Verfasst von Franz-Michael Kilter |

Die große Frage nach dem Danach – Eine Bestandsaufnahme in Anlehnung an Wolfgang Bendels Schrift „Aristokratie“

„Aber Vater, könntest du nicht denjenigen von uns zum nächsten König machen, den du dir aussuchst?“

„Nein, der König unterliegt den Gesetzen, denn die Gesetze sind es, die ihn zum König machen. Er kann die Krone genauso wenig im Stich lassen wie ein Wachmann seinen Posten.“

„Ach herrje“, seufzte Cor. „Ich habe überhaupt keine Lust, König zu werden. Es tut mir schrecklich leid, Corin. Ich hätte mir nie träumen lassen, ich könne dir durch mein Auftauchen die Königskrone streitig machen.“

„Hurra! Hurra!“ rief Corin. „Ich muß kein König werden! Ich muß kein König werden!

Ich werde immer der Prinz bleiben. Es sind nämlich die Prinzen, die immer den meisten Spaß haben.“

„Und das ist wahrer, als dein Bruder ahnt, Cor“, sagte König Lune, „Denn König zu sein bedeutet, bei jedem verzweifelten Rückzug letzter zu sein, und wenn im Lande Hunger herrscht, wie das hier und da in schlechten Jahren passiert, dann muß er sich in den schönsten Kleidern und mit dem lautesten Lachen zum armseligen Mahl im Lande niedersetzen.“[1](König Lune des europäisch geprägten Archenlandes im Gespräch mit seinen Söhnen Cor und Corin um die Thronfolge)

Clive Staple Lewis (* 29. November 1898 in Belfast; † 22. November 1963)schrieb diesen Dialog in seinem dritten Band der keineswegs nur für Kinder interessanten Narnia-Reihe. Er trägt einiges an Wahrheit in sich. Zum ersten wird deutlich, wie es beispielsweise den kaisertreuen Zeitgenossen Wilhelms des II. 1918 zumute gewesen sein muss, als dieser plötzlich seinen „Posten verließ“. Zum anderen, entgegen heutiger demokratischer Desinformation, legt er nahe, dass auch ein König Gesetzen unterworfen ist, ergo nicht immer nach eigenem Gutdünken frei und ungebunden handeln kann – was in der Geschichte vielfach beweisbar ist. Um Missverständnisse im Vorfeld auszuschließen, muss man anführen, dass es sich bei dem Iren C.S. Lewis sicher nicht um einen Verfechter einer neuen Aristokratie handelte, wenngleich man ihm einen gewissen geistigen Adel in seinen Ansichten nicht absprechen kann. Jedoch stand er auch der vom ihm bevorzugten Herrschaftsform, der Demokratie, nicht kritiklos gegenüber, erkannte er in ihr doch die Tendenz, die Dinge (nach unten) zu nivellieren. Diese Beobachtungen erfüllten ihn mit großer Sorge und es ist beispielsweise bekannt, wie er sich im schulischen Bereich für klare Hierarchien und eine Begabtenförderung einsetzte und sich somit dem Gleichheitsdogma entgegenstellte.

Der „besten Staatsform aller Zeiten“ mit Namen Demokratie widmete Wolfgang Bendel jüngst die Streitschrift „Aristokratie“ (erschienen im Jungeuropa Verlag) und ich wünsche diesem kompakten Bändchen in sehr prägnanter Sprache eine weite Verbreitung.

Das Hier und Jetzt

Auch wenn ich dadurch ein wenig über mein hochgestecktes Ziel, keine Rezension zu diesem hervorragenden Buch zu verfassen, hinausschieße (dieses gelang bereits unübertrefflich Peter Steinborn in seinem Artikel „Das Ende der Demokratie? Wolfgang Bendel auf den Spuren einer neuen Gesellschaftsform“ – ebenfalls abrufbar über Gegenstrom), möchte ich mir einige kurze Anmerkungen erlauben, bevor ich mich in eigenen Analysen und Erkenntnisschlüssen verlieren werde. Die Schilderung des Zustandes der brasilianischen „Kleptokratie“[2]nebst der Infrastruktur auf Kleinstadt-Ebene empfand ich als sehr anschaulich, besonders für Personen, die im Gegensatz zu Bendel keine Südamerika-Kenner sind. Meine Vorstellungen schwankten daher, abgesehen von den knappen, romantisierten Reiseberichten eines mir bekannten Rucksacktouristen mit Rastafari-Frisur, irgendwo zwischen dem brutalen Bilderrausch aus José Padilhas „Tropa de Elite“ und dem Roman „Mister“ des Autors Alex Kurtagić. Diese zuerst 2009 publizierte grotesk-despotische Achterbahnfahrt im Lebensalltag eines Madrids im Jahre 2022 ist stark geprägt von den Erfahrungen, welche Kurtagić in seinem früheren Leben auf dem Subkontinent gesammelt hat. Sicher ist das Werk literarisch bewusst überspitzt und übertrieben geschrieben, nach der Lektüre des Brasilien-Kapitels in Bendels Buch erscheint es mir jedoch trotzdem beängstigend geerdet zu sein. Seine darauffolgenden Ausführungen über die deutschen Verhältnisse konzentrieren sich stark auf die zur Entstehungszeit des Bandes aktuellen Ereignisse (so u.a. in Chemnitz nach dem Messermord an Daniel H.) und konstatieren den (kümmerlichen) Zustand der Geistesfreiheit und den überall grassierenden Konformismus. In ihnen findet all das Bestätigung, was auch Tocqueville vor mehr als einhundertfünfzig Jahren über die Demokratie in Amerika, so der Titel seines berühmten Buches, schrieb. Wer sich darüber hinaus mit den konstruktiven Mängeln des bundesdeutschen Parteienstaates befassen möchte, dem empfehle ich „Das System“ des Verfassungsrechtlers Hans Herbert von Arnim. Dieses Buch leistet dann das, was eine Schrift im Kleinformat nicht umfänglich zu leisten vermag. Seine Kernthesen in vereinfachter Form: Die BRD und ihre Institutionen mitsamt dem Medienapparat wurden von den Parteien gekapert und zu ihren Gunsten geformt und sind stetigem Missbrauch und/oder Beeinflussung unterworfen. Carl Schmitt drückte es wie folgt aus:

„Die Parteien (…) treten heute nicht mehr als diskutierende Meinungen, sondern als soziale oder wirtschaftliche Machtgruppen einander gegenüber, berechnen die beiderseitigen Interessen und Machtmöglichkeiten und schließen auf dieser faktischen Grundlage Kompromisse und Koalitionen. Die Massen werden durch einen Propaganda-Apparat gewonnen, dessen größte Wirkung auf einen Appell an nächstliegende Leidenschaften und Interessen beruhen. Das Argument im eigentlichen Sinne, das für die echte Diskussion charakteristisch ist, verschwindet. An seine Stelle tritt in den Verhandlungen der Parteien die zielbewusste Berechnung der Interessen und Machtchancen; in der Behandlung der Massen die plakatmäßig eindringliche Suggestion (…)“ [3]

Die politische Teilhabe des Bürgers beschränkt sich auf Wahlen im Vier- bis Fünfjahresrhythmus, wo ihm von eben jenen Parteien Listen mit den eigenen, vorher gut platzierten Kandidaten vorgesetzt werden, was einer Art Vorwahl gleichkommt. Auf die sich nach der Wahl bildenden Regierungskoalitionen hat er ebenfalls keinen Einfluss. Somit besteht seine einzige Aufgabe darin, dieses System noch durch seine rein formale Stimmabgabe zu legitimieren. Wie sich diese und die nachfolgenden Betrachtungen gegenüber dem blumigen Text in Artikel 38 Absatz 1 des Grundgesetztes verhalten, ist mehr als erschreckend. Zu dem praktischen Wahlrecht und den wirklichen Machtfaktoren in der Demokratie äußert Oswald Spengler in seinem „Der Untergang des Abendlandes“:

„Daß ein Wahlrecht annähernd leistet, was der Idealist sich dabei denkt, setzt voraus, dass es keine organisierte Führerschicht gibt, die in ihrem Interesse und im Maßstab des verfügbaren Geldes auf die Wähler einwirkt. Sobald sie da ist, hat die Wahl nur noch die Bedeutung einer Zensur, welche die Menge den einzelnen Organisationen erteilt, auf deren Gestaltung sie zuletzt nicht den geringsten Einfluß mehr besitzen. Und ebenso bleibt das ideale Grundrecht abendländischer Verfassungen, das der Masse, ihre Vertreter frei zu bestimmen, bloße Theorie, denn jede entwickelte Organisation ergänzt sich in Wirklichkeit selbst. Endlich erwacht ein Gefühl davon, daß das allgemeine Wahlrecht überhaupt kein wirkliches Recht enthält, nicht einmal die Wahl zwischen den Parteien, weil die auf seinem Boden erwachsenen Machtgebilde durch das Geld alle geistigen Mittel der Rede und Schrift beherrschen und damit die Meinung des Einzelnen über die Parteien nach Belieben lenken, während sie andrerseits durch ihre Verfügung über Ämter, Einfluß und Gesetze einen Stamm unbedingter Anhänger züchten (…) der den Rest ausschaltet und ihn zu einer Wahlmüdigkeit führt, die endlich selbst in den großen Krisen nicht mehr überwunden werden kann.“[4]

Diesen neuen Typus des Politikers in seiner Urform, den diese Gemengelage zwangsläufig heraufspült, behandelte bereits Robert Michels in seinem 1911 erschienenem Hauptwerk „Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie“ (Stichwort: Das eherne Gesetz der Oligarchie). Es ist der des opportunistischen, korrumpierten Berufspolitikers, der sich zunehmend von seiner Wählerschaft abschottet. Erneute Bestätigung fanden Michels Ausführungen Anfang der 1990er in einer von dem Wirtschaftsverband der CDU Nordrhein-Westfalen bei dem Soziologen-Ehepaar Erwin K. und Ute Scheuch in Auftrag gegebenen Studie.[5]Für die CDU entpuppte sie sich als sprichwörtlicher Schuss ins eigene Knie und so versuchten die Auftraggeber schließlich erfolglos, die Verbreitung zu stoppen.

Doch kommen wir nun zu einem Teil der Lösung, die uns von Arnim präsentiert wird und auf die Bendel in seinem Buch ebenfalls kurz eingeht: Die direkte Demokratie. Dem stehe ich mittlerweile sehr skeptisch gegenüber und auch Bendel scheint diesen Ansatz ebenfalls zu verwerfen und fragt bewusst provokant: „Hilft es einem Alkoholkranken allen Ernstes, wenn er täglich statt einer Flasche Schnaps deren zwei zu sich nimmt?“[6]Zu dem generellen Problem der neuzeitlichen Massendemokratie, hier bezogen auf die Elitenwahl, sagt Corneliu Codreanu in sehr klarer Sprache:

„Kann das Volk seine Führerschicht überhaupt selbst wählen? Weshalb wählen sich die Soldaten nicht den besten General? Wenn die breite Masse sich ihre Führerschicht, ihre Elite, selbst wählen soll, dann ist es unumgänglich notwendig, daß sie die Gesetze, nach denen der Organismus eines Volkes geführt werden muß, genau kennt. Und sie muß weiter wissen, inwieweit die Kandidaten durch ihre Führereigenschaften und durch ihr Wissen diese Gesetze beherrschen. Nun liegt es aber auf der Hand, daß die breite Masse weder die Gesetze noch auch die Kandidaten und ihre Fähigkeiten wirklich kennt und entsprechend beurteilen kann. Diese Führerschicht wählen zu wollen, ist genau so, als ob man durch Abstimmung und Mehrheitsbeschluß die Dichter und Schriftsteller, die Flieger und Athleten eines Volkes wählen wollte.“

Seit dem zunehmenden Erstarken populistischer Parteien und den damit einhergehenden Schlappen bei Volksentscheiden (siehe „Brexit“) hören wir ganz ähnliche Töne, übrigens von demokratischen Parlamentariern, die vorgestern noch das Volk als Souverän permanent im Munde führten und sich nun als kompetenten Polit-Fachkraft-Gegenentwurf zu diesem aufspielen.

Fürwahr, an Potential für alles in seinen Grundfesten erschütternde Krisen wird es uns in Zukunft nicht mangeln: Die EU, moralisch geschwächt durch den Wahlsieg Trumps und dessen deutlicher Fundamentalkritik, von islamischem Terror, ethnischen Konflikten, inneren Protesten heimgesucht, stand ihrem Zerfall noch nie so nahe wie heute. Auch national steht es für den deutschen Rechts- und Verfassungsstaat, oder besser was noch von ihm übrig ist, nicht besser. Ja, die Parteien arbeiten selbst an seiner Montage: Angefangen bei der rechtswidrigen Grenzöffnung oder besser Offenhaltung der Grenzen 2015/2016, der Entlassung des Verfassungsschutzpräsidenten Maaßen oder dem Aussetzen der Schulpflicht auf den “Fridays for future“-Demos etc. Wir erleben, wie das ehemals so hoch gehaltene Recht zunehmend einer unverbindlichen Art der (Hyper-)Moral geopfert wird. Was ist, wenn die systemimmanenten Rechtspositivisten dagegen rebellieren?

Außerhalb des Systems schwinden die letzten Alternativen: Die Linkspartei ist momentan nach dem konsequenten Rückzug Sahra Wagenknechts vollends dabei, ihre Rolle als Volkspartei im Osten des Landes zu verlieren und wird damit die Bruchstellen im Parteiensystem verstärken, die nach der letzten Bundestagswahl deutlich wurden. Das im Gegensatz zur Weimarer Republik stark geschrumpfte Parteiensystem steht zunehmend vor dem aus Weimarer Zeiten bekannten Problem des Mangels an der zur Entscheidung notwendigen Mehrheiten. Diese Situation kann sich bis in das Unlösbare verschärfen und das parlamentarische System in eine derartige Krise stürzen, dass das Volk der Deutschen kurz vor dem von Carl Schmitt bestimmten ‚Ernstfall’, also der drohenden Auflösung der gesellschaftlichen Strukturen hin zu Bürgerkrieg und Anarchie, steht. Wer wird dann in dieser Situation entscheiden?

Carl Schmitt hielt den Liberalismus aus Gründen, die sich aus ihm heraus ergeben, als zur Lösung dieses Ernstfalles unfähig. Allerdings gebe ich es zu: Das sind die etwas rosigeren Szenarien zum Totalausfall. Wie dem auch sei: Ein Grundfehler vieler Patrioten bzw. sich als Patrioten verstehenden Personen war es in der Vergangenheit, diesen Zeitpunkt mit aller Macht herbeiführen zu wollen, was für das Individuum meistens in einer Sackgasse endete oder fatale Folgen (siehe Christchurch in Neuseeland) hatte. In Anlehnung an den Charakter aus James Camerons ‚Terminator’-Filmen fiel mir zu diesen extremen Auswüchsen der Terminus ‚Sarah-Connor-Syndrom’ ein. Gemeint ist ein geradezu pathologischer Zwang, eine drohende Apokalypse, wenn es sein muss auch im Alleingang, aufhalten zu wollen, was zu vorschnellen und irrationalen Handlungen führt und die Person auch ohne Amoklauf zu einem seelischen Wrack mutieren lässt. Wichtiger als sich in Untergangsszenarien zu ergeben, wird es für die Rechte sein, diesem Moment gewachsen zu sein und dann nicht völlig ohne Konzept dazustehen. Der kulturrelativistische, links-liberale Massenwahn endet so oder so.

Mit geschlossenem Visier oder das Brevier der Verbrannten

„Heraus aus dieser Welt!

Verlasse diese Welt!

Lass ihr ihren Lauf

fallen die Tage auch zuhauf.

Feuer und Schrecken, gefüllte Totenbahren –

Sieh dem ungerührt zu:

Der Motor hat sich längst festgefahren.

Die Maschine stirbt im Nu.“

– Auszug aus dem Lied ‚Away’[7]des nordamerikanischen Neofolk-Projektes ‚Überfolk’. Übertragung ins Deutsche durch den Autor.

Die Verbrannten scheuen das Licht der Öffentlichkeit, da ihre politische Vita es nicht zulässt, sich am offenen Diskurs zu beteiligen oder klarer ausgedrückt, sie dort der patriotischen Sache mehr schaden als nutzen würden. Jene, die es in der Vergangenheit trotzdem versuchten, stimmte die erteilte Abfuhr aus diesem Lager verdrießlich, jedoch kommt es dabei auf die Betrachtungsweise an. Mit der gern gebrauchten Vokabel der „Distanziteritis“[8]hat das im Übrigen wenig zu tun, wohl eher etwas mit dem, was Götz Kubitschek vor kurzem im österreichischen Fernsehen als „Projekthygiene“ bezeichnete.[9]Legt man falsche Eitelkeiten beiseite, ergibt sich ein anderes Bild: Man hat Freiheiten und Chancen gewonnen, die unseren Brüder und Schwestern, die in Parlamenten oder im aktivistischen Sektor den Gegner unter stetigem Druck halten und den Finger in die Wunde legen, nicht zustehen. Dazu gehört das freie Entwickeln von Konzeptionen und Vernetzungen für den „Tag nach dem Morgen“, ohne dabei auf den derzeit wirkenden Zeitgeist oder Abhängigkeitsverhältnisse (z.B. gegenüber den eigenen oder potentiellen Wählern) Rücksicht nehmen zu müssen. Fürwahr, wer will bestreiten, dass die stetige Fokussierung auf das „Maul des Volkes“ oder die Klinge des politischen Gegners das eigene Denken unbewusst verändern, gar korrumpieren kann? Als graue Eminenzen im Hintergrund können wir schon heute hier tätig werden und mahnen, den gemeinsamen Kurs nicht für kurzsichtige Früchte des Tages zu ändern. Das Ziel dieses Kurses? Die Rettung Europas und seiner Völker vor dem drohenden Untergang. Und die Gestalt? Dazu Alain de Benoist: „Die Überwindung der Moderne wird (…) nicht durch einen Rückschritt erfolgen (…) Überwunden wird sie vielmehr durch einen Rückgriff auf bestimmte vormoderne Werte in einer bewußt postmodernen Blickrichtung. Die soziale Anomie und der heutige Nihilismus werden nur um den Preis einer solchen grundlegenden Erneuerung abgewendet werden.“[10]

1. Nicht das Blut macht den Adel[11]

Wohl für alle Zeiten gültig sind die Charakteristika, die Guillaume Faye in „Wofür wir kämpfen“ dem alten aber auch dem zukünftigem Adel zuschrieb:

„(…) Festhalten an seinem Volk, der Dienst an diesem, der Mut, die Gleichgültigkeit gegen private Nebensächlichkeiten, die hochmütige Bescheidenheit, die Schöpferkraft, der Sinn für das Ausgezeichnete und für das Schöne, die schlichte Vornehmheit und die Erhabenheit. [12]

Zusätzlich zu diesen Werten muss der Stärkung auf physischer sowie psychischer Ebene ein weites Feld eingeräumt werden. Wie bereits gesagt, habe ich die verhältnismäßig leichten Krisen skizziert und auch sie werden ein hohes Maß an Anstrengung erfordern. Doch was ist, wenn die Geburt des neuen Zeitalters unter starken Schmerzen stattfinden wird? Für diesen Fall, so scheint es mir, wird eine Hybris der klassischen Werte mit denen des tribalistischen Barbaren, wie ihnen Jack Donovan in seinen Büchern[13]ein Denkmal setzte, äußerst nützlich sein. Überhaupt wird der Spagat aus dem Rückzug aus der verfaulenden Zivilisation bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Bindung an die Menschen eine große, wenn nicht die größte Herausforderung sein.

2. Vincit Qui Se Vincit

Finde zu Dir selbst und werde ein besserer Abkömmling deines Geschlechtes. Indem du dich veränderst, veränderst du auch deine Umwelt. Ein spirituelles Fundament wird Dir dabei helfen und wird auch nach Erreichen unserer Ziele für die Sicherung unserer Lebensgrundlage in Zukunft unabdingbar sein. Julius Evola stellte fest, „daß ursprünglich nicht nur das Königtum, sondern auch der traditionelle Adel durch ein spirituelles Element ausgezeichnet war.“[14]Da Versuche einer Neukonstruktion einer gesamteuropäischen Religion gescheitert sind, bleibt nur die Rückkehr zu den christlichen bzw. heidnischen Wurzeln. Da sich besonders das Christentum in seinem Jahreszyklus an das Heidentum anlehnte, sehe ich bei der nötigen oberflächlichen Betrachtung mehr Anknüpfungspunkte als Konfliktpotential. Das Ziel eint uns! Es versteht sich allerdings von selbst, dass wir mit der Suche danach nicht auf einem Evangelischen Kirchentag oder bei dem Partyvolk an den Externsteinen beginnen sollten.

3. Flexibilität im Bündnisbereich – Die Zukunft fest im Blick

Etwas, was ich in der Vergangenheit sehr oft vernahm, war die Phrase von einer Zusammenarbeit auf internationaler politischer Ebene, die unter patriotischen Kräften mit ziemlich ähnlichen weltanschaulichen Entwürfen geschehen wird. Doch wie realistisch ist diese gewissermaßen simultane Übernahme der Regierungsaufnahme in allen europäischen Nationen? Wir werden wohl eher mit Kräften Einigungen erzielen müssen, die wir dort vorfinden – erst auf die richtigen Gesprächspartner zu warten, verbietet sich! Grundvoraussetzung für die kommende enge Zusammenarbeit mit anderen Europäern wird das gemeinsame In-Einklang-bringen der nationalen Mythen sein. Dieses muss sich ähnlich pragmatisch vollziehen wie bei den Glaubensbekenntnissen und schließt wohl allzu große Zugeständnisse gegenüber uns Deutschen aus. Bei der in Deutschland praktizierten Vergangenheitsbewältigung handelt es sich um ein weltweit singuläres, da destruktives Phänomen: Es von anderen Nationen zu erwarten, ist weder realistisch noch erstrebenswert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Gedenken der eigenen Toten und Gefallenen nirgendwo in der Welt ernsthaft in Frage gestellt wird. Wir Deutschen müssen uns diesmal unseren Platz im neuen Europa erkämpfen, denn verteidigen tun es momentan andere!

4. Nimm dich selbst nicht zu wichtig

Demut und konkrete Verbindlichkeiten bzw. Verantwortlichkeiten sind die Schlüsselworte der Zukunft. Lerne zurückzutreten und notfalls auch unangenehme Dinge selbst in die Hand zu nehmen: Das sind nebenbei gesagt auch sehr gute Voraussetzungen für eine lange Ehe. Den perfekten Zeitpunkt für die Gründung einer Familie gibt es nicht und das einzige, was es dazu braucht, sind zwei Menschen, die sich lieben und bereit sind, gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Die kinderreiche Familie ermöglicht uns außerdem noch lange vor der Wiedergeburt unseres alten Kontinents, mitzuerleben, welche Dynamik das neue junge Europa haben wird. Unser Nachwuchs braucht Zuwendung und Vorbilder – nicht materialistischen Schrott. Es ist an der Zeit, ihn wieder für unsere Mythen zu begeistern, anstelle ihn dem Star Wars-Franchise oder Pokémon-Wahnsinn der Globalisten zu überlassen.

Neue Aristokratie

„Ich lebe nicht in Träumen, aber im Anschauen einer Wirklichkeit, die vielleicht die Zukunft ist.“ –Rainer Maria Rilke

In seinem Vorwort zu Jordan B. Petersons Bestseller „12 Rules For Life“ (deutsch: 12 goldene Regeln) beschreibt Norman Doidge in Abstimmung mit dem Autor dies als Stoff der legendären Heldensagen: „In all diesen siegreichen Erzählungen, muss sich der Held ins Unbekannte begeben (…) und sich großen Herausforderungen verbunden mit großem Risiko stellen. In diesem Prozess wird etwas von oder in ihm sterben bzw. aufgegeben werden müssen, um seine Wiedergeburt einzuleiten, die ihm erst die Konfrontation mit der neuen Aufgabe ermöglicht.[15]Johann Gottfried Herder schrieb in Briefe zu der Beförderung der Humanität, dass die „Gegenwart (…) schwanger von der Zukunft (sei)

Bezieht man nun die Zeitgeistforschung mit ein, ergibt sich schon bei Hegel, welcher noch Zeit- und Volksgeist gleichsetzt, das folgende Bild: „Nun stellt aber die Geschichte jedem Volk bestimmte Gegenwartsziele vor Augen, die der Volksgeist zu ergreifen strebt, um sich selbst durch sie zu verwirklichen.“[16]Oder um es mit den Worten Hans Freyers auszudrücken: „In dem Maße, wie die Themen ergriffen und bewältigt, die Aufgaben gestellt und gelöst werden, realisiert sich das Zeitalter.; in dem Maße wie sie ihre Dringlichkeit verlieren oder von anderen verdrängt werden, geht es zu Ende.“[17]

Hans-Joachim Schoeps nennt diese ungelösten Aufgaben dann auch die „offenen Wundendieses Zeitalters“.[18]Wir erleben in unserem Zeitalter ebendies: Das Fehlen der Antworten auf die dringlichen Fragen unserer Zeit bei den Herrschenden. In dem Kapitel „Das Ende der linken Hegemonie – Neun Thesen zur deutschen Linken – und die Antworten von rechts“ seines Buches „Blick nach links“ stellt Benedikt Kaiser diese These allen anderen voran: „Sie [die Linken]stehen wortreich, aber in der Substanz letztlich sprachlos vor den Herausforderungen der Gegenwart.“[19]

Und genau hier wird der neue Adel, welcher sich von dem Geist seiner Zeit zu trennen vermochte, seine Profession finden und nicht wie seine Gegenspieler von der Geschichte vergessen werden: „Denn erst dort, wo der Held aus dem Zeitkontext seines Lebenszusammenhanges heraustritt, wird das Undeterminierte oder, wie man vielleicht auch sagen darf, das Geniale des bedeutenden Individuums bzw. des historischen Helden tatsächlich erkennbar.“[20]

[1]C.S. Lewis: „Der Ritt nach Narnia“. Joh. Brendow & Sohn Verlag. 2005, S. 174.

[2]Wolfgang Bendel: Aristokratie. Jungeuropa- Verlag. 2018. S. 12

[3]Carl Schmitt: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. Duncker & Humblot. 2010. S.11

[4]Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Patmos Verlag.2007. S.1131f.

[5]1992 dann bei Rowohlt als „Cliquen, Klüngel und Karrieren – Über den Verfall der politischen Parteien“ publiziert.

[6]Wolfgang Bendel: Aristokratie. Jungeuropa- Verlag. 2018. S. 36.

[7]“          Away from the world

            Go away from the world

            Let it have its own way

            Let it fall upon days

            Scenes of fire and misery

            Just stand aside

            The engine has seized

            The machine shall soon die”

[8]Ein aktuelles Beispiel für diese Unart ist das Verhalten der FPÖ-Spitze gegenüber dem identitären Aktivisten Martin Sellner, welcher im vorauseilenden Gehorsam ohne ersichtlichen Grund geopfert wurde. Offensichtlich hatte für die Leute der Mohr seine Schuldigkeit getan….

[9]Wer dennoch Kritik äußern möchte, der tue dies nicht in der Öffentlichkeit – es sei denn, er will unseren Feinden damit nützen.

[10]Alain de Benoist: Aufstand der Kulturen, JF- Verlag. 2003. S.17.

[11]Gleichwohl kann aus einem Leistungsadel ein neuer Blutadel entstehen, welcher wohl aber unter Beobachtung eines Wächterrates stehen muss, um Ausschweifungen und Dekadenz zu verhindern. Der Status „Adel“ kann durch Verfehlungen also auch durchaus wieder entzogen werden. Erinnern wir uns an das antike Sparta: Wer unter den Spartiaten seine Rüstung nicht mehr unterhalten konnte, verlor gleichsam alle Privilegien.

[12]Guillaume Faye: „Wofür wir kämpfen“. Verlag Ahnenrad der Moderne. 2006. S.78

[13]Jack Donovan: Der Weg der Männer und Jack Donovan: Nur Barbaren können sich verteidigen. Beide erschienen im Antaios- Verlag.

[14]Julius Evola: Revolte gegen die moderne Welt. Arun- Verlag. 2002. S.113.

[15]Original: „In all these triumph stories, the hero has to go into the unknown, into an unexplored territory, and deal with a new great challenge and take great risks. In the process, something of himself has to die, or to be givens up, so he can be reborn and meet the challenge.“

zitiert nach Norman Doidge: In: Jordan Pertersen: 12 rules for life. Random house Verlag. Canada. 2018. S.17.

[16]H. J. Schoeps: Was ist und was will die Geistesgeschichte. Musterschmidt Verlag. Göttingen. 1970. S.20.

[17]Hans Freyer: Theorie des gegenwärtigen Zeitalters. Deutsche Verlagsanstalt. 1955. S.9.

[18]H. J. Schoeps: Was ist und was will die Geistesgeschichte. Musterschmidt Verlag. Göttingen. 1970. S.26.

[19]Benedikt Kaiser: Blick nach links. Antaios Verlag. 2019. S.26.

[20]H. J. Schoeps: Was ist und was will die Geistesgeschichte. Musterschmidt Verlag. Göttingen. 1970. S.28.

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