{"id":1629,"date":"2019-03-24T18:02:55","date_gmt":"2019-03-24T17:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=1629"},"modified":"2020-02-04T13:30:23","modified_gmt":"2020-02-04T12:30:23","slug":"die-lehren-aus-christchurch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-lehren-aus-christchurch\/","title":{"rendered":"Die Lehren aus Christchurch"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Es war eine Trag\u00f6die: In Christchurch, Neuseeland, erschie\u00dft ein junger Australier vorige Woche f\u00fcnfzig Menschen in einer Moschee, filmt die Tat und \u00fcbertr\u00e4gt sie live im Internet. Das Blutbad rechtfertigt er in einem zuvor ins Netz gestellten 74-seitigen Manifest. Hagen Grell und Martin Sellner heben in ihren Kommentaren zu den Geschehnissen in Neuseeland insbesondere hervor, wie sehr der T\u00e4ter dem rechten Lager geschadet habe und wie ungeniert Linke das Ereignis f\u00fcr ihre Zwecke instrumentalisierten, wie unfl\u00e4tig identit\u00e4re Aktivisten und patriotische YouTuber nun in die N\u00e4he dieses kranken M\u00f6rders ger\u00fcckt bzw. sogar als geistige Brandstifter urs\u00e4chlich f\u00fcr die Tat verantwortlich gemacht w\u00fcrden. Ich m\u00f6chte heute hingegen danach fragen, was einen 28-j\u00e4hrigen Fitnesstrainer, der als freundlich und hilfsbereit beschrieben wird, dazu bringen konnte, eine so wahnsinnige Tat auszuf\u00fchren. Die Psyche, das Seelenleben des Terroristen ist es also vornehmlich, das mich interessiert. Ich werde hierzu auf das Manifest des T\u00e4ters zur\u00fcckgreifen und versuchen, mich in ihn hineinzuversetzen. Das alleine wird schon gen\u00fcgen, mir den Vorwurf einzubringen, ich hegte Sympathien f\u00fcr den Todessch\u00fctzen oder sei wom\u00f6glich selbst ein potentieller Terrorist. Deshalb sage ich es jetzt noch einmal zum Mitschreiben: Ich verurteile die Tat aufs Sch\u00e4rfste und w\u00fcrde selbst nie eine solche Tat begehen, aber es ist nach keinem Gesetz der Welt strafbar, Mutma\u00dfungen \u00fcber die Motive eines Terroristen anzustellen. Es verst\u00f6\u00dft nicht einmal gegen den guten Geschmack.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Ich gehe dabei nat\u00fcrlich von der Pr\u00e4misse aus, dass es sich nicht um eine False-Flag-Attacke oder eine Inszenierung mit Schauspielern gehandelt hat, wie es aus verschw\u00f6rungsaffinen Zirkeln l\u00e4ngst wieder zu vernehmen war. Dieses ganze <em>cui bono?-<\/em>Geschw\u00e4tz nach jedem Terroranschlag geht mir gewaltig auf den Wecker. Eine andere Strategie, sich nicht eingehender mit dem Anschlag und dem Weltbild des Sch\u00fctzen auseinandersetzen zu m\u00fcssen, hat Hagen Grell gew\u00e4hlt. Und das ist sein gutes Recht. Er postuliert, dieser Akt der Barbarei sei am anderen Ende der Welt passiert und gehe uns Rechte in Europa nichts an \u2013 zumal es undeutsch sei, auf Unbewaffnete zu schie\u00dfen. Nun, ich denke nicht, dass es eine Weltgegend gibt, in der es als besonders vornehm angesehen wird, auf Unbewaffnete zu schie\u00dfen. Jedenfalls nicht mehr, seit das Territorium des Islamischen Staates auf ein paar Quadratmillimeter Landkarte zusammengeschrumpft ist. Ich kann mir weiters den Luxus nicht leisten, zu ignorieren, was am anderen Ende der Welt passiert, wenn mein erweiterter Familienkreis davon betroffen ist. Zu diesem Kreis z\u00e4hle ich all jene Menschen, die so aussehen wie ich, deren Vorfahren also in den letzten Jahrzehntausenden dieselbe Evolutionsgeschichte durchlaufen haben. Mein kleinster Bruder lebt in Tansania, meine Schwester in S\u00fcdafrika, meine Gro\u00dfeltern, Cousins und Cousinen in den USA. Wenn morgen Neuseeland von China angegriffen w\u00fcrde, k\u00e4me ich wahrscheinlich nicht umhin, mich sofort als Freiwilliger f\u00fcr die Verteidigung der Inseln zu melden, obwohl ich noch nie einen Fu\u00df auf neuseel\u00e4ndischen Boden gesetzt habe. Es k\u00e4me mir wie die Erf\u00fcllung einer selbstverst\u00e4ndlichen Pflicht vor, einem <em>kin country<\/em>, so nannte es Samuel Huntington in seinem <em>Kampf der Kulturen<\/em>, bei der Abwehr eines fremden Aggressors beizustehen. F\u00fcr mich macht es also keinen Unterschied, ob bei einem Anschlag in M\u00fcnchen oder Auckland f\u00fcnfzig meiner Leute sterben, ich bin in beiden F\u00e4llen emotional gleich betroffen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nun war es aber in Christchurch ausnahmsweise einmal umgekehrt. Es sind dieses Mal nicht Europ\u00e4er von muslimischen Nichteurop\u00e4ern ermordet worden, sondern farbige Muslime von einem Wei\u00dfen. Selbstverst\u00e4ndlich sehe ich die Tat als furchtbar und grausam an, weil unschuldige Menschen get\u00f6tet wurden, die Familienangeh\u00f6rige hatten, welche ihnen nahe standen. Aber ich stand ihnen nicht nahe. Ich kannte sie nicht und sie geh\u00f6rten nicht zu meinem erweiterten Familienkreis. Darum kann ich die Tat nur rational verurteilen, emotional hingegen l\u00e4sst sie mich vergleichsweise kalt. Ich kann mich in die Trauernden hineinversetzen, aber mich nicht mit ihnen identifizieren.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dass mein Empfinden v\u00f6llig nat\u00fcrlich ist, haben Experimente im Rahmen der Psychologie immer und immer wieder best\u00e4tigt. Es w\u00e4re nun aber v\u00f6llig widersinnig, wollte man den Menschen als Produkt der Evolution f\u00fcr die Beschaffenheit seiner Natur tadeln.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Aber wir schweifen ab. Gehen wir also gleich <em>in medias res <\/em>und werfen wir einen Blick in Brenton Tarrants Manifest. Es beginnt mit folgenden S\u00e4tzen: \u201eEs sind die Geburtenraten. Es sind die Geburtenraten. Es sind die Geburtenraten. Wenn es eine Sache gibt, von der ich m\u00f6chte, dass sie euch aus diesen Schriften in Erinnerung bleiben m\u00f6ge, dann ist es die Tatsache, dass die Geburtenraten steigen m\u00fcssen. Selbst wenn wir alle Nichteurop\u00e4er morgen aus unseren L\u00e4ndern abschieben w\u00fcrden, bef\u00e4nden sich die Europ\u00e4er immer noch in der Niedergangs- und letztlich in der Todesspirale.\u201c<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Er ist weiters davon \u00fcberzeugt, dass es sich bei der sogenannten <em>Replacement Migration <\/em>um einen Genozid an den Wei\u00dfen handelt und wollte mit seiner Tat Rache an den islamischen Invasoren der Gegenwart und Vergangenheit \u00fcben. Insbesondere der Anschlag vom 7. April 2017 in Stockholm, bei dem das kleine M\u00e4dchen Ebba Akerlund get\u00f6tet wurde, scheint ihn derart emotional ber\u00fchrt zu haben, dass er glaubte, den h\u00e4ufigen Anschl\u00e4gen nicht mehr allein mit Zynismus begegnen zu d\u00fcrfen. Endg\u00fcltig umgelegt hat es den Schalter bei Tarrant aber erst w\u00e4hrend einer Reise durch das multikulturelle Frankreich. Ganz egal, wohin er mit seinem Leihwagen gefahren sei, die \u201eInvasoren\u201c seien schon dort gewesen. Er habe beim Anblick der kinderreichen Migrantenfamilien und den wenigen autochthonen Franzosen Wut und schiere Verzweiflung gef\u00fchlt. Als er an einem Soldatenfriedhof rechts rangefahren sei und seinen Blick \u00fcber die unz\u00e4hligen wei\u00dfen Kreuze habe schweifen lassen, sei er in Tr\u00e4nen ausgebrochen. Er habe sich gefragt: \u201eWeshalb lassen wir es zu, dass die Invasoren uns bezwingen? Uns \u00fcberw\u00e4ltigen? Ohne dass auch nur ein einziger Schuss zur\u00fcckgefeuert wird? WESHALB UNTERNIMMT NIEMAND ETWAS? Vor diesen endlosen wei\u00dfen Kreuzen, vor diesen toten Soldaten, die ihr Leben in vergessenen Kriegen verloren hatten, verwandelte sich meine Verzweiflung in Scham, meine Scham in Schuld, meine Schuld in Wut und meine Wut in Rage. WESHALB UNTERNIMMT NIEMAND ETWAS? WESHALB UNTERNIMMT NIEMAND ETWAS? WESHALB UNTERNEHME ICH NICHTS? Der Bann war gebrochen. Weshalb unternehme ich nichts? Weshalb nicht ich? Wenn nicht ich, wer dann? Weshalb die anderen, wenn ich es tun k\u00f6nnte? Es war dort, dass ich entschied, etwas zu unternehmen.\u201c So weit Brenton Tarrant.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Er hatte vor Ausf\u00fchrung des Massakers eine genaue Vorstellung davon, was seine Tat bezwecken sollte. Die Art des Anschlags mit einem Sturmgewehr w\u00e4hlte er, weil er hoffte, dass in der Folge die Waffengesetze in den USA versch\u00e4rft w\u00fcrden, was zu einer noch st\u00e4rkeren Polarisierung der Gesellschaft f\u00fchren m\u00fcsse. Eine Abschaffung des zweiten Zusatzartikels zur amerikanischen Verfassung k\u00f6nnte, so Tarrant in seinem Manifest, zu einer Spaltung der Vereinigten Staaten entlang rassischer Bruchlinien f\u00fchren. Polizisten plante er bei der Tat nicht zu verletzen und nahm sich vor ihnen im Falle eines Feuergefechts auf die Beine etc. zu zielen. Den Tod kalkulierte er bewusst ein, hoffte jedoch, die Tat zu \u00fcberleben, um auf diese Weise sicherzustellen, dass die Berichterstattung \u00fcber die Bluttat und den Prozess nicht abrei\u00dfen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Bemerkenswerterweise schreibt der Todessch\u00fctze in seinem Manifest, dass er Muslime, die in muslimischen L\u00e4ndern lebten, nicht hasse. Das gelte auch von anderen Kulturen. Er habe viele Jahre damit verbracht, zu reisen und dabei sehr viele L\u00e4nder gesehen. Fast \u00fcberall habe man ihn exzellent behandelt und als Gast oder sogar als Freund willkommen gehei\u00dfen. Er w\u00fcnsche den verschiedenen V\u00f6lkern nur das Beste, unabh\u00e4ngig davon, welcher Rasse, Kultur oder welchen Glaubens sie seien. Wenn allerdings dieselben Leute sich dazu entscheiden sollten, in europ\u00e4ische L\u00e4nder auszuwandern und am Austausch der Bev\u00f6lkerungen dieser L\u00e4nder mitzuwirken, dann sehe er sich dazu gezwungen, sie r\u00fccksichtslos zu bek\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">\u00dcber die Gefahr, die von unbewaffneten Invasoren ausgehe, schreibt er, und man f\u00fchlt sich sogleich an Jean Raspails <em>Heerlager der Heiligen <\/em>erinnert: \u201eDer unbewaffnete Eindringling ist bei Weitem gef\u00e4hrlicher f\u00fcr unsere Leute als der bewaffnete Eindringling. Wir k\u00f6nnen den bewaffneten Aggressor bek\u00e4mpfen, wir wissen auf welche Weise. Wir haben die F\u00e4higkeit, wir haben die Soldaten und wir haben die Waffen, um dies zu tun. Aber wir haben keine Ahnung, wie wir mit unbewaffneten Invasoren fertig werden sollen; wir sind unf\u00e4hig, sie zu attackieren oder sie in irgendeiner sinnvollen Weise abzuwehren.\u201c<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">So viel zur Gedankenwelt des Attent\u00e4ters von Christchurch. Teilweise richtige Beobachtungen und teilweise falsche Schlussfolgerungen haben ihn dazu getrieben, dieses grauenhafte Massaker anzurichten. Es ist eine Tat, geboren aus der absoluten Verzweiflung. Die einzige Hoffnung, an die sich der junge Australier klammerte, bestand bzw. besteht darin, dass sein Attentat eine Dynamik ausl\u00f6sen wird, die zu einer Revitalisierung der westlichen Zivilisation f\u00fchren, die Wei\u00dfen aus dem D\u00e4mmerschlaf rei\u00dfen und Europa vor dem ansonsten sicheren Untergang bewahren wird. Dieser tr\u00fcgerischen Hoffnung sind f\u00fcnfzig unschuldige Muslime zum Opfer gefallen. Das hat durchaus etwas zutiefst Tragisches!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Es gibt jedoch Abermillionen Wei\u00dfe und Schwarze, Latinos und Asiaten, die auf ihre Gruppe bezogen \u00e4hnlich f\u00fchlen wie Brenton Tarrant. Au\u00dferdem gibt es Abermillionen junger Muslime, die bereit sind, f\u00fcr ihren Glauben zu sterben. Erst gestern sa\u00df mir einer von diesen mutma\u00dflichen Radikalen in der Mannheimer Stra\u00dfenbahnlinie 1 gegen\u00fcber, der sich auf seinem Smartphone ein aufpeitschendes Video ansah \u2013 bezeichnenderweise auf Englisch, sodass ich jedes Wort verstehen konnte. Man muss wahrlich kein Nostradamus sein, um vorhersehen zu k\u00f6nnen, dass Tarrant nicht der letzte Wei\u00dfe gewesen sein wird, der angesichts einer so gewaltig gef\u00fchlten Ohnmacht und Verzweiflung den Rubikon \u00fcberschreitet und eine furchtbare Tat begeht, im Wahn, er tue das Richtige. Dass nicht jeder Rechte oder Moslem ein potentieller Terrorist ist, braucht eigentlich nicht erw\u00e4hnt zu werden. Das versteht sich von selbst.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Aber wer das Manifest des T\u00e4ters von Christchurch liest, dem wird vor allem Eines ganz klar: Der junge Mann hatte eine Motivation f\u00fcr sein Handeln, die von Abermillionen Menschen geteilt wird: den Wunsch nach der Bewahrung des Eigenen. Hinzu trat bei ihm die Einsicht, dass das Ruder mit Wahlen nicht mehr herumgerissen werden k\u00f6nne. Auch ich war in Frankreich schon den Tr\u00e4nen nahe, als ich nach einem Wochenende der Gelbwestenproteste mit meinen franz\u00f6sischen Br\u00fcdern und Schwestern in Paris vor der Abreise noch einmal alleine den Louvre besuchte. Ich war von der Sch\u00f6nheit der europ\u00e4ischen Kunst und Architektur noch mehr \u00fcberw\u00e4ltigt als Jahre zuvor in Washington, London, Rom und Athen und ich musste gleichzeitig daran denken, dass dieser Kontinuit\u00e4t bald ein Ende bereitet werden k\u00f6nnte. Aber es gibt einen Weg, auf dem wir unsere ethnokulturelle Identit\u00e4t als Europ\u00e4er retten k\u00f6nnen, ohne dabei auch nur den Tod eines einzigen Menschen in Kauf nehmen zu m\u00fcssen: Indem wir Siedlungsprojekte ins Leben rufen! Wie viele Attentate m\u00f6gen in Zukunft verhindert werden, wenn den Millionen junger Menschen in ihrer Verzweiflung bewusst wird, dass es einen Ort auf der Welt gibt, an dem die wei\u00dfe Rasse nicht verschwinden, sondern eine neue Bl\u00fcte erleben wird! Mag das christliche Abendland untergehen, Nova Europa wird erst noch geboren!<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine Trag\u00f6die: In Christchurch, Neuseeland, erschie\u00dft ein junger Australier vorige Woche f\u00fcnfzig Menschen in einer Moschee, filmt die Tat und \u00fcbertr\u00e4gt sie live im Internet. Das Blutbad rechtfertigt er in einem zuvor ins Netz gestellten 74-seitigen Manifest. 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