{"id":1387,"date":"2018-11-16T19:48:17","date_gmt":"2018-11-16T18:48:17","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=1387"},"modified":"2020-02-04T12:40:42","modified_gmt":"2020-02-04T11:40:42","slug":"die-benedikt-option-oder-ib-auf-neuen-wegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-benedikt-option-oder-ib-auf-neuen-wegen\/","title":{"rendered":"Die \u201eBenedikt-Option\u201c oder IB auf \u201eNeuen Wegen\u201c?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Vor einiger Zeit wurde in dem von G\u00f6tz Kubitschek betriebenen Netztagebuch der Sezession ein <a href=\"https:\/\/sezession.de\/59527\/wir-koennen-der-welt-nichts-geben-wenn-wir-nichts-haben\">Artikel von Martin Sellner<\/a> unter dem Titel \u201eWir k\u00f6nnen der Welt nichts geben, wenn wir nichts haben\u201c\u00a0 ver\u00f6ffentlicht. Darin legt Sellner das Buch \u201eDie Benedikt-Option\u201c des amerikanischen Kolumnisten Rod Dreher als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen vor. Dem Autoren dieser Zeilen waren sowohl das Buch, als auch der Autor des Buches bis dato nicht bekannt. Sellner sei daher hier bereits f\u00fcr diese Information gedankt, scheint sich das Buch doch perfekt in die Reihe der Isolationsstrategen einzugliedern, die dieser k\u00fcrzlich in einem vorausgehenden Artikel betrachtet hat. Zum Einstieg gibt Sellner zun\u00e4chst einige Ansichten Drehers\u2018 wieder. Da der Autor das Buch selbst noch nicht gelesen hat, wird im Weiteren zun\u00e4chst auf die Zusammenfassung Sellners zur\u00fcckgegriffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dreher kommt in seinem Buch dabei insgesamt zu einem ern\u00fcchternden Ergebnis. Seiner Auffassung nach ist die westliche Zivilisation verloren, was gleichbedeutend mit ihrem Niedergang ist. Diese Zivilisation assoziiert er unweigerlich mit dem Christentum, welches seiner Meinung nach in der gleichen, im Niedergang begriffenen Verfassung ist. Diese pessimistische Sichtweise begr\u00fcndet er mit der um sich greifenden \u201ematerialistischen Konsumkultur\u201c, die alle gesellschaftlichen Teile vollends erfasst habe. An die Stelle der Tradition sei keine neue, stabilisierende Idee getreten. Vielmehr kennzeichne sich die Gesellschaft durch ihre grunds\u00e4tzliche Skepsis gegen\u00fcber jeglicher idealistischer Haltung und durch die Verneinung aller Grunds\u00e4tze bzw. Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. Dabei klammert Dreher die \u201eRechte\u201c nicht aus. Was dies aus der Sicht eines Amerikaners bedeutet, kann hier nicht ganz genau erl\u00e4utert werden. Vermutlich sieht er in der \u201eRechten\u201c eher die Anh\u00e4nger der Republikaner sowie die Kreise der Alt-Right. Ebenso wie die \u201eLinke\u201c, welche im Umkehrschluss vermutlich eher aus Demokraten und Sozialisten bestehe, sei auch die Rechte darin gefangen, ausschlie\u00dflich an die materialistischen Triebe der Menschen zu appellieren und sich der Masse anzubiedern. Dass Dreher einen elit\u00e4ren Gedanken hegt, wird hier bereits deutlich. Sein konservatives Weltbild unterstreicht er mit einer sehr treffenden Aussage, welche Sellner in seinem Text ebenfalls zitiert:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\">\u201e<em>Ich habe oft das Gef\u00fchl, da\u00df es meine gr\u00f6\u00dfte Aufgabe als Vater ist, Kinder mit einer Liebe zum Guten, zur Wahrheit und zur Sch\u00f6nheit zu erziehen, die dann aber \u00a0in dieser Gesellschaft wie Fremde sein\u00a0werden.\u201c <\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">\u00dcber diese Einsch\u00e4tzung gelangt Rod Dreher zu seiner Schlussfolgerung, welche in ihrer Konsequenz den Ansichten der Protagonisten aus der auf diesem Blog erschienenen <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/2018\/07\/06\/neue-wege-teil-i\/\">Reihe \u201eNeue Wege\u201c<\/a> entspricht. Wie beispielsweise Steffen Hupka sieht auch Dreher keine echte politische Einflussm\u00f6glichkeit mehr. \u00a0Stattdessen schl\u00e4gt er eine radikale L\u00f6sung vor, welche er als die \u201eBenedikt-Option\u201c bezeichnet. Diese r\u00fchrt aus der Geschichte des M\u00f6nches Benedikt her, der zu seiner Zeit benediktinische R\u00fcckzugsorte, Kloster, gr\u00fcndete, die sp\u00e4ter als geistige Kraftzentren ma\u00dfgeblich f\u00fcr die gesellschaftliche Pr\u00e4gung verantwortlich waren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Eine Schaffung neuer \u201ebenediktinischer R\u00fcckzugsorte\u201c ist es eben auch, was Dreher heute fordert. Diese sollen sich in Siedlungskreisen, Privatschulen und kulturellen Netzwerken auspr\u00e4gen. Damit steht er in einer Linie mit den Forderungen nach einem Wehrdorf wie Steffen Hupka oder dem Leben im Klan wie die Gruppe der \u201eBriganden\u201c. Anstatt im offensiven politischen Kampf zu verharren, sollen sich die Menschen eher ihrer inneren Auspr\u00e4gung zuwenden. Die R\u00fcckzugsr\u00e4ume sollen also in erster Linie der Erhaltung einer bestimmten Geisteshaltung und eines bestimmten Menschentypus dienen. Ob er damit auch eine biologisch-ethnische Typenerhaltung einschlie\u00dft, geht aus Sellners Zusammenfassung nicht hervor. An dieser Stelle w\u00e4re es sehr interessant, das Buch bereits gelesen zu haben, um genauere Aussagen dar\u00fcber treffen zu k\u00f6nnen, welcher Typus, ethno-kulturell betrachtet, Dreher hier vorschwebt. Aufgrund seiner offensichtlichen christlichen Pr\u00e4gung ist dies nicht eindeutig herzuleiten. In jedem Falle wird es sich aber wohl um ein traditionell-gepr\u00e4gtes Bild handeln, in dem Familien gem\u00e4\u00df ihrer Natur zusammenleben und die Verlockungen des Kapitalismus gez\u00fcgelt sein sollen. Seine Zielgruppe scheinen, wie es Sellner ausdr\u00fcckt, \u201egeistige Exilanten\u201c zu sein, die zwar in der (Post-)Moderne leben, jedoch nicht an ihr partizipieren. Sie sollen in ihren R\u00e4umen eine Kultur wiedererwecken und erschaffen, die in der Lage ist, f\u00fcr die Zeit nach dem Zusammenbruch als neuer Lebensstifter zu dienen. Dreher vertritt hier auch den Gedanken des gesamtgesellschaftlichen Kollaps, welcher schlussendlich zu einer Wende f\u00fchren kann. In welcher Form sich dieser Kollaps ereignet, geht ebenfalls nicht aus der Zusammenfassung hervor. In jedem Falle ist Dreher auch hier grunds\u00e4tzlich einer Meinung mit Hupka. Sellner bezieht den Titel f\u00fcr seinen Artikel ebenfalls aus dem Buch Drehers und bezeichnet diesen Satz als einen, der sich \u201eins Ged\u00e4chtnis brennt\u201c:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eWe cannot give the world what we do not have.\u201d<br \/>\n<\/em>Daraufhin erg\u00e4nzt Sellner:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eAus religi\u00f6ser Sicht beklagt er, da\u00df das Einwirken auf die Welt und die Jagd nach politischen Erfolgen, die Anpassung an die Popul\u00e4rkultur, das politische Campaigning und Lobbying, die Instagram-Kan\u00e4le und die YouTube Skits die konservativ-christliche Welt innerlich ausgeh\u00f6hlt haben.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Sellner scheint diese Aussage, um ehrlich zu sein, verbl\u00fcffenderweise, zu teilen. So erg\u00e4nzt er, dass die Benedikt-Option vor allem ein Ansto\u00df zu innerer, geistiger Arbeit sein soll, die einen davor bewahre, am Ende die politische Pragmatik zu einer geistig-ideellen \u201eSelbstkastration\u201c werden zu lassen, die einem zwar viel \u201eReichweite\u201c beschere, jedoch keinerlei nennenswerte Handlungsoptionen mehr biete, um tats\u00e4chlich einen Wandel einzuleiten. \u00a0Er bekennt:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eDie benediktinischen R\u00e4ume, als Kornkammern eines anderen Lebens (\u2026) sind dringend n\u00f6tig.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dies erscheint daher neuartig, da doch gerade Sellner ein Vertreter des \u201eNGO-ismus\u201c ist, der seine Identit\u00e4re Bewegung (IB) eher in das Fahrwasser gesellschaftlicher Gruppen wie \u201eGreenpeace\u201c gesteuert hat. Auch der R\u00fcckgriff auf die medialen Zeiterscheinungen und die Popul\u00e4rkultur geh\u00f6ren zur DNA der IB und zur Person Sellner. Umso bemerkenswerter und interessanter erscheint Sellners Auseinandersetzung mit der Thematik der \u201eExit-Strategie\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Diese teilt er jedoch auch nicht mit Dreher. So entgegnet Sellner nach der Zusammenfassung von Drehers Standpunkten:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201e<\/em><em>Die Hoffnung auf einen Zusammenbruch durch einen Tag X halte ich f\u00fcr einen Ausdruck des strategischen und ideologischen Bankrotts. Sie hat ihren Platz in der Religion als heilsgeschichtlicher Chiliasmus. Aber wenn man politische Ratschl\u00e4ge gibt, ist dieses Denken fehl am Platz.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Ich finde: Man mu\u00df eingreifen und einwirken, subversiv und offensiv, geistig und politisch. Man mu\u00df sich mit dem kontempor\u00e4ren Denken auseinandersetzen, sich in dieses einschreiben, seine F\u00e4den aufdr\u00f6seln, wo es geht, ankn\u00fcpfen und sie, wo es sein mu\u00df, abschneiden. Die \u201eKulturrevolution von Rechts\u201c, also die R\u00fcckeroberung der Ideengeschichte von den linken Universalisten, ist nach wie vor das alternativlose Ziel, um die endg\u00fcltige Verwirklichung ihres Chaospotentials aufzuhalten. Nur in der Auseinandersetzung er\u00f6ffnen sich neue Seinsm\u00f6glichkeiten.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Sellner stimmt mit ein, dass im Rechtspopulismus, aber auch in der IB entsprechende Tendenzen wahrzunehmen sind, die Dreher Recht geben. Der \u201epopulistische Gedanke\u201c f\u00fchre hier auch in Teilen bereits zu einer Inhaltlosigkeit und Materialisierung des Geistes. Diese Inhaltlosigkeit und das Fehlen einer ideengeschichtlichen Antwort auf zeitkritische Themen seien das gro\u00dfe Defizit innerhalb der Rechten. Dieser Mangel treibe die Jugendlichen und jungen Menschen, ergo die Zukunft, nach wie vor eher in die Arme des linken Establishments. Sellner zeichnet damit das gleiche Bild wie im dritten Teil der \u201eNeue Wege\u201c-Reihe, in dem eingehend beschrieben wird, dass Erscheinungen wie PEGIDA oder Parteien wie die AfD zwar merklichen Zuwachs verzeichnen k\u00f6nnen, sich ihr Unterst\u00fctzer- und Sympathisantenkreis jedoch im Altersdurchschnitt weit weg von der Jugend bewegt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die von Sellner angesprochene Inhaltlosigkeit ist wahrhaftig ein ma\u00dfgebliches Defizit der deutschen Rechten. Dem ist eindeutig zuzustimmen. W\u00e4hrend die alten Rechten auf die Fragen der Zeit vielfach mit Antworten aus dem 20. Jahrhundert reagieren, haben die neuen Rechten sich in ihrem Intellektualismus verrannt. Auch sie haben keinerlei Antworten \u00f6konomischer, \u00f6kologischer oder sozial-gesellschaftlicher Natur. Das Rezipieren alter Denker (wie bspw. im vielfach bejubelten Buch \u201eMarx von rechts\u201c geschehen) bietet in der bis dato gebotenen Form keinerlei Ans\u00e4tze f\u00fcr ein zuk\u00fcnftig tragf\u00e4higes Konzept. Vielmehr hat man den militaristisch-nostalgischen Mief der alten Rechten nur gegen eine hochtrabende, verkopfte Rhetorik getauscht. In der IB tritt dies besonders deutlich zu Tage, ermangelt es der jungen Organisation doch g\u00e4nzlich an einem weltanschaulich-geistigen, tragenden Fundament. Wortklauseln wie \u201eEthnopluralismus\u201c und der \u201egro\u00dfe Austausch\u201c stellten hier lange Zeit die einzige regional\u00fcbergreifende Basis dar. In Zeiten, in denen der Aktivismus aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Situation jedoch nicht mehr auf einen entsprechenden Resonanzk\u00f6rper f\u00e4llt, wie noch zu Zeiten der tagesnachrichtlichen \u201eHochphase\u201c der Fl\u00fcchtlingskrise, entscheidet aber eben genau diese innere Konstitution \u00fcber das Fortbestehen einer jungen Bewegung. Die IB befindet sich in diesem Moment in genau jener Situation.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Auch bei der Personalauswahl darf bezweifelt werden, ob die IB in der Vergangenheit den Fokus wirklich auf die charakterliche Eignung ihrer Akteure, ma\u00dfgeblich jedoch ihrer F\u00fchrungskr\u00e4fte und Repr\u00e4sentanten, gelegt hat. Vielfach wurde die Grenze, die Form des Distanzierens, sp\u00fcrbar eher zwischen den Organisationen und weniger zwischen den Charakteren gezogen. Dies mag in bestimmten Teilen und Situation mit Hinblick auf die propagandistische Wirkung durchaus richtig sein, versperrt jedoch auch viele M\u00f6glichkeiten. Insgesamt hatte man eher das Gef\u00fchl, dass mehr Wert auf eine \u2013 wie auch immer geartete \u2013 Hochschulbildung gelegt wurde, anstatt auf weltanschauliche Prinzipien und charakterlich-pers\u00f6nliche Bedenkenlosigkeit (Anmerkung: Diese Zeilen sind nat\u00fcrlich in jedem Falle \u00fcberspitzt geschrieben und sollen beileibe keinen pers\u00f6nlichen Angriff auf einzelne IBler darstellen. In anderer Form w\u00fcrden sie jedoch ihre Wirkung verfehlen.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Sellner entgegnet der von ihm identifizierten geistigen Leere mit dem<em> \u201ePrinzip des inneren Kreises\u201c<\/em>. Dieser stelle im Wesentlichen eine Elite, einen \u201eharten Kern\u201c, der weltanschaulich-charakterlich einwandfrei ist, dar. Diese elit\u00e4ren Zirkel sollen der Ausgangspunkt sein, um den liberalistischen Zeitgeist und seine Doktrin zu \u00fcberwinden. Dazu schreibt er:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eI<\/em><em>n einem kleinen Kreis muss sich diese \u00dcberwindung verfestigen und Raum greifen, damit aus ihr eine Idee, eine Vision und ein Zeichen werden kann.\u201c <\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dass daf\u00fcr nicht jeder geeignet ist, f\u00fcgt er direkt hinzu. So erg\u00e4nzt Sellner treffend:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eKeiner jedoch ist \u00fcberhaupt dazu in der Lage, solange er voll und ganz in den Rhythmen der Dekadenz h\u00e4ngt, wenn er im Karrierismus, im urbanen Leben, in der Jagd nach Spa\u00df gefangen und Sklave seines eigenen K\u00f6rpers ist.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Sellner ist hier uneingeschr\u00e4nkt Recht zu geben. Ein alter Erziehungsansatz lautet, dass die durch einen Akteur herbeigew\u00fcnschte Ver\u00e4nderung zun\u00e4chst im Akteur selbst vollzogen werden muss. Im deutschen Milit\u00e4rwesen fasste man diese Auffassung dereinst unter dem Leitsatz \u201eF\u00fchren durch Vorbild\u201c zusammen und auch der Leitsatz, dass die \u201eRevolution zuerst bei dir beginne\u201c hat in der deutschen Jugendbewegung seit jeher Tradition. Nun k\u00f6nnte man annehmen, dass sp\u00e4te Einsicht besser sei, als keine Einsicht. Offen bleibt jedoch, in welcher Verfassung sich derjenige, der an diesem inneren Kreis partizipieren d\u00fcrfte, wiederfinden muss. Hierzu f\u00fchrt Sellner nicht weiter aus. Es w\u00e4re z. B. interessant zu erfahren, ob jemand, der sich in den Gefilden der Pop-Kultur und \u201eYoutube Skits\u201c zu Hause f\u00fchlt, dennoch ein potentieller Kandidat f\u00fcr einen dieser Zirkel w\u00e4re oder ob Sellner hier eine strikte Trennung zwischen geistigen Impulsgebern und aktivistischen Akteuren vorschwebt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Stattdessen geht er noch etwas genauer auf das strategische Prinzip des Kreises ein. So schreibt er, dass die Kreise, welche er als &#8222;esoterisch&#8220; bezeichnet, womit er den innerlichen Kampf gegen den Liberalismus, die Askese, meint, in keinem Widerspruch zur massenpolitischen Agitation st\u00fcnden. Wie die politische Theorie und Strategie m\u00fcssten sie allerdings klar voneinander getrennt sein. Deshalb k\u00f6nne dieser Kreis auch nicht innerhalb der Organisation angesiedelt sein, sondern an ihrem Rand. Von dort aus k\u00f6nne der Kreis durch gezielte Impulse die Organisation entsprechend beeinflussen. Dieses strategische Prinzip ist durchaus richtig. Zum einen ist es vollkommen einleuchtend, dass mit weltanschaulicher Grundsatzpolitik die wenigsten Menschen zu beeinflussen sind. Die Masse schert sich um ihre Sicherheit und ihren materiellen Grundbedarf. Idealistische Ambitionen sollten in der jetzigen Verfassung unseres Volkes von den Wenigsten erwartet werden. Es bedarf also der richtigen Instrumente, um die Inhalte zu verpacken und zu transportieren. Diese Instrumente ergeben sich aus der gegenw\u00e4rtigen politischen Situation und sind stark situationsabh\u00e4ngig. Die AfD, die NPD, die IB oder andere Jugendgruppen k\u00f6nnen entsprechende Instrumente sein, ebenso wie das B\u00fcrgernetzwerk \u201eEin Prozent\u201c. Weltanschauungsorganisationen sind sie jedoch alle nicht. Sellners Prinzip des Kreises, der den Stein des Ansto\u00dfes darstellt, l\u00e4sst sich auf eine einfache Formel bringen. Seine Funktion ist die eines Dienstleisters. Der Kreis \u201eproduziert\u201c die Weltanschauung und bietet diese am \u201erechten Markt\u201c an. Zudem (er)h\u00e4lt er den geistigen Kern in reiner Form. Die Organisationen dienen als Distributoren. Ihr Mittel ist der Aktionismus, Aktivismus oder schlicht: Die Propaganda. Die Rechte hat in der Vergangenheit jedoch immer einen entscheidenden Fehler gemacht: Sie glaubte ihre eigene Propaganda! Hier werden entsprechende Beispiele ausgespart, der geneigte Leser sollte jedoch gen\u00fcgend Anhaltspunkte dazu finden. Dem folgend, soll sich der Kreis nicht mit der tagespolitischen W\u00e4gbarkeit besch\u00e4ftigen. Richtigerweise erkennt Sellner, dass dieser fundamentale Kampf gegen den Liberalismus kein Mittel f\u00fcr die aktionistischen Kan\u00e4le ist. Erg\u00e4nzend schreibt er dazu:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eNur in einem solchen Kreis, dessen Sinnsuche jenseits aller strategisch-taktischen N\u00fctzlichkeitserw\u00e4gungen verl\u00e4uft, sind die Bedingungen zur M\u00f6glichkeit einer \u00dcberwindung des Relativismus und Nihilismus gegeben.<\/em><\/span><em><span style=\"font-size: 14pt;\">\u201c<\/span> <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Daran ankn\u00fcpfend leitet Sellner folgenden Appell an seine Leserschaft weiter:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eDie Lehre, die wir aus der <\/em><em>\u201e<\/em><em>Benedikt Option<\/em><em>\u201c<\/em><em> ziehen k<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nnen, ist, da<\/em><em>\u00df<\/em><em> wir als Neurechte wieder st<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rker an uns selbst, unseren Inhalten, unsere Ethik, an Fragen der Ideengeschichte und der Lebensf<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hrung arbeiten m<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ssen. Die Frage wo und in wessen Traditionen wir geistig stehen und was das Muster einer Mosaikrechten ausmacht, ist ebenso wichtig, wie Fragen der konkreten Lebensf<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hrung, nach dem <\/em><em>\u201e<\/em><em>rechten Leben im Falschen<\/em><em>\u201c<\/em><em>.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Auch hier ist Sellner nicht zu widersprechen. Die Notwendigkeit einer geistig-ideellen Reifung innerhalb der Rechten kann nicht deutlich genug betont werden. Dennoch w\u00e4re es hier w\u00fcnschenswert, etwas mehr \u00fcber die Vorstellungen Sellners zu eben jener Entwicklung herauszubekommen. Inhaltlich bezieht Sellner keine Stellung. Weder dar\u00fcber, wie der Kreis seiner Meinung nach aussehen k\u00f6nnte oder sollte, noch dar\u00fcber wie sich das \u201erechte Leben im Falschen\u201c definiere. Als F\u00fchrungsfigur und Leitstern vieler junger Aktivisten w\u00e4re es an ihm, die entsprechenden Impulse zu senden. Gerade die Vorgabe bestimmter \u201eLebensgesetze\u201c, die den einzelnen Aktivisten durchdringen sollten, w\u00e4re ein Schritt in die richtige Richtung. Sellner hat die Reichweite dazu, seine Mitstreiter zu entsprechendem Handeln anzuhalten. Ma\u00dfgebliche Richtpfeiler, urspr\u00fcnglich \u201etypisch rechte\u201c Eigenschaften, wurden gerade in der jungen Bewegung oftmals v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigt. Dazu geh\u00f6ren die aktive Familienf\u00f6rderung, das Leistungsprinzip, die Auffassung von Arbeit als konstituierendem Faktor einer Gemeinschaft sowie die materielle Gen\u00fcgsamkeit. Kontr\u00e4r dazu hat man sich vielmehr dem konsumierenden Typus des Dandy gewidmet, welcher letztlich vor allem dauerstudierende, von Mama und Papa finanzierte Milchbubis in die eigenen Reihen trieb (Achtung: Auch hier nat\u00fcrlich wieder ma\u00dfvolle \u00dcberspitzung in Anlehnung an den ebenfalls von Sellner rezipierten <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/2018\/09\/16\/identitaere-bewegung-auf-abwegen\/\">Artikel Alexander Markovics\u02cb<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Im <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/2018\/10\/15\/neue-wege-teil-iii\/\">dritten Teil<\/a> der Reihe \u201eNeue Wege\u201c wurde der Rechten der Ratschlag gegeben, die zuk\u00fcnftige (metapolitische) Arbeit insbesondere auf die drei Pfeiler \u201eRitus\u201c, \u201eMythos\u201c und \u201eSymbol\u201c zu richten. Sellners Artikel kommt hierbei mehr als passend. Er schreibt dabei sogar folgendes, was der Definition dieser drei Pfeiler erstaunlich nahe kommt:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201e<\/em><em>In uns selbst m<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ssen wir die Dekadenz besiegen, in einem kleinen Kreis muss sich diese <\/em><em>\u00dc<\/em><em>berwindung verfestigen und Raum greifen, damit aus ihr eine Idee, eine Vision und ein Zeichen werden kann.\u201c<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der Ritus dient sowohl f\u00fcr einen elit\u00e4ren Kreis zur Konstitution, als auch f\u00fcr jegliche Organisation zur geistig-ideellen Vertiefung ihrer Inhalte als das richtige Instrument. Daraus kann in beiden F\u00e4llen ein entsprechender Mythos erwachsen. Folgt man bspw. den Ausf\u00fchrungen Jack Donovans, insbesondere in seinem Buch \u201eNur Barbaren k\u00f6nnen sich verteidigen\u201c, so stellt dieser von ihm beschriebene M\u00e4nnerbund, der an bestimmte M\u00e4nnlichkeitsrituale sowie eine r\u00e4umliche N\u00e4he und ein festes Lebensgesetz gebunden ist, durchaus ein mythisches Gebilde dar. Diesem erw\u00e4chst dann zur richtigen Zeit auch das richtige Symbol. Gerade im Bereich des \u201eRitus\u201c hat die junge Bewegung in der Vergangenheit erhebliche Defizite aufgewiesen. Man geb\u00e4rdete sich zwar als Nachfolger der \u201e300\u201c, doch an kultureller Basisarbeit ermangelte es nahezu v\u00f6llig. Viel mehr fand man sich im aktivistischen Hamsterrad wieder, in dem diese Form des Kampfes keinen Platz fand. Dabei darf die Strahl- und Anziehungskraft entsprechender Rituale nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Auch dass sich nun wieder j\u00e4hrende Helden- bzw. Totengedenken ist ein elementarer Bestandteil dieses ewigen, deutschen Ritus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Vielleicht greift dieser Text ein wenig voraus und Martin Sellner arbeitet bereits an der Ausarbeitung einer entsprechenden Konzeption. In diesem Falle darf man \u00e4u\u00dferst gespannt sein. In jedem Falle soll diese Besprechung hier eine Einladung sein, sich intensiver und detaillierter mit den hier angef\u00fchrten Punkten auseinanderzusetzen. Sellners Grundgedanken sind, trotz allem inhaltlichen Mangels, in jedem Falle wertvoll und richtig. Das elit\u00e4re Prinzip, eine ur-rechte Eigenschaft, muss wieder Einzug in rechte Strukturen halten. Nur durch einen Kern, der nicht ausgeh\u00f6hlt werden kann, kann sichergestellt werden, dass die Schale dereinst nicht zerbricht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Es w\u00e4re begr\u00fc\u00dfenswert, wenn sich die derzeitigen K\u00f6pfe der jungen Bewegungen zusammenstecken w\u00fcrden, um dieses Zirkelprinzip aufzubauen. Dazu sei der Hinweis gegeben, die geistigen Schranken nicht zwischen den Organisationen, sondern zwischen den Charakteren verlaufen zu lassen. Die Rechte braucht den inhaltlichen Diskurs. \u00d6konomische, \u00d6kologische, sozialgesellschaftliche und energiepolitische Themen werden das Themenfeld der Zukunft darstellen. Wenn die Rechte hierauf keine Antworten hat, wird sie den Anschluss an die junge Generation verlieren. Dabei muss sie jedoch ihren Kern und ihre Authentizit\u00e4t erhalten und darf nicht zum Speichellecker der liberalistisch-durchtrieften Masse werden. Diesen Spagat zwischen innerer Konsolidierung und Ausrichtung und \u00e4u\u00dferer Propaganda kann die Rechte nur \u00fcberstehen, wenn charakterlich einwandfreie Pers\u00f6nlichkeiten im Gravitationszentrum ans\u00e4ssig sind. Die Tatsache, dass die IB und ihre K\u00f6pfe in dieser Besprechung nun so in den Mittelpunkt ger\u00fcckt wurden, liegt ma\u00dfgeblich an ihrer (noch) vorhandenen, ma\u00dfgeblichen Reichweite begr\u00fcndet. Zudem hat Sellner mit seiner Diskussion einen netten Scheitelpunkt zu den auf diesem Blog ver\u00f6ffentlichten Gedanken gebildet. Sollte dieser Diskussionsbeitrag dazu beitragen, die inhaltliche Debatte zu befeuern, so hat er sein Ziel erreicht.<\/span><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im nachfolgenden Artikel besch\u00e4ftigt sich unser Autor mal wieder mit der Strategie und Taktik der Neuen Rechten. 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