Die Bewahrung unserer Identität – Politik, Kunst und Kultur bei der Burschenschaft Thuringia

– Verfasst von Peter Steinborn, Bild: Ergebnis der Kunstvorführung von Wolf PMS nach dem Deutschlandseminar. –

Am 1. Juli 2017 öffnete die Burschenschaft Thuringia die Türen ihres Anwesens in Braunschweig und lud zum 14. Deutschlandseminar ein, welches sich als ein Forum für Politik und Kultur verstanden wissen will. Das diesjährige Leitthema „Die Bewahrung unserer Identität“ lockte viele zu einem großen Teil aus dem akademischen Bereich stammende Junge und Alte an. Neben theoretischen Beiträgen von namhaften Referenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur ermöglichten die Initiatoren den Teilnehmern einen Einblick in die künstlerischen Erzeugnisse von Ralf Oertel und Wolf PMS. Vom groß in den Lokalmedien angekündigten Protest war für die Seminarteilnehmer jedoch kaum etwas zu spüren.

An der Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig gibt es über 20 verschiedene Studentenverbindungen. Die Burschenschaft Thuringia ist jene unter ihnen, die die wichtigen Fragen unserer Zeit erörtert sehen will. Die Identität sah sie vergangenes Wochenende daher im Mittelpunkt eines colloquiumartigen Seminars, in dem aus dem Auditorium Fragen an die Referenten gestellt werden konnten.

Zu Beginn führte der Künstler und Illustrator Ralph Oertel die Anwesenden in das Thema „Identitätssuche in der Kunst – Annäherung durch ausgewählte Werke“ ein. Hauptaugenmerk legte er hierbei besonders auf Werke des herausragenden Renaissancekünstlers Albrecht Dürer. Dieser europäische Genius war ein Meister und Provokateur  seiner Zeit. Sein berühmtes Werk „Ritter, Tod und Teufel“ postuliert eine neuaufkommenden Zeit, während die Gesellschaft sich unter das Joch des u.a. durch Jakob Fugger wuchernden Ablasshandels begibt. Oertel, der Philosophie und Kunstgeschichte studierte, hob das identitätsstiftende Moment der Kunst hervor und illustrierte nicht nur mit den Werken der Großen, sondern stellte den Teilnehmern seine eigens erzeugten Machwerke zur Veranschaulichung identitärer Strahlkraft zur Verfügung. Seine Werke, die u.a im Antaios und Jung Europa Verlag erschienen sind, legen bestes Zeugnis für das noch bestehende Schöpferische unserer Gegenwart ab.

In seinem Referat „Gefährdung Europas durch zersetzende Ideologien“ tauchte Georg Immanuel Nagel tief in die Psyche des modernen Menschen ein. So skizzierte er unsere Zeit als „das Zeitalter des Nichts“, in dem der Mensch versucht, alles und jeden zu „höherem Wert zu erheben“, jedoch das Kollektiv als Ganzes vernachlässigt. Ohne die Existenz des Individuums zu leugnen, warf er dem modernen Menschen vor, durch seinen grenzenlosen Individualismus das große Ganze unberücksichtigt zu lassen. „Das Nichts“ beschreibt der in Wien geborene freie Journalist und Philosophiestudent als „das Widerstreben gegen die Natur und Ordnung“, welches sich uns durch die Schlagworte „Rationalismus und Materialismus“ aufzeigt. Dem Nichts stellt er das Ganze gegenüber, um das es gehen müsse. An das Auditorium appellierte er, das Unmögliche zu wagen und den ethnischen Begriff als essentiell zu betrachten, wobei er davor warnte „in den Nationalismus (zu) verfallen“.

Der besonders für seinen metapolitischen Ansatz bekannte Rechtswissenschaftler Dr. Dr. Thor von Waldstein führte dem Auditorium die zehn Todsünden des Liberalismus vor Augen. In gewohnt rhetorisch sehr gut ausgefeilter Art und Weise beschrieb er die in der Bundesrepublik und in der ganzen westlichen Welt vorherrschende Ideologie als ein sich selbst zersetzendes Wesen. „Nichts spricht dafür, dass der Liberalismus die letzte Antwort ist“, ließ er die Zuhörerschaft wissen. Der Autor diverser Bücher wies nach, dass der Liberalismus asozial, libertär statt liberal, totalitär statt tolerant, parasitär und undemokratisch sei. Ihm fehle der Sinn des Repräsentativen[1].  Das Wesen des Liberalismus beschrieb er als eine unendliche Diskussion, eine „Diktatur des Belanglosen“, die das Köpfe-rollen-lassen nicht braucht, da es sie überflüssig macht. Zudem benutze der Liberalismus einen provokanten Freiheitsbegriff, dem immer eine „Freiheit von“ statt eine „Freiheit für“ zugrunde liege. Der sogenannte siamesische Zwilling des Kapitalismus ist in den Augen Waldsteins eine „Herrschaft der Minderwertigen“. All dies führe automatisch zu einem Schwinden der Herrschaft des Liberalismus.

Zum Schluss warf der Rechtsanwalt Dr. Björn Clemens die Frage nach der Reformfähigkeit der BRD auf. Ergänzend zu seinen Vorrednern konstatierte der Rechtswissenschaftler und Betriebswirt, dass sich das deutsche Volk in einer dramatischen Lage befindet, die einem System geschuldet ist, dass de facto aufgrund der nicht vorhandenen Grenzen und einer vollkommen uferlosen Masseneinwanderung keinen souveränen Staat mehr darstellt. „Die böse Frau aus Berlin“, habe, nach Lenin, aus dem „Staat“ ein „Werkzeug der politischen Klasse zur ökonomischen Ausbeutung der unterdrückten Klasse“ gemacht. Die BRD nannte er demnach ein „Ausbeutungswerkzeug“. Tatsächlich kann die BRD, so wie sie mittlerweile existiert, nur noch überwunden, nicht mehr reformiert werden. Das Handeln der „bösen Frau aus Berlin“ sowie der gesamten Bundesregierung ist spätestens seit Sommer 2015 grob verfassungs- bzw. grundgesetzwidrig. Tatsächlich kann daraus abgeleitet werden, dass dieses System bzw. dieser „Scheinstaat“ keine Reformfähigkeit mehr aufweist. Wer sich an seine eigenen Regeln bzw. Verfassungsgrundsätze nicht halten kann, der muss überwunden werden.

Es kann getrost davon gesprochen werden, dass die Burschen der Thuringia ihrem Namen mit dem 14. Deutschlandseminar alle Ehre gemacht haben. Der Gründungsmythos der Urburschenschaften basiert auf politischen Motiven der napoleonischen Besatzungszeit. Sie ist immer ein Verband gewesen, der die wichtigen Fragen Deutschlands zur richtigen Zeit aufwirft. Die Frage nach unserer Identität sowie den ihr feindlich gegenüberstehenden Elementen konnte keine Sekunde zu früh erörtert werden. Betrachtet man die zum größten Teil junge Zuhörerschaft an diesem Tag, entsteht auch in mir eine starke Hoffnung in die Zukunft. Hier befand sich die Elite von morgen. Ich hoffe, dass die Thuringia so weiter macht. Danke für ein herausragendes Forum für Politik und Kultur!

[1] So verwies Thor von Waldstein auf den 3. Oktober der mehr einer „billigen Jahrmarktveranstaltung“ ähnelt, denn einem Nationalfeiertag entspricht.

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