Der Mann als geschichtsphilosophische Gestalt

– Verfasst von John Trichet –

Der heutige für die Lebenswirklichkeit gehaltene Liberalismus mag es als überflüssig erscheinen lassen, doch die Geschichte wird weiterhin von Männern gemacht. In unserer durchzivilisierten Zeit, die sich u.a. dadurch auszeichnet, dass der Mensch sich immer mehr von der Natur emanzipiert, gilt dieses Postulat als archaisch und verkrustet. Tatsächlich wissen wir aber, dass der Mensch sich nicht signifikant geändert hat. Er unterliegt den gleichen Gesetzen wie der Urmensch, der noch mit anderen um einen Platz in einer Höhle konkurrieren musste. Er wird von den selben Instinkten und Trieben angeTRIEBEN, wie einst seine Urahnen. So kämpfen die Männer dieser Tage nach wie vor um Anerkennung des jeweils anderen Mannes. Sie sammeln sich in Gruppen, gehen gemeinsam auf die Jagd und versuchen, einander zu beeindrucken. In dem tiefsten Inneren strebt der Mann nach Männlichkeit, nach einem Abenteuer, danach, aus dem langweiligen Alltag auszubrechen und es anderen Männern zu beweisen. Auch wenn es die Genderideologen und so mancher Sozialpädagoge dieser Tage gerne verleugnen, so gehört es zu unserer Identität, Mann oder Frau zu sein. Diese Identität ist nicht nur biologischer, sondern vor allem geistiger Natur. Wenn ein Mann einem anderen Mann sagt „Sei ein Mann!“, dann meint dieser eine bestimmte Art zu leben, ein bestimmtes Verhalten, welches sich logischerweise von dem der Frau unterscheidet. Wir sprechen bei einem großen Krieger nicht umsonst häufig von einem großen Mann. Denken wir an den Krieg oder das Kriegertum, werden nur wenige eine so gerne in den griechischen Mythen besungene Amazone vor Augen haben. Es ist der starke, schier unbesiegbare Mann. Er zeichnet sich durch Kraft, Mut, Kompetenz und Ehre (Jack Donovan) aus. Diese Eigenschaften sind zutiefst männlich. Sie sind der Garant großer Reiche und großer Geschichten.

Dies soll kein Abgesang gegen die Frauen sein. Sie sind ein wichtiger und wertvoller Bestandteil einer jeden Gesellschaft. Ohne sie wäre der Mann auch nicht zu denken. Doch es ist nicht Aufgabe dieser Arbeit, die Frau zu skizzieren oder ihr einen Ehrenplatz einzurichten. Es soll im Folgenden um Männer gehen. Es soll darum gehen, dem Mann unserer Tage vor Augen zu führen, dass er ein Mann ist. Und wenn ich schreibe “ein Mann“, so meine ich auch alles, was dazu gehört. „Der Weg der Männer ist der Weg der Bande“, weiß uns der US-Amerikaner Jack Donovan zu erzählen. Doch was genau ist diese Bande? Männer haben sich, seit dem es Menschen gibt, in Banden zusammengefunden. Thomas Hobbes postulierte den „Naturzustand des Menschen“ und zeigte in seinen Werken auf, dass „vor der Entstehung menschlicher Gesellschaftsformen“ kein anderer Zustand als der Krieg geherrscht haben kann. Mit seinem „Bellum omnium contra omnes“ („Krieg aller gegen alle“) beschreibt Hobbes den Naturzustand, in dem es kein allgemeines Recht und Gesetz gibt, sondern nur das Recht und Gesetz ist, was der Stärkere sich erkämpft. Jeder hat demnach das Recht dazu, alles zu tun. Gehen wir in den Urzustand des Menschen zurück, so werden wir dieses oben beschriebene lateinische Postulat sicherlich nicht in seiner reinen Form vorfinden. Wir werden vielmehr einen Krieg zwischen Banden, zwischen Gruppen, zwischen Männergruppen vorfinden. Denn der Mensch ist ja kein Emerit von Hause aus. Er ist kein Einzelgänger und rein individualistisches Wesen, das sich nur um sich selbst schert und dessen Egozentrismus eine übermäßige Ignoranz gegenüber dem Umfeld an den Tag legt, so dass hier getrost von einer Hybris gesprochen werden kann. Tatsächlich bekommen wir in der Moderne sehr häufig den Eindruck, dass wir es fast ausschließlich nur noch mit Menschen zu tun haben, die sich nicht mehr um das kümmern, was gestern war und auch nicht wirklich überlegen, was nach dem Morgen auf sie zukommt. Dennoch schlummert im Menschen und im Mann noch immer das Potenzial wieder „geerdet“ zu werden. Alexander Dugin beschreibt in seinem Buch „Die vierte politische Theorie“ sehr gut, wie sich die Moderne entwickelt hat und was aus ihr wird, wenn der zeitliche Verlauf weiterhin „progressiv“ verläuft. Er spricht hier von der Postmoderne und meint, dass dieses Individuum zu einem „Dividuum“, also einem gespaltenen Wesen wird, dass nicht einmal mehr das Morgen und das Heute, sondern nur noch das Hier und Jetzt kennt. Eine solche Hybris würde de facto zur Abschaffung des Menschen führen. Dieser Postmensch wäre wahrscheinlich transhumanistisch, autonomistisch und vollkommen apolitisch. Zugegeben weist dies auf eine sehr negative Zukunft hin, die wohlmöglich mit dem Mann nicht mehr viel zu tun hat. Tatsächlich ist die Geschichte von Gesellschaften immer die Geschichte von Männern gewesen. Keine Frage, dass es auch großartige Frauen in der Geschichte gab, doch die Geschichten großer Männer, die durch ihre Männlichkeit zu historischer Größe gelangten, ist bei weitem umfangreicher.

So fanden sich Männer aus Naturnotwendigkeiten heraus immer in Gruppen zusammen. Wenn sie jagten, waren sie in der Gruppe effektiver und demzufolge war die Jagd erfolgsversprechender. Auch um die Sicherheitsbedürfnisse, d.h. jene Bedürfnisse nach körperlicher Unversehrtheit, befriedigen zu können, verließ sich der Mann auf Wächter, die das Revier auf eventuelle feindliche Eindringlinge überwachten. Wurden sie bedroht, schlugen sie gemeinsam zu.

Das oben beschriebene Konkurrenzverhalten unter Männern schlägt sich heute mehr auf der ökonomischen Ebene nieder. In einer Zeit, in der selbst ein ehrenwerter und der Erde so naher Beruf wie der des Bauern allmählich verschwindet, hat sich die Fähigkeit, physischen Druck auszuüben (Kraft) stark reduziert. Der Landwirt, der den Bauern ablöste, ist heute eine eigene Art des Industriearbeiters. Die körperlich sehr anspruchsvolle Arbeit wird heute von schweren Maschinen erledigt, so dass der Beruf Landwirt immer weniger eine Herausforderung für den Mann bezüglich seiner physischen Kraft darstellt. Heute ist der Wunsch eine Bürotätigkeit auszuüben bei jungen Leuten stärker ausgeprägt als es in der Vergangenheit der Fall war. Es versteht sich von selbst, dass der Mann hier keinerlei Herausforderungen mehr ausgesetzt ist und demnach seine typisch männliche Kraft vernachlässigt. Dennoch sind selbst emanzipierte Männer, die den physischen Kampf zwischen Menschen für archaisch halten, nach wie vor dem Konkurrenzdenken unter Männern unterlegen. So kaufen sie sich das neueste Auto, protzen mit ihrer 5.000-Euro-Uhr oder versuchen mit ihren weiblichen Eroberungen anzugeben und es damit anderen Männern zu zeigen. Obwohl die Anwendung oder gar Verherrlichung von Gewalt – eine Sache, die in der Regel auch eher dem Mann zugesprochen wird – heute keine gesellschaftliche Anerkennung besitzt, haben Filme, die voll Gewalt strotzen, bei denen es nicht selten um den berühmten Weltuntergang geht und in denen brennende Autos und menschliches Blut die eigentliche Handlung bestimmen, Hochkonjunktur. Wer denkt an der Stelle, wo Leonidas in dem Film „Sparta“ den persischen Gesandten in den Abgrund tritt, während er den Eindringlingen die Worte „Das ist Sparta!“ zuruft, selber an seiner Stelle zu stehen? Oder warum häufen sich Filme wie Resident Evil, die offensichtlich fernab von jeglicher Realität sind in den Kinosälen? Ist es der heimliche Wunsch, selber zum Zombiejäger zu werden?

Der Jäger steckt noch immer im Mann. Auch wenn sich dieser heute in einem ziemlich verformten Körper befinden möge, ist er noch da. Bedenkt man, dass nun jeden Tag Tausende überwiegend junge Männer aus fremden Kulturen die Tore Europas passieren, ist es nur eine Frage der Zeit, dass die heute sehr außer Form gebrachten männlichen Europäer sich in Hobbes berühmten „Bellum omnium contra omnes!“ wiederfinden werden. Diese jungen, sich nicht selten in körperlicher Topform befindenden kulturfremden Männer haben großenteils gefährliche Reisen auf sich genommen. Sie sahen schreckliche Dinge und nahmen große Opfer in Kauf, um nach Europa und namentlich nach Deutschland zu gelangen. Nun sind sie hier und fangen bereits an, mit den Männern in Deutschland zu konkurrieren. Die Silvesternacht von 2015 zu 2016 machte deutlich, welcher Naturzustand uns erwarten wird. Die Männer in Köln riefen lieber die Polizei und verließen sich auf den Rechtsstaat, der jeden Tag aufs Neue ad absurdum geführt wird. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch wieder deutsche Männer zum Äußersten getrieben werden. Dann heißt es, wieder den Weg der Männer zu gehen. Und dieser ist nun mal der Weg der Bande.

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