Verfasst von Alexander Markovics | 

Ein Kampf ums Öl, Südamerika und die Monroe-Doktrin

Als sich am 24.01.2019 der venezolanische Parlamentspräsident Juan Gaido ohne Wahl zum Präsidenten des Landes erklärte und prompt von den USA anerkannt wurde, waren viele Beobachter entsetzt. Einen derartig unverblümten Regime-Change hatte man bisher nicht gesehen.

Dass es zu einem Eingreifen der USA in die Politik des Landes kommen würde, war jedoch absehbar. Venezuela zählt seit dem Machtantritt Hugo Chavez, welcher das Land ab 1999 in den bolivarischen Sozialismus führte, aus der Sicht der USA zur „Achse des Bösen“. Darüber hinaus behalten sich die USA seit der Formulierung der Monroe-Doktrin 1823 das Recht vor, in Südamerika, welches sie zur eigenen Einflusssphäre zählen, schalten und walten zu können, wie es ihnen gefällt, was die Einsetzung von Marionettenregierungen miteinschließt. Als Russland im Dezember des vergangenen Jahres zwei Langstreckenbomber nach Venezuela schickte und seine Absicht bekannt gab, dort eine Luftwaffenbasis zu errichten, war in den Augen Washingtons eine rote Linie überschritten. Dass Russland dies erst nach der massiven Einmischung der USA in der eigenen Einflusssphäre, insbesondere in der Ukraine, tat, steht für die Washingtoner Elite auf einem anderen Blatt. Weiterhin schielt die US-Elite schon länger auf die Erdölvorkommen Venezuelas. Diese sollen laut Schätzungen die größten der Welt sein und wurden von Maduros Amtsvorgänger Hugo Chavez 1998 verstaatlicht. Während dies im Rahmen der chavistischen Politik weg von einem Profit am Öl für einige wenige Oligarchen hin zu einer Verteilung der Einnahmen auf das Volk in Form von Sozialleistungen führte, etwa die Einladung kubanischer Ärzte nach Venezuela, versäumten es die Machthaber, die venezolanische Wirtschaft zu diversifizieren. Sogar Lebensmittel müssen nach Venezuela importiert werden. So ist die venezolanische Wirtschaft bis heute zu 90% aus den Einnahmen des Ölexports abhängig.

Gleichzeitig ist auch der Hegemon über beide Amerikas, die USA, mit mehr als 40% der größte Käufer des venezolanischen Öls – ein Umstand, der sich bis heute nicht geändert hat. Einzig ein revolutionäres Durchgreifen nach dem Muster der russischen Oktoberrevolution hätte an diesem Umstand etwas ändern können, um letztlich auch die Importwirtschaft in privaten Händen davon zu überzeugen, diese durch eigenständige venezolanische Unternehmen schrittweise zu ersetzen. Doch dazu waren weder Chavez noch Maduro bereit – egal wie kommunistisch sie vom Westen dargestellt werden. Angesichts eines sich radikal verschärfenden Sanktionsregimes steht die Wirtschaft des Landes nun mit dem Rücken zur Wand. Denn seit der Ausrufung Guaidos zum Gegenpräsidenten des Landes wurden die venezolanischen Goldvorräte in London eingefroren und das Geld für die Ölverkäufe an die USA soll künftig an den selbsterklärten Gegenpräsidenten gehen.

Während der Westen, bis auf Salvinis Italien, fest geschlossen hinter Guaido steht und entschlossen ist, in Venezuela einen Regime-Change durchzuführen, treten die beiden Großinvestoren in dem Land, Russland und China, geschlossen für Maduro auf, ebenso der Iran und die Türkei. Darüber hinaus sind auch die US-amerikanischen Vasallenstaaten in Lateinamerika, die sogenannte „Lima-Gruppe“, daran interessiert, Venezuela zu „demokratisieren“. Eine Destabilisierung durch über die venezolanische Grenze zu Kolumbien und Brasilien eingeschleuste Söldner könnte das Land in ein zweites Syrien verwandeln. Denn bis jetzt steht die Armee geschlossen hinter Präsident Maduro, der das Land im Falle einer ausländischen Intervention in ein zweites Vietnam verwandeln will. Dazu kann er sich auf die Unterstützung Kubas, Boliviens und Mexikos verlassen, welche zur Zeit hinter Maduro stehen. Insbesondere Kuba ist auf das verbündete Venezuela angewiesen. Der Konflikt um Venezuela ist also noch lange nicht vorbei und könnte im Laufe des Jahres 2019 zu einem neuen Schlachtfeld um das Entstehen der Multipolaren Welt werden. Ob dieser Konflikt zu Gunsten der Gegner der westlichen Hegemonie ausgehen wird, könnte insbesondere dadurch entschieden werden, ob es Russland und China schaffen, ihre bisherige Zusammenarbeit zu einer strategischen Partnerschaft auszubauen, die auch dazu bereit ist dem Westen in Südamerika mit der Waffe in der Hand entgegenzutreten. Die Rolle von Deutschland und Europa (mit der Ausnahme Italiens) ist leider weiterhin von blindem Gehorsam gegenüber Washington geprägt.

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