Eugen Naumann – Passion eines Deutschtumpolitikers

– Verfasst von Rolf Gradmann –

Der am 2. Januar 1874 das Licht der Welt erblickende Eugen Naumann ist eine der großen deutschen Biografien, welche sich unerschütterlich und unbestechlich für die Belange seines Volkes einsetzten. Seine Aufopferung für das Deutschtum, die ihm viele Schikanen, wie Strafverfolgungen, Verhaftung und Internierung, in Polen einbrachte, bezahlte er letzten Endes mit seinem Leben. Dennoch gibt es wenig über diese schillernde Figur zu lesen, da seinem unermüdlichen Handeln für die deutsche Sache offenbar bisher wenig Interesse gewidmet wurde. Dass die bundesrepublikanische Zeitgeisthistoriographie sich nicht gern mit Personen auseinandersetzt, die sich selbstlos für deutsche Interessen einsetzten, ist verständlich und hinlänglich bekannt. Denn so sind solche Vorbilder volkspädagogisch eher unerwünscht, an denen hat sich der gemeine Bundesbürger eher nicht zu orientieren! Zum Bedauern blieb Eugen Naumann jedoch auch in systemunabhängigen sowie volkstreuen Publikationen weitestgehend unerwähnt, weshalb dieser selbstlosen Persönlichkeit wenigstens ein paar Zeilen gestiftet werden sollen. Gerade in Zeiten des Unrechts und des neu aufflammenden Widerstandes braucht Deutschland solche Persönlichkeiten, um nicht den Mut zu verlieren, wenn staatlicherseits Repressalien auf Systemkritiker niederprasseln.

In der folgenden Vorstellung der Person Eugen Naumann geht es weniger darum, seine gesamte Biografie detailliert darzustellen. Vielmehr sollen seine Verdienste als Deutschtumpolitiker herausgestellt werden, weshalb sein Lebenslauf nur kurz angerissen wird.

Eugen Naumann lebte als Sohn eines Rittergutpächters auf dem Gut Mikuszewo  der Provinz Posen. Seine ersten Schuljahre verbrachte er ebenfalls auf diesem Gut, weil er von einem polnischen Hauslehrer unterrichtet wurde. Später besuchte er das Gymnasium in Krotoschin bis zur Reifeprüfung. Nach dem bestandenen Abitur studierte Naumann Rechtswissenschaften u. a. an der Schweizer Universität Lausanne. Die Studien in der französischen Schweiz waren für seine spätere Entwicklung prägend, da er Kontakte zu einem anderen Volk aufnahm und dessen Sprache erlernte. Seine Wehrpflicht absolvierte Naumann bei den Königsgrenadieren und avancierte schließlich zum Hauptmann der Reserve.  Nach Bestehen seiner zweiten Staatsprüfung zog es ihn zunächst nach Soest in Westfalen, wo er im dortigen Landratsamt tätig war. Allerdings führte sein Weg wieder zurück nach Posen. Dort nahm er eine Tätigkeit als Dezernent an der Preußischen Ansiedlungskommission auf und  ab 1909 wurde er zum Landrat des Kreises Znin bestellt. Als der I. Weltkrieg ausbrach, wurde Naumann als unabkömmlich eingestuft, weshalb ihm die Front erspart blieb. 1917 kam es jedoch wegen politischer Äußerungen Naumanns zu einer Versetzung in den Kreis Neuhaus nahe Cuxhafen. Sein Vergehen bestand darin, dass er auf eine Anordnung eine Randbemerkung mit den Zeilen: „Das ist der Anfang vom Ende“ schrieb.

Nach seinem Abschied aus dem Staatsdienst und anschließenden Verwaltungsarbeiten in der Republik Estland kehrte Naumann Weihnachten 1918 als Abgeordneter des Preußischen Landtages auf sein 1917 erworbenes Gut Suchorencz (Kreis Schubin) endgültig zurück.

Naumanns selbstloser Einsatz für die deutsche Minderheit

Als die Provinz Posen durch einen im Dezember 1918 begonnenen Aufstand gewaltsam von polnischen Aufrührern im Jahr darauf okkupiert wurde, geriet Naumann nur wenig später ins Fadenkreuz der Polen. Denn so wurde Naumann am 3. Januar 1919, auf Betreiben der neuen polnischen Gewalthabern, unter Hausarrest gesetzt, mit der Auflage sich täglich bei der Polizei melden zu müssen. Zu vermuten ist, dass das Vorgehen der polnischen Okkupanten gegen ihn mit seiner Mitgliedschaft des Preußischen Landtages zusammenhing.

Trotz dieser Schikanen bot er zusammen mit dem Schubiner Landrat Scheele, der ebenso unter Hausarrest stand, im Januar 1919 dem noch im Dezember 1918 gegründeten „Deutschen Volksrates“ seine Mitarbeit an, welcher von Dr. Alfred Herrmann, einem Abgeordneten der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) in der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung, geleitet wurde.

Ihre vom Deutschen Volksrat dankend angenommene Hilfsbereitschaft konnten sie  allerdings nicht mehr in die Tat umsetzen. So wurden sie mit vielen anderen Deutschen aus Posen in das Internierungslager Szczypiorno gebracht. Angemerkt sei kurz, dass es sich bei diesem Lager um eines der ersten Konzentrationslager Europas handelte, welches in den ersten Monaten bereits 2.000 Internierte beherbergte. Im Laufe der Zeit belief sich die Zahl schließlich auf ca. 9.000 Insassen. Um die vielen verängstigten Menschen, zu denen auch Frauen, Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren und Ältere zwischen 60 und 70 Jahren gehörten, kümmerte sich Naumann als eingesetzter Lagerführer. Er spendete ihnen viel Trost und ermunterte sie zur Selbsthilfe. So wurden die beschädigten Baracken wieder etwas in Schuss gesetzt. Auch regelte er die gerechte Verteilung der sog. Liebesgaben (Spenden) vom Roten Kreuz. Dazu gründete er mit dem Mithäftling Pastor Bruno Drechsler einen sog. Liebesgaben-Verteilungs-Ausschuss. Sogar die Einteilung des Lagers wurde von Naumann und Drechsler übernommen, da dem polnischen Wachpersonal alles über den Kopf wuchs. Als im Juli 1919 seine Freilassung bevorstand, bat er und Drechsler länger bleiben zu dürfen, um sich weiterhin um die Insassen kümmern zu können. So verließ er dann, als einer der Letzten, das Lager erst im Herbst desselben Jahres. Nach seiner Haftzeit wandte sich Naumann wieder dem „Deutschen Volksrat“ zu, dessen Vorsitzender er nur wenig später wurde. Dabei verstand er es, dem „Deutschen Volksrat“ so viel Gewicht zu verleihen, dass er von den polnischen Behörden als Verhandlungspartner akzeptiert wurde. 

Naumann als Abgeordneter im polnischen Sjem

Naumanns große Stunde sollte allerdings erst einige Jahre später, nachdem der größte Teil Posens und weitere Ostgebiete durch Inkrafttreten des Versailler Diktates längst formell an Polen übergegangen waren, schlagen. So konnte er 1921 allen Widerständen zum Trotz die Zusammenlegung aller Deutschtumsgruppen und Parteien in Polen unter einer Führung durchsetzen. Somit gelang es unter dem neugegründeten „Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte“ sämtliche deutsche Vertreter zu den nur ein Jahr später stattfindenden Parlamentswahlen in das polnische Sjem-Parlament und den Senat zu entsenden. Naumann selbst wurde dabei zum Fraktionsvorsitzenden der deutschen Sjemabgeordneten gewählt.

Da der „Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte“ jedoch 1923 auf Betreiben polnischer Behörden aufgelöst wurde und neben Naumann etliche weitere Führungspersonen mit Scheinstrafverfahren überzogen wurden, war die „Deutsche Vereinigung in Sjem und Senat“ das einzige noch verbleibende politische Sprachrohr sowie Instrument für die Deutschen in Posen und den Pommerellen. Dazu nahm der Verband alle Kraft zusammen, um für die Belange der Volksdeutschen entschieden eintreten zu können. Naumann entpuppte sich dabei als stärkste und einflussreichste politische Persönlichkeit aller Deutschen in Polen. Sogar auf der internationalen Bühne erlangte sein Name einen Ruf, als er sich in einer am Völkerbund gerichteten Beschwerde gegen die immer offensichtlicheren Verletzungen der Minderheitenrechte in Polen aussprach. Dieses entschiedene Eintreten Naumanns für das Deutschtum in Polen hatte zur Folge, dass mit der Behandlung dieser Beschwerde beispielhaft auch für andere nationale Gruppen endlich ein völkerbundliches Verfahren zum Schutze der Minderheiten entwickelt wurde. Ferner erkannten hierdurch weitere durch das Versailler Diktat geschaffene deutsche Minderheiten die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses aller deutschen Minderheiten im europäischen Raume an.  So wurde, mitunter durch Initiative Naumanns, der „Verband der deutschen Volksgruppen in Europa“ gegründet.

Naumanns letzte Jahre

Im Jahre 1933 zog sich Naumann zunächst aus dem öffentlichen Leben zurück. Einmal brachte er seine Person jedoch wieder ins Spiel, als es zur parteipolitischen Aufspaltung des Deutschtums in zwei große Gruppen kam. Naumann versuchte damit, die Deutschen wieder zu einer Einheit zusammenzuführen, was ihm zu seinem Bedauern nicht mehr gelang.

1939 sollte Naumanns Leben, wahrscheinlich aufgrund seiner immer wieder opferbereiten Bemühungen für das Deutschtum, dann schließlich ein tragisches Ende nehmen, denn 7 Tage nach Kriegsausbruch von ’39 wurde er wieder, wie 1919, verhaftet. Doch anders als 1919 überstand er dieses Mal die Verhaftung nicht. Von aufgehetzten Polen wurde Naumann nämlich bereits während seiner Verschleppung immer wieder auf Äußerste misshandelt und anschließend erschossen. Seine Leiche wurde von deutschen Soldaten unweit von Kruschwitz am Goplo-See geborgen. Wie viele andere große Deutsche soll uns auch Eugen Naumann mit seinem selbstlosen Handeln für das Deutschtum ewig Mahnung sein!      

Weiterführende Literatur:

Unbekannt (o. D.) Naumann, Eugen, in: http://kulturportal-west-ost.eu/biographien/naumann-eugen-2 (Abgerufen am 04. März 2018).

Gradmann (07. 2016), Polens verschwiegene Lager, in: http://www.neue-ordnung.at/index.php?id=775 (Abgerufen am 04. März 2018).

Szczypiorno. Ein Kapitel polnischer Schmach und Kulturschande. Wie es über zehntausend deutschen Ostmärkern in einem polnischen Internierungslager erging, hrsg. vom Deutschen Ostbund, Berlin 1929.

 

 

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