– Verfasst von John Trichet –

Jetzt fragen sich bestimmt alle wieder: „Tut das not? Ein neues rechtes Magazin“. Doch dieses Magazin ist tatsächlich etwas neues, was es so in dieser Form bisher noch nicht auf dem Markt rechter Printmedien gab. Bereits in seiner ersten Ausgabe machen die Initiatoren des „Werk Kodex“ deutlich: Dies ist kein gewöhnliches Magazin. In seinem Selbstverständnis auf der ersten Seite beschreibt sich die Printveröffentlichung als „erste Designerzeitschrift und echte Magazinkultur von Rechts“, womit sie besonders hohe Erwartungen bei ihren Lesern wecken dürfte. Da sich der „Werk Kodex“ selbst als „Magazin für deutsche Metapolitik“ bezeichnet, nehmen wir die Ersterscheinung zum Anlass, einmal genauer in die Publikation zu schauen und unsere Eindrücke wiederzugeben.

Erster Eindruck: Anspruch und Wirklichkeit

Bereits auf dem ersten Blick ist deutlich auch für das ungeschulte Auge zu erkennen, dass es sich bei dem „Werk Kodex“ um ein sehr aufwendig gestaltetes Magazin handelt. Beim Überblättern der buchartigen Veröffentlichung fällt einem sofort die minutiöse Detailarbeit in der Gestaltung auf. Hier dürfte der Redaktionsleiter, Baldur Landogart, der selber Diplom-Designer und für seinen Hang zum Ästhetischen bekannt ist, Hand angelegt haben. Und so beschreibt Landogart in der Einleitung und Vorstellung den Grundgedanken des Projektes „Werk Kodex“ als die Bereitstellung eines patriotischen Magazins, welches „wichtige Inhalte für Volk, Land und Kultur optisch besonders anspruchsvoll in Szene setzt“.

Das Inhaltsverzeichnis verspricht dabei neben einer schönen und farblich bunt gestalteten Ausgabe, auch in Sachen Theorie, Kultur und Metapolitik etwas zu bieten. Das Magazin ist in drei Kategorien aufgeteilt: Mensch, Raum und Kultur. Insgesamt umfasst das Werk 106 Seiten und verspricht somit zunächst einmal längerfristigen Lesespaß.

Die erste Ausgabe: Unerwarteter Auftritt von 68er Ikone bricht mit alten Mustern

Es ist ein Thema, das angesichts der politischen Lage keinen Moment zu früh kam: Die Provokation als Mittel zur politischen Willensbildung, Kunst und Kultur. Neben Texten über die Bedeutung von „Provokation“ sowie dieselbe als taktisches Mittel innerhalb strategischer Ausrichtungen, provoziert das Magazin mit einem Interview zwischen dem alteingesessenen Rechten Baldur Landogart und dem Alt-68er Rainer Langhans. Der Kommunarde, der aus überflüssigen Sendungen wie „Dschungelcamp“ oder „Newtopia“ auch der heutigen Jugend ein Begriff sein dürfte, gehört zu den Anhängern der 68er-Bewegung, die einen erheblichen Teil zur „Entfesselung der Freiheit“ (Thor von Waldstein) beitrug. Ein Interview mit einem derartig bekannten Gesicht der politischen „Gegenseite“ gehört nicht unbedingt zu den Dingen, die man von einem rechten Magazin erwartet, weshalb der „Werk Kodex“ auch auf jene interessant wirken dürfte, die sich außerhalb des „radikal-rechten“ Lagers bewegen. Der Leser bekommt einen Einblick in das Leben und die heutige mittlerweile von der alten stark abweichenden Denkweise des Kommunarden. Das Interview dürfte jedoch in erster Linie als „schockierender“ Aufhänger und PR-Gag dienen, da er weniger metapolitischen Mehrwert liefert. Kann doch der geneigte rechte Leser kaum etwas zum Thema Provokation entnehmen, was er nicht ohnehin schon wusste.

Revolutionäre Erneuerung und maoistische Lehren

Anders verhält es sich in der Kategorie „Raum“, in der der bekannte Rechtsanwalt Björn Clemens revolutionäre Gedanken schwelgen lässt und der auch für Gegenstrom häufig schreibende Peter Steinborn auf „Strategie und Taktik im asymmetrischen Krieg“ eingeht. Steinborn, der sich bereits in der Vergangenheit des Öfteren mit Themen zu Massenpsychologie, Propaganda und strategischen Ausrichtungen der Deutschen Rechten zu Wort meldete, handelt hier diverse maoistische Kriegsstrategeme ab und zieht Parallelen zum patriotischen Widerstand. Von Tarnen und Täuschen über Spielfeldwechsel bis hin zu klandestiner Informationsverbreitung in der psychologischen Kriegsführung, weiß der Ökonom dem Leser Vorschläge für Handlungsanweisungen zu unterbreiten.

Kultur und Philosophie im „Lifestyle-Magazin“

Auch im Bereich der Kunst und Kultur weiß der „Werk Kodex“ den Lesern etwas zu liefern. So wird es mit Sascha Roßmüller recht philosophisch, indem er der Provokation sowohl eine positive wie auch eine negative Ebene zuweist. Der Autor scheut sich hier nicht vor Neologismen und unterscheidet zwischen „Euvokation“ und „Disvokation“. Für Roßmüller ist die Provokation „keine Einbahnstraße“ und kann sowohl zu einer positiven „kulturellen Entwicklung“ wie auch zu einer „kulturvernichtenden Agitation“ führen. Letztlich sei dabei das Motiv, welches hinter der provokativen Aktion steckt, nicht auszuklammern und müsse näher beleuchtet werden. Wer also in weisheitsliebender Weise dem Begriff und seiner Etymologie näher kommen will, dem wird der Autor durchaus etwas bieten können.

In dem zweiten Interview innerhalb der ersten Ausgabe wird der prominente Künstler Odin Wiesinger vorgestellt. Der Leser bekommt einen Einblick in eine wirklich vergeistigte Seele, die sich über schöpferische Erzeugnisse an die Welt meldet. Von Skulpturen aus Marmor, Granit, Sandstein oder Bronze, über Ölgemälde, Druckgrafiken, Porträts bis hin zu Gedenktafeln lässt es der Lieblingskünstler des FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer nicht an kulturellem Schöpfergeist mangeln.

Es stößt fast schon merkwürdig an, dass in einem Magazin, welches mehr versucht durch bunte Bilder Aufmerksamkeit zu erhaschen, theoretische sowie philosophische Essays veröffentlicht werden. Nach mehr „Lifestyle“ wirken dabei Modetipps von Dr. Baal Müller oder der Gegenüberstellung von Pro und Kontra zum Thema „Tätowierungen“. Die Satireseiten runden das Magazin inhaltlich ab. Hier witzelt der Softwareingenieur und Diplom-Physiker Michael Winkler über den „letzten Menschen“ und widmet sich den deutschen Urlaubsgewohnheiten.

Das Magazin ist letztlich eine echte Abwechslung von den herkömmlichen rechten Printmedien. Die theoretischen Abhandlungen können als Einlösung des anfangs getätigten Versprechens, zur rechten Metapolitik etwas beizutragen, angesehen werden. Dennoch spürt man die Diskrepanz zu den Lifestyle-Themen. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Projekt weiterentwickelt. Wird sich die Redaktion doch früher oder später entscheiden müssen, was sie eigentlich für ein Magazin bieten möchte: Metapolitisches Theorieorgan oder Lifestyle-Magazin.

 

 

 

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