Europakongress im sächsischen Riesa – Europäische Rechte rückt zusammen

Im sächsischen Riesa fand am 11. und 12. Mai 2018 der Europakongress der Jungen Nationalisten, der NPD-Jugend, statt. Unter dem Motto „[Re]generation. Europe“ trafen sich etwa 250 Rechte aus vielen Ländern Europas sowie Amerika. Peter Steinborn war vor Ort und hat seine Erlebnisse für Gegenstrom zu Papier gebracht.

NPD-Jugend bewegt sich gegen den Trend

Es war der dritte Europakongress in den letzten 4 Jahren, den die JN veranstaltete. Die JN, die die Jugendorganisation der totgeglaubten Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) ist, zog damit überwiegend Rechte aus Griechenland, Italien, Tschechien, Serbien, Finnland, Ukraine, Kroatien, Polen, Russland, Bulgarien, Rumänien und Spanien nach Deutschland. Tatsächlich bin ich – vielleicht wie viele andere auch – mit eher geringen Erwartungen zu der Veranstaltung gefahren, da von der NPD sowie ihrem Umfeld in den letzten Jahren nur wenig Bedeutsames kam. Die Mutterpartei der JN hat gleich dem gesamten Nationalen Widerstand zunehmend an Bedeutung verloren und schwebt spätestens seit dem Auftreten der Neuen Rechten um AfD und Identitäre Bewegung in einer Sinnkrise. Viele Anhänger und Sympathisanten fragen sich seitdem, wie es weiter gehen soll. Die JN hingegen hat in den letzten Jahren mit sich selbst zu tun gehabt und musste sich zunächst neu aufstellen sowie konsolidieren.

Diese Konsolidierungsphase könnte bald vorbei sein. So trat die JN – anders als in der jüngsten Vergangenheit – sehr selbstbewusst auf und demonstrierte Einigkeit innerhalb der Jugendorganisation, jedoch auch als Bindeglied zwischen der alten versprengten Rechten. Dabei schien die Alte Rechte in den letzten Jahren als gestaltlos und badete zumeist im eigenen Saft, wenn sie in der Öffentlichkeit auftrat. Intellektuelle Debatten über Europa, Strategien und Taktiken blieben hingegen aus. Die Alte Rechte – insbesondere der Nationale Widerstand – kann de facto nur noch als Polit-Zombie beschrieben werden. Die JN dagegen bewies am vergangenen Wochenende, dass in ihr noch viel Potenzial schlummert und sie sich damit konträr zum Trend bewegt.

Intellektuelle Ausflüge in das Sein – Ernst Jünger und Martin Heidegger als geistige Vorbilder

Ivan Bilokapic während seiner Rede auf dem Europakongress

Mit der sich in ihrer Dissertation befindenden Ukrainerin Olena Semenyaka, dem bekannten ehemaligen kroatischen Diplomaten Prof. Dr. Tomislav Sunic und dem aus Kroatien stammenden jungen Bachelor of Economy and Business Ivan Bilokapic trumpften die Veranstalter mit teilweise intellektuell sehr hoch angesiedelten Themen auf. Während die ukrainische Philosophin über die Neue Metaphysik bei Ernst Jünger und Martin Heidegger sprach, nahm Dr. Sunic das Auditorium auf eine Reise in die Heidegger’sche Welt des Seins mit und zeichnete die Parallelen zum Hier und Jetzt. Bilokapic, der nun auch schon mehrfach für unseren Blog Gegenstrom schrieb und sich daher bereits als Globalismus- und NATO-Gegner einen Namen gemacht haben dürfte, referierte hingegen über die Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien, wobei er eine Transformation der historischen gegenseitlichen Feindlichkeit hin zu einer aufkommenden Freundschaft aufgrund der geopolitischen Bedrohung der durch die EU forcierten Islamisierung postulierte.

Olena Semenyaka spricht über die Neue Metaphysik bei Ernst Jünger und Martin Heidegger

Frank Kraemer malte ein Bild eines Europas als Lebenskampfgemeinschaft, indem die europäischen Völker aufgrund der zunehmenden Bedrohung von außen Chauvinismen über Bord werfen werden, um einander näher zu kommen. In seinem Vortrag machte er deutlich, dass der Globalismus und der Kapitalismus die Hauptfeinde Europas sind und beschwor ein Bild der Gemeinschaft herauf, das er dem des Individualismus entgegensetzte.

Die Dritte Position kehrt zurück

Weltanschaulich richtete sich die Veranstaltung in der Manier der Dritten Position an das Rechte Europa. Die Ausrichtung war eindeutig für die eigenen Leute bestimmt und kann daher nicht unter dem Aspekt der allgemeinen Propagandaregeln, wie sie für die Massengesellschaft westlicher Demokratien gelten, analysiert werden. Das Publikum war überwiegend aus dem „radikalen“ rechten Lager, das staatspolitisch ziemlich rechts und wirtschaftspolitisch eher links ausgerichtet ist, jedoch war die Veranstaltung aufgrund der Diversität der aus dem Ausland kommenden Gruppen auch Anziehungspunkt für andere Strömungen innerhalb der Rechten.

Dr. Tomislav Sunic führt den Anwesenden die Parallelen zwischen dem Gerede nach Heidegger’schem Sinne und den Fake-News der Massenmedien vor Augen

Nicht nur durch Dr. Tomislav Sunic, Mitglied der American Freedom Party (ehemals American Third Position), sondern auch an den Vorträgen der Repräsentanten der Veranstalter selbst, konnte man feststellen, dass die Dritte Position in Europa immer noch gegenwärtig ist. So eröffnete die JN die Veranstaltung am Sonnabend mit Bezug u.a. auf die italienische Movimento Sociale Italiano (MSI), die in die damals auch sehr stark bei Parlamentswahlen hervorgegangene Alleanza Nazionale (AN) mündete. Auch waren hier sehr selbstkritische Töne zu hören. Der Redner forderte dazu auf, sich weniger um revisionistische Themen als vielmehr um die Schaffung einer geistigen Elite zu kümmern. Im Mittelpunkt standen typische Themen der Dritten Position zwischen dem Liberalismus (USA-Nato-EU) und dem Sozialismus / Kommunismus (damalige SU).

Konzept und organisatorischer Rahmen

Ob sich dies mit dem Nationalen Widerstand vereinbaren lässt, ist fraglich. Die Veranstaltung selbst war recht hochwertig. Inhaltlich haben die Veranstalter sowie ihre Gäste einiges zu bieten gehabt. Am Abend gab es dann ein Konzert, was offenbar von den meisten jungen Leuten wohltuend aufgenommen wurde. Obgleich es sich um einen von der Jugend organisierten Kongress handelte, wäre es hier evtl. angebracht gewesen, einen etwas weicheren Ton anzuschlagen, der mit dem vorher durch die intellektuell anspruchsvollen Vorträge entstandenen Rahmen kompatibler gewesen wäre. Musik ist jedoch bekanntlich Geschmackssache, weshalb wir hier gar nicht weiter kritisieren wollen.

Obgleich die Veranstaltung sehr souverän auf Englisch moderiert wurde, wirkte es hemmend und verlangsamend, dass alle Reden stets auf Deutsch übersetzt wurden. Hier fragt man sich tatsächlich, ob auf einem Kongress der europäischen Rechten deutsch gesprochen werden muss oder man nicht ohnehin davon ausgehen kann, dass sowohl Publikum als auch Gäste der universal verständlichen englischen Sprache folgen können.

Insgesamt verfolgten die Veranstalter jedoch ein wirklich gutes Konzept und haben allen Grund dazu gegeben, zumindest die JN noch nicht abzuschreiben. Bei aller Kritik, der sie sicherlich würdig sind und obwohl sie als integraler Bestandteil des gescheiterten NW’s betrachtet werden, zeigten die Jungen Nationalisten, dass die „Alte“ Rechte noch Potenzial hat und der „Neuen“ Rechten durchaus inhaltlich in nichts nachsteht. Auf jeden Fall wurde das Ziel, die Vernetzungsarbeit zwischen rechten und nationalistischen Gruppen in Europa zu forcieren, alle mal erreicht.

 

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