Der Krieger und das dunkle Zeitalter III: Der Krieger und Rebell

– Verfasst von John Trichet –

Obgleich die Dunkelmänner unsere Zeit beherrschen mögen und die Hybris sowie der Hedonismus eine kollektive Erscheinung darstellen, gibt es ihn noch: Den Krieger. Jene, die sich angewidert von dieser Zeit und ihren Wirren aus einer inneren Haltung heraus abwenden, erleben diese Zeit als einen absoluten Niedergang. Es scheint, als wäre die Zeit, in der ein ritterlicher Geist existieren und noch einmal zu einer wertemäßigen Maßgabe auf kollektiver Ebene gelangen kann, vorbei. Doch der Krieger gibt nicht auf. Anstatt sich fatalistisch dem Schicksal zu ergeben, führt er ein Leben als Dissident. Ein anderes Wort dafür ist der Begriff des „Rebellen“. An dieser Stelle möchte ich den Dissidenten und französischen Historiker Dominique Venner sprechen lassen, der in seinem „Brevier der Unbeugsamen“ schrieb:

„Leben heißt kämpfen gegen das, was mich verneint. Rebell zu sein heißt nicht, ganze Sammlungen von nonkonformen Büchern zu haben, von fantastischen Verschwörungen zu träumen oder vom Partisanenkrieg in den Karpaten. Rebell sein heißt, seine eigene Norm zu sein, aus Treue zu einer höheren Norm. Sich aufrecht halten vor dem Nichts. Darauf achten, nie von seiner Jugend zu genesen. Lieber sich die ganze Welt zum Feind machen, als zu Kreuze zu kriechen. Bei Rückschlägen nie die Frage nach der Zweckmäßigkeit des Kampfes stellen. Man handelt, weil es unwürdig wäre, sich geschlagen zu geben. Lieber kämpfend sterben als sich ergeben.“

Damit beschreibt der rechtsintellektuelle Franzose und sich bekennende Europäer die Gestalt des Kriegers. Es handelt sich dabei um einen zeitlosen Protagonisten, den es in jedem Zeitalter gegeben hat und den es auch heute noch in diesem dunklen Zeitalter gibt. Sein Einfluss ist zugegebenermaßen weitaus geringer, als es noch zu Zeiten des Rittertums der Fall war, doch es gibt ihn und er lebt mitten unter uns. Er muss heute ein Leben wie ein Wanderer zwischen zwei Welten führen. Will er gesellschaftliche Anerkennung und – wie es seinem Typus entspricht – auch erfolgreich sein, muss er sich, zumindest auf der beruflichen Ebene, in dieser Welt, in der der Liberalismus zur Lebenswirklichkeit gehört, bewegen. Gleichzeitig lehnt er diese aber ab und führt abseits der Öffentlichkeit zu Hause oder in kleineren Zirkeln ein für diese Zeit archaisches Leben.

Der kriegerische Typus

Ein Typus beschreibt immer eine Urgestalt, eine Grundform bzw. ein Urbild. Es handelt sich dabei um einen bestimmten Menschenschlag, eine bestimmte Persönlichkeit. Diesem sprechen wir ganz bestimmte Charaktereigenschaften zu. An sich ist der Typus ein Synonym für das Wort Charakter, was auch für eine bestimmte Wesensart oder ein Gepräge steht. Der Stempel, mit dem wir versehen sind oder der Charakter, der unsere Persönlichkeit ausmacht, ist bereits seit Aristoteles eine wesentliche Bestimmungsgröße zur Unterscheidung von Menschen.

Der Charakter des Kriegers ist durch vier grundlegende Merkmale bzw. Charaktereigenschaften gekennzeichnet:

  1. Kraft – die Fähigkeit, physischen Druck auszuüben.
  2. Mut – die moralische Fähigkeit zu kämpfen, auch wenn der Sieg nicht gewiss ist.
  3. Kompetenz – die Fähigkeit Fachwissen zu entwickeln und technische Fachkenntnisse anzuwenden, um sich gegenüber anderen durchzusetzen.
  4. Ehre – das Streben nach Reputation innerhalb einer Ehrengruppe, einer Gemeinschaft.

Dies sind die Tugenden der Männlichkeit, wie wir sie auch schon an einer anderen Stelle behandelt haben. Der Krieger ist also eine männliche Gestalt.

Insbesondere die Ehre stellt eine signifikante Tugend des Kriegers dar. Sie ist wohl das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Bürgertum und dem kriegerischen Typus. Die Ehre definiert zudem die Sichtweise auf die Umwelt. Ein ehrloser Wicht wird nicht einmal im Ansatz etwas Anstößiges an diesem dunklen Zeitalter finden. Seine egalitäre Sicht auf die Dinge dieser Welt wagt es nicht, sich an den Verhältnissen zu stoßen. Sie sind ihm einfach egal. Er nimmt sie so hin, wie sie sind. Der Krieger allerdings ist von seiner Wesensart ganz anders. Ein Mensch mit dieser Haltung ist ihm ein Feind, denn er ist ehrlos. Wer sich nicht um die Dinge um sich herum schert und sich fatalistisch seinem Schicksal übergibt oder sich vielleicht – wie es heute oft der Fall ist – zu Hause verkriecht, um mit den selbstgeschaffenen Gefahren nicht leben zu müssen, der kann keine Ehre, kein Streben nach Reputation haben.

Deshalb ist der Begriff des Rebellen im Sinne Dominique Venners auch genau der richtige für den Krieger innerhalb des dunklen Zeitalters. Er betrachtet also das Leben als einen Kampf gegen die Nivellierung. Es ist jedoch kein verschwenderischer Kampf nur des Kampfes wegen, was eine andere Art der Hybris bedeuten würde. Denken wir hier nur an Achilles aus der homerischen Sage. Kein Zweifel kann bestehen, dass dieser Protagonist alle o.g. vier Tugenden in sich vereinte. Doch die Form seines Reputationsstrebens – ähnlich wie bei Alexander dem Großen – verkommt zur Verschwendung. Diese Leute suchten die Gefahr und sahen darin das Elixier des Lebens. Der Rebell aber versteht sich als ein Kämpfer des Lebens im Sinne eines bestimmten Willens. Hier wird alles Leben immer als Wille zur Macht gesehen. Die Macht wird erstrebt aus Überzeugung an etwas Höherem. Es ist das Streben zu neuen Sphären, womit nicht der universalistische Glaube an die Progressivität gemeint ist. Es ist die Hochpflanzung, das Wachsen zum Höheren in einem geistigen, nicht materialistischen Sinne. Es geht dem Rebellen also nicht nur allein um die Reputation, die aus seinen materiellen Eroberungen resultiert. Die Treue zu sich selbst, die Treue zu einer höheren Norm leitet ihn. Es ist auch eine asketische Haltung. Die Askese ist wohl die Zucht, die der Krieger in sich hält, um dem dunklen Zeitalter zu widerstehen. Askese und Kriegertum sind voneinander also nicht zu trennen. Der Kampf wird also nicht aufgrund einer einzigen Zweckmäßigkeit geführt, sondern auf Grundlage der Würde, die mit der oft beschworenen Menschenwürde nichts gemein hat. Es ist ein innerer Befehl. Es ist der Wille zur Macht.

Während die schnöden Linken und Nihilisten nur jenen die Macht in die Hände geben wollen, die sie nicht erstreben, bekennt sich der Krieger zu jenen, die sich ihrer Macht bewusst sind und sie geltend machen. Der Krieger bekennt sich also zur Elite. Er verachtet den Egalitarismus der Moderne und sucht starke Herrscher, die sich ihres Selbst bewusst sind. Starke Gemeinschaften werden schließlich auch von starken Persönlichkeiten geführt. Ausgerechnet im Demokratismus strebt man nach Formlosigkeit, wo doch aufgrund des inhaltlosen Gewäschs der mittelmäßigen „Eliten“ nur noch der Personenkult für die Massen übrigbleibt. Denken wir hier an Emanuel Macron, Angela Merkel und die anderen Werbepäpste, die sich hier den Wahn der heterogenen Massen zunutze machen.

All das lehnt der Krieger ab und begibt sich auf die Seite der Dissidenten und wird zum Rebellen. Er insurgiert gegen diese Zeit, obgleich er den Mittelmäßigen nicht die Ehre erweist, gegen sie aufzubegehren. Das würde diese Figuren nur aufwerten, was ihnen an Recht getrost abgesprochen werden kann. Der Krieger wartet ab, denn er weiß, dass seine Zeit kommen wird.

Der kriegerische Typus bewahrt sich also eine asketische Haltung statt eines schnöden Hedonismus. Er bekennt sich zur Elite und verachtet den Egalitarismus, weshalb er auch differenziert anstatt zu nivellieren. Er sieht im Patriarchat die einzig logische Losung zum zersetzenden Matriarchat. Seine Liebe zur Tradition ist seine Waffe gegen die untergehende Moderne. Leben ist ihm der Wille zur Macht, der danach strebt, sich von innen her immer mehr Äußeres einzuverleiben, anstatt seine inneren Bedingungen an die äußeren anzupassen. Der Krieger ist demnach ein Aristokrat, der im Demokratismus eine Schwäche, eine schwindende Zeit sieht.

Vorhergehende Artikel:

Der Krieger und das dunkle Zeitalter I: Das Zeitalter des Nihilismus

Der Krieger und das dunkle Zeitalter II: Hedonismus statt Heroismus

 

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