Arcadi – Das etwas andere Jugendmagazin

– Verfasst von Peter Steinborn –

Das Arcadi-Magazin, das der eine oder andere bereits vom Internetblog her kennen dürfte, ist seit Neuestem auch in Print auf dem Markt erhältlich. Jene, die das Projekt um den Arcadi-Chefredakteur Yannick Noe noch nicht kennen, werden vielleicht sagen: Nicht noch ein neues rechtes Magazin. Nachdem nun neben „Sezession“ und „Tumult“, das Theorie-Organ „Gegenlicht“ herausgekommen ist, könnte man meinen, der rechte Zeitschriftenmarkt gibt kaum noch Platz für ein weiteres Projekt her. Doch während die drei o.g. Zeitschriften eher Theorie und Wissenschaft vermitteln, ähnelt Arcadi mehr einem „Lifestyle“-Magazin mit eigenem identitären Stempel. Neben „Politik“ teilt sich das Arcadi-Magazin in die Rubriken „Ernährung-Gesundheit-Sport“, „Reisen“, „Kultur“ und „Leben“ auf.

Arcadi: Mehr Bravo oder doch identitär?

Arcadi hat den Ruf, eine Art rechte oder identitäre „Bravo“ darzustellen. Ein prägnanter Artikel, der so manchen zu dieser Einschätzung verleiten lassen dürfte, ist die Meldung über Martin Sellners Beziehungsleben mit der in der ersten Printausgabe interviewten Brittany Pettibone. Auch Besprechungen über Comics, Videospiele und Filme, die man für gewöhnlich in einem rechten Magazin am  wenigsten erwarten dürfte, werden den einen oder anderen Kritiker dazu veranlassen. So findet u.a. auch eine Vorbesprechung der neuesten Star-Wars-Episode mit zwei Seiten Platz im Arcadi.

Doch die Kritik greift aus meiner Sicht dann doch zu kurz. So wirkt die US-amerikanische Journalistin und überzeugte Katholikin Brittany Pettibone in dem Interview mit Arcadi, welches immerhin der erste Artikel ist, mit dem der Leser konfrontiert wird, überraschend ernst und politisch. Ein davon gefolgter Bericht von Simon Kaupert ruft im Leser die beinahe schon wieder in Vergessenheit geratene Mission „Defend Europe“ in Erinnerung. Ein Erlebnisbericht von Frederic Höfer über seine Unterstützung des Front National im französischen Wahlkampf gibt dem Magazin seinen auch aktivistischen Charakter, der in der Online-Ausgabe durch Berichte wie die Teilnahme am polnischen Unabhängigkeitstag in Warschau zur Geltung kommt.

In der zweiten Rubrik warnt der Blaue-Narzisse-Autor Robin Classen den Leser über Giftmüll aus dem Supermarkt. Zudem wird die neue deutsche Mate-Welle beleuchtet. Esther Kühn veranschaulicht dem Leser die Parallelen zwischen der in der rechten Gegenkultur populären Mixed Martial Arts (MMA) und den Kampfsportaktivitäten in der Antike.

Auch die Eindrücke von Anja Jacob während ihrer Ostseereise vom malerischen Danzig bis an den Finnischen Meerbusen an den Stadtmauern von Tallin zeichnet eher das Bild eines reiselustigen, jedoch auch geschichtsbewussten jungen Menschen.

Die Kultur-Rubrik zeigt ein sehr breites Spektrum über Musik, Kunst, Rezensionen sowie Filme und den oben bereits benannten Comics. Hier offenbart sich die Vielseitigkeit des rechten bzw. identitären Kosmos. Insbesondere die Besprechung des von Mario Alexander Müller verfassten Lexikons für identitäre Aktivisten „Kontrakultur“ zeigt ein hohes Bewusstsein von der Macht metapolitischer Konzepte.

In der Rubrik „Leben“ wird der Bravo-Charakter des Magazins wieder ganz deutlich. So wirkt der Aufruf von Robin Classen gegenüber seinen männlichen Lesern, Masturbation zu vermeiden etwas gewöhnungsbedürftig, wenn auch witzig. Was konkret die Autorin „Fräulein Frech“ mit ihrem Artikel „Es muss nicht immer das Bett sein“ bezweckt, ist mir  schleierhaft. Neben dem durchaus wieder ernstzunehmenden Aufruf von Raphael Roth, als echter Kerl zur Bundeswehr zu gehen, wirken die Masturbations- und Sextipps der vorigen Autoren für ein rechtes Magazin unpassend.

Ein Platz im metapolitischen Konzept

Obgleich oder gerade wegen der hohen Diversität, die Arcadi herzugeben weiß, verdient das Magazin Anerkennung und seinen Platz in der Riege metapolitischer Projekte. Als „Einstiegsdroge“ für besonders junge und vielleicht noch unbedarfte Leser kann Arcadi wichtige Brücken zu „theorielastigen“ Blogs und Zeitschriften, die die Deutsche Rechte so hergibt, schlagen. Es mag teilweise den Charakter einer rechten oder identitären „Bravo“ aufweisen, besitzt zu einem Großteil allerdings genügend „Ernst“, um Jugendliche weiterzuführen. Insbesondere die „Lifestyle“-Tipps, die sich der Leser aus dem Magazin ziehen kann, verknüpft mit politischen Themen, machen Arcadi auf dem Feld des Kampfes rechter Metapolitik einzigartig. 

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