{"id":11340,"date":"2026-04-21T11:56:11","date_gmt":"2026-04-21T09:56:11","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=11340"},"modified":"2026-04-21T11:56:11","modified_gmt":"2026-04-21T09:56:11","slug":"interview-mit-robert-steuckers-zu-against-russophobia-von-guillaume-faye","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/interview-mit-robert-steuckers-zu-against-russophobia-von-guillaume-faye\/","title":{"rendered":"Interview mit Robert Steuckers zu \u201eAgainst Russophobia\u201c von Guillaume Faye"},"content":{"rendered":"

Das Interview f\u00fchrte Alexander Markovics.<\/em><\/p>\n

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Die gegenw\u00e4rtige politische Diskussion in Europa wird vom Schreckgespenst Wladimir Putin und der Warnung vor einem Einmarsch Russlands in Europa dominiert. Ende 2025 ist im Arktos Verlag das Buch \u201eAgainst Russophobia\u201c mit einer von Ihnen angeleiteten Zusammenstellung von Texten des franz\u00f6sischen Philosophen Guillaume Fayes zum Thema Russland erschienen. Warum erscheint gerade 6 Jahre nach dem Tod Fayes ein Buch mit dem Titel \u201eAgainst Russophobia\u201c? Und welche Rolle spielt die titelgebende Russophobie in der Geopolitik als US-amerikanische Strategie, die nicht nur gegen Russland, sondern auch letzten Endes gegen Europa gerichtet ist?<\/em><\/strong><\/p>\n

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Diese Verz\u00f6gerung l\u00e4sst sich aus mehreren Gr\u00fcnden erkl\u00e4ren: Die Website, auf der Guillaume Fayes Texte ver\u00f6ffentlicht waren, ist nach seinem Tod verschwunden, was sehr schade ist. Gl\u00fccklicherweise hatte ich eine gro\u00dfe Anzahl davon wiedergesichert, vor allem jene, die sich mit Russland und den w\u00fcnschenswerten Beziehungen zwischen diesem und Europa im Allgemeinen sowie Frankreich im Besonderen besch\u00e4ftigten, da Guillaume Faye sich haupts\u00e4chlich an ein franz\u00f6sisches Publikum wandte.<\/p>\n

Die letzten Verlager von Guillaume Faye, die die gegen ihn gerichteten Ukasen aus den Reihen der sogenannten \u201eNeuen Rechten, Historisches Kanal\u201c (wie er es nannte) ignorierten, sind entweder vollst\u00e4ndig aus dem Verkehr gezogen worden oder haben sich f\u00fcr pseudo-azovistische und russophobe Gesten entschieden. Ein anderer, sehr lauter und langweiliger Prahler, denkt noch naiv, Guillaume Faye sei ein Verteidiger des Westens, weil er die Unruhen, die durch die Massenmigration verursacht wurden, nicht akzeptierte \u2014 als h\u00e4tte dieser letzte Verleger, ein gallischer Prahlhans, der einem Regisseur Freude bereiten w\u00fcrde, sich nie \u00fcber seinen wahren intellektuellen Werdegang erkundigt.<\/p>\n

Seit den 1970er Jahren pl\u00e4dierte Guillaume Faye f\u00fcr eine energetische Unabh\u00e4ngigkeit Europas; in den 1980er Jahren wurde ihm bewusst, dass diese Energieunabh\u00e4ngigkeit, die durch die aufkommenden gr\u00fcnen Bewegungen angegriffen wurde, durch eine Unabh\u00e4ngigkeit in allen Rohstoffen erg\u00e4nzt werden m\u00fcsse. Nur die Erweiterung des strategischen europ\u00e4ischen Raums auf Euro-Sibirien (wie er sagte) h\u00e4tte es erm\u00f6glicht, diese zu erlangen und zu festigen.<\/p>\n

Wie seine Freunde wissen, verlie\u00df er zwischen 1987 und 1998 die kleine neorechte Pariser Sph\u00e4re, so dass kaum ein Text aus dieser Zeit verf\u00fcgbar ist, um eine m\u00f6gliche Beurteilung seiner Einsch\u00e4tzung \u00fcber den Zusammenbruch Russlands unter Jelzin zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n

Im Fr\u00fchjahr 1998 kehrte er mit gro\u00dfem Aufsehen in die neorechte Szene zur\u00fcck, mit seinem bemerkenswerten Buch \u201eL\u2019arch\u00e9ofuturisme\u201c. Dabei erkennt man jedoch deutlich, dass er den drohenden Zerfall Russlands nach dem Ende der Sowjetunion und den anti-serbischen Geist der NATO-Umfelder, die den Desastre des Krieges 1999 vorbereiteten, bestens verstanden hatte.<\/p>\n

All dies zeigt sich in den Nachtr\u00e4gen, die er der Neuauflage seines 1985 erschienenen Buches \u201eNouveau discours \u00e0 la nation europ\u00e9enne\u201c hinzuf\u00fcgte. Bereits 2000 bef\u00fcrwortete er die imperialen Restaurationsma\u00dfnahmen, die Wladimir Putin ergriff, und schloss sich in diesem Zusammenhang Yvan Blot an, einem ehemaligen Mitglied von GRECE, das die Gruppe um Alain de Benoist 1979 verlie\u00df, um gemeinsam mit anderen den \u201eClub de l\u2019Horloge\u201c zu gr\u00fcnden.<\/p>\n

Der Vorwurf an Alain de Benoist war der Impotenz im politischen Handeln. Faye’s Optionen, die in den ersten Texten nach seiner R\u00fcckkehr zur Metapolitik 1998 bereits sichtbar waren, haben sich im Laufe der Jahre bis zu Blots Tod im Oktober 2018 und Faye’s Tod im M\u00e4rz 2019 noch verfeinert.<\/p>\n

So konnte Faye die ersten russophoben Ma\u00dfnahmen der EU und NATO beobachten, doch er erlebte nicht den H\u00f6hepunkt dieser Ma\u00dfnahmen nach Ausbruch der \u201eSpezialoperation\u201c im Februar 2022. Die Politik Bidens und die Sabotage der euro-russischen Energie-Achse, insbesondere der Gaspipelines in der Ostsee, best\u00e4tigen deutlich, dass das Ziel der amerikanischen Thalassokratie darin besteht, alle Verbindungen zwischen Europa und Russland zu sabotieren, um die deutsche Industrie zum Kollaps zu bringen und unseren Kontinent dauerhaft zu schw\u00e4chen, der der wichtigste wirtschaftliche Konkurrent Washingtons ist \u2014 auch wenn das bedeutet, dass Russland sich an China und Indien wendet, die von den USA, durch ihre inneren Widerspr\u00fcche geschw\u00e4cht, nicht aufgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n

Mit Europa als \u201eRimland\u201c des Atlantiks, ist das andere Land im s\u00fcdasiatischen Rimland, das neutralisiert werden muss, der Iran, der seit der Schaffung des Khomeini-Golems bereits nicht mehr ungest\u00f6rt mit Europa Handel treiben konnte \u2014 was Projekte wie EURATOM, mit deutscher und franz\u00f6sischer Beteiligung, ruinierte.<\/p>\n

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F\u00fcr viele Patrioten in Europa war Donald Trump ein Hoffnungstr\u00e4ger, da er ein Ende der amerikanischen Regime Change Operationen und Kriege versprach. Doch der Krieg in der Ukraine geht unter ihm weiter, ebenso ist er f\u00fcr den Angriff auf die iranischen Atomanlagen und die Bombardierung von Venezuelas sowie die Entf\u00fchrung von Nicolas Maduro verantwortlich \u2013 mit dem Sumpf in den USA, Stichwort Jeffrey Epstein, hat er bis heute nicht aufger\u00e4umt. Wie berechtigt ist angesichts dessen Guillaume Fayes Aussage, dass die USA der geopolitische Hauptgegner aller Europ\u00e4er sind, die nach Unabh\u00e4ngigkeit streben? Wieso glauben Sie, dass er bis heute nicht mit den \u201edrei Schwestern\u201c in den USA aufger\u00e4umt hat?<\/em><\/strong><\/p>\n

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Diejenigen, die Sie die \u201eeurop\u00e4ischen Patrioten\u201c nennen, haben die Reden Trump applaudiert und sich \u00fcber seine Wahl gefreut, weil er das ideologische und wokistische Chaos der amerikanischen Demokraten, insbesondere von Hillary Clinton, beendete. Die amerikanische Bev\u00f6lkerung, aller Kategorien zusammen, hatte genug davon, zumal dies mit der Bewegung BLM und der Welle der \u201eCancel Culture\u201c einherging, die historische Denkm\u00e4ler oder Spuren einer Vergangenheit, die diese amerikanische, ungebildete und hysterische Linke, nicht mehr verantworten wollte, zerst\u00f6rte oder befleckte.<\/p>\n

Au\u00dfl\u00e4ndische Kriege sind kein Element, das bei Wahlkampagnen f\u00fcr politische Mobilisierung genutzt wird: Zun\u00e4chst einmal wissen die Amerikaner, in der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit, nicht, wo die als Ziel zu bombardierenden L\u00e4nder liegen. Das geografische Grundwissen ist fast null, selbst bei Akademikern (und in Europa, wenn man die Mittelmeerregion verl\u00e4sst, ist es nicht viel besser, selbst bei den Schwarzmeergebieten, dem Don, also der Ukraine!).<\/p>\n

Au\u00dferdem werden in einem Land, das kein Sozialsystem wie die europ\u00e4ischen Staaten organisiert, aus Sicht des einfachen Volkes die Auslandskriege wie die Tont\u00f6pfe der Danaiden gesehen, die enorme Summen verschlingen, die besser in den Ausbau der Stra\u00dfen-, Bahn- und anderer Infrastruktur innerhalb der Vereinigten Staaten investiert werden k\u00f6nnten \u2014 vor allem in den \u201eFly-Over-States\u201c, wo Trump gro\u00dfen Erfolg hatte.<\/p>\n

Die kriegerische Rhetorik der neokonservativen Republikaner und Demokraten hat das Publikum l\u00e4ngst erm\u00fcdet, das sich der ber\u00fchmten MAGA-Bewegung angeschlossen hat. Mit der R\u00fcckkehr einer kriegerischen Rhetorik bei Trump und Rubio zerf\u00e4llt die MAGA-Bewegung wieder und es kehren die alten Muster zur\u00fcck.<\/p>\n

Man kann die Hypothese aufstellen, dass die amerikanischen Geheimdienste fr\u00fchzeitig die Kriegsm\u00fcdigkeit des Volkes im Hinblick auf die Konflikte in der Ukraine und im \u00f6stlichen Mittelmeer erkannt haben, eine Pause von einem Jahr beschlossen und dann die Kriegstreiberei wieder an die Spitze gesetzt haben.<\/p>\n

Die globale Geopolitik der USA wurde ma\u00dfgeblich durch Admiral Alfred Thayer Mahan, Halford John MacKinder (der sie f\u00fcr das britische Empire entwickelt hatte), Homer Lea (wenngleich heute weniger bekannt, aber nach wie vor eine entscheidende Referenz bei der Entscheidung f\u00fcr einen direkten oder indirekten Krieg), Nicholas Spykman (Theoretiker der Kontrolle \u00fcber die \u201eRimlands\u201c, um das \u201eMiddle Earth\u201c bzw. \u201eHeartland\u201c zu kontrollieren) und schlie\u00dflich Zbigniew Brzezinski gepr\u00e4gt.<\/p>\n

Die praktischen Anwendungen dieser geopolitischen Theorien erkennt man in den Reden und Aktionen aller amerikanischen Regierungen, egal ob demokratisch oder republikanisch.<\/p>\n

Nichts wird sich in diesem Bereich \u00e4ndern. Man m\u00fcsste naiv sein das Gegenteil zu glauben (oder geglaubt haben). Diese ersch\u00fctternde Naivit\u00e4t war bereits von Anfang an bei Nationalisten und Rechtsgerichteten aller Couleur sichtbar, die bei der ersten Rede Trumps im Amt in Ekstase gerieten.<\/p>\n

Man konnte zwar die Implosion des Wokismus oder das Schauspiel des Scheiterns von Frau Clinton begr\u00fc\u00dfen, was ich auch tat, aber das bedeutete nicht, dass die hegemonistische und unipolare Geopolitik der USA wie Schnee in der Sonne schmelzen und endg\u00fcltig von unseren Horizonten verschwinden w\u00fcrde.<\/p>\n

Und siehe da: Der Krieg in der Ukraine geht weiter, die Unterst\u00fctzung Israels gegen\u00fcber seinem arabischen Umfeld wird fortgesetzt, und der Wille, den schiitischen Iran zum Einsturz zu bringen, ist nach wie vor lebendig, da der Iran das zentrale Element der \u201eRimlands\u201c ist, die \u201eDrehscheibe\u201c im geopolitischen Spiel im eurasischen Raum.<\/p>\n

Wenige Beobachter haben bemerkt, dass die anti-iranische Wut sich nach zwei infrastrukturellen Innovationen wieder verst\u00e4rkt hat: die Umsetzung der Bahnverbindung China\/Iran in Richtung Indischer Ozean sowie die Fertigstellung des letzten kleinen Abschnitts der Eisenbahnlinie, die die iranische K\u00fcste mit dem Kaspischen Meer, Aserbaidschan und schlie\u00dflich Russland verbindet, wodurch der internationale Transportweg \u00fcber den Suezkanal umgangen wird.<\/p>\n

Der Fall Venezuela l\u00e4sst sich aus zwei Gr\u00fcnden erkl\u00e4ren: \u00d6l und R\u00fcckzug auf die westliche Hemisph\u00e4re. Das venezolanische \u00d6l k\u00f6nnte f\u00fcr andere Handelsstrategien genutzt werden, als sie von den USA vorgeschrieben werden, etwa au\u00dferhalb des Dollar-Systems. Es beliefert bereits Kuba und wurde fr\u00fcher von China genutzt; es h\u00e4tte auch Europa anstelle des Nahost\u00f6ls \u00a0oder des \u00d6ls aus dem russischen Raum versorgen k\u00f6nnen.<\/p>\n

Der Kampf gegen China und Russland ist riskant und k\u00f6nnte f\u00fcr die USA eine R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung ausl\u00f6sen. Das Team um Trump hat anscheinend beschlossen, eine andere Strategie zu verfolgen: Anstelle des Globalismus und der hegemonialen Unipolarit\u00e4t, wie sie Clinton in den 1990er Jahren mit der theoretischen Unterst\u00fctzung Fukuyamas\u2019, der eine \u201eEnde der liberalen Geschichte\u201c vorhersagte, angestrebt wurde, spielt man eine andere Karte.<\/p>\n

Diese akzeptiert scheinbar die von den BRICS angestrebte Multipolarit\u00e4t, w\u00e4hrend man gleichzeitig, solange die Kraft noch reicht, einen amerikanischen Block schafft, der alle Regionen des amerikanischen Kontinents umfasst und aufgrund ihrer immensen Ressourcen in der Lage ist, autark zu bestehen.<\/p>\n

Dieser Block, der bereits von amerikanischen Technokraten nach der gro\u00dfen Krise 1929 vorgeschlagen wurde, umfasst Mexiko, alle kleinen Republiken Mittelamerikas, Panama, Nordkolumbien, Venezuela (wegen seines \u00d6ls) sowie Kanada und Gr\u00f6nland (und damit sind wir wieder bei).<\/p>\n

Genau diesen Block strebt Trump an, um die USA autark, selbstversorgend und k\u00fcnftig in einem multipolaren Weltspiel m\u00e4chtig zu machen.<\/p>\n

Faye war sich der fundamentalen Feindschaft bewusst, die die USA gegen\u00fcber Europa hegten. F\u00fcr eine Zeit lang hoffte er auf eine n\u00f6rdliche Einigung, die Nordamerika und Euro-Sibirien umfassen sollte, wie auch einige amerikanische Zirkel sich das vorstellen, \u00fcber die man im Zusammenhang mit den Anchorage-Abkommen zwischen Trump und Putin wieder sprechen h\u00f6rte, die jedoch anscheinend keine Fortsetzung fanden.<\/p>\n

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In den gesammelten Texten vertritt Guillaume Faye das Konzept eines Euro-Russlands von Iberien bis Sibirien als Alternative zum Transatlantismus. Dabei argumentiert er f\u00fcr ein russisch-europ\u00e4isches B\u00fcndnis unter anderem mit der gemeinsamen ethnischen und kulturellen Herkunft sowie gemeinsamen geopolitischen Interessen von Russland und Europa sowie der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit im Kampf gegen Masseneinwanderung aus dem Globalen S\u00fcden. Faye bezieht sich dabei auch auf Ihr geopolitisches Werk und das Konzept des \u201egro\u00dfen Igels\u201c als Metapher f\u00fcr ein B\u00fcndnis zwischen Europa und Russland ein. Einige europ\u00e4ische Vertreter der radikalen Rechten betrachten dies, ebenso wie die Globalisten in Br\u00fcssel, als Verrat an Europa und warnen vor einem \u201eneostalinistischen Russland\u201c und dem \u201eBolschewisten Putin\u201c. Insbesondere neofaschistische Vertreter der Rechten bezeichnen Europ\u00e4er, die f\u00fcr Frieden und Kooperation mit dem \u201easiatischen Russland\u201c eintreten als \u201eVerr\u00e4ter an der wei\u00dfen Rasse\u201c.\u00a0 Bitte erl\u00e4utern Sie das Konzept von Euro-Russland und des \u201egro\u00dfen Igels\u201c genauer! Was spricht Ihrer Meinung nach f\u00fcr Euro-Russland und<\/em><\/strong> was sagen Sie zu jenen Rechten, die Ihnen f\u00fcr dieses Konzept Verrat an Europa vorwerfen?<\/em><\/strong><\/p>\n

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Faye sprach anfangs von Euro-Sibirien, nach einer Debatte, die wir beide eines Tages gef\u00fchrt hatten, bez\u00fcglich des Buches von Juri Semjonow \u00fcber Sibirien, das er als die \u201eSchatzkammer Europas\u201c beschrieb. Faye wurde sich bewusst, dass die Zukunft Europas nur m\u00f6glich sei, wenn man wieder normale Beziehungen zur damaligen UdSSR aufnehme, da diese unserem Kontinent alles Gebotene h\u00e4tte liefern k\u00f6nnen. Das Yalta-Duopol war f\u00fcr ihn nur eine Anomalie, weil es Europa seiner einzigen potenziellen Rohstoffreserve von hoher Bedeutung beraubte. Diese Position, die im Widerspruch zu den Ansichten der konventionellen Rechten stand, f\u00fchrte ihn zu einer anderen Schlussfolgerung: jede Form des Neo-Kolonialismus in Afrika, genauer gesagt in der \u201eFran\u00e7afrique\u201c, sei eine Sackgasse.<\/p>\n

Tats\u00e4chlich birgt das frankophone Afrika offensichtlich enorme Reicht\u00fcmer, die f\u00fcr die europ\u00e4ische Industrie n\u00fctzlich sind; die Verwaltung eines kolonialen oder neo-kolonialen Imperiums w\u00e4re jedoch zu teuer: Das Gebiet der UdSSR bot bereits alle notwendigen Infrastrukturen, ohne dass Bev\u00f6lkerungstransfers in eine Richtung oder die andere erforderlich gewesen w\u00e4ren (Kolonisation in den wohlhabenden Gebieten, Einwanderung nach Europa, eine allgemeine B\u00fcrgerschaft f\u00fcr alle Einwohner, usw.). Die Bev\u00f6lkerungsbewegungen innerhalb eines \u201eEuro-Sibirien\u201c w\u00e4ren auf technokratische Eliten beschr\u00e4nkt gewesen und h\u00e4tten im Allgemeinen nur vor\u00fcbergehenden Charakter gehabt. Sie h\u00e4tten sich auch zwischen homogeneren Bev\u00f6lkerungsgruppen abgespielt.<\/p>\n

Sp\u00e4ter, Anfang der 2000er Jahre, reiste Faye nach Flandern, um einige Vortr\u00e4ge zu halten: Dort traf er den russischen Autor und Professor Pawel Tulajew, der ihm klarstellte, dass Sibirien nur ein geografisches Konzept sei, wenn auch recht vage, und dass das einzige Subjekt der Geschichte in dieser riesigen Region, die zu den Ufern des Pazifik f\u00fchrt, Russland sei. Faye akzeptierte daher, k\u00fcnftig von \u201eEuro-Russland\u201c zu sprechen.<\/p>\n

Der Begriff des \u201egro\u00dfen Igels\u201c stammt von den heftigen Debatten, die Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und den Benelux-L\u00e4ndern gef\u00fchrt wurden, im Zusammenhang mit den US-Raketen, die die NATO auf dem Gebiet der Bundesrepublik stationieren wollte. Zu dieser Zeit kam das Konzept der Neutralit\u00e4t f\u00fcr Mitteleuropa, das Donauraum und die drei kleinen Benelux-Staaten, wieder auf den Tisch. Damit diese Neutralit\u00e4t akzeptiert werden konnte, musste sie jeglichen na\u00efven Pazifismus ablegen. Die Armeen der L\u00e4nder, die dadurch wieder neutral sein sollten, mussten sich nach den Vorbildern der Schweiz und Jugoslawiens organisieren.<\/p>\n

In Deutschland hatte General Jochen L\u00f6ser diese M\u00f6glichkeit in seinem Werk \u201eNeutralit\u00e4t f\u00fcr Mitteleuropa\u201c theoretisiert. In \u00d6sterreich hatten ein gewisser General Spanocchi und in Frankreich General Brossolet Pl\u00e4ne ausgearbeitet, um \u201ebewaffnete Nationen\u201c nach Schweizer Vorbild zu schaffen, die aber vor allem an die lokalen geografischen Gegebenheiten angepasst sein sollten \u2014 was in Flachlandregionen keineswegs einfach ist. In Flandern zeichnete der Zeichner Korbo eine charmante kleine Igel-Figur, die lachend voranschritt und sagte: \u201eVreedzaam maar weerbaar\u201c (\u201eFriedenst\u00fcchtig, aber verteidigungsf\u00e4hig\u201c). Aufkleber mit diesem Motiv, auf gr\u00fcnem Hintergrund, wurden gedruckt: daraus entstand die Theorie des \u201egro\u00dfen Igels\u201c.<\/p>\n

Die Russophoben des Systems oder des extrem-rechten Spektrums denken noch immer in Begriffen des Zweiten Weltkriegs. Die Operation Barbarossa wurde hastig gestartet, ohne Vorbereitung auf eine m\u00f6gliche Winteroffensive, und trotz ihrer anf\u00e4nglich fulminanten Erfolge geriet sie im Dezember 1941 vor Moskau zun\u00e4chst ins Stocken. Der \u201eVormarsch\u201c im Sommer 1942, um den Kaukasus und das dortige \u00d6l zu erreichen, war atemberaubend, stie\u00df jedoch auf die Unermesslichkeit des Territoriums: Obwohl Rostow am Don eingenommen werden konnte, erreichte man die \u00d6lfelder im Kaukasus nicht und konnte die Ufer der Wolga nicht kontrollieren.<\/p>\n

Mit Hilfe der angels\u00e4chsischen Seem\u00e4chte leistete die Rote Armee Widerstand, versorgt aus Murmansk und Archangelsk durch Konvois, die den Atlantik \u00fcberquerten (was das aktuelle Interesse Trumps am Gr\u00f6nland erkl\u00e4rt), sowie \u00fcber den Weg vom Indischen Ozean, die TransiranischenEisenbahn (gebaut von Deutschen und Schweizern w\u00e4hrend der Zwischenkriegszeit!!), das Kaspische Meer und den Flussverkehr der Wolga.<\/p>\n

Der Achsenblock konnte diese Linie, die vom Arktischen Ozean bis an die K\u00fcste des Indischen Ozeans f\u00fchrte, nicht abschneiden. Heute wird diese Linie durch den \u201eInternational North-South Transport Corridor\u201c (INSTC) wiederhergestellt, der der amerikanischen Kontrolle entgeht \u2014 was auch die gegenw\u00e4rtige anti-iranische Wut erkl\u00e4rt, da die hegemoniale Seemacht die Schl\u00fcsselstellen im Persischen Golf nicht mehr kontrolliert.<\/p>\n

Die Operation Barbarossa wurde von den nationalsozialistischen Beh\u00f6rden damals als notwendig gerechtfertigt, um das ukrainische Getreide und das kaukasische \u00d6l zu erlangen, die vorher von der Sowjetunion an das nationalsozialistische Deutschland geliefert worden waren, und zwar nicht nur im Rahmen der Klauseln des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts vom August 1939.<\/p>\n

Die sowjetischen Lieferungen hatten den schnellen Sieg gegen Frankreich im Mai-Juni 1940 erm\u00f6glicht: Ohne sie w\u00e4ren solche Siege oder die Verteidigung des eroberten gallischen Territoriums unm\u00f6glich gewesen. Der Zweite Weltkrieg lehrt uns, dass alle Gebiete, auf denen K\u00e4mpfe mit enormen Menschenkosten stattfanden, ein gemeinsamer strategischer Raum waren, in dem eine Wiederholung dieser Konflikte unm\u00f6glich oder zumindest unwirtschaftlich ist.<\/p>\n

Zur\u00fcck zu Getreide und \u00d6l: Bereits unter der Weimarer Republik waren die deutsch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen stark.<\/p>\n

Nach 1991, dem Jahr des Verschwindens der Sowjetunion, wurden die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Westeuropa einerseits sowie Russland unter Jelzin und Putin andererseits perfekt wiederhergestellt \u2014 vor allem seit den Gasvertr\u00e4gen, bei denen Gerhard Schr\u00f6der eine Schl\u00fcsselrolle spielte.<\/p>\n

Die Wiederherstellung dieser Wirtschaftsbeziehungen verbietet eine erneute Operation Barbarossa in jeglicher Form. Wer davon tr\u00e4umt, lebt im Delirium: Sie denken nicht auf Basis realer Fakten, die durch die j\u00fcngere oder \u00e4ltere Geschichte best\u00e4tigt sind, sondern auf der Grundlage moralischer Kategorien, die von der Realit\u00e4t losgel\u00f6st und medienwirksam von den hegemonialen M\u00e4chten instrumentalisiert werden (Carl Schmitt hat uns vor dieser Abweichung gewarnt\u2026!). Oder sie stammen aus anachronistischen Nostalgien.<\/p>\n

Gef\u00fchle dominieren in solchen Reden, genau wie bei den Antifa-Gruppen, die ebenfalls f\u00fcr unsichtbare Operationen manipuliert werden, oft von denselben Manipulationsmeistern orchestriert. Was den angeblichen \u201eVerrat Europas\u201c betrifft, der nur von friedlichen Russophilen begangen w\u00fcrde, so liegt dieser nur bei jenen, die den Hegemon und seine \u00dcbertragungsgremien verehren \u2014 einem Hegemon, der alles tut, um uns zu verlieren \u2014 oder bei jenen, die unter scheinbar anderen Vorw\u00e4nden eine Politik verfolgen, die den amerikanischen Deep State, das System oder einen seiner P\u00e4sse auf dem internationalen Schachbrett f\u00f6rdert und opfert.<\/p>\n

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Russland wird von der EU und den europ\u00e4ischen Mainstreammedien als \u201eReich des B\u00f6sen\u201c diffamiert, Wladimir Putin je nach Tagesverfassung zu einem zweiten Stalin oder Hitler stilisiert. Bereits in den im Buch versammelten Texten wies Guillaume Faye darauf hin, dass die EU das konservative Russland unter Putin, der bereits seit seiner M\u00fcnchner Rede 2007 f\u00fcr eine multipolare Weltordnung anstelle der Unipolarit\u00e4t eintritt, als ideologische Gefahr f\u00fcr ihr globalistisches Projekt betrachten. Inwiefern denken Sie ist die Einsch\u00e4tzung Guillaume Fayes von damals noch aktuell\/gibt es etwas, das sie dazu erg\u00e4nzen m\u00f6chten?<\/em><\/strong><\/p>\n

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Viele der einst von Guillaume Faye aufgestellten Analysen bleiben, mutatis mutandis,<\/em> auch im internationalen Kontext g\u00fcltig. Sein j\u00fcngstes Werk, das posthum ver\u00f6ffentlicht wurde und den Titel \u201eContre la russophobie\u201c tr\u00e4gt, bezeugt seine vision\u00e4ren und vorausschauenden F\u00e4higkeiten. Guillaume Faye entwickelte seine rationale Russophilie, die durch konkrete Fakten untermauert wird, wie die Notwendigkeit, den Austausch von Energie, Rohstoffen, Fertigwaren oder Hochtechnologiewissen zu harmonisieren. Guillaume Faye ist ein Sch\u00fcler Clausewitz\u2019, vermittelt durch die Lekt\u00fcre der beiden B\u00e4nde, die Raymond Aron dem preu\u00dfischen Milit\u00e4r des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts gewidmet hatte. Der Zugang zu Clausewitz erfolgte durch Aron bei den Franzosen der Faye-Generation. Aron arbeitete daran, eine theoretische Grundlage f\u00fcr das nationale System zu schaffen, das De Gaulle in den 1960er Jahren etabliert hatte, unmittelbar nach den tragischen Ereignissen in Algerien, die Frankreich an den Rand eines B\u00fcrgerkriegs brachten. Die Deutschen sollten, um diese Epoche zu verstehen, die Texte von Armin Mohler \u00fcber das Frankreich De Gaulles erneut lesen, das er als Vorbild f\u00fcr die anderen europ\u00e4ischen Staaten sah \u2013 vorausgesetzt, sie wollten sich zumindest von der amerikanischen Vormundschaft emanzipieren. Erinnern wir uns auch daran, dass Mohler in einem kurzen, sehr knappen Manifest, das auf Englisch verfasst und \u201eChicago Papers\u201c genannt wurde, alle Wege aufzeigte, um Europa aus dem langsamen W\u00fcrgegriff des amerikanischen Anaconda zu befreien. Diese \u201eChicago Papers\u201c sind in seinem Sammelband mit dem Titel \u201eVon rechts gesehen\u201c enthalten. Wer diese klaren Parolen verinnerlicht hat, kann nur mit gro\u00dfem Mitleid und scharfem Sarkasmus lachen, wenn er die Reden des Systems und der extremen, russophoben Rechten \u00fcber Venezuela, den Iran, China oder Russland h\u00f6rt. Faye hat die Botschaft von Pr\u00e4sident Putin im Jahr 2007 sehr gut erfasst, ebenso wie G\u00fcnter Maschke, der, um die Papageien aller Federn zu schockieren und zu ersch\u00fcttern, die den Mainstream-Medien nachplapperten, mit donnernder Stimme verk\u00fcndete, er sei nicht nur ein \u201ePutin-Versteher\u201c, sondern vor allem ein \u201ePutin-Anh\u00e4nger\u201c.<\/p>\n

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Das Interview f\u00fchrte Alexander Markovics.   Die gegenw\u00e4rtige politische Diskussion in Europa wird vom Schreckgespenst Wladimir Putin und der Warnung vor einem Einmarsch Russlands in Europa dominiert. Ende 2025 ist im Arktos Verlag das Buch \u201eAgainst Russophobia\u201c mit einer von Ihnen angeleiteten Zusammenstellung von Texten des franz\u00f6sischen Philosophen Guillaume Fayes zum Thema Russland erschienen. 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