{"id":509,"date":"2017-02-15T19:11:12","date_gmt":"2017-02-15T18:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=509"},"modified":"2020-02-03T17:08:48","modified_gmt":"2020-02-03T16:08:48","slug":"gedenken-statt-suehnen-warum-dresden-so-wichtig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/gedenken-statt-suehnen-warum-dresden-so-wichtig-ist\/","title":{"rendered":"Gedenken statt s\u00fchnen. Warum Dresden so wichtig ist."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 13. Februar 2017 j\u00e4hrte sich das Gedenken der Toten, die ihr Leben in einem beispiellosen Feuersturm verloren haben. Obgleich die Zahl der Opfer alliierter Massenbombardierung mittlerweile auf 25.000 geschrumpft ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich die tats\u00e4chlichen Zahlen beim Zehnfachen davon bewegen. Die Zahl der Opfer, die zu Ende des 2. Weltkrieges in Dresden ihr Leben verloren haben, dient noch heute als Objekt einer teilweise unsachlich gef\u00fchrten Diskussion. Dennoch ist es nicht mein Anliegen, hier eine Weiterf\u00fchrung dieser \u201eZahlendebatte\u201c zu betreiben. Im Grunde genommen ist die Zahl derer, die nun wirklich am 13. und 14. Februar dem alliierten Bombardement zum Opfer fielen, schier unbedeutend angesichts der Tatsache, dass es hierbei um die Grundsatzfrage geht, ob das deutsche Volk \u00fcberhaupt ein Anrecht auf Gedenken seiner eigenen Opfer hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit der Jahrtausendwende findet jedes Jahr ein mehr oder weniger gut besuchter Gedenkmarsch in Dresden statt. Zun\u00e4chst initiierte die Junge Landsmannschaft Ostpreu\u00dfen (JLO) den Gedenkzug durch die s\u00e4chsische Hauptstadt. Im Jahr 2005 \u00fcbernahm die Schirmherrschaft dar\u00fcber die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Mittlerweile wird der j\u00e4hrliche Gedenkmarsch von einzelnen Akteuren aus Dresden organisiert, die sich offiziell gegen eine \u201eInstrumentalisierung der Opfer zu politischen Zwecken\u201c stellen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Hollywood-Nazis und Holocaustleugner<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wird es den Initiatoren sicherlich nicht gefallen haben, dass der Holocaustleugner und bekennende Nationalsozialist Gerhard Ittner am 11. Februar dieses Jahres in die Stadt kam, um eine stark politisierte Veranstaltung durchzuf\u00fchren, die offenbar darauf abzielte, die Opfer f\u00fcr eine erneute Leugnung des Holocaust zu instrumentalisieren. So entstanden auf der \u201eIttner-Veranstaltung\u201c groteske Bilder von Reichsb\u00fcrgern und Holocaustleugnern, die neben einigen wenigen B\u00fcrgern vergebens versuchten, mit in der liberalen Lebenswirklichkeit befremdlich wirkenden Gesten, nationale Forderungen durchzubringen. Der Schweizer Bernhard Schaub soll wohl nicht direkt von der \u201eHolocaustl\u00fcge\u201c, jedoch in einem durchaus interpretationsfreudigen Kontext von \u201eder gr\u00f6\u00dften L\u00fcge der Weltgeschichte\u201c gesprochen haben. Unterm Strich d\u00fcrften die Medien hier bekommen haben, wovon jeder linksliberale \u201eQualit\u00e4tsjounalist\u201c tr\u00e4umt: Bilder von Hollywood-Nazis, die den Sinn einer derartigen Veranstaltung ad absurdum f\u00fchren und in diesem Fall die Opfer eines offenkundigen Kriegsverbrechens der L\u00e4cherlichkeit preisgeben. Ich m\u00f6chte hierbei keinesfalls die Ehrhaftigkeit und den edlen Sinn einiger der Teilnehmer infrage stellen und sicherlich w\u00e4re es vermessen die circa 200 Demonstranten alle \u00fcber einem Kamm zu scheren. Doch offenbarte sich dieser Tage wieder einmal das fehelende Fingerspitzengef\u00fchl einiger Rechter, mit sensiblen Themen, wie der Bombardierung Dresdens, in der \u00d6ffentlichkeit umzugehen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein wahres Gedenken in Dresden<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders war es auf dem Wiener Platz hinter dem Hauptbahnhof, wo sich ein Gedenkzug formierte, auf dem ich selbst zugegen war. Die Veranstaltung wurde bereits im Vorfeld als reiner Gedenkmarsch ausgegeben, der keine politische Veranstaltung sei, weshalb man auch keine politischen Botschaften, Fahnen oder Transparente dulden w\u00fcrde. Die Ank\u00fcndigungen wurden vor Ort durchaus ernst genommen. Jene, die sich an die vorher ausgegebenen Regeln nicht halten konnten oder wollten, wurden des Platzes verwiesen und in die sprichw\u00f6rtliche W\u00fcste geschickt. Der Veranstaltungsleitung kann hierbei durchaus unterstellt werden, dass sie f\u00fcr einen ordentlichen und vor allem friedlichen Ablauf sorgte. Ich hatte bis dato einige Jahre Veranstaltungen dieser Art gemieden. Tats\u00e4chlich habe ich mit der \u00fcblichen Disziplinlosigkeit, die ich zu gen\u00fcge aus dem sogenannten \u201eNationalen Widerstand\u201c kenne, gerechnet. Und tats\u00e4chlich wurde ich Zeuge einer Veranstaltung, die offenbar nicht zu demselben gez\u00e4hlt werden kann. Sie war gut durchgeplant, die Teilnehmer waren diszipliniert und die Veranstaltung erfuhr durch die Teilnahme von Franzosen, Serben, Tschechen, Schweden und \u00d6sterreichern einen \u00fcber das Deutsche hinausgehenden europ\u00e4ischen Charakter.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Autosuggestion der Linken<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das B\u00fcndnis \u201eDresden Nazifrei\u201c rief zu Gegenaktionen zum Gedenkmarsch auf. Der Zug wurde somit weitestgehend von infantil wirkendem linksliberalem Get\u00f6se begleitet. Dabei er\u00f6ffnete sich jedem Teilnehmer ein groteskes Schauspiel: Junge Menschen, zumeist noch Kinder, jedoch auch Erwachsene, die sich wie Kinder verhalten, rufen zum Mord auf, verh\u00f6hnen die Opfer und gerieren sich als Humanisten. Trotzdessen blieb der Zug ruhig und f\u00fchrte seinen Weg durch die Stadt fort. Ich w\u00fcrde behaupten, dass jener der s\u00e4chsischen Hauptstadt seine W\u00fcrde zur\u00fcckgab, angesichts des zuvor \u00fcber viele Jahre anhaltenden Beifalls der an einer Autosuggestion leidenden Linken. Diese t\u00e4uscht sich selbst \u00fcber die desolate Situation einer Identit\u00e4tskrise hinweg. Andreas Krause Landt beschreibt in Ans\u00e4tzen diese Identit\u00e4tskrise, welche mit der Unf\u00e4higkeit, mit seiner Vergangenheit umzugehen, zusammenh\u00e4ngt, in seinem in den Kaplaken des Antaios Verlages erschienenem Buch \u201eMein j\u00fcdisches Viertel, meine deutsche Angst\u201c. Unter dieser Unf\u00e4higkeit mit der \u201eewigen Schuld\u201c, die dem deutschen Volk seit Ende 1945 anh\u00e4ngt, umzugehen, leidet die gesamte bundesdeutsche Gesellschaft. Die Linke, welche selbst l\u00e4ngst ihr antikapitalistisches und soziales Gesicht verloren hat, befindet sich in einer weiterf\u00fchrenden Identit\u00e4tskrise. Sie ist nicht mehr dazu in der Lage sich selbst zu lieben. Sie leidet unter einer gewaltigen Wahrnehmungsst\u00f6rung. Hier muss begriffen werden, dass die linksliberalen Infantilen eine ganz andere Lebenswirklichkeit an den Tag legen, als es jene Teilnehmer auf dem diesj\u00e4hrigen Gedenkmarsch in Dresden tun. Sie wurden nicht nur verhetzt, sondern sind Opfer einer Jahrzehnte anhaltenden Konditionierung, die zu einer Psychose f\u00fchrte.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum Dresden so wichtig ist?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und deshalb ist das Gedenken in und um Dresden so wichtig. Deshalb ist es auch wichtig, dieses Gedenken in der \u00d6ffentlichkeit zu begehen. Es ist eine der momentan vielen St\u00f6rungen innerhalb des Systems. Vielleicht handelt sich dabei sogar um eine der wichtigsten und subversivsten Programmst\u00f6rungen, denn die \u201eewige Schuld und S\u00fchne\u201c, zu der wir verdammt scheinen, macht uns ohnm\u00e4chtig. Sie zu durchbrechen wird der erste notwendige Akt sein. Die j\u00fcngsten Ereignisse, die der \u201eDresdner Rede\u201c von AFD-Politiker Bj\u00f6rn H\u00f6cke folgten, zeigen das erschreckende Ausma\u00df dieser Autosuggestion der Deutschen. Die Wahrnehmung ist vollkommen gest\u00f6rt. Eine logische und sachlich-fundierte Diskussion ist in diesem Land zu bestimmten Themen nicht mehr m\u00f6glich. Sobald es um die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung geht, steht es dem Deutschen nicht frei, seine f\u00fcr ihn angemessene Art der Praktizierung zu w\u00e4hlen. Dresden ist dabei eine wichtige Bastion der Erinnerungskultur. Diese d\u00fcrfen wir uns nicht nehmen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier entdecken wir auch zugleich die Aufgabe der radikalen Rechten. W\u00e4hrend es f\u00fcr eher b\u00fcrgerlich-demokratische Patrioten, die aus der gut situierten Mitte der Gesellschaft stammen, als schwierig gelten d\u00fcrfte, diese Themen zu beackern, kann die radikale Rechte, welche sich ohnehin als Systemst\u00f6rung versteht, eine Erinnerungskultur schaffen. Diese muss jedoch \u00fcber ihre Grenzen hinaus Verbreitung erfahren. Es geht darum, diese Erinnerungskultur wieder in die Mitte zu tragen. Hier m\u00fcssen Ankn\u00fcpfungspunkte mit der Neuen Rechten bzw. mit der b\u00fcrgerlich-demokratischen Rechten gesucht werden. Die subversiven \u00c4u\u00dferungen von Bj\u00f6rn H\u00f6cke, lassen Potenzial vermuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 13. Februar 2017 j\u00e4hrte sich das Gedenken der Toten, die ihr Leben in einem beispiellosen Feuersturm verloren haben. Obgleich die Zahl der Opfer alliierter Massenbombardierung mittlerweile auf 25.000 geschrumpft ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich die tats\u00e4chlichen Zahlen beim Zehnfachen davon bewegen. Die Zahl der Opfer, die zu Ende des 2. 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