{"id":3761,"date":"2019-10-29T21:03:08","date_gmt":"2019-10-29T20:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=3761"},"modified":"2020-02-04T22:55:52","modified_gmt":"2020-02-04T21:55:52","slug":"die-welt-im-jahr-2035-das-paradoxon-des-fortschritts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-welt-im-jahr-2035-das-paradoxon-des-fortschritts\/","title":{"rendered":"Die Welt im Jahr 2035: Das Paradoxon des Fortschritts"},"content":{"rendered":"<p>In Ank\u00fcndigung des <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/5-seminar-fuer-rechte-metapolitik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">n\u00e4chsten MetaPol-Seminars am 23. November 2019<\/a> ist bei uns vermehrt die Frage danach eingegangen, warum wir ausgerechnet das Jahr 2035 f\u00fcr unsere geopolitischen Betrachtungen ausgew\u00e4hlt haben. In einigen Unterhaltungen der letzten Tage wurde immer wieder deutlich, dass viele rechte Akteure der Meinung sind, wir h\u00e4tten \u00fcberhaupt gar nicht mehr so viel Zeit, um bis in die n\u00e4chsten 15 Jahre hinein zu planen. Vielen graut es bei dem Gedanken an diese Jahreszahl. Angesichts der scheinbar schlechten Lage in Deutschland und Europa, macht sich ein regelrechter Pessimismus breit. Dabei gibt es, und das wollen wir bereits im Vorfeld unseres Seminars aufdecken, wenig Gr\u00fcnde f\u00fcr solch eine pessimistische Haltung zur Zukunft.<\/p>\n<h2>Die fehlende Glaskugel und das langfristig denkende Gehirn<\/h2>\n<p>Der Titel <strong>\u201eSzenarien 2035: Geopolitische Machtverschiebungen und Chancen\u201c<\/strong> ist dabei nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt worden. Er ist zur\u00fcckzuf\u00fchren auf einen Zukunftsbericht der CIA, namentlich des <em>National Intelligence Council <\/em>(NIC). Der NIC ist ein Thinktank der <em>United States Intelligence Community<\/em> (IC) und bringt regelm\u00e4\u00dfig Analysen sowie Strategiepapiere heraus, welche Politikern und den Sicherheitsdiensten in ihrer Arbeit helfen sollen. Dabei wird auch seit 1997 ein Zukunftsbericht herausgegeben, der globale Trends beschreibt. Darin finden sich Szenarien, welche in der Zukunft als wahrscheinlich gelten. Der NIC sticht mit seiner starken Sachlichkeit heraus, wobei er sich nicht scheut, auch unangenehme Wahrheiten zu publizieren. Der letzte dieser Zukunftsberichte kam 2017 unter dem Titel \u201e<em>Global Trends 2035: The Paradox of Progress<\/em>\u201c (z. dt. <em>Globale Entwicklungen 2035: Das Paradox des Fortschritts<\/em>) heraus. Dabei betont der Vorsitzende der Institution, Gregory Treverton, dass obwohl der letzte und sechste Band der Reihe \u201e<em>aussehen (mag) wie ein Bericht, doch zuallererst eine Einladung (ist) zu diskutieren, welche Entwicklung die Zukunft nehmen k\u00f6nnte. Was wir ganz sicher nicht wollen, ist suggerieren, dass wir die definitive Antwort haben.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><em><strong>[1]<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p>Es ist unbestreitbar, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann und es vermessen w\u00e4re, sich auf ein bestimmtes Szenario zu fokussieren, welches dann mit hundertprozentiger Sicherheit nicht eintreten wird, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Um dennoch der Wahrheit m\u00f6glichst nahe zu kommen \u2013 obgleich sich der Weg dorthin asymptotisch verh\u00e4lt \u2013 bedarf es, die Lage genau zu beurteilen und daraus verschiedene m\u00f6gliche bzw. sehr wahrscheinliche Szenarien abzuleiten. Denn \u201e<em>langfristiges Denken ist unabdingbar, wenn man eine Strategie formulieren will<\/em>\u201c und zugleich \u201e<em>zwingt (sie) uns, grundlegende Annahmen, Erwartungen und Unsicherheiten hinsichtlich der Zukunft zu hinterfragen<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Wir sprechen daher sehr h\u00e4ufig von M\u00f6glichkeitsfeldanalysen. Einen langfristigen Blick einzunehmen fehlt den meisten Politikern, die insbesondere in demokratischen L\u00e4ndern, gelernt haben, in Legislaturperioden zu denken. Aber auch innerhalb der Rechten fehlt der weitreichende Blick und eine Art \u00fcberzeitliches Denken. Die Menschen leben sehr kurzfristig und denken in Momenten. Das ist neuropsychologisch nicht verwunderlich, sollte jedoch zumindest bei den K\u00f6pfen der politischen Gruppen und Organisationen anders sein. Deshalb befassen wir uns auch hier mit dem Jahr 2035 und m\u00fcssen, um auf der Asymptote m\u00f6glichst nah genug an die Wahrheit heranzureichen, in Etappen und Phasen denken.<\/p>\n<p>Es soll nun Aufgabe dieser Abhandlung sein, die globalen Trends und die M\u00f6glichkeiten aufzuzeigen, welche in naher Zukunft laut den Analysen des NIC auf uns warten. Der Leser darf diese Abhandlung daher gerne als eine Art vorbereitendes Papier f\u00fcr die im November anstehende Diskussion verstehen. F\u00fcr all jene, die dem MetaPol-Seminar nicht beiwohnen werden, sei es ein Anreiz, sich n\u00e4her mit den geopolitischen Verschiebungen und den globalen Trends zu befassen.<\/p>\n<h2>Das Paradoxon der Zukunft: Oder die Gegenwart der dynamischen Ver\u00e4nderungen<\/h2>\n<p>Obgleich die rasante technologische und damit auch gesellschaftliche sowie \u00f6konomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> dazu f\u00fchrte, dass Millionen von zuvor in Armut lebenden Menschen aus der Dritten Welt heute teilweise am Wohlstand partizipieren k\u00f6nnen und auch in westlichen Gesellschaften das Arbeiten dadurch erleichtert sowie die Voraussetzungen f\u00fcr ein besseren Leben \u2013 hier im \u00f6konomischen Sinne gemeint \u2013 geschaffen wurden, beinhaltet dieser Fortschritt auch kurzfristige Risiken, die sich entweder langfristig als Chance oder aber als totales Ausfallkriterium erweisen werden. Die Digitalisierung und Automatisierung bahnen sich ihren Weg, und das unaufhaltsam. Nicht, dass nur die Antriebstechnik f\u00fcr PKWs, LKWs, Landmaschinen usw. revolutioniert werden; die Art und Steuerung des Fahrens werden auch einer gewaltigen Umw\u00e4lzung unterzogen. W\u00e4hrend das Kauf- und Konsumverhalten sich l\u00e4ngst zunehmend durch digitale Zahlungstransaktionen und Online-Handel verschoben hat, ziehen nun die Maschinenbauer nach. In M\u00fcnchen skizziert Matthias Meiner, Gr\u00fcnder des Start-ups <a href=\"\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/auto\/Lilium-Aviation-baut-elektrisches-Lufttaxi-article20017673.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lilium Aviation<\/a>, eine Zukunft der Mobilit\u00e4t in der Luft. Die Rede ist hier von fliegenden Taxis, die vielleicht auch in mittelweiter Zukunft autonom gesteuert werden k\u00f6nnen. Die ganze europ\u00e4ische Automobilindustrie sieht sich gerade massiven Ver\u00e4nderungen ausgesetzt und droht hier von seinen chinesischen Konkurrenten abgeh\u00e4ngt zu werden. Die Kommunikation hat sich derartig drastisch ver\u00e4ndert, dass Revolten wie der Arabische Fr\u00fchling \u00fcber das Internet mobilisiert wurden. Eine E-Mail schreiben ist mittlerweile schon altbacken. Es wird \u00fcber Messenger in Echtzeit kommuniziert, wobei auch Sprachnachrichten und sogar das Telefonieren \u00fcber diese Technologie abgewickelt wird.<\/p>\n<p>Doch diese Entwicklung besitzt auch viele Schattenseiten. Mit abnehmender Bedeutung des Bargeldes werden Kryptow\u00e4hrungen wie Bitcoin oder Libra zu signifikanten Alternativen, die letztlich auch eine totale Abh\u00e4ngigkeit von den Emittenten des neuen digitalen Geldes bedeuten k\u00f6nnen. Des Weiteren werden durch die Automatisierung der Industrie sowie anderer Bereiche die sogenannten Bullshit-Jobs wegrationalisiert, was eine Freisetzung von Humankapital bedeutet. Das wiederum b\u00fcrgt soziale Kosten in sich. In der Zukunft k\u00f6nnte es daher passieren, dass immer weniger Produktivkr\u00e4fte f\u00fcr immer mehr Konsumenten und Sozialgeldbezieher arbeiten. Eine gewaltige Divergenz, die droht, zu einer sozialen Spaltung zu f\u00fchren. Hinzu kommt der Effekt, den Karl Marx als \u201eGesetz des tendenziellen Falls der Profitrate\u201c bei zunehmender Akkumulation von konstantem Kapital entdeckt hat.<\/p>\n<p>Eine solche Entwicklung stellt vor allem die westlichen Gesellschaften vor gro\u00dfe Herausforderungen. Drohende Arbeitslosigkeit, ein volatiles Finanz- und Wirtschaftssystem und die Anf\u00e4lligkeit von digitalen Technologien auf Cyberangriffe (Cyber-Terrorismus) sind m\u00f6gliche Folgen der bereits laufenden Digitalisierung.<\/p>\n<h2>Die innen- und au\u00dfenpolitischen Spannungen erh\u00f6hen sich<\/h2>\n<p>Das bereits seit der Finanzkrise von 2008 anhaltend schwache globale Wirtschaftswachstum, die zunehmenden Schulden sowie die gezogenen Fiskalgrenzen auf dem europ\u00e4ischen Kontinent setzen die Staaten unter Druck. Der US-Pr\u00e4sident, der sich in einem Handelskrieg mit China befindet, muss selber immer wieder dann einlenken, wenn die B\u00f6rse droht, gef\u00e4hrliche Schwellenwerte zu unterschreiten. So verk\u00fcndet Donald Trump immer genau dann euphemistische Mitteilungen zu China, wenn eine derartige Unterschreitung droht bevorzustehen. Gleichzeitig ist eine Tendenz zu einer mehr multipolaren Weltordnung zu verzeichnen, in der die USA nicht mehr der gro\u00dfe Leviathan sind, der alles beherrscht. In Eurasien verliert die USA zunehmend ihren Einfluss. Die von Thomas P. M. Barnett gezeichnete Karte mit einem immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Core<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> und einer immer kleiner werdenden Anzahl von Gap-Countries<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> entpuppt sich heute als Trugschluss. Die Realit\u00e4t zeichnet eine Trendwende, in der die USA an Einfluss verlieren. Betrachtet man die Geopolitik unter Donald Trump, so wird der Eindruck erweckt, dass diese Karte auch gar nicht mehr Grundlage der amerikanischen geostrategischen Ausrichtung ist. Eine vollkommene Abkehr von der Truman-Doctrin?<\/p>\n<p>Russland und China entwickeln sich immer mehr zu gro\u00dfen Machtzentren, die sich nicht mehr von dem Gro\u00dfen Bruder im weiten Westen bevormunden lassen wollen. Gleichzeit sind auch diese Staaten zunehmend gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen ausgesetzt, die die Stabilit\u00e4t gef\u00e4hrden. Die Kooperation zwischen diesen beiden urspr\u00fcnglichen Konkurrenten sowie die Kollaboration mit anderen Regionalm\u00e4chten auf dem eurasischen Kontinent, sorgt f\u00fcr einen sich anbahnenden Ausgleich der Machtzentren. Doch diese Multipolarit\u00e4t steht auch vor vielen Herausforderungen, die die regionalen M\u00e4chte und nach Gro\u00dfmacht strebenden Staaten genauso gut in einen Zustand der Volatilit\u00e4t bef\u00f6rdern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Europa scheint technologisch den Anschluss zu verlieren. Deutschland, das momentan eine beispiellose Demontage der eigenen Industrie vornimmt, droht seine Vormachtstellung im Bereich der Automobilherstellung \u2013 insbesondere in der Verbrennungsmotortechnologie sowie den Limousinen \u2013 an die Chinesen zu verlieren.<\/p>\n<h2>Die globalen Trends bis 2035 im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Der NIC hat 7 globale Trends bis 2035 ausgemacht. Die Autoren ziehen daraus das Fazit, dass diese sieben Trends in einer <em>\u201enie da gewesenen Geschwindigkeit ineinandergreifen und dadurch das Regieren und Kooperieren erschweren und das Wesen von Macht ver\u00e4ndern\u201c<\/em> werden. So konstatieren die Analysten dieses Zukunftsberichts, dass die sich ver\u00e4ndernde Wirtschaft, Technologien und Sicherheitslage dazu f\u00fchren wird, dass es \u201e<em>immer mehr Staaten, Organisationen und Individuen<\/em>\u201c geben wird, deren Handeln zu \u201e<em>weitreichenden Folgen<\/em>\u201c f\u00fchren kann.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Grundlegend zeichnet sich eine Welt ab, in der die traditionell-materiellen Formen von Macht eine abnehmende Rolle spielen. Privatpersonen k\u00f6nnen in dieser Zukunft mehr Macht entfalten. Die ganze Kommunikation wird digitaler und damit f\u00fcr die Staaten weniger kontrollierbar. Insbesondere aber diese These sollte hinterfragt werden. Die Entwicklung hinsichtlich neuer technologischer M\u00f6glichkeiten, kann letztlich auch zu einer Verwirklichung orwell\u2019scher Verh\u00e4ltnisse f\u00fchren.<\/p>\n<p>Hier nun die sieben globalen Trends im \u00dcberblick:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die Reichen werden \u00e4lter, die Armen nicht.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In den reichen L\u00e4ndern, zu denen zunehmend auch Russland und China geh\u00f6ren, schrumpft die arbeitsf\u00e4hige Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrend sie insbesondere in Afrika und S\u00fcdasien w\u00e4chst. Als Folge ver\u00e4ndern sich die Wirtschafts- und Sozialsysteme beider Arten von L\u00e4ndern. Der dadurch stetig steigende Druck auf die Gesellschaften, f\u00fchrt zu Migrationsbewegungen von den armen in die reichen L\u00e4nder. Ein Trend, den wir bereits jetzt beobachten k\u00f6nnen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Die Weltwirtschaft verschiebt sich.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das heutige schwache Wirtschaftswachstum wird wom\u00f6glich anhalten. In den gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern mehren sich die Staatsschulden, w\u00e4hrend die Konjunktur einbricht. Bei einer schrumpfenden Erwerbsbev\u00f6lkerung und sinkender Produktivit\u00e4t entsteht ein enormer Druck auf die Gesellschaften. Das wiederum f\u00fchrt zu Zweifeln in der Bev\u00f6lkerung an der Globalisierung. Das einstige Exportland China setzt verst\u00e4rkt auf Binnenwirtschaft durch Konsum und Infrastrukturausbau<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Technologie beschleunigt den Fortschritt, doch f\u00fchrt auch zu Br\u00fcchen.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie bereits oben betrachtet, f\u00fchrt die zunehmende Digitalisierung zwar zu gewaltigen Chancen, doch bewirkt der Wandel von Technik auch die Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer. Die Fortschritte werden ganze Branchen und Industriezweige ver\u00e4ndern, gar revolutionieren. Besonders im medizintechnischen und biotechnologischen Bereich sind einige gravierende Ver\u00e4nderungen zu erwarten.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Ideen und Identit\u00e4ten bef\u00f6rdern eine Welle der Ausgrenzung.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die globale Vernetzung wird im Zuge der zur\u00fcckgehenden Wachstumskennzahlen zu inner- und zwischenstaatlichen sozialen Spannungen f\u00fchren. Das wiederum wird eine widerst\u00e4ndige Haltung gegen die Globalisierung hervorrufen und populistische Kr\u00e4fte sowohl von rechts wie auch von links verst\u00e4rken. Die liberale Gesellschaft droht, dazwischen aufgerieben zu werden. Auch der Einfluss von Religion wird wieder an Bedeutung gewinnen, w\u00e4hrend sich in anderen L\u00e4ndern eine Renaissance bzw. Erstarkung des Nationalismus ergeben kann. Durch die \u00f6konomische Verbesserung der Lebensbedingungen werden Frauen zunehmend eine wichtige Rolle in F\u00fchrungspositionen spielen, was in einigen Regionen auch Gegenbewegungen ausl\u00f6sen wird.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Das Regieren wird schwieriger.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Durch die Zunahme von Problemen und der anwachsenden Diskrepanz zwischen den Wohlstands- sowie Sicherheitsbed\u00fcrfnissen der B\u00fcrger auf der einen Seite und den Kompetenzen der Regierungen, diese zu befriedigen auf der anderen, wird der Handlungsspielraum f\u00fcr einige Staaten tendenziell kleiner. Die neuen Technologien erm\u00f6glichen es widerst\u00e4ndigen Akteuren, eine gr\u00f6\u00dfere Reichweite zu entfalten und damit auf die Regierungen restriktiv zu wirken. Die Anzahl der mitbestimmenden Akteure wird wachsen. NGOs, Konzerne und einflussreiche Einzelpersonen werden ihre Macht entfalten und am Verhandlungstisch Platz nehmen. Daraus resultieren nicht selten spontane Koalitionen und immer weniger umfassende Initiativen.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong>Die Natur von Konflikten ver\u00e4ndert sich<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Konfliktrisiko wird stetig ansteigen, w\u00e4hrend die Interessen der Gro\u00dfm\u00e4chte immer weiter auseinandergehen. Die Gefahr durch Terrorismus sowie in Teilen dauerhafte Instabilit\u00e4t in den schw\u00e4cheren Staaten, aber auch t\u00f6dliche Technologien befeuern dieses Potenzial zus\u00e4tzlich. Die gesellschaftliche Ordnung wird sich h\u00e4ufiger durch Cyberangriffe und Pr\u00e4zisionswaffen, Angriffen auf Infrastruktur aus weiter Fernen zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt sehen.<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><strong>Klimawandel, die Umwelt und Gesundheitsthemen werden Aufmerksamkeit erfordern.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>W\u00e4hrend das Kooperieren immer schwieriger wird, entstehen langfristig immer mehr Gefahren durch extreme Wetterbedingungen, Wasserverunreinigung sowie der Belastung von Boden. Deshalb wird es in einigen schwachen Regionen zu Ern\u00e4hrungsengp\u00e4ssen kommen, was wiederum zu einer massiven Spaltung der Gesellschaften f\u00fchrt. Die \u00dcbers\u00e4uerung der Meere, der steigende Meeresspiegel, das Schmelzen der Polarkappen sowie die Verschmutzung der Umwelt werden die Art zu Leben ver\u00e4ndern. Durch die zunehmende Mobilit\u00e4t, bei schlechter Gesundheitsinfrastruktur, wird die Ausbreitung von Infektionskrankheiten schwer beherrschbar gemacht.<\/p>\n<h2>Keine Angst vor der Zukunft haben!<\/h2>\n<p>Es ist verst\u00e4ndlich, dass so mancher Zeitgenosse angesichts der o. g. Trends beunruhigend auf die Zukunft schaut. Dennoch m\u00fcssen diese vom NIC prognostizierten Entwicklungen nicht zwangsl\u00e4ufig so eintreten. Insbesondere sei hierbei gesagt, dass diese unterschiedlichen Tendenzen auch je nach Region unterschiedliche Auspr\u00e4gungen haben werden. Des Weiteren ist die Zukunft l\u00e4ngst nicht geschrieben. Alles ist m\u00f6glich. Doch ist es auch f\u00fcr eine rechte Bewegung essentiell, sich mit derartigen Zukunftsszenarien auseinanderzusetzen. Denn all diese vorher genannten Trends bieten, trotz des pessimistisch stimmenden Klanges, Chancen \u2013 und dass auch explizit f\u00fcr insurgierende Gruppen. Die derzeitige Lage sowie diese zugegebenerma\u00dfen missmutig stimmende, jedoch auch realistische Einsch\u00e4tzung des NIC hinsichtlich der Zukunft, hat diverse Ursachen, wovon eine die abnehmende Kompetenz der herrschenden Klasse beinhaltet. Diese Trends sind u. a. hausgemacht und nicht die Folge einer Eschatologie \u00e0 la Francis Fukuyama, der das Ende der Geschichte vorausgesehen haben will. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Doch um sie schreiben zu k\u00f6nnen, bedarf es eines k\u00fchlen Kopfes, sachlicher Analysen und einer gewissen Flexibilit\u00e4t, um auf die aufkommenden Dynamiken reagieren und schlussendlich auch dieselben durch Aktionen beeinflussen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Darum l\u00e4dt MetaPol auch am 23. November 2019 zum Seminar f\u00fcr rechte Metapolitik ein, um \u00fcber die Chancen der Rechten zu sprechen.<\/p>\n<h2>Literaturhinweise und Quellen<\/h2>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> NIC (2017, S. 7)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Denken wir dabei allein an die Erfindung des Smartphones sowie die Verbreitung bzw. Plebejisierung des Internets, was zu einer totalen Umw\u00e4lzung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse gef\u00fchrt hat. Die Auswirkungen dieser schumpeterschen Revolution ist heute noch gar nicht vollends absehbar. Hier hat sich eine exponentielle Leistungsevolution nach Gordon E. Moore von 1890 an bis heute vollzogen und bahnt sich weiterhin ihren unendlich scheinenden Weg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Das sind alle in das US-amerikanische Demokratiesystem integrierte L\u00e4nder.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Das sind jene L\u00e4nder, die nicht in der Sph\u00e4re der geistigen bzw. ideologischen Hegemonie Amerikas stehen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd., S. 23-24<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Denken wir hierbei an die \u201eNeue Seidenstra\u00dfe\u201c, der sog. \u201eOne Road\u201c. Der chinesische Staatschef Xi Jinping verfolgt seit 2013 die Umsetzung eines gigantischen Infrastrukturprojekts, welches die \u00f6konomische Herrschaft \u00fcber den eurasischen Kontinent bedeuten k\u00f6nnte. Die Chinesen stehen jedoch auch vor massiven gesellschaftlichen und finanzpolitischen Herausforderungen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Ank\u00fcndigung des n\u00e4chsten MetaPol-Seminars am 23. November 2019 ist bei uns vermehrt die Frage danach eingegangen, warum wir ausgerechnet das Jahr 2035 f\u00fcr unsere geopolitischen Betrachtungen ausgew\u00e4hlt haben. 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