus der er nur noch durch das \u201eAnwenden einer List\u201c herauskommen kann.<\/span><\/p>\n<h2><strong>Propaganda in westlichen Demokratien<\/strong><\/h2>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der Machiavelli der Public Relations, Edward Bernays, leitet sein ber\u00fchmtes Werk \u201e<em>Propaganda \u2013 Die Kunst der Public Relations<\/em>\u201c mit folgenden Worten ein: \u201e<em>Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abl\u00e4ufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie geh\u00f6rt haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht \u00fcberraschend, dieser Zustand ist nur logische Folge der Struktur unserer Demokratie: Wenn viele Menschen m\u00f6glichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumg\u00e4nglich.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der 1891 in Wien geborene und sp\u00e4ter nach Amerika emeritierte Spin-Doctor macht damit deutlich, dass es in westlichen Demokratien in Wirklichkeit keine freie Entfaltung der Menschen im Sinne eines aufkl\u00e4rerischen Gedankens geben kann. Tats\u00e4chlich handelt es sich demnach bei dieser Regierungsform, angesichts der landl\u00e4ufigen Definition, um eine zwar sch\u00f6n klingende, jedoch nicht weniger utopische Vorstellung vom Zusammenleben gro\u00dfer Menschengruppen, wie sie die heutige Massengesellschaft zu gen\u00fcge hervorzubringen vermag. In rechten Kreisen \u2013 besonders in jenen, die auf die Organisierung innerhalb von Parteien bedacht sind \u2013 wird dieser Aspekt aufgrund von blindem Idealismus ausgeblendet. Keineswegs m\u00f6chte der Autor den Akteuren, die eine derartige Organisationsform vorziehen, b\u00f6se Absichten unterstellen. In Wirklichkeit glaubt er vielmehr, dass die Beteiligung bei solchen westlich-demokratischen Prozessen immer dazu f\u00fchren wird, dass der Akteur sich diesen Regeln unterwerfen muss, will er echten Erfolg \u2013 und das hei\u00dft f\u00fcr Parteien immer die gewonnenen Wahlk\u00e4mpfe \u2013 verbuchen. Jede Partei, jede politische Organisation, mag sie nun parlamentarisch oder au\u00dferparlamentarisch organisiert sein, wird nicht an dem Wesen der Politik und der westlichen Demokratie vorbeikommen. Es geht in diesem Treiben ausschlie\u00dflich um die Beantwortung der Frage, wie man m\u00f6glichst viele Stimmen erhaschen und Mitglieder hinter bzw. um sich scharen kann. Dazu werden auch jene geneigt sein, die urspr\u00fcnglich von edlen Gedanken motiviert wurden, sich einer solchen Gruppe anzuschlie\u00dfen. Anderenfalls w\u00fcrde dies den zunehmenden Verlust an Bedeutung f\u00fcr eine solche Gruppe bedeuten.<\/span><\/p>\n<h2><strong>Machiavellismus und Idealismus &#8211; Zwei Gegens\u00e4tze? Sei Fuchs, aber sei auch L\u00f6we!<\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Napoleon, Hitler, Stalin, Bismarck, ja selbst Friedrich der Gro\u00dfe hat ihn bewusst oder unbewusst verinnerlicht. Machiavelli hat mit seinen Ratschl\u00e4gen f\u00fcr den F\u00fcrsten jedem Staatsmann, jedem Herrscher und Strategen ein Regelwerk gegeben, eine Art Gebrauchsanweisung, die ihm aufzeigt, wie mit einem Volk in welcher Situation zu verfahren ist, wie man einen Staat kreiert und auf welchen Grundfesten die Macht eines Herrschers aufgebaut sein muss. F\u00fcr viele ist diese Denkweise in feinkalkulierten Strukturen, um zur Herrschaft zu gelangen oder sie zu erhalten, etwas befremdlich. Dennoch ist sie f\u00fcr jeden, der sich auf die Macht einl\u00e4sst, essentiell. Machiavelli vergleicht die Macht und das Schicksal, ein St\u00fcck der Macht abzubekommen mit der G\u00f6ttin Fortuna, der G\u00f6ttin des Gl\u00fccks. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Fortuna das Rad des Gl\u00fcckes wieder herumrei\u00dft und damit f\u00fcr neues Chaos sorgt, das jedoch wiederum neue Chancen erm\u00f6glicht, welche jene ergreifen k\u00f6nnen, die nach der Macht streben. So verlangt der italienische Staatsphilosoph in seiner Schrift, die dem Herrscherhaus der Medici gewidmet war, von dem Kenner der Macht innere Disziplin als Strategie, Kontrolle bzw. Abstinenz bez\u00fcglich der eigenen Machtgier, die immer wiederkehrende Hinterfragung der eigenen Motive und die letztlich wichtigste Tugend eines Herrschers oder Revolution\u00e4rs, Geduld. Dennoch d\u00fcrfen jene, die sich der Macht bewusst sind, nicht davor zur\u00fcckschrecken, alle Mittel einzusetzen, um sich an der Macht zu halten. Wer Macht will, der muss sich ihrer auch bewusst werden. Daher muss die Entschlossenheit, Macht zu erlangen absolut und konsequent in der Ausf\u00fchrung sein. Machiavelli r\u00e4t dem F\u00fcrsten oder jenem, der es noch werden will, die pers\u00f6nliche Tugendhaftigkeit hinten anzustellen und daf\u00fcr reine Professionalit\u00e4t, reines Machtkalk\u00fcl gepaart mit leidenschaftlicher Risikofreude zu entfalten. Dazu dienen ihm zwei Prinzipien:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Schutz der eigenen Macht ohne R\u00fccksicht auf Verluste<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Flexibilit\u00e4t schaffen, in dem sich der F\u00fcrst gewisse Freir\u00e4ume gestaltet, die seine Beweglichkeit erhalten und m\u00f6glichst viele Entscheidungsalternativen gew\u00e4hrleisten.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Doch diese Vorgehensweise wird von den meisten Rechten, die mittlerweile zu einer gewissen \u201eElitefeindlichkeit\u201c neigen, abgelehnt. Sie halten es f\u00fcr nicht vereinbar mit ihren Prinzipien. In rousseau\u2019scher Manier sehen sie im Menschen stets das Gute und weigern sich, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Tats\u00e4chlich bleiben sie dadurch \u201ebessere\u201c Menschen als jene, die sich die Macht nach einem gut kalkulierten und niedertr\u00e4chtigen Plan sichern. Dennoch werden sie immer auf der Verliererseite stehen, weil sie dem Gegner stets unterlegen sind. Nun ist diese kleine Abhandlung keine Aufforderung zum Tabubruch oder dazu, seinen Idealismus zu verraten. Tats\u00e4chlich handelt es sich aber um eine Frage, die leider zu selten konstruktiv behandelt wird. N\u00e4mlich die Frage danach, ob Idealismus und reine Kalkulation, welche auf dem Willen zur Macht basiert, miteinander kompatibel sind. Gibt es einen Mittelweg? Oder bewegen wir uns hier auf einer Gradwanderung, die ins Unbekannte, vielleicht sogar Gegens\u00e4tzliche f\u00fchrt?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Machiavelli unterscheidet zwei Typen des F\u00fcrsten: Der Fuchs und der L\u00f6we. Dabei ist der Fuchs jener, der sich durch List und Intelligenz Vorteile verschafft. Der L\u00f6we ist ein starker Krieger. Er setzt sich durch und beweist sich und seine mannhaften Tugenden stets durch den Kampf aufs Neue. Nun ist der starke L\u00f6we nat\u00fcrlich in der M\u00e4nnerwelt \u2013 die Herrscherwelt ist eine M\u00e4nnerwelt \u2013 bewundernswert, jedoch wird auch er sich ohne scharfen Verstand nicht lange an der Macht halten k\u00f6nnen. Daher mahnt er auch den L\u00f6wen zum Gebrauch der Mittel des Fuchses. Der Idealtyp w\u00e4re eine Mischung aus beiden.<\/span><\/p>\n<h2><strong>Damit auch Rechte wieder siegen k\u00f6nnen<\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wer sich in der Politik engagieren m\u00f6chte und nach Erfolg strebt, wird, wie bereits oben mehrfach deutlich hervorgehoben, nicht daran vorbeikommen, sich der Regeln und Methoden zu bedienen. Zu Zeiten Machiavelli waren die Gesellschaften patriarchalisch und im Allgemeinen weniger demokratisch als es heute der Fall ist. Den Massen wird durch geschickte Public Relation Strategien suggeriert, dass sie in einer Gesellschaft leben, in der es eine freie Meinungs\u00e4u\u00dferung und freie Informationsbeschaffung gibt. In Wirklichkeit kontrollieren die Massenmedien die Meinungen der Menschen. Sie \u00fcberlassen ihnen nicht das Denken, da man \u2013 wie es Bernays als renommierter PR-Stratege deutlich machte \u2013 den Massen eine solche Aufgabe nicht zutrauen kann. Letztlich besteht lt. Bernays in der \u201e<em>modernen Demokratie<\/em>\u201c das gro\u00dfe Problem darin, selbst die \u201e<em>Politiker zum F\u00fchren zu bewegen<\/em>\u201c. Es handelt sich hierbei also auch um einen psychologischen Krieg, den die Rechten f\u00fchren m\u00fcssen. Mit rationalen Argumenten ist dieser Kampf nicht mehr zu gewinnen. Wenn man versteht, dass der Mensch nicht nach dem Adam Smith\u2019schen Prinzip des homo oeconomicus handelt, sondern ein emotionales Wesen ist, welches gleich den Tieren seinen Instinkten folgt, dann ist diese Strategie der Rechten zum Scheitern verurteilt. Wer Gro\u00dfes erreichen will, der muss anfangen auch gro\u00df zu denken. Besser gesagt: Wer Gro\u00dfes erreichen will, der muss es wagen eine Vision zu schaffen, einen Mythos zu gr\u00fcnden und einen auch irrational-wirkenden Geist zu verspr\u00fchen. Das ist der L\u00f6we, nach dem sich die M\u00e4nnerwelt sehnt. Doch muss dieser L\u00f6we dazu in der Lage sein, seine Angreifer und Konkurrenten notfalls auch mit dem listigen und scharfen Verstand eines Fuchses zu bek\u00e4mpfen. Der Feind hat uns in eine \u201egef\u00e4hrlich isolierte Position\u201c man\u00f6vriert, welche schon lange anh\u00e4lt. Sun Tsu r\u00e4t hier: \u201e<em>Wenn du eingeschlossen wirst, mu\u00dft du eine Kriegslist anwenden. Wenn du in einer hoffnungslosen Position bist, mu\u00dft du k\u00e4mpfen.\u201c<\/em> Das hei\u00dft, wenn sich die Rechte oder zumindest Teile der Rechten entscheiden, in diesem Spielchen mitzuspielen, dann m\u00fcssen sie sich zun\u00e4chst mit dem Regelwerk vertraut machen. Dazu gibt es keinen Weg an Machiavelli, Bernays und Le Bon vorbei. Der Leser sei hier darauf aufmerksam gemacht, sich mit solchen Schl\u00fcsselwerken zu befassen. Fangen wir endlich an, eine Strategie zu entwickeln! Lernen wir endlich wieder, wie wir der Rechten zum Sieg verhelfen k\u00f6nnen!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich in der Wirtschaft oder der Politik in h\u00f6here Sph\u00e4ren begeben m\u00f6chte, wird an ihm nicht vorbeikommen: Niccol\u00f2 Machiavelli. Der im Jahre 1469 geborene Florentiner begr\u00fcndete seinerzeit mit seinem Werk \u201eIl Principe (Der F\u00fcrst)\u201c\u00a0 die Staatsphilosophie. Wahrscheinlich kann bei ihm getrost von einem der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit gesprochen werden. 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