Katalanischer Patriotismus, europäischer Aufbruch und linke Solidarität. Teil I

– Verfasst von Karl Moor –

Erst neulich konnte man ihn wieder vernehmen, den Hauch von Unabhängigkeit, das Gefühl von patriotischem Aufbruch und das Entfachen eines lange Zeit kleingehaltenen Feuers. Die Rede ist von der wiederaufkommenden Frage eines unabhängigen Kataloniens[1]. Was aber hat das nun mit der rechten Sache in Deutschland und Europa zu tun?

Die 3 Ebenen der Identität

Die Identitäre Bewegung betont mit ihrem Ethnopluralismus[2] stets die kulturelle und ethnische Einheit. Kernpunkte dabei sind die drei Ebenen der Identität:

  • die lokale Ebene
  • die nationale Ebene
  • die zivilisatorische Ebene

Keine der Ebenen darf hierbei mehr betont werden, weil sie sonst mit den anderen kollidiert und das Gleichgewicht zerbricht. Die notwendige Anerkennung dieser Ebenen ist der Schlüssel zum Verständnis dieses Artikels und seiner Problematik, denn zu lange wurde nur von Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien etc. als Staaten gesprochen und Europa war gerade gut genug, wenn es um die Abgrenzung zu den anderen Kontinenten, ja zur Abgrenzung aller nicht westlich geprägten Teilen der Welt gut war. Das allgemeine Problem ist hierbei, dass noch immer die Organisation über die Idee bestimmt. Stellen wir uns einmal ein Volk als die Idee und seine geschaffene Ordnung, die Recht und Solidarität untereinander verspricht, die Organisation, als den Staat vor. Keiner wird dieser Auffassung widersprechen, dass nur so zum Wohle aller geherrscht werden kann, wenn die Gesetze und Tugenden die der Staat nach innen und außen zu vertreten hat, dem Seelenleben des Volkes entsprechen. Dabei ist es zunächst unwichtig, um welche der 3 legitimen Staatsformen des Aristoteles es sich hierbei handelt.

Dennoch hat sich eine andere Auffassung vom Wesen des Staates durchgesetzt, nämlich jene der Französischen Revolution. Gerade das zentralistische Frankreich, in dem alle Fäden in Paris zusammenlaufen, ist genau das Gegenstück zur Ausbildung von Lokalidentitäten. Im Zuge des Aufschwungs von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ wurden auch die zahlreichen regionalen Kulturen wie die bretonische, baskische, elsass-lothringische in ihrer Entfaltung gehemmt. Man hat es seither in Europa nicht mehr verstanden, eine Ordnung zu etablieren, die sich nicht nach den Interessen der Eliten richtet, sondern an den ethnischen und kulturellen Verhältnissen in den jeweiligen Regionen orientiert. So treten in Europa heute viele Aufständische, Sezessionisten und Freiheitskämpfer auf, die jene Ordnung durcheinander zu bringen scheinen. Solche Unabhängigkeitsbestrebungen finden wir bei den Schotten, Süd-Tirolern, Sarden, Basken und den Katalanen. Diese Völker existieren nicht nur in den Köpfen irgendwelcher örtlichen Intelligenzen, sie unterscheiden sich mehr oder weniger stark in ihrer ethnokulturellen Identität im Vergleich zur Bevölkerungsmehrheit ihres Staates. Die Zugehörigkeit der Süd-Tiroler zum deutschen Volk ist genauso wenig eine Fiktion wie die mehrheitlich keltisch geprägte Lebensweise der Schotten, Iren und Waliser im Vergleich zu den angelsächsischen Nachbarn.

Ein kurzer Abriss der katalanischen Geschichte

Im 8. Jahrhundert begann die Entstehung von katalanischen Grafschaften, nachdem das Gebiet schrittweise von den islamischen Herrschern befreit wurde. In den folgenden Jahrzehnten etablierten sich mehrere örtliche Herrscherhäuser, von denen das Haus Barcelona heraus stach. Graf Borrell II., ein Sproß dieses Hauses, konnte seine Heimat 985 vor den wieder vordringenden Mauren auch ohne fränkische Unterstützung verteidigen. Bis dahin waren die katalanischen Fürsten noch dem fränkischen König lehenspflichtig gewesen, aufgrund der fehlenden Unterstützung gegen die Mauren aber verweigerte Borrell II. den Treueeid auf den fränkischen König. So gilt das Jahr 986 in Katalonien als Jahr der faktischen Unabhängigkeit, obwohl es formell noch zum Westfrankenreich gehörte. Das Haus Barcelona hatte sich der katalanische Sache verdient gemacht und Barcelona ist noch heute das Zentrum Kataloniens. Zum ersten König wurde Graf Ramon Berenguer, der die Prinzessin Aragons 1137 heiratete. Dies war die Geburtsstunde des Königreichs Katalonien-Aragon.

Wie in Norditalien entwickelte sich auch in Katalonien ein aufstrebendes Bürgertum, welches seinen Reichtum vor allem aus dem Handel im Mittelmeer schöpfte. Auf deren Begehren hin wurden auch parlamentarische Institutionen eingeführt. Die Heirat Ferdinand II. von Aragon (und Katalonien) mit der späteren Königin Kastiliens, Isabella, im Jahr 1469 schien diese politische Ordnung zu gefährden, da Kastilien ein sehr monarchisch geprägtes Gebiet war. Trotz dieser Heirat bestand weiterhin ein Konflikt zwischen den zwei führenden Mächten der Iberischen Halbinsel. Beide Gebiete folgten ihren Traditionen und Rechtsvorstellungen, so war die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus eine rein kastilische Angelegenheit.

Erst im Spanischen Erbfolgekrieg bestand die Hoffnung Kataloniens, sich von den kastilischen Fesseln zu befreien. Die katalanischen Eliten befürworteten einen österreichischen Habsburger als Thronfolger des verstorbenen Karl II., während die Kastilier Philipp von Anjou, den Enkel des Franzosenkönigs Ludwig XIV., unterstützten. Da der Österreicher Karl aber im Jahr 1711 selbst sein kaiserliches Erbe antreten musste und sich England in Folge dessen aus dem Konflikt zurück zog, standen die Katalanen nun allein gegen die Kastilier und Franzosen. Ein Jahr lang wurde Barcelona gehalten, bis es 1714 fiel.

Von da an war nun Philipp, ein Bourbone, König von Kastilien-Aragon-Katalonien, was sich später im Namen Spanien zusammenfasste. Wie sein Großvater zentralisierte Philipp sein Herrschaftsgebiet. Seit dem Jahr 1714 ist Katalonien nun kein selbstständiger Staat mehr.

Quellen

[1]https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/roadmap-der-abnabelung

[2]https://iboesterreich.at/identitaet/

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