{"id":11552,"date":"2026-10-24T17:10:48","date_gmt":"2026-10-24T15:10:48","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=11552"},"modified":"2026-10-25T08:23:50","modified_gmt":"2026-10-25T07:23:50","slug":"die-gefahren-des-sieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-gefahren-des-sieges\/","title":{"rendered":"Die Gefahren des Sieges"},"content":{"rendered":"
Im folgenden Text warnt Werner Br\u00e4uninger vor politischen Opportunisten, die aus Eigeninteresse in erfolgreiche Parteien eintreten und deren Ausrichtung verw\u00e4ssern. Historische Beispiele zeigen, wie schnell solche Entwicklungen zum innerparteilichen Zerfall f\u00fchren k\u00f6nnen. Die AfD wird dazu aufgerufen, ihre programmatische Linie konsequent zu bewahren und sich vor solchen Einfl\u00fcssen zu sch\u00fctzen. Die Redaktion<\/em><\/p>\n <\/p>\n <\/p>\n Nach ihren gro\u00dfen Erfolgen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hat sich f\u00fcr die AfD die ernste Frage zu stellen, ob sie bei \u00dcbernahme von Regierungsverantwortung tats\u00e4chlich gen\u00fcgend qualifiziertes und vor allem auch in seinen Anschauungen gefestigtes politisches Personal aufbieten kann. Weitaus wichtiger als dies w\u00e4re es f\u00fcr sie jedoch, peinlich darauf zu achten, dass sie ihre Reihen konsequent all den Postenj\u00e4gern, Gl\u00fccksrittern, R\u00fcckversicherern und Querulanten verschlie\u00dft, die erfahrungsgem\u00e4\u00df stets als Erste dort sind, wo sie eine ihnen g\u00fcnstige Konjunktur wittern. Denn diese stehen bereits zu Scharen vor den T\u00fcren der Parteib\u00fcros, um dort anzuklopfen und energisch um Einlass zu begehren. Meist machen solche Zeitgenossen bei ihrer Vorstellung dann sehr viel Aufhebens um ihre eigene Person, ihre vermeintlich stets schon vorhandene \u201erechte\u201c Gesinnung und stellen gerne wortreich die \u201eVerdienste\u201c heraus, die sie sich zuvor schon \u2013 nicht selten in zwei oder drei anderen Parteien \u2013 erworben h\u00e4tten. Auch wo \u00fcber die Parteiprogrammatik diskutiert wird, sind sie ganz schnell vorne mit dabei. Vor allem aber Mandate und Di\u00e4ten sind es, die sie ganz besonders anlocken. Solche Naturen sind erfahrungsgem\u00e4\u00df auch viel eher dazu geneigt, die Erstgeburt f\u00fcr ein armseliges Linsengericht zu verh\u00f6kern. Exakt dieser negative Typus aber ist es, der Geist, Erscheinungsbild, Weg und Ziel einer politischen Partei sehr rasch v\u00f6llig verw\u00e4ssern und in ihr Gegenteil verkehren kann. Daher sollte die AfD ihnen beizeiten auf die Finger klopfen.<\/p>\n Um nicht missverstanden zu werden: Es ist damit durchaus nicht jeder gemeint, der idealistisch und aus \u00dcberzeugung neu in die Partei eintritt, vor allem nicht jene aus der Arbeiterschaft, die sich von ihren roten Gewerkschaftsbonzen losgesagt oder aus gewonnener Einsicht von den Kartellparteien abgewandt haben. Vielmehr geht es um jene, die die AfD als bequemes Vehikel ansehen, um eigenn\u00fctzig zu Mandat, Amt und vermeintlichen W\u00fcrden zu gelangen oder gar der Ansicht sind, die Partei h\u00e4tte nur auf ihr \u201eErscheinen\u201c gewartet.<\/p>\n Innerhalb der AfD bedarf es allerdings zudem des Willens, sich gegen diejenigen in den eigenen Reihen zu wenden, denen es lediglich auf \u201eAnerkennung\u201c durch den politisch-medialen Mainstream und materielle Vorteile ankommt oder darum geht, am Katzentisch der Herrschenden als lediglich geduldeter Mehrheitsbeschaffer etwas mitjammern zu d\u00fcrfen. Die Gefahren der Vereinnahmung, der Verb\u00fcrgerlichung und der B\u00fcrokratisierung des Apparates sind stets gegeben. Auch der sich an der Pforte zur Macht nicht selten einstellenden Neigung, zu jedem, wenn auch noch so sch\u00e4bigen Kompromiss bereit zu sein, um partout an der Regierung zu partizipieren, muss scharf entgegengetreten werden. Es ist daher darauf zu achten, dass die AfD nicht als b\u00fcrgerliche Gruppierung weichgesp\u00fclter Girondisten[1]<\/a> endet. Keine Anbiederung an die CDU, nicht ihr Juniorpartner oder Steigb\u00fcgelhalter sein zu wollen, sondern im Gegenteil, sie vollkommen \u00fcberfl\u00fcssig zu machen und ihr v\u00f6lliges Verschwinden zu forcieren, muss das Ziel sein. Die vollkommene Pulverisierung der Democrazia Cristiana, dem italienischen Pendant zur CDU, mag hier beispielgebend sein.<\/p>\n Ein kurzer Blick in die deutsche Parteiengeschichte ist hier \u00e4u\u00dferst aufschlussreich: Nach dem ersten gro\u00dfen Erdrutschsieg der NSDAP im September 1930 wurden die ihr kurz darauf als Mitglieder Beigetretenen als die \u201eSeptemberlinge\u201c bezeichnet. Man erlebte ebenfalls das Ph\u00e4nomen, dass selbst viele entt\u00e4uschte Kommunisten nicht selten zu den fanatischsten und \u00fcberzeugtesten Anh\u00e4ngern der NSDAP wurden; vereinzelt traten sogar ganze Abteilungen des Rotfrontk\u00e4mpferbundes (RFB) geschlossen zur SA \u00fcber und bildeten dort Schalmeienkapellen. In einer zweiten Welle setzte dann nach dem 30. Januar 1933 ein ungeheurer Ansturm auf die Mitgliedschaft in der Partei ein. Diese Personen wurden ver\u00e4chtlich als \u201eM\u00e4rzgefallene\u201c tituliert, also jene, die zun\u00e4chst noch das Ergebnis der letzten freien Reichstagswahl vom 5. M\u00e4rz abgewartet hatten und jetzt vor den NS-Parteigesch\u00e4ftsstellen Schlange standen. Pl\u00f6tzlich beteuerten sie alle, dass man ja \u201eschon immer\u201c auf der Seite Hitlers gestanden habe. Man unterschrieb einen Aufnahmeantrag, steckte sich ein Hakenkreuz ans Revers \u2013 was nun nicht mehr gef\u00e4hrlich war \u2013 und schon war man \u201eNationalsozialist\u201c. Hierzu ist die Aussage eines Zeitzeugen aufschlussreich, der sich daran erinnerte, dass sehr viele Angeh\u00f6rige der Zeiss-Werke in Jena dem paramilit\u00e4rischen \u201eReichsbanner\u201c der SPD angeh\u00f6rt hatten: \u201eMan sah wohlbeleibte Bonzengestalten, die auf ihren Rockkragen stolz die Pfeile des Reichsbanners trugen,\u2026dieser mitgliederstarken \u201aKampfgruppe\u2018 des Sozialismus. Ich war bald nach der Machtergreifung erstaunt, als ich in der Siedlung\u2026das Hakenkreuz in deren Flaggen entdeckte, war noch mehr erstaunt, als ich die wohlbeleibten Bonzen als SA-M\u00e4nner wiedersah<\/em>.\u201c Es waren nebenbei bemerkt fast ausnahmslos derartige sp\u00e4tberufene \u201eM\u00e4rzgefallene\u201c, die sp\u00e4ter das gesamte System von Gestapo, SD, den Einsatzgruppen usw. schufen \u2013 und nicht die in der Wolle gef\u00e4rbten sogenannten \u201eAlten K\u00e4mpfer\u201c.<\/p>\n Glaube aber nun niemand, dass dieser Menschentypus mit dem Jahr 1945 urpl\u00f6tzlich verschwunden sei: In der rechten Parteienlandschaft der Bundesrepublik fiel bei den Republikanern in den 1990er Jahren eine \u00e4u\u00dferst hohe Zahl von Abspaltungen, Aufl\u00f6sungen ganzer Fraktionen und innerparteilichen Grabenk\u00e4mpfen auf. Zahlreiche zwielichtige Desperados hatten verschiedene Landesverb\u00e4nde gekapert. So manipulierte man etwa die Abhaltung von Parteitagen, indem Delegierte nach fragw\u00fcrdigen Schl\u00fcsseln bestimmt oder gewisse Verb\u00e4nde gar nicht erst eingeladen wurden. Eine Vielzahl von Abspaltungen war die Folge, so etwa die \u201eFreiheitliche Volkspartei\u201c, deren Jugendzeitschrift damals von dem jungen Dieter Stein \u2013 heute Herausgeber der \u201eJungen Freiheit\u201c \u2013 redigiert wurde. Der Bund Freier B\u00fcrger, die verschiedenen Pro-Bewegungen, die Partei Rechtsstaatlicher Offensive des uns\u00e4glichen Richters Schill, die Statt-Partei und wie jene Totgeburten auch alle hie\u00dfen, waren in ihrer Mehrheit allesamt Gr\u00fcndungen solcher Personen, die in anderen Gruppierungen zuvor nicht re\u00fcssiert hatten und so schnell wieder im Orkus verschwanden, wie sie auftauchten.<\/p>\n Oder gehen wir ruhig noch ein paar Jahre weiter zur\u00fcck: Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands, zu ihren Glanzzeiten Ende der 1960er Jahre unbestritten noch eine national-konservative Organisation und quasi die \u201ebeste CSU, die es je gab\u201c, in der \u00fcberproportional viele Akademiker wirkten, machte 1965 innerhalb k\u00fcrzester Zeit den bayerischen Metzgermeister und Wurstwarenfabrikanten Franz Florian Winter, vorher in CSU und \u201eDeutscher Partei\u201c aktiv, zum Landesvorsitzenden in Bayern und sogar zum stellvertretenden Parteivorsitzenden. Unter ihm erlangte die Partei erstmals nennenswerte Stimmenzahlen und zahlreiche Kreis-, Stadt- und Gemeinderatssitze sowie zwei B\u00fcrgermeisterposten. Doch kaum zwei Jahre nach seinem Eintritt in die Partei verlie\u00df Winter sie schon wieder; sie war ihm pl\u00f6tzlich nicht \u201echristlich\u201c genug, und er verlautbarte, sie w\u00fcrde \u201ealle verfolgen, die einen gem\u00e4\u00dfigten und demokratischen Kurs verfolgten\u201c. Ganz pl\u00f6tzlich wollte ihm auch aufgefallen sein, \u201edass viele ehemalige NSDAP-Mitglieder in der Partei eine neue politische Heimat gefunden\u201c h\u00e4tten. Tats\u00e4chlich fand man auf der Ebene ihrer Amtstr\u00e4ger durchaus eine gro\u00dfe Anzahl ehemaliger Parteigenossen, doch war diese nur unwesentlich h\u00f6her als bei CDU\/CSU, SPD oder gar der einst stramm deutschnationalen FDP. Winter trat schlie\u00dflich mit gro\u00dfem Aplomb aus der Partei aus und schrieb das \u201eEnth\u00fcllungsbuch\u201c \u201eIch glaubte an die NPD<\/em>\u201c. Nach dem gescheiterten Einzug der NPD in den Bundestag 1969 \u00fcbrigens verschwanden all die Trittbrettfahrer, die sich bei ihr eingefunden hatten, schnell wieder, weil nichts mehr f\u00fcr sie zu holen war. Ihr rascher Niedergang war von da an nur noch eine Frage der Zeit; eine Vielzahl von Abspaltungen besorgte ein \u00dcbriges.<\/p>\n Immer wieder waren es aber auch Einzelne, die eine Zeit lang auf der Rechten oder besser in deren Fahrwasser agierten, wie etwa auf journalistisch-intellektuellem Sektor der Germanist Lorenz J\u00e4ger, der dann allerdings urpl\u00f6tzlich meinte, sich via \u201eFAZ\u201c in verlogenster Manier von seinen vorgeblichen \u201eKameraden\u201c \u00f6ffentlichkeitswirksam wieder verabschieden zu m\u00fcssen, wof\u00fcr ihm G\u00f6tz Kubitschek anschlie\u00dfend geh\u00f6rig die Leviten las. Der Chefredakteur der \u201eJungen Freiheit\u201c, Dieter Stein, der sich gerne als widerst\u00e4ndiger Preu\u00dfe aus dem Geiste des 20. Juli 1944 stilisiert, lief vor dem Aufkommen der AfD Gott und der Welt hinterher. Zun\u00e4chst setzte er auf den FDP-Rechtsausleger Alexander von Stahl, dann rollte er Manfred Brunners Bund Freier B\u00fcrger den roten Teppich aus, bis er sich ganz zuletzt als Fan des ganz besonders systemaffinen Meuthen outete. Da verwunderte es dann auch nicht, da\u00df der stets als Spaltpilz auftretende Stein 2019 mit einem ganz besonders geh\u00e4ssigen Artikel \u00fcber Bj\u00f6rn H\u00f6cke aufwartete, den er einen \u201eredseligen, weitschweifigen \u201ametapolitischen\u2018 M\u00f6chtegern-Vordenker\u201c nannte; einem \u201eideologischen Irrlicht\u201c, das drohe, \u201edie AfD zu spalten\u201c. Dies in erster Linie wohl deshalb, weil H\u00f6cke jemand ist, der sich nie auf Steins spalterische Schleimspur begeben hat.<\/p>\n Der exemplarischste Vertreter eines R\u00fcckversicherers reinsten Wassers stellt heute ohne jeden Zweifel wohl Ulf Poschardt dar. Mit sehr feinem Gesp\u00fcr hat dieser aerodynamische Zeitgeistsurfer beizeiten sehr klar erkannt, da\u00df die Stimmung sich wandelte und die europ\u00e4ische Zukunft ganz klar \u201erechts\u201c sein wird. Jemand wie er will daher unbedingt auf der Stra\u00dfe der Sieger fahren und zum Festessen nicht zu sp\u00e4t kommen. Urspr\u00fcnglich linksliberal, wandelte sich der einstige Herausgeber der \u201eWelt\u201c und selbstverliebte Porschesammler binnen k\u00fcrzester Zeit zu einem vermeintlichen Neo-Konservativen, der Trump und Musk verehrt. Der Atlantiker, der die Re-Education der Deutschen nach 1945 stets uneingeschr\u00e4nkt goutierte, will am liebsten die alte BRD zur\u00fcck, kennt keinen Volksbegriff und steht nat\u00fcrlich \u201esolidarisch zu Israel\u201c, ebenso wie auch sein Kollege Julian Reichelt von \u201eNius\u201c. In Poschardts B\u00fcchern \u201eShitb\u00fcrgertum\u201c und \u201eB\u00fcckb\u00fcrgertum\u201c steht zwar viel Wahres, aber eben auch nichts Neues. Da passt dann auch seine Ann\u00e4herung an den gleichfalls \u00e4u\u00dferst windschnittigen Wiener Castrum Verlag, der seine Werke unter einer Vignette erscheinen l\u00e4sst, die dem Verlag Bondi entlehnt ist, der die Werke des Stefan-George-Kreises verlegte. Castrum, der sich erst seit Kurzem dezidiert \u201epolitisch\u201c gibt, wendet sich gerne gegen diejenigen, die schon ein paar Jahrzehnte l\u00e4nger an der Front stehen, was irgendwie so gar nicht zu dem ansonsten zur Schau getragenen edlen George-Habitus passen will. Die Ver\u00f6ffentlichung eines Romans des j\u00fcngsten Bruders des langj\u00e4hrigen israelischen Premierministers Netanyahu ist da wohl auch nur das Folgerichtigste.<\/p>\n All die Genannten sind nat\u00fcrlich keine \u201eechten Rechten\u201c. Daher: An den Fr\u00fcchten soll man sie erkennen! Als mediale Tabubrecher und T\u00fcr\u00f6ffner d\u00fcrfen sie dennoch genutzt werden, frei nach der Devise von Franz-Josef Strau\u00df, die er 1970 einmal ge\u00e4u\u00dfert hat: \u201eMan muss sich ihrer bedienen. Mit Hilfstruppen darf man nicht zimperlich sein<\/em>.\u201c Den politischen Diskurs allerdings d\u00fcrfen wir uns von diesen unsicheren Kantonisten niemals vorschreiben lassen. Vor allem deshalb nicht, weil man mit solchen knieweichen Auch-Konservativen den kommenden drohenden Gefahren, wie etwa einem militanten Islamo-Kommunismus von Gnaden krimineller, migrantischer Clans, weder standhalten noch ihnen begegnen kann.<\/p>\n Den geschilderten Menschentypus gab und gibt es jedoch zu allen Zeiten und in allen Parteien. M\u00f6ge die Warnung vor ihm vor allem der AfD in dicken roten Lettern ins Stammbuch geschrieben sein.<\/p>\n <\/p>\n <\/p>\n Das bei Metapol Verlag & Medien erschiene Werk „In Minenfeldern“ von Werner Br\u00e4uninger finden Sie hier<\/a>.<\/p>\n