{"id":1297,"date":"2018-09-21T19:33:48","date_gmt":"2018-09-21T17:33:48","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=1297"},"modified":"2020-02-04T12:56:03","modified_gmt":"2020-02-04T11:56:03","slug":"das-phantom-islamischer-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/das-phantom-islamischer-staat\/","title":{"rendered":"Das Phantom &#8222;Islamischer Staat&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-size: 18px;\">Kein Thema dominiert so hartn\u00e4ckig das Nachrichtengeschehen wie der Nahostkonflikt. Mit der pl\u00f6tzlichen medialen Pr\u00e4senz des \u201eIslamischen Staats\u201c (IS) ab Mitte 2013 erh\u00e4lt dieser Konflikt eine neue Qualit\u00e4t. Besonders die rasante Ausbreitung und die Grausamkeiten dieser v\u00f6llig unbekannten Organisation sorgen f\u00fcr Schrecken. Islamfeindliche Str\u00f6mungen aller Couleur in Europa f\u00fchlen sich in ihrer Propaganda best\u00e4tigt, w\u00e4hrend zumeist jugendliche muslimische Einwanderer Sympathien entwickeln. Es ist gegenw\u00e4rtig kaum m\u00f6glich, das Phantom \u201eIslamischer Staat\u201c genau zu bestimmen. Denn an ein unbestimmtes Phantom erinnert diese Organisation. Zu den Undurchsichtigkeiten des \u201eIslamischen Staates\u201c tragen dessen wechselnde Namen und die personelle, ideologische und organisatorische Herkunft bei. So f\u00fchren manche Spekulationen den IS auf eine al-Qaida nahe Abspaltung des Irak 2003 zur\u00fcck, andere auf eine Abspaltung der extremistischen Nusra-Front Syriens 2012. \u00dcberhaupt kann die un\u00fcbersichtliche Entwicklung nur vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts, der B\u00fcrgerkriege in Syrien und Irak, der bunten V\u00f6lkerschau Vorderasiens, regionalen Hegemonialstrebens Irans, Saudi-Arabiens und der T\u00fcrkei, konfessionellen Spaltungen, Wirtschaftsproblemen und globalen geopolitischen Frontstellungen beurteilt werden. Diese Komplexit\u00e4t wird weiterhin durch die sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden milit\u00e4rischen Frontverl\u00e4ufe, die Dynamik der B\u00fcrgerkriege in Irak und Syrien (zunehmend auch in Jemen und Libyen) sowie eine unberechenbare B\u00fcndnispolitik vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Um sich dem IS-Phantom zu n\u00e4hern, sollen in dieser Darstellung folgende Fragen beantwortet werden: Weshalb ist der IS momentan so erfolgreich und so schnell wachsend? Wie l\u00e4sst sich der IS in die islamische (politische) Ideengeschichte einordnen? Welche Perspektive hat der IS?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erfolgsfaktoren des \u201eIslamischen Staats\u201c<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Das Erstarken des sunnitischen Extremismus und die Gr\u00fcndungswelle solcher Organisationen seit 2003 stellt eine Reaktion auf die Benachteiligung der sunnitischen Konfession in Syrien<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> und Irak<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> dar. Diese Organisationen sto\u00dfen in ein machtpolitisches und ideologisches Vakuum infolge der B\u00fcrgerkriege in Syrien, Irak, Jemen und Libyen. Durch den Sturz bzw. die Schw\u00e4chung der Baath-Systeme (Assad, Saddam) und der libyschen Basisdemokratie gingen ideologische Alternativen verloren und die Regionalm\u00e4chte Syrien und Irak k\u00f6nnen ihre regionale Ordnungsfunktion nicht mehr erf\u00fcllen. Die allgemeine Unsicherheit, \u00f6konomische Engp\u00e4sse, Perspektivlosigkeit, \u00dcberv\u00f6lkerung (v. a. \u201eyouth bulge\u201c) und Protestmentalit\u00e4t wirken als Katalysator. Von diesen Faktoren profitieren alle sunnitischen Extremisten. Beim \u201eIslamischen Staat\u201c kommen weitere Vorteile hinzu, manche werden sich jedoch als nur vorhaltig und sp\u00e4ter als nachteilig erweisen (Siehe Perspektive):<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>der Name<\/strong>: \u201eIslamischer Staat\u201c ohne geographisches Attribut suggeriert DEN Islamischen Staat schlechthin, d.h. es ist propagandistisch schwer, sich dagegen zu positionieren. Au\u00dferdem erkl\u00e4rte sich der IS im Juni 2014 zum Kalifat, was ein attraktives utopisches Element bedeutet. Der Kalifats-Gedanke als Vision wurde wieder m\u00f6glich, seit dem das real existierende Kalifat im Zuge der Abwicklung des Osmanischen Reichs und der Gr\u00fcndung T\u00fcrkei 1924 frei wurde und nicht mehr zwischen loyalen Anh\u00e4ngern und Gegnern polarisieren kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>die F\u00fchrung<\/strong>: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen (nicht al-Qaida) wird der IS von einem Direktorium gef\u00fchrt, das eben nicht von einer Einzelperson abh\u00e4ngt. Nur als Aush\u00e4ngeschild wurde der charismatische Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri als Kalif bestimmt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>die Taktik<\/strong>: Der IS setzte sich nachweislich ab 2013 als einzige Organisation in einem unwirtlichen und vernachl\u00e4ssigten \u201eNiemandsland\u201c im syrisch-irakischen Grenzgebiet fest und konnte sukzessiv Terrain gewinnen. Das Kerngebiet war f\u00fcr andere Akteure einfach belanglos, weshalb man den IS solange unbehelligt lie\u00df. Beim IS handelt es sich entgegen des Namens nur um eine Organisation, es fehlt an staatlichen Institutionen. Deshalb kann sich der IS so schnell auf sich \u00e4ndernde (milit\u00e4rische) Bedingungen einstellen. IS erinnert stark an die flexible FARC in Kolumbien oder an die Weltkriegspartisanen der UdSSR und Jugoslawiens. IS ist spontaner und profitiert von Erm\u00fcdungserscheinungen seiner sunnitischen Rivalen. Von gro\u00dfer Bedeutung erweist sich sein unerwarteter Pragmatismus: die Kombination aus Politik, Religion und organisierter Kriminalit\u00e4t (Siehe Finanzierung).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>B\u00fcndnispolitik<\/strong>: Der IS ist bei der Suche nach Verb\u00fcndeten nicht w\u00e4hlerisch, die Allianz mit unpolitischen lokalen Kriegsherren und gedem\u00fctigten laizistischen Baath-Politikern im Irak (nicht Syrien) verschaffte dem IS eine sozio\u00f6konomische Basis.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Versprechungen und Praxis<\/strong>: Der IS erscheint egalit\u00e4r und bietet seinen multiethnischen Anh\u00e4ngern Chancengleichheit und Bew\u00e4hrungsm\u00f6glichkeiten. Seine antifeudale und antihierarchische Praxis gegen lokale Honoratioren in Syrien (eben nicht Irak) stellen eine Alternative zum Modell Saudi-Arabien und al-Qaida dar.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>vielseitige Finanzierung<\/strong>: Vermutlich finanziert sich der IS durch Spenden, Raub, Erpressung, Schutzgeld, Entf\u00fchrungen, Handel mit Kunstsch\u00e4tzen aus Museen und Roh\u00f6l aus eroberten Quellen \/Pipelines. Das Distributions- und Logistiknetz wird durch lokale Honoratioren garantiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>g\u00fcnstige geopolitische Konstellation<\/strong> (Siehe unten)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zur Attraktivit\u00e4t des Politischen Islam<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Der IS profitiert wie seine Rivalen von einem ideologischen Vakuum und einer Sinnkrise. Man kann den Vormarsch politisch-islamischer Organisationen in drei Wellen festmachen: Aufl\u00f6sungserscheinungen des Osmanischen Reichs und Kolonialisierung des arabischen Asien und Nordafrika (1900-1940), der verheerende Sechs-Tage-Krieg gegen Israel und die Iranische Revolution (1967-1980) sowie der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus 1990. Die zunehmende Schw\u00e4che und schlie\u00dflich das Ende des Osmanischen Reichs als Nachfolger der arabischen Kalifate und die Aufteilung der arabischen Welt unter Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Italien diskreditierten den herk\u00f6mmlichen islamischen Traditionalismus als unf\u00e4hig und verkrustet. Als Reaktion wurden Forderungen nach einem reinen und unverf\u00e4lschten Islam laut, aber auch s\u00e4kulare nationalistische und sozialistische Ideen. Diese von Europa \u00fcbernommenen Ideen erschienen nach der dem\u00fctigenden Niederlage des Sechs-Tage-Kriegs 1967 und dem Tod Nassers 1970, dem unbestrittenen F\u00fchrer des s\u00e4kularen sozialistischen Panarabismus, als ebenso gescheitert und unpassend. Mit dem Ende der Sowjetunion 1990 verschwand auch diese Alternative. Seit dem kann eine Reislamisierung politischer Alternativen beobachtet werden.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Letztlich stellt der Politische Islam eine Antwort auf Moderne, Werteverfall und kapitalistischen Globalismus dar.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Es greift aber zu kurz, den Politischen Islam als reine Verlegenheitsl\u00f6sung anzusehen, da alles andere vermeintlich scheiterte und nur dieser \u00fcbrig blieb. Tats\u00e4chlich bietet der theoretische Islam eine ganzheitliche Alternative, da er allumfassend (in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Religion, Rechtsprechung) und damit alltagstauglich ist. Au\u00dferdem wirkt er identit\u00e4tsstiftend. Dem theoretischen Islam wohnt ein egalit\u00e4rer Charakter inne, der sich in der starken Ausrichtung auf die Gemeinschaft zeigt.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Individualit\u00e4t gilt als \u201ewestlicher\u201c (besser liberaler) Import. Zu den F\u00fcnf S\u00e4ulen des Islam geh\u00f6rt die \u201eZakat\u201c: die verpflichtende Abgabe eines festgelegten Teils des pers\u00f6nlichen Besitzes an Bed\u00fcrftige. Darin zeigt sich das Bestreben, einen materiellen Ausgleich unter den Gl\u00e4ubigen herzustellen.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grundlagen des Politische Islam<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Nachfolgend eine Darstellung, was der theoretische Islam grob bedeutet und welche politischen Str\u00f6mungen existieren. Es ist nicht der Raum, auf theologische Besonderheiten und Details einzugehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die islamische \u201eUmmah\u201c<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Alle islamischen Konfessionen bekennen sich zur \u201eUmmah\u201c, der universellen \u00fcberv\u00f6lkischen Gemeinschaft aller Gl\u00e4ubigen. Ethnische Grenzen spielen keine Rolle. Da sich der Prophet Mohammed bereits gegen das arabische Stammesbewusstsein wandte, schlossen islamische Rechtsgelehrte (\u201eUlemas\u201c) mit Aufkommen des Nationalstaatsgedanken<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> auf dessen Unvereinbarkeit mit \u201eUmmah\u201c. Die islamische Dreiteilung der Welt in die Zonen \u201eDar al-Islam\u201c (Haus des Islam: wo Muslime die Mehrheit haben und Macht besitzen), \u201eDar al-Harb\u201c (Haus des Krieges: Muslime m\u00fcssen um ihren Glauben k\u00e4mpfen) und \u201eDar as-Sulh\u201c oder auch \u201eDar al-Ahd\u201c (Haus des Waffenstillstands \/der Vers\u00f6hnung: Muslime d\u00fcrfen frei glauben, haben aber keine Macht) entstammt der fr\u00fchislamischen Expansionszeit als Muslime zu einer bedrohten Spezies geh\u00f6rten. \u201eDar al-Islam\u201c ist nicht identisch mit der \u201eUmmah\u201c, da diese ausdr\u00fccklich alle Muslime unabh\u00e4ngig ihrer Umgebung einschlie\u00dft. So geh\u00f6rt ein muslimischer Forscher in der Antarktis im Kreise norwegischer Protestanten gleichsam dazu. Nach der Flucht des Propheten Mohammed aus Mekka nach Medina wurde diese Stadt die erste \u201eIslamische Nation\u201c, die multiethnische Bev\u00f6lkerung derselben zum \u201eVolk der \u00dcberlieferung und der Gemeinschaft\u201c (\u201eahl al-Sunna wa al-Jama`a\u201c). Die \u201eUmmah\u201c w\u00e4re im Falle einer weitgehenden Islamisierung die einzige \u201eNation\u201c auf Erden und politischer Nationalismus folgerichtig ein Grund\u00fcbel, welches die allumfassende \u201eUmmah\u201c in Staaten zerspaltet. Au\u00dferdem stehen Ethnozentrismus und m\u00f6glicher Rassismus f\u00fcr einen \u201eMaterialismus des Blutes\u201c (Evola), der sich nicht mit transzendenter Universalit\u00e4t vereinbart.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die islamische \u201eDjama`a\u201c<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Urspr\u00fcnglich waren \u201eDjama&#8217;a\u201c und \u201eUmmah\u201c identisch, mit zunehmender islamischer Expansion wurde jedoch eine Differenzierung notwendig. So bedeutet \u201eDjama`a\u201c die lokale Gesamtheit der als Autorit\u00e4ten angesehenen Muslime, deren Glaube und religi\u00f6se Praxis den Forderungen des Islam entsprechen. Teilweise wird auch jede Gruppe von Muslimen, die sich zum gemeinsamen Gebet zusammenfindet als \u201eDjama`a\u201c bezeichnet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">\u201eDjama`a\u201c ist heute die lokale Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen und zeichnet sich durch personelle \u00dcbersichtlichkeit aus und nimmt die Rolle der untersten lokalen Verwaltungseinheit ein. Zwischen ihr und \u201eUmmah\u201c gibt es keine weiteren Ebenen! Der Nationalstaat stellt keine Zwischeninstanz dar, stellt er doch Volkssouver\u00e4nit\u00e4t vor Gottesherrschaft (\u201ehakimiyat allah\u201c) und gilt als Kind der freimaurerischen Franz\u00f6sischen Revolution.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Da eine effektive gesellschaftliche Verwaltung unm\u00f6glich ist, gibt es inzwischen Str\u00f6mungen, die den Nationalstaat integrieren wollen. Sie argumentieren, dass \u201eUmmah\u201c nur eine geistige Einheit sei und deren Schaffung erst am \u201eEnde aller Zeiten\u201c einsetzen w\u00fcrde. Demnach sollen Nationen friedlich zur Ehre Allahs konkurrieren, schlie\u00dflich schaffen sie auch Vielfalt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Alle islamischen Konfessionen zeichnen sich durch eine regelrechte Institutionsfeindlichkeit aus, das schlie\u00dft Staatsgebilde mit ein. Der Nationalstaat ist also doppelt abzulehnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Sunnitische Islam<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Idealerweise herrscht der Kalif global \u00fcber die Gl\u00e4ubigen. Der Kalif ist der irdische Stellvertreter Allahs und Nachfolger des Propheten Mohammed, jedoch hat er eher symbolische Bedeutung, da er kaum Gestaltungsm\u00f6glichkeiten besitzt &#8211; die h\u00f6chste Autorit\u00e4t bleibt die \u201eUmmah\u201c<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>. Im sunnitischen Islam gilt die Koraninterpretation n\u00e4mlich als abgeschlossen, die koranische Deutung findet sich in der \u201eSunna\u201c (=Richtschnur) der vier Nachfolger des Propheten Mohammed und \u201eHadith\u201c (=Erz\u00e4hlungen). Neue Rechtsfestlegungen etwa kann nur der allgemeine Konsens \u201eIdschma\u201c der Religionsgelehrten (\u201eUlemas\u201c) beschlie\u00dfen, niemals aber der Kalif. F\u00fcr die wahrhaftige Auslegung besagter Schriften gibt es vier verschiedene Rechtsschulen<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> mit regionalen Schwerpunkten. Ein islamischer Klerus existiert auch nicht. Das Kalifat stellt vielmehr eine geistige und moralische Institution dar, eben kein festes Staatsgef\u00fcge. Ebenso wie die nationenlose \u201eUmmah\u201c wird zunehmend auch das Kalifat als vision\u00e4re Utopie gesehen. Wer sollte auch heute das w\u00fcrdevolle Amt desselben bekleiden? Das stark verkl\u00e4rte \u201eKalifat Arabischer Nation\u201c endete 1258 mit der mongolischen Invasion und seine Usurpation durch den osmanischen Sultan (kein religi\u00f6ser Titel) offiziell 1924 mit der republikanischen T\u00fcrkei. H\u00e4ufig k\u00e4mpften mehrere Kalifenanw\u00e4rter um die Macht, zeitweise gab es derer sogar mehrere gleichzeitig. Um solche Peinlichkeiten erneut auszuschlie\u00dfen, streben die wenigsten muslimischen W\u00fcrdentr\u00e4ger heute das Kalifat an. Der Kalif muss von der Ummah gew\u00e4hlt werden, eine Anleitung daf\u00fcr gibt es freilich nicht. Die haschemitischen Nachkommen des Propheten Mohammed\u00a0 (Scharif und Sayyid genannt)<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> haben kein automatisches Anrecht, sondern sind Treuh\u00e4nder der heiligen St\u00e4tten im Hedschas, Mekka und Medina, die heute allerdings von der Familie Saud kontrolliert werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Shiitische Islam<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Im Gegensatz zum sunnitischen Islam kennt der shiitische durchaus geistige \u00c4mter und damit zumindest rudiment\u00e4re Institutionen. Als Shiiten bezeichnet man die Anh\u00e4nger des Propheten-Schwiegersohns Ali (Shia = Partei Alis). Die gro\u00dfe Spaltung (\u201eFitna\u201c) des Islam 657 hat aber nicht nur personelle Folgen: Im Shiismus ist die pers\u00f6nliche Koraninterpretation durch ehrliches Bem\u00fchen (\u201eIdschtihad\u201c) weiterhin m\u00f6glich. Anstelle des Kalifen tritt im Shiismus der Imam (nicht mit dem Vorbeter zu verwechseln): dieser gilt als vollkommen und unfehlbar, nur die Nachkommen des Prophetenschwiegersohns Ali konnten diese h\u00f6chste W\u00fcrde erlangen. Das Imamat<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> mit den zw\u00f6lf anerkannten Imamen (bei manchen shiitischen Str\u00f6mungen werden nur der sechste oder siebte anerkannt) wurde 874 urpl\u00f6tzlich unterbrochen, als der zw\u00f6lfte Imam spurlos verschwand. Seitdem warten die Zw\u00f6lfer-Shiiten auf den entschwundenen \u201eMahdi\u201c (=der Verborgene). Dieser kommt am Ende aller Zeiten wieder, um die Gottesherrschaft zu errichten. Bis zu seiner Wiederkehr ist folgerichtig keine politische Macht legitim, jedes System darf in Frage gestellt werden, da ja die Auslegung des Koran bei Shiiten niemals endet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere Merkmale des Politischen Islam<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>allen Str\u00f6mungen gemeinsam (Auswahl)<\/strong>: Orientierung auf die fr\u00fchislamische Praxis und bestimmte kanonische Schriften (daher treffend Fundamentalismus genannt), Ablehnung jeglicher demokratischer Formen wegen der alleinigen Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>, Einf\u00fchrung der Scharia<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a>, religi\u00f6se Durchdringung aller Lebensbereiche, Koran als authentisches (arabisches) Wort Allahs und Wiedererrichtung des Kalifats \/Imamats, wenigstens als Fernziel.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Streitpunkte zwischen den Str\u00f6mungen (Auswahl)<\/strong>:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Was umfasst das urislamische Fundament der Altvorderen? Wie weit reicht die Ahnenreihe der Altvorderen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Geh\u00f6ren die vier Rechtsschulen zum Fundament oder sind sie sp\u00e4ter dazugekommen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Stellen Volksislam und mystische Sufi-Bruderschaften eine Verf\u00e4lschung dar?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Wie sieht eine islamkonforme Wirtschaft aus (Zinsverbot, Eigentumsfrage)?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Wo beginnt Aberglaube<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a>, erlaubte (\u201eruqya\u201c) und unerlaubte (\u201eaihr\u201c) Magie?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Was geh\u00f6rt zu Gewohnheit (\u201eadat\u201c) und Tradition (\u201etaqlit\u201c)? Was ist verf\u00e4lschende Neuerung (\u201ebid\u201c)?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Mahdi-Erwartung und Charakter des Mahdi<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 19px;\">-Umgang mit anderen Konfessionen<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Rolle der Frau (einzubeziehendes Subjekt oder nur Objekt)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-theologische Fragen nach dem Charakter von \u201eZwischenwesen\u201c (Engel, Geister, D\u00e4monen)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Verehrungsgrad des Propheten Mohammed<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Ist \u201eIdschtihad\u201c \u2013 die pers\u00f6nliche Koraninterpretation und Rechtsauslegung -, m\u00f6glich (wie bei Shiiten) oder tats\u00e4chlich abgeschlossen? Sind \u201eUlemas\u201c (Rechtsgelehrte) im Falle von \u201eIdschtihad\u201c \u00fcberhaupt n\u00f6tig?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Was umfasst \u201eScharia\u201c? Was deckt z. B. das Bilderverbot ab?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Akzeptanz ethno-kultureller und regionaler Besonderheiten<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">-Arrangement mit Staat und Nation<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Str\u00f6mungen im politischen sunnitischen Islam<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Die nachfolgende Darstellung charakterisiert die im politikwissenschaftlichen und medialen Diskurs etablierten (ungenauen) Str\u00f6mungen \/Organisationen. Zus\u00e4tzlich soll der Begriff \u201eIslamischer Integralismus\u201c eingef\u00fchrt werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Wahabiten<\/strong>: hanbalitische Rechtsschule; gro\u00dfe Bedeutung der \u201eUlemas\u201c &#8211; kein \u201eIdschtihad\u201c; gegen Nationen; de facto antisozialistisch; saudische Monarchie als Keimzelle eines neuen Kalifats; benutzen v. a. in Zentralasien und Europa Salafisten als Wegbereiter; evolution\u00e4re Macht\u00fcbernahme; gegen mystische Sufi-Bruderschaften<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>al-Qaida<\/strong> and <strong>Taliban<\/strong>: wie Wahabiten, aber hanafitische Rechtsschule; keine einheitliche Aussage zum Kalifen; Taliban inzwischen de facto paschtunisch-nationalistisch; revolution\u00e4re Macht\u00fcbernahme; f\u00fcr \u201eUlemas\u201c; Tendenz beider zum Islamischen Integralismus; zunehmende Tendenz gegen Wahabiten; gegen mystische Sufi-Bruderschaften<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Muslimbruderschaft<\/strong>: Nationen als Zwischenschritt akzeptiert, universelles Kalifat (\u201eUmmah\u201c) wird am \u201eEnde aller Zeiten\u201c errichtet; stark genossenschaftlich orientiert; Ordensstruktur; gegen saudische Dominanz; alle vier Rechtsschulen je nach regionaler Tradition akzeptiert; starke Bedeutung der \u201eUlemas\u201c, kein \u201eIdschtihad\u201c; v. a. ein arabisches und pakistanisches Ph\u00e4nomen; Tendenz zum Islamischen Integralismus; je nach Sektion Akzeptanz mystischer Sufi-Bruderschaften<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Salafisten<\/strong>: inflation\u00e4r benutze unklare Sammelbezeichnung; keine klaren Aussagen zu Wirtschaft und Verwaltung; \u201eIdschtihad\u201c m\u00f6glich und sogar notwendig, daher gegen \u201eUlemas\u201c; gegen saudische Dominanz, Wahabiten als Heuchler; egalit\u00e4r; de facto antimonarchisch; gegen alle vier Rechtsschulen; gegen Nationen; f\u00fcr revolution\u00e4re Macht\u00fcbernahme; gegen mystische Sufi-Bruderschaften<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Neosalafisten<\/strong>: wie Salafisten, aber evolution\u00e4r \u00fcber Islam konforme Parallelgesellschaften; eher theologisch denn politisch; v. a. unter muslimischen Einwanderern in Europa, Nordamerika und Australien sowie Konvertiten verbreitet<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Islamischer Traditionalismus<\/strong>: von Gro\u00dfgrundbesitzern getragen, daher de facto antisozialistisch; Akzeptanz von (monarchischen) Nationen als momentane Erscheinung; zur Tradition geh\u00f6rt das \u201eGoldene Zeitalter\u201c des arabischen Kalifats, nicht aber das osmanische; Akzeptanz der mystischen Sufi-Bruderschaften<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Islamischer Integralismus<\/strong><a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>: gr\u00f6\u00dfte Str\u00f6mung im Politischen Islam; wichtige Rolle der \u201eUlemas\u201c \u2013 kein Idschtihad mehr m\u00f6glich; Akzeptanz der mystischen Sufi-Bruderschaften, \u00a0h\u00e4ufig mit diesen verwoben; Arrangement mit Nationen (Islamisch-Nationalistische Synthese); Nationen spiegeln die Allah gewollte Vielfalt wieder, monarchische wie republikanische Nationen zum friedlichen Wettstreit aufgerufen; unbestimmtes antikapitalistisches Element; nahezu alle politischen shiitischen Gruppen und der Iran seit Khomeinis Tod k\u00f6nnen als integralistisch gelten; zunehmende Tarnung als \u201eIslamische Demokratie\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Islamischer Staat<\/strong>: kann noch keiner Str\u00f6mung zugeordnet werden; h\u00f6chste Bedeutung genie\u00dft die verwirklichte Scharia; IS als einzige m\u00f6gliche Nation; bereits das Kalifat UND Kalifen ausgerufen; keine programmatischen Aussagen zu Rechtsschulen und Wirtschaft; gegen mystische Sufi-Bruderschaften; gegen \u201eUlemas\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">In der machiavellistischen Realit\u00e4t dient auch die islamische Religion dem politischen Machtstreben. Das zeigt sich auch an den merkw\u00fcrdigen Allianzen zwischen unterschiedlichen Str\u00f6mungen und Feindschaften innerhalb einer Str\u00f6mung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">G\u00fcnstige geopolitische Konstellation: Akteure im Konflikt<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Es ist sinnvoll, den gesamten Nahen Osten in seiner staatlichen, ethnischen und konfessionellen Vielfalt zu betrachten. Die Komplexit\u00e4t und Wechselwirkungen machten es bisher dem IS einfach: Einmal waren die IS-Feinde untereinander besch\u00e4ftigt, andermal lie\u00df man den IS absichtlich frei gew\u00e4hren. Bei den widerspr\u00fcchlichen und unberechenbaren Allianzen dominiert das Motto \u201eDer Feind meines Feindes ist mein potentieller Verb\u00fcndeter\u201c. H\u00e4ufig widersprechen sich bei der Partnerwahl Innen- und Au\u00dfenpolitik, was der gr\u00fcndliche Deutsche nur schwer nachvollziehen kann. Nachfolgend eine vereinfachte Charakterisierung der wichtigsten Akteure und Schaupl\u00e4tze:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Baath-Aktivisten<\/strong>: Anh\u00e4nger der in der gesamten arabischen Welt verbreiteten Ideologie der arabischen Wiedergeburt (=Baath) in einem vereinten laizistischen sozialistischen Arabien; Staatsideologie in Irak (bis 2003) und Syrien; seit 1966 in zwei unvers\u00f6hnliche Fl\u00fcgel, proirakisch und prosyrisch, gespalten; Iraks Baathisten kooperieren mit IS, syrische Baathisten bek\u00e4mpfen IS<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Saudi-Arabien<\/strong> and <strong>Katar<\/strong>: wahabitisch; Zweckb\u00fcndnis mit USA, Feindschaft gegen Israel, Iran (wegen Shiismus), T\u00fcrkei (wegen staatlichem Laizismus), Syrien (wegen Baathismus) und Jordanien (wegen der Haschimiten-Dynastie, die ihre Rechte auf Mekka und Medina wahrt); im Inneren werden Salafisten und Muslimbr\u00fcder bek\u00e4mpft, im Ausland aber gelegentlich \u00fcber Stiftungen offen unterst\u00fctzt; Beide Monarchien dulden die Finanzierung solcher Bewegungen \u2013 und des IS \u2013 durch eigene Staatsb\u00fcrger und private Stiftungen; IS wird jedoch zum neuen Feind<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Syrien<\/strong>: B\u00fcrgerkrieg zwischen Assad-Anh\u00e4ngern (Baathisten, Alawiten, Kurden, Christen, Drusen), laizistischen Assad-Feinden (Sunniten und Kurden) und zersplitterten sunnitischen Extremisten<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a>; Allianz Assads mit Iran und libanesischer shiitischer Hizbullah<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Pakistan<\/strong>: instabiler Staat mit gro\u00dfer shiitischer Minderheit; B\u00fcrgerkriegsschauplatz der Zukunft; enges B\u00fcndnis mit Saudi-Arabien; Zweckb\u00fcndnis mit USA; Gegnerschaft zum Iran; rivalisiert mit diesem um Einfluss in Afghanistan; duldete lange das Erstarken der Taliban<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Iran<\/strong>: einziger Staat mit shiitischer Staatsreligion; traditioneller ethnischer und religi\u00f6ser Gegensatz zu T\u00fcrkentum und Arabertum; Intimfeindschaft zu Saudi-Arabien und Pakistan; unterst\u00fctzt shiitische Gemeinschaften in arabischen Staaten, v. a. die Hizbullah-Familie (Libanon, Bahrain, Saudi-Arabien); unterst\u00fctzt shiitische Zaiditen in jemenitischen B\u00fcrgerkrieg; enges B\u00fcndnis mit Syrien<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>T\u00fcrkei<\/strong>: innenpolitisch stark polarisiert: Laizisten gegen regierende Islamische Integralisten; gro\u00dfe shiitisch-alevitische Minderheit, starke kurdische Minderheit mit separatistischen Bestrebungen; kaum t\u00fcrkische Salafisten; traditioneller Gegensatz zum Iran und Arabertum; Intimfeindschaft zu Syrien<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a> wegen dessen Gebietsforderungen; Transitland f\u00fcr IS-Zulauf; Zun\u00e4chst keine Unterst\u00fctzung im Kampf gegen IS, inzwischen m\u00f6glicher Kurswechsel<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Kuwait, Bahrain<\/strong> and <strong>Vereinigte Emiraten<\/strong>: Vertreter des Islamischen Traditionalismus; enges B\u00fcndnis mit USA und Saudi-Arabien; Feindschaft zu Baathisten im In- und Ausland; Intimfeindschaft zu Syrien und Iran; erkennen tendenziell den jordanisch-hashemitischen Anspruch auf die Verwaltung Mekkas und Medinas an; bek\u00e4mpfen Salafisten, al-Qaida und Muslimbruderschaft im Inneren, dulden aber deren Unterst\u00fctzung im Ausland durch Staatsb\u00fcrger und private Stiftungen<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>\u00c4gypten<\/strong>: instabiler Staat mit ausgepr\u00e4gtem Nationalismus; starke Stellung der Muslimbruderschaft, zunehmend auch der Salafisten; gro\u00dfe christlich-koptische Minderheit; nach einem kurzen Intermezzo einer Regierung der Muslimbruderschaft<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a> steht \u00c4gypten heute wieder im Zustand VOR dem \u201eArabischen Fr\u00fchling\u201c 2011; Zweckb\u00fcndnis mit USA; wechselnde N\u00e4he zu Saudi-Arabien UND \u00a0Assad-Syrien; Hier reift der n\u00e4chste B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Irak<\/strong>: Failed State; de facto in drei Einheiten gespalten (Kurden, arabische Sunniten und arabische Shiiten); zersplitterte sunnitische Extremisten<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Jemen<\/strong>: Failed State; starke sozialistische Separatisten im S\u00fcdjemen; gro\u00dfe shiitisch-zaiditische Minderheit (35%), diese wird von Saudi-Arabien bek\u00e4mpft, in den 1960ern aber unterst\u00fctzt; zersplitterte sunnitische Extremisten<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Jordanien<\/strong>: instabiler Staat mit kaum ausgepr\u00e4gter Identit\u00e4t: pal\u00e4stinensischer Bev\u00f6lkerungsanteil bis 60%; einziger Staat unter haschemitischer Herrschaft; gro\u00dfe Kontingente an syrischen und irakischen Fl\u00fcchtlingen; Durch die B\u00fcrgerkriege in Irak und Syrien wurde Jordanien zur unfreiwilligen \u00fcberforderten Ordnungsmacht; enges B\u00fcndnis mit USA, Israel und T\u00fcrkei; Feindschaft mit Saudi-Arabien (wegen Gebietsforderungen) und Syrien; im Inneren starke prosyrische republikanische Opposition und eine angeblich gez\u00e4hmte Sektion der Muslimbruderschaft<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Israel<\/strong>: bis auf die Pal\u00e4stinenser-Problematik die bequemste Position; enges B\u00fcndnis mit USA und Jordanien; profitiert vom B\u00fcrgerkriegsklima in Irak, Syrien und Libanon<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Libanon<\/strong>: komplexe Nahoststruktur en miniature; shiitische Mehrheit mit starker Hizbullah und politisch zersplitterten Christen und Sunniten; viele syrische Fl\u00fcchtlinge; Ein neuer B\u00fcrgerkrieg scheint unvermeidlich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Oman<\/strong>: Sonderfall: weder sunnitisch noch shiitisch, sondern ibaditische; Verteter des Islamischen Traditionalismus; auffallende Zur\u00fcckhaltung; wird als \u201eehrlicher Makler\u201c betrachtet; wegen seiner einmaligen ibaditischen Mehrheit resistent gegen Extremisten<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Libyen<\/strong>: Failed State. Die gro\u00dfe ethnische, kulturelle, theologische und mentale Teilung Arabiens in Maghreb (Westen) und\u00a0 Mashreq (Osten) durchschneidet Libyen. Die traditionellen Regionen Tripolitanien und Fezzan geh\u00f6ren zum Maghreb und die Kyrenaika zum Mashreq. Deren Zwangsvereinigung zum Kunstprodukt Libyen durch die einstige italienische Kolonialmacht wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg beibehalten und 1951 als \u201eVereinigtes K\u00f6nigreich Libyen\u201c in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen. Ethnisch dominieren arabisierte und einige rein hamitische Berber die maghrebinischen Regionen Tripolitanien und Fezzan, w\u00e4hrend arabisierte Alt\u00e4gypter den Osten (Kyrenaika) bewohnen. Eine zus\u00e4tzliche religi\u00f6se Spaltung wie in Syrien oder Irak blieb diesem Konstrukt erspart. Seit der Unabh\u00e4ngigkeit wurde Libyen zun\u00e4chst von der \u00f6stlichen Kyrenaika (als K\u00f6nigreich) dominiert, seit Ghadaffis Revolution folgte eine sukzessive Tripolitanisierung und Hamitisierung der Politik. Der B\u00fcrgerkrieg von 2011 gegen Ghadaffi war also auch ein Aufstand des benachteiligten Ostens. Nach Ende des B\u00fcrgerkriegs &#8211; und von der westlichen Staatenwelt unerw\u00fcnschten Wahlergebnissen -, stehen sich seit 2014 zwei regionale Bl\u00f6cke unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber: Kyrenaika vs. Tripolitanien\/Fezzan. Beide Bl\u00f6cke sind ideologisch heterogen, in beiden wirken politisch islamische Bewegungen. Zus\u00e4tzlich agieren lokale unpolitische Warlords und einige v\u00f6lkisch motivierte Minderheiten (nichtarabisierte Berber und nilotisch-saharische Tubu). Genau wie in Syrien und Irak existieren unklare B\u00fcndnisse und sich st\u00e4ndig \u00e4ndernde Frontverl\u00e4ufe. Diese ethno-regionale Un\u00fcbersichtlichkeit wird sowohl von al-Qaida als auch IS ausgenutzt, wobei sich beide feindlich gegen\u00fcberstehen. Das syrische und irakische Trauerspiel wiederholt sich einmal mehr. Eine Besonderheit besteht darin, dass beide verwandte Bewegungen wenigsten eine ansatzweise autochthone Basis im Land besitzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Kurden:<\/strong> Neben Israel geh\u00f6ren die Kurden zu den Nutznie\u00dfern des entflammten Nahen Ostens. Momentan verteilen sich die Kurden auf die T\u00fcrkei, Irak, Iran und Syrien, wobei es wegen des jahrhundertelangen Assimilierungsdrucks starke regionale Unterschiede in Sprache, Religion und Kultur gibt. Trotz des historischen Gegensatzes zu T\u00fcrken und Arabern und einer relativen N\u00e4he zu den verwandten Persern des Iran, dominieren innerkurdische Rivalit\u00e4ten. In der T\u00fcrkei neigen die alevitischen Kurden zur Sezession, die Sunniten zu einer begrenzten Autonomie innerhalb einer reislamisierten T\u00fcrkei. Im Nordirak herrschten bis in die 1990er gem\u00e4\u00dfigt nationalistische Organisationen feudalen Charakters, in Nordsyrien gem\u00e4\u00dfigt linke Organisationen, die sich mit dem Baath-System trotz dessen Arabisierungspolitik arrangierten und auch im Iran schw\u00e4chte sich der gem\u00e4\u00dfigte linke Nationalismus dank Khomeinis vers\u00f6hnender Nationalit\u00e4tenpolitik ab. Mit dem Irak-Krieg der USA 1991 und dem endg\u00fcltigen Sturz des irakischen Baath-Systems Saddams konnte sich ein kurdischer Parallelstaat im erd\u00f6lreichen Nordirak entwickeln. Dieser bleibt weitgehend zwischen den zwei US-freundlichen feudalen Klans aufgeteilt. Inzwischen st\u00f6ren PKK und radikalisierte kurdische Sunniten diese Vetternwirtschaft. Die irakischen Kurden werden von den USA besonders stark umworben: Washington braucht sie als Helfer gegen die sunnitischen Araber Iraks und gegen den IS, provoziert aber damit den treuen NATO-Partner T\u00fcrkei, die eine solche Aufwertung wegen ihrer eigenen Kurden f\u00fcrchten muss. Die mehrheitlich linksgerichteten US-feindlichen Kurden Nordsyriens stehen im syrischen B\u00fcrgerkrieg allein, d.h. sie k\u00e4mpfen gegen den IS und weitere sunnitische Extremisten, aber auch gegen das arabisch-nationalistische Baath-System. Nachdem die vom IS bedr\u00e4ngten Kurden halbherzig von den USA mit Luftschl\u00e4gen unterst\u00fctzt wurden, konnten sie nach dem Nordirak einen zweiten Kurden-Staat in Syrien errichten: Die \u201eF\u00f6deration Nordsyrien \u2013 Rojava\u201c. Dieses Zufallskonstrukt sieht sich dem \u201eDemokratischen Konf\u00f6deralismus\u201c verpflichtet, einer Propagandavision \u00d6calans, wonach alle V\u00f6lker zun\u00e4chst Nordsyriens (Kurden, Araber und Turkmenen) gleichberechtigt in einem s\u00e4kularen und basisdemokratischen System mit verordneter Frauenquote leben d\u00fcrfen. Es darf bezweifelt werden, dass sich aus dem syrischen und irakischen \u201eKurdistanen\u201c \u2013 geschweige denn dem t\u00fcrkischen -, jemals ein vereintes Gro\u00dfkurdistan entwickeln wird. Zur Vereinigung fehlen zudem ein kurdisches Preu\u00dfen und eine protegierende Gro\u00dfmacht. Wie 1918 f\u00e4llt diesem gro\u00dfen Volk die Rolle des internationalen Spielballs zu: mit einer gro\u00dfen Diaspora und wieder ohne wirkungsm\u00e4chtige Lobby.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Sufi-Bruderschaften<\/strong>: einflussreiche, elit\u00e4re, miteinander verbundene Orden auf mystisch-spiritueller Grundlage mit Massenanhang; starkes soziales Engagement; h\u00e4ufig mit politischen Organisationen verbunden; in der gesamten islamischen Welt beheimatet; widerspr\u00fcchliches Verh\u00e4ltnis zur Orthodoxie<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*Die B\u00fcrgerkriegsstaaten<strong> Syrien, Irak, Libyen, Jemen, (Sudan)<\/strong> and <strong>Somalia<\/strong> entwickeln sich zum Tummelplatz f\u00fcr Salafisten, al-Qaida und IS.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>USA<\/strong>: Unterst\u00fctzen oder dulden alle Kr\u00e4fte, die Assad-Syrien und Iran destabilisieren; B\u00fcndnis mit Saudi-Arabien, Pakistan, \u00c4gypten, Jordanien, Israel und den Golf-Monarchien. Der IS ist nur der \u201en\u00fctzliche Idiot\u201c.<a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a> Die USA profitiert wie Israel von einer latenten B\u00fcrgerkriegssituation in der gesamten Region mit nicht zu starken regionalen Hegemonialkr\u00e4ften (Saudi-Arabien, Jordanien, \u00c4gypten)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">*<strong>Russland \/China<\/strong>: B\u00fcndnis mit Assad-Syrien und Iran aufgrund deren Gegnerschaft zur USA; Feindschaft zu Saudi-Arabien und Pakistan, da beide die Finanzierung islamischer Terroristen in Zentralasien, Russland und China dulden<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><strong>*Europa<\/strong>: Die EU ist wie \u00fcblich gespalten, die nationalen Interessen \u00fcberwiegen. In Europa selbst breiten sich derweil IS und Salafisten aus. Neben einem noch \u00fcberschaubaren entwurzelten Immigrantenmilieu und einer autochthonen Konvertitenszene gedeihen IS, al-Qaida und Wahabiten in Bosnien-Herzegowina. Neben den albanischen Siedlungsgebieten beherbergt die ehemalige jugoslawische Teilrepublik einen historisch gewachsenen nativistischen Islam auf sunnitisch-osmanisch-sufistischer Grundlage. Die Vorfahren der bosnischen Muslime geh\u00f6rten jener h\u00e4retischen christlichen Sekte der Bogomilen an, die von ihren katholischen wie orthodoxen Br\u00fcdern gleicherma\u00dfen verfolgt wurden und in der osmanisch-islamischen Landnahme einen Befreiungsakt sahen. Wegen des bedeutsamen mystizistischen Sufismus im osmanischen Islam traten die Bogomilen sukzessiv zum sunnitischen Islam \u00fcber. Bis 1945 definierten sich die s\u00fcdslawischen Muslime religi\u00f6s, bis sie von Tito zur Nation erhoben wurden. Seitdem bevorzugen sie die Bezeichnung \u201eBosniaken\u201c in Abgrenzung zu \u201eBosniern\u201c, die alle Bewohner (auch katholische Kroaten und orthodoxe Serben) umfassen. Der gem\u00e4\u00dfigte tolerante Kulturislam des erwachten bosniakischen Nationalismus nach 1990 verlor auch wegen der prek\u00e4ren Staatlichkeit Bosniens made by UNO\/NATO\/EU an Integrationskraft. Der Vergleich Bosnien-Herzegowinas mit solchen Konstrukten wie Libyen, Libanon oder Irak dr\u00e4ngt sich dem Beobachter auf: Es stehen sich unvers\u00f6hnlich zwei Defacto-Staaten im Inneren gegen\u00fcber, wobei die muslimisch-kroatische F\u00f6deration alles andere als harmonisch anmutet. Wegen des Versagens des vormals identit\u00e4tsstiftenden gem\u00e4\u00dfigten Islams f\u00fcllen zunehmend saudisch-wahabitische Vereine, Investoren und Prediger das Vakuum \u2013 und in deren Gefolge noch radikalere Kr\u00e4fte. Als g\u00fcnstig erweist sich die komplizierte ohnm\u00e4chtige staatliche Struktur, die Flut an Waffen als Folge des B\u00fcrgerkriegs und das europ\u00e4ische Desinteresse an der Balkanregion. IS, al-Qaida und Wahabiten k\u00f6nnen ungest\u00f6rt unter den orientierungs- und arbeitslosen bosniakischen Jugendlichen mittels arabischer, afghanischer und pakistanischer Instrukteure rekrutieren und lokale St\u00fctzpunkte in verlassenen D\u00f6rfern bilden. Man kann damit rechnen, dass die albanischen Siedlungsgebiete aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden folgen werden, wobei sich der s\u00e4kulare albanische Nationalismus bisher resistent zeigte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><strong>Perspektive des \u201eIslamischen Staats\u201c<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Der IS kann programmatisch momentan nicht eingeordnet werden. Er erinnert an die Experimentierphase des fr\u00fchen \u201eBewegungsfaschismus\u201c 1919-1922. Einige Erfolgsfaktoren (siehe oben) werden sich als Nachteile erweisen. Einen B\u00e4rendienst hat sich der IS mit der Ausrufung des Kalifats und eines Kalifen (Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri) geleistet. Diese Anma\u00dfung isoliert den IS zusehend. Es r\u00e4cht sich jetzt auch die so vorteilhaft erschienene Programmlosigkeit: Es fehlt jegliche konstruktive Vision. IS gleicht damit solchen zerst\u00f6rerischen Tsunamis \u00e0 la Alexander der Gro\u00dfe oder Dschingis Khan.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Von einer zentralen, straff gef\u00fchrten Organisation kann schwer gesprochen werden, es gibt zahlreiche autonome Untergliederungen, die sich schnell verselbst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Wohl existiert ein F\u00fchrungsdirektorium ohne feste Basis. Es gibt zu viele Kriegstouristen, Abenteurer und Desperados.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Die Fluktuation der multiethnischen Anh\u00e4nger ist wegen Entt\u00e4uschung und Desillusionierung sehr hoch. Gerade im multiethnischen Charakter liegt auch die langfristige Schw\u00e4che: Es gibt keinen reinen \u201eislamischen Menschen\u201c, nur ethno-kulturell gepr\u00e4gte, weshalb die Gegens\u00e4tze untereinander zunehmen. Alle panislamischen Versuche der Vergangenheit scheiterten an Nationalismus, Ethnozentrismus und sogar Rassismus. Nicht zuf\u00e4llig dominiert deutlich der vorgestellte Islamische Integralismus mit seiner Synthese aus Nation und Religion. \u00c4hnlichkeiten gibt es am ehesten mit den urspr\u00fcnglichen Taliban, al-Shabaab und Boko Haram, aber gerade diese mussten sich ethnisieren. Taliban sind inzwischen paschtunisch, Boko Haram eine fast reine Nationalbewegung der nordnigerianischen Hausa und al-Shabaab gro\u00dfsomalisch. Das gilt auch f\u00fcr die islamische Diaspora au\u00dferhalb des traditionellen islamischen Raums. Multiethnische Gruppen sind die Ausnahme und werden es auch bleiben. Die einzigen \u201eislamischen Menschen\u201c sind entwurzelte Einwanderer und autochthone Konvertiten, dadurch aber fehlt es an Nachhaltigkeit. Wer Europa islamisieren will, muss den Islam entorientalisieren und ethnisieren &#8211; wie seinerzeit das Christentum. DEN Islam gibt es eben nur theologisch.<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Ein so praktizierte rigorose Islam-Interpretation wie beim IS wird den Widerwillen der muslimischen Mehrheit wecken, besonders der nicht zu untersch\u00e4tzenden Frauen, aber auch der in ihrer Ehre gekr\u00e4nkten \u201eUlemas\u201c, die schon jetzt nicht mit Bannspr\u00fcchen sparen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Der IS kann sich noch behaupten und sogar expandieren, weil sich seine Feinde gegenseitig l\u00e4hmen, d. h. der IS lebt ausschlie\u00dflich von der Schw\u00e4che seiner Feinde, nicht von eigener St\u00e4rke. Zunehmend wird der IS aber zum \u00c4rgernis, schon richten sich seine Angriffe gegen Saudi-Arabien und T\u00fcrkei. Mit zunehmendem Engagement in Jemen und Libyen betritt der IS auch von Salafisten und al-Quaida \u201ebeanspruchtes\u201c Terrain. Die flexible B\u00fcndnispolitik sogar mit laizistischen Baath-Veteranen im Irak macht den IS unberechenbar und nicht gerade vertrauensw\u00fcrdig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Den gr\u00f6\u00dften Fehler machen aber alle Str\u00f6mungen, die die mystischen Sufi-Bruderschaften als unislamisch (unerlaubte Neuerung) verdammen. Der Sufismus stellt gerade keine Sammelbezeichnung mystischer Bruderschaften dar, sondern ein dezentrales Netzwerk autonomer Orden und Schulen. Mindestens 130 Mio Mitglieder (ohne Anh\u00e4nger) kann man nicht ignorieren. Den sufistischen Autorit\u00e4ten gelang seit jeher die Symbiose aus Volksislam und elit\u00e4ren Orden. Volksislam und Orden mit ihrem sozialen Engagement und Bedienen spiritueller Bed\u00fcrfnisse sind DIE Motoren der islamischen Missionierung und deren nachhaltiges Korsett &#8211; nicht die rein formalistische langweilige Orthodoxie, nicht das gef\u00fcrchtete \u00fcberbewertete \u201eSchwert des Islam\u201c. Die Rolle der Bruderschaften kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Sehr viele Vertreter des Islamischen Integralismus rekrutieren sich daraus.<a href=\"#_ftn23\">[23]<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\">Der \u201eIslamische Staat\u201c wird entweder nur ein belangloses, von niemandem beanspruchtes Territorium halten k\u00f6nnen oder unvermeidlich zur terroristischen zwergenhaften Politsekte herabsinken, die hochgef\u00e4hrlich bleibt. Zur Keimzelle eines wahrhaftigen Kalifats wird der IS nicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anmerkungen<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Die syrischen Sunniten sind wirtschaftlich integriert, aber politisch marginalisiert. Von einem Assad-feindlichen sunnitischen Block kann nat\u00fcrlich nicht gesprochen werden. (Auch die kurdische Minderheit ist sunnitisch).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Die arabisch-sunnitische Minderheit dominierte den Irak bis Saddams Sturz 2003, seit dem wird sie von Kurden und shiitischer Mehrheit marginalisiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> In der Praxis zeigt sich das an islamisch-nationalistischen Synthesen, hier de facto, dort auch offiziell (Milli G\u00f6r\u00fcs).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> \u201ePatriotische Muslime gegen die Liberalisierung des Morgenlandes\u201c h\u00e4tten eine gr\u00f6\u00dfere Berechtigung als die X-GIDAS.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Zum Erfolgsrezept geh\u00f6rt \u201easabiyya\u201c: die feste solidarische Wertegemeinschaft, die diesen Namen auch verdient.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Sozialistische Str\u00f6mungen\u00a0 legitimieren daraus ihre Forderungen. Es gab auch Versuche einer islamisch-marxistischen Synthese.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Bis heute gibt es im Arabischen, Persischen und T\u00fcrkischen keine einheitliche \u00dcbersetzung f\u00fcr \u201eNation\u201c, nur Umschreibungen und Hilfsbegriffe.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Als Beratungsgremium f\u00fcr die Rechtsprechung ist die \u201eShura\u201c vorgesehen. Es ist unklar, wie sich \u201eShura\u201c legitimiert. Manche Muslime schlie\u00dfen auf eine Art Basisdemokratie.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Hanbalyya (Saudi-Arabien), Hanafyya (\u00c4gypten, T\u00fcrkei, Zentralasien, S\u00fcdasien), Malikyya (Nordafrika), Shafyya (Ostafrika, T\u00fcrkei, S\u00fcdostasien)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Auch das marokkanische K\u00f6nigshaus leitet sich vom Propheten ab.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Imamat und universelle Ummah sind im Idealfall identisch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Eine \u201eislamische Demokratie\u201c ist ein Widerspruch in sich selbst. Wegen der starken Ausrichtung auf die Gemeinschaft sind Parteien und Interessenverb\u00e4nde besonders verhasst. Es fehlt im Islam ein Pendant der christlichen \u201eZwei-Reiche-Lehre\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Allein zu diesem vielseitigen Begriff w\u00e4ren Erl\u00e4uterungen notwendig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Gebetsketten, Verehrung Heiliger, Amulette, Geisterglaube, Totenverehrung<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> Die \u201eZw\u00f6lfer-Shiiten\u201c erwarten den Mahdi am Ende aller Zeiten, bei den Sunniten gibt es verschiedene Vorstellungen vom Mahdi.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Der Islamische Integralismus kann mit christlichen autorit\u00e4r-konservativen und faschistischen Gruppen verglichen werden. Die t\u00fcrkische \u201eMilli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung\u201c und der islamische Fl\u00fcgel der \u201eGrauen W\u00f6lfe\u201c k\u00f6nnen als Idealform angesehen werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> Die gro\u00dfarabische Baath-Ideologie ist klar antiiranisch und antit\u00fcrkisch, gleichwohl syrische Baathisten mit dem Iran sympathisieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Ausl\u00e4nder unter den Extremisten werden klar \u00fcberbewertet. Man kann von au\u00dfen nur dort erfolgreich sein, wo sich innere Widerspr\u00fcche zuspitzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Lange Zeit beherbergte Syrien die F\u00fchrung der separatistischen kurdischen PKK.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Die Muslimbruderschaft \u00c4gyptens kann klar als Islamische Integralisten angesehen werden. Sie setzen sich f\u00fcr ein enges B\u00fcndnis mit der T\u00fcrkei Erdogans ein und distanzieren sich von Saudi-Arabien.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> Ein wunderbares Indiz: Trotz permanenter US-Aufkl\u00e4rungsdrohnen \u201e\u00fcbersahen\u201c diese die sich konzentrierenden (mehrere tausend) IS-K\u00e4mpfer seit Mitte 2013 im Grenzgebiet Syrien-Irak, w\u00e4hrend eine jordanische Hochzeitsgesellschaft von rund 60 Personen von solchen Drohnen als vermeintliche Kombattanten angegriffen wurden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> Zum Verh\u00e4ltnis von Islam und Nationalismus mit verschiedenen Bsp. Siehe Dominik Schwarzenberger: Islam und Nationalismus \u2013 Ein Widerspruch?, in: Neue Ordnung Nr. 4 2009<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"font-size: 18px;\"><a href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a> Bsp. sind Milli G\u00f6r\u00fcs und G\u00fclen-Bewegung der T\u00fcrkei, Ansar im Sudan, einige Sektionen der Muslimbr\u00fcder, die Senussi in Libyen oder nahezu alle politisch-islamischen Gruppen in Kaukasus, Indonesien, Zentralasien und Nordafrika.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Essay von Dominik Schwarzenberger wird die Entstehung, Entwicklung und geopolitische Bedeutung des Islamischen Staates sowie des politischen Islams als solches behandelt. Schwarzenberger ist bekannt f\u00fcr seine n\u00fcchternen und sachlichen Analysen. Wer einen ersten \u00dcberblick \u00fcber das Phantom &#8222;IS&#8220; und der dahinterstehenden Ideologie bekommen will, f\u00fcr den ist diese Abhandlung ein Muss.<\/p>","protected":false},"author":29,"featured_media":1298,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[226,379,172,380,177,382,381,298],"class_list":["post-1297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-philosophie-theorie","tag-dominik-schwarzenberger","tag-is","tag-islam","tag-islamischer-staat","tag-israel","tag-nahost","tag-syrien","tag-traditionalismus"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.2 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Das Phantom &quot;Islamischer Staat&quot; - Gegenstrom<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/das-phantom-islamischer-staat\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das Phantom &quot;Islamischer Staat&quot; - Gegenstrom\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In diesem Essay von Dominik Schwarzenberger wird die Entstehung, Entwicklung und geopolitische Bedeutung des Islamischen Staates sowie des politischen Islams als solches behandelt. Schwarzenberger ist bekannt f\u00fcr seine n\u00fcchternen und sachlichen Analysen. Wer einen ersten \u00dcberblick \u00fcber das Phantom &quot;IS&quot; und der dahinterstehenden Ideologie bekommen will, f\u00fcr den ist diese Abhandlung ein Muss.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/das-phantom-islamischer-staat\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Gegenstrom\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/rechteMetapolitik\/\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2018-09-21T17:33:48+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2020-02-04T11:56:03+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"715\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"300\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Dominik Schwarzenberger\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Written by\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Dominik Schwarzenberger\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Est. reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"27 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/\"},\"author\":{\"name\":\"Dominik Schwarzenberger\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/person\/101c373804d90903dbbde5fc34f544c0\"},\"headline\":\"Das Phantom &#8222;Islamischer Staat&#8220;\",\"datePublished\":\"2018-09-21T17:33:48+00:00\",\"dateModified\":\"2020-02-04T11:56:03+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/\"},\"wordCount\":5428,\"commentCount\":0,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#organization\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg\",\"keywords\":[\"Dominik Schwarzenberger\",\"IS\",\"Islam\",\"Islamischer Staat\",\"Israel\",\"Nahost\",\"Syrien\",\"Traditionalismus\"],\"articleSection\":[\"Philosophie &amp; Theorie\"],\"inLanguage\":\"en-US\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/\",\"url\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/\",\"name\":\"Das Phantom \\\"Islamischer Staat\\\" - Gegenstrom\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg\",\"datePublished\":\"2018-09-21T17:33:48+00:00\",\"dateModified\":\"2020-02-04T11:56:03+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"en-US\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-US\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg\",\"width\":715,\"height\":300,\"caption\":\"Das Phantom \\\"Islamischer Staat\\\" und der politische Islam\"},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Das Phantom &#8222;Islamischer Staat&#8220;\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#website\",\"url\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/\",\"name\":\"Gegenstrom\",\"description\":\"Plattform f\u00fcr rechte Metapolitik\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"en-US\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#organization\",\"name\":\"Metapol Verlag & Medien\",\"url\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-US\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/logo\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/WMB_Senkrecht_Farbe_M-e1574681161133.png\",\"contentUrl\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/WMB_Senkrecht_Farbe_M-e1574681161133.png\",\"width\":300,\"height\":219,\"caption\":\"Metapol Verlag & Medien\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/logo\/image\/\"},\"sameAs\":[\"https:\/\/de-de.facebook.com\/rechteMetapolitik\/\",\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCvQizs-yQ8YapMiyuD6wDrw\"]},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/person\/101c373804d90903dbbde5fc34f544c0\",\"name\":\"Dominik Schwarzenberger\",\"url\":\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/author\/dominik-schwarzenberger\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Das Phantom \"Islamischer Staat\" - Gegenstrom","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/das-phantom-islamischer-staat\/","og_locale":"en_US","og_type":"article","og_title":"Das Phantom \"Islamischer Staat\" - Gegenstrom","og_description":"In diesem Essay von Dominik Schwarzenberger wird die Entstehung, Entwicklung und geopolitische Bedeutung des Islamischen Staates sowie des politischen Islams als solches behandelt. Schwarzenberger ist bekannt f\u00fcr seine n\u00fcchternen und sachlichen Analysen. Wer einen ersten \u00dcberblick \u00fcber das Phantom \"IS\" und der dahinterstehenden Ideologie bekommen will, f\u00fcr den ist diese Abhandlung ein Muss.","og_url":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/das-phantom-islamischer-staat\/","og_site_name":"Gegenstrom","article_publisher":"https:\/\/de-de.facebook.com\/rechteMetapolitik\/","article_published_time":"2018-09-21T17:33:48+00:00","article_modified_time":"2020-02-04T11:56:03+00:00","og_image":[{"width":715,"height":300,"url":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg","type":"image\/jpeg"}],"author":"Dominik Schwarzenberger","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Written by":"Dominik Schwarzenberger","Est. reading time":"27 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/"},"author":{"name":"Dominik Schwarzenberger","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/person\/101c373804d90903dbbde5fc34f544c0"},"headline":"Das Phantom &#8222;Islamischer Staat&#8220;","datePublished":"2018-09-21T17:33:48+00:00","dateModified":"2020-02-04T11:56:03+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/"},"wordCount":5428,"commentCount":0,"publisher":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#organization"},"image":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg","keywords":["Dominik Schwarzenberger","IS","Islam","Islamischer Staat","Israel","Nahost","Syrien","Traditionalismus"],"articleSection":["Philosophie &amp; Theorie"],"inLanguage":"en-US"},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/","url":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/","name":"Das Phantom \"Islamischer Staat\" - Gegenstrom","isPartOf":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg","datePublished":"2018-09-21T17:33:48+00:00","dateModified":"2020-02-04T11:56:03+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#breadcrumb"},"inLanguage":"en-US","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-US","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#primaryimage","url":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg","contentUrl":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg","width":715,"height":300,"caption":"Das Phantom \"Islamischer Staat\" und der politische Islam"},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/das-phantom-islamischer-staat\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/gegenstrom.org\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Das Phantom &#8222;Islamischer Staat&#8220;"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#website","url":"https:\/\/gegenstrom.org\/","name":"Gegenstrom","description":"Plattform f\u00fcr rechte Metapolitik","publisher":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/gegenstrom.org\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"en-US"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#organization","name":"Metapol Verlag & Medien","url":"https:\/\/gegenstrom.org\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-US","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/WMB_Senkrecht_Farbe_M-e1574681161133.png","contentUrl":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/WMB_Senkrecht_Farbe_M-e1574681161133.png","width":300,"height":219,"caption":"Metapol Verlag & Medien"},"image":{"@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/de-de.facebook.com\/rechteMetapolitik\/","https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCvQizs-yQ8YapMiyuD6wDrw"]},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/gegenstrom.org\/#\/schema\/person\/101c373804d90903dbbde5fc34f544c0","name":"Dominik Schwarzenberger","url":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/author\/dominik-schwarzenberger\/"}]}},"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/gegenstrom.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ISIS2.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/29"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1297"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1297\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}