Der Krieger und das dunkle Zeitalter I: Das Zeitalter des Nihilismus

Verfasst von John Trichet

Das Heute ist von einer ungekannten Düsternis umgeben. Sie ist schwarz wie die Seelen derer, die uns tagtäglich ein Leben vorgaukeln, das keinen Bezug mehr zur Realität hat. Diese Dunkelheit wird dem Einen oder Anderen unter uns eine schiere Angst bereiten, sodass sich ihm die Nackenhaare aufstellen beim Gedanken an die noch düsterere Zukunft, die uns bevorsteht, wenn die Erlösung vom selben ausbleibt. Die heutige „Realität“ der Werbepäpste wurde widerstandslos, ja gar stillschweigend, wenn nicht sogar freudig von den Menschen unseres Zeitalters angenommen. Die schnöden Massen, die im Individualismus einer materialisierten Welt  gefangen sind, wenden sich heute jenen zu, die ihnen eine „schöne heile Welt“ suggerieren. Das „Volk“, das zwar allmählich wieder nach Souveränität schreit, sich dennoch in demokratischen Attitüden verzettelt, ist längt der Unsitte anheimgefallen. Der Betrüger ist heute der Heros, der Held ein bemitleidenswerter Romantiker, der dank seines naiven Heroismus in dieser Welt immer zu den Verlierern gehören wird. Selbst jene, die sich in Dresden oder andernorts einfinden, um sich ein Stück weit mehr Eigenständigkeit zurückzuerobern, tun dies heute auch nur deshalb, weil sie bemerkt haben, dass ihnen die Felle davon schwimmen werden, wenn niemand den exzessiven Zuzug von Migranten, die nichts weiter als Okkupanten sind, unterbindet. Ihre Beweggründe sind also vielmehr ökonomischer Natur, als dass sie aus einem edlen Motiv der Pflichterfüllung gegenüber ihren Erben, ihren Kindern und Kindeskindern herrühren.

Das Bürgertum und der Untergang eines Zeitalters

Dabei war es schon immer so. Das „eherne Gesetz des Mangels“ kann hier gut beobachtet werden. Ich selbst bin ein steter Teilnehmer von PEGIDA-Veranstaltungen und unterstütze das Projekt „Ein Prozent für unser Land“. Dennoch ist mir bewusst, dass nur wenige unter den sogenannten Mitstreitern echte Widerständler sind. Die meisten von ihnen sind Bürger. Sie sind jene Gefangene im Zeitalter des Individualismus, das sich bald in ein Zeitalter des Dividuums verwandeln wird. Das Bürgertum scheint heute das tonangebende Moment im Widerstand zu sein. In Wirklichkeit ist es lediglich ein Produkt einer vollkommen entarteten Zeit. Es ist die logische Folge einer Jahrhunderte anhaltenden Degression der abendländischen Größe. Die Leistung und Kraft dieser einzigartigen Hochkultur schmolz dahin. Übrig blieben diese ich-süchtigen Ja-Sager, die die Abschaffung Deutschlands seit Beginn der Bundesrepublik unterstützen. Waren es nicht sie, die die vermeintlichen Zentristen der Union über Jahrzehnte mit ihren Stimmen an die Macht wählten? Sind es heute nicht etwa die, die der Sozialdemokratie eine Renaissance bescheren möchten, auch wenn diese in der letzten Wahl teilweise abgestraft wurde. Letztlich wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine GroKo 2.0 hinauslaufen. Die Blender und Wegbereiter für die Landnahme abendländischen Bodens durch Invasoren aus dem Morgenland mögen heute nicht mehr die Unterstützung genießen, wie noch vor gut 5 Jahren, doch finden sie noch genügend Unterstützung in diesem „Volk“.

Auch jene, die an meiner Seite stehen, wenn ich auf dem Vorplatz der Semperoper für die Zukunft meiner Kinder streite, beweisen jedes Mal ihre absolute Kurzsichtig- und Ahnungslosigkeit in politischen Fragen. Hört man den Pegidisten zu, muss man glauben, dass wenn der Islam in Deutschland verboten wird, sich alle Probleme in Luft auflösen. Selbst innerhalb der Identitären Bewegung, die eine wirklich erquickend junge Bewegung darstellt, versteift sich die Mehrheit in Forderungen, die mir Anlass zu Bedenken geben. Es wirkt, als wolle man lediglich die 68er-Revolution rückgängig machen. Eine im Kern grundlegende Reform, besser Revolution, geht ihnen offensichtlich zu weit. Doch ist noch offensichtlicher, dass es gilt den Wahnsinn dieses Zeitalters zu überwinden. Das Bürgertum kann dabei nur als Verschiebemasse, nicht jedoch als revolutionäre Kraft, gar weltanschaulicher Kompass dienen. Es ist tot und philosophisch ausgehöhlt. Sein kraftvoller Fluss ist längst verdorrt. Seine Protagonisten höchstens Steigbügelhalter jenen Teils der kapitalistischen Elite, dem ein gewisser Verfassungspatriotismus übrig blieb.

Laut Friedrich Nietzsche gibt es vier Perioden des europäischen Nihilismus:

  1. Die Periode der Unklarheit. Diese ist vom Konservativismus des Alten aus Angst vor dem Neuen gekennzeichnet.
  2. Die Periode der Klarheit. Hier wird zwar das Alte begriffen, jedoch ist man unfähig, das Neue zu realisieren.
  3. Die Periode der drei Affekte: die Verachtung, das Mitleid, die Zerstörung.
  4. Die Periode der Katastrophe. Diese Periode ist durch eine Lehre gekennzeichnet, die die Menschen aussieben wird. Der Mensch schafft sich selbst ab.

Kein Zweifel kann mehr bestehen, dass wir uns in der Endphase der vierten und letzten Periode befinden. Die Lehre der Gleichheit und Toleranz, welche Staatsräson und heute längst gesellschaftlicher Konsens ist, führt unmittelbar zur Auflösung des Menschen. Es ist die Verneinung des Eigenen. Toleranz ist dabei nur die Unfähigkeit zum „Ja“ und „Nein“. Es ist eine bloße Erduldung der Negation des existenziellen Selbst. Die Gleichheit ist dabei die Negation der Freiheit. Wo es Gleichheit im Übermaße gibt, da muss der Mensch unfrei sein und umgekehrt. Freiheit und Gleichheit  schließen einander aus. Doch weil die Menschen gleich sein wollen, geben sie frei und willig ihre Freiheit ab.

Welch eine paradoxe Zeit, in der wir leben. Auf der einen Seite glaubt sich vor allem der Westeuropäer so aufgeklärt und stolz auf seine Individualität, doch mit demselben Atemzug wünscht er sich die Gleichheit aller. Das Starke wird verneint und das Schwache emporgehoben. Übrig bleibt die Mittelmäßigkeit, wie es der Bundestag und die pseudohaften Debatten darin täglich demonstrieren.

Gerade das Bürgertum war und ist doch jener Verfechter dieser demokratischen Traumblase. Diese ist der Höhepunkt seiner Dekadenz. Der Nihilismus ist dabei lediglich die Logik derselben, nicht die Ursache und die Demokratie ist der Vorbote des uns bevorstehenden Anarchismus. Angesichts der katastrophalen Entwicklung, die mit einem „Selfie“ von Angela Merkel mit einem sogenannten Flüchtling in Berlin-Spandau und der Grenzöffnung im September 2015 begann, befinden wir uns jedoch längst auf der Schwelle zur Anarchie. Der fehlende Widerstand gegen die Missachtung von Gesetz und Verfassung – zumindest in einer signifikanten Größenordnung – ist ein deutlicher Indikator für das längst überreife Stadium der gesellschaftlichen Dekadenz. Das Bürgertum war derweil immer nur um einen Ausgleich bemüht. Wenn das patriotische Bürgertum heute auf die Straße geht, dann nur, weil es instinktiv spürt, dass der von ihm selbst erstrebte Ausgleich gefährdet ist. Nicht die Erkenntnis bzw. das Bewusstsein dafür, in einer Tranditionslinie zu stehen und selbige fortzuführen, bewegt den Bürger dorthin.

Es ist ehrenwert von jenen, die selbst nicht zu diesem Bürgertum gehören, aber versuchen, es in eine andere, bessere Sphäre zu transformieren, doch halte ich es für aussichtslos. Der Versuch jedoch, das Bürgertum innerhalb des nihilistischen Zeitalters zu einer höheren Ebene zu führen, gleicht dem Don Quichott’schen Kampf gegen Windmühlen. Auch Nietzsches Zarathustra sprach zunächst zum Volke und wurde immer wieder ausgelacht. Er wurde zum Gespött, weil jene nicht erkennen konnten, was dieser längst wusste. Also redete er nicht mehr zum Volk, sondern ausschließlich zu Gefährten. „Nicht soll Zarathustra einer Herde Hirt und Hund werden!“

Die Rechte wird dadurch selbst zum plebejischen Kümmerer, den sie instinktiv ablehnt. Insbesondere der konservativ-revolutionäre Mantel, den sich viele Neurechte überstülpen, ist ein Kleidungsstück, das zu ihren Attitüden, die sich in dieser Zeit demokratisch gerieren, diametral wirkt. Damit verkommt das Wirken dieser Leute zur unechten Fasson. Andersherum würde sie, gleich dem Zarathustra, zum Spott des Volkes werden, würde sie ihm den Spiegel vorhalten und den Weg aus dieser Dekadenz heraus zeigen. Will sie innerhalb dieses Zeitalters Erfolg haben, muss sie sich den Spielregeln unterwerfen. Diese sind aber alles andere als konservativ. Sie sind gezeichnet von Falschheit, Betrug, Schauspielerei und einer gehörigen Portion Marketing. Für Inhalte ist hier nicht viel Platz. Jene, die noch nach Inhalten rufen oder gar die, die selbiges predigen, wirken wie Simulakren.

Nietzsche sagte einst: „Gott ist tot“. Wir müssen weitergehen und heute sagen: „Der Heros ist tot“.

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