Gedenken statt sühnen. Warum Dresden so wichtig ist.

– Verfasst von John Trichet –

Am 13. Februar 2017 jährte sich das Gedenken der Toten, die ihr Leben in einem beispiellosen Feuersturm verloren haben. Obgleich die Zahl der Opfer alliierter Massenbombardierung mittlerweile auf 25.000 geschrumpft ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich die tatsächlichen Zahlen beim Zehnfachen davon bewegen. Die Zahl der Opfer, die zu Ende des 2. Weltkrieges in Dresden ihr Leben verloren haben, dient noch heute als Objekt einer teilweise unsachlich geführten Diskussion. Dennoch ist es nicht mein Anliegen, hier eine Weiterführung dieser „Zahlendebatte“ zu betreiben. Im Grunde genommen ist die Zahl derer, die nun wirklich am 13. und 14. Februar dem alliierten Bombardement zum Opfer fielen, schier unbedeutend angesichts der Tatsache, dass es hierbei um die Grundsatzfrage geht, ob das deutsche Volk überhaupt ein Anrecht auf Gedenken seiner eigenen Opfer hat.

Seit der Jahrtausendwende findet jedes Jahr ein mehr oder weniger gut besuchter Gedenkmarsch in Dresden statt. Zunächst initiierte die Junge Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) den Gedenkzug durch die sächsische Hauptstadt. Im Jahr 2005 übernahm die Schirmherrschaft darüber die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Mittlerweile wird der jährliche Gedenkmarsch von einzelnen Akteuren aus Dresden organisiert, die sich offiziell gegen eine „Instrumentalisierung der Opfer zu politischen Zwecken“ stellen.

Hollywood-Nazis und Holocaustleugner

So wird es den Initiatoren sicherlich nicht gefallen haben, dass der Holocaustleugner und bekennende Nationalsozialist Gerhard Ittner am 11. Februar dieses Jahres in die Stadt kam, um eine stark politisierte Veranstaltung durchzuführen, die offenbar darauf abzielte, die Opfer für eine erneute Leugnung des Holocaust zu instrumentalisieren. So entstanden auf der „Ittner-Veranstaltung“ groteske Bilder von Reichsbürgern und Holocaustleugnern, die neben einigen wenigen Bürgern vergebens versuchten, mit in der liberalen Lebenswirklichkeit befremdlich wirkenden Gesten, nationale Forderungen durchzubringen. Der Schweizer Bernhard Schaub soll wohl nicht direkt von der „Holocaustlüge“, jedoch in einem durchaus interpretationsfreudigen Kontext von „der größten Lüge der Weltgeschichte“ gesprochen haben. Unterm Strich dürften die Medien hier bekommen haben, wovon jeder linksliberale „Qualitätsjounalist“ träumt: Bilder von Hollywood-Nazis, die den Sinn einer derartigen Veranstaltung ad absurdum führen und in diesem Fall die Opfer eines offenkundigen Kriegsverbrechens der Lächerlichkeit preisgeben. Ich möchte hierbei keinesfalls die Ehrhaftigkeit und den edlen Sinn einiger der Teilnehmer infrage stellen und sicherlich wäre es vermessen die circa 200 Demonstranten alle über einem Kamm zu scheren. Doch offenbarte sich dieser Tage wieder einmal das fehelende Fingerspitzengefühl einiger Rechter, mit sensiblen Themen, wie der Bombardierung Dresdens, in der Öffentlichkeit umzugehen.

Ein wahres Gedenken in Dresden

Anders war es auf dem Wiener Platz hinter dem Hauptbahnhof, wo sich ein Gedenkzug formierte, auf dem ich selbst zugegen war. Die Veranstaltung wurde bereits im Vorfeld als reiner Gedenkmarsch ausgegeben, der keine politische Veranstaltung sei, weshalb man auch keine politischen Botschaften, Fahnen oder Transparente dulden würde. Die Ankündigungen wurden vor Ort durchaus ernst genommen. Jene, die sich an die vorher ausgegebenen Regeln nicht halten konnten oder wollten, wurden des Platzes verwiesen und in die sprichwörtliche Wüste geschickt. Der Veranstaltungsleitung kann hierbei durchaus unterstellt werden, dass sie für einen ordentlichen und vor allem friedlichen Ablauf sorgte. Ich hatte bis dato einige Jahre Veranstaltungen dieser Art gemieden. Tatsächlich habe ich mit der üblichen Disziplinlosigkeit, die ich zu genüge aus dem sogenannten „Nationalen Widerstand“ kenne, gerechnet. Und tatsächlich wurde ich Zeuge einer Veranstaltung, die offenbar nicht zu demselben gezählt werden kann. Sie war gut durchgeplant, die Teilnehmer waren diszipliniert und die Veranstaltung erfuhr durch die Teilnahme von Franzosen, Serben, Tschechen, Schweden und Österreichern einen über das Deutsche hinausgehenden europäischen Charakter.

Die Autosuggestion der Linken

Das Bündnis „Dresden Nazifrei“ rief zu Gegenaktionen zum Gedenkmarsch auf. Der Zug wurde somit weitestgehend von infantil wirkendem linksliberalem Getöse begleitet. Dabei eröffnete sich jedem Teilnehmer ein groteskes Schauspiel: Junge Menschen, zumeist noch Kinder, jedoch auch Erwachsene, die sich wie Kinder verhalten, rufen zum Mord auf, verhöhnen die Opfer und gerieren sich als Humanisten. Trotzdessen blieb der Zug ruhig und führte seinen Weg durch die Stadt fort. Ich würde behaupten, dass jener der sächsischen Hauptstadt seine Würde zurückgab, angesichts des zuvor über viele Jahre anhaltenden Beifalls der an einer Autosuggestion leidenden Linken. Diese täuscht sich selbst über die desolate Situation einer Identitätskrise hinweg. Andreas Krause Landt beschreibt in Ansätzen diese Identitätskrise, welche mit der Unfähigkeit, mit seiner Vergangenheit umzugehen, zusammenhängt, in seinem in den Kaplaken des Antaios Verlages erschienenem Buch „Mein jüdisches Viertel, meine deutsche Angst“. Unter dieser Unfähigkeit mit der „ewigen Schuld“, die dem deutschen Volk seit Ende 1945 anhängt, umzugehen, leidet die gesamte bundesdeutsche Gesellschaft. Die Linke, welche selbst längst ihr antikapitalistisches und soziales Gesicht verloren hat, befindet sich in einer weiterführenden Identitätskrise. Sie ist nicht mehr dazu in der Lage sich selbst zu lieben. Sie leidet unter einer gewaltigen Wahrnehmungsstörung. Hier muss begriffen werden, dass die linksliberalen Infantilen eine ganz andere Lebenswirklichkeit an den Tag legen, als es jene Teilnehmer auf dem diesjährigen Gedenkmarsch in Dresden tun. Sie wurden nicht nur verhetzt, sondern sind Opfer einer Jahrzehnte anhaltenden Konditionierung, die zu einer Psychose führte.

Warum Dresden so wichtig ist?

Und deshalb ist das Gedenken in und um Dresden so wichtig. Deshalb ist es auch wichtig, dieses Gedenken in der Öffentlichkeit zu begehen. Es ist eine der momentan vielen Störungen innerhalb des Systems. Vielleicht handelt sich dabei sogar um eine der wichtigsten und subversivsten Programmstörungen, denn die „ewige Schuld und Sühne“, zu der wir verdammt scheinen, macht uns ohnmächtig. Sie zu durchbrechen wird der erste notwendige Akt sein. Die jüngsten Ereignisse, die der „Dresdner Rede“ von AFD-Politiker Björn Höcke folgten, zeigen das erschreckende Ausmaß dieser Autosuggestion der Deutschen. Die Wahrnehmung ist vollkommen gestört. Eine logische und sachlich-fundierte Diskussion ist in diesem Land zu bestimmten Themen nicht mehr möglich. Sobald es um die Vergangenheitsbewältigung geht, steht es dem Deutschen nicht frei, seine für ihn angemessene Art der Praktizierung zu wählen. Dresden ist dabei eine wichtige Bastion der Erinnerungskultur. Diese dürfen wir uns nicht nehmen lassen.

Hier entdecken wir auch zugleich die Aufgabe der radikalen Rechten. Während es für eher bürgerlich-demokratische Patrioten, die aus der gut situierten Mitte der Gesellschaft stammen, als schwierig gelten dürfte, diese Themen zu beackern, kann die radikale Rechte, welche sich ohnehin als Systemstörung versteht, eine Erinnerungskultur schaffen. Diese muss jedoch über ihre Grenzen hinaus Verbreitung erfahren. Es geht darum, diese Erinnerungskultur wieder in die Mitte zu tragen. Hier müssen Anknüpfungspunkte mit der Neuen Rechten bzw. mit der bürgerlich-demokratischen Rechten gesucht werden. Die subversiven Äußerungen von Björn Höcke, lassen Potenzial vermuten.

 

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