Die vier Tugenden der Männlichkeit

– Verfasst von John Trichet; Die Zitate sind dem Buch „Der Weg der Männer“ von Jack Donovan entnommen.  –

Das lateinische Wort für „Tugend“ bzw. “Tugendhaftigkeit“ lautet „virtus“. Es steht auch für „Tapferkeit“ oder „Männlichkeit“. In dem Begriff steckt das Wort „vir“, das für „Mann“ steht. Unter „vir“ verstand der antike Römer jedoch nicht nur einen „erwachsenen, reifen Mann“, sondern auch einen „Krieger“ oder „Soldaten“. Zum Teil verwandt man das Wort auch im Zusammenhang mit „Helden“ oder „Heldentum“. Im Zuge der Zivilisierung des Römischen Reichs gewann die Gesellschaft eine immer komplexer werdende Struktur.  Die Frontlinien, an denen der Mann seine Tugendhaftigkeit unter Beweis stellen musste, verschoben sich in einem Weltreich, welches von seinen Gegnern gefürchtet wurde und das seinen Bürgern eine sichere Burg bot. Dies führte gleichzeitig zu einem ausgedehnteren Verständnis vom Begriff „virtus“, was nicht mehr nur länger mit „Mannhaftigkeit“ oder „Tapferkeit“ übersetzt wurde, sondern auch für „Sittlichkeit“ und eine bestimmte Moralvorstellung innerhalb der römischen Gesellschaft stand. D.h. die Revierkämpfe und Jagden, denen sich Männer über Jahrhunderte hingaben, fanden immer mehr auf symbolischem Wege statt. Es galt in Friedenszeiten als „virtus“, wer ein hohes Maß an ethisch vorbildhaftem Verhalten an den Tag legte. Dieses „virtus“ beantwortete also mehr die Frage danach, was ein guter Mensch, ein guter Bürger bzw. ein gutes Mitglied einer Gesellschaft ausmachte. Diese Tugenden hatten jedoch nur partiell mit den eigentlich kriegerischen Tugenden des „vir“, also des Mannes, des Kriegers zu tun.

Im Folgenden sollen die im vorhergegangenen Artikel bereits benannten vier Tugenden der Männlichkeit beleuchtet werden, die zugleich auch die Tugenden eines Kriegers sein müssen. Was erwarten wir also von einem echten Mann, von einem Krieger? Welche Eigenschaften muss dieser besitzen, um ein wertvolles Mitglied an unserer Seite sein zu können, wenn wir auf die Jagd gehen oder uns wieder im „Naturzustand des Menschen“ wiederfinden, den Thomas Hobbes als „Bellum omnium contra omnes“ bezeichnete?

„Kraft, Mut, Kompetenz und Ehre sind die praktischen Tugenden von Männern, die sich in einem Ernstfall aufeinander verlassen müssen.“ (…) sie „sind die Tugenden, die das Revier beschützen, Tugenden die uns retten (…) Kraft, Mut, Kompetenz und Ehre sind die Primärtugenden aller Männer dieser Welt, denn ohne sie sind keine >>höheren<< Tugenden möglich.“ (Jack Donovan, S. 34-35)

Kraft

Die Kraft ist wohl jene Tugend, die die meiste Präsenz in den Köpfen der Menschen besitzt, die an Männlichkeit und an das typisch Männliche denken. Ein Mann, der keine Kraft aufweist, kann kein Mann sein. Es ist neben der Fähigkeit, Menschenleben zu zeugen einer der entscheidendsten physischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Es handelt sich bei der Kraft nämlich um eine auch teilweise biologisch determinierte Eigenschaft, die Männer in der Geschichte dazu befähigte Kriege und Schlachten zu gewinnen. Das Heim, die Frau und die Kinder beschützen zu können. Es ist eine der vier Eigenschaften, die auf dem Schlachtfeld, wenn Männer sich messen, über Sieg oder Niederlage, über Leben oder Tod entscheiden. Donovan beklagt, dass in unserer heutigen zivilisierten Zeit das Adjektiv „schwächer“ häufig in Anführungsstriche gesetzt wird, um das schwächere Geschlecht nicht zu kränken. Tatsächlich aber handelt es sich dabei um eine Tatsache, denn welche normale Frau will nicht einen Mann ihren Ehepartner nennen können, der sie auch vor Feinden und Eindringlingen beschützen kann. Dazu gehört, wie wir bereits gesehen haben, auch die Kraft. Wenn Frauen heute sagen, dass es ihnen egal ist, ob ihr Mann die Kraft besitzt, sie und ihre Kinder zu beschützen, dann ist das ein besorgniserregendes Signal an die Männer. Denn diese Frauen haben es längst aufgegeben, nach dem starken, kräftigen Mann zu suchen, da der zu einer aussterbenden Art zu gehören scheint. Stattdessen versuchen die Frauen, die Rolle des Mannes zu übernehmen. Das sorgt für ein gestörtes Verhältnis innerhalb der Gesellschaft. Es bilden sich seltsame Koalitionen zwischen Emanzen und häufig sehr patriarchalisch einstellten Muslimen. Ich frage mich, was mit den Emanzen wird, wenn sich der Islam in Deutschland durchsetzt. Ich ahne kein gutes Ende für diesen Transmenschismus. Natürlich können auch Frauen kräftig sein. Doch der Unterschied zwischen einem schwachen Mann und einer schwachen Frau ist, dass wir dem Mann seine Männlichkeit infrage stellen; die Frau jedoch wird deswegen keineswegs als weniger fraulich gesehen. Im Gegenteil sogar. Wirken doch kräftige, muskulöse Frauen für die meisten Männer eher unattraktiv. Hingegen ist die schwache Frau, deren Handtasche wir tragen dürfen, für uns als Männer weitaus attraktiver. Auch hier verbirgt sich eine evolutionsgeschichtliche Tatsache. Das Testosteron in unserem Körper ist dafür verantwortlich, dass wir Muskeln haben, aber auch, dass wir uns gut fühlen, Stärke und Kraft zu beweisen. Es ist ein gutes Gefühl jemanden zu haben, der einen braucht. Das ist nur typisch menschlich und gehört zur Männlichkeit dazu.

„Im engsten körperlichen Sinne ist die Kraft nichts anderes als die muskuläre Fähigkeit, Druck auszuüben (…) Kraft ist die Fähigkeit, sich selbst, der Natur und anderen Menschen seinen Willen aufzuzwingen.“ (Donovan, S. 43-44)

Mut

Doch Kraft ist nichts wert, wenn der Mann nicht auch den Mut hat, sie einzusetzen. Der Mut ist nach Clausewitz eine moralische Größe. Wir brauchen ihn, um Kräfte zu entfalten, die uns den Weg bahnen. Was nützt es schon wie ein harter, breitschultriger Kerl auszusehen, wenn man sich auf diesen im Notfall nicht verlassen kann, wenn er also den Schwanz einzieht. Es gab in der Geschichte viele Männer, die ihre fehlende Kraft mit ihrem Mut wettgemacht haben. Auch in der Schlacht, wo wir gegenüber dem Feind in der Minderheit stehen, er uns in die Enge gedrängt hat, aus der wir nicht mehr heraus kommen, bedarf es dieser moralischen Fähigkeit, jene Kraft zu entfalten und dem Gegner zu zeigen, dass wir uns nicht kampflos aufgeben. Indem wir dem Feind zeigen, dass wir alles daran setzen werden zu gewinnen, untergraben wir seine Moral. Mut ist unmittelbar auch mit der Überzeugung verknüpft, genau das Richtige zu tun. Wer siegen will, muss davon überzeugt sein, dass das, was er tut, getan werden muss. Dies ist jedoch nicht mit irgendeinem Draufgängertum zu verwechseln. Mut und Tollkühnheit sind keine Synonyme. Mut bedeutet aber auch nicht, dass wir uns mit einem Gegner messen, dem wir ohnehin physisch überlegen sind. Mut ist es vielmehr, wenn ich weiß, dass ich verlieren könnte, jedoch trotzdem kämpfe. Wer mutig ist, weist also eine ordentliche Portion Tapferkeit auf. Ein typisches Merkmal westlicher Demokratien, die sich offenbar nur Wohlstandsgesellschaften leisten lassen, ist es, den Begriff des Mutes zu entarten. So werden heute irgendwelche Promis von der Mainstreampresse als „mutig“ bezeichnet, weil sie einen „Kampf“ gegen ihren Krebs führen. Oder wir bezeichnen jemanden schon als „mutig“, nur weil er seinem Chef seine Meinung gesagt oder weil er einem Bundestagsabgeordneten einen Brief geschrieben hat. Ich will nicht behaupten, dass es nicht auch an einer gewisse Portion Mut bedarf, seinem Chef die Meinung zu sagen. Doch begibt sich der Protagonist keineswegs auf möglicherweise todbringendes Abenteuer. Nicht diese „Helden des Alltages“, sondern die großen Heroen, wie die 300 Spartiaten, die in den Thermophylen standen und sich tausenden von asiatischen Elitekriegern entgegenstellten, obgleich sie wussten, dass sie sterben werden, sind echte Vorbilder für großartigen Mut.

Kompetenz

Komplexe, schwierige Situationen erfordern Männer mit hoher Kompetenz. Diese Kompetenz ist es, was uns von den meisten Tieren unterscheidet. Sie befähigt uns, unsere Umwelt zu beherrschen, d.h. andere Männer, Frauen, Gesellschaften. Durch das Vermögen, Strategien und Taktiken auszuklügeln, sind wir auch dann in der Lage die Oberhand zu behalten, wenn wir von der Kraft und dem Mut her schwächer sind als unsere Feinde. Hier gehören die Gesetze der Macht ins Spiel. Zumindest auf der hohen staatspolitischen Ebene. Große Männer müssen bereit sein, über die moralischen Vorstellungen der bürgerlichen Welt Kompetenzen zu entfalten, um ihre Macht nicht nur zu erhalten, sondern auch zu entfalten und auszubauen. Jedoch kann die Kompetenz eines Mannes auch auf andere Art und Weise zu Tage treten. Bspw. kann ein Mann, der in der Wildnis dazu in der Lage ist zu überleben, sich als sehr kompetent und damit wichtig für die Gemeinschaft oder für die Männerbande erweisen. Auch ist dies eine typische Eigenschaft, die Frauen am Mann für sich gefunden haben. Ein Mann muss z.B. in der Lage sein, seine Familie zu ernähren. Dazu bedarf es einer gewissen Kompetenz. Heute lernen wir ein Handwerk, studieren ein oder mehrere Fächer, um Experten auf unserem Gebiet zu werden oder eignen uns Wissen an, dass uns dazu befähigt, in dieser vom Kapitalismus getriebenen Leistungsgesellschaft einen Platz an der Sonne zu verschaffen. Je mehr Kompetenzen ein Mann aufweist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er seine Frau und seine Familie ökonomische und physiologische Sicherheit bieten kann. Sie ist auch jenes Element, das über den Rang innerhalb der Gruppenhierarchie entscheidet. Natürlich gehören Kraft und Mut zu den Eigenschaften, die ein Mann aufweisen muss, um sich als Alpha-Wolf herauszukristallisieren. Doch erwarten die anderen Rudelmitglieder von ihrem Führer auch, dass er sie strategisch und taktisch zu ihrem gemeinsamen Ziele führt. Er trifft Entscheidungen, die er aus seinem Fundus der Führungserfahrungen schöpfen kann. Das erfordert ein hohes Maß an Kompetenz.

„Kompetenz ist die Fähigkeit und das Bestreben des Mannes, Fachwissen zu entwickeln und technische Fertigkeiten anzuwenden, die ihm dabei helfen, seinen Willen durchzusetzen – gegenüber sich selbst, der Natur, den Frauen und anderen Männern.“ (Donovan, S. 65)

Ehre

Kaum ein Begriff ist so sehr Unterscheidungskriterium zwischen den Kulturen, wie der der Ehre. Wenn wir davon sprechen, dass ein Mann ehrenhaft ist, dann meinen wir, dass diesem hoher Respekt zu erweisen ist. Er erfährt eine erhöhte Wertschätzung. Wer ehrenhaft ist oder geehrt wird, der besitzt einen erhöhten Status. Hobbes beschrieb in seinem Leviathan, dass „ehrenhaft (…) jederlei Besitz, Handlung oder Eigenschaft“ sei, „die ein Beweis und Zeichen von Macht“ darstellt. Wer Macht über andere Männer ausüben kann, der ist also geehrt oder der wird verehrt. Ihm wird Hochachtung gegenüber erbracht. Sprechen wir von Macht, so meinen wir die Fähigkeit, seinen Willen anderen aufzuzwingen. Notfalls auch mit Gewalt. Es auch eine gewisse Art der Abhängigkeit und Loyalität, die wir bei anderen Männern erzeugen. Was wir unter Ehre verstehen, hängt allerdings in erhöhtem Maße davon ab, was wir unter den drei anderen Tugenden verstehen. Kulturen definieren allgemein die Gewichtungen der vier Tugenden unterschiedlich. So auch den der Ehre. In unseren Breitengraden sind Gestalten wie Hektor aus der Ilias oder Siegfried aus der Nibelungensaga ehrenhaft. Männer, wie Karl Martellus, die viel riskierten und selbst nicht vor dem Feind zurückschraken, sondern ihren Gefährten ein Vorbild im Leben und auf dem Schlachtfeld waren, sind ehrenhaft gewesen. Wir erfreuen uns ihrer Tugendhaftigkeit und sprechen ihnen hohe Ehre aus, da sie diese Tugenden in einer höheren Dimension entfalteten. Sie sind für uns echte Männer.

„Ehre bezeichnet die Reputation eines Mannes innerhalb einer hauptsächlich männlichen Ehrengruppe. Diese Reputation basiert auf seiner Kraft, seinem Mut und seiner Kompetenz (…) Ehre ist das Bemühen um die eigene Reputation innerhalb einer hauptsächlich männlichen Ehrengruppe, basierend auf der Demonstration von Kraft, Mut und Kompetenz.“ (Donovan, S. 74-75)

Es wird dabei deutlich, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem diese Tugenden nicht zu den primären Vorstellungen einer bürgerlichen Gesellschaft gehören. Sie werden sogar mehr oder weniger abgelehnt. Die Führer unserer Gesellschaften scheinen diese Tugenden umzukehren. Dennoch sind sie die Primärtugenden des Mannes. Er kann nicht aus seiner Haut. Sie treten auch heute noch zutage; wenn auch leicht modifiziert. Sie werden erneut deutliche Tragsäulen der Gesellschaft sein, wenn der Mann wieder dazu gezwungen ist, sich dem „Naturzustand des Menschen“ zu ergeben.

Vielleicht gefällt dir auch

3 Gedanken zu „Die vier Tugenden der Männlichkeit

  1. Die Definition von Ehre halte ich für unzureichend. Ehre setzt sich – meiner Meinung nach – aus mehr als nur Kraft, Mut und Kompetenz zusammen. Wenn bspw. ein Mann eine Frau oder ein Kind misshandelt, spielt es keine Rolle wie kräftig er ist, wie viel Mut er in anderen Situationen gezeigt hat oder wie kompetent er in einigen Bereichen ist. Es spielt auch keine Rolle, ob es nun die eigenen oder Fremde waren, an denen er sich vergangen hat – er hat sich niederträchtig verhalten und besitzt daher keine Ehre, auch wenn er Kraft, Mut und Kompetenz besitzt.

  2. Nils hat da vollkommen Recht. Es fehlt eine 5. Tugend, die ausschlaggebend ist für das wahrhaft Mannhafte: Die Moral. Ohne das Bewusstsein, dass meine Tat etwas höheren dienen MUSS, als mir selbst, sind die anderen Tugenden fast wertlos, da der Mann ohne diese Fähigkeit in einem egoistischen Zustand verkümmern würde. ,,Das Wohl der Mehrheit über das eigene Wohl zu stellen“, muss der Auftrag lauten, mit der Lösung ,,Mein Volk steht über mir!“.

    1. Ich würde sagen, dass damit dem Begriff „Ehre“ eine zwar abstrakte, aber somit auch kulturunabhängige Definition gegeben wurde. Dass diese auf Kulturen konkret bezogen nicht mehr ausreichen würde, könnte ich sofort unterschreiben. Doch wenn ich die Ehre als Abstraktum auffasse, dann ist die Definition hier hinreichend. So schrieb der Autor ja schließlich auch: „Was wir unter Ehre verstehen, hängt allerdings in erhöhtem Maße davon ab, was wir unter den drei anderen Tugenden verstehen. Kulturen definieren allgemein die Gewichtungen der vier Tugenden unterschiedlich. So auch den der Ehre. In unseren Breitengraden sind Gestalten wie Hektor aus der Ilias oder Siegfried aus der Nibelungensaga ehrenhaft. Männer, wie Karl Martellus, die viel riskierten und selbst nicht vor dem Feind zurückschraken, sondern ihren Gefährten ein Vorbild im Leben und auf dem Schlachtfeld waren, sind ehrenhaft gewesen.“ Damit leugnet er ja keineswegs die Werthaltigkeit der Ehre auch als einem vorbildlichen Charakter immanentes Ding an sich (was dem Ganzen eine moralische Komponente gibt). Doch wird ja eben diese Ehre oder das Ehrverständnis auch in diversen Kulturen unterschiedlich betrachtet. So ist die Ehre eines Hektors von der eines David zu unterscheiden. Hier noch eine 5. Tugend, die der Moral, hinzuzugeben, würde dem Anspruch einer rein männlichen – nicht nur auf eine bestimmte Kultur bezogene – Sichtweise nicht mehr gerecht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial