{"id":1357,"date":"2018-10-29T22:19:55","date_gmt":"2018-10-29T21:19:55","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=1357"},"modified":"2020-02-04T12:45:06","modified_gmt":"2020-02-04T11:45:06","slug":"wozu-braucht-die-neue-rechte-karl-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wozu-braucht-die-neue-rechte-karl-marx\/","title":{"rendered":"Wozu braucht die Neue Rechte Karl Marx?"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 14pt;\">Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um einen Kommentar des Wirtschaftsmathematikers <strong>Per Lennart Aae<\/strong> zu der <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/2018\/10\/25\/karl-marx-und-die-neue-rechte-vom-versuch-einer-kapitalismuskritik\/\">Stellungnahme<\/a> von Peter Steinborn \u00fcber die &#8222;Marx-Exegese&#8220; aus dem Jungeuropa Verlag, &gt;&gt;Marx von rechts&lt;&lt;. Gegenstrom ver\u00f6ffentlicht diesen Kommentar als weiteren Beitrag zur aus unserer Sicht wichtigen Debatte um Marx und die Neue Rechte. Aae untersucht insbesondere die Rolle des Kapitals innerhalb der Volkswirtschaft und gibt dem Mehrwert eine andere Bedeutung, wobei er Marxens Theorem ebenfalls als Gegenpol f\u00fcr eine dialektische Auseinandersetzung begreift. Die Redaktion<\/span> <\/em><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Peter Steinborn hat hier auf \u00bbGegenstrom\u00ab einen interessanten Beitrag zu einem ebenso interessanten Thema geschrieben: \u00bbKarl Marx und die neue\u00a0 Rechte \u2013 vom Versuch einer Kapitalismuskritik\u00ab.<\/span><\/strong><\/p>\n<h2>\u00bbMarx von rechts\u00ab<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Eigentlich ist der Beitrag eine Antwort auf das Buch \u00bbMarx von rechts\u00ab, herausgegeben vom deutschen Verleger Philip Stein (\u00bbEin Prozent f\u00fcr unser Land\u00ab) und von einem, wie Stein, der \u00bbNeuen Rechten\u00ab zuzurechnenden Autorenteam verfa\u00dft, bestehend aus dem deutschen Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser (Lektor beim Antaios-Verlag), dem franz\u00f6sischen Publizisten und Philosophen Alain de Benoist (Vordenker der Neuen Rechten) und dem italienischen Geschichtsphilosophen Diego Fusaro (Mail\u00e4nder Universit\u00e4t).<\/span><\/p>\n<h2>Wozu eine rechte Diskussion \u00fcber Marx?<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Ich habe Peter Steinborns Beitrag schon deswegen mit gro\u00dfem Interesse gelesen, weil ich, wie er, der Meinung bin, da\u00df es notwendig ist, \u00bb<em>innerhalb der deutschen Rechten auch \u00fcber Marx zu sprechen<\/em>\u00ab. Auch Steinborns Begr\u00fcndung dieser Notwendigkeit teile ich. Sie besteht nicht etwa in der Annahme, der Marxismus sei eine bisher mi\u00dfverstandene Heilslehre, die in Wirklichkeit den Rechten immer gefehlt habe, um die Welt zu verstehen, und die deswegen jetzt endlich neu erfunden oder ausgelegt werden m\u00fcsse, um das geistige Fundament der Neuen Rechten zu bilden. Nein, die Notwendigkeit \u2013 oder zumindest W\u00fcnschbarkeit \u2013 einer Auseinandersetzung mit Marx von rechts besteht vielmehr deswegen, weil die marxistische Analyse in \u00f6konomischer und gesellschaftsphilosophischer Hinsicht eine besonders konsequente und historisch einflu\u00dfreiche Auspr\u00e4gung der oberfl\u00e4chlich-materialistischen Str\u00f6mung innerhalb der Aufkl\u00e4rung ist, und weil sie deswegen besonders geeignet erscheint, sowohl die Unterschiede als auch etwaige Ber\u00fchrungspunkte zwischen diesen materialistischen Positionen der Aufkl\u00e4rung einerseits und einem modernen, anthropologisch, \u201ebiotopisch\u201c-sozialorganisch und strukturanalytisch begr\u00fcndeten Denken andererseits dialektisch herauszuarbeiten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Anders formuliert: Steinborn sieht offenbar den Marxismus nicht etwa als ideologisches Leitbild, in welcher Form auch immer, sondern als dialektische Gegenposition zu einem gel\u00e4uterten, unseren heutigen Erkenntnissen angepa\u00dften v\u00f6lkisch-nationalen Denken, welches nach meiner \u2013 und offenbar auch seiner \u2013 \u00dcberzeugung heute unerl\u00e4\u00dflich ist, da es den einzig m\u00f6glichen Schutz der europ\u00e4ischen V\u00f6lker vor der drohenden Aufl\u00f6sung darstellt und insbesondere dem Deutschen Volk die letzte Chance bietet, seinen sonst in wenigen Jahrzehnten absehbaren Untergang zu verhindern. In diesem Sinne steht ein neues v\u00f6lkisch-nationales Denken auf der Tagesordnung der Geschichte. Durchsetzen kann es sich aber, wie jede neue geistespolitische Str\u00f6mung, nur in der dialektischen Auseinandersetzung mit fr\u00fcheren Str\u00f6mungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">In diesem Sinne werde ich mich im folgenden haupts\u00e4chlich mit den rein auf Marx bezogenen Gedanken Steinborns befassen, weniger mit seiner Kritik an dem Buch \u00bbMarx von rechts\u00ab, zumal auch seine Kritik am besagten Buch im wesentlichen eine reine Marx-Kritik ist. Bevor ich dazu \u00fcbergehe, will ich aber abschlie\u00dfend zur Herangehensweise der Autoren von \u00bbMarx von rechts\u00ab folgende Aussage Steinborns zitieren: \u00bb<em>Dabei wirken die Autoren sowie auch der Herausgeber, Philip Stein, als w\u00e4ren sie nicht nur offen f\u00fcr einige Theorien Marxens, sie fordern die Neue Rechte auf sich mit seinen Thesen zu besch\u00e4ftigen und bezeichnen die Auseinandersetzung gar als \u201eStartschu\u00df\u201c, der einen \u201efundamentalen Neubeginn, eine neue Theorie und Praxis neurechter Politik, (\u2026) eine neue Arbeits- und Denkweise\u201c einleiten k\u00f6nne.<\/em>\u00ab Hier best\u00e4tigt sich das oben Gesagte besonders deutlich, n\u00e4mlich die Ablehnung Steinborns gegen\u00fcber dem Versuch der Marx-Exegeten, Marx als geistigen Paten der Neuen Rechten zu vereinnahmen. Ich sehe darin \u00fcbrigens auch eine generelle Absage an die in rechten Kreisen bestehende, allgemeine Tendenz, sich bei klassischen Autorit\u00e4ten Vorbilder zu suchen, anhand derer sie den eigenen Standpunkt (und mitunter auch sich selbst) definieren wollen. Da\u00df diese wenig innovative Vorgehensweise nicht zielf\u00fchrend ist, zeigen m.E. die bisherigen Erfahrungen zur Gen\u00fcge. Sie ist aber im gewissen Sinne auch intellektuell w\u00fcrdelos, denn die auf der Tagesordnung der Geistesgeschichte stehenden, v\u00f6lkisch-nationalen Denkans\u00e4tze bedeuten einen viel zu starken Einschnitt im Verh\u00e4ltnis zu den heute vorherrschenden Denktraditionen, als da\u00df man sie in das starre Schema vergangener Ideologien pressen k\u00f6nnte. Sie erfordern vielmehr einen innovativen, ja revolution\u00e4ren Bruch mit diesen. Aber nicht zuletzt aus diesem Grund braucht das neue Denken gleichzeitig die dialektische Auseinandersetzung mit dem alten. Erst dadurch kann man auch au\u00dferhalb eines kleinen Kreises von \u00dcberzeugten zun\u00e4chst Interesse und dann Akzeptanz f\u00fcr die neuen Ideen wecken. Das gilt \u00fcbrigens nicht nur im Verh\u00e4ltnis zum Marxismus, sondern auch zum Liberalismus, zu den klassischen, neoklassischen und neoliberalen \u00f6konomischen Theorien und zu jedem, politischen Einflu\u00df fordernden religi\u00f6sen Universalismus.<\/span><\/p>\n<h2>Steinborns Kritik an der Mehrwerttheorie<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Und nun zu Peter Steinborns Kritik an Marx! Er befa\u00dft sich in seinem Beitrag zun\u00e4chst mit der Marx\u2019schen Mehrwerttheorie. Diese kritisiert er, weil sie ausschlie\u00dflich die \u00bb<em>Produktionsebene<\/em>\u00ab betreffe, w\u00e4hrend \u00bb<em>die viel wichtigere Geldzirkulationsebene<\/em>\u00ab vernachl\u00e4ssigt werde. Dem w\u00fcrde wahrscheinlich jeder eingefleischte Marxist vehement widersprechen, denn Marx spricht im Zusammenhang mit der Mehrwerttheorie ausdr\u00fccklich von \u00bb<em>Zirkulation<\/em>\u00ab und in der Tat handelt es sich auch um eine solche. Steinborns Kritik ist aber trotzdem berechtigt, denn er d\u00fcrfte unter volkswirtschaftlicher Zirkulation etwas wesentlich anderes und Tiefergehendes als Marx meinen. Auch diese Meinung teile ich mit ihm, und ich werde im folgenden n\u00e4her darauf eingehen \u2013 nach einer Zusammenfassung der Marx\u2019schen Mehrwerttheorie an sich.<\/span><\/p>\n<h2>Marx\u02b9 Definition der einfachen Warenzirkulation W-G-W und der produktiven Zirkulation G-W-G (aus \u00bbDas Kapital\u00ab)<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Marx selbst beschreibt die Mehrwerttheorie im zweiten Abschnitt (ab Kapitel 4) des ersten Bandes von \u00bbDas Kapital: \u00bb<em>Die Verwandlung von Geld in Kapital<\/em>\u00ab (Kurz: Bd. 1, Kap. 4). Zun\u00e4chst stellt er in Kap. 4, Pkt. 1 (\u00bb<em>Die allgemeine Formel des Kapitals<\/em>\u00ab) fest: \u00ab<\/span><em><span style=\"font-size: 14pt;\">Die unmittelbare Form der Warenzirkulation ist<\/span> <\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>W \u2013 G \u2013 W, Verwandlung von Ware in Geld und R\u00fcckverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen.<\/em>\u00bb Dies wird von Marx auch als \u00bb<em>einfache Warenzirkulation<\/em>\u00ab oder \u00bb<em>einfache Zirkulation<\/em>\u00ab bezeichnet. Es handelt sich um den, mittels des Geldes vereinfachten Warentausch, bei dem ein Wirtschaftsteilnehmer, der die Ware A in die Ware B tauschen will, nicht mehr einen Wirtschaftsteilnehmer mit dem umgekehrten Wunsch finden mu\u00df, n\u00e4mlich Ware B in Ware A zu tauschen, sondern lediglich jemanden, der ihm die Ware A f\u00fcr Geld abkauft. F\u00fcr dieses Geld kann er sich dann die Ware B bei einem dritten Wirtschaftsteilnehmer kaufen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die einfache Warenzirkulation ist offenbar von der <em>Produktion<\/em> der Waren v\u00f6llig unabh\u00e4ngig. Aber Marx kommt unmittelbar nach deren Erw\u00e4hnung in der Tat auch zur <em>produktiven Zirkulation<\/em>: \u00ab<em>Neben dieser Form finden wir aber eine zweite (\u2026) vor, die Form G \u2013 W \u2013 G, Verwandlung von Geld in Ware und R\u00fcckverwandlung von Ware in Geld, kaufen, um zu verkaufen. Geld, das in seiner Bewegung diese letztere Zirkulation beschreibt, verwandelt sich in Kapital, wird Kapital und ist schon seiner Bestimmung nach Kapital.<\/em>\u00bb Wenn Marx hier von Kaufen und Verkaufen spricht, meint er nicht nur den Handel im engeren Sinne, sondern eben auch die Produktion. Denn diese erfordert i.d.R. ebenfalls Wareneink\u00e4ufe, die als Vorleistung get\u00e4tigt werden, z.B. Eink\u00e4ufe von Material, Halbzeugen, Komponenten, Maschinen (Investitionen) etc., ja, auch die Arbeitskr\u00e4fte sind nach Marx Waren. Alle diese Waren haben ihren Preis, also ihren Tauschwert, der vom Produzenten zu entrichten ist. Insbesondere ist nach Marx der Tauschwert der Arbeitskraft diejenige Entlohnung, die zu deren Lebensunterhalt erforderlich ist \u2013 wobei, nebenbei bemerkt, Lebensunterhalt nat\u00fcrlich jeweils zeitgem\u00e4\u00df zu verstehen ist. \u2013 Siehe hierzu Bd. 1, Kap. 4, Pkt. 3: \u00bb<em>Kauf und Verkauf der Arbeitskraft<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<h2>\u00bbDie Verwertung des Werts\u00ab<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Schon bei der allgemeinen Diskussion des Prozesses G \u2013 W \u2013 G zeigt sich nun m.E. der grundlegende Unterschied zwischen einem nationalen, gemeinschaftsbetonenden, gesellschafts- oder raumorientierten Zirkulationsverst\u00e4ndnis einerseits und dem an Wettbewerb und Konflikt (als Selbstzweck) orientierten Zirkulationsverst\u00e4ndnis von Marx andererseits. Denn Marx stellt im Hinblick auf die \u00bb<em>Zirkulation G \u2013 W \u2013 G<\/em>\u00ab folgendes fest: \u00bb<em>Sie scheint auf den ersten Blick inhaltslos, weil tautologisch. Beide Extreme haben dieselbe \u00f6konomische Form. Sie sind beide Geld, also keine qualitativ unterscheidbaren Gebrauchswerte, denn Geld ist eben die verwandelte Gestalt der Waren, worin ihre besonderen Gebrauchswerte ausgel\u00f6scht sind. Erst 100 Pfd.St. (Pfund Sterling) gegen Baumwolle und dann wieder dieselbe Baumwolle gegen 100 Pfd.St. auszutauschen, also auf einem Umweg Geld gegen Geld, dasselbe gegen dasselbe, scheint eine ebenso zwecklose als abgeschmackte Operation. Eine Geldsumme kann sich von der anderen Geldsumme \u00fcberhaupt nur durch ihre Gr\u00f6\u00dfe unterscheiden. Der Proze\u00df G \u2013 W \u2013 G schuldet seinen Inhalt daher keinem qualitativen Unterschied seiner Extreme, denn sie sind beide Geld, sondern nur ihrer quantitativen Verschiedenheit. Schlie\u00dflich wird der Zirkulation mehr Geld entzogen, als anfangs hineingeworfen ward. (\u2026) Die vollst\u00e4ndige Form dieses Prozesses ist daher G \u2013 W \u2013 G\u02b9, wo G\u02b9 = G+\u0394G d.h. gleich der vorgeschossenen Geldsumme plus einem Inkrement. Dieses Inkrement oder den \u00dcberschu\u00df \u00fcber den urspr\u00fcnglichen Wert nenne ich \u2013 Mehrwert (surplus value). Der urspr\u00fcnglich vorgeschossene Wert erh\u00e4lt sich daher nicht nur in der Zirkulation, sondern in ihr ver\u00e4ndert er seine Wertgr\u00f6\u00dfe, setzt einen Mehrwert zu und verwertet sich. Und diese Bewegung verwandelt ihn in Kapital.<\/em>\u00ab\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Marx spricht also von einer Zirkulation des vorgeschossenen Geldes nach folgendem Schema:<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1358\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1358\" class=\"size-full wp-image-1358\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GWGDG.png\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"153\" \/><p id=\"caption-attachment-1358\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 14pt;\">Marxens G-W-G&#8216;-Formel<\/span><\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der dargestellte Kreislauf dient ihm nicht zur Kennzeichnung eines \u2013 aus seiner Sicht \u2013 sinnvollen wirtschaftlichen Prozesses, sondern zur Definition des Kapitals: <em>Durch die, der Aufrechterhaltung des Produktionsprozesses und der Erzeugung eines Mehrwertes dienende Zirkulation wird das Geld zum Kapital<\/em>. Die Erzeugung des Mehrwerts nennt Marx \u00bb<em>Verwertung des Werts<\/em>\u00ab. Er schreibt hierzu: \u00bb<em>Die einfache Warenzirkulation \u2013 der Verkauf f\u00fcr den Kauf \u2013 dient zum Mittel f\u00fcr einen au\u00dferhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten, die Befriedigung von Bed\u00fcrfnissen. Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist dagegen Selbstzweck, denn die Verwertung des Werts existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher ma\u00dflos. Als bewu\u00dfter Tr\u00e4ger dieser Bewegung wird der Geldbesitzer zum Kapitalist. Seine Person, oder vielmehr seine Tasche, ist der Ausgangspunkt und der R\u00fcckkehrpunkt des Geldes. Der objektive Inhalt jener Zirkulation \u2013 die Verwertung des Werts \u2013 ist sein subjektiver Zweck, und nur soweit wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums das allein treibende Motiv seiner Operationen, funktioniert er als Kapitalist oder personifiziertes , mit Willen und Bewu\u00dftsein begabtes Kapital. Der Gebrauchswert ist also nie als unmittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln. Auch nicht der einzelne Gewinn, sondern nur die rastlose Bewegung des Gewinnens. Dieser absolute Bereicherungstrieb, diese leidenschaftliche Jagd auf den Wert ist dem Kapitalisten mit dem Schatzbildner gemein, aber w\u00e4hrend der Schatzbildner nur der verr\u00fcckte Kapitalist, ist der Kapitalist der rationelle Schatzbildner. Die rastlose Vermehrung des Werts, die der Schatzbildner anstrebt, indem er das Gelds vor der Zirkulation zu retten sucht, erreicht der kl\u00fcgere Kapitalist, indem er es stets von neuem der Zirkulation preisgibt.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<h2>Die vermeintliche Aktualit\u00e4t von Marx<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Diese Beschreibung des Kapitalismus und des Kapitalisten trifft noch st\u00e4rker auf den heutigen Turbokapitalismus als auf den Kapitalismus zu Marx\u02b9 Lebzeiten zu. Aus diesem Grund h\u00f6rt man oft die Meinung, Marx sei heute aktueller denn je. Ihm geb\u00fchrt auch in der Tat die Anerkennung daf\u00fcr, den Proze\u00df eines sich verselbst\u00e4ndigenden, sich von der eigentlichen Wirtschaft, der Herstellung von Gebrauchswerten, abkoppelnden Kapitals treffend beschrieben zu haben. Aber im Gesamtkontext seiner Lehre kann man feststellen, da\u00df er mit dieser Darstellung einen politischen Zweck verfolgt, n\u00e4mlich den Zweck, die auf Freiheit, Eigentum und Eigeninitiative beruhende Arbeitsteilung in einem gr\u00f6\u00dferen Gemeinwesen als Leistungsgemeinschaft \u2013 als Projektion der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in der Familien- oder Stammesgesellschaft auf die solidarische Massengesellschaft (das Volk) \u2013 f\u00fcr unm\u00f6glich zu erkl\u00e4ren, weil zwangsl\u00e4ufig zu einer ausbeuterischen, letztlich selbstzerst\u00f6rerischen kapitalistischen Eigendynamik f\u00fchrend. Anders ausgedr\u00fcckt: Er verfolgt offenbar den Zweck, die, dem Gemeinwohl verpflichtete freiheitliche Volkswirtschaft, also die soziokulturelle bzw. sozio\u00f6konomische Leistungsgemeinschaft, als reine Illusion von der Agenda zu streichen, und an deren Stelle seine eigene kommunistische Vision zu setzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Ein kleines Detail im obigen Zitat ist f\u00fcr Marx\u02b9 argumentative Vorgehensweise besonders entlarvend: \u00ab<em>\u2026. nur soweit wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums das allein treibende Motiv seiner Operationen <\/em>[ist]<em>, funktioniert er als Kapitalist oder personifiziertes, mit Willen und Bewu\u00dftsein begabtes Kapital.\u00ab<\/em> Um intellektuell, und zwar von der Logik her, unangreifbar zu sein, <em>definiert<\/em> er den Kapitalisten als jemanden, dessen allein treibendes Motiv die Aneignung des abstrakten Reichtums ist, und dessen unmittelbarer Zweck nie der Gebrauchswert sei. Formell schlie\u00dft er also nicht aus, da\u00df letzteres doch der Fall sein <em>k\u00f6nnte<\/em>, n\u00e4mlich in einer anderen Wirtschaftsform als dem zum Selbstzweck gewordenen Kapitalismus. Aber er ignoriert diese M\u00f6glichkeit in seinen Darstellungen, geht in seinem gesamten Werk nicht darauf ein.<\/span><\/p>\n<h2>Marx scheinbar bewu\u00dfte Ausblendung des volkswirtschaftlichen Wirtschaftskreislaufs und der Notwendigkeit der Kapitalbildung<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Marx scheint also die kreislaufm\u00e4\u00dfige Systemlogik und faktische <em>Notwendigkeit<\/em> des volkswirtschaftlich gebundenen und kontrollierten Kapitals zur Aufrechterhaltung einer arbeitsteiligen Leistungsgemeinschaft auf Zivilisationsstufen oberhalb der reinen Familien-, Gro\u00dffamilien oder Stammesgesellschaft, besonders in der modernen Massengesellschaft, bewu\u00dft auszublenden. Soweit sich seine Theorie in den K\u00f6pfen durchsetzt, blockiert und <em>verhindert <\/em>sie damit den tats\u00e4chlich sinnvollen und <em>notwendigen<\/em> Antikapitalismus, n\u00e4mlich die Bek\u00e4mpfung jenes wuchernden, international vagabundierenden Kapitals, das sich von den Volkswirtschaften entkoppelt und dadurch zum alleinigen Herrn \u00fcber die Weltwirtschaft und somit \u00fcber V\u00f6lker, Nationen und Staaten aufschwingt.<\/span><\/p>\n<h2>Betriebliche Kosten und Erl\u00f6se als erzeugte bzw. abgesch\u00f6pfte Kaufkraft<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Denn im Proze\u00df G \u2013 W \u2013 G+\u0394G\u00a0 symbolisiert G in Wirklichkeit die durch die Entlohnung der Arbeit (als sozio\u00f6konomisch entscheidenden Produktionsfaktors) <em>erzeugte<\/em> <em>Kaufkraft<\/em> der Arbeiter, w\u00e4hrend G+\u0394G die durch die Ver\u00e4u\u00dferung der Ware W <em>entnommene oder abgesch\u00f6pfte<\/em> <em>Kaufkraft <\/em>darstellt. Bei positivem \u0394G (Mehrwert) ist bei dem betrachteten Produktionsproze\u00df die entnommene Kaufkraft gr\u00f6\u00dfer als die erzeugte. Dieser Zustand ist aus der pers\u00f6nlichen und betrieblichen Sicht des (denknotwendig suboptimierenden) Einzelunternehmers selbstverst\u00e4ndlich erstrebenswert. Betrachtet man aber \u2013 in der volkswirtschaftlichen Gesamtperspektive \u2013 nicht nur einen einzigen, sondern eine Vielzahl von Produktionsprozessen, aus der ja eine arbeitsteilige Wirtschaft zwingend besteht, erschlie\u00dft sich rein logisch, da\u00df die durch Verkauf von Waren entnommene Kaufkraft nicht bei allen Produktionsprozessen st\u00e4ndig gr\u00f6\u00dfer sein kann als die v.a. durch Lohnzahlung erzeugte. Auf der Ebene einer Wirtschafts- und Leistungsgemeinschaft, die noch eine intakte soziokulturelle Gemeinschaft abbildet\/verwirklicht und deswegen ein gewisses Ma\u00df an Abgeschlossenheit aufweist, mu\u00df vielmehr der Mehrwert, also das Inkrement \u0394G, als vorzeichenbehaftet angenommen werden und die Summe aller Inkremente im zeitlichen Mittel dem Wert Null zustreben, \u2211\u0394G \u00e0 0 \u2013 vorausgesetzt, da\u00df G alle Kosten, also variable und fixe, kurz- und langfristige, und nat\u00fcrlich auch Unternehmerlohn etc. enth\u00e4lt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Rein mathematisch gesehen, ist dieser Sachverhalt der gleichen Logik geschuldet wie der Kirchhoff\u2018sche Maschensatz in der Physik. Sozio\u00f6konomisch ist er ein Ausdruck daf\u00fcr, da\u00df das <em>Kapital<\/em>, zu dem sich die vorzeichenbehafteten Mehrwertinkremente aggregieren, eine dynamische Gr\u00f6\u00dfe ist, die die Produktionsprozesse der sozio\u00f6konomischen Leistungsgemeinschaft so mit einander verbindet, da\u00df auf der einen Seite diese Prozesse unabh\u00e4ngig von Zirkulationsfluktuationen, konkret Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen, st\u00f6rungsfrei weiterlaufen k\u00f6nnen (Stichwort Kontokorrent), andererseits auch eine, der technischen Entwicklung, den Bed\u00fcrfnissen und Pr\u00e4ferenzen etc. entsprechende, st\u00e4ndige dynamische Reallokation\/ Umverteilung von Ressourcen stattfinden kann (Stichworte Startup und Investition).<\/span><\/p>\n<h2>Geschlossene Volkswirtschaft, nationale W\u00e4hrung und Vollgeld<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Hierzu gleich noch ein paar Erkl\u00e4rungen. Vorausgeschickt sei, da\u00df ich von einer idealtypisch geschlossenen Volkswirtschaft ausgehe, entsprechend dem von mir gepr\u00e4gten Paradigma \u00bb<em>raumorientierte Volkswirtschaft<\/em>\u00ab. Als wirtschaftspolitisches Ziel ist die Geschlossenheit nat\u00fcrlich relativ zu sehen, und zwar im Verh\u00e4ltnis zur heutigen Globalisierung, die zum reinen Selbstzweck geworden ist. Sie kann so definiert werden, da\u00df die Bedeutung der regional oder national \u00fcberschaubaren Wirtschaft f\u00fcr den Zusammenhalt der gewachsenen Gesellschaft beachtet werden mu\u00df und deswegen die Prinzipien des Vorrangs der Binnenwirtschaft vor der Au\u00dfenwirtschaft und des Erg\u00e4nzungscharakters au\u00dfenwirtschaftlicher Transaktionen gelten sollen. Die im folgenden aufgezeigten volkswirtschaftlichen Zusammenh\u00e4nge gelten zwar uneingeschr\u00e4nkt nur in einer vollkommen geschlossenen Volkswirtschaft, k\u00f6nnen aber auch f\u00fcr eine \u201enur\u201c raumorientierte Volkswirtschaft als ann\u00e4hernd stimmig angenommen werden. Au\u00dferdem unterstelle ich eine nationale W\u00e4hrung mit einer sehr restriktiven Geldmengenkontrolle, bis hin zum sogenannten <em>Vollgeld<\/em>. Da\u00df diese Voraussetzungen heute nicht gegeben sind, ist mir klar. Aber es geht mir nicht darum, das Marx\u02b9sche Modell vor dem Hintergrund des heutigen Systems zu beurteilen, sondern an meinen eigenen politisch-\u00f6konomischen Vorstellungen zu messen.<\/span><\/p>\n<h2>Die Unvermeidbarkeit eines Inkrements in der Zirkulation G-W-G als Folge von Schwankungen und Verschiebungen in der Nachfrage<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Und jetzt zu den Erl\u00e4uterungen des im vorletzten Absatz Gesagten: So logisch das beschriebene Maschengesetz auch ist, zumindest eben in einer geschlossenen Volkswirtschaft und bei kontrollierter Geldmenge, so selbstverst\u00e4ndlich ist es auch, da\u00df in einer realen Wirtschaft nicht der Spezialfall eintreten wird, in dem alle \u0394G-Inkremente dauerhaft gleich null sind. Vielmehr gibt es nat\u00fcrliche Schwankungen, die zwangsl\u00e4ufig dazu f\u00fchren, da\u00df normale, nachhaltig wirtschaftende Betriebe zeitweise einen positiven, zu anderen Zeiten aber auch einen negativen \u201eMehrwert\u201c erzeugen. Um diese Schwankungen auszugleichen, ist nat\u00fcrlich Kapital erforderlich, und zwar jenes Kapital, das eben aus den erwirtschafteten Mehrwerten, d.h. aus den positiven \u0394G-Inkrementen gebildet wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Es gibt aber auch F\u00e4lle von dauernden Verlusten oder dauernden Gewinnen, letztere nat\u00fcrlich im kapitalgesellschaftlichen Sinne, also als Reingewinn (Profit) nach Abzug aller Kosten. Dies entspricht \u0394G-Inkrementen, die \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit dauerhaft negativ oder dauerhaft positiv sind. Auch dies ergibt einen \u00f6konomischen Sinn f\u00fcr die Bewahrung der inneren Konsistenz der volkswirtschaftlichen Leistungsgemeinschaft. Denn dauerhafte Verluste bedeuten, da\u00df die betreffenden Betriebe dauerhaft durch ihren Ressourceneinsatz, v.a. von Arbeitskr\u00e4ften, mehr Kaufkraft erzeugen, als sie durch Erl\u00f6se absch\u00f6pfen. Das bedeutet wiederum, da\u00df v.a. die eingesetzten Arbeitskr\u00e4fte nicht richtig ausgelastet sind, oder da\u00df ihre L\u00f6hne bei den Preisen, zu denen die Produkte verk\u00e4uflich sind, von den Erl\u00f6sen nicht bezahlt werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<h2>Reallokation von \u201efalsch\u201c eingesetzten Ressourcen\/ Arbeitskr\u00e4ften<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">In beiden F\u00e4llen d\u00fcrften sie volkswirtschaftlich falsch eingesetzt sein, so da\u00df sie zumindest mittelfristig umverteilt werden sollten. Hierzu bedarf es z.B. Betriebserweiterungen oder ganz neuer Betriebe, die die erfolgreichen, stark nachgefragten Produkte oder Dienstleistungen in noch gr\u00f6\u00dferer Menge und vielleicht auch besserer Qualit\u00e4t anbieten, oder aber ganz neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und anbieten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">F\u00fcr diese Erweiterungen sind einerseits Ressourcen, v.a. (direkt oder indirekt beanspruchte) Arbeitskr\u00e4fte, erforderlich, andererseits, da es sich um investive Vorleistungen, wie etwa Neugr\u00fcndungen, handelt, auch Kreditgeld. Woher kommt in einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft dieses Geld? Nat\u00fcrlich von dem Kapital, das einerseits durch Sparen, andererseits durch die Mehrwert-\/ Gewinnerzeugung der \u00dcberschu\u00dfbetriebe zustande kommt. In beiden F\u00e4llen \u201erepr\u00e4sentiert\u201c dieses Kapital die unzureichend ausgelasteten Ressourcen, insbesondere die Arbeitskr\u00e4fte. Denn es ist durch Entzug von Kaufkraft entstanden, im Falle des Sparens durch Konsumzur\u00fcckhaltung, im Falle der Unternehmensgewinne durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Absch\u00f6pfung von Kaufkraft zu Lasten der schw\u00e4cheren Unternehmen; bei diesen geht infolge dessen die Auslastung der Belegschaften zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<h2>Das Kapital als Erm\u00e4chtigung zum Einsatz von ungen\u00fcgend ausgelasteten Ressourcen\/ Arbeitskr\u00e4ften<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Daraus ergibt sich, da\u00df das Kapital nichts anderes ist als eine Erm\u00e4chtigung f\u00fcr den Einsatz von nicht ausgelasteten Ressourcen, insbesondere Arbeitskr\u00e4ften. Dies gilt zwar auch f\u00fcr Kapital, das durch Kreditsch\u00f6pfung, also reine Geldvermehrung, entstanden ist, wie beim heutigen Geld- und Kreditsystem \u00fcblich. Aber nur in der geschlossenen Volkswirtschaft gibt es den eben beschriebenen funktionalen Zusammenhang zwischen den verf\u00fcgbaren, unausgelasteten Ressourcen einerseits und den Kreditgeldern andererseits. Mit anderen Worten: Nur die geschlossene Volkswirtschaft verf\u00fcgt \u00fcber einen selbstregulierenden Mechanismus zur dynamischen Ressourcen-Reallokation.<\/span><\/p>\n<h2>Ein neues Kapitalverst\u00e4ndnis<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dieser Mechanismus erm\u00f6glicht auch ein Kapitalverst\u00e4ndnis, das v\u00f6llig anders ist als bei Karl Marx, aber auch anders als in der heutigen kapitalistischen \u00d6konomie. Denn da das Kapital zum wesentlichen Teil jenen Arbeitskr\u00e4ften direkt entspricht, die entweder gar nicht, ungen\u00fcgend oder (f\u00fcr die Betroffenen selbst) unbefriedigend ausgelastet sind, und es, wie gesagt, bei verst\u00e4ndiger Betrachtung des systemischen Zusammenhangs eine Art Erm\u00e4chtigung darstellt, diese einzusetzen, dr\u00e4ngt sich die Vorstellung geradezu auf, da\u00df es nicht im vollen Umfang<em> Privateigentum<\/em> sein kann, zumindest nicht im \u00a0Sinne beliebiger, rein selbstgef\u00e4lliger, gutd\u00fcnklicher privater Verf\u00fcgbarkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Es ist vielmehr von seiner grundlegenden Natur her, unabh\u00e4ngig vom formalen Recht, <em>Eigentum des Volkes<\/em>, also im wahrsten Sinne des Wortes <em>nationales Kapital<\/em>. Es sollte aber nicht deswegen etwa von Politikern oder Beamten, sondern von kompetenten Unternehmerpers\u00f6nlichkeiten und Wirtschaftssachkundigen in ihrer Eigenschaft als Kapitalbesitzer <em>verwaltet<\/em> werden, und zwar so kompetent, da\u00df als Ergebnis ein m\u00f6glichst gro\u00dfer volkswirtschaftlicher und sozialer Nutzen entsteht.<\/span><\/p>\n<h2>Einflu\u00df auf die Wertaufbewahrungseigenschaft des Kapitals: Umlagesystem volkswirtschaftlich stimmiger als Kapitaldeckung<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Das Kapitalverst\u00e4ndnis in der geschlossenen Volkswirtschaft hat auch Einflu\u00df auf die Wertaufbewahrungseigenschaft des Geldes. Denn wenn das Kapital eine Art Stellvertretergr\u00f6\u00dfe f\u00fcr ungen\u00fcgend oder falsch ausgelastete volkswirtschaftliche Ressourcen, insbesondere Arbeitskr\u00e4fte, ist, so ist sein Wert nur solange g\u00fcltig, wie diese Ressourcen zur Verf\u00fcgung stehen, d.h. solange wie die daf\u00fcr verantwortliche volkswirtschaftliche Konstellation besteht. Das bedeutet u.a., da\u00df Umlagesysteme volkswirtschaftlich sinnvoller als Kapitaldeckungssysteme sind. Eine andere Konsequenz ist, da\u00df die weitere Verzinsung eines Kapitals nach Aufhebung der f\u00fcr dessen Entstehung verantwortlichen Minderauslastung bestimmter Ressourcen wirtschaftlicher Unsinn ist.<\/span><\/p>\n<h2>Zinseszins, <em>Beispiel Josephs-Pfennig<\/em><\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Ein frappierendes Beispiel hierf\u00fcr ist das Gedankenexperiment mit dem sogenannten <em>Josephs-Pfennig, auf welches<\/em> Peter Steinborn hinweist. Demnach w\u00e4re aus einem einzigen, im Jahre 1 vor Christus zu 5 Prozent j\u00e4hrlicher Verzinsung angelegten Pfennig heute ein Gegenwert von 259 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold entstanden. Da\u00df dies ein absurdes Ergebnis fern jeder wirtschaftlichen Realit\u00e4t ist, leuchtet sofort ein. Aber auch da\u00df eine Geldanlage von 100 DM zu 5 Prozent Verzinsung, im Jahre der W\u00e4hrungsreform 1948 get\u00e4tigt, heute \u00fcber 3.000 DM bzw. 1.500 Euro wert w\u00e4re, ist \u00f6konomisch irreal. Der Wert w\u00e4re zwar rechtlich garantiert, w\u00fcrde aber kaum irgendwelche wirtschaftlichen Realit\u00e4ten abbilden.<\/span><\/p>\n<h2>Mehrwert zur Eigenkapitalbild und zur Erwirtschaftung eines betriebswirtschaftlichen Deckungsbetrags<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der von Marx so d\u00e4monisierte Mehrwert bzw. das Inkrement \u0394G\u00a0 ist nicht nur wegen der oben behandelten Umsatzschwankungen und Verschiebungen zwischen den verschiedenen binnenwirtschaftlichen Betrieben und Branchen, sondern auch aus Gr\u00fcnden der betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung auf ganz nat\u00fcrliche Art und Weise notwendig. Denn betriebswirtschaftlich gesehen, kann der geschlossene Kreislauf (ohne \u0394G) einen Betrieb versinnbildlichen, der zwar hinsichtlich der variablen (laufenden) Kosten kostendeckend arbeitet, aber nicht im Hinblick auf die Fixkosten, also einen Betrieb, dessen Deckungsbeitrag null betr\u00e4gt, und der somit \u00bbvon der Substanz lebt\u00ab (siehe dazu nachfolgende Formel). Solche Betriebe gibt es ja in der realen Wirtschaft, etwa Milchbauern, die 27 Cent pro Kilogramm Milch einnehmen statt der f\u00fcr einen ausreichenden Deckungsbeitrag erforderlichen 40 Cent, und die damit z.B. nicht in der Lage sind, bei Bedarf wichtige betriebliche Infrastruktur, wie Geb\u00e4ude, Melkanlage etc., instandzusetzen oder zu erneuern.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1359\" style=\"width: 271px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1359\" class=\"size-full wp-image-1359\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GWG.png\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"174\" \/><p id=\"caption-attachment-1359\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 14pt;\">Marxens G-W-G-Formel<\/span><\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Schon hierf\u00fcr ist also ein \u201eMehrwert\u201c (\u0394G) erforderlich, dessen Funktion wie folgt abgebildet werden k\u00f6nnte:<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1361\" style=\"width: 1103px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1361\" class=\"size-full wp-image-1361\" src=\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Instandsetzungsinvest-1.png\" alt=\"\" width=\"1093\" height=\"258\" \/><p id=\"caption-attachment-1361\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 14pt;\">Marxens G-W-G&#8216;-Formel kreislaufartig erweitert.<\/span><\/p><\/div>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Ich habe zun\u00e4chst festgestellt, da\u00df eine Diskussion \u00fcber \u00bbMarx von rechts\u00ab aus meiner Sicht zwar sinnvoll, ja notwendig ist, aber nicht als Vorbild f\u00fcr rechte Ideologiebildung, sondern als dialektische Auseinandersetzung der aufkommenden v\u00f6lkisch-nationalen politischen \u00d6konomie mit dem Marxismus, genauso wie eine entsprechende Auseinandersetzung mit der kapitalistischen politischen \u00d6konomie notwendig ist.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Ich habe dann versucht, zu zeigen, da\u00df \u2013 entgegen den Thesen von Marx \u2013 das Kapital ein wesentliches Funktionselement der Volkswirtschaft und der Mehrwert eine aus verschiedenen Gr\u00fcnden unvermeidbare Gr\u00f6\u00dfe ist, die zur Bildung eines notwendigen schaffenden Kapitals (im Gegensatz zum raffenden Kapital) auch unbedingt erforderlich ist.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Ich habe auch betont, da\u00df insbesondere in einer raumorientierten nationalen Volkswirtschaft, die ihrerseits eine unerl\u00e4\u00dfliche Grundlage f\u00fcr eine nachhaltige Volksgemeinschaft ist, die Bedeutung von Kapital und Mehrwert als Ausgleichs- und Relokations-Mechanismus immens ist.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Ich anerkenne Marx\u02b9 Analyse des real existierenden Kapitalismus, stelle aber fest, da\u00df diese unter mutma\u00dflich bewu\u00dfter Ignoranz der durchaus m\u00f6glichen, ja naheliegenden, g\u00e4nzlich anderen Rolle von Kapital und Mehrwert in einer raumorientierten nationalen Volkswirtschaft entwickelt wurde, und zwar mit dem Ziel, die Entwicklung zur kommunistischen Revolution als gleichsam naturgesetzlich vorgegeben erscheinen zu lassen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Dies ist ein vorl\u00e4ufiger Stand des vorliegenden Artikels. Ich werde sp\u00e4ter den Inhalt pr\u00e4zisieren und um weitere Aspekte erg\u00e4nzen, z.B. um eine v\u00f6lkisch-nationale Interpretation des Historischen Materialismus von Marx.<\/span><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um einen Kommentar des Wirtschaftsmathematikers Per Lennart Aae zu der Stellungnahme von Peter Steinborn \u00fcber die &#8222;Marx-Exegese&#8220; aus dem Jungeuropa Verlag, &gt;&gt;Marx von rechts&lt;&lt;. Gegenstrom ver\u00f6ffentlicht diesen Kommentar als weiteren Beitrag zur aus unserer Sicht wichtigen Debatte um Marx und die Neue Rechte. 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