{"id":1151,"date":"2018-05-25T15:06:13","date_gmt":"2018-05-25T14:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=1151"},"modified":"2020-02-04T12:29:46","modified_gmt":"2020-02-04T11:29:46","slug":"die-europaeische-zivilisation-gibt-es-fuer-uns-europaeer-zukunft-zwischen-dem-westen-und-eurasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/die-europaeische-zivilisation-gibt-es-fuer-uns-europaeer-zukunft-zwischen-dem-westen-und-eurasien\/","title":{"rendered":"Die Europ\u00e4ische Zivilisation \u2013 Gibt es f\u00fcr uns Europ\u00e4er Zukunft zwischen dem Westen und Eurasien?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wenn man heute im liberalen Mainstream die Frage danach stellt, was Europa ist, lautet die Antwort vielfach \u201eMenschenrechte plus westliche Demokratie und Freie Marktwirtschaft\u201c. Die einzige Antwort auf diese Frage, welche f\u00fcr europ\u00e4ische Menschen Patrioten noch schockierender\u00a0 ausfallen kann geht dann in die Richtung \u201eWas, Europa? Das ist doch die EU!\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Diese Antworten stehen symbolisch f\u00fcr den Zustand, in dem sich die Europ\u00e4ische Zivilisation heute befindet: Einerseits wird sie komplett mit dem Liberalismus gleichgesetzt, welcher heute nicht nur die USA und die angels\u00e4chsische Welt, sondern auch den europ\u00e4ischen Kontinent dominiert. Andererseits umfasst die EU heute jene L\u00e4nder, in denen unter der Herrschaft Karls des Gro\u00dfen genau diese Europ\u00e4ische Zivilisation entstanden ist, die sich heute in einer tiefen Krise befindet: Frankreich, Deutschland, Italien und die historischen Niederlande. Somit sind die Antworten auf die Frage, was Europa ist, nicht einmal grundlegend falsch: Vielmehr bilden sie die tiefe geistige Krise ab, in der wir uns befinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Denn wenn Europa sich nur \u00fcber liberale Werte und eine supranationale Staatenunion definiert, welche einerseits die europ\u00e4ischen V\u00f6lker gegen Einwanderer aus dem globalen S\u00fcden austauschen und andererseits die kulturellen Wurzeln unseres Kontinents bis hin zur traditionellen Geschichtsschreibung ausl\u00f6schen wollen, um Europa wirklich f\u00fcr jeden Menschen dieser Welt zur \u201eHeimat\u201c machen zu k\u00f6nnen, dann gibt es Europa nicht nur als geopolitischen Akteur nicht mehr, sondern auch als Zivilisation. Dann sind auch wir letzten Europ\u00e4er, die sich noch ihrer Geschichte und Traditionen bewusst sind, nur ein Teil des aufgekl\u00e4rten, amerikanisierten Westens.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">W\u00e4hrend im Westen das \u201eEnde der Geschichte\u201c nicht nur im Sinne eines alternativlosen Liberalismus nach Francis Fukuyama, sondern auch im Sinne eines Endes des europ\u00e4ischen Menschen heran zu brechen scheint, liegen die Dinge in Russland, welches die Eurasische Zivilisation verk\u00f6rpert, anders: Hier k\u00f6nnen wir seit der au\u00dfenpolitischen Wende Wladimir Putins 2008 den Wiederaufstieg einer Zivilisation betrachten, welche von vielen westlichen Beobachtern noch in den 1990er Jahren als \u201eRegionalmacht\u201c abgeschrieben worden ist. Dementsprechend m\u00fcssen wir uns die Frage stellen, was uns als Europ\u00e4er ausmacht und was uns vom Westen unterscheidet, wenn wir eine Zukunft haben und die europ\u00e4ische Geschichte fortsetzen wollen. Es ist aber auch wichtig, was uns von Eurasien unterscheidet, mit welchem wir uns eine kontinentale Landmasse teilen und wo die Kooperationsm\u00f6glichkeiten mit dieser Zivilisation liegen. Dann schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir im Sinne der Vierten Politischen Theorie als universalem Konzept die Frage beantworten, ob und wie eine unabh\u00e4ngige europ\u00e4ische Zivilisation wieder m\u00f6glich sein kann.<\/span><\/p>\n<h2>Die Wurzeln Europas \u2013 die Geburt der Europ\u00e4ischen Zivilisation im Mittelalter<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">W\u00e4hrend der Begriff Europa schon bei den Alten Griechen auftauchte und einen Teil des Peloponnes und in der Mythologie eine ph\u00f6nizische Prinzessin, welche von Zeus in Gestalt eines Stieres entf\u00fchrt wurde, bezeichnete, taucht der Begriff Europa im Sinne der Europ\u00e4ischen Zivilisation erst im Mittelalter auf. In der Herrscherpropaganda Karls des Gro\u00dfen wurde dieser als \u201ePater Europae\u201c, Vater Europas, bezeichnet. Tats\u00e4chlich gelang es dem Frankenherrscher unter seinem Schwertarm das heutige Frankreich, Deutschland und Italien zu vereinen, also einen bedeutenden Teil der damaligen christlichen Welt sowie gleichzeitig bedeutenden Teil der westlichen H\u00e4lfte des R\u00f6mischen Reiches. Mit der \u201eTranslatio imperii\u201c in der Kaiserkr\u00f6nung Karls des Gro\u00dfen durch den Papst wurde nicht nur die r\u00f6mische Herrschaftsform des Reiches auf die europ\u00e4ische Zivilisation \u00fcbertragen, sondern auch die Bedeutung der Einheit von geistiger und weltlicher Herrschaft. Geistig war Europa dabei von Anfang an durch das Christentum definiert, welches das geistige Erbe des Antiken Griechenlands \u00fcber den Neo-Platonismus in das Abendland brachte. Ethnisch und sprachlich gesehen trat die Europ\u00e4ische Zivilisation das Erbe der Indoeurop\u00e4er an: So wurden Germanen, Romanen und Slawen im fr\u00e4nkischen Reich vereint.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Durch die (Re-)Christianisierung verschoben sich die Grenzen der Europ\u00e4ischen Zivilisation nach Norden, Osten und S\u00fcdwesten: Die Iberische Halbinsel wurde im Zuge der Reconquista Teil Europas, Skandinavien missioniert und das Baltikum vom Deutschen Orden f\u00fcr das Abendland gewonnen. An seine Grenzen geriet Europa dabei nicht nur im Widerstreit mit dem eigentlichen R\u00f6mischen Reich, welches noch bis 1453 bestand, also dem was wir heute als Byzanz bezeichnen (und das sp\u00e4ter von den Osmanen in geopolitischer Weise beerbt wurde), aber auch von Russen sowie den Mongolen im Osten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Europ\u00e4ische Zivilisation war dar\u00fcber hinaus von den indoeurop\u00e4ischen Vorstellungen des Kastenwesens gepr\u00e4gt, welche das St\u00e4ndewesen hervorgebracht haben: An seiner Spitze standen die Priester (die Kirche), gefolgt vom Kriegeradel und schlie\u00dflich den Bauern. \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c waren nicht teil der Europ\u00e4ischen Zivilisation. Diese bestand vielmehr aus einer hierarchischen Ordnung, die als gottgewollt galt. Die Priester predigten das Wort Gottes, der Adel gew\u00e4hrte den Bauern Schutz und Schirm, die Bauern k\u00fcmmerten sich um die Wirtschaft. Die christliche Religion dominierte das Leben der Menschen und gew\u00e4hrte sowohl Sinnstiftung, Orientierung als auch moralische F\u00fchrung \u2013 allesamt Dinge, welche im heutigen Europa weitgehend fehlen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Zwar fehlte den Menschen der Komfort der Moderne oder eine scheindemokratische Mitbestimmung am Herrschaftswesen, dies hielt sie jedoch nicht davon ab ihre Kultur zu bewahren, ihre Heimat gegen Bedrohungen von au\u00dfen zu verteidigen und ihre Kultur und Traditionen weiterzugeben. Das Leben war hart, aber gleichzeitig spornten seine Entbehrungen und Pr\u00fcfungen die Menschen zu H\u00f6chstleistungen auf allen Gebieten an. Ohne die Konfrontation mit falschen Bed\u00fcrfnissen in Werbung und Magazinen, Gl\u00fccksversprechen und Karrierezwang waren die Menschen in sich zufrieden. Dementsprechend war das Mittelalter keine dunkle Zeit, wie uns die Aufkl\u00e4rung glauben machen will \u2013 es war vielmehr die Bl\u00fcte der Europ\u00e4ischen Zivilisation.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Der Verlauf der Entstehung unserer Zivilisation zeigt ganz klar: Unser kulturelles Erbe liegt im holistischen Welt- und Gemeinschaftsbild des Christentums begr\u00fcndet, nicht in den aufgekl\u00e4rten Welt- und Gesellschaftsbildern des Westens. Eine R\u00fcckkehr zu unseren Wurzeln muss also ganz klar eine Absage an den Liberalismus und die Aufkl\u00e4rung bedeuten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Moderne, Kapitalismus und Liberalismus kann man dabei als einen Dekadenz- und Niedergangsprozess verstehen, der bis heute anh\u00e4lt: Indem Europa \u00fcber die Naturwissenschaft das christliche Weltbild zerst\u00f6rt hat, hat es sich ein St\u00fcck weit selbst zerst\u00f6rt. Indem man die aufkommende Bourgeoisie die Priester erniedrigen, den Adel t\u00f6ten und die Bauern entwurzeln lie\u00df, wurde das traditionelle Europa zerst\u00f6rt. Humanismus und Protestantismus, die zwangsl\u00e4ufig im Materialismus enden mussten, waren der erste Schritt in diese Richtung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Amerika, welches als Kind dieses kranken Europas entstand, steigerte diese Perversionen des europ\u00e4ischen Geistes schlie\u00dflich ins Extreme, um mit der Staatswerdung der USA 1776 die westliche Zivilisation ins Leben zu rufen, die es 1945 schlie\u00dflich schaffte, Europa einzugemeinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Anders im Osten:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Die Russen, welche sich im Streit zwischen Rom und Byzanz f\u00fcr Konstantinopel entschieden hatten, wurden durch die Pax Mongolica \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum von Europa abgetrennt. Zwar bewahrten sie ihr indoeurop\u00e4isches Erbe, welches sie mit Europa vereint ebenso wie das Christentum, jedoch entwickelten sie durch den Kontakt mit den Mongolen ihre eigene Zivilisation samt dazugeh\u00f6rigen Reichsvorstellungen. Durch ihre Expansion nach S\u00fcden und Osten schufen sie ein Reich, welches in seinem Selbstverst\u00e4ndnis zum Dritten Rom wurde. Die Russen dominierten als tonangebendes Volk im Reich und das Christentum orthodoxer Pr\u00e4gung im religi\u00f6sen Sinne. Auf die Herausforderung des westlichen Imperialismus reagierte Russland zun\u00e4chst mit einer teilweisen Selbstverwestlichung ab Peter dem Gro\u00dfen, welche zu einer tiefen Entfremdung zwischen Volk und Aristokratie f\u00fchrte, die schlie\u00dflich in der Oktoberrevolution gipfelte, um im Zuge einer defensiven Modernisierung Eurasien gegen die \u00dcbernahmeversuche des Westens retten zu k\u00f6nnen. Zwar bedeutete die kommunistische Herrschaft Millionen Tote, im Gegensatz zur liberalen Konsumgesellschaft im Westen f\u00fchrte sie nicht zum Ende der russischen Kultur und Traditionen. Nach den Jahren der Wirren unter Jelzin, k\u00f6nnen wir daher Zeugen eines Wiederaufstiegs Eurasiens werden, der sich etwa auch in der russischen Intervention in Syrien zeigt. Eine konservative Erneuerungsbewegung innerhalb Russlands, welche durch die Eurasische Bewegung, aber auch die Orthodoxe Kirche verk\u00f6rpert wird, arbeitete lange, um die ersten zarten Fr\u00fcchte ihrer Bestrebungen ernten zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wie k\u00f6nnen wir Europ\u00e4er angesichts der gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen unsere Zivilisation vor dem Abstieg in die H\u00f6lle retten, wo sie, um George Bataille zu paraphrasieren, anscheinend ihr Herz sucht? Zun\u00e4chst gilt es, den Liberalismus in all seinen Auspr\u00e4gungen zur\u00fcckzuweisen und unser kulturelles wie religi\u00f6ses Erbe wiederzuentdecken. Dar\u00fcber hinaus brauchen gerade die Menschen im wohlstandsverwahrlosten Europa wieder einen neuen Adel, der die V\u00f6lker dabei anleitet, sich nach Jahrzehnten der Herrschaft verantwortungsloser Parteienkartelle wieder seine W\u00fcrde zur\u00fcckzugeben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wenn wir als Europ\u00e4er aus unserer gegenw\u00e4rtigen Existenzkrise ausbrechen wollen, m\u00fcssen wir nur auf die Frage nach \u201eSein oder Nichtsein\u201c mit Sein antworten. Wollen wir, dass Deutschland das Land der Deutschen bleibt? Dann m\u00fcssen wir dementsprechend leben, unsere Kultur und unsere Geschichte offensiv verteidigen und fortf\u00fchren. Das selbe gilt f\u00fcr Europa. Es bringt nichts, andauernd dar\u00fcber zu jammern, dass alles verloren ist, es nichts mehr zu retten ist und wir eigentlich nur noch auswandern k\u00f6nnen, weil genau diese Haltung und Einstellung davon zeugt, dass man sich selbst, sein Volk und seine Zivilisation schon aufgegeben hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Wenn Europa eine Zukunft haben soll, dann darf der allgegenw\u00e4rtige Def\u00e4tismus keinen Platz mehr in den Kreisen derer haben, die ihm diese geben wollen. An dieser Kopfsache m\u00fcssen wir etwas \u00e4ndern, ansonsten bedeutet dies das Finis Europa. Kein Ethnostaat oder Kollektiv namens \u201eWei\u00dfe Rasse\u201c kann uns als Simulacrum des Liberalismus aus dieser Krise retten, an keinem anderen Ende der Welt. Eine Reconquista ist m\u00f6glich, nur beginnt sie bei uns selbst. Wenn wir die selben Taten wie El Cid, Prinz Eugen oder Karl der Gro\u00dfe vollbringen wollen, dann m\u00fcssen wir auch daran arbeiten selbst diesen Vorbildern in jeder Hinsicht nachzueifern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Gelingt uns dies, kann die Europ\u00e4ische Zivilisation einen Platz in einer multipolaren Welt haben. Das bedeutet, dass Europa wieder zu einem Reich wird und sich von der Europ\u00e4ischen Union als Antieuropa und geschmacklose Imitation der USA verabschiedet. Dazu m\u00fcssen wir uns vom Westen und damit explizit vom Liberalismus in jeder Form befreien, um unsere Geschichte wiederzugewinnen und Volk sein zu k\u00f6nnen. Dabei gilt es, die Vielfalt der\u00a0 V\u00f6lker Europas zu bewahren und nicht den jakobinischen Fehler der Uniformierung allen Daseins zu wiederholen. Dies bedeutet nicht nur die Verteidigung unserer Grenzen, sondern vor allem die geistige Mobilmachung im Sinne einer Verwerfung der Moderne und einer moralischen Erneuerung, ohne die eine Reconquista Europas nicht m\u00f6glich sein wird. Schlie\u00dflich muss sich Europa von der westlichen Vorstellung einer Eingemeindung Eurasiens verabschieden und hin zu einer Kooperation mit Russland umdenken. Gelingt uns dies, wird es eine Zukunft f\u00fcr die Europ\u00e4ische Zivilisation geben. Scheitern wir an dieser Aufgabe, wird dies auch das Ende Europas bedeuten.<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man heute im liberalen Mainstream die Frage danach stellt, was Europa ist, lautet die Antwort vielfach \u201eMenschenrechte plus westliche Demokratie und Freie Marktwirtschaft\u201c. Die einzige Antwort auf diese Frage, welche f\u00fcr europ\u00e4ische Menschen Patrioten noch schockierender\u00a0 ausfallen kann geht dann in die Richtung \u201eWas, Europa? 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