{"id":10107,"date":"2024-07-17T08:17:17","date_gmt":"2024-07-17T06:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/gegenstrom.org\/?p=10107"},"modified":"2024-10-12T08:33:18","modified_gmt":"2024-10-12T06:33:18","slug":"vorwurf-der-kollaboration-mit-dem-ausland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gegenstrom.org\/en\/vorwurf-der-kollaboration-mit-dem-ausland\/","title":{"rendered":"Vorwurf der Kollaboration mit dem Ausland"},"content":{"rendered":"<p><em>Im vorliegenden Artikel wirft Dominik Schwarzenberger die Frage der Verbindungen von AfD-Funktion\u00e4ren mit russischen und chinesischen Staatsvertretern auf. Er zieht Vergleiche zu historischen Kollaborationen und arbeitet heraus dass realpolitische Notwendigkeiten h\u00e4ufig ideologische Ansichten \u00fcberwiegen. Dies sieht er im Grunde als nichts falsches, sofern Augenmerk darauf gelegt wird nicht in Abh\u00e4ngigkeiten zu geraten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der von den offiziellen Medien gen\u00fcsslich ausgeschlachteten engen Verbindungen einiger AfD-Funktion\u00e4re bzw. deren Umfeld zu russischen wie chinesischen Staatsvertretern und dem brisanten Vorwurf der Spionage er\u00f6ffnet sich eine Reminiszenz an das Paradoxon ausl\u00e4ndische Kollaboration mit Hitler-Deutschland. Gleiches gilt f\u00fcr die gegen Moskau vom Establishment betriebenen Interventionismus, die jede Verhandlung mit Moskau als neue Appeasement-Politik \u00e0 la Neville Chamberlain diskreditiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Ebenen-Modell<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr meine geopolitischen Analysen nutze ich das Ebenen-Modell: es zeigt die Priorit\u00e4ten beteiligter Staaten, Personen oder Organisationen in Bezug auf Konflikte wie auch Allianzen. Folgende unvollst\u00e4ndige Ebenen tauchen dabei h\u00e4ufig auf:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Nation \/Volkstum<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> <\/strong><\/li>\n<li><strong>Werte \/Ideologie<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<li><strong>Wirtschaft<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/strong><\/li>\n<li><strong>Religion<\/strong><\/li>\n<li><strong>Geopolitik<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frankreich und Gro\u00dfbritannien 1933-1939<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Friedensjahre nach der Macht\u00fcbernahme durch die deutschen Nationalsozialisten kam es unter einigen Nationalisten Frankreichs wie Gro\u00dfbritanniens zu einer Umorientierung: Standen sie der Weimarer Republik noch misstrauisch gegen\u00fcber, weil sie Revanchegel\u00fcste und eine Revision der Nachkriegsordnung von 1919 f\u00fcrchteten (Ebene Geopolitik und Ebene Nation \/Volkstum), so entwickelten nicht wenige Nationalisten Sympathien oder zumindest neidvolle Bewunderung f\u00fcr das neue Deutschland von 1933. Daf\u00fcr sind drei Motive verantwortlich: das eigene politische System wurde als schw\u00e4chlich und dekadent<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> wahrgenommen, zweitens: als nicht verteidigungsf\u00e4hig und drittens: auch nicht verteidigungsw\u00fcrdig (das negative Motiv). Folglich wurde die Ebene Werte \/Ideologie zur Beurteilung des neuen Deutschlands fokussiert \u2013 hier erkannte man Verwandtschaft und Vorbild<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> (das positive Motiv). Die eine antideutsche Ausrichtung beg\u00fcnstigende Ebenen Nation \/Volkstum<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>, Geopolitik<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> und Wirtschaft<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> traten in den Hintergrund. Im Ersten Weltkrieg dominierten gerade diese Ebenen, weshalb sich die antirepublikanische Rechte zum Wohle des Vaterlandes f\u00fcr einen Burgfrieden mit der verhassten Republik entschloss. Paradoxerweise waren es also die bis dato unvers\u00f6hnlichen franz\u00f6sischen wie britischen Rechtsnationalisten<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a>, die sich f\u00fcr eine Appeasement-Politik einsetzten. W\u00e4hrend der Sudeten-Krise, der deutschen Besetzung der \u201eResttschechei\u201c sowie des Krieges gegen Polen, blieben die ideologischen Verwandten Frankreichs und Gro\u00dfbritanniens ihren pazifistischen Forderungen treu<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a>. Der Krieg zwischen Deutschland und den Westm\u00e4chten und besonders die Besetzung Frankreichs zeugen vom Bewusstseinswandel vieler Rechtsnationalisten<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a>. Den H\u00f6hepunkt stellten dann die franz\u00f6sischen Kollaborationsregimes dar, w\u00e4hrend London prodeutsche Kr\u00e4fte vorsorglich internierte. Der franz\u00f6sische Widerstand gegen die deutschen Besatzer wurde also von B\u00fcrgerlichen und Linken getragen, die neben den ideologischen Motiven auch patriotische (Ebene Nation \/Volkstum) pflegten, w\u00e4hrend sich die nationalradikalen Kollaborateure mit paneurop\u00e4ische Tr\u00e4umereien tr\u00f6steten. Nach 1945 war ausgerechnet der Rechtsnationalismus als unpatriotisch und landesverr\u00e4terisch \u00fcber Jahrzehnte diskreditiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kroatien 1941<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Zerschlagung Jugoslawiens bauten Deutsche und Italiener auf ein \u201eunabh\u00e4ngiges\u201c Kroatien. Favorit war dabei der gem\u00e4\u00dfigte Nationalist Vladko Ma\u010dek von der inzwischen \u00fcberideologischen Bauernpartei. Bedingung f\u00fcr ein autonomes Kroatien sollten u.a. Gebietsabtretungen an Italien und Autonomie f\u00fcr die kleine deutsche Minderheit<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> sein. Das lehnte Ma\u010dek aus ideologischen und patriotischen Gr\u00fcnden ab. Es blieb nur noch Ante Paveli\u0107 von der radikal-nationalistischen Usta\u0161a als Alternative \u00fcbrig. Der akzeptierte. Bei Paveli\u0107 dominierte klar die Ebene Werte \/Ideologie. Damit hatten es seine Feinde leicht, ihm Volksverrat vorzuwerfen, was die bis dato antinationalen Kommunisten dankbar ausnutzten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Russland, \u201eResttschechei\u201c und Serbien im Zweiten Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Bei den ideologieaffinen Kollaborateuren dieser L\u00e4nder wiegt der Vorwurf des Volks- und Vaterlandsverrats noch schwerer, da die ganze Existenz des eigenen Volkstums vom unberechenbaren Willen Berlins abhing. Das ist auch der Grund, weshalb dort bis heute \u201eFaschismus\u201c nicht als Ideologie angesehen wird, sondern als alleiniges Herrschaftsinstrument der Deutschen. Einheimische faschistische Kollaborateure als Unterst\u00fctzer deutscher Fremdherrschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>S\u00fcdtirol<\/strong><\/p>\n<p>Ein letztes pikantes Beispiel sei genannt: Hitler opferte S\u00fcdtirol (Ignorieren der Ebene Volkstum \/Nation) zugunsten eines B\u00fcndnisses mit Italien<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> \u2013 es dominierte auch hier die Ebene Werte \/Ideologie plus Ebene Geopolitik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Situation heute<\/strong><\/p>\n<p>Eine pazifistische Haltung gegen\u00fcber Moskau wird heute von einigen Linken und der Mehrheit deutscher Rechter<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> eingenommen. Heute sind es sogenannte Putin-Versteher, die ins Visier des interventionistischen Establishments geraten. Sollte es zu einem offenen Krieg der NATO mit Russland kommen, tut sich f\u00fcr diese Pazifisten ein hervorragendes Feld auf, \u201enicht f\u00fcr Kiev sterben zu wollen\u201c. Eine v\u00f6llig andere Situation haben wir, wenn Russland in Deutschland einr\u00fcckt und eigene kolonialistische Verwaltungsstrukturen schafft \u2013 dann sollten uns die obigen Kollaborationsbeispiele des Zweiten Weltkriegs mahnen und wir den passiven Widerstand der Ruhrbesetzung 1923 anstreben.<\/p>\n<p>Die nichtinterventionistische Rechte mit der AfD hat heute vier Boni, die die Kollaborateure damals nicht hatten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>die BRD ist kein souver\u00e4ner Staat <\/strong><\/li>\n<li><strong>\u201edeutsche\u201c Politik wird in Br\u00fcssel und Washington gemacht<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsr\u00e4son<\/strong><\/li>\n<li><strong>Das Establishment strebt de-facto einen postnationalen Staat an<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie in der Vorkriegszeit l\u00e4sst sich zudem argumentieren, der eigene Staat ist gar nicht wehrf\u00e4hig, weil<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>die Wehrmoral und -tugenden systematisch aufgeweicht<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> wurden<\/strong><\/li>\n<li><strong>Immigranten als Soldaten kein patriotisches Verteidigungsmotiv haben und sogar ein Sicherheitsrisiko darstellen<\/strong><\/li>\n<li><strong>der soziale Kitt des Zusammenlebens aufgrund fortgeschrittener Atomisierung und ethno-religi\u00f6ser Fragmentierung im Kriegsfall versagen wird<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kontakte zu offiziellen ausl\u00e4ndischen Institutionen sind kein Fehler, Kontakte auf Basis ideologischer Verwandtschaft zu ausl\u00e4ndischen Politikern sogar notwendig, aber immer auf die eigene Unabh\u00e4ngigkeit bedacht. Auch bei Russland und China handelt es sich nicht um erstrebenswerte Modelle, sondern um fragile Staaten, die mit dem R\u00fccken \u2013 nicht anders als der Westen \u2013, zur Wand stehen. F\u00fcr Nationen gilt wie f\u00fcr den Einzelnen: Damit keine neue Abh\u00e4ngigkeit droht, kann man sich immer nur selbst befreien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> dazu geh\u00f6ren auch direkte Grenzstreitigkeiten<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Die Ebene \u201eWerte \/Ideologie\u201c kann um die Ebene Staatsform oder Moral weiter spezifiziert werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> hier z.B. Freihandel vs. Autarkiestreben \/Protektionismus<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> au\u00dfenpolitische Orientierung, Einflussnahme auf supranationale Organisationen und andere Staaten<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Das betraf Moral, gehemmtes Gro\u00dfmachtstreben, Einwanderung und Ohnmacht gegen die innere kommunistische Bedrohung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Bestehende franz\u00f6sische wie britische faschistische Organisationen f\u00fchlten sich best\u00e4tigt und weitere wurden unter dem Eindruck der Jahre 1933\/1934 gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Im Falle Frankreich drohte ja noch das Damoklesschwert Elsass-Lothringen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Hitler bedrohte die von den Siegern von 1918 sanktionierte Staatenordnung mit ihren fragilen Grenzziehungen und den Einflussbereich Paris` und Londons in Osteuropa.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Eine regenerierte deutsche Wirtschaft war Konkurrenz und speziell das Autarkiestreben (Gro\u00dfraumwirtschaft) isolierte v.a. London.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Bei den jakobinischen Linksnationalisten Frankreichs gab es freilich kein ideologisches Interesse. Ausnahmen wie die Neosozialisten wechselten unter dem Eindruck des aufstrebenden Dritten Reiches ins faschistische Lager.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> \u201eSterben f\u00fcr Danzig?\u201c war in Frankreich wie Gro\u00dfbritannien eine popul\u00e4re Formel.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> B\u00fcrgerliche Nationalisten beider Westm\u00e4chte waren v.a. aufgrund ihrer auf Ebene Nation \/Volkstum orientierter Politik gegen Berlin gerichtet. In Frankreich waren aufgrund ebendieser Orientierung nur wenige Nationalradikale und Faschisten (v.a. aus dem Umfeld Action Fran\u00e7aise und Feuerkreuzler) am antideutschen Widerstand beteiligt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Die winzige Minderheit genoss regelrechte Narrenfreiheit und baute eine eigene Infrastruktur auf.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl.: Hitler, Adolf: Die S\u00fcdtiroler Frage und das deutsche B\u00fcndnisproblem, M\u00fcnchen 1926.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Die interventionistischen Rechten zugunsten der Ukraine unterscheiden immerhin zwischen ukrainischen Nationalisten und deren momentanen liberalistischen Regierung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Mannhaftigkeit, Autorit\u00e4t, Gehorsam und Disziplin sind heute verwerflich und \u201eSoldaten M\u00f6rder\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im vorliegenden Artikel wirft Dominik Schwarzenberger die Frage der Verbindungen von AfD-Funktion\u00e4ren mit russischen und chinesischen Staatsvertretern auf. 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