{"id":4249,"date":"2019-12-16T20:20:48","date_gmt":"2019-12-16T19:20:48","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=4249"},"modified":"2020-02-05T08:53:54","modified_gmt":"2020-02-05T07:53:54","slug":"europa-als-gemeinschaft-grossraum-und-nationalstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/europa-als-gemeinschaft-grossraum-und-nationalstaat\/","title":{"rendered":"Europa als Gemeinschaft \u2013 Gro\u00dfraum und Nationalstaat"},"content":{"rendered":"<p class=\"Standard1\" style=\"text-align: justify;\"><i>Im Folgenden handelt es sich um einen Vortrag, den unser Autor und Mitarbeiter <strong>Peter Steinborn<\/strong> auf einer \u201eTagung zur Europ\u00e4ischen Frage und dem deutschen Nationalstaat\u201c gehalten hat. Darin beschreibt er eine Vision der deutschen Sendung und wie sich der Nationalstaat mit einer europ\u00e4ischen Gro\u00dfraumordnung vereinbaren l\u00e4sst.<\/i> |<\/p>\n<p>Sprechen wir heute von Europa, so assoziiert der einfach oder gar oberfl\u00e4chlich Denkende dasselbe mit einem geografisch abgrenzbaren Raum. Nehmen wir an, dass es sich dabei um eine geografische Fl\u00e4che handelt, wo verlaufen dann die Grenzen dieses Kontinents? Nach Philipp Johann Tabbert (1677-1747), sp\u00e4ter dann von Strahlenberg, verl\u00e4uft diese im Osten an dem Uralgebirge, dann am Obschtschi Syrt sowie an der Wolga und schlie\u00dflich am unteren Don entlang. Dort also machte der geb\u00fcrtig deutsche Kartograph die Grenze zu Asien aus, die im \u00dcbrigen bis heute anerkannt und als solche betrachtet wird. Nun, glauben wir dieser Vorstellung, dann ist Europa ein Ort, \u00fcber den es nichts weiter zu sagen gibt, als das dort so und so viele Menschen leben, in dem dieses und jenes Klima herrscht und in dem j\u00e4hrlich ein Bruttoinlandsprodukt in einer bestimmten H\u00f6he generiert wird.<\/p>\n<p>Doch lassen Sie mich Europa von einer etwas anderen Perspektive betrachten. Europa ist vielmehr als ein Ort, den man \u2013 sind wir ehrlich zueinander \u2013 so exakt gar nicht geografisch bestimmen kann. Vielmehr handelt es sich bei Europa um eine Idee, die insbesondere in den heutigen Tagen stets umk\u00e4mpft und neu ausgehandelt werden muss. Damit m\u00f6chte ich nicht falsch verstanden werden. Dieses \u201estetige Aushandeln\u201c hat nichts mit dem vermeintlichen Masterplan einer ehemaligen Staatsministerin f\u00fcr Migration, Fl\u00fcchtlinge und Integration zu tun. Es ist vielmehr ein Ringen um die Hoheit \u00fcber den Begriff und \u00fcber den Wert, den dieses Wort ausmachen soll.<\/p>\n<p>Nun hat sich die Deutsche Rechte, in der bisweilen stets der Nationalstaatsgedanke dominierend schien, in den letzten Jahren zunehmend einer europ\u00e4ischen Dimension ge\u00f6ffnet. W\u00e4hrend es bereits in den 1990er Jahren vermehrt Europakongresse und europ\u00e4isch organisierte Seminare sowie Austauschprogramme gab, die leider insbesondere in Deutschland nur wenige Rechte interessierten, finden heute wieder Kongresse mit diversen anderen europ\u00e4ischen rechten Gruppen statt. Heute werden diese Kongresse von weitestgehend allen bekannten gr\u00f6\u00dferen rechten Organisationen veranstaltet oder zumindest unterst\u00fctzt. Innerhalb der Neuen Rechten formiert sich derweil sogar eine sich selbst als paneurop\u00e4isch begreifende Fraktion heraus, die sich scheinbar in der Tradition bekannter Eurofaschisten wie Pierre Drieu La Rochelle (1853-1945) versteht. Auf der anderen Seite warten Akteure wie der zunehmend an Popularit\u00e4t gewinnende Historiker Johannes Scharf mit Gedanken \u00fcber eine Exit-Strategie auf, in der sie einen europ\u00e4ischen Ethnostaat skizzieren, der gar nicht mehr innerhalb der uns bekannten von oben benannten europ\u00e4ischen Grenzen liegen m\u00fcsse (siehe so z. B. sein <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/shop\/buecher\/europa\/der-weisse-ethnostaat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Buch \u201eDer wei\u00dfe Ethnostaat\u201c<\/a>). Auch die durch ihre spektakul\u00e4ren Aktionen auff\u00e4llig gewordene Jugendgruppe der \u201eIdentit\u00e4ren Bewegung\u201c hat bewusst das spartanische Lambda als ihr Symbol gew\u00e4hlt, welches ebenfalls eine europ\u00e4ische Dimension ank\u00fcndigt. Ihr selbsterkl\u00e4rtes Ziel ist es daher auch, Europa vor dem Gro\u00dfen Austausch zu bewahren.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich, so scheint es, ist ein gewisser europ\u00e4ischer Nationalismus und selbst ein teilweiser Paneuropaismus kein Tabuthema mehr f\u00fcr die Deutsche Rechte. Mir kommt es derweil sogar so vor, als geh\u00f6re ein bisschen paneurop\u00e4ische Weltanschauung zum guten rechten Ton. Nun, ich halte diese Neigung zu mehr Europa innerhalb der Deutschen Rechten f\u00fcr eine positive Entwicklung. Zunehmend verstehen sich Nationalisten nicht nur als Deutsche, Engl\u00e4nder, Polen oder Italiener. Sie verstehen sich, wenn auch erst in zweiter Linie, so doch auch als Europ\u00e4er. Diese Entwicklung gilt es zun\u00e4chst anzuerkennen. Doch ich selber war vermehrt auf Europa-Kongressen, auf Netzwerktreffen, die intereurop\u00e4isch organisiert wurden und habe auf Veranstaltungen anderer politischer Organisationen in vielen L\u00e4ndern Europas gesprochen. Nur fehlte es stets an einer klaren Vision und einer tats\u00e4chlichen Greifbarmachung, um die Pioniere, die wohlm\u00f6glich intuitiv sp\u00fcren, dass nun eine neue Zeit, eine europ\u00e4ische Zeit angebrochen ist, auch zusammenzuf\u00fchren und sie beisammen zu halten.<\/p>\n<p>Daher sehe ich es heute hier als meine Aufgabe Ihnen eine Vision zu pr\u00e4sentieren, die ich f\u00fcr erstrebenswert halte. Vorab m\u00f6chte ich betonen, dass es unm\u00f6glich ist, eine Vision zu skizzieren, ohne sich in den Bereich des Utopischen zu wagen. Daher sehen Sie es mir bitte nach, wenn Ihnen meine Vorstellungen an der einen oder anderen Stelle zu abstrakt erscheinen. Eine Vision, so sagt es auch schon das Wort, welches vom lateinischen <em>visio<\/em> abgeleitet ist, spiegelt eine <em>Erscheinung<\/em> oder einen <em>Anblick<\/em>, gar in die Zukunft wider. <strong>Die Vision muss daher ein wenig utopisch klingen und ihre Abstraktheit dient lediglich einer etwaigen Vorstellung, an der sich die konkreten und dann auch klar definierten Ziele ausrichten, um dieser vision\u00e4ren in die Zukunft gerichteten Vorstellung n\u00e4herzukommen.<\/strong> Diese Vision, so sei bereits im Vorfeld gesagt, ist mit einer europ\u00e4ischen Ordnung verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Die Rede ist hier von einer Gro\u00dfraumordnung, einer Neuen Ordnung in Europa. Um diese Neue Ordnung zu veranschaulichen, m\u00fcssen wir jedoch zun\u00e4chst skizzieren, wie es zu der heutigen Ordnung auf europ\u00e4ischen Boden kam. Dazu m\u00f6chte ich mit Ihnen eine Reise durch die Geschichte Europas vollziehen, denn <strong>wer die Gegenwart verstehen will, der muss sich mit der Vergangenheit befassen, um auch daraus zu lernen und die Zukunft entsprechend gestalten zu k\u00f6nnen<\/strong>.<\/p>\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich Ihnen einen Entwurf, vision\u00e4r versteht sich, f\u00fcr eine m\u00f6gliche Neue Europ\u00e4ische Ordnung skizzieren. Darin werde ich auch insbesondere auf die Rolle des deutschen Volkes eingehen und M\u00f6glichkeiten aufzeigen, was konkret getan werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Europa, die pluralistische Internationale Ordnung<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betrachten wir die Geschichte Europas, f\u00e4llt auf, so oft die Einheit desselben von wichtigen Akteuren der Zeitgeschichte in allen L\u00e4ndern des Kontinents postuliert wurde, so wenig gab es diese in der Realit\u00e4t. Tats\u00e4chlich war Europa seit dem Zusammenfall des R\u00f6mischen Reiches im Jahre 476 nie wieder so vereint, wie davor. Rom vermochte den gro\u00dfen hobbesschen Leviathan auf dem eurasischen Kontinent zu bilden, der die vielen V\u00f6lkerschaften und F\u00fcrstent\u00fcmer in ganz Europa und dar\u00fcber hinaus in einem Reich zusammenzuhalten schaffte. \u00dcber f\u00fcnf Jahrhunderte erm\u00f6glichte die imperiale r\u00f6mische Herrschaft ein einheitliches System aus Gesetzen, eine allgemeine Verteidigung der Reichsgrenzen sowie die Entwicklung einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zivilisation. Nachdem dieses Rom im 5. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung zerfiel, entwickelte sich die zuvor r\u00f6misch hegemoniale Ordnung zu einer pluralistischen Internationalen Ordnung in Europa. W\u00e4hrend zuvor die r\u00f6mische Universalit\u00e4t die Legitimation f\u00fcr das Reich Europa \u2013 ich benutze an dieser Stelle ganz bewusst diesen Begriff \u2013 war, trat die Kirche danach das Erbe dieser r\u00f6mischen Reichsuniversalit\u00e4t an.<\/p>\n<p>Da sich die europ\u00e4ischen V\u00f6lker nach wie vor nach dieser Universalit\u00e4t sehnten, wie sie es aus der Zeit Roms kannten, wurden mitten auf dem europ\u00e4ischen Kontinent zwei Autorit\u00e4ten installiert, die von nun an dieses Legitimationsvakuum kompensieren sollten: Die zivilen Herrscher, die das Erbe des Cesars antraten auf der weltlichen Seite und die Kirche auf der Seite der Erl\u00f6sung und des Seelenheils. Doch diese beiden Kr\u00e4fte konkurrierten stets um die letztlich weltliche imperiale Macht in der damals europ\u00e4ischen christlichen Welt. Ein Zitat des Papstes Gelasius I., aus einem Brief, den er dem byzantinischen Kaiser Anastasius schrieb, verdeutlicht die damalige Ordnung um 494: <em>\u201eZwei Dinge sind es, durch die grunds\u00e4tzlich die Welt hier regiert wird: die geheiligte Autorit\u00e4t der Bisch\u00f6fe und die k\u00f6nigliche Gewalt. Bei den Bisch\u00f6fen liegt umso gr\u00f6\u00dferes Gewicht, als sie selbst f\u00fcr die K\u00f6nige der Menschen vor dem g\u00f6ttlichen Richter Rechenschaft ablegen m\u00fcssen.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><em><strong>[1]<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p>Das post-r\u00f6mische Europa war durch diese vielen verschiedenen Herrscher vom Pluralismus gepr\u00e4gt. Lediglich zu Weihnachten im Jahre 800 schien die Einheit zumindest zu einem gro\u00dfen Teil Europas zu beginnen, in dem Papst Leo III. Karl den Gro\u00dfen zum <em>Romanorum Imperator<\/em> kr\u00f6nte. Doch auch unter Karl fand sich ein Herrscher, der zwar ein gigantisches Reich mitten in Mitteleuropa schuf, jedoch u. a. keinen Anspruch auf Byzanz erhob, obgleich der Papst bereit war, dieses an den neuen Cesar abzutreten.<\/p>\n<p>Im Jahre 843<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, ca. 30 Jahre nach dem Tod des Romanorum Imperator, zerfiel dieses Reich auch gleich wieder in drei Teile, die zugleich jeweils an einen der Enkel Karls des Gro\u00dfen gingen. Danach folgte ein stetiges Austarieren zwischen den Kaisern, den P\u00e4psten und den einzelnen Feudalherren. Europa war bis auf einige Ausnahmen im 10. Jahrhundert wieder ein in seine F\u00fcrstent\u00fcmer zerrissener Kontinent bis zu der Kr\u00f6nung Karls V. zum <em>Sacrum Romanum Imperator<\/em> im Jahre 1520 und zehn Jahre sp\u00e4ter durch Papst Clemens VII. Unter dem Kaiser aus dem Hause Habsburg kam es zu einer Agglomeration von Deutschland, \u00d6sterreich, Norditalien, des heutigen Tschechiens, der Slowakei, Ungarn, Belgien, der Niederlande, des \u00f6stlichen Frankreichs, Spanien und sogar gro\u00dfe Teile Amerikas. Auch Karl V. sah, \u00e4hnlich seinem Vorg\u00e4nger, der Anfang des 9. Jahrhunderts den Thron bestieg, im Christentum die beseelte Kraft, die die Menschen zusammenhalten m\u00fcsse. Obgleich jedoch dieser Kaiser m\u00e4chtiger war, als all seine Vorfahren und er mittlerweile ein gigantisches Reich regierte, trat selbiger keineswegs wie ein Hegemon auf, sondern eher wie eine ordnungsh\u00fctende Macht, eine feste stabilisierende S\u00e4ule des christlich-europ\u00e4ischen Reiches. So wurde unter ihm 1555 der Augsburger Reichs- und Religionsfriede geschlossen, in dem er den Protestanten die freie Religionsaus\u00fcbung im Reich gestattete und somit zugleich die katholische Legitimationsgrundlage des Reiches aufgab.<\/p>\n<p>Nach Luther\u2019s Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg spaltete sich das damalige christliche Europa in Katholiken und Protestanten. Die Situation versch\u00e4rfte sich zunehmend bis zum ber\u00fchmten Prager Fenstersturz im Mai 1618. Danach sollte Europa von mehreren Kriegen zwischen verschiedenen Parteien der europ\u00e4ischen V\u00f6lkerfamilie heimgesucht werden. Diese Zeit bis 1648 wird in der Geschichtswissenschaft als \u201eDer Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg\u201c bezeichnet. In ihm fanden Millionen Europ\u00e4er ihren Tod. Teile S\u00fcddeutschlands wurden auf ein Drittel der Bev\u00f6lkerung dahingerafft. In dieser Zeit wagte es ausgerechnet ein katholischer Kardinal, eine dem Klerus beschneidende neue internationale Ordnung auf europ\u00e4ischen Boden einzuf\u00fchren. Es war seine rote Eminenz Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu, seines Zeichens erster Minister Frankreichs. Dieser Kardinal, vom franz\u00f6sischen Nationalbewusstsein beseelt, war ma\u00dfgeblich an der Installierung einer neuen internationalen Ordnung beteiligt, in der nicht mehr die Herrscherpers\u00f6nlichkeit oder gar die Kirche im Zentrum der Macht steht. Es war von nun an nicht mehr die Christenheit, die den Dreh- und Angelpunkt der Ordnung ausmachen sollte. Der neue Souver\u00e4n war der des Staates. Das war die Geburt des Nationalinteresses, ja des Nationalstaats selbst. Denn ab sofort sollte der Staat die grundlegende Einheit der internationalen Ordnung auf der eurasischen Halbinsel bilden, wenn auch die K\u00f6nige nach wie vor als Symbol des Staates dienten. Und so ist hier auch die historische Wiege des ehernen Konfliktes zwischen Frankreich und Deutschland-\u00d6sterreich auszumachen. Unter Richelieu entstand die Agenda, Mitteleuropa zu teilen, so dass Deutschland und \u00d6sterreich in zwei Machtpole gespalten wurden, auf dass dieses Reich nie wieder das europ\u00e4ische Kr\u00e4ftegleichgewicht aus den Angeln zu heben verm\u00f6ge. Als Kardinal Richelieu einmal darauf angesprochen wurde, warum gerade er als katholischer Theologe Frankreich in ein B\u00fcndnis mit dem protestantischen Nordeuropa steuerte, soll er gesagt haben: \u201e<em>Der Mensch ist unsterblich und findet sein Heil nach dem Tod, aber der Staat ist verg\u00e4nglich und findet sein Heil auf der Erde oder gar nicht.<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Und so kam es zur Manifestation der neuen pluralistischen Ordnung im Jahre 1648 in Form des Westf\u00e4lischen Friedens, der in Wirklichkeit eine Zusammenfassung aus zwei Vertr\u00e4gen war: Dem Friedensvertrag von M\u00fcnster aus dem Januar und dem Osnabr\u00fccker Vertrag vom Oktober 1648.<\/p>\n<p>Darin postulierten alle Parteien, dass es ab sofort einen christlichen und immerw\u00e4hrenden Frieden g\u00e4be, keine Universalit\u00e4t mehr zur Legitimation der hegemonialen Ordnung verpflichtet sei und es auch auch keine Hierarchien zwischen den V\u00f6lkern mehr geben d\u00fcrfe. Alle Staaten dieser Ordnung, die den Westf\u00e4lischen Frieden umfasste, standen sich souver\u00e4n und gleichwertig gegen\u00fcber. Statt eines Reiches, welches eine religi\u00f6se und dynastische Legitimation genoss, war nun der Staat die Grundlage der europ\u00e4ischen Ordnung. Somit ist der Westf\u00e4lische Friede, der einem drei\u00dfigj\u00e4hrigen gegenseitigem Zerfleischen folgte, der Ausgangspunkt der nationalstaatlichen Ordnung weltweit geworden.<\/p>\n<p>Im Zuge der Zeit bildeten sich zwei Ordnungsm\u00e4chte in Europa heraus, die beide stets dazu bem\u00fcht waren, ein Wiedererstarken des Deutschen Reiches oder das \u00dcbergewicht irgendeiner anderen Macht in Mitteleuropa zu verhindern. England begr\u00fcndete seine Politik der <em>Balance of Power<\/em>. Diese neue Ordnung konnte nur auf zwei Arten infrage gestellt werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Eine der bestehenden M\u00e4chte ersten Ranges wollte zur Hegemonialmacht aufsteigen oder<\/li>\n<li>Eine zweitrangige Macht sich in die des ersten Ranges einreihen, was wiederum zu einer Anpassung aller anderer erstrangigen M\u00e4chte f\u00fchrte (namentlich das \u00d6konomische und Milit\u00e4rische).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Ordnung des Westf\u00e4lischen Friedens sollte weitestgehend bis ins Jahr 1806 funktionieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Ein neues Europakonzept<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch letztlich, so wusste Immanuel Kant uns schon zu erkl\u00e4ren, neigen Gesellschaften zur Ungeselligkeit und obgleich der Mensch Nationen schuf, um die Leidenschaften seiner V\u00f6lker einzud\u00e4mmen, verhalten sich die Nationalstaaten in ihrem Naturzustand genauso wie der einzelne Mensch. Er oder sie versuchen den h\u00f6chsten Grad ihrer Freiheit zu erreichen, auch dann, wenn er daf\u00fcr einen gesetzlosen Zustand der Wilden herbeif\u00fchren muss. Um sehns\u00fcchtig zu verwirklichen, was dem selbst ernannten Sonnenk\u00f6nig Ludwig XIV. nie vollends gelang, trat Napoleon auf die europ\u00e4ische B\u00fchne und f\u00fchrte einen Krieg nach dem anderen, um sein Imperium Europa zusammen zu zwingen. Wieder einmal war es das alte Frankenreich, welches sich nach einer Grande Nation sehnte und ein Reich postulierte, welches auf einer neuen Wertegrundlage aufbauen sollte. Obgleich er \u00fcberall, wo er sich einmischte, die Ideale der Aufkl\u00e4rung mitbrachte, trachtete der k\u00f6rperlich zwar kleine, aber daf\u00fcr staatsm\u00e4nnisch gro\u00dfe Korse nach dem Titel des Imperators. Sein Selbstbewusstsein ging sogar so weit, dass er sich unter den Augen Papst Pius VII. selbst kr\u00f6nte. Nachdem Napoleon sieben Jahre lang Zeit hatte, Europa seinen Stempel aufzudr\u00fccken, wurde er in der V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig geschlagen, womit sein Siegeszug durch den wei\u00dfen Kontinent vollkommen gestoppt wurde. Diese V\u00f6lkerschlacht war ein Zusammenschluss des Resteuropas, das sich von der Tyrannei Napoleons emanzipieren wollte. Der Korse, der angetreten war, Europa zu einen, einte es letztlich gegen sich selbst. Er gab sp\u00e4ter in Gefangenschaft zu, dass er mehr ein Getriebener von den Umst\u00e4nden war, als dass er selber die Umst\u00e4nde zu beherrschen wusste<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p>So traten denn nun die wichtigsten Staatsm\u00e4nner eines jeden Landes in Wien zusammen, um auf dem Wiener Kongress eine Neue Ordnung zu besiegeln, die grundlegend auf dem Gedanken des Westf\u00e4lischen Friedens aufbaute, jedoch einen einenden Universalismus schuf, wie es das letzte Mal unter Karl dem Gro\u00dfen vorgefunden werden konnte. Dieser Universalismus war der europ\u00e4ische Friede. Dieser wurde als wichtiger angesehen als die nationalen Machtinteressen einzelner Staaten und V\u00f6lker. Die Staatsm\u00e4nner setzten ab sofort auf Diplomatie, denn auf Krieg. Europa wurde in diverse Staaten oder Regionen zusammengefasst, um eine geopolitische Lage des Gleichgewichts zu schaffen, so wie es der Westf\u00e4lische Frieden auch anstrebte. So wurde u. a. der Deutsche Bund geschaffen, der es gef\u00e4hrlichen Akteuren wie Deutschland, welches sich bis dato nicht als solches verstand, unm\u00f6glich machen sollte eine Erstarkung zu erreichen, die diesem Gleichgewicht entgegengesetzt gewesen w\u00e4re. Genauso achtete man darauf, dass Preu\u00dfen gen\u00fcgend B\u00fcndnispartner finden konnte, so dass es keine Angst vor einem \u00dcberfall haben musste. Der Sicherheitsberater unter dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten Richard Nixon, Henry Kissinger, schreibt dazu in seinem geopolitischen Grundlagenwerk \u201eWeltordnung\u201c: \u201e<em>Die Staaten des Deutschen Bundes waren zu uneins, um nach au\u00dfen aggressiv aufzutreten, hatten aber gen\u00fcgend Zusammenhalt, um ausl\u00e4ndische Interventionen auf dem Territorium des Bundes abzuwehren. Dieses Arrangement sollte eine Invasion in Mitteleuropa verhindern, ohne dass es f\u00fcr die beiden wichtigsten M\u00e4chte an dessen R\u00e4ndern, Russland im Osten und Frankreich im Westen, eine Bedrohung darstellte\u201c<\/em> (S. 79). W\u00e4hrend Frankreich durch die Niederlage bei Leipzig und des danach eintretenden Zusammenfalls des napoleonischen Imperiums zunehmend geschw\u00e4cht und der staatsm\u00e4nnische franz\u00f6sische Unterh\u00e4ndler Talleyrand darauf bedacht war, wenigstens die Grenzgebiete von 1806 bewahren zu k\u00f6nnen, verschaffte sich England durch seine zunehmend erstarkende Seemacht eine Vormachtstellung. Zun\u00e4chst trat selbiges in einer Quadrupelallianz mit Russland, Preu\u00dfen und \u00d6sterreich als Gleichgewichtshaltende Ordnungsmacht in Mitteleuropa auf. Im Zuge der Zeit erarbeitete es sich eine Vormachtstellung und seinen Platz als erste Ordnungsmacht in dieser europ\u00e4ischen Region.<\/p>\n<p>In dieser Zeit des \u201eKonzertes der M\u00e4chte\u201c pr\u00e4gten zwei Pers\u00f6nlichkeiten die europ\u00e4ische internationale Ordnung gemeinsam, so verschiedene Ziele sie auch verfolgten. F\u00fcrst Metternich aus dem Hause Habsburg verfolgte eine Politik des europ\u00e4ischen Gleichgewichtes und kann hier als ma\u00dfgeblicher Architekt der Wiener Ordnung in Europa bezeichnet werden. F\u00fcrst Bismarck, der diese Neue Ordnung f\u00fcr Preu\u00dfen ausnutzte, schuf im Norden einen gewaltigen Gegenpol, der mit der kleindeutschen L\u00f6sung im Jahre 1871 dieselbe in Frage stellte. Denn hier passierte, was wir bereits oben benannt haben: Eine Macht ersten Ranges erhob sich zu einer Supermacht auf dem Kontinent. Eine Supermacht, die \u2013 sollte es ihr nach mehr Raum und Macht d\u00fcrsten \u2013 ganz Europa beherrschen k\u00f6nne. Und Bismarck lie\u00df keinen Zweifel daran, dass er bereit war, die nationalen Interessen denen Europas zu \u00fcberstellen. Wo Metternich \u00f6sterreichische mit europ\u00e4ischen Interessen gleichsetzte und eine eher universalistische und pluralistische Politik anstrebte, da drohte Bismarck das alte Rad zu zerschlagen und den neuen aufkommenden Nationalismus mit dem Reichsgedanken zu verkn\u00fcpfen, ganz ohne Liberalismus. Diese Sichtweise verdeutlichte der Architekt des Deutschen Reiches wie folgt: <em>\u201eIn der Gef\u00fchlspolitik ist gar keine Reziprozit\u00e4t [\u2026] Jede andere Regierung nimmt lediglich ihre Interessen zum Ma\u00dfstabe ihrer Handlungen, wie sie dieselben auch mit rechtlichen oder gef\u00fchlsvollen Deduktionen drapieren mag\u201c<\/em>. Und an anderer Stelle wei\u00df der Eiserne Kanzler die Wahrheit unverbl\u00fcmt einer europ\u00e4ischen Sentimentalit\u00e4t entgegenzusetzen: \u201e<em>Die einzige gesunde Grundlage eines gro\u00dfen Staates [\u2026] ist der staatliche Egoismus und nicht die Romantik.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><em><strong>[5]<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p>Benjamin Disraeli, der im 19. Jahrhundert zweimal das Amt des britischen Premierministers bekleidete, bezeichnete die deutsche Einigung am 18. Januar 1871 als ein noch bedeutenderes Ereignis als die Franz\u00f6sische Revolution, da sie das Kr\u00e4ftegleichgewicht vollkommend zerr\u00fcttet h\u00e4tte und dadurch die Grundlage der alten Ordnung des Westf\u00e4lischen Friedens sowie die vom Wiener Kongress entzogen sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Der zweite Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg und seine M\u00f6glichkeiten<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Otto von Bismarck 1890 zu seinem Abgang gezwungen wurde, zerfiel das einstige Reich, welches nach Disraeli mit allen Kontinentalm\u00e4chten zusammen h\u00e4tte opponieren k\u00f6nnen, in einem blinden Aktionismus. Bismarcks Nachfolger Leo von Caprivi soll gesagt haben, dass er nicht verst\u00fcnde, wie sein Vorg\u00e4nger mit mehreren B\u00e4llen gleichzeitig jonglieren konnte, w\u00e4hrend er dies nicht einmal mit zweien verstand. Mit dem Attentat von Sarajewo wurde eine Kettenreaktion ausgel\u00f6st, dessen Wirkung keine der damaligen europ\u00e4ischen Staatsm\u00e4nner h\u00e4tte voraussehen k\u00f6nnen. Der Ausbruch des ersten gro\u00dfen Krieges forderte ein ungeheures Blutopfer von allen Mitgliedern der europ\u00e4ischen V\u00f6lkerfamilie. Nachdem Europa geschw\u00e4cht und in gro\u00dfen Teilen zerst\u00f6rt von den vergangenen vier Jahren war, und man dachte, der Krieg sei beendet, schwellte die n\u00e4chste gro\u00dfe Krise bereits unter den demokratischen Attit\u00fcden der neuen Zeit. Das 20. Jahrhundert sollte zum Jahrhundert der verratenen S\u00f6hne werden, zum Jahrhundert des gro\u00dfen Bruderkrieges, in dem jedes Volk Europas einen vorher nicht gekannten Preis zahlen musste.<\/p>\n<p>In dieser Zeit, in der Krieg, Hunger und Vertreibung herrschten, bestanden auch nicht wenige Chancen eines endlich geeinten Europas. Der europ\u00e4isch gepr\u00e4gte Teil Eurasiens spaltete sich in Ost und West. Die Russische Revolution von 1917 rief ein Russisches Reich kommunistischer Pr\u00e4gung hervor. Der Bolschewismus wurde zum Feind des freien Abendlandes. Der Faschismus war die westlich europ\u00e4ische Antwort auf diese Entwicklung im Osten, ganz in der Logik des Kausalen Nexus, wie ihn Ernst Nolte beschrieb.<\/p>\n<p>Mitten in diesem Zeitalter des Blutvergie\u00dfens jedoch entstand eine Idee, die einen Frieden auf Dauer in ganz Europa h\u00e4tte m\u00f6glich machen k\u00f6nnen. Denn es ist schlicht als falsch zu bezeichnen, dass der Faschismus die Antwort auf den Internationalismus war. Im Gegenteil gab es hier eine gro\u00dfe Auseinandersetzung zu der Idee eines geeinten Europas. Insbesondere die italienischen und franz\u00f6sischen Faschisten konzipierten ab 1943 neue Europa-Konzeptionen, die leider von deutscher Seite \u2013 und die Rede ist hier von der F\u00fchrungselite \u2013 als paneurop\u00e4isch abgetan wurden. In dieser Zeit entstand die Idee einer Europ\u00e4ischen Eidgenossenschaft. Der Historiker Hans Werner Neulen wies dies in seinem Werk \u201eEuropa und das Dritte Reich. Einigungsbestrebungen im deutschen Machtbereich 1939-1945\u201c nach. So schreibt er u. a. in der Einleitung zu seinem Buch: \u201e<em>Als 1943 franz\u00f6sische und italienische, finnische und norwegische, belgische und rum\u00e4nische Politiker und Diplomaten geradezu verzweifelt nach einer europ\u00e4ischen Initiative der Reichsregierung riefen, waren es Hitler und Ribbentrop, die jeden Gedanken an eine europ\u00e4ische Union im Keim erstickten<\/em>\u201c. An dieser Stelle sei jedoch auch erw\u00e4hnt, dass es Teile insbesondere innerhalb der Waffen SS gab, die ma\u00dfgeblich an der Konzeption einer Europ\u00e4ischen Eidgenossenschaft mitgewirkt haben.<\/p>\n<p>Insbesondere nach der Zerschlagung der 6. Armee in Stalingrad im Winter 1942\/1943 richteten sich die Blicke in gro\u00dfen Teilen Europas nach Berlin, von wo man sich eine Konzeption f\u00fcr die europ\u00e4ische Ordnung erhoffte. Auch auf deutscher Seite gab es prominente Vertreter f\u00fcr die Idee eines Europ\u00e4ischen Staatenbundes. So wandte sich der Sondergesandte C\u00e9cil von Renthe-Fink in einer Notiz an Joachim von Ribbentrop am 9. September 1943 hinsichtlich der Idee einer neuen europ\u00e4ischen Ordnung und was die Deutschen dazu beitragen k\u00f6nnten. In diesem Schreiben, was als diplomatisches Dokument verstanden werden muss, empfiehlt von Renthe-Fink\u00a0 der deutschen Au\u00dfenpolitik \u201e<em>mehr als bisher auf die Mentalit\u00e4t und die W\u00fcnsche der europ\u00e4ischen V\u00f6lker R\u00fccksicht zu nehmen<\/em>\u201c. \u201e<em>Dar\u00fcber hinaus<\/em>\u201c sah er es als wichtig an, \u201e<em>bei den V\u00f6lkern Europas die Hoffnung zu wecken und zu n\u00e4hren, da\u00df der deutsche Sieg Europa eine Ordnung schenken wird, die ihrer Sehnsucht nach Frieden, nationaler Selbst\u00e4ndigkeit, materiellem Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit entgegenkommt<\/em>\u201c. Akteuren wie Renthe-Fink ging es darum, diese Schicksalswende zu nutzen, in Europa einen Staatenbund zu installieren, der den k\u00fcnftigen Frieden garantiere, wie es einst auch den \u00dcberlegungen seit dem Westf\u00e4lischen Frieden von 1648 zugrunde lag.<\/p>\n<p>Leider war die deutsche F\u00fchrung \u2013 namentlich Hitler, Ribbentrop und Himmler \u2013 f\u00fcr derartige Postulate taub. Verstanden sie die Sendung der Deutschen doch eher darin, sich als Hegemonialmacht in Europa zu sehen. So schreibt Neulen auf Seite 22: \u201e<em>Tats\u00e4chlich war dies Hitlers Zukunftsvorstellung von einem nationalsozialistischen Kontinent, eine Konzeption, bei der Europa auf die germanischen V\u00f6lker eingegrenzt wurde und diese wiederum nur als Glieder des Reiches, nicht als eigenst\u00e4ndige, historisch gewachsene und autonome Tr\u00e4ger der Geschichte gesehen wurden.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Europ\u00e4ische Eidgenossenschaft<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Anfang der 1920er Jahre der Gr\u00fcnder der Paneuropa-Union Richard Coudenhove-Kalergi das erste Mal den Begriff der \u201eVereinigten Staaten von Europa\u201c verwendete, erzeugte dieser eine Abwehrhaltung vieler damaliger Zeitgenossen. Assoziierte man doch diese Vereinigten Staaten mit denen Amerikas. Einige Jahre sp\u00e4ter brachte derselbe aus diesem Grund den Begriff der Europ\u00e4ischen Eidgenossenschaft hervor. In der Zeitschrift \u201ePaneuropa\u201c schrieb Kalergi in einem Text mit dem Titel \u201eDie Schweiz als Vorbild: \u201c<em>Die Bezeichnung \u201aVereinigte Staaten von Europa\u2018 hat vielfach zu Missverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt. Sie wurde als europ\u00e4ische Analogie zu den Vereinigten Staaten von Amerika aufgefasst.\u201c (\u2026) \u201eEuropa wird niemals die amerikanische Verfassung nachahmen k\u00f6nnen; jeder Versuch, dies zu tun, w\u00fcrde die paneurop\u00e4ische Entwicklung bedrohen. Europa kann in seiner Verwirklichung keinem fremden, sondern nur einem europ\u00e4ischen Beispiel folgen; nicht den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern der Schweizer Eidgenossenschaft.<\/em>\u201c An dieser Stelle muss gesagt werden, dass insbesondere in rechten Kreisen ein ziemlicher Verriss aus dem Werk Richard Coudenhove-Kalergis gemacht wird. Dominik Schwarzenberger zeichnet in seiner Brosch\u00fcre \u201e\u2018Paneuropa\u2018 und totaler Mensch: Das politische Denken Richard Coudenhove-Kalergis\u201c ein sachliches Bild, wie es mir in keiner zweiten Schrift vor die Augen geraten ist. Dabei r\u00e4umt Schwarzenberger auch mit den Mythen und Verschw\u00f6rungstheorien um den Gr\u00fcnder der Paneuropa-Union auf.<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 1934 veranstaltete die CAUR<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> einen internationalen Kongress in Montreux, wo 15 ausl\u00e4ndische faschistische Parteien aus 13 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern vertreten waren. W\u00e4hrend dieser Zeit hatten sich auch die Paneuropa-Bewegung und die italienischen Faschisten gegenseitig angen\u00e4hert. Zuvor kam es am 10. Mai sogar zu einem Treffen zwischen dem Duce Mussolini und Coudenhove-Kalergi. Letzterer bezeichnete die Zeitung des bekannten Eurofaschisten Gravelli \u201eOttobre\u201c sogar als \u201e<em>Organ der Paneuropa-Bewegung in Italien\u201c<\/em>.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Eidgenossenschaft ist demnach keine Idee des 21. Jahrhunderts oder gar erwachsen aus der Montanunion in den 1950er Jahren. Es handelt sich dabei um ein Konzept, welches zuerst von den Paneurop\u00e4ern um den Habsburger Kalergi\u00a0 entwickelt und danach von verschiedenen Gruppen \u2013 vor allem faschistischer in Europa und teilweise sogar nationalsozialistischer Fraktionen innerhalb Deutschlands &#8211; aufgegriffen und adaptiert wurde, obgleich die Paneuropa-Union von der Reichsregierung als Feind betrachtet wurde.<\/p>\n<p>Obwohl das reichsdeutsche Propagandaministerium zum Ende des Krieges hin die \u201eNeue Ordnung\u201c und das \u201eNeue Europa\u201c immer wieder bem\u00fchte, lie\u00dfen sich das Ausw\u00e4rtige Amt und Hitler nicht zu einer Konkretisierung hinrei\u00dfen. Was jedoch in weitestgehend allen Konzeptionen postuliert wurde, war die Gleichberechtigung aller V\u00f6lker, die sich innerhalb dieses f\u00f6deralen Staatenbundes befinden. Auch wenn dieses Europa mit einer gemeinsamen Au\u00dfengrenze sowie in Teilen mit einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik versehen werden sollte, sollten die V\u00f6lker ihre Eigenheiten behalten. Dieses Europa sollte also kein Schmelztiegel werden, sondern der Gedanke beruhte wieder auf dem Pluralismus, die Vielheit, die Vielfalt, aus der sich der europ\u00e4ische Geist speist.<\/p>\n<p>Nach den Pl\u00e4nen Alexander Dolezaleks des SS-Hauptamtes D sollte dieser f\u00f6deralistische Bund \u201e<em>auf freiwilliger Zusammenarbeit, der Freiheit des Volkstums und auf einem national differenzierten Sozialismus basieren<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. Die in diesem Amt konzipierte Europa-Charta, welche im Nachkriegseuropa zur Anwendung h\u00e4tte kommen sollen, beinhaltete u. a. das Postulat von sechs Grundfreiheiten und sieben Grundrechten.<\/p>\n<p><strong>Die f\u00fcnf Grundfreiheiten bestanden aus:<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Die Freiheit der V\u00f6lker gegen die Vergewaltigung durch die Weltgro\u00dfm\u00e4chte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Freiheit der V\u00f6lker in der Gestaltung ihrer eigenen Volksordnung.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Freiheit der Pers\u00f6nlichkeit gegen die Vergewaltigung der Selbstverantwortlichkeit.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Freiheit der v\u00f6lkischen Kultur gegen irgendwelchen Zwang und gegen die Vermassung.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Freiheit des Glaubens gegen Gottlosigkeit und politischen Mi\u00dfbrauch.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die sieben Grundrechte fu\u00dften auf:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das Recht des Menschen auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht des Menschen auf freie Entfaltung seiner Kr\u00e4fte und Zugang zu allen Berufen gem\u00e4\u00df Begabung und Leistung.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht des Menschen auf eine nur nach der unterschiedlichen Leistung abgestuften Lebenshaltung.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht des Menschen auf Mitentscheidung bei der Gestaltung des Gemeinwesens.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht des Menschen auf Eigentum und auf eigenen Boden.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht des Menschen auf Freizeit, Erholung und Teilnahme an allen G\u00fctern und Einrichtungen des Kulturlebens.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht des Menschen auf Schutz bei unverschuldeter Not<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Das Europa der Nachkriegszeit sollte also auf einer Ordnung der Freiwilligkeit und einer gemeinsamen auf Freiheiten und Rechte der einzelnen V\u00f6lker basierenden Bundespolitik fu\u00dfen. H\u00e4ufig wurde der Begriff des Reiches verwendet, womit in der Regel dieses Neue Europa assoziiert wurde. Reich wurde zum Synonym einer europ\u00e4ischen Friedens- und Freiheitsidee. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass Deutschland, mit seinem Reichsvolk und der mehr oder weniger immer f\u00f6deralistischen Struktur hier als Ordnungsmacht, nicht als Hegemonialmacht, fungieren h\u00e4tte k\u00f6nnen. Nur verfolgte ein nicht unerheblicher Teil der F\u00fchrung, namentlich Hitler, Ribbentrop und Himmler, eine andere Europa-Konzeption, die eher antieurop\u00e4isch, denn mehr deutsch war. Doch die V\u00f6lker wollten sich nicht germanisieren lassen. Sie wollten ihre Eigenheit erhalten, w\u00e4ren aber bereit gewesen f\u00fcr ein Europ\u00e4isches Reich unter deutscher F\u00fchrung.<\/p>\n<p>Es ist allerdings m\u00fc\u00dfig dar\u00fcber zu fabulieren, was eingetreten w\u00e4re, wenn der Zweite Weltkrieg einen anderen Ausgang genommen h\u00e4tte. Wichtig ist allerdings, was nach 1945 aus Europa wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Lage im Jahr 2019<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute ist Deutschland in einem europ\u00e4ischen Verbund vollst\u00e4ndig integriert, welcher einen Namen tr\u00e4gt, der w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges auf faschistischer Seite postuliert wurde: Die Europ\u00e4ische Union. Zun\u00e4chst schien es sich 1957, als es zu der Unterzeichnung der R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge kam, um eine echte Friedens- und Einigungspolitik zu handeln, die den Wohlstand des Nachkriegseuropas sichern sollte. War es doch l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, dass sich Europa in einer Wirtschaftsgemeinschaft zusammenfindet, um einen Machtblock zu dem Russischen B\u00e4ren im Osten und dem Gro\u00dfen Bruder aus dem Westen zu bilden. Doch in Wirklichkeit wurde es zum Spielball zwischen zwei Weltm\u00e4chten. Die ganze Halbinsel wurde in Ost und West geteilt. Deutschland wurde zum Sinnbild dieser bipolaren Weltordnung. Die Mauer, die 1961 mitten durch das Herz Europas gezogen wurde, war die Antwort, der seit 1949 immer st\u00e4rker werdenden Westanbindung. Mit der NATO wurde eine Organisation geschaffen, die nur zu einem Zweck gegr\u00fcndet wurde: \u201e<em>to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down<\/em>\u201c. Dieser lockere Spruch des damaligen Generalsekret\u00e4rs der NATO Lord Ismay, sollte den tats\u00e4chlichen Grund f\u00fcr diese immer st\u00e4rker werdende Westanbindung werden. Die Konsequenzen aus dem Zweiten Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg waren f\u00fcr Deutschland verheerender als die des Wiener Kongresses.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend jedoch Frankreich unter Charles de Gaulle noch ein Europa der Vaterl\u00e4nder postulierte, wird heute eine politische Union wirtschaftlich und finanzpolitisch erzwungen, die zu einem Schmelztiegel der gesamten euro-afroasiatischen Welt transformiert wird. Die Advokaten dieser Europ\u00e4ischen Union von heute f\u00fchren dabei immer wieder an, dass es nun das erste Mal gelungen sei, Frankreich und Deutschland miteinander zu vers\u00f6hnen und dieselben nun als gleichberechtigte Partner den Frieden in Europa wahren. Mit dem Untergang der Sowjetunion erlag Amerika zunehmend der Hybris. So schw\u00e4rmte Francis Fukuyama vom \u201eEnde der Geschichte\u201c. Die Welt schien nur noch einen Leviathan zu haben und dieser verfolgte eine noch st\u00e4rkere Interventionspolitik als man es sich zu Zeiten Trumans h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Auch heute postulieren Geostrategen wie Thomas P. M. Barnett eine Welt, in der sich alle dem American Way of Life hingeben und somit eine friedliche Welt kreiert werden k\u00f6nne. Die \u201e<em>Manifest Destiny<\/em>\u201c in Reinkultur. Barnett glaubt daher, die Welt in zwei Teilen zu erblicken: Einen \u201eCore\u201c, bestehend aus allen Amerika h\u00f6rigen Vasallen auf der einen und den \u201eGaps\u201c, all jene also, die sich dieser entsagen, auf der anderen Seite.<\/p>\n<p><strong>Die Europ\u00e4ische Union wird also weniger dazu f\u00fchren einen europ\u00e4ischen Machtblock zu bilden, der somit auch eine multipolare Weltordnung garantiert, sondern dient als Armenhaus der Dritten Welt und der peripheren Levante.<\/strong><\/p>\n<p>Diese globalistische Vision spaltet unseren Doppelkontinent und insbesondere die westliche H\u00e4lfte. W\u00e4hrend die einen immer mehr Paneuropa postulieren und damit den euro-afro-asiatischen Schmelztiegel meinen, wollen die anderen zur\u00fcck zu ihren Nationalstaaten kehren, die im \u00dcbrigen de jure nach wie vor vorhanden sind, jedoch in einigen L\u00e4ndern \u2013 namentlich die Bundesrepublik Deutschland \u2013 allm\u00e4hlich juristisch abgeschafft werden (siehe dazu mehrere Urteile des Bundesverfassungsgerichtes, zuletzt das NPD-Urteil von 2017). Der von der CIA gegr\u00fcndete National Intelligence Council, der heute Bestandteil des United States Intelligence Council ist, sieht jedoch das Aufkommen einer multipolaren Weltordnung, in der Amerika nicht mehr alleiniger Herrscher \u00fcber den Globus ist. Vielmehr sind mit China und dem Erstarken Russlands im Osten zwei Anw\u00e4rter darauf zur Supermacht zu transformieren entstanden. Die Politik unter Donald Trump sieht ebenfalls nach einem Ende der Truman-Doktrin aus, was es Europa erm\u00f6glichen k\u00f6nnte, endlich zu sich selbst zu finden. Auch das heutige Europa in seiner institutionalisierten Form \u2013 namentlich der EU, der Euro-Zone und der EZB \u2013 droht sich aufzul\u00f6sen (wir analysierten dies <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-welt-im-jahr-2035-teil-iii-europa-in-naher-zukunft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">submitted<\/a>). Die Bildung von B\u00fcndnissen innerhalb der EU \u2013 sehen wir uns hierzu bspw. die Visegrad-Staaten an \u2013, in denen eine kritische Haltung zum Globalismus besteht, ist ein signifikantes Zeichen dieser Uneinigkeit auch unter den europ\u00e4ischen Eliten. Bereits jetzt geh\u00f6ren etwa 20 Prozent der Mitglieder im Europ\u00e4ischen Parlament zu EU-skeptischen bis hin zu EU-gegnerischen Parteien. Deutschland wird hier, genauso wie schon zu Zeiten des ersten Kalten Krieges, zum Sinnbild. Teilen sich die Deutschen heute doch ebenfalls in identit\u00e4re Heimatbef\u00fcrworter und Globalismuskritiker auf der einen und linksliberale Wohlstands-Kosmopoliten sowie Nutznie\u00dfer der Globalisierung auf der anderen Seite. Diese Uneinigkeit macht sich letztlich auch im politischen System immer deutlicher. In einem System, in dem die Mitte immer mehr zwischen dem linken und rechten Rand zerrieben wird. Es entsteht gar eine vorrevolution\u00e4re Situation. Blicken wir dieser Tage in die Nachrichtenmagazine, so erleben wir, dass selbst Mainstream-\u00d6konomen uns vor einem Finanzcrash warnen, bei dem es keine Frage des \u201eOb\u201c, sondern ausschlie\u00dflich nur noch des \u201eWann\u201c gibt. Was wird in diesem Europa, in der es keine klare Vision, eine geteilte Auffassung und Wahrnehmung der Fiskalpolitiken gibt und wir eine immer weiter auseinandergehende Schere zwischen den Gewinnern und den Verlierern der Globalisierung haben?<\/p>\n<p>Im Folgenden verweise ich auf meinen Text \u201e<a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-welt-im-jahr-2035-teil-iii-europa-in-naher-zukunft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Welt im Jahr 2035 III: Europa in naher Zukunft<\/a>\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201eDie EU ist ein Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen. Sie ist eine rein politische Union, die zeitweise gar zwanghaft erweitert wurde, ohne R\u00fccksicht auf die insbesondere wirtschaftspolitische Kompatibilit\u00e4t der Mitgliedsstaaten genommen zu haben. Die Tatsache, dass ein Gro\u00dfteil der EU-Eliten Griechenland in der Euro-Zone behalten wollte, zeigt deutlich, dass die Europ\u00e4ische Union einem ideologischen Zwangskorsett gleicht. Aus einer Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft ist eine politische Union geworden, mit gleicher W\u00e4hrung, die letztlich die Volkswirtschaften gefangen h\u00e4lt. Obgleich der Gedanke eines vereinten Europas durchaus seinen Charme hat, gilt gleiches aus meiner Sicht derzeit f\u00fcr unrealistisch. Die Diskrepanzen in der Wirtschafts-, Finanz- und Migrationspolitik sowie allgemein die Divergenzen in der Auffassung dar\u00fcber, wie die EU mechanisch-technisch konzipiert sein sollte, macht einen Zusammenbruch \u2013 ganz gleich in welcher Art und Form \u2013 zunehmend wahrscheinlicher. Des Weiteren bedarf es f\u00fcr solch eines Gigaprojektes einer Vision. Bisher schafften die eurokratischen Akteure es nicht, aus dem Mythos, der aus der Nachkriegszeit entstand, eine positive und einende Vision zu schaffen oder auf der Vision eines Charles de Gaulle aufzubauen.<\/em><\/p>\n<p><em>Dennoch ist auch die nahe Zukunft Europas ungewiss. Der totale Zusammenbruch der EU ist keineswegs zwangsl\u00e4ufig. K\u00f6nnte es doch zu einer Reform der Union kommen, die Antworten auf die o. g. Entwicklungen und die sich daraus ergebenden Fragen geben kann. Es ist aber wahrscheinlich, dass Europa eine Renaissance der Nationalstaaten erleben wird und Teile sich zu Regionen wirtschaftlicher und in Teilen auch politischer Art zusammenfinden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dies l\u00e4sst die Verwirklichung einer Europ\u00e4ischen Eidgenossenschaft zun\u00e4chst unrealistischer werden, was jedoch keinesfalls einen Abbruch an der Ausarbeitung einer derartigen Konzeption f\u00fcr unsere heutigen Tage bedeuten muss. Das 19. und 20. Jahrhundert wird keine Renaissance erleben, jedoch in Teilen der Nationalismus, so gibt uns zumindest der urspr\u00fcnglich von der CIA gegr\u00fcndete Think Tank in seinem Zukunftsreport \u201e<em>Global Trends: Paradox of Progress<\/em>\u201c zu verstehen. Darin beschreibt er drei m\u00f6gliche Szenarien der Zukunft, worin eines in der Renationalisierung vieler Teile der Welt liegt. Dennoch ist eine Internationale Ordnung notwendig und die beiden Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriege haben uns gelehrt, dass das Ausbleiben selbiger zu gewaltigen Katastrophen f\u00fchren kann. Der Westf\u00e4lische Friede kann hierbei sicherlich grundlegend als Vorbild dienen, wenn auch nicht ohne Anpassungen an die Befindlichkeiten der Nationen, der Regionalismen und nat\u00fcrlich auch der Befindlichkeiten, die das 21. Jahrhundert mit sich bringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Eine Vision f\u00fcr die Deutschen<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Deutschen als ein Reichsvolk und Mittelpunkt Europas, als jene, die sich st\u00e4ndig einem \u201eAlbtraum der Koalitionen\u201c ausgesetzt sahen, das Volk, welches immer mit der Einkreisung rechnen musste, wei\u00df wie schwierig es ist, den Frieden zu erhalten. Es wei\u00df jedoch auch, dass derjenige, der den Frieden erhalten will, auch auf den Krieg vorbereitet sein muss: <em>Si vis pacem para bellum!<\/em><\/p>\n<p>Dieses Volk, welches selber auch heute nur f\u00fcr eine kurze Zeit und nur unter den Restriktionen der Siegerm\u00e4chte eine Nation bildet, sieht sich wieder als Ordnung gebende Macht. Mag diese ihm auch nicht nur Ruhm bei den V\u00f6lkern Europas bescheren, wird es selbst heute in der Europ\u00e4ischen Union als F\u00fchrungsmacht betrachtet. Leider machen sich die Eliten hier gemein mit einer Agenda, die antieurop\u00e4ischer nicht sein kann.<\/p>\n<p>Daher ist es vor allem die Aufgabe einer Deutschen Rechten, sich diese Aufgabe bewusst zu machen. Die Deutschen k\u00f6nnen hier Tr\u00e4ger und \u00dcberbringer einer neuen Zeit werden. Sie k\u00f6nnen die antiglobalistischen Kr\u00e4fte b\u00fcndeln und ihnen eine positive identit\u00e4re und heimatbezogene Sendung verpassen. Und hier darf der Nationalismus nicht mehr auf den alten Maximen des 19. Jahrhunderts fu\u00dfen. Dieser Nationalismus muss sich einer europ\u00e4ischen Dimension \u00f6ffnen. Beseelt von dem Gedanken an ein Europa der V\u00f6lker und Eigenheiten, der verschiedenen Kulturen, aber auch der geeinten St\u00e4rke in der Au\u00dfen- und Milit\u00e4rpolitik, vereint in einem Zoll- und Wirtschaftsverband, muss sich eine Echte Rechte formieren und diese Sendung zun\u00e4chst auf nationaler Ebene unters deutsche Volk bringen und auf europ\u00e4ischer Ebene den Mitgliedern der V\u00f6lkerfamilie der eurasischen Halbinsel zur Aufgabe machen.<\/p>\n<p>Wenn ich in diesem Zusammenhang von einer Echten Rechten spreche, dann ist mir klar, dass es sich dabei um einen etwas undefinierten, gar unwissenschaftlichen Begriff handelt. Leben wir doch nicht in einer eindimensionalen Welt, in der sich Kausalit\u00e4ten und Entwicklungen linear bewegen. Vielmehr handelt es sich beim Leben und der Welt um ein komplexes Geflecht von vielen Eventualit\u00e4ten und Dynamiken. Doch verwende ich deshalb umso bewusster den Begriff der Rechten. Wenn es ein Kriterium gibt, was rechts von links unterscheidet, dann ist es das Denken in Hierarchien. W\u00e4hrend die Linke eine egalit\u00e4re Idee verk\u00f6rpert, aus der wohlgemerkt auch der Nationalstaatsgedanke erwachsen ist, verfolgt die Rechte einen eher elit\u00e4ren Gedanken. Diesen m\u00f6chte ich gerne wieder aufgreifen und den Rechten wiedergeben.<\/p>\n<p>Nur muss ich dies noch etwas ausf\u00fchren, damit keine falschen Vorstellungen entstehen. Spreche ich von Elite, so k\u00f6nnte man diesen Begriff auch mit dem der Edelleute gleichsetzen. Der Edelmann bewegt sich in der Dialektik zwischen dem Ganzen und den Teilen. Das antike universalgelehrte Genie Aristoteles verk\u00fcndete hier bereits vor mehr als 2300 Jahren einen der ersten echten dialektischen S\u00e4tze: \u201e<em>Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile<\/em>\u201c. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle auf einen Aufsatz von mir, erschienen auf dem Blog Gegenstrom \u2013 Plattform f\u00fcr rechte Metapolitik verweisen (<a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/eine-neue-aristokratie-der-gegenentwurf-zum-demokratismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">submitted<\/a> abrufbar):<\/p>\n<p>\u201e<em>Damit ist ausgedr\u00fcckt, dass das \u00bbGanze\u00ab ohne das \u00bbEinzelne\u00ab nicht w\u00e4re. Umgekehrt ist das \u00bbEinzelne\u00ab nat\u00fcrlich nur wirklich, wenn es ein \u00bbGanzes\u00ab gibt, dem es angeh\u00f6rt. Beide Begriffe besitzen also eine gemeinsame Identit\u00e4t. Zugleich ist aber das \u00bbEinzelne\u00ab ein Besonderes und zugleich <\/em>Allgemeines<em> (Ein Teil des Ganzen). Genauso steht der Mensch also als ein \u00bbEinzelnes\u00ab in einem \u00bbGanzen\u00ab, der Natur oder unser Planet Erde zum Sonnensystem oder das Sonnensystem zur Milchstra\u00dfe und diese wiederum zum Universum. Hegel sprach von \u201eallen Dingen\u201c, die \u201ean sich selbst widersprechend\u201c seien. Alle Dinge besitzen eine innere Selbstbewegung, wie es das \u00bbGanze\u00ab und seine \u00bbTeile\u00ab auch tun. Diese Tatsache zu erkennen und sie als sein \u201eSchicksal\u201c anzunehmen, bedeutet sich selbst als Teil eines Ganzen zu sehen und sein Leben entsprechend mit dieser Einsicht in Einklang zu bringen. So verh\u00e4lt es sich nat\u00fcrlich auch mit dem Individuum, welches einem bestimmten Volk angeh\u00f6rt. Das Volk ist hierbei das \u00bbGanze\u00ab, w\u00e4hrend das Individuum ein \u00bbTeil\u00ab dessen ist. Das Volk besteht aus den einzelnen Individuen, die wiederum alle untereinander verschieden sind, aber die Volksangeh\u00f6rigkeit als Moment der Identit\u00e4t miteinander teilen. Diese Identit\u00e4t miteinander kann nur bestehen, wenn es vor allem erst einmal ein Nicht-Selbst oder zumindest ein Anderes gibt. Erst wenn wir wissen, was wir nicht sind, k\u00f6nnen wir wissen, was wir sind und wem wir \u00e4hnlich sind. Identit\u00e4t kommt schlie\u00dflich vom lateinischen idem, was derselbe, dasselbe bedeutet. Wenn es aber ein Gemeinsames (dasselbe) mit bestimmten Individuen gibt, dann muss es auch ein Verschiedenes mit anderen bestimmten Individuen geben.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Wenn Aristoteles also davon spricht, dass dieses \u00bbGanze\u00ab mehr als die Summe seiner \u00bbTeile\u00ab sei, dann begreift er also diese Dinge nicht nur als <em>einzeln<\/em> and <em>allgemein<\/em>, sondern auch als <em>besondere<\/em> Dinge an sich. Erst die Teile in ihrer Gesamtheit machen das \u00bbGanze\u00ab aus.<\/p>\n<p>Erweitern wir den Satz des griechischen Dialektikers auf die nationale Ebene, so erhalten wir: \u201e<em>Das Volk ist mehr als die Summe seiner Individuen<\/em>\u201c; Und auf europ\u00e4ischer Ebene k\u00f6nnten wir diesen Satz noch erweitern auf: \u201e<em>Europa ist mehr als die Summe seiner V\u00f6lker<\/em>\u201c. In all diesen S\u00e4tzen erkennen wir ein neues Paradigma, nach dem sich auch die Herrschaft zu richten hat. Es mag idealisiert klingen, aber wir Deutschen und wir Europ\u00e4er sollten nach einer Neuen Aristokratie, einem neuen Typus des Edelmannes streben, der genau diesen dialektischen Grundsatz zum Kern seiner Politik und Regierung macht. Der neue Aristokrat ist also beseelt von der Veredelung des Menschen. Unser Volk als Reichsvolk besitzt das historische und charakteristische Potenzial dieser Neuen Ordnung. Ich spreche hier von einer Art Auserw\u00e4hltheitsgedanken, nicht in diesem arroganten Sinne wie es der Amerikaner tut oder wie es uns im Alten Testament begegnet. Ich spreche von einem Sendungsbewusstsein eines Reichsvolkes, welches sich seiner Aufgabe bewusst wird, Europa zu neuer Bl\u00fcte zu befl\u00fcgeln, damit dieses die Welt in Ordnung h\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Diese Neue Ordnung ist eine, die sich dem Frieden in der Welt, die Eigenheit sowie Freiheit und letztlich der Partizipation der V\u00f6lker am Wohlstand verschrieben hat. Nennen Sie mich einen Tr\u00e4umer, dass ich dieses Utopia skizziere, doch letztlich musste jede gro\u00dfe Bewegung durch die Phase der L\u00e4cherlichkeit und der Utopie. Und letztlich beginnt alles Gro\u00dfe mit einer Vision.<\/strong><\/p>\n<p>Lassen Sie uns eine Vision f\u00fcr Deutschland und Deutschland eine Vision f\u00fcr Europa skizzieren, auf das Europa eine Vision umsetzt, die durch die Interessenwahrung aller V\u00f6lker besticht.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>\u00a0Literaturhinweise<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Henry Kissinger (2014, S. 23). Weltordnung (3. Auflage). Bertelsmann Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vertrag von Verdun<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd., S. 34<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Das konkrete Zitat lautet: \u201e<em>Die Wahrheit ist, dass ich niemals ganz Herr meiner Bewegungen war. Ich habe Pl\u00e4ne gehabt, hatte aber niemals die Freiheit, sie auszuf\u00fchren. Immer war ich durch die Umst\u00e4nde bestimmt.\u201c<\/em> Dies soll er auf der Insel St. Helena \u00fcber sich selbst gesagt haben. Nachzulesen bei G\u00fcnter M\u00fcchler: \u201eNapoleon\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebd., S. 91<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Comitati d\u2018 azione per l\u2018 universalit\u00e0 di Roma. Dabei handelte es sich um eine Vorstufe der Faschistischen Internationale, die die Aufgabe hatte, eine Sammlung aller ausl\u00e4ndischen faschistischen, nationalistischen und korporativer Bewegungen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Hans Werner Neulen (1987, S. 180). Europa und das 3. Reich. Einigungsbestrebungen im deutschen Machtbereich 1939-45. Universitas Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd., S. 66<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Die Europa-Charta aus dem Dokumentenkabinett Vlotho. Studien-Sammlung f\u00fcr europ\u00e4ische Geschichte, Gegenwart und Zukunftsplanung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden handelt es sich um einen Vortrag, den unser Autor und Mitarbeiter Peter Steinborn auf einer \u201eTagung zur Europ\u00e4ischen Frage und dem deutschen Nationalstaat\u201c gehalten hat. 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