DRITTE POSITION: Porträt einer Weltanschauung

– Verfasst von Dominik Schwarzenberger; Bild: Franco Freda, Pino Rauti, Julius Evola (v.l.n.r.)  – 

Das nachfolgende Porträt der Dritten Position stellt einen kurzen Abriss über Wurzeln, Werdegang, Organisation und weltanschauliche Präsentation dar. Auf eine detaillierte Inhaltsdarstellung, z.B. Wirtschaftsvorstellung und religiöse Orientierung, kann jedoch nicht genauer eingegangen werden.

Keine Restauration von Vorkriegstraditionen

Nach 1945 knüpfte die geächtete Politische Rechte ohne großartige Neuerungen an Vorkriegspositionen an: Nationalsozialisten, Faschisten, Monarchisten, Nationalkonservative und diverse Völkische. Zweifel an dieser Praxis meldete der langjährige Vorsitzende der großen rechten italienischen Sammlungspartei MSI (Movimento Sociale Italiano)  Giorgio Almirante (1914-1988) an: Ein einfaches Anknüpfen an Vorkriegstraditionen sei nicht möglich, vielmehr müssten neue Geistesquellen und Strategien erschlossen werden, zu sehr sei die Rechte diskreditiert. Aus diesem Grund förderte er – gegen den zentralistischen Parteiaufbau – „Corrientes“ (geistige Strömungen), die sich frei artikulieren durften. Die Corrientes entwickelten sich zu Ideenschmieden mit teilweise eigener Infrastruktur, Symbolen und Publikationsorganen. Auch aus taktischen Gründen achtete Almirante auf die paritätische Vertretung herausragender Corriente-Vertreter bei der Ämtervergabe seiner lange Zeit erfolgreichsten rechtsnationalistischen Wahlpartei Westeuropas. Somit mauserte sich die reaktionäre, wenig originelle MSI zur befruchtenden Inspirationsquelle für Italien und Europa. Ohne MSI kein „Front National“ – ohne Almirantes Vorbild keine LePen. In der Tat erscheint der erfolgreiche französische „Front National“ als gelehrigster Schüler, was sich v.a. an der Übernahme besagter geistiger Unterströmungen zeigte.[1] Einige MSI-Corrientes kultivierten das Gedankengut frühfaschistischer Protagonisten (Marinetti 1876-1944, D`Annunzio 1863-1938, Sorel 1847-1922) und des exotischen Evola (1898-1974). Die sehr starke offizielle Jugend- und Studentenorganisation konnte nahezu vollständig für diese Neuerungen gewonnen werden.

„Nation Europa“ – „Neue Rechte“ – „Ethnopluralismus“

Auch Großbritanniens Rechte erlebte eine Neuorientierung: Der ehemalige Faschistenführer Oswald Mosley (1896-1980) entdeckte den paneuropäischen Gedanken und forderte die „Nation Europa“ auf föderaler Grundlage – stark genug, Moskau und Washington zu widerstehen. Verheißungsvolle Europa-Kongresse interessierter Organisationen und Persönlichkeiten verloren jedoch ab Mitte der 1970er an Bedeutung. Noch bestanden die rechten Neuerer aus Vorkriegsaktivisten, die trotz aller Bemühungen ihrer Jugendzeit verhaftet blieben und deshalb antiquiert wirkten.

Weitere Impulse jüngerer Aktivisten erlebten die 1970er mit dem Franzosen Alain de Benoist (geb. 1943), der sich vollständig von nazistischem und faschistischem Gedankengut löste und Klassiker der deutschen „Konservativen Revolution“, kommunitaristische Konzepte und heidnisch-religiöse Ideen verbreitete. Mit seiner Strategie eines Gramscismus von Rechts, ohne die so typische kleinbürgerliche Massenbewegung, setzte der Franzose neue Akzente. Benoist, dessen französischen Weggefährten und die von ihm in Westeuropa inspirierte „Neue Rechte“ blieben jedoch Angelegenheit literarischer Salons, die zudem ihre Theorien ständig revidieren.

Mit Henning Eichberg (geb. 1942) und Jean Thiriart (1922-1992) betraten ebenfalls in den 1970ern nationalrevolutionäre Neuerer die politische Bühne und prägten den Begriff „Ethnopluralismus“. Diese föderalistisch-identitäre Konzeption bildete den „linken“, sozialrevolutionären Flügel Paneuropas. Auch diese Bewegung scheiterte nach Anfangserfolgen am intellektualistischen Charakter.[2]

Die Dritte Position entsteht

Die Dritte Position entstand mit dem Auftreten des Italieners Franco Freda (geb. 1941) ab 1962, der ebenfalls dem MSI-Umfeld entstammte. Er vereinte übernationale Konzepte (Reichsidee und Großraumkonzepte), antikapitalistische Forderungen (z.B. den Distributismus der katholischen Soziallehre), völkische Eigenart, Föderalismus und Spiritualität.[3] Fredas wegweisende Ideen wurden allein durch seinen fast als esoterisch zu bezeichnenden Romantizismus behindert. Er träumte von einem neuen asketischen Legionärstypus und verstrickte sich in gewalttätige Aktionen.[4] Er forderte ein übervölkisches, multikonfessionelles Reich, in welchem alle völkischen Identitäten wie im Mittelalter oder Antike erhalten bleiben sollen.

Der innerhalb der MSI sehr einflussreiche Pino Rauti (geb. 1926) muss in einem Atemzug mit Freda genannt werden, obwohl beide nur gelegentlich kooperierten. Rauti spaltete einen radikalen Flügel vom MSI ab, um sich dann nach militanten Jahren diesem wieder anzuschließen. Seit den 70er Jahren setzt Rauti auf einen sozialrevolutionären-antiamerikanischen Schwerpunkt.[5]

Die Dritte Position versteht sich als Weltsicht jenseits von Liberalkapitalismus – USA – Atlantismus (Erste Position) und Kommunismus – Ostblock (Zweite Position). Blockfreie neutralistischen Ideen gab es zwar häufiger, jedoch spielt auch die mythologische Zahl drei eine entscheidende Rolle: drei steht für eine höhere Synthese aus Vollkommenheit (eins) und entstandenem Gegensatz (zwei = Zwie-Spalt). Das Vorbild dieser qualitativen Zählung kann in den mittelalterlichen Mystikern Joachim von Fiore (1130-1202)[6] oder Moeller van den Bruck (1876-1925) gefunden werden. Letzterer forderte ein „Drittes Reich“ als Staat der Harmonisierung, Wieder-Verbindung und Eintracht gegen den Status quo aus Parteiengezänk, Atomisierung, Entfremdung und Klassenkampf. Selbst Hitler war sich dieser Tatsache bewusst und untersagte ab 1939 den Gebrauch des Begriffs „Drittes Reich“, da sein Staat dieses Endstadium erst noch erreichen muss.

Die Dritte Position wendet sich klar gegen die materialistische Ideologie aus Rationalismus und Positivismus, erkennt im europäischen Sündenfall Französische Revolution („Ideen von 1789“) aber durchaus eine Existenzberechtigung gegen eine überlebte Welt erstarrter Formen. Aus diesem Grund erscheint Third Position als Erbin der „Jungkonservativen“ der Weimarer Zeit: Ewige geistige Werte, Traditionen und Gewissheiten werden gehütet, historisch gebundene äußere Formen dagegen überwunden. Third Position ist demnach revolutionär und restaurativ zugleich. Folglich ergeben sich zwei klare Frontlinien nach Links und Rechts: der linke Evolutionismus mit seiner optimistischen Fortschrittsgläubigkeit und die rechte Reaktion mit ihrer strukturellen Verharrung als Ausdruck nostalgischer Wehleidigkeit.

Die Lösung des sich immer weiter zuspitzenden Widerspruchpaares Identität – Entfremdung steht im Mittelpunkt. Der im Zuge der Industrialisierung einsetzende Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit erscheint dagegen nur als ein Nebenwiderspruch, der aus dem Entfremdungsprozess herrührt und nicht – wie im Marxismus – umgekehrt. Der identitätslose Mensch lebt wie jemand, der ständig unter Psychopharmaka steht: Alle authentischen Emotionen sind unterdrückt und werden künstlich aufbereitet.

Evolas Bedeutung erschöpft sich in der Analyse, wie die Traditionale Ordnung[7] durch subversive Kräfte (bei ihm die Freimaurerei) in ihr Gegenteil verkehrt werden konnte. Ansonsten sollte seine Bedeutung nicht überschätzt werden.

Die Generation der Schüler

Viel entscheidender sind Fredas gelehrige „Schüler“: Claudio Mutti (geb. 1946), Marco Tarchi (geb. 1952) und Roberto Fiore (geb. 1959). Mutti konvertierte später zum schiitischen Islam und folgt dessen Integraler Tradition, Tarchi näherte sich Benoist an und entfernte sich vollständig von Evola. Roberto Fiore entdeckte währenddessen den katholischen Integralismus, den er mit sozialrevolutionären Themen verband. Als „Terza Posizione“ beeinflusste er 1978 die rechte Studentenschaft. Zur gleichen Zeit entwickelten Derek Holland (geb. 1958), Nick Griffin (geb. 1959) und Patrick Harrington (geb. 1964) innerhalb der britischen „National Front“ vergleichbare Ideen. Zum strategischen Wegweiser sollte Hollands Werk „Political Soldier“ werden, in welchem ein neu-alter Aktivistentyp nach dem Vorbild christlicher Kreuzritter und Codreanus (1899-1938) rumänischer Legionäre propagiert wird. Gerade Codreanus Legionarismus mit eher spiritueller denn politischer Ausrichtung stellt die wichtigste Referenz dar. Der charismatische rumänische Volksführer steht nicht für den eigenverantwortlichen Tribun, sondern für einen Gesandten Gottes.[8]

Nach 1981 spaltete sich die wichtigste britische Rechtspartei in einen nazistischen („Flag Groupe“) und einen Third Positionist Flügel („Political Soldier“, auch „Official National Front“).[9] Inzwischen flüchtete Fiore aus Italien nach London, wo er sich mit der Gruppe „Political Soldier“ verband. Der Italiener wurde beschuldigt, am Bombenanschlag von Bologna 1980 involviert zu sein. Diese Anschuldigung konnte bis heute nicht bestätigt werden. Erst Mitte der 1990er ließ der italienische Staat diesbezügliche Beschuldigungen und Auslieferungsforderungen fallen.

Unter Beteiligung Fiores entwickelte sich die Zeitschrift „Nationalism Today“, Organ der „Official National Front“, zum wichtigsten Sprachrohr der Dritten Position Europas und strahlte auf Australien, Südafrika und Nord- und Südamerika aus.[10] Der NPD-Studentenverband (NHB) verschrieb sich ebenfalls der Dritten Position als deutscher Vertreter. Ihm diente die Theoriezeitschrift „Vorderste Front“ als Forum, das Themen und Aufbau von „Nationalism Today“ übernahm. Im Rückblick lässt sich eindeutig feststellen, die Third Positionists der 1980er waren ihrer Zeit weit voraus und stießen in den nationalistischen Lagern auf Unverständnis. Das gilt v.a. für antikapitalistische Wirtschaftsideen, Interesse für den politischen Islam, Antiamerikanismus und internationale Kooperation außerhalb des „White-Power-Blocks“.

„International Third Position“

Anfang der 1990er entstand die „International Third Position-ITP“ als wichtigste Plattform und diente als übernationale bzw. multiethnische Ideenschmiede herausragender Aktivisten. Dieser Plattform samt Umfeld schlossen sich zahlreiche Persönlichkeiten, Zeitschriften und Organisationen an, die mit der verheerenden Entwicklung innerhalb der konventionellen Rechten nicht einverstanden waren. Die konventionelle Rechte frönte auch nach dem offensichtlichen Scheitern des real existierenden Sozialismus des Ostblocks 1990 einem paranoiden Antikommunismus à la McCarthy und stellte die Hegemonie Washingtons nicht in Frage. Außer Antikommunismus bestimmt eine antiislamische Einwanderungsfeindlichkeit die Programmatik. Speziell der Anti-Islam wurde getreu dem amerikanischen Vorbild wirkungsmächtiger Ersatz-Antikommunismus. Als Tabu dieser atlantischen Sichtweise gelten Antizionismus und Antikapitalismus. Beide sind untrennbar mit US-amerikanischer Hegemonie verbunden.

Bemerkenswert ist, dass sich auch der Fokus gegenüber der Einwanderungsproblematik geändert hat. Ursprünglich wandte sich die „Atlantische Rechte“ gegen alle nichteuropäischen Einwanderer, heute wendet sie sich ausschließlich gegen integrationsunwillige Muslime. Das gilt folgerichtig auch in den USA, Kanada oder Australien. Alle integrationswilligen Asiaten und Afrikaner sind geduldet, Muslime nicht – weil kulturell nicht kompatibel.[11] Es gab und gibt nur ganz wenige Parteien, die als rein konventionell zu bezeichnen sind. Häufig ist es die Parteiführung, während Basis und Jugendorganisation einer anderen Strömung (z.B. Third Position, Nationalrevolutionäre, Nationalsozialisten) angehören.

Ein Großteil gegenteiliger Programmatiker wandte sich darum dem Kreis um ITP zu. Nach 2002 löste sich die ITP als formale Organisation einvernehmlich auf, um ihren Mitstreitern durch Dezentralisierung mehr Spielraum zu gewähren. Die ITP-Aktivisten arbeiten heute ohne vergleichbare Nachfolgeorganisation weiter zusammen.

Third Position als eigenständige Weltanschauung

Die Vordenker der Dritten Position schafften durch einen großzügigen Ideeneklektizismus eine neue Weltsicht. Diese entstammt keinem Generalstabsplan, sondern der Abgrenzung gegen das Althergebrachte und dem Studium bewährter Traditionen. Innerhalb der Parameter Antikapitalismus – Antizionismus – Antiimperialismus – Defensiver Nationalismus – Antirassismus, existierten drei Strömungen mit vielen Grauzonen:

  • Rechte Strömung: monarchistisch, übervölkisch-national bis paneuropäisch, religiös, wirtschaftskorporativ
  • Zentristische Strömung: völkisch-national, wirtschaftskorporativ, neutral gegenüber Monarchie und Religion
  • Linke Strömung: republikanisch, kultur-national, sozialistisch, antiklerikal, ökologisch, basisdemokratisch

Die Spannungen innerhalb der europäischen Dritten Position zeigten sich hervorragend im Nordirland-Konflikt: Rechte sympathisieren mit britischen Loyalisten, Zentristen mit der kleinen Unabhängigkeitsbewegung für eine „Nation Ulster“ jenseits von London und Dublin, während die Linke für einen Anschluss an Irland eintrat.

Nach 1990 spaltete sich die marginale linke Strömung als „Third Way“ vollständig ab. Dieser Bruch wurde in nahezu allen Staaten Europas, Nordamerika, Südafrika und Australien vollzogen. Die Renegaten existieren heute kaum noch als eigenständige Gruppen, sondern schlossen sich der grünen oder trotzkistischen Sache an.

Third Position seit 1995 integriert die Rechte und Zentristische Strömung mit ihren vielgestaltigen Übergängen und gewann damit einmal mehr an Profil.

Weltanschauliche rechte Gegner der Dritten Position

Nationalrevolutionäre/Nationalbolschewisten: Der Vorwurf des Materialismus und der Linkslastigkeit lässt diese Bewegung als Gegner erscheinen. Sozialistische und syndikalistische Forderungen nach Arbeiterselbstverwaltung, weitgehender wirtschaftspolitischer Enteignung, moralischer Relativismus, Antiklerikalismus und Basisdemokratismus verhindern eine Verständigung. Das konservative und konterrevolutionäre Element innerhalb der heutigen Third Position ist unübersehbar.[12]

Libertäre Konservative: Es handelt sich hierbei um die Erben des historischen Konservatismus des 19. Jh., die inzwischen ihren Frieden mit liberalen Ideen gemacht haben. Monarchistische, klerikale und autoritäre Forderungen gibt es von dieser Seite in Europa kaum noch. Antikapitalistische Alternativen (z.B. Distributismus oder Korporativstaat) fehlen völlig und beschränken sich auf sozialethische Appelle an die Unternehmerschaft und Bänker. Häufig schwimmen Libertäre Konservative zusätzlich im atlantischen Fahrwasser des Anti-Islamismus auf einer unverbindlichen christlichen Basis. Im Grunde versucht die Dritte Position, das Vakuum zu füllen, das liberalisierte Konservative hinterlassen haben. Den altehrwürdigen Konservatismus des ersten Drittels des 20. Jh. gibt es nicht mehr. Dieser hätte nämlich gerade auch im politischen Islam einen Bundesgenossen gesehen.[13]

Nationalsozialisten: Diese „Materialisten des Blutes“ (Evola) werden aufgrund ihres blinden Rassismus, Führerkults und Expansionismus abgelehnt. Zudem setzen sich NSler fast ausnahmslos aus unberechenbaren Aktionisten ohne verbindliches geistiges Fundament zusammen.[14] Es fehlt zudem das metaphysische Streben nach Transzendenz,[15] das durch puren Biologismus und einem statischen Volksbegriff[16] ersetzt wird. Jeder menschliche Wert wird auf die biologische Basis reduziert, wonach Andersrassige per se schlecht sind.

Mit den Erben der historischen Faschismen lässt sich dann leben, wenn diese ihre expansionistischen und nostalgischen Bestrebungen ablegen. Sie sind dann von Third Position kaum zu unterscheiden.

Orthodoxe Traditionale: Wie es revisionistische und orthodoxe Marxisten gibt, so gibt es auch entsprechende Evola-Anhänger. Orthodoxe Traditionale werden dabei als pharisäische Schriftgelehrte Evolas[17] angesehen, die die wahre Werkdeutung für sich beanspruchen. Evolas Determinismus, wonach das „Schwarze Zeitalter“ unserer Tage automatisch untergeht und ein erneuertes „Goldenes Zeitalter“ anbricht, wird von Third Position abgelehnt. Gleiches gilt für ein angeblich real existierendes „Goldene Zeitalter“, das nur als ein anzustrebender Mythos angesehen wird.

Was bleibt von Third Position?

Die zweite Generation nach Freda – Fiore, Griffin, Holland – ist in die Jahre gekommen, aber nach wie vor präsent. Das alte Netzwerk existiert weiter, was ja sonst in allen nationalen Lagern die Ausnahme ist. Eine neue Generation wächst heran. Dabei bleiben antikapitalistische Ideen (Distributismus, Korporativstaat), Großraumordnung, Defensiver Nationalismus, Spiritualität (Anti-Atheismus), Föderalismus und eine selektive Evola-Rezeption als Prinzipien erhalten. Hinzu kamen nach der Jahrtausendwende Ideen des Kolumbianers Dávila (1913-1994) und des Russen Alexander Dugin (geb. 1962) („Eurasianismus“[18]). Eine vereinte Organisation wie ITP oder ein zentrales Organ wie „Nationalism Today“ gibt es aus strategischen Überlegungen nicht, aber das Zusammenwirken bleibt bestehen. Zahlreiche radikale Abspaltungen oder innerparteiliche Plattformen von „Vlaamse Belang“ (Belgien), „Front National“ (Frankreich) und „Alleanza Nazionale“ (Italien) bekennen sich genauso zur Dritten Position wie osteuropäische und überseeische Neugründungen.[19] Innerhalb der deutschen NPD gibt es ebenfalls unorganisierte Third Positionists. Man kann also keineswegs von einem Siegeszug sprechen, nur von einer seltenen personellen und ideellen Beständigkeit.

Anmerkungen

[1] So gab es im „Front National“ des LePen Senior monarchistische, katholisch-traditionale, nationalrevolutionäre, nationalsozialistische, neuheidnische, nationalliberale und weitere Unterströmungen, die alle ihre eigenen Wirkungskreis entfalten.

[2] Auch die 1964 gegründete nationalkonservative deutsche Sammlungspartei NPD wurde von diesen Neuerungen erfasst. Nach ausbleibenden Wahlerfolgen spaltete sich die von der Parteijugend dominierte „Aktion Neue Rechte“ ab, um danach selbst in die Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

[3] Vgl. Fredas Hauptwerk “La disintegrazione del sistema” 1969

[4] Fredas Beitrag zu rechtsterroristischen Aktivitäten in den 1960ern ist nicht geklärt.

[5] Pino Rauti verließ den nach der Liberalisierung des in „Alleanza Nazionale“ umgewandelten MSI endgültig und wurde Pate mehrerer kleiner Parteien in der alten MSI-Tradition.

[6] Fiores Zählung entspricht der Trinität Gottes, wonach das Dritte Reich das Endzeitalter des Heiligen Geistes bedeutet.

[7] Dazu zählt das „Sakrale Königtum“, Hierarchie (=Heilige Ordnung) und Eidokratie (=Herrschaft des Urbildes).

[8] Codreanu war weit weniger rumänischer Nationalist als universeller Christ, der dem Rumänentum einen speziellen Anteil an der universellen Erlösung in Christo zuwies. Je stärker das rumänische Volkstum, je stärker jede andere völkische Identität auf Erden, desto größer das christliche Erlöserwerk. Im Islam gibt es vergleichbare Vorstellungen (z.B. bei Milli Görüs).

[9] Ein Großteil spaltete sich zusätzlich unter John Tyndall (1934-2005) als halbnazistische „British National Party“ ab.

[10] Wohl einzigartig sind die Analysen wesensverwandter Systeme, Persönlichkeiten und Organisationen im Ausland. So thematisierte man Ghadaffi, Peron, Nation of Islam oder solche „Exoten“ wie Thomas Sankara aus Burkina Faso. Für Großbritannien revolutionär war auch der föderalistische Gedanke, der die vernachlässigten keltischen Völker mit einbezog.

[11] Die nationalen ITP-Sektionen suchten immer den Kontakt zu politischen Vertretern von Einwanderern wie schwarzafrikanischer „Nation of Islam“, türkischen „Grauen Wölfen“ oder arabischen „Muslimbrüdern“.

[12] Aufgrund der Dominanz religiöser Orientierungen darf davon ausgegangen werden, dass das Prinzip der Volkssouveränität abgelehnt wird. Stattdessen herrscht eine von Land zu Land variierende metaphysische Legitimation vor.

[13] Die Affinität zum politischen Islam ist nicht nur außenpolitischer Natur, sondern auch inhaltlicher. Aus diesem Grund streben türkische oder albanische Third Positionists einen klar islamisch ausgerichteten Staat auf Basis der Scharia an. Der radikale Salafismus (=Glaube der Altvorderen) entspricht genau dem Wesen von Third Position: Ewige, überzeitliche Gewissheiten erhalten (Koran, Sunna, Hadith) und historisch abhängigen Ballast (Traditionen des arabischen und türkischen Kalifats bzw. persischen Imamats) überwinden. Nach dieser Lesart können Salafisten als islamische Form der Konservativen Revolution angesehen werden, während konservative Muslime (z.B. die islamischen Monarchien) der Reaktion angehören. Christliche Third Positionists beschreibt man wohl am besten als christliche Salafisten.

[14] Es ist auch schwierig, eine umfassende nationalsozialistische Lehre zu finden, da Hitler nie die Möglichkeit hatte, eine zu schaffen. Er musste vielmehr die zahlreichen gegensätzlichen Strömungen auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren und durfte selbst kein Profil annehmen.

[15] Eine Ausnahme stellt der sektiererische „Esoterische Hitlerismus“ Miguel Serranos (1917-2009) dar. Der chilenische Mystiker sieht im real existierenden Nationalsozialismus nur eine exoterische Form. Tatsächlich sei auch der „innere“ Nazismus an Anders- bzw. Parallelwelten orientiert.

[16] Nationalsozialisten verkennen die biologische und identitäre Wandelbarkeit von Völkern. Es wird stattdessen von einer völkischen Konstante ausgegangen, wonach Völker und Rassen in grauer Vorzeit entstanden und unverändert durch die Geschichte wandeln.

[17] Da Third Position nur ausgewählte Elemente des großartigen Kulturphilosophen pflegt, trifft der Vorwurf des Revisionismus der „Integralen Tradition“ durchaus zu.

[18] Vgl. Schwarzenberger, Dominik: Die Eurasische Bewegung – Alexander Dugins Beitrag, in: Neue Ordnung Nr. 4 2010.

[19] Jedes Jahr wird ein aufwändiges Seminar zur Dritten Position veranstaltet.

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Ein Gedanke zu „DRITTE POSITION: Porträt einer Weltanschauung

  1. […] statischen Volksbegriff[16] ersetzt wird. Jeder menschliche Wert wird auf die biologische Basis reduziert, wonach Andersrassige per se schlecht sind.
    [16] Nationalsozialisten verkennen die biologische und identitäre Wandelbarkeit von Völkern. Es wird stattdessen von einer völkischen Konstante ausgegangen, wonach Völker und Rassen in grauer Vorzeit entstanden und unverändert durch die Geschichte wandeln.

    Da scheint der Autor aber Dinge zu erzählen von denen er scheinbar nicht unbedingt eine Ahnung hat. Der Wert eines Menschen wurde nicht ausschließlich aufgrund seines Erbgutes reduziert. Leistungen des Einzelnen wurden ebenso gewürdigt wie auch (z.B. kulturelle) Errungenschaften ganzer Völker. Dass nun andere Völker, aus NS-Sicht, per se schlecht seien kann auch nur als eine böswillige Behauptung des Autors gewertet werden.
    Die Nationalsozialisten verkennen auch nicht die biologische Wandelbarkeit von Völkern. Der Darwinismus und damit auch die Evolution sind fundamentale Bestandteile des Nationalsozialismus. Der Autor verkennt aber hingegen sehr deutlich, dass biologische Prozesse sehr langatmig sind und Anpassungen an den Lebensraum nicht von heute auf morgen geschehen, insbesondere wenn dadurch neue (Unter-)Arten entstehen sollen.

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