{"id":1226,"date":"2018-08-03T11:53:30","date_gmt":"2018-08-03T10:53:30","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=1226"},"modified":"2024-06-07T12:31:33","modified_gmt":"2024-06-07T10:31:33","slug":"der-kapitalismus-ein-verwirrender-begriff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/der-kapitalismus-ein-verwirrender-begriff\/","title":{"rendered":"Der Kapitalismus \u2013 Ein verwirrender Begriff"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Seit dem Untergang des sogenannten Ostblocks gilt der Kapitalismus als unumst\u00f6\u00dfliche Wahrheit unseres Wirtschaftslebens. Tats\u00e4chlich gab es bereits vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion in gewissen akademischen Kreisen die \u00dcberzeugung, dass der aus dem Utilitarismus<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> stammende kapitalistische Gedanke eine allgemeine Wahrheit inne h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Liberal bzw. libert\u00e4r ausgerichtete \u00d6konomen wie Ludwig von Mises (1881-1973) oder seinem Sch\u00fcler Friedrich August von Hayek (1899-1992) postulierten ihrer Zeit eine kapitalistische Ordnung, die als einziges wirklich funktionierendes Wirtschaftssystem fungiere. Es gab jedoch auch kritische Stimmen. Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) leiteten aus dieser allgemeinen Wahrheit des Kapitalismus die Theorie des historischen Materialismus ab, wonach der Besitz an den Produktionsmitteln den entscheidenden Aspekt der gesellschaftlichen Ordnung ausmacht. Die in der modernen kapitalistischen Marktwirtschaft vorherrschende Dominanz des Privateigentums an Produktionsmitteln wie z.B. Immobilien, Maschinen, Arbeit und Boden, wurden von Marx und Engels als entscheidende Triebfeder f\u00fcr die Spaltung von Gesellschaften ausfindig gemacht. Der historische Materialismus bzw. die historische Schule geht davon aus, dass \u201edie Geschichte aller bisherigen Gesellschaften\u201c eine \u201eGeschichte von Klassenk\u00e4mpfen\u201c ist<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nach Werner Sombart (1863-1941) begr\u00fcndet sich der Kapitalismus nicht nur durch das Bestehen einer dominanten Privatwirtschaft hinsichtlich der Produktionsmittel. Auch der kapitalistische Unternehmergeist, dem auch Joseph Schumpeter (1883-1950)<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> etwas \u201eSch\u00f6pferisches\u201c unterstellte, war f\u00fcr Sombart eine logische Folge europ\u00e4ischer Entwicklungen. \u00c4hnlich den \u00dcberlegungen Max Weber\u2019s (1864-1920) wird dem \u201emodernen kapitalistischen Geist\u201c eine bestimmte \u201eeigent\u00fcmliche Ethik der Gesch\u00e4ftigkeit\u201c, der \u201eGesch\u00e4ftsklugheit\u201c zugewiesen<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Halten wir also fest: Sowohl die Herrschaft \u00fcber die Produktionsmittel durch dominierendes Privateigentum als auch das Vorhandensein einer individualistischen, rein auf Gewinn abgerichteten Geisteshaltung sowie das hegemoniale Vorhandensein von Gro\u00dfindustrie und Gro\u00dfbetrieben<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> sind die wichtigsten Indikatoren f\u00fcr den Kapitalismus, sind die Eigenschaften einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung.<\/span><\/strong><\/p>\n<h2>Das Kapital<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Oft wird der Begriff \u201eKapital\u201c mit Geld als Zahlungsmittel gleichgesetzt. Im betriebswirtschaftlichen Sinn handelt es sich um s\u00e4mtliche Verm\u00f6gensanspr\u00fcche auf der Passivseite einer Unternehmensbilanz. Tats\u00e4chlich kann jedoch unter \u201eKapital\u201c im volkswirtschaftlichen Sinne s\u00e4mtliche Produktionsausr\u00fcstung, die der G\u00fcter- und Dienstleistungsproduktion dient, verstanden werden. Das \u201eKapital\u201c ist demnach neben Arbeit und Boden ein Produktionsfaktor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Karl Marx definiert in seinem ber\u00fchmten gleichnamigen Werk das \u201eKapital\u201c als eine bestimmte Geldmenge<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, die dazu dient eine h\u00f6here Geldsumme zu erzielen. Allgemein wird in der Betriebswirtschaftslehre hierbei von einer Investition gesprochen. In seiner Arbeitswertlehre sprach Marxens von dem sogenannten Mehrwert, der die Ausbeutungsrate bei der Besch\u00e4ftigung von Arbeitern bestimme.<\/span><\/p>\n<h2>Der Zins als Kapital<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Laut einer Definition aus dem Brockhaus von 2002 handelt es sich bei dem Begriff \u201eKapital\u201c um eine \u201ezinsbringende angelegte Geldsumme\u201c. Auf dem ersten Blick mag diese Definition etwas zu kurz kommen, da im Zins allgemein ein reiner Geldbetrag gesehen wird. Schlie\u00dflich versteht man in der allgemeinen Volkswirtschaftslehre darunter einen Preis f\u00fcr einen \u00fcberlassenen Leihbetrag bzw. f\u00fcr das befristete \u00dcberlassen von Kapital.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wenn jedoch Kapital als Produktionsfaktor angesehen wird, handelt es sich \u2013 wie in Marx&#8216; Definition \u2013 um eine Anlage, die einen Mehrwert erzeugen soll. Dieser Mehrwert \u2013 ungeachtet der Wertung, die ihm Marx zukommen lie\u00df \u2013 ist eine Vermehrung des Geldes durch den Zinsmechanismus. D.h., es wird Geld in einen Sachwert, ein Wertpapier, in Form eines Kredites oder ganz abstrakt eben in eine Anlage investiert, um nach einer bestimmten Zeit einen Mehrwert, den Zins bzw. die Rendite zu erhalten. Das Kapital als Produktionsfaktor ist demnach tats\u00e4chlich eine zinsbringend angelegte Geldsumme.<\/span><\/p>\n<h2>Der Kapitalismus und die Zinswirtschaft<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Rainer Bischoff setzt den Kapitalismus mit der Zinswirtschaft gleich. Ihm nach sei \u201edie Zinszahlungspflicht bzw. der Rentabilit\u00e4tszwang (\u2026) das hervorstechende Merkmal unserer Geldwirtschaft.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Den Worten von Bischoff ist bereits zu entnehmen, dass er dem Kapitalismus kein gutes Zeugnis ausstellt. Dieser zwinge Unternehmen und Privatpersonen zu dem oben benannten individualistischen kapitalistischen Geist. Die amerikanische Marxistin Ellen Meiksins Wood (1942-2016) beschrieb in \u201eThe Origin of Capitalism: A longer View\u201c, wie der Fr\u00fchkapitalismus begann. Sie widersprach der Auffassung, dass die alleinige Dominanz von Privateigentum an den Produktionsmitteln und der Geist des Kapitalismus die entscheidenden Kriterien f\u00fcr selbiges seien. Vielmehr sei es der Zwang, dem sich Unternehmer und Individuen ausgesetzt sehen, der zum scharfen und sich auch negativ auswirkenden Wettbewerb f\u00fchrt. Die Entstehung des kapitalistischen Systems sah sie erstmalig im England des 16. Jahrhunderts, als Gro\u00dfgrundbesitzer zu der Praxis \u00fcbergingen, ihren Landp\u00e4chtern \u2013 meist mittellose Bauern, die selber keinen Grundbesitz hatten \u2013 so viel Miete bzw. Pacht abzunehmen, wie es die M\u00e4rkte hergaben. Durch diese Praxis gerieten Bauern zunehmend unter Leistungsdruck und produzierten immer mehr Absatz, um die st\u00e4ndig steigenden Mieten bzw. Pachten begleichen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Auch im England des 16. Jahrhunderts war es also der Zwang nach immer mehr Wettbewerb, der zu den eigentlichen kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen gef\u00fchrt hat.<\/span><\/p>\n<h2>Der Zins als Zwangswachstumsinstrument und Schuldenfalle<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wir haben bereits <a href=\"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/2018\/06\/09\/kommt-die-naechste-wirtschaftskrise\/\">in einem anderen Artikel<\/a> \u00fcber die Finanzierungsmodelle im Kapitalismus berichtet. Der sich verdient gemachte \u00d6konom Hyman Minsky (1919-1996) fand heraus, dass in einem kapitalistischen System, insbesondere mit einer monet\u00e4ren Geldpolitik, immer dazu f\u00fchre, dass viele der Kreditnehmer dazu neigen, ihre Anlagen \u201ePonzi\u201c zu finanzieren. Dies bedeutet, dass die Zinsschuld alter \u2013 im Grunde genommen bereits faulgewordener \u2013 Kredite mit neuen Schulden bedient werden. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass das Dollarfinanzsystem eine ausschlie\u00dflich monet\u00e4re und nicht-metallistischen Geldphilosophie betreibt. Das bedeutet, dass das Geld keinen Gegenwert, wie z.B. den an Edelmetall gekoppelten, besitzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Aufnahme eines Kredites bei einer Gesch\u00e4ftsbank f\u00fchrt dazu, dass der Kreditnehmer einen Zins zu zahlen hat. Oben haben wir bereits die Definition von der befristeten Verleihung von Kapital bzw. Geld geh\u00f6rt. Sinn und Zweck ist die Vermehrung desselben, um einen Mehrwert zu generieren. Dies ist letztlich auch der Anreiz f\u00fcr jeden Kapitalgeber, sein Verm\u00f6gen zu investieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Verschuldung nach dem Zinseffekt jedoch f\u00fchrt dazu, dass sich die Schulden irgendwann selbstst\u00e4ndig machen. Dies ist im exponentiellen Wachstum des Zinseszinses begr\u00fcndet. Der Zinseszins ist die Verzinsung eines bereits verzinsten Betrages. Die folgende Formel verdeutlicht den Effekt des Zinseszinses:<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone aligncenter\" title=\"K_{n}=K_{0} * (1+\\frac{P}{100})^{n}\" src=\"https:\/\/latex.codecogs.com\/gif.latex?K_{n}=K_{0}&amp;space;*&amp;space;(1+\\frac{P}{100})^{n}\" width=\"181\" height=\"40\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nach dieser Formel l\u00e4sst sich z.B. ein Betrag K<sub>n<\/sub> errechnen, den wir in n Jahren bei einer bestimmten j\u00e4hrlichen Verzinsung p erhalten, wenn wir zum Zeitpunkt 0 (also zu Beginn) einen bestimmten Betrag K<sub>0<\/sub> anlegen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Das folgende Beispiel zeigt die exponentielle Wirkung des Zinseszinses:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nehmen wir an, dass wir 1000 EUR haben, die wir zu einem j\u00e4hrlichen Zinssatz von 5 Prozent \u2013 was durchaus als konservative Annahme gelten kann \u2013 \u00fcber eine Laufzeit von 2 Jahren anlegen bzw. verleihen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wir bek\u00e4men, dieser Formel entsprechend, nach zwei Jahren 1.102,50 EUR.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><em>Hier ist folgendes passiert:<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Im ersten Jahr haben wir die 1.000 EUR zu 5 Prozent verzinst. Herausgekommen sind dabei 1.050 EUR nach einem Jahr.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">Im zweiten Jahr haben wir allerdings nun die 1.050 EUR gehabt, die wir wiederum zu 5 Prozent verzinsen konnten. Somit erhalten wir nach 2 Jahren den Betrag von 1.102,50 EUR.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">2. Beispiel<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Bei zwei Jahren m\u00f6gen die Spannen noch nicht so gro\u00df wirken. Daher schauen wir uns einmal an, wie sich dies verh\u00e4lt, wenn wir die 1.000 EUR zu denselben Konditionen \u00fcber eine Laufzeit von n=10 Jahren anlegen. Heraus kommt dabei die Summe von 1.628,90 EUR. Nach weiteren 5 Jahren besitzen wir mehr als den doppelten Betrag, den wir urspr\u00fcnglich anlegten: 2.078,93 EUR. W\u00fcrden wir noch weitere 35 Jahre warten, k\u00e4men wir auf die Summe von unschlagbaren 11.467,40 EUR. W\u00fcrden wir die 1.000 EUR nun insgesamt n=100 Jahre zu dem konservativ gesch\u00e4tzten j\u00e4hrlichen Zinssatz von 5 Prozent nicht anr\u00fchren, dann l\u00e4gen auf unserem Habenkonto 131.501,26.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Dies verdeutlicht, wie schnell aus einem \u00fcberschaubaren Betrag wie 1.000 EUR ein Verm\u00f6gen werden kann. Es sei darauf hingewiesen, dass es in der freien Marktwirtschaft nicht selten Kreditvergaben zu weitaus h\u00f6heren Zinss\u00e4tzen gibt, was eine noch schnellere Vermehrung des Geldes oder der Verschuldung bedeutet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nun gingen wir in diesem Beispiel davon aus, dass wir die Zinsnehmer sind und ein anderer sich bei uns verschuldet hat. Daher m\u00f6chte ich noch ein drittes Beispiel durchrechnen, um dem Leser die vernichtende Wirkung des Zinseszinseffektes zu illustrieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3. Beispiel:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Nehmen wir an, wir wollten eine Unternehmung gr\u00fcnden, weshalb wir 100.000 EUR Kredit von einer Gesch\u00e4ftsbank zu einem Zinssatz von p=10 Prozent f\u00fcr die Laufzeit von n=30 Jahren aufnehmen (Bitte nehmen Sie niemals so ein unmoralisches Angebot an!). Was f\u00fcr eine Summe m\u00fcssten wir dem Zinsnehmer, sprich dem Kreditgeber nach Ablauf der 30 Jahre zahlen? Richtig, 1.744.940,23 EUR. Das ist eine Steigerung um mehr als 1600 Prozent.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wenn wir jetzt annehmen, dass viele Unternehmen in der freien Wirtschaft sogar mehrere Kredite zu weitaus schlechteren Konditionen erhalten, als wir es in den ersten beiden Beispielen sahen, und nicht wenige darunter sich der \u201ePonzi\u201c-Finanzierung bedienen, dann ist klar, dass hier etwas gewaltig aus dem Ruder l\u00e4uft. Von einem Gleichgewicht des Marktes kann dann, angesichts solcher Verschuldungen, nicht mehr gesprochen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die exponentielle \u201eVermehrung\u201c des Geldes auf der Passivseite f\u00fchrt zum Zwang nach immer gr\u00f6\u00dfer angestrebtem Wirtschaftswachstum auf der Aktivseite. D.h., die zunehmende Verschuldung zwingt den Unternehmer, nach dem Mehrwert zu streben. Es ist also nicht alleine nur der kapitalistische Geist des Individualismus, der den Unternehmer oder Kreditnehmer dazu bringt nach Profit zu streben, sondern auch der Zwang, seine Schuld bzw. seine Zinseszinsen zu bedienen. Daher ist es im Kapitalismus auch wichtiger Geld zu bekommen, statt tats\u00e4chlich welches zu haben. Die Liquidit\u00e4t, die sich letztlich auch aus dem Wachstum einer Unternehmung ergibt, ist dabei notwendiges Ziel. Es ist demnach so, wie einst im englischen K\u00f6nigreich des 16. Jahrhunderts, wo die Bauern dazu gezwungen waren, ihre Abs\u00e4tze zu erh\u00f6hen und mit anderen Berufsgenossen in teilweise existenzbedrohliche Konkurrenz zu treten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Zumindest der Zinseszinseffekt ist demnach aus dem Kapitalismus nicht wegzudenken und eines der Grund\u00fcbel f\u00fcr den krampfhaften Wachstumszwang der Unternehmen, der wiederum zu Lohndumping, Umweltverschmutzung, Masseneinwanderung und Rationalisierungsma\u00dfnahmen mit gravierenden Folgen f\u00fcr ganze Familien f\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<h2>Anmerkungen und Quellenangaben<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Utilitarismus ist eine Form der zweckorientierten Ethik, in der das Streben nach der Maximierung des Nutzens und Wohlbefindens der Antriebsmotor jeglicher Handlung des Menschen ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Marx &amp; Engels (1848, S. 3). \u201eDas Manifest der kommunistischen Partei\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Schumpeter unterschied hier jedoch zwischen dem Unternehmer und dem Kapitalisten. Den Kapitalismus hielt er zudem nicht f\u00fcr \u00fcberlebensf\u00e4hig, da er das Unternehmertum auf Dauer zerst\u00f6re und somit das sch\u00f6pferische Moment des Entrepreneurs elemieiere.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Weber beschrieb diesen Umstand in seinem 1904 und 1905 erschienenen Werk \u201eDie protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus\u201c. Der Autor sah hier einen Zusammenhang zwischen diesem modernen kapitalistischen Geist und dem Protestantismus, der calvinistische Elemente in sich tr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Die Auffassung die Dominanz von Gro\u00dfbetrieben sei ein Indikator f\u00fcr das Vorhandensein einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung geht auf den Begr\u00fcnder des Chartalismus, Georg Friedrich Knapp (1842-1926) zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Marx unterschied jedoch trotzdem zwischen Geld-, Waren- und produktiven Kapital, war jedoch der Auffassung, dass hier ausschlie\u00dflich von Geld die Rede sein kann, da es sich bei all diesen Formen nur um eine Metamorphose des Geldes handelt. Letztlich sei alles Kapital nichts weiter als eine Investitionssumme, die in Geld gemessen werden kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Bischoff (2002, S. 399). Entmachtung der Hochfinanz. Fiedland-Verlag<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Untergang des sogenannten Ostblocks gilt der Kapitalismus als unumst\u00f6\u00dfliche Wahrheit unseres Wirtschaftslebens. Tats\u00e4chlich gab es bereits vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion in gewissen akademischen Kreisen die \u00dcberzeugung, dass der aus dem Utilitarismus[1] stammende kapitalistische Gedanke eine allgemeine Wahrheit inne h\u00e4tte. 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